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Schluss mit dem Turnierzirkus?

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem Thema, über das ich in den letzten Monaten vermehrt nachgedacht habe: Warum reite ich eigentlich Turniere?

Das klingt jetzt erstmal etwas platt, aber je älter ich werde, umso häufiger stellt sich mir diese Frage. Mit 15/16 habe ich das überhaupt nicht hinterfragt. Natürlich wollte ich Turnier reiten und das möglichst erfolgreich, das gehörte einfach dazu, um in der Stallgemeinschaft angesehen zu werden. Ich hatte in dem Alter ein viel höheres Bedürfnis nach Bestätigung und wollte mir auch selbst beweisen, dass ich mich weiter entwickle und auf dem richtigen Weg bin.

Heute, mit wahnsinnig erwachsenen (als ob!) 25 Jahren, sehe ich das etwas anders. Die meisten von euch wissen wahrscheinlich aus eigener Erfahrung, was für einen Aufwand so ein Turnier bedeutet. Wochen vorher wird fleißig geübt, die weiße Schabrache gewaschen und das Outfit zusammengestellt. Am Tag vorher wird eingeflochten, das Pferd und (im Idealfall) auch das Sattelzeug geputzt, die Startnummern montiert und die Aufgabe noch einmal gelernt. Am Turniertag quält man sich meistens mitten in der Nacht aus dem Bett und schleppt sich in den Stall, wo das Pferd voller brauner Flecken und mit schiefen Zöpfen, scheinbar hämisch grinsend, auf einen wartet. Alles wieder richten, verladen, endlich losfahren. Man ist nervös, macht sich Gedanken, hat man genug geübt, wird wohl alles klappen? Auf dem Turnierplatz können dann sämtliche negative Überraschungen warten: Unfreundliche Meldestelle, buckeliger Abreiteplatz, tiefes Viereck, schlecht gelaunte Mitreiter… Und das alles für vier Minuten Prüfung, die an diesem Tag über alles entscheiden. Ist doch irgendwie total verrückt? Spätestens beim Abreiten frage ich mich jedes Mal, warum tu‘ ich mir das eigentlich an? Wofür der ganze Stress und die Mühe, wenn ich stattdessen auch gemütlich ausschlafen, frühstücken und nachmittags eine schöne Runde durch den Wald reiten könnte?

Mit voller Überzeugung kann ich diese Frage nicht mehr beantworten. Ich habe dieses Jahr insgesamt sechs Turniere genannt, davon bin ich ganze zwei tatsächlich geritten. Das dritte Turnier steht nächstes Wochenende an und meine Motivation hält sich in Grenzen. Ich reite am Sonntag um 7:30 eine M* auf Trense, ich habe die Prüfung genannt, weil M-Dressuren quasi nie auf Trense ausgeschrieben sind und ich viel lieber auf Trense reite als auf Kandare. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass es so früh los geht, und da wir eine Stunde Anfahrt vor uns haben, muss ich wohl spätestens um 5 Uhr aufstehen.

Was mich noch am Turnierreiten festhalten lässt, ist die Möglichkeit, die eigene Leistung einmal kritisch zu überprüfen. Das Reiten auf einem fremden Platz, unter immer unterschiedlichen Bedingungen, was die Böden, die Guckigkeit und nicht zuletzt auch die Tagesform von Pferd und Reiter angeht, ist jedes Mal eine Herausforderung. Diese Umstände stellen deutlich größere Anforderungen an die Durchlässigkeit und den Gehorsam des Pferdes als das Reiten zuhause. Das Gleiche gilt für das Reiten fest gesetzter Aufgaben: Zuhause reitet man den fliegenden Wechsel eben dann, wenn das Pferd gerade schön an den Hilfen steht – wenn das 20 Meter nach C ist, völlig egal. In der Prüfung hingegen muss jede Lektion am Punkt ausgeführt werden. Das zwingt einen bereits in der Vorbereitung dazu, sicherzustellen, dass man das Pferd jederzeit an den Hilfen hat und die Lektionen abrufen kann.

Daraus ergibt sich auch schon der nächste Punkt, der mir am Turnierreiten gefällt: Man bereitet sich gezielt darauf vor. Das bedeutet für mich, dass ich mir einmal mehr überlege, ob ich das Training ausfallen lasse, weil ich lieber Eis essen gehen möchte. Ich lege den Fokus mehr aufs Reiten und auch auf den Unterricht, den ich dann ca. 2x die Woche reite. Wenn kein Turnier ansteht, kann es schon sein, dass ich mich etwas auf die faule Haut lege und mal zwei Wochen keine Reitstunde habe, es ist ja nicht so, als hätte man nicht genügend anderes zu tun. Natürlich ist das gar nicht schlimm und völlig normal, aber ich merke auf der anderen Seite, wie viel Spaß es mir macht, regelmäßig zu trainieren und die Fortschritte zu merken.

In einem Punkt muss man natürlich auch ganz ehrlich sein: Eine Platzierung abbekommen und mit der Schleife am Kopf in der Ehrenrunde mitzugaloppieren, macht einfach Spaß! Das alleine genügt als Grund (für mich zumindest) nicht aus, aber es ist doch eine schöne Bestätigung, wenn es mal alles gut klappt!

Daher halte ich es für Emmi und mich so, dass wir gelegentlich einen kleinen Ausflug zum Turnier machen, um unseren Trainingsstand zu überprüfen. Eigentlich bräuchte ich noch viel mehr Routine im Turnierreiten, müsste öfter losfahren und mehr starten, damit ich die Leistung von zuhause auch auf dem Turnierplatz abrufen kann. Gerade in den „höheren“ Klassen merkt man, wie professionell viele andere Reiter sind. Die reiten in so eine Prüfung viel abgeklärter rein und wissen ganz genau, an welcher Stelle sie noch mal unauffällig zufassen können und wie sie die Stärken ihres Pferdes am besten präsentieren können. Ich bin meistens eher etwas verplant, teile mir das Abreiten nicht immer perfekt ein und finde mich dann plötzlich unverhofft im Viereck wieder… Um es zusammenzufassen: Ein großer Teil des Erfolgs ist meiner Meinung nach Übung und beim Reiten braucht man die Übung nicht nur im Sattel, sondern auch auf dem Turnierviereck. Nur dadurch wird man es irgendwann schaffen, überlegen und souverän durch die Prüfung zu reiten.

Ich persönlich habe jedoch (mittlerweile) andere Prioritäten und es wäre mir viel zu anstrengend, jedes zweite Wochenende aufs Turnier zu fahren. In der Schulzeit gab es für mich nichts außer Reiten und Pferden und wenn man sowieso den ganzen Tag im Stall ist, kann man auch gleich aufs Turnier fahren. Mittlerweile reite ich gern früh morgens, um danach den Tag mit meinem Freund und meinem Hund zu verbringen. Außerdem möchte ich abends ganz entspannt mit Freunden essen gehen können und danach noch in eine Bar weiterziehen, ohne alle fünfzehn Minuten auf die Uhr gucken zu müssen, weil ich am Sonntag um 5 Uhr aufstehen muss.

Wie handhabt ihr das mit dem Turnierreiten? Fahrt ihr regelmäßig los oder seid ihr auch eher der Typ Spaßreiter, dem der Unterricht zuhause genügt? Kann man ab einem bestimmten Niveau überhaupt noch Erfolg haben, wenn man nur so selten aufs Turnier fährt wie ich? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir einen Kommentar darüber schreibt, wie ihr das seht. Wie wir uns am Wochenende (M* & L**) schlagen, könnt ihr natürlich nächste Woche hier auf dem Blog nachlesen :-).

10 Kommentare

  1. Kathrin sagt

    Ich kann dich gut verstehen, Cathy.
    Im Prinzip reizen mich Turniere, weniger wegen des Wettbewerbs als – wie du schon schriebst- wegen der Bewertung u. den neuen Herausforderungen auf fremden Plätzen.
    Aber meine Wochenenden sind mir inzwischen zu kostbar, um sie dafür zu „opfern“.
    Ich stehe unter der Woche jobbedingt um 5:30 Uhr auf, das brauche ich dann am Wochenende nicht auch noch. 😉

    Eine gute Alternative sind für mich Lehrgänge bzw. Trainingstage, um Rückmeldungen und Routine einzuholen.
    Prüfungsaufgaben im Training zu absolvieren finde ich hingegen sinnvoll, um an der Präzision zu feilen und die Rittigkeit selbst überprüfen zu können.

    • Puh, ich kann mir meinen Job zum Glück (noch) frei einteilen und entsprechend „vorschlafen“… Ansonsten würde ich das auch nicht packen!
      Lehrgänge finde ich auch super, bin aber ehrlich gesagt seit Jahren keinen mehr mitgeritten. Das ist auf jeden Fall eine gute Anregung 🙂 Irgendwie bekomme ich das gar nicht mit, wo welche stattfinden, muss ich mich mal informieren!

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

  2. Annika sagt

    Ha, ich kann das genauso gut verstehen 😀 Mit steigenden „reiterlichen Kompetenzen“ kam auch bei mir immer mal der Gedanke durch, och, so ein Turnierchen zum Testen wäre ja mal was. Zumal ich den „Luxus“ hätte und zweimal im Jahr bei uns auf der Anlage das Turnier mitzureiten. Aber: meine Wochenenden sind mir heilig! Da genieße ich einfach mal die Ruhe, schön ausführlich frühstücken zu können und abzuhängen 😀
    Für mich ist es mittlerweile einfach ein Ziel geworden, mit meinem Pferd zuhause auf einem guten M-Niveau zu trainieren, das zu festigen und immer mal was Neues zu lernen. Mein Pferd hat so viele Kilometer auf dem Tacho, da habe ich ihm irgendwann versprochen, dass seine aktive Karriere vorbei ist. Mit 21 muss er auch nicht mehr ständig irgendwohin gefahren werden.

    Da ist es oft viel wichtiger, die Zeit gemütlich und in Ruhe mit seinem Partner Pferd zu genießen, als in aller Hektik zum Turnier zu fahren, so denke ich seit einigen Jahren.

    • Hallo Annika, also die Heimturniere würde ich auf jeden Fall mitnehmen, reiten muss man ja sowieso 🙂 Den Aspekt mit dem Alter kann ich gut verstehen, dein Pferd hat ja auch wirklich viel geleistet in seinem Leben. Da kann man es dann irgendwann auch mal gut sein lassen und wie du sagst, einfach die Zeit genießen!
      Alles Gute für euch 🙂

  3. Erika sagt

    Hallo,
    zu meiner aktiven Turnierzeit (Springen) dachte ich auch oft: „Warum tust du dir das überhaupt an?“ Besonders wenn es nicht so gut lief. Die Zeit, der Aufwand – für was? Aber wenn wir in der Siegerehrung mitgaloppieren durften, wußte ich warum. Manchmal sogar, wenn wir zwar nicht platziert waren, aber wir gefühlsmäßig eine tolle Runde hingelegt hatten.

    Als unsere „Turnierkarriere“ plötzlich verletzungsbedingt zu Ende war, fiel ich in ein tiefes Loch. Ich hätte nie gedacht, daß es mir soviel ausmachen würde. Inzwischen habe ich mich arrangiert und bin froh, daß ich mein Pferd überhaupt noch eingeschränkt reiten kann. Ich habe nun andere Prioritäten. Mein großer Garten freut sich 😉 Das frühe Aufstehen vermisse ich auf keinen Fall!

    Mein Highlight ist der wöchentliche Dressurunterricht. Wir sind zwar eingeschränkt – keine engen Wendungen, keine Seitengänge – aber Dressur ist ja so vielfältig. Dadurch bin ich motiviert mein Pferd ordendlich – im Rahmen seiner Möglichkeiten – zu gymnastizieren. Und alle paar Wochen darf mein Pferd auch springen. Das ist dann sein Highlight!

    Cathy, ich denke, der Aufwand ist zu groß um nur halbherzig Turniere zu reiten. Man kann auch ohne zufrieden sein. Dem Pferd macht es bestimmt nichts aus.

    LG

    • Hallo Erika, danke für deinen Kommentar!Das glaube ich dir, dass das erstmal eine große Umstellung war. Ich liebe Dressur auch deshalb, weil es so vielseitig ist und eigentlich für jeden etwas dabei ist, was Spaß macht! Wünsche euch weiterhin viel Freude dabei :-).
      Du hast natürlich völlig recht, was halbherziges Turnierreiten angeht, aber ich muss sagen, dass ich danach jedes Mal froh bin, dass ich losgefahren bin. Selbst wenn man keine Schleife mitnimmt, dann doch wenigstens eine neue Anregung und meistens schöne Erinnerungen an einen Ausflug mit Pferd und Freunden ;). Aber mal sehen, wie lange ich noch dabei bleibe…

      Viele Grüße zurück!

  4. Anne sagt

    Den Beitrag hätte ich geschrieben haben können 😀 Mir geht es ganz genau so. Ich bin auch 25 und reite momentan mit meiner Stute Jungpferdeprüfungen und wir konnten diese Saison auch schon Platzierungen mit nach Hause nehmen. Allerdings fahre ich mit ihr höchstens nur noch an einem Tag und nicht an zwei folgenden Tagen aufs Turnier – einfach weil ich keine Lust auf den ganzen Aufwand und Stress habe.
    Ich freue mich immer sehr über die Platzierungen, aber wenn nachts der Wecker klingelt (Wer hat sich eigentlich ausgedacht dass Jungpferdeprüfungen immer die ersten Prüfungen am Tag sind? -.-) frage ich mich auch immer wieso ich das eigentlich mache. Ich hoffe nächstes Jahr L Prüfungen reiten zu können um das nächtliche Aufstehen etwas abzumildern 🙂

  5. Oh Anne, ich hab ganz genau so gedacht 😀 Tja, jetzt reite ich endlich M und was ist die erste Prüfung des Tages?? Muss wohl Schicksal sein bei mir 😉 Drücke die Daumen, dass es bei dir anders wird 🙂

  6. Wow, du hast mir gerade ein Licht aufgehen lassen.
    Stimmt, als wir noch jünger waren, waren wir deutlich enthusiastischer, was Turnierreiten angeht. Heute ist es deutlich gemäßigter – der zeitliche, nervliche und finanzielle Aufwand steht schlicht und ergreifend in keiner Relation zum „Gewinn“ (v.a. wenn man zu denen gehört, die ständig nur schlechte Noten einfahren).
    Ich denke, dass es sinnvoll ist, Turniere selektiv zu nennen. Beim Lieblingsverein nebenan oder beim hauseigenen Turnier kann man ja gerne starten – aber jedes Wochenende durch die Welt reisen? Wer macht das schon?
    Wenn man älter als sagen wir mal 25 ist, dann gibt es ohnehin wichtigere Dinge – da bleiben nur noch die Berufsreiter und 15-jährigen Mädels, die den Turniersport so intensiv verfolgen.

    Danke für den interessanten Beitrag!

  7. Leandra sagt

    Du sprichst mir aus der Seele. Die Vorstellung vom Turnierreiten find ich toll, sich schön herrichten, meist mit Freunden im Gepäck an einen Turnierplatz fahren, am Besten einen tollen Ritt hinlegen und danach noch gemütlich in der Festwirtschaft abhängen.
    Die Realität ist aber, dass ich meistens so nervös bin, dass ich 2 Tage vorher nichts mehr essen kann weil mir so übel ist. Man hat ein riesen Aufwand alles zu organisieren und zu putzen. Die ganze Nacht darauf warten, dass man morgens um 4 Uhr aufstehen kann, weil ich sowiso nicht schlafen kann. Und dann am Turniertag völlig energielos und nervös dorthin fahren und denken „Why? Ich will das gar nicht“.
    Im Nachhinein war’s meistens toll, aber beim nächsten Turnier ist das alles wieder vergessen und die Nervosität gewinnt die Oberhand, obwohl ich nicht weiss aus welchem Grund ich nervös bin. Ich bin die einzige die mir einen Druck macht, dass ich mich hoffentlich nicht blamiere und negativ auffalle.

    Ich bin mittlerweile auch auf einem Level, an dem alle Konkurrenten fast jedes Wochenende auf’s Turnier fahren und total routiniert und ernst reiten. Ich werde oft von ihnen gefragt wiso ich nicht an diesem und jenem Turnier war.
    Wenn ich so oft starten würde, würde ich den Spass am Reiten verlieren. Ich will nicht so verbissen werden, es ist nur ein Hobby. Der Aufwand und die Aufregung ist zu gross für die Freude, die sie einem schlussendlich bringt.

    Dieses Wochenende hab ich seit Frühling wieder mein erstes Turnier. Vorbereitet bin ich eigentlich null, ich hatte in den letzten Monaten gerade eine Reitstunde. In den heissen Temperaturen hat ich keinen Bock irgendwo hin zu fahren oder voll zu trainieren. Meine Mitkonkurrenten waren alle fleissig auf Turnieren und in Trainings.
    Bei dem Gedanken wird mir schon schlecht. Wiso mach ich das eigentlich?
    Eigentlich aus dem selben Grund wie du beschrieben hast, und manchmal, wenn man Glück hat, auch zur Aufbesserung des Ego’s.

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)