Doc, Gesundheit
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Winterblues und es geht noch schlimmer

Bei der aktuellen Wetterlage wundert sich wohl niemand, wenn man sich mit etwas schwermütigen Verstimmungen und einem Winterblues herumschlägt. Vor allem nicht, wenn man sich nicht mal mit einer heißen Tasse Tee auf dem Sofa aufwärmen kann oder den verregneten Sonntag einfach mal mit einem Buch und einem Kaffee im Sessel verbringen kann.

Der arme Zausel steht Tag ein Tag aus draußen und im Hamburger Winter, das bedeutet: er steht vor allem viel im Regen oder dreht seine immer gleichen Kreise in der Halle, weil die Reitwege längst schon dem vielen Regen nicht mehr standhalten. Tja, wer würde da nicht irgendwie ein wenig unmotiviert und matt im Matsch stehen und vielleicht nicht unbedingt in Jubel ausbrechen, wenn einem auch noch mit sportlicher Betüchtigung gedroht wird?

Bis zu einem gewissen Grad hatte ich in den letzten Wochen durchaus Verständnis für mein etwas lustloses und mattes Zauselchen.
Aber bei allem Humor ist mir in den letzten Wochen deutlich geworden, dass da leider mehr als nur ein leichter Winterblues hintersteckt und mit dem Zausel mal wieder irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ich weiß bloß leider wie immer nicht, was es sein könnte.

Genau genommen hatte das schon im September angefangen, als ich nach drei Wochen aus dem Urlaub wieder kam und irgendwie das Gefühl hatte, er strotze nicht grade vor Arbeitswillen und Motivation. Außerdem war er etwas steif und machte so den Eindruck, als hätte er sich außerordentlich gut mit dem Ferienprogramm arrangiert und sähe überhaupt keine Notwenigkeit, das Training wieder ernsthafter aufzunehmen. So ein bisschen leichte Bewegung ist ja ganz nett, aber bitte nichts, was echte Anstrengung fordert.
Ist ja nicht so, dass man das von sich selbst nicht kennt, wer rastet der rostet und der innere Schweinehund fühlt sich so vor sich hin rostend ja auch ganz wohl. Um dem Zausel den Wiedereinstieg ins Training etwas leichter zu machen, nahm ich mir vor,  Motivation für uns beide mitzubringen, vermehrt Unterricht zu reiten, ihn fütterungstechnisch ein bisschen zu unterstützen und vor allem erstmal konsequent an den Grundlagen zu arbeiten, der Rest würde dann schon ganz von alleine zurück kommen.

Ein paar Wochen verstrichen und ich merkte, der Plan ging nicht auf, von alleine kam da gar nichts zurück, im Gegenteil, ich musste immer mehr fordern, um überhaupt nur den Istzustand zu erhalten.

Also fing ich an, die gängigen Punkte abzuklappert, die einem so einfallen, wenns irgendwie nicht so rund läuft. Ihr kennt das sicherlich: Wir hatten Herbstzeit, Fellwechsel, die Umstellung von Weide auf ausschließlich Paddock, das kann ja schon mal ein bisschen schlauchen. Also gabs erstmal eine Kur für den Stoffwechsel. Etwas Zeit verging und inzwischen war der Zausel ganz schön plüschig geworden, die winterlichen Temperaturen ließen aber auch noch auf sich warten. Es war also die nächste Ausrede gefunden: Bei den warmen Temperaturen und dem dicken Plüsch kann man ja schon mal ein bisschen schlapp sein, wenns kälter wird, geht’s ihm bestimmt besser. Es wurde kälter, besser gings dem Zausel aber trotzdem nicht.

Weil er mir dieses Jahr auch wirklich sehr plüschig vorkam, ließ ich ein Blutbild machen und dieses auch auf Cushing kontrollieren. Zum Glück bestätigte sich kein Cushing und auch sonst war das Blutbild eines des ausgewogensten Blutbilder, welches ich je vom Zausel gesehen hatte. Lediglich ein leichter Zinkmangel war zu sehen. Zusätzlich plagte ihn seit einiger Zeit Mauke an den Hinterbeinen. Er bekam dann eine Zinkkur, die Mauke behandelten wir sehr erfolgreich und gegen erste Anzeichen von winterlichem Kotwasser fütterten wir zusätzlich zur Heulage Futterstroh, welches alle Pferde sehr gut annahmen. Wirklich fitter wurde der Zausel aber auch von all diesen Maßnahmen nicht.

Als nächstes bestellte ich den Sattler zur Kontrolle des Sattels, welcher auch wieder eine Aufpolsterung benötigte und nicht mehr so optimal lag. Der Termin war also durchaus wichtig und nötig, aber der Sattel nicht ursächlich für seine Abgeschlagenheit und brachte entsprechend auch keine Veränderung seines Zustandes.

Zwischendurch hatte er immer wieder Tage, an denen er super gut drauf war, andere, an denen er irgendwie echt schlecht drauf war und viele dazwischen, an denen es irgendwie okay war, aber im Vergleich zu seiner eigentlichen Bewegungsfreude und Leichtrittigkeit dann doch nicht normal war.

Sein Zustand war dabei nicht dramatisch schlecht, für außenstehende auch nur schwer zu erkennen, aber ich glaube jeder kann nachvollziehen, dass man selbst sein Pferd eben einfach kennt und auch wenn es von der Bande aus vielleicht noch nicht auffällt, merkt man eben doch, dass etwas nicht so ganz in Ordnung ist.
Es fallen ja auch allen mehr oder weniger gute Ausreden ein, woran es liegen könnte, man bekommt viele gut gemeinte Ratschläge und manchmal ist es selbst nicht einfach, seinen Überzeugungen treu zu bleiben, wenn man merkt, dass eben grade nicht alles super gut läuft.

Wer hier ein bisschen länger mitließt weiß, dass der Zausel die letzten Winter ohne Decke verbracht hat, haferfreies Futter bekommt, im Offenstall lebt und sich damit seine Haltungs- und Fütterungsbedingungen recht deutlich von den meisten anderen Pferden im Stall unterscheidet. Die meisten Ratschläge bezogen sich auf diese einfach zu benennenden Unterschiede, er bräuchte sicherlich nur etwas Hafer, so ohne Energie kann er ja nichts leisten, er brächte sicherlich nur eine Decke, so kalt wie er wird kann man ja nicht locker laufen, er müsste sicherlich nur geschoren werden, mit so viel Pelz könne er ja nicht richtig arbeiten, er bräuchte sicherlich nur eine kuschelige dick eingestreute Strohbox, damit er mal richtig schlafen kann, wer immer im Freien schlafen muss, kann ja nichts leisten.
Das sind alles gut gemeinte Ratschläge und bestimmt sind sie auch nicht vollkommen falsch. Aber ich kenne mein Pferd seit vielen Jahren und wir haben uns mühsam ein Haltungs- und Fütterungskonzept erarbeitet, mit dem er gut zurecht kommt.
Ich habe über die Jahre an vielen Stellschrauben gedreht, viele Sachen ausprobiert und sämtliche Entscheidungen bzgl. Haltung und Fütterung gründlich durchdacht und mit den Jahren versucht immer mehr zu optimieren. Ich bin auf Grund von positiven Erfahrungen überzeugt von einigen Dingen geworden, von denen ich mir manchmal auch wünschen würde, andere würden sie erkennen, weil ich sie für pferdegerechter halte, als das, was in vielen Ställen die Norm ist.

Über die Jahre, in denen ich jetzt eigene Pferde habe, ist mir vor allem das Pferdewohl immer wichtiger geworden und steht inzwischen deutlich über dem Trainingserfolg. Ich nehme zum Beispiel bewusst ein dreckiges Pferd in Kauf, Trainiere im Winter weniger intensiv und schweißtreibend, weil ich der Überzeugung bin, dass der Verzicht auf dauerhaftes Eindecken und Scheren dem Pferd zugute kommt.

Diesen Überzeugungen kann man natürlich besonders einfach treu blieben, wenn man merkt, dem Pferd geht es rund um gut, vielleicht sogar besser als unter anderen Haltungsbedingungen. Dann gibt es keinen Anlass etwas zu ändern. Letztlich war ja auch nur Zausels lange Krankengeschichte überhaupt Anlass dafür, dass wir so viele Dinge verändert haben, ich an so vielen Stellen umgedacht und hinterfragt habe, ob zwangläufig immer das, was alle anderen auch machen, das beste für mein Pferd sein muss.
Oft genug bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich mich nicht danach richten muss, was alle anderen Einsteller machen sondern mein Pferd mir vorgibt was für ihn gut ist.

Das Problem an der Sache ist nur, dass er mir nicht erklären kann was ihm gut tut und was nicht. Ich kann euch gar nicht sagen wie oft ich verzweifelt vor dem kränkelnden Pferd gestanden habe und versucht habe zu ergründen, wie ich ihm helfen kann. Ich habe sämtliche Experten hinzugezogen, die einem so einfallen können, von Tierärzten und Schmieden,  über Heilpraktikern, Chiropraktikern, Haltungs- und Ernährungsexperten,  und natürlich auch Sattlern und Reitlehrern haben sich schon etliche Leute das Pferd angesehen und wir haben selten irgendwelche Mühen oder Kosten gespart. Es ist nicht so, dass ihm niemand helfen konnte, aber sowohl sein Krankheitsbild als auch seine Diagnose sind recht schwammig und diffus, es gibt diverse Ansätze zur Therapie, jedes Pferd reagiert unterschiedlich und letztlich gibt es leider nicht das eine wirksame Mittel, dass alle Probleme aus dem Weg schafft.

Schon kurz nach dem ich ihn gekauft hatte wurde eine akute Bronchitis diagnostiziert die sich dann leider im weiteren Verlauf trotz aller sofort radikal umgesetzten Maßnahmen als eine chronische Erkrankung (RAO) manifestierte. Er lebt damit nun schon seit Jahren weitestgehend beschwerdefrei und viele der Ausfallzeiten in den letzten Jahren waren anderen Dingen zuzuschreiben, nicht seiner Lunge.
Trotzdem begleitet uns das Thema natürlich seit vielen Jahren im Alltag und es gibt eben so einige Dinge zu beachten.
Wir leben schon lange damit, dass er mal bessere, mal schlechtere Phasen hat, oftmals ist es müßig immer genau verstehen zu wollen, woran es liegt. Seine Lunge reagiert hochsensibel auf eigentlich alles, was bis in die Lunge vordringt. Außerdem reagiert sie auf Wetterumschwünge, Lufttemperatur, natürlich auf Pollenflug, möglicherweise auch auf Insekten, es kann potentiell alles reizbar sein. Außerdem ist sein Immunsystem immer dann angeschlagen, wenn die Lunge wieder auf irgendetwas reagiert, und schnell setzt sich dann noch eine andere Seite oben drauf.
Natürlich kommen auch schnell mehrere Dinge zusammen und er reagiert oftmals eher träge und mit deutlicher Zeitverzögerung auf sich verändernde äußere Umstände. Im Nachhinein ist es dann sehr schwer auszumachen, wenn genau eine schlechte Phase eigentlich begonnen hat und welche Umstände sich in diesem Zeitraum verändert haben. Es ist mir in den letzten Jahren nicht gelungen, wirklich herauszufinden, worauf er genau reagiert und welches wirklich die Auslöser dafür sind, dass es ihm besser oder schlechter geht.
Genau genommen tappen wir also ziemlich im Dunkeln wenn es um die Ursache für gute und schlechte Phasen geht und entsprechend schwer ist es, in schlechten Phasen zu reagieren und äußere Umstände zu verändern. Zumal manche eben auch nicht veränderbar sind, zum Beispiel das Wetter oder Pollenflug in der grünen Saison.
Da seine Phasen eher langwierig über mehrere Wochen gehen, sehr seicht beginnen und auch nur langsam wieder abklingen, sind Faktoren wie Wetter und Temperatur auch unheimlich schwer einzuschätzen, schließlich verändert sich dies auch in einem Zeitraum von 6-10 Wochen sehr stark. Tendenziell sind die Übergangszeiten zwischen den Jahreszeiten nicht so gut und schlagen ihm eigentlich immer etwas auf das Befinden.

Wir befinden uns aber zur Zeit grade mitten im Winter, das Wetter ist einigermaßen stabil, es dürfte so gut wie kein Pollenflug herrschen und in den letzten Jahren ging es ihm um diesen Zeitraum herum eigentlich immer gut.

Zur Zeit ist der Zausel aber so schlecht drauf wie schon sehr sehr lange nicht mehr und wir befinden uns in einem absoluten Tief. Er ist so schlecht drauf, dass ich zur Zeit gar nicht oder nur Schritt ins Gelände reite und nur versuche, ihn zumindest etwas in Bewegung zu halten. Sein Zustand wurde in den letzten Wochen immer schlechter und alle Versuche, ihn wieder fit zu bekommen, haben bisher nichts daran ändern können. Angefangen mit Blutbildern, Zusatzfutter, über Sattel aufpolstern, Akupunktur, chinesische Kräuter, viel Unterricht, dann mehr Abwechslung im Training und schließlich der Versuch das Training deutlich zu reduzieren und nur noch ins Gelände zu gehen, nichts brachte eine Änderung.

Seinem Pferd dabei zuzuschauen, wie es ihm schleichend immer schlechter geht, ist kein schöner Anblick und man fängt an empfänglicher für Vorschläge zu werden, die eigentlich gegen die eigenen Überzeugungen gehen. Der Zausel ist seit 14 Tagen eingedeckt und bekommt Hafer gefüttert. Ich wusste eigentlich, dass dies nichts an seinem Zustand ändern wurde, Hafer füttert kein krankes Pferd spritzig und eine Decke sorgt nicht für Bewegungsfreude. Trotzdem will man ja nichts unversucht lassen und grade das eindecken kann einem kranken Pferd zumindest helfen, wichtige Kraftressourcen zu schonen um wieder gesund zu werden.

Heute stand dann noch ein Besuch vom Pferdezahnarzt an und dann sind wirklich alle Register gezogen, die einem so einfallen können, wenn das Pferd irgendwie müde, schlapp und unfit ist. Seine Zähne waren soweit unauffällig, ein paar kleine Haken hatten sich seit dem letzten Termin vor einem Jahr gebildet, aber nichts ungewöhnliches.
Dafür bestätigte sich ein Verdacht, der eigentlich nur allzu eindeutig schon lange an der Tür klopfte, den ich aber einfach lieber überhören wollte weil er frustrierend und unbequem ist.
Beim abhorchen fand der Tierarzt ihn kurzatmig und krampfig, zwar war kaum Schleim zu hören, aber die Bronchien scheinen zur Zeit leider wieder stark verkrampft zu sein, so dass er einfach schlecht Luft bekommt. Da hilft dann kein Sattler, kein Hafer, kein Reitlehrer und kein Motivationsprogramm im Gelände, wer schlecht Luft bekommt kann nichts leisten und mag sich nicht groß bewegen.

Ich habe auch schon so meinen Verdacht, wer der Übeltäter in diesem Dilemma ist, allerdings stellt uns das wieder vor altbekannte Probleme, für die wir nun grade eine ganz gute Lösung gefunden hatten.
Ich nehme mal an, dass er das Futterstroh nicht verträgt und darauf zur Zeit leider so stark wie lange nicht mehr reagiert. Er kommt mit den meisten äußeren Störfaktoren wie Pollenflug, Wetter und Jahreszeitenwechsel eigentlich ganz gut zurecht, das macht sich zwar immer mal ein bisschen bemerkbar, aber dass er so schlecht drauf ist wie zur Zeit hatten wir wirklich mehrere Jahre nicht. Und gleichzeitig habe ich mehrere Jahre sehr konsequent Stroh von ihm ferngehalten und es diesen Winter zum ersten Mal wieder gefüttert, weil alle Pferde die reine Heulage nicht mehr so gut vertragen.
Das Futterstroh hat sich als außerordentlich beliebt bei den Pferden und sehr wirksam in Bezug auf Kotwasser gezeigt. Ich hatte den Eindruck dass es sich sehr positiv auf das Wohlbefinden aller Pferde ausgewirkt hat, auch unserer Stute bekommt es sehr gut, sie wirkt weniger aufgebläht und hat weniger weiche Äppel. Fütterungsbedingt bin ich absolut begeistert von der Zugabe von Futterstroh und habe das Gefühl, dass es den Pferden wirklich gut tut, zumindest, was die Verdauung angeht.
Umso frustrierender ist die Erkenntnis, dass der Zausel es wahrscheinlich nicht verträgt und es zur Zeit so aussieht, als wäre sein schlechter Zustand auf das Stroh zurück zu führen.

Sollte das Stoh also die Lösung für seine Lunge sein, verschiebt sich damit die Problematik nur zur Verdauung, denn auf Dauer ist die ausschließliche Fütterung von Heulage eben auch keine gesundheitsfördernde Möglichkeit. Trotzdem wiegen leider die Folgen einer kranken Lunge zumindest kurzfristig erheblich schlimmer, so dass wir uns für die Verdauung dann irgendetwas anderes überlegen müssen.

Er bekommt nun zunächst eine Dose Venti Plus gefüttert. Mir ist bewusst, dass dieses Medikament kein Therapeutikum ist und nur die Symptome kurzfristig ausschaltet. Es löst die Verkrampfungen in den Lungenbläßchen so dass das Pferd kurzfristig wieder besser Luft bekommt. Bei der Gabe von Venti Plus entsteht sehr schnell ein gewöhnungseffekt und schon nach kurzer Zeit ist das Medikament vollkommen wirkungslos. Wir werden es nun die nächsten Tage einsetzten um herauszufinden, ob sein schlechter Zustand tatsächlich auf das auffällige Atemgeräusch zurückzuführen ist. Er sollte sich also unter dem Medikament kurzfristig wieder deutlich vitaler und agiler zeigen. Wenn dem so ist müssen wir versuchen herauszufinden, worauf er zur Zeit so stark reagiert, da wäre das Stroh dann eben meine erste Vermutung. Es ist dabei wichtig, langsam und Schritt für Schritt die verschiedenen Verdachtsfälle auszuschließen. Sollte es nicht das Stroh sein, tappe ich aber ehrlich gesagt ziemlich im Dunkeln.
Gelingt es uns den aktuellen Auslöser zu entfernen, erholt sich die Lunge hoffentlich in einigen Wochen. Diesen Prozess werden wir zusammen mit dem Tierarzt versuchen so gut es geht zu unterstützen. Ein bisschen Zeit muss man dem ganzen aber auch einfach geben und solange sich sein Zustand nicht noch weiter verschlechtert, würde ich gern versuchen ohne Kortison ein bisschen auf die Selbstheilung des Körpers zu setzen. Mal sehen, ob der Zausel dafür ausreichend Kraft hat, oder ob wir ihm doch noch mehr unter die Arme greifen müssen.

Bezgl. der Decke wird er jetzt erstmal solange er so kränklich ist und das Wetter weiterhin winterlich oder nass bleibt eingedeckt bleiben. Mit dem Hafer bin ich mir noch nicht so sicher, ob ich ihm damit wirklich einen Gefallen tue, ich hatte die letzten Jahre eigentlich immer das Gefühl er reagiert eher empfindlich auf hohe Eiweißmengen, weswegen ich ihm seit einigen Jahren nur haferfreies Futter gebe. Möglicherweise belastet das viele Eiweiß im Moment eher den Stoffwechsel als dass es ihm wirklich Energie gibt?

Ich hatte zwischendurch schon überlegt ihn komplett in eine Winterpause zu schicken oder vielleicht auch hinnehmen zu müssen, dass er inzwischen einfach alt geworden ist und keine Lust mehr auf Reiten und Trainieren hat. Ein Pferd, welches sich nicht mehr gern bewegt, vor allem wenn ihm die Möglichkeit der freien Bewegung angeboten wird, hat aber meistens leider einen schwerwiegenderen Grund als einen kleinen Winterblues oder einen kalten Rücken wegen fehlender Decke bekommen. Selbst wenn sich nun herausstellt, dass die Lunge nicht sein akutes Problem ist, muss da irgendetwas sein, was ihn so matt und träge macht. Bitte erinnert mich daran, wenn es ihm in ein paar Wochen nicht besser geht und ich euch hier sowas schreibe wie „Vielleicht überkommt ihn auch nur die Frühjahrsmüdigkeit und er braucht eine kuschelige Box, um sich mal auszuschlafen“.

Nun habt ihr hier einen ewiglangen Text zum altbekannten Patienten Zausel zu lesen bekommen und ich entschuldige mich für die vielen Absätze, die ihr lesen musstest. Ein herzliches Dankeschön an alle, die bis hierhin gelesen haben und an unserer Geschichte und den kleinen und großen Sorgen eines Pferdebesitzer teilhaben. Es waren in letzter Zeit einfach so einige Dinge die mich beschäftigt haben und die auch so Stück für Stück in einem Prozess von einem ungewollten Verdacht zu einem vorsichtigen Lösungsansatz gereift sind. Nicht zuletzt angestoßen heute von unserem wirklich kompetenten Pferde(zahn)Arzt, der zum Glück auch das ganze Pferd einmal kritisch beäugt, bevor er sich den Zähnen widmet.

Ich werde euch über den weiteren Verlauf auf dem laufenden halten und hoffe, beim nächsten mal schon etwas positiveres Berichten zu können.

 

 

 

21 Kommentare

  1. Isabell sagt

    Ohje, der arme Zausel! Erstmal eine gute Besserung an das Sorgenkind und ich drücke die Daumen, dass es wirklich das Stroh ist – natürlich ärgerlich für die Fütterung, aber dann wäre der Übeltäter ja wenigstens ausgemacht.
    Bella hat ja leider auch immer wieder mit (allerigischem) Husten zu tun und kann da gut nachvollziehen, wie nervenaufreibend die Suche nach dem Auslöser, warum das liebe Pferd denn nun schon wieder hustet oder einfach nicht so gut drauf ist, sein kann. Momentan haben wir das ganze aber *Klopf auf Holz* ganz gut im Griff – Daumen sind gedrückt, dass der Zausel bald auch wieder ganz fröhlich und motiviert ist! 🙂

    • Theresa sagt

      Hallo Isi, wie schön von dir zu hören, ganz lieben Dank für deine Nachricht! Ja es ist wirklich manchmal nervenaufreibend und dieses rumgerätsel macht einen auch irgendwann wahnsinnig. Ich finde das Stroh schon eine wichtige Ergänzung zum Futter, aber wenn er es eben einfach nicht verträgt dann muss man da eben andere Alternativen finden. Auf jeden Fall ist das Stroh jetzt wieder aus dem Stall verbannt und ich beobachte jetzt ganz kritisch, ob sich etwas verändert. Dann wüsste man zumindest, wer der Übeltäter ist und das wäre schon mal verdammt viel Wert!
      Ich freu mich sehr zu hören, dass es Bella gut geht und ihr die Sache im Moment gut im Griff habt. Ich wünsch euch alles Liebe!

  2. Dagmar sagt

    Daumen sind gedrückt, dass Du nun richtig liegst! Wenn mein Lungenpatient matt ist, ist es auch meistens die Lunge und die Bronchien die verschleimt sind.
    Ich füttere auch Heulage und hab auch Kotwasserprobleme….viel probiert, nichts hat längerfristig geholfen. Osteophat hat dann im November Dr Weyrauch empfohlen, ich wollte anfangs gar nicht probieren, weil ich über die Jahre eh schon soviel Geld ausgegeben habe und eh nichts geholfen hat, das permanent schlechte Gewissen hat aber gesiegt und momentan wirkt das ganz gut. Mal schauen ob das weiter anhält . Alles Gute dem Zausel!

    • Theresa sagt

      Hallo Dagmar,
      ganz lieben Dank für deinen Kommentar! Da haben wir ja ähnliche Probleme an der Backe… Ich finde es immer spannend zu hören dass auch andere Lungenpatienten sich in akuten Phasen vor allem auch mit so Mattheit und Abgeschlagenheit rumplagen müssen. Der Zausel zeigt sonst kaum typische Symptome, also vermehrtes Husten oder auffällige Atmung, es ist mehr so das gesamte Befinden was dann einfach echt schlecht ist. Es kommt aber auch so schleppend und diffus, dass es schwer zu benennen ist.
      Die Sache mit den vielen Sachen die man schon ausprobiert hat und die doch nicht geholfen haben kenne ich auch so gut. Und dass man auch irgendwann müde wird immer noch andere Präparate und Dinge auszuprobieren…
      Wir haben im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen mit dem Lavisano bei Kotwasser gemacht, ich hatte dazu hier auch einen Artikel geschrieben, hattest du den gelesen? Welches Produkt von Dr Weyrauch fütterst du denn jetzt?
      Dir und deinem kleinen Patienten auch alles Gute!

      • Dagmar sagt

        Hallo Theresa, natürlich habe ich deinen Lavisano Bericht gelesen, weil ich all eure Berichte lese 😊, leider kriege ich das in meiner Gegend in Österreich nicht, müsste dazu 150 km nach Bayern fahren, also wurde der Test verschoben bis sich der Einkauf mal ergibt.
        Für mich sind die gemeinsten Dinge bei Lungenpatienten wenn sie verschleimen ohne Anzeichen, also kein Husten und der Schleim im „normalen“ Bereich, weils dann dauert bis ich richtig kombiniere.
        Wahrscheinlich ist es beim Zauselchen so, dass er das Stroh ein bisschen verträgt, drum ging das auch schleichend, ansonsten hätte er sich eh gleich die Seele aus dem Leib gehustet. Was für mich zwar auch Horror ist, aber dann gehe ich sofort auf Ursachenforschung.
        Meine größte Angst ist, dass ich irgendwann vielleicht nichts mehr tun kann / optimieren kann und er immer schwerer Luft kriegt.

        Jetzt ist er 22 und zum Glück momentan quietschfidel obwohl letzte Woche die ersten Pollen flogen.
        Meine Daumen und Lumpis Hufe sind fest gedrückt für Euch!
        Lumpi kriegt seit Spätherbst das Frühlingserwachen kurweise.

        • Theresa sagt

          Liebe Dagmar,
          deine Angst, dass man irgendwann alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, kann ich so gut verstehen! Die Erkrankung wird nun mal mit dem Laufe der Zeit immer schlimmer und kann dann irgendwann zum schwerwiegenden Problem werden.
          Gerade machen wir eine recht intensive Kortisonbehandlung mit dem Zausel durch, weil es einfach anders nicht mehr ging. Aber ganz ehrlich? Bei allen Bedenken und Ängsten, die ich davor hatte, ist es einfach ein hochwirksames Medikament. Wenn nichts mehr geht muss man eben Kortison einsetzen und das funktioniert dann zum Glück sehr zuverlässig. Damit kann man dann im Alter noch ein bisschen Zeit überbrücken. Vielleicht nimmt dir dieser kleine Bonus etwas die Angst davor, dass man irgendwann nichts mehr optimieren kann.
          Liebe Grüße und alles Gute für deinen Patienten!

    • Theresa sagt

      Hallo Mirja,
      doofe Fragen gibts ja nicht =) Nein, nasses Heu ist leider logistisch nicht möglich. Ich versuche aber grade herauszufinden ob vielleicht bedampftes Heu eine Möglichkeit wäre.

      • Mirja sagt

        Ja, das wäre sicherlich einen Versuch wert 🙂 Viel Erfolg dabei! Bauanleitungen für Heubedampfer (aus einer Mülltonne) gibt es ja im Netz zu finden. LG

  3. Erika sagt

    Hallo,

    ich lese deine Berichte über den Zausel gerne. Ich mag dein Pferd! Umso mehr tut es mir leid, daß es ihm wieder so schlecht geht. Du probierst seit Jahren ALLES, damit es ihm gut geht. Andere hätten das Pferd schon längst abgeschoben. Mein Pferd ist auch ein Pflegefall geworden und ich weiß, wie du dich fühlst. Besonders schmerzhaft sind die Ratschläge der meisten Aussenstehenden. Man wird hingestellt, wie wenn man nichts unternehmen würde, dabei machen wir uns viel mehr Gedanken um unsere Pferde und tun unser Bestes damit es ihnen gut geht.

    Ich wünsche, daß du die Ursache für Zausels Befinden bald findest und es ihm wieder gut geht. Und dir wünsche ich Kraft dran zubleiben und positiv in die Zukunft zu schauen.

    • Theresa sagt

      Hallo Erika,
      ganz ganz lieben Dank für deinen Kommentar, ich freu mich sehr dass du Zauselchens Berichte gern ließt und so mit uns mitfühlst. Ja die Ratschläge sind manchmal wirklich nicht so einfach, ich schätze den Austausch total und hab schon wahnsinnig viele tolle Anregungen bekommen, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Aber manchmal ist es auch schwierig sich immer wieder die gleichen anzuhören und manche Sachen sind so naherliegend, dass man das natürlich schon lange alles Versucht hat. Trotzdem muss man sich immer wieder daran erinnern dass es in aller Regel ja nur wirklich gut gemeint ist.
      Ich danke dir für deine lieben Worte und Wünsche, ich würde dir zwar Wünschen dass dein Patient im Stall dir nicht so viele Sorgen bereiten würde, aber es ist dennoch schön zu wissen, dass man damit nicht ganz alleine ist. Alles Gute für dich und deinen vierbeinigen Freund!

  4. Anna sagt

    Hallo Theresa, mir kommt die ganze Geschichte beim Lesen leider verdächtig bekannt vor – ich habe selbst zwei chronische Huster zuhause stehen, einer davon massiv allergisch auf Schimmelpilze (die man ja bekanntlich immer in gewissem Maß in Heu und Stroh hat). Beide Pferde haben diesen Winter extrem Probleme mit Husten bzw mit Schleimbildung. Gerade beim Älteren äußert sich das ebenfalls nur mit Leistungsabfall und Bewegungsunlust – aus Erfahrung kann ich nur sagen, dass das definitiv von den Atemwegen kommt! Wir inhalieren dann wieder verstärkt, steigern dabei Häufigkeit und Dauer (also statt alle 2 Tage dann gerne täglich und oft auch vor-UND und nochmal nach dem Bewegen) und ich inhaliere ihn in solchen Phasen dann auch immer mit Sole anstatt „nur“ mit NaCl. Der Sole ist Magnesium zugesetzt, sodass sich die Atemwegsmuskulatur auch wieder besser entkrampfen kann. Am Ende einer solchen Phase, wenn er wieder bewegungsfreudiger ist, lasse ich dann die Physio kommen die etwaige Verspannungen (vom Husten und schlechten Atmen) von aussen löst.
    Falls du also noch keinen Inhalator hast – sicher hat dein Tierarzt bzw Klinik ein Leihgerät oder kann dir eine Quelle dafür nennen. Inhalieren ist in einem solchen Fall wirklich das A und O. Innerhalb von 2-3 Wochen sollte es dann definitiv auch wieder aufwärts gehen und die Bewegungsfreude wieder zunehmen. Du kannst ihn während dieser Zeit auch mit schleimlösenden Kräutern unterstützen, ich gebe gern Isländisch Moos und Thymian – wobei er ja das Venti Plus kriegt, das genügt auf jeden Fall auch erstmal. Euch alles Gute 🙂 LG Anna

    • Theresa sagt

      Hallo liebe Anna,
      ganz lieben Dank für deinen Kommentar! Man hat schon so seine lieben Sorgen mit den Hustern. Ich finde es immer spannend zu lesen dass sich auch andere Huster so mit Abgeschlagenheit und Arbeitsunlust rumschlagen müssen, es hat lange gedauert bis ich auf Grund dieser Symptome überhaupt auf die Lunge gekommen bin. Er zeigt leider keine typischen Symptome wie vermehrtes Husten oder Schleimbildung.
      Ein Inhalationsgerät haben wir, allerdings hatte ich nie das Gefühl, dass es wirklich einen Effekt hatte. Die Sache mit der Sole für die Muskulatur finde ich aber interessant, dass habe ich so noch nicht gehört. Wie lange lässt du vor und nach dem Reiten inhalieren?
      Ich wollte ihm jetzt noch mal einen Eimer Plantagines +C holen und will dann nicht zu viel durcheinander füttern, kennst du das? Da ist zumindest das Isländisch Moos auch drin. Die Dose Venti ist jetzt fast leer und ich wollte dann damit anschließen.
      Ich wünsche dir für deine beiden Huster hustenfreie Zeiten! Liebe Grüße!

      • Anna sagt

        Ich lasse gern mal 30min und länger inhalieren – aber schon immer mindestens 20min. Weniger hat bei uns nicht wirklich viel Effekt. An Sole kann ich dir die der Firma Oxy.gen empfehlen (fürs Pferd die 2,5%ige)! Mein älterer Wallach hat auch selten Schleimbildung, allerdings hustet er in solchen Phasen eben gerne sehr trocken, weswegen das inhalieren trotzdem super hilft. Allerdings auch nue, wenn man das wirklich gewissenhaft und regelmäßig betreibt. Liebe Grüße, Anna

        • Theresa sagt

          Hallo Anna,
          Danke für deinen Tipp! Ja das Inhalieren ist schon eine gute Sache, es ist leider ganz schön zeitaufwändig und lästig, aber es hilft eben auch. Aktuell inhalieren wir auch immer vor dem Reiten 2ß-30 min. und der Zausel lässt es zum Glück sehr artig übersich ergehen, so dass ich ihn nebenbei schon putzen und fürs reiten fertig machen kann.
          Und weil wir eben immer mind. 20 min. inhalieren müssen, werden jetzt eben öfter die Hufe gewaschen und der Schweif verlesen 😀

  5. Julika sagt

    Hallo Theresa, habt ihr beim Blutbild auch in die Richtung Leptospirose untersuchen lassen? Ich hatte das bei meiner Stute die sonst auch sehr lebhaft ist und gerne arbeitet. Sie zeigte sich sehr schlapp, wollte nicht mehr laufen.. durch Zufall haben wir dann ein Blutbild für die Leptospirose machen lassen. Viele Grüße Julika

    • Theresa sagt

      Hallo Julika,
      Danke für deine Anregung! Von Leptospirose habe ich tatsächlich noch nie etwas gehört und auch nicht drauf testen lassen, dazu muss ich jetzt erstmal Tante Google befragen. Welche Form von Bluttest muss man denn dafür machen?

      • Julika sagt

        Hallo Theresa,

        über die Leptospirose findet man im Internet (finde ich) leider nicht viel. Das ist vergleichbar mit einer Borreliose und wird übertragen durch Mäuse. Anders als die Borreliose geht die Leptospirose auf die Leber und Nieren und kann auch zu Mondbildheit führen. Endeckt man die Leptospirose allerdings früh kann man sie gut therapieren durch Antibiotika. Will hier auch keine Horrorszenarien bilden, meine Stute hatte es vor 5 Jahren und ihr geht es sehr gut. Wir haben es wie gesagt jedoch auch nur heraus gefunden weil so auf einmal so schlapp war. Viele Pferde haben wohl aber sonst auch Sympthome wie Fieber (das hatte sie jedoch auch nicht). Soweit ich weiß wird wegen der Leptospirose zum einen der Wert der Leber überprüft und zum anderen das Blut auch spezielle auf die Leptospirose getestet. Zumindest ist der Leptospirosetest nicht bei einem normalen Blutbild dabei, das muss man extra sagen.

        Ich hoffe ich konnte dir zumindest ein bisschen weiter helfen 🙂 Manchmal wünscht man sich einfach sie könnten es einem erzählen was ihnen fehlt!

        Viele Grüße Julika

        • Theresa sagt

          Danke für deine ausführliche Erklärung! Beim Zauselchen war es nun ja tatsächlich wieder die Lunge, die ihm so zu schaffen machte, aber für die anderen Leser sind deine Ausführungen sicherlich sehr wertvoll. Man lernt ja immer noch dazu!
          Liebe Grüße!

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)