Emmi, Tagebücher
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Warum eigentlich ein Fohlen?

Als ich letztes Jahr hier veröffentlicht habe, dass ich aus Emmi ein Fohlen ziehen möchte, waren die Reaktionen so kontrovers wie nie zuvor. Während einige die Idee mindestens so gut fanden wie ich, gab es auch zahlreiche kritische Kommentare. Und ich konnte das niemandem verübeln, denn für mich fühlte sich diese Entscheidung ehrlich gesagt wie das Unvernünftigste an, was ich je getan hatte.

Es war Anfang 2017, ich war im Referendariat, hatte das zweite Staatsexamen vor mir, und hatte schon seit Monaten keinen Spaß mehr am Reiten. Ich wusste, dass ich eine Pause vom Reiten und von Emmi brauchte. Von Verkauf über zur Verfügung stellen bis hin zum Wegstellen habe ich alle Optionen durchdacht, aber keine fühlte sich richtig an. Die Entscheidung, Emmi decken zu lassen, bedeutete im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten höhere Kosten, ein höheres Risiko und einen gänzlich ungewissen Ausgang. Trotzdem faszinierte mich die Möglichkeit, ein Fohlen aus Emmi zu ziehen von Anfang an. Ich hatte mir immer eine Stute gewünscht, um genau diese Möglichkeit zu haben. Ich kenne Emmi in- und auswendig und kann ehrlich sagen, dass ich noch nie ein anderes Pferd getroffen habe, das so lieb und sanftmütig ist wie sie. Alleine das wäre schon Grund genug, ein Fohlen zu ziehen. Auch sonst gibt es wahrlich schlechtere Pferde als sie. Sie hat sportliche Erfolge, geht sowohl Springen als auch Dressur. Außerdem hat Emmi eine seltene Abstammung, da ihr Muttervater Vollblutaraber ist, was meiner Meinung nach eine sehr sinnvolle Veredelung der Warmblutzucht darstellt. Da aus der Mutterlinie bereits viele erfolgreiche Sportpferde hervorgegangen sind, fand ich es eine schöne Idee, den Stamm auch weiter zu erhalten. Die Frage war also – warum eigentlich nicht?

Ich habe in den letzten Jahren sehr viel in meinem Leben nach Emmi ausgerichtet. Den Stall habe ich nicht etwa nach einem kurzen Fahrtweg oder einer schönen Anlage ausgesucht, sondern danach, welcher Emmi am ehesten gerecht wird. Emmi hat zwei Kolik-Ops hinter sich und war für mich seitdem immer ein Stück weit Patient. Das führte dazu, dass ich jede kleine Veränderung bis ins Detail durchdacht habe und oft mit Ängsten konfrontiert war. Allem voran natürlich Angst, dass sie wieder eine Kolik bekommen würde. Angst dass sie eine weitere Kolik nicht überleben würde.

Während meines Studiums und auch das erste Jahr des Referendariats war ich immer damit beschäftigt, Emmi irgendwie in mein Leben zu integrieren und nicht nur dem Pferd, sondern auch meinen Reitbeteiligungen gerecht zu werden, während ich manchmal mit allem ziemlich überfordert war. Eigentlich passte Emmi schon seit Jahren nicht mehr richtig in mein Leben. Ich hatte keine Zeit genug zu trainieren, um weiterzukommen. Keine Zeit für Tierärzte, Osteos, Chiropraktiker und Sattler. Ich hatte keine Kapazität, mir Gedanken um das richtige Futter, die passende Wurmkur und den besten Stall zu machen. Ich hatte großes Glück und (hintereinander) zwei tolle Reitbeteiligungen, die Emmi super geritten sind und mir eine Menge Arbeit abgenommen haben. Ohne sie wäre es mir nie möglich gewesen, Emmi überhaupt zu versorgen. Dennoch war das Reiten für mich mehr Stress und Verpflichtung als Entspannung. Ich brauchte einfach dringend eine Pause von dem ganzen Zirkus. Ich wurde oft gefragt, wie ich einerseits keine Lust mehr aufs Reiten haben kann und mir andererseits mit dem Fohlen ein zweites Pferd anschaffen kann. Für mich war das nie ein Widerspruch. Für immer mit dem Reiten aufzuhören und Pferde aus meinem Leben zu streichen, stand nie zur Debatte. Ich brauchte in dieser stressigen Lebensphase nur ganz dringend eine Auszeit. Einfach mal ein paar Monate nicht täglich in den Stall fahren, um den Kopf frei zu bekommen. Mir hat diese Zeit wahnsinnig gut getan und ich freue mich jetzt umso mehr, wieder regelmäßig in den Stall zu fahren und auch bald wieder zu reiten. Durch die Auszeit bin ich wieder unbeschwerter und mache mir nicht mehr um jede Kleinigkeit Sorgen. Außerdem habe ich mich durch die Trächtigkeit das erste Mal überhaupt mit dem Thema „Zucht“ beschäftigt und habe dadurch einen ganz neuen Einblick in die Reitsportszene bekommen. Vorher habe ich mich für Zucht und Abstammungen nicht besonders interessiert und hatte ehrlich gesagt gar keine Ahnung. Daher finde ich es umso schöner, durch Emmis Trächtigkeit in diesen Bereich reinschnuppern zu können und viel Neues zu lernen.

Von dem Fohlen erhoffe ich mir in erster Linie ein gesundes, rittiges Reitpferd, das klar im Kopf ist. Alles darüber hinaus gehende wäre ein Bonus, über den ich mich riesig freuen würde, den ich aber nicht erwarte. Natürlich hoffe ich, dass Emmi ihre Stärken vererbt und der Hengst sogar noch verbessern kann. Aber ich weiß auch, dass ich sehr genaue Vorstellungen von dem perfekten Nachwuchspferd habe und nicht davon ausgehen kann, dass das Fohlen genau diese Erwartungen erfüllt. Das finde ich aber auch gar nicht schlimm – sollte das Fohlen aus welchen Gründen auch immer nicht zu mir passen, kann es ganz sicher jemand anders sehr glücklich machen. Dafür muss es jedoch erstmal gesund und munter auf die Welt kommen, das ist das Allerwichtigste!

Die Entscheidung, ein Fohlen zu ziehen, war für mich ganz anders als alle Entscheidungen zuvor. Es war keine leichtfertige Entscheidung, aber es war eine emotionale Entscheidung, die ich nur für mich und Emmi getroffen habe. Das habe ich trotz allen Gegenwindes bis heute nicht ein einziges Mal bereut. Wenn sich eine Entscheidung einfach richtig anfühlt, ist es nämlich ziemlich scheißegal, was andere darüber denken.

 

 

Kategorie: Emmi, Tagebücher

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27 Jahre, lebt zusammen mit Emmi und ihrem Fohlen Fürstino in Hamburg und berichtet auf HorseDiaries über die Höhen & Tiefen im Leben eines Pferdebesitzers.

2 Kommentare

  1. Svenja sagt

    Liebe Cathy, bisher bin ich nur stille, aber begeisterte Mitleserin gewesen und möchte dich gerne in deiner Entscheidung bestärken (auch wenn die Außenmeinug, wie du völlig richtig dargestellt hast, keine Rolle spielt). Trotzdem tut es sicher gut, positives Feeback zu bekommen und nein, ich fand deine Entscheidung zum Fohlen in keinem Moment sinnwidrig. Du hast es wunderbar auf den Punkt gebracht: mal keine Lust oder Energie (das ist es nämlich meiner Meinung nach) aufs und fürs reiten zu haben ist völlig normal und erfordert keinesfalls eine Aufgabe des Reitsports, der aus so viel mehr als Kringel durch die Bahn ziehen besteht. Ein eigenes Pferd ist wie ein eigenes Kind: Anspruchsvoll, Zeitintensiv, Sorgenintensiv. Selbstverständlich trotzdem der schönste Sport der Welt 🙂 aber irgendwann braucht man mal ne Pause, muss mal durchatmen. Das geht ja wohl jedem so, gerade, wenn man ein vorbelastetes Sorgenkind und dann noch eine anspruchsvolle Arbeit / Studium hat. Liebe Cathy, mach weiter so, bleib wie du bist, lass dich bloß nicht beirren. Du hast einen sehr rationalen Blick auf die Dinge, kannst deine Situation am besten einschätzen und wenn zur Rationalität auch das Herz „Ja“ sagt, dann ist das doch wohl wundervoll. Ich drücke alle Daumen für die Geburt und freue mich, weiterhin von dir zu lesen!

    • Liebe Svenja,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Über so ein nettes Feedback freue ich mich natürlich riesig!! Auch wenn es am Ende meine eigene Entscheidung war, habe ich die Kritik natürlich trotzdem ernst genommen. Das finde ich auch wichtig, denn wenn man die Resonanz der Leser nicht ernst nimmt, muss man auch nicht mehr Bloggen meiner Meinung nach. Es ist daher beruhigend zu wissen, dass es noch genug Menschen gibt, die nachvollziehen können, was in einem vorgeht. Und du hast Recht, ich habe das Durchatmen so dringend gebraucht und es hat so gut getan!
      Nochmals vielen Dank für deine lieben Worte und die gedrückten Daumen 🙂

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)