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Erfahrungsbericht Aquatraining – Gastbeitrag einer Leserin

Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von Lina Stahl, die gerne ihre Erfahrungen zum Thema Aquatraining mit euch teilen möchte.

Nachdem mein 7- jähriger Wallach Rokko (Rubin- Royal x Gamblers Star) im September beschlossen hatte, seine Winterpause frühzeitig mit einer Verletzungen einzuläuten, musste ich die Baustelle „Pferd“ einige Zeit ruhen lassen.
Mitte September bekam Rokko nach einem Geländelehrgang einen Infekt mit hohem Fieber. Zwei Wochen Pause. Ende September eine Fesselzerrung. Zwei Wochen Pause. Anfang Oktober war er dann aufgrund einer Entzündung in der Schulter lahm. Zwei Wochen Pause. Anfang November, nachdem die Entzündung ausgeheilt war, kam er mir eines Abends stocklahm entgegen, sodass ich ihn sofort in die Klinik brachte. Die Diagnose war eine tiefe Entzündung im Huf und ein Hämatom. Die Eisen kamen ab, Entzündungshemmer wurde gegeben und er kam auf die Wiese bis Ende November. Keine Belastung. Keine Arbeit. Nach 2 Wochen kam der Schmied und haute speziell geformte Eisen drauf- mein Pferd blieb weiterhin lahmfrei. Da er nun 3 Monate nicht gearbeitet wurde und aussah wie ein Wiesenpferd, beschloss ich ihn zum Aquatraining nach Warendorf zu stellen. Ausschlaggebend für das Aquatraining waren sowohl seine losen Kniebänder, die wir im Sommer durch das regelmäßige Spring- und Geländetraining zwar gut in den Griff bekommen hatten, als auch die Entzündungen in Schulter und Huf. Da es in der Winterzeit aus wettertechnischen Gründen einfach nicht möglich ist, entsprechend zu trainieren und die Angst, dass er beim Antrainieren ohne Muskeln mit der Hinterhand wegknickt und stolpert, war mir zu groß. Durch seine losen Kniebänder, die im Frühjahr 2017 festgestellt wurden, habe ich mich den Sommer über intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und alle Möglichkeiten abgewogen, bis ich auf den Begriff Aquatraining stieß. Ich informierte mich über den Aquatrainer, seine Wirkung, las Erfahrungsberichte im Internet und in Fachzeitschriften, sprach mit mehreren Tierärzten, ließ die Kniebänder nochmal untersuchen und suchte schließlich einen Aquatrainer in unserer Umgebung. Zum einen gab es spezielle Wasserführanlagen und zum anderen die Aquatrainer.

Meine Wahl fiel letztendlich auf den Aquatrainer in Warendorf, weil er mich finanziell und auch persönlich überzeugte.Ich hatte mir im Oktober schon einmal den Aquatrainer auf der Anlage Reitstall am Rothebach angeschaut und war ganz begeistert. Der Reitstall wird von der Stallbesitzerin Frau Richter sehr verantwortungsvoll betrieben. Der Aquatrainer ist das neuste Modell, steht in einer großen, hellen Halle mit Blick nach draußen, sodass die Pferde während des Aquatrainings das Geschehen auf dem Hof mitverfolgen können. Das war unter anderem auch für mich persönlich ein weiterer Pluspunkt.

Entschlossen, den Schritt zu wagen, verluden wir Rokko Ende November und fuhren nach Warendorf. Wir wurden abends herzlich empfangen, die Box von Rokko war schon vorbereitet, sodass er direkt mit seinen Stallnachbarn Kontakt aufnehmen konnte. Nach den Formalitäten kam Rokko noch am gleichen Abend ins Wasser. Nach kurzem Zögern marschierte er direkt auf dem Laufband, stutze als das Wasser höher wurde, aber ging brav weiter. Ich hatte den Eindruck, dass- trotz seines anfänglichen Wasserproblems als er jünger war, ihm das laufen im Wasser richtig Spaß machte und ihm auch die Geräusche überhaupt nicht störten. Im Gegenteil, er war ganz fasziniert von dem Schweinchen, dass auf dem Hof lief und auch von den Hunden, die jeden Besitzer freudig begrüßten. Rokko lief zur Gewöhnung 10 Minuten im Wasser und 10 Minuten auf dem leeren Laufband.
Dienstag kam er morgens wieder in den Trainer, stand den Vormittag über draußen und wurde nachmittags longiert. Ich hatte ein gutes Gefühl und war ganz beruhigt, denn er war dort mehr als nur gut aufgehoben. Mittwochs war Rokko bei unserem Besuch morgens sehr aufgedreht- dies war wohl auf den ersten Frost des Jahres zu schieben. Im Trainer lief er so motiviert, dass ich unfassbar stolz auf ihn war, wie gut er das Training annahm. Freitags kamen wir nachmittags zum Longieren. Mein Pferd lief brav, völlig locker und ein wenig müde (wegen der Anstrengung im Aquatrainer) an der Longe. Er wirkte zufrieden und war am Kauen. Jeden Samstag wird in der Halle über die Winterzeit morgens mit den Pferden freigesprungen. Rokko kannte freispringen noch nicht, sprang jedoch sehr motiviert. Im Trab gefiel mir seine Hinterhand deutlich besser, er war geschmeidig und zog das Knie an, der Rücken öffnete sich und der Schweif pendelte im Rhythmus. Frau Richter führte ihn an die Sprünge behutsam heran, lobte ihn. Im Vordergrund steht nicht die zu überwindende Höhe, so Frau Richter, sondern wichtig ist, dass die Pferde Spaß am Springen haben, von alleine den Weg suchen und locker werden. Zugleich fördert das Freispringen auch die Bildung der Muskulatur der Hinterhand, in unserem Fall die schwache Muskulatur seines Knies und das Fördern der Beweglichkeit und die Balance. Da Rokko doch recht müde war, verbrachte er den restlichen Tag auf dem Paddock. Die anderen Tage setzten sich wieder aus Aquatraining und Longe mit Paddockzeit zusammen.

Schließlich holten wir nach einer Woche ein gesundes, gestärktes und zufriedenes Pferd ab. Frau Richter beriet uns über unseren weiteren Trainings- und Fütterungsplan. Wir fahren einmal die Woche zum Freispringen und einmal bis zweimal die Woche zum Aquatraining weiterhin nach Warendorf, sodass wir das Training im Wasser auf 30 Minuten mit Trabintervallen über den Dezember und Januar steigern. Anfang Januar lief er 30 Minuten im Schritt mit 3x 1 Minute Trab mit mehr Wasser als zu Beginn. Des Weiteren longieren wir einmal die Woche. Bei der Arbeit mit der Longe stehen nicht die Übergänge im Vordergrund, sondern der Aufbau von Kraft durch durchgehendes Traben im fleißigen Arbeitstempo. Wenn die Kraft in der Hinterhand wieder da ist, wird mit den Übergängen begonnen und der Galopp auch auf kleinerem Zirkel hinzugenommen. Außerdem longieren wir ca. 20 Minuten im Wechsel von je 5 Minuten pro Hand. In der Dressurarbeit steht das Lösen der Rückenmuskulatur auf dem Plan und das Hinzukommen der einzelnen Lektionen. Wenn das Wetter es zulässt, reiten wir auch ins Gelände, um Rokko mental fit zu halten. Das ist auch bei Pferden, die nach einer langen Steh- und Rehazeit wieder antrainiert werden, von großer Bedeutung. Im Gelände kann das Pferd entspannen und es sorgt für einen Ausgleich zu dem Training auf dem Platz oder in der Halle.
Wichtig sind das schonende Antrainieren und die Ruhephasen nach einem anstrengenden Training. Deswegen hat Rokko auch einmal die Woche einen freien Tag, wo er nur auf dem Paddock steht und eine Wellnesseinheit abends genießt. Ab Januar wird auch wieder das regelmäßige Springtraining und das Hallengeländetraining ein Teil unseres Trainings sein, bevor es im März wieder nach draußen auf den Geländeplatz geht und wir uns auf die grüne Saison vorbereiten. Insgesamt zog sich seine Rehabilitationsphase über den ganzen Dezember und wird sich noch weiter über den Januar ziehen.  Durch das abwechslungsreiche und ausgewogene Training und einer Futterumstellung haben wir wieder ein gesundes, leistungsbereites und zufriedenes Pferd, dass mittags gerne einen „Powernap“ macht, tief und fest auf der Seite liegt und schnarcht!

Das Antrainieren im Aquatraining muss, um den gewünschten Effekt zu erzielen, regelmäßig erfolgen. Die Dauer über den Aufenthalt im Rehastall können die meisten nicht aufs Datum genau absehen, da jedes Pferd das Training im Wasser unterschiedlich gut annimmt. Es gibt Pferde, dort sieht man nach 1-2 Wochen schon Verbesserungen im Schritt bezüglich des Übertretens und der Hinterhand Muskulatur, manchmal dauert es nach einer schweren Operation und einer sehr langen Stehphase auch mehrere Wochen, wenn nicht sogar mehrere Monate. Doch in dieser Zeit gibt man dem Pferd eine Chance, sich vollständig und auf natürliche Art und Weise durch das Wasser zu Regenerieren und sich auch psychisch zu erholen, denn viele Pferde stresst der Aufenthalt und die Boxenruhe in der Tierklinik sehr. Folglich sind die Pferde umso entspannter, wenn sie im Trainer laufen und auch anderweitig beschäftigt werden dürfen. Nachdem das Pferd aus seinem Reha Zuhause abgeholt wird, sollte nach Möglichkeit das Aquatraining ein weiterer fester Bestandteil des Trainings bleiben. Hierbei sollte die Fütterung und ergänzende Arbeit genau auf jedes Pferd individuell abgestimmt werden. Auch bei gesunden (Sport-)Pferden ist das Aquatraining eine sinnvolle Möglichkeit das tägliche Training zu unterstützen. Es stärkt die Muskulatur, trägt zum Konditionsaufbau bei und entlastet die Sehnen und Bänder. Gleichzeitig bietet das Wasser einen kühlenden Effekt, gerade auch für Hufpatienten. Das Wasser wird stets häufig gereinigt und etwas Wasserstoffperoxid beigefügt, somit kann es zu keinen Krankheiten wie Mauke oder Strahlfäule kommen. Rokko litt ebenfalls im Herbst unter leichter Strahlfäule, doch seit dem Aquatraining ist diese komplett weg. Wenn ihr einen Aufenthalt zum Aquatraining für Ihr Pferd in Betracht ziehen, kann ich dies aus meinen persönlichen Erfahrungen nur empfehlen. Mein Pferd stand im Reitstall am Rothenbach in Warendorf und ich war dort sehr zufrieden – ein besonderes Dankeschön geht an Frau Richter, die uns dort super betreut hat.
Ein herzliches Dankschön geht ebenfalls an Cathy von Horsediaries.de, die mir die Möglichkeit gibt, meine Erfahrungen in diesem Gastbeitrag mit anderen Lesern zu teilen!

Wir bedanken uns ebenfalls ganz herzlich bei Lina dafür, dass sie uns ihren Erfahrungsbericht zur Verfügung gestellt hat und wünschen ihr und Rokko alles Gute für die Zukunft. Habt ihr auch schon Erfahrungen mit Aquatraining gemacht? Dann lasst uns gern einen Kommentar da, wir sind sehr gespannt, von euch zu hören! Fragen an Lina könnt ihr gerne in den Kommentaren stellen, sie wird euch dann dort antworten.

Kategorie: Allgemein, Gesundheit, Pferde

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27 Jahre, lebt zusammen mit Emmi und ihrem Fohlen Fürstino in Hamburg und berichtet auf HorseDiaries über die Höhen & Tiefen im Leben eines Pferdebesitzers.

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