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Ich höre wirklich auf zu reiten!

Heute vor ziemlich genau einem Jahr bin ich noch eine M-Dressur mit Emmi geritten. Wer hätte damals gedacht, dass das unser tatsächlich letztes Turnier sein würde… Ich habe den Bericht gerade noch mal gelesen und ich finde aus dem Text spricht so viel Frust und Enttäuschung, dass ich wirklich froh bin, mir selbst zugestanden zu haben, dass das aktive Turnierreiten momentan nicht in mein Leben passt. Mir tut es heute wirklich weh, zu lesen, wie schlecht ich Emmi gesehen habe und wie kritisch ich mit unserer Leistung umgegangen bin. Diejenigen von euch, die Emmis Tagebuch schon länger verfolgen, haben mitbekommen, dass ich eine sehr lange, schwierige Phase hatte, in der ich die Lust am Reiten mehr oder weniger komplett verloren habe. Das war auch einer der Hauptgründe, warum ich Emmi habe decken lassen.

Natürlich bin ich nach der Entscheidung, Emmi decken zu lassen, trotzdem noch weiterhin geritten. Gerade in der Anfangsphase, als meine Reitbeteiligung schon aufgehört hatte, aber wir noch auf den richtigen Zeitpunkt für die Besamung warten mussten und ich danach auch nicht wusste, ob es geklappt hat, saß ich noch mehrmals die Woche auf dem Pferd. Allerdings nur noch im Springsattel. Ich habe gemerkt, dass ich mit meinem Dressursattel einfach nicht mehr zurecht komme. Er ist für mich zu klein und zu eng und ich kann nicht bequem und locker darin sitzen. Mein Springsattel ist schon ziemlich alt, es ist ein Flachsitzer von Jaguar und ich habe ihn für mein früheres Pferd vor über zehn Jahren gebraucht gekauft. Was mir aber die ganzen Jahre nie so bewusst war, weil ich ihn nur für Ausritte und Springen benutzt habe: Ich reite echt gerne darin und zwar auch Dressur. Man sitzt natürlich weniger im Pferd, aber dafür hat man viel mehr Bewegungsfreiheit, ich kann viel lockerer mitgehen und fühle mich einfach total wohl. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich mir im Springsattel viel weniger Druck mache und das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. Sobald ich den Dressursattel auf dem Pferd hatte, hatte ich immer das Gefühl, es müsse nun auch wirklich nach Dressurreiten aussehen. Umso genervter war ich dann, wenn es mal nicht so geklappt hat und ich im Spiegel nur einen angespannten Reiter und ein unzufriedenes Pferd sah. Im Springsattel hingegen bin ich viel entspannter, galoppiere eher mal ein paar Runden im leichten Sitz und lasse die Zügel aus der Hand kauen. Das überträgt sich natürlich aufs Pferd und so hatte ich noch ein paar total schöne Trainingseinheiten mit Emmi. In dem Wissen, dass wir sowieso nur noch ein bisschen lockere Bewegung machen und nichts mehr erreichen müssen, hat es mir wirklich wieder richtig Spaß gemacht zu reiten.

Mittlerweile steht Emmi seit knapp zwei Monaten 24 Stunden auf der Weide und seitdem bin ich sie auch nicht mehr geritten. Das war gar nicht so geplant, aber hat sich irgendwie so ergeben. Eigentlich hatte ich geplant, noch ein paar Ausritte zu machen und sie weiterhin locker zu bewegen. Ich hatte dann aber viel anderes um die Ohren und Emmi war so entspannt und zufrieden, dass ich nicht mehr das Gefühl hatte, sie noch zusätzlich bewegen zu müssen. Am 1. August habe ich dann auch meine Sattelschränke leer geräumt, da ich meine Box gekündigt hatte und Emmi nur noch ihren Weideplatz hat. Eigentlich wollten wir an dem Tag auch direkt umziehen, aber das verschiebt sich nun leider noch um ein paar Tage (mehr dazu). Ich fuhr also morgens in den Stall, mit Ikea Tüten und Müllsäcken bewaffnet, um alles auszuräumen. Zum Glück war es gar nicht mehr so viel Zeug, da ich nur 1,5 kleine Schränke zur Verfügung hatte und dort außer zwei Sätteln auch gar nicht mehr viel reinpasste. Dennoch war es ein sehr merkwürdiges Gefühl, die Sachen ins Auto und von dort später in den Keller zu räumen. Die Reitstiefel, meine Kappe, Sporen, Trense, all die Sachen, die man als Reiter täglich so braucht, werde ich jetzt mindestens anderthalb Jahre nicht mehr benutzen.

Ich bin tatsächlich in meinem ganzen Leben noch nie für eine längere Zeit nicht geritten. Die längste Zeit war 2012 während meines Auslandssemesters, wo ich vier Monate auf keinem Pferd saß. Dieses Mal wird es definitiv länger sein und das macht mich fast ein bisschen wehmütig. Dennoch ist es in meiner aktuellen Situation das einzig Vernünftige. Ich schreibe im Dezember mein zweites Staatsexamen und freue mich sehr, dass ich mich nun endlich darauf konzentrieren kann. So sehr ich Lernen hasse, mir fällt es deutlich leichter, wenn ich möglichst wenig andere Verpflichtungen habe, die mich ablenken. Einfach morgens in die Bibliothek zu fahren und abends wieder nach Hause zu kommen, ohne noch Training, Tierarzt und Hufschmied dazwischen quetschen zu müssen, erscheint mir ziemlich entspannt. Nach meinem Staatsexamen steht dann meine Wahlstation an, die ich in New York verbringen werde. Ich hatte sehr gehofft, dass ich noch mal die Möglichkeit bekomme, ins Ausland zu gehen, und freue mich schon sehr darauf. Von Januar bis Ende März werde ich dort arbeiten, nach meiner Rückkehr steht dann (hoffentlich) die Geburt von Emmis Fohlen an und meine mündliche Prüfung. Wenn alles gut läuft, bin ich dann im Mai nächsten Jahres mit meinem Studium fertig. Was ich dann machen will? Ehrlich gesagt keine Ahnung. Vermutlich erstmal drei Monate aus dem Fenster gucken und mich freuen, dass es nach acht Jahren Paragraphen endlich vorbei ist. Bis ich weiß, wie es dann beruflich bei mir weitergeht, hat es auf jeden Fall wenig Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, wie es mit dem Reiten weitergeht.

Aktuell vermisse ich das Reiten ehrlich gesagt noch nicht. Mir reicht es völlig aus, Emmi auf der Weide zu besuchen, ihr die Nase zu streicheln und Möhrchen reinzuschieben. Meiner Meinung nach hat sich unsere Beziehung zueinander auch total verbessert, seit ich sie nicht mehr sportlich reite. Alles, was ich momentan möchte, ist, dass es Emmi gut geht und sie ein schönes Leben hat. Seit der Leistungsdruck weg ist, bin ich wieder viel verliebter in Emmi und sehe viel mehr ihre Stärken, ihr liebevolles Wesen und wie schön sie einfach ist. Während ich durch den ganzen Frust beim Reiten tatsächlich überlegt hatte, sie zu verkaufen, bin ich jetzt einfach dankbar, sie zu haben und Zeit mit ihr zu verbringen. Manchmal denke ich, wenn ich mit dieser Demut und ohne all die Ansprüche an mein Pferd an das Dressurreiten herangegangen wäre, wäre einiges anders gelaufen.

Auf der anderen Seite ist ein Leben ohne Reiten für mich unvorstellbar. Seit ich drei Jahre alt bin, bin ich ein Pferdemädchen. Jahrelang gab es für mich nichts wichtigeres als Reiten. Ich denke, es ist normal, dass sich die Prioritäten im Laufe des Lebens öfter mal verschieben. Dennoch sehe ich mich langfristig auf jeden Fall wieder auf dem Pferd und auch auf Turnieren. Das merke ich nämlich schon jetzt, dass mich Turnierfotos und -berichte anderer total motivieren, irgendwann auch wieder selbst zu starten. Mich würden eure Erfahrungen zu dem Thema auf jeden Fall sehr interessieren. Wie lang war die längste Zeit, die ihr nicht geritten seid? Habt ihr euch freiwillig dazu entschieden oder war es den Umständen geschuldet? Wie lange hat es gedauert, bis ihr es vermisst habt?

10 Kommentare

  1. Kirsten sagt

    Ich habe das Reiten mit dem Tod unseres letzten Pferdes vor etwas über 1 1/5 Jahren aufgegeben. Und es fehlt mir nicht. Es waren schöne 24 Jahre mit Pferden, aber nun liegen meine Prioritäten anders. Ich war nie Turnierreiter, das vorab. Denn ich werde nie verstehen, dass man sich in der „ländlichen“ Reiterei soviel Druck macht, dass man den Spaß am Pferd verliert. Keiner von uns verdient doch sein Geld mit Preisgeldern?

    Vielleicht hat meine kleine Tochter später mal Lust zu reiten, dann würde ich sie unterstützen. Denn nichts prägt einen Menschen so sehr, wie der Umgang mit einem so großen und edlen Tier.

    • Danke für deinen Kommentar 🙂 Du hast natürlich Recht, dass es nicht um Geld oder überhaupt um irgendetwas geht, aber ich bin von Natur aus eher ehrgeizig und brauche immer Ziele, die ich verfolge. Da beißt man sich dann manchmal fest und erkennt erst mit etwas Abstand, wie unnötig der Stress war 🙂 Liebe Grüße!

  2. Ich habe damals aufgehört, weil ich nicht mehr in den Stall gepasst habe (Zickenkrieg) und meine RB ohne mein Wissen verkauft wurde. Dann habe ich in Ruhe meine Ausbildung beendet und eines Tages, es waren glaube knapp 18 Monate hatte ich das dringende Bedürfnis nach dem Geruch von Pferdestall, dem vertrauten Geräusch von Pferden, die entspannt ihr Heu mümmeln und durchs Stroh rascheln. Ich bin am gleichen Tag noch in den Stall gefahren, habe eine neue RB im Ort gefunden und seitdem reite ich wieder regelmäßig 2-3 mal in der Woche. Das ist jetzt 8 Jahre her. Die Auszeit hat mir gut getan, aber als ich es dann wieder wollte, war auch der Wille und die Lust am Miteinander mit den Pferden sofort wieder da. Als wäre nichts gewesen. 🙂

  3. Nina sagt

    Ich habe 2014 nach 12 Jahren (bin Jahrgang 95) reiten aufgehört. Von 2010 an hatte ich (zeitweise) zwei Pferde. Die Stute habe ich schnell wieder verkauft, weil ich ihr nicht gerecht werden konnte. Den Wallach habe ich kurz vor Beginn meines Studiums 2014 verkauft. Ich habe vorher schon ein Semester im Ausland studiert – „nur“ Holland, aber es war extrem stressig, zum Pferd habe ich es nur noch am Wochenende geschafft, wenn überhaupt. Dank einer Reitbeteiligung ging es aber eine Zeitlang. Anfang 2014 habe ich das Studium dann abgebrochen, weil es nichts für mich war. Da hatte ich wieder mehr Zeit für mein Pferd. Leider leben meine Eltern getrennt und es wurde finanziell auch immer schwieriger. Als ich dann 2014 wieder anfangen wollte zu studieren, habe ich mich entschieden, meinen geliebten Wallach zu verkaufen – jetzt ist er ein Therapiepferd auf einem Hof in meiner Nähe. Ein besseres Leben gibt es für ihn kaum – 24/7 Wiese, 3 mal die Woche bewegt werden und ansonsten häufiges betüddeln…Perfekt für ihn. Seitdem bin ich auch nicht mehr geritten. Zeitweise fehlt es mir noch, gerade, weil ich viele Freundinnen mit Pferden habe. Aber im großen und ganzen war es definitiv die richtige Entscheidung!

    • Das klingt, als ob es deinem Wallach auf jeden Fall richtig gut geht und das ist doch das Wichtigste 🙂 Vielleicht fängst du ja auch irgendwann wieder an, wenn du finanziell unabhängig bist! Alles Gute für euch <3

  4. Ich hatte in meinem Reiterleben auch eine längere Pause, sie ging fünf Jahre lang. Ursprünglich war es nicht geplant, also nicht so wie bei dir. Da ich mein erstes Pferd nicht mehr hatte und erst Mal emotional Abstand nehmen wollte, war es mir nicht eilig mit dem wieder Reiten. Durch Studium, Job, Umzug und andere Interessen, rückte das Reiten total in den Hintergrund. Vor drei Jahren hat es mich dann doch wieder gepackt und ich bin so froh, wieder zurück zu den Pferden gefunden zu haben und habe wieder ein eigenes.

  5. Julia sagt

    Erstmal Glückwunsch, dass Emmi aufgenommen hat! Das wird eine spannende Zeit ab Frühjahr 🙂 So wie du es beschreibst, trifft es sicher auf viele erwachsen-werdende Mädels zu. Mit der Zeit verändern sich zwangsweise die Schwerpunkte, das gehört eben mit zum Lauf des Lebens. Aus beruflichen Gründen fiel bei mir letztes Jahr schon die Entscheidung, dass wir Lütte decken lassen können. Und seit 4 Wochen haben wir nun ein wunderschönes gesundes Fohlen im Stall stehen – Lütte geht in ihrer Mutterrolle auf, darf noch ein Jahr pausieren und für mich gibt es nichts schöneres, als die beiden auf der Weide zu beobachten. Seit März bin ich jetzt „reitfrei“, vermisse den Sport aber schon und kann es kaum erwarten, Anfang 2019 endlich wieder nach Hamburg zu ziehen und zurück in den Sattel zu steigen. Wenn ich etwas gelernt habe in der letzten Zeit: Den Pferdevirus kann man vielleicht unterdrücken (gerade wenn man viel Stress hat), aber so ganz verschwindet er nicht 🙂 Und von daher bin ich so dankbar, dass ich ein tolles Pferd an meiner Seite habe, das auf mich wartet.

    • Vielen lieben Dank 🙂 Und dir auch ganz herzlichen Glückwunsch zum gesunden Fohlen! Stute oder Hengst? Wollt ihr es behalten?
      Ich weiß gar nicht, ob ich Emmi danach überhaupt noch wieder antrainieren werde, da sie dann ja „schon“ 16 ist. Ich könnte mir daher gut vorstellen, sie auch einfach auf der Weide zu lassen. Wie alt ist denn Lütte?
      Ganz liebe Grüße und viel Spaß beim Fohlen kuscheln 🙂

  6. Kathrin S. sagt

    Ich war nach meinem 1. Job 4 Jahre im Ausland – da bin ich manchmal sporadisch am freien Tag geritten oder auch gar nicht oder im Winterheimaturlaub.
    Gefehlt hat es mir manchmal, aber da war so viel los, dass gar nicht genug Zeit war.

    Die nächste Auszeit hatte ich zwei mal gezwungernenmaßen wegen verletztem Hü jeden tag da und kümmern aber nicht reiten können,das war wirklich frustig und da hat es sehr gefehlt. Aber kalr da war man imemr im Stall und war der Fußgänger und zuseher. Das tat sehr weh.

    Was aber hilft ist das verbissene von früher abzulegen also bzgl. Turnier. Ja man möchte gut sein, sein bestes geben. Aber die Welt stürzt nicht ein wenn es nicht so klappt. Mir tut gut,dass ich da lockerer geworden bin. Heute fahre ich in den Stall um jede Minute mit dem Bub zu genießen, weil ich weiß wie schnell es vorbei sein kann. weil mir das abschalten und auch Handy einapcken gut tut nach der Arbeit. Dadurch bleibt das Büro im Büro und ich hab dann eben Feierabend. diese Auszeit hilft mir mittlerweile abends runter zu kommen ohne Fernseher/PC/Tablet, Jetzt würde es mir fehlen

    Mach doch erst mal deine Prüfungen in Ruhe, Emmi geth es ja gut in der Babypause und dann steigst du wieder ein wenn du Lust hast.

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)