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Urlaub mit dem Pferd – Teil II

Während der erste Artikel zum Thema Urlaub mit dem Pferd über das Urlaubsziel handelte, möchte ich hier ein bisschen darauf eingehen, welches Pferd ein guter Urlaubsbegleiter ist und welches vielleicht im heimischen Stall doch besser aufgehoben ist. Außerdem gebe ich euch ein paar Tipps, welche Ausrüstungsgegenstände ihr auf jeden Fall mitnehmen solltet.

Wer mit seinem Pferd in den Urlaub möchte, sollte bedenken dass dies für alle Beteiligten, also Pferd und Reiter, eine Ausnahmesituation ist. Hat man nicht gerade ein super routiniertes Turnierpferd, welches es gewohnt ist, jedes Wochenende in einem anderen Stallzelt zu übernachten, bedeutet die Umstellung in den Urlaubsstall Stress für das Pferd. Alles ist neu und anders, da kann man schon mal ein bisschen neben der Spur sein. Wer ein sehr stressanfälliges Pferd hat, welches in solchen Situationen möglicherweise sogar mit Koliken reagiert, sollte sich also gut überlegen, ob das Pferd nicht zuhause besser aufgehoben ist. Je nach Entfernung kann auch die Fahrt an den Urlaubsort schon zur Belastungsprobe werden. Der vierbeinige Urlauber sollte also fit und gesund sein, damit er die Strapazen, die mit so einem Urlaub einhergehen, gut wegsteckt. Auch Pferde mit sehr speziellen Haltungs- und Fütterungsbedürfnissen sind meist zuhause besser aufgehoben, weil diese am Urlaubsort oftmals nicht so gut berücksichtigt werden können wie zuhause. Das Pferd- und Reitergespann sollte außerdem schon ein bisschen zusammen gewachsen sein, damit es die Herausforderungen, die ein solcher Urlaub an beide stellt, sicher und mit Vergnügen meistern kann. Sonst wird der Urlaub schnell zur absoluten Zerreißprobe und richtiger Genuss will nicht so richtig aufkommen. Für ausgedehnte Ausritte und lange Galoppeinheiten empfiehlt es sich außerdem, die Kondition von Pferd und Reiter (!) auf den Urlaub vorzubereiten. Es wäre ja sehr schade, wenn man nach dem ersten Kilometer  schon schlapp macht und den Rest der Strecke im Schritt bewältigen muss.

Habt ihr aber ein gesundes, munteres und verlässliches Pferd, steht dem Urlaubsvergnügen nichts im Wege. Ihr solltet aber trotzdem im Hinterkopf behalten, dass Pferde wohl keinen Urlaub buchen würden, wenn man sie fragen würde. Während ihr so richtig schön ausspannen könnt, hat euer Pferd alle Hufe voll damit zutun, sich in der neuen Umgebung einzugewöhnen. Soll euer Pferd nach einer anstrengenden Saison ein bisschen Erholung genießen, ist es zuhause auf der Weide auch besser aufgehoben, als mit euch im Urlaub.

Hab ihr euch dann aber für einen gemeinsamen Urlaub mit dem Pferd entschieden, solltet ihr euch eine kleine Packliste machen, damit ihr am Abreisetag nichts Wichtiges vergesst. Denn an eurem Urlaubsziel ist es unter Umständen nicht so einfach, vor Ort die fehlenden Teile zu beschaffen, vor allem wenn ihr euch auf einer der beliebten Urlaubsinseln befindet. Neben den offensichtlichen Sachen wie Sattel, Trense, Reitausrüstung und Putzzeug, gibt es ein paar Dinge, die ihr zusätzlich dabei haben solltet, vor allem, wenn es ans Meer geht.

Notfallapotheke: Ungewohnte Umgebung, evtl. neue Pferdegruppe, etwas Aufregung und schwups ist es passiert: Ein Kratzer, ein kleiner Schnitt, etwas abgeschürfte Haut. Besser, ihr habt etwas zur Wundversorgung dabei, also etwas zum Reinigen der Wunde, eine Wundsalbe und etwas Verbandmaterial sowie eine Stallbandage. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr sie nie benutzten müsst, aber besser man hat sie dabei. Außerdem mitnehmen solltet ihr Pflaster, denn ein langer Ausritt kann schon mal zu Blasen an den Händen oder wundgescheuerten Knien führen. Solltet ihr ein Pferd mit rosa Nase haben, nehmt Sonnencreme mit und vergesst nicht, euch davon etwas ins Gesicht und auf die Arme zu schmieren, sonst gibt’s leicht mal einen Sonnenbrand.

Telefonliste: Am besten lasst ihr euch vor Reiseantritt schon von jemandem vor Ort (zum Beispiel dem Stallbesitzer oder eurem Ansprechpartner in Urlaubsstall) alle wichtigen Nummern geben, also Tierarzt, Hufschmied, die nächste Klinik und dem Ansprechpartner im Stall. Diese Nummern speichert ihr am besten direkt ins Handy, damit ihr sie im Notfall sofort griffbereit habt. Solltet ihr auf eine Insel fahren, bedenkt dass der Hufschmied dort nur alle paar Wochen vorbei kommt und der Tierarzt erst vom Festland anreisen muss. Ihr solltet also nicht mit überfälligen Eisen in den Urlaub starten.

Beinschutz fürs Pferd: Der optimale Beinschutz hängt natürlich sehr von eurem Reiseziel und von eurem Pferd ab. Wer durchs Wasser reiten möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass sich die Gamaschen nicht vollsaugen und dann rutschen oder verloren gehen könnten. Außerdem sollten sie eng am Bein anliegen, damit kein Dreck oder Sand in die Gamaschen kommt und anfangen kann zu scheuern. Möchtet ihr mit dem Pferd an den Strand, würde ich ganz von Gamaschen abraten, am besten lasst ihr die Pferdebeine wie Gott sie schuf. Die Gamaschen können noch so gut sitzen, hier ist so viel Sand im Spiel, davon kommt bestimmt etwas unter die Gamaschen und fängt dann an zu scheuern, das kann wirklich fiese stellen geben. Bandagen aus Wolle oder Fleece eignen sich überall, wo ihr durch Wasser reitet (und das gilt schon für Pfützen!) gar nicht, sie saugen sich voll Wasser, rutschen dann am Bein herunter und euer Pferd kann sich böse darin verheddern!

Fliegenschutz: Wenn euer Pferd auch im Urlaub etwas entspannte Zeit auf der Weide verbringen soll, nehmt auf jeden Fall einen Fliegenschutz mit, am besten eine gut sitzende Fliegendecke, die auch nicht anfängt zu scheuern, wenn euer Pferd sie viele Stunden (eben so lange wie es auf der Weide stehen soll) trägt und eine Fliegenmaske die natürlich auch nicht scheuern darf und genügend Abstand zum Auge hat. Am besten testet ihr den Tragekomfort schon einige Wochen vor abfahrt, sofern euer Pferd zuhause nicht ohnehin Fliegenschutz trägt. Achtung, auch an der See gibt es Fliegen und Bremsen! Dass dort keine sind, mag für den Strand direkt gelten, aber auf den Weiden etwas weiter im Hinterland sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Ihr könnt Glück haben und es gibt tatsächlich keine Insekten, vor allem wenn die Weiden recht trocken sind. Aber mit etwas Pech habt ihr genauso mit dem ungeliebten Viehzeug zu kämpfen wie zuhause.

Lederstiefel: Wenn ihr an die See fahrt, bleiben die besser zuhause. Denn Salzwasser mögen sie nicht wirklich und damit werden sie leider in Berührung kommen, wenn ihr am Strand reiten wollt. Nehmt am besten ein paar alte Gummireitstiefel mit, wenn ihr solche noch zuhause rumliegen habt. Oder ein paar alte, ausgediente Stiefel, die ihr eh nicht mehr benutzt. Solltet ihr nur das eine Paar Lederstiefel haben, pflegt sie auf jeden Fall bevor ihr losreitet und dann direkt danach wieder, damit ihr unschönen Salzrändern vorbeugen könnt. Zu jedem anderen Urlaubsziel könnt ihr sie natürlich mitnehmen.

Regendecke: Egal wie gut das Wetter ist, wenn ihr zuhause los fahrt und egal, welche sommerlichen Temperaturen der Wetterbericht verspricht – das Wetter kann sich vor allem an der See rasend schnell verändern und über Nacht kann ein Sturm aufkommen. Vor allem wenn euer Pferd seinen Urlaub draußen verbringen soll, ist eine gefütterte Regendecke unverzichtbar! Man unterschätzt den beständig wehenden Wind sehr leicht und schon ein Tag lang Regen in Kombination mit dem Wind kann eurer Pferde ganz schön auskühlen. Deckt darum unbedingt ein, sobald es mehr als einen kleinen Schauer von oben gibt und unterschätzt den Wind nicht. Die Pferde frieren sehr schnell und kühlen wirklich aus.

Lederpflege: Für alle Meeresurlauber unverzichtbar! Weil euer ganzes Lederzeug durch das Salzwasser und die salzige Luft extrem strapaziert wird, solltet ihr ihm ein bisschen Extrapflege gönnen. Am besten habt ihr eine pflegende Lederreinigung dabei, mit der ihr das Lederzeug nach dem Ritt abwaschen könnt und danach ein reichhaltiges Fett um für den nächsten Ritt gewappnet zu sein.

Martingal oder Halsriemen: In vielen Orten und Regionen muss man eine Reitplakette lösen, wenn man mit dem Pferd ins Gelände reiten möchte. Diese ist dann gut sichtbar am Pferd anzubringen. Konzipiert sind die Plaketten, um sie am Martingal zu befestigen. Reitet ihr ohne Hilfszügel, kann man einfach einen Lederriemen oder ein Band in entsprechender Stärke mitnehmen und die Plaketten daran befestigen. An die Trense kann man sie natürlich auch binden, das ist aber ein bisschen Friemelei.

Wenn ihr die genannten Gegenstände alle dabei habt, seid ihr gewappnet für den Urlaub und es kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen!

Im nächsten Teil dieser Serie würde ich euch gern ein paar Tips zum Reiten am Strand mitgeben.

Kategorie: Freizeit

von

29 Jahre alt, aus Hamburg, Reiterin und Fotografin mit Hannoveranerwallach Zausel und Oldenburger Stute Sam

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