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Der Juli mit Emmi – Infektiöse Anämie? Granulosazelltumor?

Kalenderwoche 30 – Emmis Juli

Hamburg – 15-20 Grad, Wolken, Regen und immer noch kein Sommer in Sicht.

Puh. Ich wollte gerade meinen Monatsbericht beginnen und habe die verschiedenen Felder, die wir für unsere Monatsberichte immer ausfüllen, in den Beitrag kopiert. Worüber habe ich mich diesen Monat besonders gefreut? Was war mein schönstes Erlebnis? Wenn ich ehrlich bin, fällt mir dazu wenig bis gar nichts ein. Dafür umso mehr zum Thema Sorgen. Wie ich in meinem letzten Beitrag angekündigt hatte, gab es davon in den letzten Wochen mal wieder viel zu viel. Und seitdem ist leider noch mehr dazugekommen. Momentan habe ich mal wieder das Gefühl, ich bin am Ende meiner Kräfte. Aber ich versuche mal, das einigermaßen zu strukturieren.

Sorge Nr. 1: Druse

Wie die meisten von euch wissen, hatten wir seit unserem Turnier Ende Februar Druse im Stall. Aber nicht nur Druse, sondern auch noch zwei andere Erreger, die ebenfalls zu Fieber und Abgeschlagenheit führten. Im Laufe der Wochen und Monate erkrankte daher ein Pferd nach dem anderen auf irgendeine Weise. Während anfangs noch versucht wurde, die kranken Pferde zu isolieren, wurde das irgendwann aufgegeben, weil die Infektion einfach schon zu weit fortgeschritten war. Der ganze Stall musste also einmal „durchseuchen“ hieß es. Zwar ist Druse nicht lebensbedrohlich, sodass es im Gegensatz zu Herpes oder anderen Krankheiten relativ harmlos ist. Allerdings kann Druse bei tragenden Stuten zum Abort führen. Ich habe Emmi trotzdem im Mai besamen lassen, weil nicht absehbar war, wie lange die Epidemie noch andauern würde und ich ja nicht wusste, ob sie überhaupt so schnell aufnehmen würde. Nachdem ich wusste, dass sie tragend war, hatte ich natürlich noch etwas mehr Angst, dass sie sich anstecken würde. Zumal unsere Stallgasse ganz am Schluss dran war und es sich langsam von Box zu Box zog und immer näher heranrückte. Ich war daher täglich im Stall (oder schickte jemanden), um Fieber zu messen und nach Emmi zu gucken. Jeden Tag fuhr ich mit der Ungewissheit in den Stall, ob sie sich wohl doch noch angesteckt hätte. Mitte Juni war der ganze Spuk dann endlich vorbei und Emmi hat es tatsächlich geschafft, sich nicht anzustecken. Trotzdem saß mir das Ganze noch ziemlich in den Knochen und ich hatte mich gefreut, jetzt endlich entspannt die Trächtigkeit genießen zu können.

Sorge Nr. 2: Infektiöse Anämie

Natürlich war mir die Entspannung nicht vergönnt, denn nachdem die Druse endlich ausgestanden war, kam der nächste Horror auf uns zu. In zwei Poloställen in Hamburg wurde bei insgesamt drei Pferden infektiöse Anämie diagnostiziert. Für alle, die (wie ich vorher) davon noch nie gehört haben, hier gibt es einen kleinen Überblick zu der Krankheit:

„Die Ansteckende Blutarmut der Einhufer (Syn. Equine Infektiöse Anämie, Infektiöse Anämie der Einhufer) ist eine durch ein Lentivirus, Familie Retroviridae, hervorgerufene Erkrankung von Tieren der Familie Equidae (Pferde, Ponys, Esel, Maultiere, Maulesel, Zebras). Die Seuche wird insbesondere durch blutsaugende Insekten übertragen. Die Krankheit kann akut, chronisch und inapparent, d. h. ohne klinische Erscheinungen verlaufen. Die klinische Symptomatik variiert je nach auftretender Form. Infizierte Tiere bleiben lebenslang Virusträger.

Hauptsächlich wird der Erreger durch große blutsaugende Insekten wie Pferdebremsen und Stechfliegen übertragen. Das Risiko einer Infektion durch Insekten ist im Sommer und Herbst am höchsten. Das Virus bleibt in den Mundwerkzeugen der Insekten ca. 30 Minuten infektiös. In der Regel ist ein mehrfaches Stechen erforderlich, um einen Equiden zu infizieren.“

Das Schlimme an der Krankheit ist, dass in Deutschland alle betroffenen Pferde getötet werden müssen. Das ist unabhängig davon, ob die Krankheit bei Ihnen ausbricht oder ob sie nur ein stiller Träger des Virus sind. Grundsätzlich ist das Virus extrem schwierig zu übertragen (nur über das Blut) und die betroffenen Pferde stammten scheinbar alle aus dem selben Stall in Argentinien, sodass man vermutet, dass sie dort mit einer Spritze geimpft/gedopt wurden und sich dadurch angesteckt haben. Eigentlich sollte man also denken, es gäbe keinen Grund zur Sorge. Wäre da nicht das klitzekleine Problem, dass Emmi bis Mai 2016 in einem der betroffenen Ställe stand und die erkrankten Polopferde dort schon seit Jahren untergebracht waren. Emmi war also ein so genanntes „Kontaktpferd“.

Seit ich von dem Ausbruch wusste, hatte ich überlegt, Emmi testen zu lassen. Auf der einen Seite war die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich angesteckt hatte, minimal gering. Auf der anderen Seite war ich doch irgendwie alleine wegen der klitzekleinen Möglichkeit nervös und wollte gern Gewissheit haben. Dazu kommt, dass Emmi während ihrer Zeit in dem betroffenen Stall einen Infekt mit Fieber hatte, was ein typisches Symptom für eine Ansteckung mit infektiöser Anämie ist. Ein weiteres Symptom sind punktuelle/fleckige Blutungen auf den Schleimhäuten, auch das hatte Emmi im letzten Winter. So schossen mir irgendwie 100 Fragen durch den Kopf, sollte ich testen oder nicht? Wenn es tatsächlich positiv wäre, würde ich das überhaupt wissen wollen?

Glücklicherweise wurde mir die Entscheidung dann vom Amtstierarzt abgenommen. Ein Mitarbeiter des Amtstierarztes/Veterinäramtes stand nämlich bei uns im Stall auf der Matte. Ursprünglich um ein anderes Pferd zu testen, was aus dem selben Stall gekommen war wie wir. Allerdings hatte das Pferd den Stall erst einige Wochen nach mir verlassen und ich wusste nicht genau, ob wir auch noch in das Testraster fallen würden. Auf die Nachfrage, welche Pferde denn nun alle getestet werden sollten, sagte der Mitarbeiter vom Amtstierarzt, dass sie alle Pferde testen müssen, die seit 2008 (!!!) in dem Stall waren und die nun mühsam ausfindig machen müssen. Ich meldete mich dann freiwillig zu dem Test, worüber sich der Veterinäramtsmensch sehr freute, da er ohnehin wiedergekommen wäre, sobald er uns „aufgespürt“ hätte. Er fotografierte dann Emmis Pferdepass und von einer Tierärztin aus einer privaten Praxis, die er dabei hatte, wurde Blut abgenommen.

An dieser Stelle muss ich mal erwähnen, dass die Informationsverbreitung wirklich wahnsinnig schlecht gelaufen ist. Nach meinen Informationen aus den betroffenen Ställen und deren Umfeld waren lediglich Polopferde aus Argentinien infiziert. Diese Info hat das Bezirksamt Altona auch an das Hamburger Abendblatt gegeben. Der Amtstierarztmitarbeiter sagte dann jedoch plötzlich, dass eins der drei betroffenen und getöteten Pferde kein Polopferd gewesen sei und sie nicht wüssten, wie es sich angesteckt habe. Diese Information hat mich natürlich wahnsinnig verunsichert und war, wie es heute scheint, wohl einfach falsch. Sowas darf meiner Meinung nach nicht passieren. Das ganze Vorgehen war insgesamt ziemlich unprofessionell. So rief mich der Amtstierarzt nach der Blutprobe noch zwei Mal an, erstens um zu fragen wie mein Pferd heißt („Das steht auf der ersten Seite von dem Pferdepass, den Sie abfotografiert haben und hoffentlich auch auf der Blutprobe!?“) und dann, um nach meiner Adresse zu fragen. Er war zwar sehr nett, aber hat mir nicht gerade das Gefühl gegeben, dass ich 100prozentiges Vertrauen haben kann, dass dort alles seriös und verlässlich abläuft.

Die nächsten Tage nach der Probe waren natürlich nicht gerade schön. Nach zweieinhalb Tagen kam die erste erleichternde Info, der erste Test, der so genannte Elisa-Test, sei negativ und wir könnten schon mal beruhigt sein. Man würde jetzt noch einen zweiten Test machen (Coggins-Test), um das Ergebnis zu bestätigen. Zwei Tage später war der dann auch endlich ausgewertet und zum Glück ebenfalls negativ. Dazu muss man sagen, dass ich alle Information nur über meine Stallbesitzer bekommen habe. Vom Amtstierarzt habe ich nach der Probe nie wieder etwas gehört, bisher habe ich auch keinen schriftlichen Bescheid oder ähnliches bekommen. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Infektion so gering war, hat mich das Ganze doch ziemlich belastet. Dementsprechend war ich sehr erleichtert, als das negative amtliche Ergebnis da war und ich sicher sein konnte, dass der Amtstierarzt mein Pferd nicht umbringen würde.

Sorge Nr. 3: Granulosazelltumor

Daraufhin war ich einige Tage wirklich sehr glücklich und entspannt. Am Donnerstag hatten wir dann einen neuen Termin zur Ultraschallkontrolle. Die gute Nachricht: Das Fohlen ist noch da. Die schlechte Nachricht: Auf einem der Eierstöcke ist eine merkwürdige Struktur zu sehen. Dort war von Anfang an etwas auffällig, aber nachdem Emmi so schnell tragend geworden war, hatte ich dem keine große Bedeutung mehr beigemessen. Bis meine Tierärztin am Donnerstag beim Ultraschall plötzlich sagte: „Die auffällige Struktur hat sich seit der letzten Kontrolle sehr verändert. Auf Granulosazelltumor hatten wir sie doch schon getestet oder?“. Ähm nein, davon habe ich noch nie gehört? Die Struktur würde nun an so einen Tumor erinnern, deshalb würde sie das gern höchst vorsorglich mal testen. Was das genau bedeuten würde, wenn sie einen solchen Tumor hat, wollte sie mir nicht sagen. Also weiß ich nicht viel mehr, als dass das der „Worst Case“ ist und man den dann wahrscheinlich operativ entfernen müsste. Emmi wurde also erneut Blut abgenommen und wird jetzt auf ein Hormon getestet, das zeigen soll, ob sie einen solchen Granulosazelltumor hat. Eigentlich hat sie dafür so gar keine Symptome, daran erkrankte Stuten verhalten sich sehr hengstig und werden auch nicht einfach so tragend. Trotzdem ist natürlich Fakt, dass da irgendetwas auf dem Eierstock zu sehen ist und keiner weiß, was es ist.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich nach dem Tierarzttermin absolut am Ende war.  Was ist denn bitte los, dass wir von einem Schlag nach dem anderen getroffen werden? Wieso kann nicht einfach mal alles gut sein? Alles, was ich mir wünsche, ist dass es Emmi gut geht und wir uns endlich einfach auf das Fohlen freuen können. Die Summe aus all diesen Sorgen ist gerade einfach zu viel für mich. Es hat mich gerade auch ziemliche Kraft gekostet, das alles aufzuschreiben. Das ist auch der Grund, wieso es in letzter Zeit etwas still um Emmi war. Ich hätte euch gerne schon von der infektiösen Anämie berichtet, während es noch aktuell war, aber ich konnte nicht darüber schreiben, bis ich nicht wusste, ob wirklich alles in Ordnung ist.

Momentan kann ich noch gar nicht abschätzen, was dieser Ultraschallbefund für uns und das Fohlen bedeutet. Die Blutergebnisse sollen Mitte dieser Woche kommen. Ich werde euch dann natürlich berichten, was dabei herausgekommen ist und wie es dann weitergeht…

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)