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Urlaub mit dem Pferd – Strandspezial

Es ist wohl einer der ganz großen Träume eines jeden Reiters: Mit dem eigenen Pferd über den Strand zu fliegen. Die weite des Strandes, eine Kilometer lange Strecke, auf der man die Pferde mal richtig laufen lassen kann, das Meer, das unter den donnernden Hufen bis zum Reiter aufspritzt, dazu die Seeluft und Möwengeschrei, das ist es wohl, wovon schon kleine Pferdemädchen träumen.
Hollywood hat sicherlich eine gewisse Mitschuld an diesen Phantasien, schließlich ist das am Strand galoppierende Pferd immer wieder ein gern genommenes Motiv für das Gefühl der absoluten Freiheit.
Mich hat der Film Der schwarze Hengst als Kind sehr beeindruckt und die Szenen am Strand haben sich irgendwie als Traum in meinem Kopf festgesetzt.
Den ein oder anderen Strandritt auf Leihpferden habe ich dann auch schon mal unternommen und es ist tatsächlich so: Am Strand reiten ist etwas ganz besonderes. Aber wenn man ehrlich ist, ist das auf einem Leihpferd natürlich nur der halbe Spaß.  130508_St.Peter_-99

Letztes Jahr im Mai habe ich mir dann den wirklich lang gehegten Traum erfüllt und den Zausel zusammen mit zwei Freundinnen nach Sankt Peter Ording an die Nordsee gefahren.

130508_St.Peter_-87Tja und da fühlte ich mich dann tatsächlich ein bisschen wie Alec, nur das mein Schwarzer nicht schwarz sondern fuchsrot und kein Hengst war. Und es nicht ganz so mediterran warm war und ich etwas mehr als nur ein Leibchen aus Lumpen anhatte. Ich glaube, der Zausel hatte den Film auch gesehen und muss sich auch wie der wilde Araberhengst gefühlt haben, zumindest benahm er sich so und eigentlich flogen wir auch beinahe so schön über den Strand wie Alec und sein Schwarzer.

130508_St.Peter_-281  Am Strand reiten ist also definitiv ein ganz besonderes Erlebnis, für Pferd und Reiter. Es ist aber auch nicht ganz ungefährlich und es gibt ein paar Regeln, die man unbedingt einhalten sollte, wenn man am Meer reitet.

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Zunächst sind da die Gezeiten zu beachten, die vor allem eine bedeutende Rolle spielen, wenn man an der Nordsee reiten möchte. Der Wasserstand ändern sich mit Ebbe und Flut gewaltig. Bei Ebbe kann man durchs Watt  und so zum Beispiel sogar von Festland zur Insel Neuwerk reiten. Die Strecke ist aber bei Flut vollständig vom Meer verschluckt und nicht zu passieren. Das Wasser läuft mit einer Geschwindigkeit wieder auf, die man leicht unterschätzen kann und dann können vorher ganz flache Priele, die zwischen Watt und Festland liegen, sehr schnell so tief werden, dass man nur noch hindurch schwimmen könnte.
Wer also ins Watt reiten möchte, sollte das immer bei ablaufendem Wasser tun und die Uhr im Auge behalten, um sich rechtzeitig wieder auf den Weg zurück zu machen.

130508_St.Peter_-19Im Watt aber auch am Strand lauern außerdem Schlicklöcher und Stellen mit Treibsand. Der Boden ist an diesen Stellen sehr sehr tief, wer aus Versehen im Trab oder gar im Galopp durch eine solche Stelle reitet, riskiert einen Sturz und eine böse Verletzung des Pferdes. Auf Römö ist dieses Jahr sogar ein Pony beinahe komplett im Treibsand versunken (die SHZ berichtete: http://www.shz.de/nachrichten/deutschland-welt/panorama/pferd-versinkt-bis-zur-maehne-im-sand-id5977441.html). Das gemeine an diesen Stellen ist, dass man sie nicht erkennt, ehe man darin versinkt. Der Sand unterscheidet sich optisch überhaupt nicht vom Rest des Strandes und während man grade noch wunderbar festen Sand am Wassersaum unter den Hufen hatte, wird der Sand von einem Tritt auf den nächsten plötzlich unglaublich tief. Am besten fragt man vorher ortskundige Reiter nach gefährlichen Stellen am Strand und meidet diese dann oder reitet die Strecke vorher im Schritt ab, ehe man eine Gangart höher schaltet.

130508_St.Peter_-105  Der Sand ist an vielen Stränden sehr rollig, dass bedeutet, dass die einzelnen Sandkörner durch das Meer in eine runde Form gewaschen wurden. Durch diese runden Sandkörner besteht zwischen den einzelnen Körnern relativ wenig Reibung und der Boden verdichtet sich wenig, bleibt immer sehr tief und die Pferde rutschen ein Stück beim Auftreten auf den sich rollenden Sandkörnern. Das belastet die Sehnen und Gelenke der Pferde und man sollte daher tiefen Sand meiden. Besser reitet es sich direkt am Wassersaum, hier ist der Boden fester. Die Pferde können auf festerem Boden auch besser laufen, das Laufen im tiefen Sand kostet viel Kraft. Auch wenn der Strand zu ausgedehnten Touren einläd, sollte man den Trainingstand des Pferdes berücksichtigen und es auf dem ungewohnten Boden nicht überlasten.

Slider--4Für die meisten Pferde, die Strandritte nicht gewohnt sind, ist der Anblick der Weite und des Meeres ziemlich beeindruckend und sie können sich auf Grund der neuen Umgebung schnell ziemlich hochspulen. Ein frischer Galopp kann da die aufgestaute Spannung abbauen. Aber Vorsicht beim Ritt ins Wasser, umerfahrene Pferde haben meist Angst vor den Wellen und Schaumkronen. Manche reagieren mit einem beherzten Sprung nach vorn, daher nur an Stellen ins Wasser reiten, wo es schön flach ist, sonst geht man unfreiwillig gleich komplett baden.

StPeter_1-31Da in Küstennähe viele Vögel ihre Nistgebiete haben und das Wattenmeer komplett als Unesco Weltnaturerbe unter strengem Schutz steht, gilt wie eigentlich überall anders auch, dass die Reitwege nicht verlassen werden dürfen und das Reiten am Strand nur an den dafür vorgesehenen Abschnitten erlaubt ist. Damit wir Reiter auch in Zukunft an deutschen Stränden in den Genuss des Reitens kommen dürfen, sollten sich alle Reiter an diese Regeln halten und auch auf andere Strandgäste Rücksicht nehmen. Das gilt übrigens auch für andere Reiter: Überholen, dichtes aufreiten und von anderen weg galoppieren gilt als absolutes no-go und bringt alle in unnötige Gefahr.

130508_St.Peter_-398Wer sich aber umsichtig und rücksichtsvoll am Strand verhält, den erwartet auch ein absolutes überkochen der Glückshormone beim frischen Galopp am Strand entlang. Fast genau so wie bei Alec und dem Schwarzen.
Den Filmausschnitt gibts übrigens hier zu sehen:

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