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Foren, Facebook, Instagram & Co. – Die Entwicklung von Pferdeseiten im Internet

Menschen, die im Internet über ihre Pferde berichten, gibt es schon etliche Jahre. Im Laufe der Zeit hat sich diese Berichterstattung über unsere Pferde im Internet allerdings stark gewandelt.

Ich erinnere mich, dass ich etwa 2002 anfing, Fragen rund um die Ausbildung des Pferdes zu googeln. Neben dem Wissen, welches mir mein damaliger Reitlehrer vermittelte, wollte ich mir unbedingt noch mehr anlesen. So stieß ich bei den Google-Suchergebnissen auf das Reitforum. Das größte deutsche Pferdeforum im Internet ist wohl den meisten Lesern bekannt. Mit über 135.000 Mitgliedern treffen hier alle möglichen Pferdeleute, vom Spaziergänger über den Westernreiter bis zum Dressurjunkie aufeinander. Eine Frage, hundert Meinungen. Diskussionen rund um die einzig wahre Weidedauer, das beste Mineralfutter und die richtige Ausbildung eines jungen Pferdes sind dort Alltag. Jeder kann hier anonym seinen Senf zu Themen abgeben, egal woher sein (Halb)wissen auch kommen mag. Und Halbwissen ist ja bekanntermaßen gefährlich. Die aktiven Mitglieder berichteten dort, häufig täglich, über ihre Vierbeiner in so genannten „Freakshows“. Der Name war ganz passend, denn häufig ging es auch hier heiß her, so dass einige Freakshows schnell wieder verschwanden.

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Persönlich falle ich nicht in die Kategorie „Selbstdarsteller“, weshalb eine eigene Freakshow mich wenig reizte und ich nach einer Alternative zu dem unübersichtlichen Reitforum zu suchen begann. So gelangte ich zu Auftrab. Ein ansprechender Name und eine damals überschaubare Anzahl von Mitgliedern und Themen. Hier konnte ich mitreden! Es gab viele Mitglieder, die augenscheinlich wirklich Ahnung von Pferden hatten und von denen man eine Menge lernen konnte. Dadurch, dass sich dort offensichtlich nicht die breite Maße tummelte, herrschte ein anderer, meist netterer Umgangston. Auch ich fing also an, in der „Fotobox“ über mein Pferd zu berichten. In erster Linie ging es natürlich darum, dass einem jemand sagte, wie hübsch das Pferd aussieht und wie toll man reiten konnte. Ein bisschen wie Fishing for Compliments. Mit Kritik musste man lernen umzugehen. Auch mal von einem Misserfolg zu berichten, machte einen zwar bei den Lesern sehr sympathisch, war aber nicht einfach zuzugeben. Sicherlich aber eine Erfahrung, die aufs Leben gesehen nicht schlecht ist!

Nach und nach lernte man die anderen User besser kennen, so dachte man dies zumindest. Aber manchmal war das vermeintliche M-Dressurpferd mit Papa und dem Toptrainer an der Seite in Wahrheit doch ein ausgedientes Schulpferd, welches durch jede E-Dressur geschleudert wurde – und das kurz vor der Rente. Diese Geschichte beruht auf einer wahren Gegebenheit.

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Da man ja als Schüler und Student über ausreichend Zeit verfügt, schrieb und las ich noch in ein paar anderen Foren mit. Irgendwann entwickelte sich aus zwei öffentlichen Foren die Ideen, private Foren zu erstellen, wo man nur auf Empfehlung rein kam. Ich empfand es als sehr angenehm zu wissen, wer die Fotos und Berichte sehen konnte und wollte nicht alles mit der großen, weiten Internetwelt teilen.

Eine andere Entwicklung fand währenddessen auf Facebook statt. Viele ehemalige „Reitforumler“ erstellten eine Facebook-Fanpage für ihr Pferd mit der Begründung ihre nicht-pferdeaffinen Facebookfreunde so nicht mehr mit Pferdebildern vollzuspamen. Sollte ich diese Seiten auch „liken“? Ich sage ehrlich: Es war mir peinlich, dass dies auch Nicht-Pferdebegeisterte in ihrer Chronik angezeigt bekamen und vermutlich dachten, dass ich einen Lattenschuss habe. Geht es euch genauso?

Es entwickelten sich „Fangemeinden“ rund um Diamiro, Rubi, Samba und Co. „Follow me around“-Videos kamen schwer in Mode: Die Facebookstars filmen sich den ganzen Tag bei irgendwelchen mehr oder weniger aufregenden Aktivitäten, wobei die Kamera gerne auch mal während des Autofahrens auf einen selbst gerichtet wird. Ich sehe die Schlagzeile schon vor mir: „Fangemeinde boykottiert Videoaufnahmen während der Fahrt nach schwerem Verkehrsunfall von Facebook-Star.“ Ferner wird das Putzen des Pferdes in epischer Länge gezeigt und Muttis, Papis und Freunde gelangen ebenfalls ins World Wide Web, egal ob sie wollen oder nicht. Ich gebe zu: Auch ich fand es interessant, die Mädels mal „ganz persönlich“ kennen zu lernen.

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Das Portal ReitTV entstand und mit ihm auch die Unterstützung der so genannten Webstars, besonders bekannte Selbstdarsteller, die durch das Portal weiter gefördert werden. Es werden Fantreffen organisiert, Sponsorenverträge ausgehandelt, „Hanging-Arounds“ gefilmt. Mit neuen Medien wie Instagram, Pinterest und Snapchat ist es sekundenschnell möglich, kurze Eindrücke vom Tag zu teilen. Einige verdienen sogar inzwischen ihren Lebensunterhalt damit. Dabei spielt das Alter keine Rolle. Zwischen 14 und 30 Jahren lassen sich alle Facebook-Sternchen gerne bewundern und es geht nicht mehr um drei Kommentare unter die in einem Forum eingestellten Bilder, sondern um mehrere Tausend „Gefällt mir“-Angaben. Macht es einem Angst, wenn das eigene Bild innerhalb von 2 Minuten 400 Likes erhält? Wie das wohl ist, wenn man auf dem Turnier erkannt wird? Wildfremde Leute machen Fotos und Videos von einem, keiner hat mehr im Blick, wo seine Fotos geteilt werden. Bei Instagram verfolgte ich einen Account eines Pärchens, die sich täglich in Designerklamotten mit teuren Autos ablichteten mit dem Ergebnis, dass ihre Wohnung während ihres Urlaubes in Fernost (von aufmerksamen Followern?) ausgeräumt wurde. Dumm gelaufen!

Nun möchte sich ja nicht jeder auf so einer Plattform wie Facebook, Youtube oder Instagram wiederfinden, hat vielleicht Angst vor Datenklau oder möchte nicht mit der breiten Masse diskutieren, ob der Sattel passt, nach links oder nach rechts rutscht oder vielleicht sogar wippt. Dafür gibt es Blogs. Da kann man nämlich fein säuberlich kontrollieren, wessen Meinung man veröffentlichen möchte – oder vielleicht am besten gar keine, wie aktuell auf Tschörmänys most räd Ekwestrian Block. Und ja, auch wir schalten Kommentare einzeln frei. Sonst würdet ihr unter diesem Beitrag sicher 1.000 Flipflops und Birkenstock Latschen im Angebot finden, bevorzugt als Plagiat aus China.

Ich persönlich finde es spannend zu verfolgen, wie sich die Seiten weiter entwickeln, was wohl nach Instagram und Snapchat die nächste Dimension sein wird und ob die Apple Watch auch noch eine Rolle bei der Pferdeberichterstattung spielen wird!

1 Kommentare

  1. Diese Entwicklung betrachte ich auch eher mit Misstrauen.
    Beim Reitforum, war ich noch zujung und noch nicht im WWW unterwegs gewesen- zumindest nicht auf solchen Seiten.
    Bei mir begann das ganze bei SVZ. Hier war man dann in Gruppen und man tauschte sich gerne aus, was man gerade so mit den Pferden gemacht hat. Zu einigen wenigen habe ich jetzt sogar noch Kontakt- mit zweien Blogge ich nun sogar zusammen.
    Auf Facebook achte ich auch darauf, was ich like oder kommentiere auf Seiten und weiche deswegen oft auf die jeweilige Instagramseite aus- ich möchte ja meine nichtpferde-Freunde nicht damit nerven.

    Den Trend von den Webstars betrachte ich mit Vorsicht. Einige habe ich eine Zeitlang verfolgt- auch als sie noch nicht bei ReitTV waren, allerdings habe ich viele auch entlikt oder auch nie gefolgt. Viele sind mir zu aufgesetzt und wie eine wandelne Werbetafeln durch die Gegend.

    Einige Freunde von mir haben auch Seiten für ihre Pferde, aber nicht mit dem Anspruch möglichst viele Liker zubekommen, sondern vielmehr wirklich der Grund: „Ich möchte alle die es interessiert die Infos geben über die Arbeit mit meinem fPerd, aber nicht die Nicht-Pferdemenschen damit nerven.. Wenn da nun fremde Leute dazu kommen, dann freuen wir uns, aber es ist kein Muss.“

    Liebe Grüße
    Julia

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