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Reiten mit Franklin Bällen – Ein Erfahrungsbericht

Viele von euch haben wahrscheinlich schon von den Franklin Bällen gehört, die momentan ja tatsächlich in aller Munde und in nahezu jeder (Fach-)Zeitschrift zu finden sind.

Da ich – wie wahrscheinlich jeder Reiter – seit ewigen Zeiten mit den immer gleichen Sitzbaustellen kämpfe, freute ich mich über diese „Erfindung“ und dachte, mit ein bisschen Übung und Training mit den Bällen werden diese Baustellen bald Geschichte sein :D. Es gibt verschiedene Bälle, die unterschiedliche Effekte und Auswirkungen haben. In diesem Video werden die verschiedenen Bälle erklärt:

Ich hatte dann vor einiger Zeit die erste Unterrichtsstunde mit besagten Bällen. Nachdem ich einige Runden Schritt geritten bin, kam auch schon die Wasserrolle zum Einsatz. Diese sollte ich direkt unter meine Gesäßknochen legen. Das Gefühl ist wirklich komisch, man „rollt“ quasi auf dem Sattel hin und her und die Hüfte und das Becken werden angesprochen und ich hatte das Gefühl der Sitz wurde durch die Rolle einerseits „stabil“, weil ich z.B. nicht mehr mit der Hüfte einknicken oder mehr zu einer Seite sitzen konnte, aber andererseits schwingen Hüfte und Becken durch die Rolle quasi von alleine. Als nächstes hatte ich eine mit Luft gefüllte Rolle, die noch ein wenig „härter“ war, bei der habe ich aber eigentlich keinen merklichen Unterschied zur Wasserrolle gespürt.

Ich bin dann erst ein bisschen leichtgetrabt (das geht natürlich mit den Bällen nicht 😉 ) und habe dann als nächstes wieder die Wasserrolle unter das Gesäß bekommen, um damit auch zu traben. Und das Gefühl war wirklich unsagbar komisch, ich kam kaum zum Sitzen und schaffte es kaum mehr als eine halbe Runde auf dem Zirkel zu traben, ohne dass ich drohte „wegzufliegen“. Galopp hingegen war gar kein Problem, hier stellte sich bei mir die gleiche Erkenntnis ein wie im Schritt, dass ich schön mittig und aufrecht saß und gut mitschwingen konnte.

Nachdem ich die Rollen wieder abgegeben hatte, bin ich noch „normal“ geritten und muss ehrlich sagen, dass ich fast etwas „enttäuscht“ war, weil ich keine wirkliche Änderung oder Verbesserung feststellen konnte, obwohl doch alle so davon schwärmten und gleich ein so tolles, verbessertes Reitgefühl zu haben schienen. Ich entschloss mich dann, noch einige Male mit den Bällen zu reiten und war mir sicher, dass sich dann auch bei mir eine Verbesserung oder zumindest ein Effekt einstellen würde.

Seitdem bin ich insgesamt noch drei Mal mit den Bällen/Rollen geritten. In der zweiten Stunde hatte ich ein ziemlich ähnliches Ergebnis wie nach der ersten. Wir haben allerdings noch Bälle unter den Armen mit dazu genommen, die mir helfen sollten, in der Schulterpartie aufrechter zu sitzen und meine Arme besser positionieren sollten. Dabei ist ein Phänomen aufgetreten, was ich ohne die Bälle niemals bemerkt hätte: Unter dem rechten Arm ist mir der Ball immer fast verloren gegangen, unter dem linken gar nicht! Je länger ich damit geritten bin, desto besser wurde es und ich hatte dabei nicht das Gefühl, dass ich den Arm verspanne, um den Ball nicht zu verlieren, obwohl ich das zunächst befürchtet hatte.

Mit der Rolle unterm Gesäß kam ich allerdings immer noch nicht so richtig klar und das Problem, welches sich auch schon in der zweiten Stunde ein bisschen zeigte, nämlich dass ich so schlecht vorwärts reiten konnte, gipfelte in der dritten Unterrichtsstunde, die ich mit den Bällen hatte: Mein Pferd war so klemmig, sobald ich eine Rolle unterm Gesäß hatte, dass echt gar nichts mehr ging und er vor lauter Klemmen sogar gebockt hat und nach dem Schenkel und der Gerte geschlagen hat.  An normales vorwärts reiten war dann auch ohne Rolle nicht mehr zu denken und ich musste einige Gänge zurückschalten und erstmal wieder den Vorwärtsgang installieren. Nach dieser Stunde habe ich mich wirklich gefragt, was alle immer von diesen „blöden Bällen“ schwärmen und ich habe tatsächlich hinterfragt, ob das Reiten mit den Bällen wirklich etwas bringt. Mein Ergebnis nach dem dritten Mal damit war nämlich: Mein Pferd ging so schrecklich wie jahrelang nicht.

Ich gab dem Ganzen dann aber noch eine Chance und so hatte ich diese Woche noch eine Unterrichtsstunde (insgesamt die vierte). Mein Pferd war beim Lösen ohne Bälle/Rollen super locker und fühlte sich wirklich gut an. Kaum war die Rolle unter meinem Gesäß, klemmte er wieder extrem, schlug mit dem Schweif und war plötzlich alles andere als locker. Wir sind dann umgeschwenkt auf die Bälle unter den Oberschenkeln und damit war das Problem schon wieder fast weg.

Wir sind dann zu dem Ergebnis gekommen, dass mein Pferd scheinbar sehr sensibel auf diese Veränderung meines Sitzes reagiert. Ich reite ihn nun seit fast 12 Jahren fast ausschließlich alleine, da hat ihn wohl diese – für ihn – so deutliche Veränderung extrem irritiert. Statt der Rolle haben wir dann die kleineren, roten Bälle genommen und die Luft erst ein bisschen raus gelassen. Damit ging es schon ein bisschen besser – und schließlich haben wir Luft im Ball noch mehr reduziert, sodass der Ball sich schon verformt hat und gar nicht mehr rund war. Damit ging er dann endlich wieder „normal“, ließ sich auch vorwärts treiben, galoppierte auch schön über den Rücken, warf nicht mehr die Kruppe hoch und schlug auch weder nach Gerte oder Schenkel. Nachdem wir diese Erkenntnis hatten, konnte ich also endlich mal gescheit mit den Bällen reiten und gezielt etwas üben. Ich habe z.B. immer das Problem, dass ich rechte Hand in den Pirouetten und Traversalen gerne mit meinem Körperschwerpunkt links sitze, in der rechten Hüfte ein bisschen einknicke und dadurch die rechte Schulter nicht entspannt ist, sondern ein bisschen hochgezogen. Um dem entgegen zu wirken, bin ich mit einem Ball unter dem linken Gesäßknochen und einem Ball unter dem rechten Arm geritten. So war ich sozusagen „ausgerichtet“, saß wieder mittig auf dem Pferd und schön gerade.

Ein Effekt, den ich schon während des Reitens mit den Bällen gemerkt habe, war, dass mein Pferd, das dazu neigt nicht gleichmäßig an beide Zügel zu ziehen und auch mal mit dem Gebiss klappert, plötzlich ganz gleichmäßig an meinen Zügelhilfen stand. Ich hatte schönen Zug drauf und die Anlehnung war ganz ruhig und geschmeidig und blieb das auch in Übergängen und Handwechseln.

Ganz am Ende bin ich noch etwa 10 Minuten ohne Bälle geritten und das Gefühl war wirklich toll. Ich hätte es echt am Anfang der Stunde nicht für möglich gehalten, dass ich das so sagen werde, aber es war wirklich toll. Mein Pferd trabte und galoppierte so schön unter mir und dadurch, dass ich so gerade und mittig auf dem Pferd saß, konnte ich z.B. mit einer Leichtigkeit schnurgerade Serienwechsel reiten, bei denen ich spüren konnte, wie das Pferd unter mir von hinten nach vorne durchsprang. Mein Fazit ist also, dass ich weiter dran bleiben werde und auch noch weitere Unterrichtsstunden mit den Bällen nehmen werde, das Ergebnis von dieser Woche war wirklich überzeugend für mich.

Habt ihr euch schon Erfahrungen mit den Franklin Bällen gemacht? Hat jemand von euch vielleicht ähnliches erlebt wie ich?

2 Kommentare

  1. Mareike sagt

    Toller Artikel ! 😊 Ich hab auch nur gute Erfahrungen mit den Bällen gemacht, gerade mit den grünen gegen meine Sitzschiefe. Ich glaube aber, dass ich morgen auch mal die mit wassergefüllte Rolle ausprobiere.

  2. Rebecca Gertkemper sagt

    Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht, mein Pferd läuft mit den Bällen immer besser, egal wie und wo ich sie hin mache 😀 habe aber natürlich auch eine gute Trainerin dabei, das ist schon wichtig um eben solchen Irritationen vorzubeugen 🙂

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)