Emmi, Tagebücher
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Ein neues Pferd für Cathy?

Hallo Freunde,

nun habe ich mich schon wieder ewig nicht gemeldet und generell ist es auf dem Blog momentan sehr ruhig. Das hat natürlich bei jedem von uns ganz unterschiedliche Gründe, bei mir waren es familiäre und berufliche Gründe, die dazu geführt haben, dass mir nicht ganz der Kopf nach Bloggen stand.

Jetzt bin ich aber wieder zurück und möchte euch auf den aktuellen Stand bringen. In Hamburg ist der Winter ausgebrochen, Emmi trägt mittlerweile eine Decke und gestern habe ich sie geschoren. Aktuell hatte sie (mal wieder) ein so genanntes Regenekzem. Das entsteht scheinbar durch Feuchtigkeit unter der Decke und es bilden sich kleine krustige Quaddeln. Kennt vielleicht jemand von euch das Problem? Emmi neigt gerade im Winter leider zu Hautproblemen, typisch Fuchs eben! Eigentlich waren die Quaddeln alle abgeheilt, aber am Wochenende waren plötzlich wieder kleine Pickelchen in der Sattellage zu sehen. Ich habe daher erstmal nur den Hals und die Brust geschoren, weil ich nicht über die Pickel scheren wollte und die Hoffnung habe, dass sie insgesamt nicht mehr allzu stark schwitzt, wenn diese Hauptschweißpunkte geschoren sind.

In meinem letzten Beitrag habe ich von einem Turnier im August (hilfe, ist das schon wieder lange her…) berichtet. Da habe ich euch auch geschildert, dass ich ziemlich frustriert bin und nicht so richtig weiß, wie es mit mir und Emmi und dem Dressurreiten weitergehen soll. Leider hat sich der Frust bis jetzt nicht so richtig gegeben. Zwar bin ich über den Misserfolg auf dem Turnier hinweg gekommen und habe eingesehen, dass mir zum erfolgreichen Turnierreiten auch eine ganze Menge Routine fehlt. Worüber ich allerdings nicht so richtig hinweg komme, ist, dass ich zuhause sehr oft ein doofes Reitgefühl habe. Seit ihren beiden Kolik-OPs hat Emmi deutlich mehr Probleme, sich im Trab wirklich loszulassen. Ich reite sie aktuell vermehrt mit Gerte, um den Schub von hinten zu sichern. Ohne Gerte lässt sie sich nämlich manchmal sehr bitten und das führt dann dazu, dass ich zu viel mit dem Bein drin hänge und sie nicht vor mich bekomme. Anstatt sich dank der Gerte jedoch zu setzen und aktiv mitzutreten, rennt sie mir unter dem Popo weg. Ich versuche das dann mit dem Sitz abzufangen und durch Travers und Schulterherein wieder mehr Kontrolle und Durchlässigkeit zu erreichen. Im Unterricht klappt das relativ gut, alleine bekomme ich es leider nicht hin. Das führt dann oft dazu, dass sich der Druck in der Hand immer weiter erhöht, ich eher ins Ziehen komme als zum Loslassen und am Ende frustriert vom Pferd absteige. In meinem Kopf läuft dann so ein richtiger Frustfilm ab. „Warum klappt es denn nicht endlich mal, Emmi ist ein doofes untalentiertes Pferd und ich kann sowieso nicht reiten, ich schmeiß am besten einfach alles hin…“. Mit diesem Gedankenkarussel im Kopf reitet es sich natürlich besonders locker und entspannt, ihr kennt das vielleicht.

Die Galopparbeit fällt Emmi etwas leichter, aber auch hier hat sie grundsätzlich Schwierigkeiten, sich zu setzen. Sie versucht sich immer wieder lang und gerade zu machen und wenn ich sie zurücknehme, ist sie leider trotzdem oft nicht richtig rund und gesetzt. Sie kann keine Diagonale im starken Trab durchhalten und eigentlich auch keine schöne Traversale über die ganze Diagonale halten.

Ich denke, dass ihre Schwierigkeiten einerseits an ihrem Körperbau liegen, andererseits aber auch an den OPs.  Nach der zweiten OP musste sie mehrere Monate in der Box stehen, weil die Wunde einfach nicht heilen wollte. Seitdem trabt sie viel gebundener und fester los. Vor ein paar Jahren lahmte sie die ersten Runden sogar richtig, das hat sich jedoch deutlich gebessert. Um sicherzugehen, dass sie keine gesundheitlichen Probleme hat, möchte ich mit ihr noch einmal in die Klinik fahren zu einem Tierarzt, der viel Erfahrung mit älteren Sportpferden hat, und sie dort vorstellen. Ich habe 2010 ihren Hals röntgen lassen, da sie sich seit ich sie habe (bis heute) auf der linken Hand sehr gerne verkantet. Das macht sie auch beim Freilaufen und an der Longe. Außerdem habe ich 2013 als sie immer so lahm lostrabte, den Rücken und die Beine röntgen lassen. Das alles hat keine klaren und behandlungsbedürftigen Befunde gebracht bzw. wurde jedes Mal etwas behandelt (wie das immer so ist), gebessert hat sich dadurch jedoch nichts. Ich mache mir daher wenig Hoffnung, dass es dieses Mal den einen schuldigen Befund gibt, der alles erklärt. Dennoch finde ich es sinnvoll, alle par Jahre mal eine Bestandsaufnahme zu machen und die Befunde mit den alten Befunden abzugleichen. Ich denke, das ist man dem Pferd schuldig, wenn man ihm eine gewisse Leistung abverlangt.

Was auch immer bei der Untersuchung rauskommen wird, Fakt ist, dass aus Emmi kein spritziger elastischer 5jähriger mehr werden wird. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich oft davon träume, wie es wohl wäre, mit einem jungen Pferd noch einmal neu anzufangen. Theresa hat diesen Wunsch vor ein paar Wochen bereits hier geäußert und ich teile ihr Empfinden voll und ganz. Zwar ist Emmi anders als der Zausel seit viereinhalb Jahren voll belastbar, dennoch bleibt manchmal das Gefühl, dass der Lack einfach ein bisschen ab ist. Daher habe ich in den letzten Monaten oft überlegt, wie es wohl wäre, wenn ich mir einfach ein neues Pferd kaufen würde. Emmi zu verkaufen käme für mich nicht in Frage, sie würde dann von meiner Reitbeteiligung weiter geritten werden und ich würde mich um mein neues Pferd kümmern. Das wäre wirklich schön, wären da nicht die zwei kleinen Probleme Zeit und Geld… Ich schaffe es ja nicht mal, mich alleine um ein einziges Pferd zu kümmern, insofern wäre ein zweites Pferd in großen Teilen einfach eine zusätzliche Belastung. Von den Kosten, die zwei Pferde verursachen, mal ganz abgesehen. Daher habe ich mich aus Vernunftsgründen erst einmal dagegen entschieden.

Außerdem muss man bei aller Kritik sagen, dass Emmi so viele tolle Seiten hat, die ich nur schwer bei einem andere Pferd wiederfinden werde. Wir vertrauen uns blind, ich kann jeden Sprung anreiten, jede noch so gruselige Situation mit ihr entspannt meistern und sie überall auf dem Hof einfach abstellen, sie bewegt sich keinen Schritt, bis ich wieder da bin… Auch beim Reiten ist sie grundsätzlich immer bemüht und versucht, alles richtig zu machen. Diese innere Einstellung ist am Ende vielleicht viel wichtiger als das letzte bisschen Schwung im Mitteltrab.

Dennoch möchte ich gerne weiterkommen und zumindest wieder ein schönes, harmonisches Reitgefühl erreichen. Wie ich das hinbekommen soll, weiß ich selbst noch nicht ganz genau. Fakt ist aber, dass es zu ganz großen Teilen einfach an mir liegt, dass es nicht so funktioniert, wie ich es mir vorstelle. Natürlich würde Emmi sich unter einem Profi ganz anders entwickeln und sich deutlich verbessern, das ist mir klar. Hilft mir nur leider nicht weiter, weil ich natürlich nur so gut reiten kann, wie ich es eben tue.

Ich habe mich in den letzten Tagen mit meiner Familie und Freunden über das Problem ausgetauscht, unter anderem mit Theresa und Anna, die wie immer ein offenes Ohr hatten und mir wirklich weitergeholfen haben. Ich sitze momentan ca. 3x die Woche auf dem Pferd und reite meistens einmal wöchentlich Unterricht. Das ist einfach zu wenig, für das, was ich von meinem Pferd verlange. Wenn ich weiterhin den Anspruch an uns stellen will, dass wir uns weiterentwickeln und irgendwann einmal ganz locker und entspannt durch eine M* reiten können, muss ich mich einfach eine ganze Ecke mehr anstrengen. Daher werde ich in Zukunft versuchen, wirklich vier Tage po Woche auf dem Pferd zu sitzen und konstant 2x wöchentlich Unterricht zu nehmen. Ich hoffe, dass ich es dadurch schaffe, ein besserer Reiter zu werden, der auch die Schwächen seines Pferd ausgleichen kann.

Darüber hinaus möchte ich versuchen, an meiner Einstellung zu arbeiten. Ich bin 25 Jahre alt, ich habe ein Jurastudium bewältigt und stecke gerade mitten im Referendariat, ich habe eigentlich ganz andere Prioritäten als die erste M-Platzierung. Auch wenn ich ein grundsätzlich ehrgeiziger Mensch bin, muss ich mich daran gewöhnen, dass nicht immer alles so funktioniert, wie ich es gern hätte. Emmi hat zwei schwere Operationen überstanden und ist heute wieder ein fast normales Pferd. Ich muss weder mir noch irgendwem anders etwas beweisen, ich kann dankbar und glücklich sein, dass ich so ein braves motiviertes Pferd habe, mit dem man auch ganz entspannt ins Gelände bummeln kann und dass ich überhaupt so weit mit ihr gekommen bin. Diese ganzen Dinge werde ich versuchen mir vor Augen zu führen, wenn ich das nächste Mal auf Emmi sitze und das Gefühl habe, dass mal wieder gar nichts klappt.

Habt ihr noch weitere Ideen oder Anregungen für mich? Was würdet ihr in meiner Situation tun?

 

Wintertraining

Wintertraining

6 Kommentare

  1. Hi. Dein Beitrag ist toll. Auch ich hatte in diesem Jahr eine Phase in der ich ziemlich deprimiert war, dass Dragon doch so lange benötigte, um besser zu werden. Ich reite ihn nun schon seit fast 11 Monaten, und jetzt erst so langsam, fangen wir an besser zu werden. In den ersten Monaten war ich ziemlich deprimiert, da ich mich gefühlt habe wie ein Anfänger. Mir hat meine Trainerin sehr geholfen, die mich immer mal wieder aufgebaut hat und mir vor Augen führte, was wir schon alles geschafft habe. Außerdem haben wir viel gemacht, was uns Spaß gemacht habe. Als ich dann begriffen hatte, dass ich dieses Jahr kein Turnier mit ihm werde reiten können und ich so den Druck herausgenommen habe, hat es wieder angefangen Spaß zu machen und auch Dragon war wieder motivierter. Ich glaube, wenn du dich weniger unter Druck setzt und ihr viel Dinge macht, an denen ihr Spaß habt, kommt der Rest von ganz alleine.

    • Hi Claudia, danke für deinen Kommentar. Du hast auf jeden Fall Recht, ich sollte mir weniger Druck machen. Ich werde es versuchen. Liebe Grüße und viel Spaß weiterhin mit Dragon!

  2. Grazia sagt

    „Richtig reiten reicht“, ein sehr bekanntes und passendes Zitat. Oft sitzt das Problem schlichtweg oben drauf. Wenn’s im Unterricht klappt, alleine jedoch nicht, brauchst du meiner meinung nach mehr unterstützung und solltest in erster linie kritischer mit dir selbst werden. Das wird schon!
    Ach ja, und viel viel Basisarbeit wirkt oft Wunder.

    • Hi Grazia, in dem Artikel steht ja, dass ich in Zukunft noch mehr Unterricht reiten möchte 🙂 Auch wenn die Probleme dort natürlich genau so auftreten, traue ich mich unter Anleitung einfach mehr, sie wirklich anzugehen. Mir ist durchaus bewusst, dass Emmi unter einem besseren Reiter weniger Probleme hätte und ich daher ein großer Teil des Problems bin, aber ich bin nun mal ein kleiner Hobbyreiter und werde auch nicht mehr über Nacht zum Profi. Das Wichtige ist ja, dass Pferd und Reiter trotzdem zusammen funktionieren.
      Zum Thema Selbstkritik habe ich eine andere Meinung als du, weil ich mich durchaus für selbstkritisch halte. Mir fällt das Reiten ohne Reitlehrer unter anderem deshalb so wahnsinnig schwer, weil ich immer Angst habe, Fehler zu machen oder versehentlich zu grob zu Emmi zu sein. Wenn man sich ständig nur die eigenen Fehler und Schwächen vor Augen führt, blockiert das eher als dass es etwas verbessert.

      Danke für deinen Kommentar, liebe Grüße!

  3. Pingback: Ist Emmi krank? | Horse Diaries

  4. Katharina sagt

    Ich kann das alles so gut nachvollziehen!
    Genau so geht es mir beim Dressurreiten mit meinem RB Pony momentan leider auch, wir haben nach einer krankheitsbedingten Pause ziemliche Probleme mit der Durchlässigkeit und der Lockerheit.
    Das Pony ist wirklich nicht so einfach zu reiten, aber ich weiß eben auch, dass es an mir liegt, mit der S-Bereiterin klappt es ja.
    Ich versuche das jetzt auch mit mehr Unterricht zu lösen, aber mir geht es da genau wie dir, dass es im Unterricht dann klappt und alleine wieder nicht so gut. Aber manchmal weiß ich auch gar nicht so genau, wie wir das im Unterricht so schön hinbekommmen haben, es spielen ja immer tausend Faktoren zusammen beim Reiten und manchmal sind es kleine Feinheiten, die den entscheidenen Unterschied machen.

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)