Emmi, Tagebücher
Kommentare 4

Pleiten, Pech und Wechselfehler – Turnierbericht Emmi

Hallo ihr Lieben,

ich schulde euch noch einen Turnierbericht und ich muss ehrlich zugeben, dass ich das Schreiben des Berichts ein bisschen vor mir hergeschoben habe. Das Turnier ist mittlerweile schon über einen Monat her und hat mich noch lange beschäftigt.

Es lief leider nämlich nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte und man schreibt einen solchen Bericht natürlich gerne mit einem schlauen Fazit und einer Erklärung dafür, warum es denn nicht so geklappt hat wie erwartet. Zum Beispiel „Wir brauchen mehr Routine“ oder „Ich bin viel zu kurz abgeritten“ oder auch „Die Richter mochten einfach keine Füchse“ – irgendsoein schlauer Satz, der rechtfertigen soll, warum man trotz seiner brillianten Reitkünste keine Schleife abgegriffen hat. So eine einfache Erklärung habe ich leider nicht für euch, aber ich berichte einfach mal der Reihe nach von unserem Wochenende.

Wir waren bereits am Samstag auf dem Turnier, weil meine Reitbeteiligung eine A**-Dressur genannt hatte. Die verlief auch so weit ganz gut, abgesehen davon, dass Emmi sich beim Zügel aus der Hand kauen lassen im Galopp im Genick verkantete. Für die Vorstellung bekamen die beiden eine 6,7 und am Ende eine grüne Schleife für den 11. Platz. An sich also ein guter Einstieg in so ein Turnierwochenende.

Am Sonntag klingelte dann um 4 Uhr morgens der Wecker und ich wäre SO gerne im Bett geblieben. Ich war schon die ganze Woche krank und natürlich total übermüdet. Aber ich hatte mich so sehr auf die erste Prüfung, eine M* auf Trense, gefreut, dass ich mich irgendwie hoch und in den Stall quälen konnte. Emmi schien nicht so begeistert, dass wir um diese unchristliche Uhrzeit mit dem Hänger vorfuhren und sie noch nicht einmal frühstücken durfte, bevor es auf den Hänger ging. Auf dem Weg zum Turnier verfuhren wir uns dann noch einmal kräftig und mussten mitten auf irgendeiner Schnellstraße wenden – zum Glück war um die Uhrzeit noch kein Verkehr (ja wir hatten ein Navi an und jaa, wir waren schon am Vortrag dort gewesen, wollten aber eine andere Strecke ausprobieren…). Auf dem Turnierplatz angekommen, haben wir schnell fertig gemacht und ich bin sofort aufs Pferd, da ich bereits als vierte Starterin dran war, direkt nach Anna und Püppi, die in der selben Prüfung gestartet sind.

In der Abreitehalle hatte ich dann das typische Reitgefühl, was Emmi auf Turnieren vermittelt. Sie macht den Hals krumm und zuckelt vor sich hin. Eiliger Takt, fester Rücken und für mich wenig Möglichkeiten, sie locker zu bekommen. Sie wirkt von außen kein bisschen aufgeregt oder nervös und glotzt auch nicht, aber ich komme einfach nicht zum Reiten. Ich habe dann versucht, sie ganz in Ruhe zu lösen. Dabei habe ich sie immer wieder bewusst am Sitz zurück genommen, bin Übergänge und Tempounterschiede geritten, um ein bisschen Durchlässigkeit zu erreichen. Das alles schien Emmi jedoch wenig zu beeindrucken. Die Zeit wurde langsam knapp, sodass ich sie irgendwann aufgenommen habe und versucht habe, Außengalopp und Wechsel zu reiten. Leider gelang mir schon beim Abreiten gefühlt kein einziger Wechsel. Sie sprang die Wechsel entweder nach der Hilfe oder gar nicht durch. Noch fünf Minuten bis zum Start, langsam beschlich mich Panik. Ich wollte da so nicht reinreiten, aber jetzt zurückziehen wäre ziemlich feige und unfair gegenüber den nachfolgenden Reitern. Ich wollte noch einen letzten Wechsel auf der Diagonalen reiten, da ritt mir eine andere Reiterin so in den Weg, dass ich eine Vollbremsung zum Halten machen musste. Und dann ging es auch schon ins Viereck. Ich war innerlich schon völlig aufgelöst, weil das alles in eine ganz andere Richtung ging, als ich es mir vorgestellt hatte.

So war dann leider auch unsere Vorstellung. Obwohl ich die Aufgabe so oft geübt hatte, habe ich mich direkt am Anfang fast verritten und lenkte auf die Mittellinie, obwohl ich erst aus der Ecke traversieren sollte. Die folgende Traversale war dann natürlich nicht besonders toll. Während der ganzen Aufgabe hatte ich ein ganz schreckliches Gefühl, mein einziger Gedanke „Oh Gott, die armen Richter, Hilfe ist das peinlich, ICH REITE NIE WIEDER TURNIERE!“. Es wurde dann leider auch nicht besser, keiner der beiden Wechsel war durchgesprungen und auch ansonsten war ich mit keiner Lektion richtig zufrieden. Ich kam einfach gar nicht zum Reiten und fühlte mich nur wie ein hilfloser Beifahrer. Eigentlich wollte ich verzichten, habe es dann aber doch gelassen, eine schlechte Note mehr würde ich auch noch ertragen. Das war für mich auch gar nicht das schlimmste, sondern dass ich mich so sehr darauf gefreut hatte, diese Prüfung zu reiten und dann gar nichts von dem abrufen konnte, was ich mir im Training mühsam erarbeitet hatte. Ich ritt also als Häufchen Elend aus der Prüfung raus und wollte nur noch nach Hause. Auf dem Hängerparkplatz traf ich dann Anna und ihren Papa und während ich den beiden mein Leid klagte, checkte sie auf ihrem Handy die Ergebnisse, die live online gestellt wurden und sagte „Also du hast 61% bekommen, so schlecht kann es gar nicht gewesen sein…“

Das hat mich wirklich überrascht, ich hatte mit irgendeiner kleinen 5 gerechnet, da so ungefähr alles schief gelaufen war, was schief laufen konnte. Großartig trösten konnte mich das nicht, weil ich mein Ziel, eine harmonische schöne Runde abzuliefern, die Spaß macht, nicht erreicht hatte. Aber es motivierte mich immerhin genug, noch für die zweite Prüfung, die L**-Kandare da zu bleiben.

In der zweiten Prüfung wollte ich alles besser machen. Um nicht wieder das Beifahrergefühl zu haben, bin ich deutlich länger abgeritten als bei der M. Ich wollte sicher gehen, dass ich genug Zeit habe, sie wirklich durchlässig und an die Hilfen zu bekommen. Um das zu erreichen, habe ich ähnlich wie vor der ersten Prüfung immer wieder bewusst versucht, den Takt am Kreuz zu verlangsamen. Ich habe sie schon bei  Lösen mehrmals im Trab ganz extrem zurückgenommen, bis ich das Gefühl hatte, sie pariert fast durch. Das habe ich im „neuen“ Unterricht ein paar Mal gemacht und ich finde, es hilft, das Pferd dazu zu bringen, besser auf den Sitz zu hören. Dabei habe ich bewusst darauf geachtet, selbst ruhig zu bleiben. Ich weiß nicht genau, warum Emmi auf Turneiren so zackelig läuft, aber es kann schon sein, dass sich meine Aufregung auf sie überträgt. Auch wenn es immer noch nicht so lief wie zuhause, hatte ich beim Abreiten schon ein deutlich besseres Gefühl.
Das setzte sich zum Glück in der Prüfung fort. Emmi machte toll mit und hörte mir zu. Es gab meiner Meinung nach keine groben Fehler in der Vorstellung. Ich war danach einfach nur erleichtert und zufrieden, das Turnier mit einem guten Gefühl beenden zu können. Ich habe Emmi ganz doll gelobt und bin dann zurück auf einen der Abreiteplätze, um dort auf das Ergebnis zu warten. Ich habe mir ganz fest vorgenommen, meine gute Laune und Zufriedenheit dadurch nicht trüben zu lassen. Trotzdem hatte ich mit einer besseren Bewertung als in der M* gerechnet, wo Emmi doch so viel besser an den Hilfen war. Tja, als das Ergebnis kam war ich doch kurz überrascht, 59,9%…. Damit deutlich unter dem Ergebnis der M und natürlich weit weg von irgendeiner Platzierung.
Im ersten Moment war es mir egal, aber als ich die Protokolle geholt hatte, war ich doch etwas traurig. Ein Richter hatte eine große Klammer um die Fußnoten gemacht (Sitz und Einwirkung, Schritt, Trab, Galopp, Durchlässigkeit) und schrieb dahinter „ausdruckslos“. Nur ein einziges Wort und doch so eine große Bedeutung. Ausdruckslos. Wohl die größte Kritik, die man an einem Ritt üben kann. Und gleichzeitig das, was ich gefühlt am wenigsten beeinflussen kann.

Die Kritik der Richter und der Verlauf dieses Turniers hat mich die Tage danach extrem beschäftigt. Das klingt vielleicht naiv, aber ich dachte immer, ich hätte mit Emmi ein gutes Dressurpferd. Im Grunde lektionssicher, unglaublich brav und meistens motiviert. Dass das anscheinend für L** und M* schon nicht mehr ausreicht, war nie in meinen Gedanken. Sicher, Emmi ist nicht schwarz und 1,75m groß, trabt nicht wie Totilas und ist grundsätzlich eher ein „festes“ Pferd. Aber ist sie vielleicht nicht mehr gut genug für M? Nicht mehr gut genug für mich? Brauche ich vielleicht einfach nur ein anderes Pferd und der Erfolg würde folgen?

All diese Fragen haben sich mir ehrlicherweise gestellt. Dieser Bericht ist nun schon sehr lang geworden und um euch nicht allzu viel auf einmal zuzumuten, werde ich auf meine Gedanken dazu im nächsten Post weiter eingehen.

Da ich momentan im Urlaub bin und keinen Zugriff auf die Videos der Prüfungen habe, habe ich sie nicht für euch hochgeladen. Das Turnier ist ja nun schon etwas länger her, aber falls jemand die Videos trotzdem gerne noch sehen möchte, schreibt mir das gern in den Kommentaren. Ansonsten spare ich mir die Arbeit und versuche bald mal wieder, ein aktuelles Trainingsvideo zu drehen 🙂

Bis ganz bald!!

4 Kommentare

  1. Pingback: Ein neues Pferd für Cathy? | Horse Diaries

  2. Lisi sagt

    Zufällig hier gelandet, schreib ich jetzt doch einfach mal einen Kommentar, obwohl das sonst so gar nicht meine Art ist. Deinen Frust über die Richterwertungen kann wohl jeder Dressurreiter nachvollziehen, häufig scheinen sie doch einfach vom Himmel zu fallen. Habs auch schon erlebt, dass Noten, trotz besseren Gefühls, plötzlich noch schlechter werden…
    ABER, und das ist glaub ich das Wesentliche, was ich eigentlich schreiben wollte: Hab gelesen, dass du ernste Zweifel an dir und dem Pferd hast. Klar, die andere Fuchsstute ist das ausdrucksstärkere und ganggewaltigere Pferd, aber ich kann nicht sagen, dass deine Stute mickrig, zu klein oder „schlecht“ unter dir aussieht – hab extra mal in das Trainingsvideo geschaut. Für mich persönlich steht immer die Freude am Pferd und mit dem Pferd im Vordergrund, und nicht, ob ich nun irgendwelche Turniererfolge einheimsen kann. Ich hab ein Pferd, welches durch und durch auf Springen gezogen ist, dummerweise gehöre ich nur auch zu den Dressurreitern. Dementsprechend ist es erheblich schwieriger, aus einem solchen Pferd spektakuläre Trabverstärkungen rauszuholen, wenn nicht gar unmöglich. Was für mich aber viel mehr zählt, ist die Tatsache, dass ich (meistens 😉 ) ein gut gerittenes, zufriedenes und vor allem losgelassenes Pferd unter dem Hintern habe, welches obendrein auch noch Spaß an der Arbeit hat. Sie hat einen Bombengalopp mit einer Versammlungsbereitschaft im Hinterbein, davon kann manch spektakulär trabendes Dressurpferd nur träumen… Ach was rede ich, alles, was ich damit sagen will, ist: Solange ihr gemeinsam zufrieden seid, ist alles gut. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, was man will. Für mich stehen Turniererfolge ziemlich weit hinten in der Rangordnung, ich freue mich über jede wirklich realistische und konstruktive Kritik, wenn ich dann doch mal losfahre, und die Note ist dabei Nebensache.
    Die alles entscheidende Frage ist jedoch: Was willst du selbst und könnt ihr das zusammen erreichen? Ich finde bei solchen Fragen immer die Meinung „unbeteiligter Dritter“ enorm wichtig, die sehen das Ganze realistisch und weniger emotional. Meine Trainerin arbeitet mit uns an Lektionen der Klasse M, so ganz unbedarft sind wir also nicht, und das würde sie nicht tun, wäre das Pferd nur für Führzügelwettbewerbe tauglich. Vielleicht hast du auch so jemanden, einen Trainer, einen Pferdemenschen, auf dessen Urteil du Wert legst, der dein Pferd und dich kennt, und kannst diese Fragen mit demjenigen besprechen. Über ein Video kann das niemand wirklich aussagekräftig.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Manchmal muss man die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

    • Hallo Lisi, danke für deinen lieben Kommentar! Der Bericht ist ja schon ziemlich alt, mittlerweile habe ich für Emmi und mich eine tolle Lösung gefunden, über die ich bald auch ausführlich berichten werden. Viele Grüße und weiterhin viel Spaß mit deinem Pferd 🙂 Berichte doch gerne mal wieder, wie es sich bei euch so entwickelt.
      Liebe Grüße

  3. Pingback: Ich höre wirklich auf zu reiten! | Horse Diaries

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)