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Unsere Geschichte – 8 Jahre Achterbahn

So, seit einigen Wochen hat Emmi nun schon offiziell (wieder) ein Tagebuch und ich komme erst jetzt dazu, die ersten Beiträge zu schreiben. Ich will mich in unserem Tagebuch nicht allzu lange mit Vergangenem aufhalten, aber ein kurzer Rückblick über unsere gemeinsamen Jahre ist für diejenigen, die uns noch nicht kennen, vielleicht ganz gut.

2008
Im Mai kaufen wir Emmi nach acht Monaten Suche und 52 ausprobierten Pferden. Ich war wahnsinnig froh, endlich gefunden zu haben, was ich suche und hochmotiviert, nun als Dressurstar durchzustarten. Wir ritten daher direkt einige Turniere, wobei unser größter Erfolg ein Sieg in einer A-Dressur war. Da war ich vielleicht stolz

2009
Ich hatte Emmi geschoren, um besser mit ihr arbeiten zu können, hatte dabei jedoch nicht mit dem empfindlichen Fuchs gerechnet. Emmi bekam eine unerklärliche Hautkrankheit in der Sattellage, wegen der ich bis Mai nicht richtig reiten konnte. Wir fingen dann langsam wieder an und machten mit meiner neuen Reitlehrerin vor allem Basisarbeit. Turniere bin ich in dem Jahr glaube ich gar nicht geritten.

2010
Abgesehen von einer L-Dressur blieb auch dieses Jahr turnierlos. Meine Reitlehrerin zog weg und ich wusste nicht so richtig, wie ich weitermachen sollte. Im März hatte Emmi zum ersten Mal eine Kolik , woraufhin eine Magenschleimhautentzündung diagnostiziert wurde. Wohl die Folge von zu langer Weidezeit im Winter und zu wenig Zufütterung. Ich wechselte daher im März kurz vor meinem Abi noch einmal den Stall, obwohl klar war, dass ich im Sommer umziehen würde. Wir hatten im neuen Stall einen schönen Sommer und Emmi wurde langsam wieder fit. Im August zogen wir dann gemeinsam nach Hamburg um und Emmi kam zunächst in Vollberitt, da ich reiterlich einige Probleme hatte. Im Oktober begann dann der Horror, Emmi hatte eine schlimme Kolik und musste operiert werden. Da ich das nun schon mit Lady hatte durchmachen müssen, war ich am Boden zerstört und wollte auf keinen Fall noch irgendwas mit Pferden zu tun haben.

2011
Emmi zog daher im Januar 2011 von der Klinik, wo sie bereits antrainiert worden war, direkt in einen Aktivstall ohne Halle 30km von mir entfernt. Ich wollte einfach nur, dass es ihr gut geht und sie keine Kolik mehr bekommt. Mit 24/7 Heu und Bewegung, kleinen Kraftfutterportionen und einer tollen Herde könnte ihr doch wirklich nichts mehr passieren? Sie lebte sich dort wunderbar ein und blühte richtig auf. Ich war mit meinem Studium beschäftigt und besuchte Emmi nur am Wochenende, wo ich entweder ein bisschen Dressur ritt oder meistens in den Wald ging. Als es Herbst wurde, hatte ich langsam meinen Mut wiedergefunden und überlegte, Emmi wieder in einen sportorientierteren Stall zu stellen, wo sie näher bei mir wäre und ich mehr reiten könnte. Bevor ich jedoch irgendetwas in die Wege leiten konnte, passierte das nächste Unglück, Emmi hatte wiederum eine schlimme Kolik . Dies traf mich erneut sehr schlimm und als sich die Frage nach einer zweiten OP stellte, entschied ich mich ganz entgegen aller Vorsätze doch dafür. Emmi überlebte und verbrachte erstmal zwei Monate in der Klinik, da sie noch lange von Wundheilungsstörungen geplagt wurde, deren Behandlung ich mir alleine nicht zugetraut habe. Weihnachten 2011 brachten wir Emmi dann zurück in den Aktivstall, sie sollte dort erst einmal in der Notbox stehen, mit Blick auf die Herde, da sie sich noch nicht bewegen durfte. Tja, Emmi sah das mit dem Bewegen jedoch anders und war komplett wild, stieg, bockte und warf sich gegen die Tür der Box, um zu ihrer Herde zu kommen. So brachten wir sie nach einem Tag zurück in die Klinik.

2012
Im Februar zogen wir dann direkt von der Klinik in einen neuen Stall. Emmi hatte noch immer Boxenhaft und durfte nur in die Führanlage und etwas an die Longe. Gemeinsam mit meiner besten Freundin und ab nun auch Reitbeteiligung trainierten wir Emmi langsam wieder an. Eine kleine Lahmheit funkte noch dazwischen, ansonsten verlief das Jahr ruhig, wohl auch, weil ich von August bis Dezember im Auslandssemester in Kalifornien war. Eine wohl verdiente Auszeit vom ganzen Pferdestress, es tat wirklich gut, einmal nicht die Verantwortung fürs Pferd zu haben!

2013
Ich war aus dem Ausland zurück und ritt so vor mich hin. Im Sommer versuchte ich mich an einigen A und L-Dressuren, die jedoch ohne Erfolg verliefen. Ende des Jahres entschied ich mich zu einem Reitlehrerwechsel, in der Hoffnung, dass sich dadurch etwas verbessern würde.

2014
Ich hatte endlich das Gefühl, wieder voranzukommen und ritt mit großem Spaß bei meiner neuen (und jetzigen) Reitlehrerin. Im Februar wagte ich mich zum ersten Mal aufs Turnier und wurde mit einem Sieg in einer L-Trense belohnt. Meine erste L-Platzierung und dann gleich die goldene Schleife, damit ging ein großer Traum in Erfüllung und ich habe mich wirklich riesig gefreut!
Einen Dämpfer erlitt das Jahr im Mai, ich war eine Woche in Portugal und bereits am zweiten Tag hatte Emmi mal wieder Lust auf eine Kolik … Ich verbrachte den Urlaub also am Telefon, Emmi gönnte sich währenddessen ein paar Tage Klinik. Es war knapp, aber eine OP stand dieses Mal wirklich nicht mehr zur Debatte und Emmi schaffte es glücklicherweise trotzdem. Als ich aus dem Urlaub wiederkam, stand sie zuhause in ihrer Box als wäre nie etwas gewesen.

Die Saison lief super weiter, es folgten ein zweiter und weitere Plätze in L-Trense, ein dritter Platz in L-Kandare und im August schließlich der erste Start in M. Emmi war leider sehr schlecht drauf und ich bin auch eher grottig geritten, sodass wir die Prüfung tatsächlich als letzter verließen. Ich war etwas enttäuscht über unsere Leistung, aber andererseits auch unendlich dankbar und stolz, dass ich das noch mit Emmi erleben durfte. Wir ritten noch zwei weitere M-Dressuren, bei denen wir uns ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckerten, aber immerhin wurden wir nicht mehr letzter und ich war froh, mich getraut zu haben.
Im Zusammenhang mit der Kolik im Mai wurden bei Emmi leider erhöhte Leberwerte festgestellt, wohl ausgelöst durch irgendwelche Gräser auf der Weide, die mich im Oktober zu einem erneuten Stallwechsel zwangen, da viele Pferde im Stall an diesen schlechten Leberwerten litten, der Stallbesitzer aber nicht bereit war, etwas an der Situation zu verbessern.
Im Herbst musste ich außerdem wegen der Vorbereitung aufs erste Staatsexamen (Jura) reiterlich kürzer treten und suchte mir eine zweite Reitbeteiligung. Ich verbrachte den Winter in der Bibliothek und ritt nur noch 1-2x die Woche.

2015
Im April dieses Jahres stand meine bisher wichtigste Prüfung an, das erste Examen! Nach viereinhalb Jahren Lernen und Quälerei sollte ich nun in sechs fünfstündigen Klausuren beweisen, dass ich die Welt der Paragraphen verstanden habe. Ein so wichtiges Ereignis, dass andere Dinge währenddessen etwas zurücktreten sollten. „Nicht mit mir“ dachte sich Emmi und so kam am Nachmittag vor der ersten Klausur der Anruf aus dem Stall – Kolik ! Ich war kurz vorm Nervenzusammenbruch und hätte mein Freund mich nicht ganz fest in den Arm genommen und mit einer Seelenruhe in den Stall kutschiert, ich wäre wohl schreiend vors nächste Auto gerannt. Wir brachten Emmi trotz Einschätzung als harmlose Kolik seitens des Haustierarztes rein sicherheitshalber in die Klinik, falls sich die Situation verschlechtern sollte. Als wir dort ankamen, stellten die Klinik Tierärzte jedoch fest, dass sie eine Milz-Darmband-Verlagerung hatte und bereits Kotrückstände im Magen anzufinden waren. Sie wurde dann narkotisiert und gewälzt, wodurch sich glücklicherweise die Verlagerung löste. Ob sie die Nacht überstehen würde, wussten wir nicht, so fuhr ich also um 21h mit unsicherem Gefühl nach Hause. Ich bat darum, mich nicht anzurufen, falls etwas passieren sollte, da ich auf jeden Fall meine Klausur schreiben wollte, komme was wolle! Ich saß also Montag fünf Stunden in der Strafrechtsklausur und hatte keine Ahnung, ob es mein Pferd noch gab. Zum Glück ging wieder irgendwie alles gut und nach Klausur Nr. 4 konnten wir Emmi am Freitag nach Hause holen. Nach dem Examen konnte ich dann endlich wieder durchstarten und mit nur noch einer Reitbeteiligung reite ich seitdem wieder 4x die Woche.
Ich bin im Juni ein Turnier geritten, eine Dressurreiter L. Dort wäre ich vierter gewesen, hatte jedoch meinen Pferdepass vergessen und geriet in die Kontrolle – disqualifiziert.

Im August hat sich privat bei mir etwas extrem verändert und ich war wochenlang nur mit mir selbst beschäftigt. Dadurch trat das Reiten mal wieder in den Hintergrund, aber meine Reitbeteiligung schmiss den Laden zum Glück absolut perfekt. Die genannten Turniere habe ich abgesagt, sodass es für 2015 bei dem einen Turnier bleiben sollte. Im Oktober hatte ich dann noch meine mündliche Prüfung und bin nun im Besitz des ersten juristischen Staatsexamens. Seitdem reite ich wieder deutlich intensiver und werde bald auch einen aktuellen Bericht veröffentlichen,

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