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6 Tipps für den Sattelkauf

Das Thema Sattelkauf kann zu einer ziemlich frustrierenden Angelegenheit werden, denn einen Sattel zu finden, der wirklich passt, ist gar nicht so einfach und oft entpuppt sich der extra für Pferd und Reiter angepasste Sattel nach einem halben Jahr als doch nicht so passend, wie der Sattler versprochen hatte. Denn genauso schwer wie einen passenden Sattel zu finden ist die Suche nach einem guten Sattler – allzuoft verbirgt sich hinter dem Titel nämlich nur ein Verkäufer, der wenig Rücksicht auf die tatsächliche Passform nimmt, sondern eben in erster Linie seine Sättel an den Mann oder die Frau bringen möchte.

Auch ich habe schon reichlich schlechte Erfahrungen mit Sattlern und nicht passenden Sätteln gemacht und war als Pferdebesitzer stellenweise so überfordert und frustriert, dass ich schon annahm, es ist einfach unmöglich, einen passenden Sattel zu finden.

Die gute Nachricht ist: Es gibt sowohl sehr kompetente Sattler als auch wirklich dauerhaft passende Sättel! Man muss sie eben nur finden.
Damit dir das hoffentlich schneller gelingt als mir, habe ich dir hier meine Top 5 Tipps aufgeschrieben, die ich aus leidvoller Erfahrung gesammelt habe.

  1. Frag die richtigen Leute
    Naheliegend ist es natürlich, Bekannte aus dem Stall nach einem Sattler zu fragen. Die haben gute oder schlechte Erfahrungen mit den Sattlern aus der Umgebung gemacht und können dir helfen, deinen Sattler zu finden. Frag nicht die Leute, die grade einen neuen Sattel gekauft haben und dessen Pferde plötzlich wie durch ein Wunder nur so durch die Halle schweben. Neue Besen kehren gut und mit einem neuen Sattel reitet es sich immer besser als mit dem alten, drückenden. Bis so ein Sattel aber richtig Schaden anrichtet, muss man damit eine ganze Weile reiten, möglicherweise drückt der tolle neue Sattel in einem Jahr genauso wie der alte – nur an anderer Stelle.
    Frag liebe die Mitreiter, die schon seit Jahren den gleichen Sattel haben, bei denen seit Jahren der gleiche Sattler auf den Hof kommt um nur die Kissen ein wenig aufzufrischen oder dem antrainierten Muskel ein bisschen mehr Platz zu machen. Da hast du gute Chancen auch einen Sattel zu finden, der dich über viele Jahre begleitet und dir und deinem Pferd wirklich passt.
  2. Ausprobieren, bis dem Sattler die Füße platt werden
    Oder ihm gleich einen Stuhl anbieten, denn einen Sattel kann man nicht in drei Runden ausprobieren. Zumindest keinen, der keine absolute Katastrophe ist, von denen darf man natürlich auch schon nach 3 Runden absteigen. Eine Sattelprobe kostet Zeit und wenn dich dein Sattler hetzt, ist er nicht der richtige für dich. Im besten Fall lässt er dir das gute Stück sogar für einige Tage zur Probe da, damit du den Sattel wirklich ausgiebig testen kannst, bevor du ihn tatsächlich kaufst. Auf jeden Fall solltest du aber ausgiebig in allen drei Grundgangarten mit dem Teststück reiten und auch Seitengänge und fliegende Wechsel probieren, sofern dein Pferd sie beherrscht. Solange man noch gradeaus reitet, scheint der Sattel noch echt super zu sein, in den Seitengängen wird’s dann aber plötzlich holprig? Dann passt der Sattel nicht!
  3. Traue nicht dem Wundersattler
    Es gibt Pferde, die haben einfach eine schwierige Sattellage, zum Beispiel weil sie sehr viel Schwung in der Oberlinie haben, weil die Gurtlage nicht zur Sattellage passt oder weil sie sehr wenig Schulter und Widerrist haben und Sättel schnell nach vorn rutschen. Solche Pferde sind schwierig zu besatteln, das hat einfach anatomische Gründe. Hast du ein solches Pferd und dir verspricht plötzlich ein Sattler, das wäre alles nur halb so wild, das würde er ganz einfach hinbekommen, seine Sättel kann er auf wirklich jedes Pferd anpassen, ist Vorsicht geboten. Möglicherweise hast du einen wirklich begnadeten Sattler an der Hand – wahrscheinlicher allerdings ist es, du hast es mit einem Verkäufer zu tun, der dir nur irgendwie einen Sattel andrehen möchte. Ein guter Sattler wird dir nicht das Blaue vom Himmel versprechen und offen über die Problematik mit dir sprechen. Vielleicht wird er dich sogar enttäuschen und dir sagen, dass er keinen passenden Sattel für dein Pferd hat, kann dir aber vielleicht einen Kollegen empfehlen, der die Sättel führt, die zu euch passen könnten. Dann bist du an einen wirklich guten Sattler (allerdings noch keinen Sattel) geraten!
  4. Maßsattel ist nicht gleich Maßsattel
    Leider bin ich selbst auch schon drauf reingefallen, zwei Mal sogar (ja so doof muss man auch erstmal sein…). Da kommt ein neuer Sattler auf den Hof und bietet Maßsättel an, die etwas teurer sind als die normalen Sättel von der Stange. Sie liegen damit etwas unter dem Preis der anderen Maßsättel, die leider außerhalb des Budgets liegen, sind aber eben trotzdem echt wahnsinnig teuer, teurer als ein Markensattel von Prestige, Passier und Co. Aber weil man schon so viel probiert hat und schon lange das Gefühl hat, dem lieben Vierbeiner passt eh überhaupt gar nichts, kratzt man schließlich doch sein Geld zusammen und bestellt sich auch einen von diesen Maßsätteln. Oft ist in einem Stall dann folgendes zu beobachten: Ein Pferd wird mit dem tollen neuen Maßsattel ausgestattet, läuft plötzlich umwerfend viel besser und der halbe Stall kauft den gleichen Sattel nach. Natürlich immer individuell auf jedes Pferd angepasst, ist ja schließlich ein Maßsattel. Nach 3-4 Monaten dann die ersten unzufriedenen Stimmen, der Hälfte der Pferde passt der tolle Maßsattel nicht, auch nach mehrmaligem umpolstern ist nichts zu machen, der Maßsattel passt einfach nicht und der erst noch so gefeierte Sattler wird mit dem Besen vom Hof gejagt. Warum der Maßsattel doch nicht auf jedes Pferd passt? Weil es gar keiner war, es war ein Teil- oder Pseudomaßsattel, der einem Baukastensystem ähnlich modular zusammen gestellt werden kann, oft billig irgendwo im Ausland produziert und noch nicht mal aus besonders hochwertigem Leder gefertigt. Die Passform ist kein bisschen besser oder schlechter als die aller anderer Sättel von der Stange (die gibt es schließlich auch in unterschiedlichen Grüßen und Ausführungen), die Qualität des Sattels eher schlechter und passen tut er eben nur bei den Pferden, die zum Sattel passen, aber bestimmt nicht beim der Hälfte aller Pferde im Stall.
    Ein echter Maßsattel wird von Baum bis zum Sattelblatt auf Pferd und Reiter zugeschnitten hergestellt, vom Sattler persönlich in seiner Werkstatt, das Ausmessen ist außerordentlich aufwendig und meistens erfolgen Zwischenanproben, damit auch wirklich alles zu 100 % passt. Das ist teuer, für ein wirklich spezielles Pferd aber oft die letzte Möglichkeit, die dann auch ihr Geld wert ist. Möchte euch jemand einen Maßsattel verkaufen, fragt ganz genau nach, wo und von wem der Sattel hergestellt wird, welches Leder verwendet wird und wo der Sattelbaum herkommt.
  5. Das Vier Augen Prinzip
    Ihr habt einen Sattel gefunden, der einen guten Eindruck macht, seid damit ein paar Mal geritten und habt das Gefühl: Der passt!
    Bevor ihr nun viel Geld für das ersehnte Stück Leder zwischen Pferderücken und eurem Allerwertesten hinblättert, lasst noch mal jemand anderes auf den Sattel schauen. Vier Augen sehen mehr als zwei und jemand Neutrales, der nichts am Kauf des Sattels verdient, ist ein guter Berater. Die meisten Chiropraktiker und Osteopathen haben einen geschulten Blick dafür, ob die Ausrüstung passt, auch Tierärzte und Reitlehrer sollten erkennen, ob ein Sattel gut liegt oder vielleicht doch nicht so das Wahre ist. Oder ihr fragt einfach mal bei dem Sattler, der so einen kompetenten Eindruck machte, aber leider nicht das passende für euch im Sortiment hatte, ob er eine Sattelbeurteilung machen würde. Die meisten Sattler beurteilen auch fremde Sättel gegen einen relativ geringen Betrag, gemessen an der Kaufsumme eines neuen Sattels. Lieber noch mal 100 € extra bezahlen, als viel Geld für einen unpassenden Sattel aus dem Fenster zu schmeißen!
  6. Zuhören und lernen
    Du kannst von jedem Sattlerbesuch profitieren, wenn du aufmerksam zuhörst, Fragen stellst und dir erklären lässt, welcher Sattel aus welchen Gründen passt oder nicht passt. Das hilft dir, auch selbst einschätzen zu können, ob ein Sattel zumindest weitestgehend passt, oder eine totale Katastrophe ist. Außerdem ist es wichtig, den Sattel regelmäßig zu kontrollieren, schließlich verändern sich Sattel und Pferd über die Zeit und es muss immer wieder ein wenig nachjustiert werden. Am besten ist es, du erkennst selbst, wann es wieder an der Zeit ist, den Sattler zu rufen.

Mit diesen Tipps findest du deinen Traumsattel hoffentlich etwas schneller und sparst dir ein paar der Fehler, die ich begangen habe. Im Idealfall bleibst du von teuren Fehlkäufen komplett verschont. Das Thema Sattelkauf muss kein Frust sein, man muss nur den richtigen Sattler finden!

2 Kommentare

  1. Sammy sagt

    Vielen dank für den tollen Bericht – zu einem Thema bei dem wohl leider schon (fast) jeder auch mal schlchte Erfahrungen gemacht hat. Manchmal habe ich das Gefühl es ist mit dem Sattler wie mit dem TA- am besten man braucht ihn nicht 😉
    Vieleicht kannst du trotzdem einmal angeben, mit welchen „Maßsätteln“ du bereits schlechte Erfahrungen gemacht hast…

    • Theresa sagt

      Hallo Sammy,
      ja, ganz unrecht hast du damit nicht, aber irgendwas muss man dem Tier ja auf den Rücken tun, also um einen Sattler kommt man ja doch nicht herum, sobald man reiten möchte.
      Wir hatten einen Gerloc Sattel und einen HorseStar, beides totale Flops :/

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)