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Der April mit Emmi! Meine Entscheidung – Teil 2

Kalenderwoche 18 – Emmis April

Hamburg –  Sturm, Regen, Hagel, Sonne bei 0 bis 15 Grad, so richtiges Aprilwetter eben!

Dieses Mal habe ich keinen „normalen“ Monatsbericht für euch, sondern den zweiten Teil meiner Entscheidungsfindung (Teil 1 gibt es hier).

Ich hatte mich, wie im letzten Beitrag beschrieben, bereits fast zum Verkauf durchgerungen. Eine liebe Freundin (Wiebke, sie unterstützt uns auch hier auf Horsediaries) hatte mir von Bekannten erzählt, die ein älteres Pferd suchen. Eine Mutter mit ihrer Tochter, die ein bisschen Dressur reiten möchten, aber auch entspannt ausreiten gehen. Das klang eigentlich perfekt. Ich war kurz davor, einfach mal Kontakt zu den beiden aufzunehmen, um zu gucken, ob es passen könnte. Meine andere Alternative war, Emmi erstmal wegzustellen, irgendwo auf Weide, aber irgendwie fand ich es auch schade ein gesundes, voll reitbares Pferd in ihrem Alter einfach auf der Weide zu parken. Mal abgesehen davon, dass dadurch trotzdem weiterhin Kosten entstehen würden, ohne dass ich irgendetwas von ihr hätte.

Als ich dann eines Abends, irgendwann im März, mit einer anderen Freundin und einem Glas Wein bei uns zuhause saß und wir über Emmi sprachen, kam mir plötzlich eine absurde Idee. Ich schrieb Wiebke bei Whatsapp:

„Wenn ich Emmi eh weggeben würde und nicht mehr reiten, könnte ich eigentlich auch ein Fohlen ziehen…“

Wiebke war zwar nicht ganz so entsetzt, wie ich vermutet hatte, aber lieferte mir dennoch ziemlich schnell 138 vollkommen begründete rationale Argumente dagegen. Ich wusste, dass sie damit sehr Recht hatte, aber der Gedanke war da und ließ sich auch nicht so ganz beiseite schieben. Bisher hatte ich die Möglichkeit, ein Fohlen zu ziehen, nie ernsthaft in Betracht gezogen, weil ich mir sicher war, dass das durch Emmis Kolik-OPs viel zu riskant wäre und sie mit 15 Jahren sowieso schon zu alt. Ich hatte ursprünglich überlegt, mir dieses oder nächstes Jahr eventuell ein Fohlen als Nachwuchspferd zu kaufen. Aber mein eigenes Pferd weggeben und ein Fohlen aus einer fremden Stute kaufen? Da würde es doch tatsächlich mehr Sinn ergeben, ein Fohlen aus Emmi zu ziehen.

Zwei Tage später kam ich zufällig mit einer Miteinstellerin auf das Thema Fohlen, da sie selbst zwei Pferde bei uns stehen hat, eine Stute und deren Sohn, den sie selbst gezogen hat. Außerdem ist sie Tierärztin, also die perfekte Ansprechpartnerin für meine kleine Idee. Zu meiner Verwunderung hatte sie gar keine Bedenken, weder fand sie Emmi für ein erstes Fohlen zu alt noch ihre Vorgeschichte problematisch.

Ich war immer noch skeptisch, aber langsam stieg meine Begeisterung für das Thema. Da Wiebke mit ihrem Pferd in einem Aufzuchtstall steht und ich sie dort sowieso schon ewig besuchen wollte, fuhr ich kurzerhand dorthin, mit dem Gedanken im Hinterkopf, mit den Stallbesitzern zu sprechen, die selber züchten und sehr viel Erfahrung haben. Der Stall ist ein absoluter Pferdetraum: Die Stuten stehen ganzjährig 24 Stunden auf der Weide, haben dort einen Unterstand, bekommen im Winter Heu satt und werden natürlich täglich kontrolliert und zugefüttert. Bei meinem Besuch hatte ich außerdem Glück – es waren nicht nur die Stallbesitzer vor Ort, sondern auch der Tierarzt, der dort alle Stuten betreut und sich bestens damit auskennt. Beide waren einer Meinung – Emmi decken zu lassen sei kein Problem.

Puh, so langsam wurde also aus dieser fixen Idee eine ernsthafte Option. Ich hatte nun zwei positive Tierarztmeinungen und bereits den perfekten Stall in Aussicht. Trotzdem war ich weiterhin unsicher, ob ich Emmi das wirklich zumuten könnte. Wer mich kennt, weiß, dass ich durch meine vielen schlechten Erfahrungen eher übervorsichtig und ängstlich bin. Daher habe ich wirklich lange darüber nachgedacht und mit kaum jemandem darüber gesprochen, was für mich sehr untypisch ist. Normalerweise wälze ich solche Entscheidungen vorher 20x mit meinen Freunden und höre mir von jedem, der eine Meinung dazu hat, alles an, was er zu sagen hat. Dann wäge ich ganz rational und vernünftig ab, was das Beste ist. Ich versuche immer die sicherste Entscheidung zu treffen, die Entscheidung, die mich am wenigsten angreifbar macht. Normalerweise. Dieses Mal war alles anders. Ich wollte gar keine Meinungen hören. Ich wollte diese Entscheidung für mich und Emmi treffen. Ich wollte das tun, von dem ich selbst zu 100% überzeugt bin und nicht das, was anderen Leute für sinnvoll halten. Es gab eigentlich nur noch einen Ansprechpartner, dessen Meinung mir sehr wichtig war – der Tierarzt, der Emmi operiert hatte und auch jede andere Kolik behandelt hat. Ich wusste genau, wenn er mir davon abraten würde, wäre der Plan gestorben. Ich fasste mir also ein Herz und rief ihn an. Drei Mal dürft ihr raten, was seine Antwort war? „Kein Problem!“

Tja und damit stand der Plan. Emmi wird ein Fohlen bekommen. Wenn sie tragend wird und alles gut geht jedenfalls. Auch wenn das die wohl verrückteste Entscheidung ist, die ich je getroffen habe, fühlt es sich so richtig an. Mittlerweile habe ich meinen Freunden und natürlich meiner Familie davon erzählt und auch im Stall spricht es sich langsam rum, da sich die sehr regelmäßigen Tierarztbesuche einfach nicht mehr verbergen lassen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass nicht alle Reaktionen nur positiv waren. Die allermeisten haben sich mit mir gefreut, aber natürlich musste ich mir auch anderes anhören: Emmi ist zu schlecht, zu alt, es kann so viel schief gehen, das arme Pferd und so weiter… Aber wisst ihr was? Es ist mir egal. Es ist mein Pferd und meine Entscheidung und ich freue mich so sehr auf die kommende Zeit mit ihr wie schon lange nicht mehr. Ich denke, mir wird die Auszeit vom Reiten sehr gut tun. Unser kleines gemeinsames Projekt hat uns schon jetzt viel näher zusammengebracht, auch wenn Emmi wohl noch nichts von ihrem Glück ahnt 🙂

Ich werde euch natürlich auf dem Laufenden halten und bald über die ersten Untersuchungen und natürlich die Hengstauswahl berichten.

3 Kommentare

  1. Emilia sagt

    Mal ganz ehrlich: Warum willst du ein Fohlen? Weil du keinen Bock auf reiten hast…. Tut mir Leid, aber da sehe ich keinerlei Logik. Bitte um Erklärung

    • Hey Emilia,
      ich versuche gern es zu erklären: Ich wohne mitten in der Großstadt und stehe kurz vor der wichtigsten Prüfung meines Studiums. Daher passt das Reiten momentan einfach nicht in meine Lebensphase. Dauerhaft nicht mehr zu reiten, kann ich mir absolut nicht vorstellen. Trotzdem brauche ich gerade einfach mal eine Pause nach 14 Jahren Pferdesitzer sein.
      Ich hatte auch ursprünglich überlegt, mir ein Fohlen zu kaufen, um in ein paar Jahren einen Nachwuchs für Emmi zu haben. Das hätte ich vielleicht dazuschreiben sollen. Meine eigene Stute auf die Weide zu stellen oder zu verkaufen und ein Fohlen aus einer völlig fremden Stute zu kaufen, erschien mir dann aber doch recht merkwürdig.
      Mir macht das ganze Thema Zucht schon jetzt total viel Spaß. Ich habe in den letzten Wochen sehr viel dazugelernt und habe das Gefühl dadurch noch mal einen völlig neuen Bereich der Pferdewelt kennenzulernen. Insofern ist es für mich persönlich die richtige Entscheidung, das heißt aber nicht, dass es irgendjemand anders genau so machen soll oder würde 🙂
      Liebe Grüße Cathy

  2. C.L sagt

    Gibt ja auch noch nicht genug Pferde auf der Welt. Warum meint jede Studenbesitzerin, ein Fohlen aus ihrer Stute ziehen zu müssen? Seid ihr alle Züchter? Völlig daneben, sorry.

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)