Gesundheit, Pflege, Umgang
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Gefahr im Alltag

Reiten und der Umgang mit Pferden sind kein ungefährliches Unterfangen. Das weiß jeder, der mit Pferden zu tun hat, das ist das erste, was jedem Reitschüler eingebläut wird.

Pferde sind große Tiere, bringen je nach Größe schnell mal 500 bis 600 kg auf die Waage und können damit sich selbst, andere Pferde, ihre Reiter oder auch Unbeteiligte schwer oder sogar tödlich verletzen. Das ist für niemanden von euch eine neue Erkenntnis, wir alle kennen die unzähligen Regeln und Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit Pferden. Und trotzdem passieren immer wieder Unfälle mit dramatischen Folgen. Natürlich sind einige dieser Unfälle eine Folge der Verkettung unglücklicher Zufälle und mit aller Vorsicht und Umsicht nicht zu verhindern, aber viele der Unfälle, die sich in Ställen ereignen, hätten durch etwas mehr Vorsicht und das Einhalten gewisser Regeln für den sicheren Umgang mit Pferden verhindert werden können.
Leider passieren solche vermeidbaren Unfälle oft sehr erfahrenen Pferdeleuten, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, mit Pferden umgehen und einen hohen Erfahrungsschatz haben. Aber grade diese Routine im Umgang mit den Pferden ist ein hervorragender Nährboden für Unachtsamkeit und führt zu einer Verringerung des Risikobewusstseins.

Es gibt die offentsichtlichen Unvorsichtigkeiten, bei denen sich jeder bewusst ist, dass er ein Risiko eingeht: Reiten ohne Helm, auf dem Hänger zwischen den Pferdebeinen umherkriechen, um die Transportgamaschen ranwurschteln, den Popo runterrutschen zum Absteigen. Es gibt daneben aber auch unzählige kleine Risiken, die wir manchmal ganz selbstverständlich eingehen, ohne überhaupt darüber nachzudenken.

Das Foto vom scharrenden Zausel (s.o.) habe ich vor einiger Zeit in einem Tagebucheintrag vom Zausel veröffentlicht und unsere Leserin Isjaki hatte daraufhin in den Kommentaren darauf hingewiesen, dass das Halfter immer geschlossen sein sollte, wenn es sich am Pferdekopf befindet. Das ist eine Regel, die doch hoffentlich jeder Reiter kennt, ich natürlich auch. Der offene Karabinerhaken am Halfter kann beim Schütteln ins Auge geschleudert werden und dort böse Verletzungen verursachen. Und trotzdem passiert es im Alltag, dass man aus Unachtsamkeit das Halfter offen lässt. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, lag auch noch ein, am Balken festgebundenes, Halfter auf dem Boden und der Zausel scharrt direkt über diesem Halfter. Wie leicht hätte er dort reintreten  und sich verheddern können!?

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Ich bin nach dem netten Hinweis von Isjaki am nächsten Tag im Stall gewesen, und habe erstmal auch die Putzbox aus Hufreichweite des Zausel gebracht, nachdem ich sie vorher direkt vor seine Füße gestellt hatte. Ebenso habe ich einen Strick mitgenommen, um ihn vom Paddock zu führen, anstatt nur schnell ins Halfter zu greifen. Es sind diese Kleinigkeiten, die man im Alltag so gern verschlust und nicht so richtig ernst nimmt. Es geht ja auch 999 mal gut, nicht wahr?

Wie viele von euch lassen das Pferd auch mal unangebunden am Anbinder stehen, während sie etwas Fressen oder man selbst nur kurz etwas holen möchte? Wie oft quetscht man sich an der Stallgasse doch mal schnell hinter einem fremden Pferd durch? Reitet eine kleine Runde ins Gelände ohne dafür extra Reitstiefel anzuziehen? Tippt noch schnell eine Whatsapp-Nachricht, während man am durchhängenden Zügel trocken reitet? All das sind Risikofaktoren, die zu Unfällen führen können und die man leicht vermeiden könnte. Die Frage ist natürlich, ob man das überhaupt möchte?

Natürlich passiert nicht immer gleich ein Unglück und es kommt auch immer ein bisschen auf den Typ Pferd an. Es gibt einfach Pferde, die reagieren schneller panisch als andere. Dennoch bleibt jedes Pferd unberechenbar und kann sich jeder Zeit in den alltäglichsten Situationen erschrecken. Daran sollte man sich gerade im Alltag immer wieder erinnern und so vielleicht die ein oder andere kleine Unachtsamkeit, die sich so im Umgang eingeschlichen hat, aufdecken und beheben.

Vielleicht kann euch dieser kleine Artikel auch dazu bringen, eure Routine im Stall mal mit den wachen Augen eures ersten Reitlehrers zu betrachten? Hätte er die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, wenn ihr mit einem der Schulpferde so lapidar umgegangen wärt wie ihr es mit eurem eigenen jetzt tut? Oder habt ihr im Stall beobachtet, wie jemand im Umgang mit seinem Pferd ein unnötiges Risiko eingeht? Scheut euch nicht, denjenigen freundlich anzusprechen. Dem ein oder anderen Reiter ist die gut sitzende Frisur und der bequeme Turnschuh vielleicht auch wirklich wichtiger als die absolute Sicherheit (die es sowieso nie gibt) und diese Entscheidung muss man natürlich respektieren. Man sollte sie nur bewusst treffen! Viele Sachen geschehen unbewusst, weil man es eben immer so macht oder auch mal aus Unwissenheit. Wenn ihr eure Bedenken bezüglich des Risikos freundlich äußert, wird euch jeder für den guten Hinweis danken, schließlich wollen wir alle weder unsere Pferde noch uns unnötig in Gefahr bringen.

 

2 Kommentare

  1. Hallo Teti,
    ein super Beitrag! Man vergisst so oft, dass kleine Unachtsamkeiten im alltäglichen Umgang mit unseren Pferden viele nicht so schöne Folgen mit sich bringen können. Ich habe zum Beispiel auch jahrelang das Halfter beim Putzen offen gelassen. Vor allem im Winter, wenn mein Isi sein dickes Plüschfell und die langen Barthaare hat, fand ich es für das Pferd angenehmer, wenn das Halfter offen bleibt. Und da mein Pferd immer ganz ruhig steht und das Putzen genießt, fand ich es auch völlig unkritisch. Mittlerweile schließe ich das Halfter aber immer ganz artig. Denn wie du schreibst: Wenn mal eine Fliege nervt und das Pony den Kopf schüttelt, kann der Verschluss ganz leicht ins Auge gehen und böse Verletzungen hervorrufen. Ich glaube, je älter man selbst wird, desto mehr achtet man auf sowas. Man ist sich den Konsequenzen einfach viel mehr bewusst, als wenn man ein Kind oder ein Teenie ist. Mir geht es zumindest so. 🙂
    Viele Grüße
    Karo

    • Teti sagt

      Hallo Karo,
      Danke für deinen Kommentar! Da hast du sicherlich recht, als Kind oder Teenie ist man noch etwas unbedarfter und meistens ja auch grundsätzlich Risikobereiter. Grade in einer Phase, wo man aus der Reitschule heraus die ersten Jahre mit eigenem Pferd oder Pflegepferd endlich mal „sein Ding“ machen kann und nicht immer den RL im Hintergrund hat, werden sicherlich viele unvorsichtig, oft unter dem Vorwand das Pferd gut genug zu kennen oder ihm zu vertrauen. Mit zunehmendem Alter kommt dann meistens auch wieder ein bisschen mehr Vernunft ins Spiel, zumindest ist es das was man oft beobachtet. Gut zu sehen auch daran, wer beim Reiten eine Kappe trägt, Kinder sowieso, Teenies selten und die meisten Erwachsenen greifen dann doch lieber wieder zur Kappe 😉

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)