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Vom Sportpferd zum Weidepferd – Mein Fazit

Seit mittlerweile zwei Monaten steht Emmi im Aufzuchtstall in einer Herde auf der Weide. Im vorigen Stall stand sie zur Vorbereitung auf den Umzug ebenfalls schon 24 Stunden täglich draußen, aber ich habe sie noch jeden zweiten Tag besucht. Vorher stand sie in einer Paddockbox und wurde täglich auf die Weide gebracht. Seit ich sie habe, stand sie vorher noch nie 24/7 nur auf der Weide, weshalb ich einige Bedenken vor der Umstellung hatte. Eure Tipps waren damals auf jeden Fall eine wertvolle Unterstützung. Ich möchte in diesem Artikel nun mal auf die Entwicklung eingehen und wie es für uns funktioniert hat. Vielleicht kann es den ein oder anderen ja bestärken, der auch überlegt sein Pferd auf die Weide zu entlassen, zum Beispiel als Krankheitspause oder als wohl verdiente Rente.

Meine größte Angst war, dass Emmis Magen Darm Trakt es nicht vertragen würde, nur noch Gras zu fressen. Sie hat zwei Kolik-OPs hinter sich, ich habe mich erst vor einigen Monaten überhaupt getraut, sie nach Jahren auf Spänen wieder auf Stroh zu stellen. Sie hat immer nur Heu bekommen und ich habe sowohl auf die Menge als auch auf die Qualität extrem geachtet. Ich war also nicht gerade entspannt, was dieses Thema angeht. Ich habe sie zum Anfang der Weidesaison wie jedes Jahr sehr langsam an das Gras gewöhnt und die Zeiten Stück für Stück verlängert. Anfangs war sie trotzdem noch ziemlich aufgegast. Daher habe ich darauf geachtet, sie täglich ausreichend zu bewegen, damit sich das alles abbauen kann. Nach einiger Zeit hat es sich dann von alleine gebessert und ich konnte das Bewegungsprogramm langsam zurückfahren. Insgesamt hat es bei uns über zwei Monate gedauert, bis Emmi die erste Nacht draußen verbracht hat. Ich weiß, dass viele das übertrieben finden, aber für mich war es genau richtig so. Ich würde daher jedem empfehlen, auf sein Pferd und das eigene Gefühl zu hören. Einige Pferde kann man von jetzt auf gleich direkt rausstellen, andere brauchen etwas länger, um sich daran zu gewöhnen.

Eine Angst, die ich nicht hatte, aber die sicherlich viele andere betrifft, ist die Verletzungsgefahr. Emmi stand immer in der Herde draußen und hat sich noch nie etwas getan. Allerdings muss ich sagen, dass die Verletzungsgefahr bei einer reinen Weidehaltung noch mal deutlich geringer ist. Wenn man die Pferde nur stundenweise zusammen rausstellt, haben sie viel eher das Bedürfnis, ihre Energie rauszulassen und zu toben. Außerdem bieten sich auch mehr Gelegenheiten für Streitereien, wenn Pferde mal später dazukommen oder ähnliches. Eine Herde, die Tag udn Nacht zusammensteht, hat ihre feste Rangordnung und üblicherweise nur selten Stress. Außerdem ist die dauernde langsame Bewegung für den Bewegungsapparat des Pferdes einfach das allergesündeste. Emmi hatte in der Box öfter mal angelaufene Beine, das kommt bei 24 Stunden Bewegung am Tag nicht mehr vor.

Emmi hatte außerdem schon immer eine empfindliche Haut. Fast jeden Winter hatten wir damit Probleme, ob Pilz, Dermatophilose oder sonstige unerklärliche Seuchen, Emmi hat alles mitgenommen. Als wir sie im August auf die Weide gestellt haben, hatte sie nach einiger Zeit  ebenfalls wieder auffällige krustige Stellen. Normalerweise hätte ich sofort einen Tierarzt gerufen, um zu verhindern, dass es sich ausbreitet. Ich habe dieses Mal auch einen Tierarzt draufgucken lassen, aber vor allem habe ich ein Blutbild gemacht und erstmal abgewartet. Sie hat Mineralfutter bekommen und die Stellen sind von selbst weg gegangen. Einfach erstmal abwarten und versuchen das Problem von innen zu lösen, ist natürlich nichts, was unmittelbar mit der Weidehaltung zusammenhängt. Allerdings ist man bei einem Sportpferd, das man täglich sieht und trainiert einfach kritischer und viel schneller besorgt. Das Weggucken und Abwarten fällt deutlich leichter, wenn man nur einmal die Woche zu Besuch kommt. Außerdem hat man bei einem Reitpferd immer das Problem, dass sich die Stellen irgendwie aufs Reiten auswirken könnten, wenn sie zum Beispiel in der Sattellage liegen. Darüber hinaus hatte Emmi ihre allermeisten Hautprobleme im Winter, wenn sie eingedeckt war. Dieses Jahr wird sie erstmals nicht eingedeckt sein und ich erhoffe mir, dass wir so deutlich besser durch den Winter kommen.

Bevor ich Emmi auf die Weide entlassen habe, habe ich ihr auch die Eisen abgenommen. Sie hatte schon immer sehr gut Hufe, daher war das zum Glück kein Problem. Ihr Gangbild hat sich dadurch verändert, sie trabt mit deutlich graderem Vorderbein als vorher, aber das ist auf der Weide ja zum Glück total egal.

Insgesamt muss ich sagen, dass Emmi die Veränderung in keinem Fall geschadet hat. Ich war schon immer ein Fan von möglichst natürlicher Haltung, konnte bei uns in der Stadt aber leider nicht mehr als Paddockbox mit täglichem Weidegang umsetzen. Grundsätzlich ist ein Leben in der Herde mit 24 Stunden Bewegung am Tag einfach das beste und gesündeste für unsere Pferde. Das einzige, was ich nach der Umstellung auf Weide bemerkt habe, ist dass Emmi etwas müder wirkte. Bei reiner Weidehaltung ohne Unterstand, ohne überdachte Liegeflächen und ohne großzügige Schattenplätze und dazu sommerlichen Temperaturen ist das natürlich auch kein Wunder. Die Pferde sind der Witterung direkt ausgesetzt und müssen dazu noch abwechselnd auf die Herde aufpassen, das ist deutlich anstrengender als ein Boxenleben. Für ein Sportpferd, das voll belastet wird, würde ich daher einen Aktivstall oder Offenstall einer reinen Weidehaltung immer vorziehen.

Mich würden eure Meinungen und Erfahrungen dazu sehr interessieren, also lasst mir doch gerne einen Kommentar da!

3 Kommentare

  1. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass sie sich sehr schnell daran gewöhnen. Bei meinen ist dieser müde und etwas lustlose Eindruck auch entstanden aber im zweiten weidejahr war davon nichts mehr zu sehen.

  2. Ich muss sagen, ich würde ein sportpferd niemals von boxenhaltung auf reine weidehaltung umstellen, ohne unterstand für unwetter oder den winter. Und das auch noch uneingedeckt, nach jahren, in denen das pferd selbst bei boxenhaltung eingedeckt war.
    Ich selbst habe meinen wallach auch von boxenhaltung auf offenstall umgestellt. Habe ihn aber im ersten winter noch mit einer leichten regendichten decke eingedeckt, da er es absolut nicht gewöhnt war. Er war immer geschoren und eingedeckt, da fand ich die umstellung auf offenstall und deckenlos zu krass. Im zweiten sommer kam er dann auf 24 h Weide, jetzt im herbst und winter ist er aber wieder im offenstall, diesen winter aber ohne decke.
    Meiner meinung nach muss eine gewisse umgewöhnungszeit schon sein.

    • Danke für deinen Kommentar und deine Meinung! Wie ich geschrieben hatte, finde ich es sehr wichtig, dass jeder auf sein eigenes Gefühl hört und in seinem eigenen Tempo vorgeht 🙂 Ich kenne aber ehrlich gesagt auch niemanden, der ein uneingedecktes Pferd im Winter auf einer Weide ohne Unterstand hält. Das würde ich persönlich auch nie machen, die Winterweiden in Emmis Stall haben zum Glück alle große Unterstände. Liebe Grüße

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)