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Anatomische Trensen im Test

Dies ist ein Gastbeitrag unserer Leserin Lessa. Lessa verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihrer Fuchsstute Fienchen, mit der sie vorwiegend im Dressurviereck oder im Gelände unterwegs ist. Darüber berichtet sie täglich auf Ihrer Instagram-Seite www.instagram.com/fuchs_teufelslieb.

Autorin Lessa mit ihrer Stute Fienchen

Das Wohl des Pferdes sollte für uns Reiter immer an erster Stelle stehen. Dahingehend hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Dies ist meines Erachtens selbstverständlich, denn der Reitsport steht bekanntlicherweise unter ständiger kritischer Beobachtung der Öffentlichkeit, nachdem Skandale um Rollkur und Co kein gutes Licht auf unseren geliebten Sport geworfen haben.

Umso wichtiger ist es, dass wir verantwortungsvoll mit unseren Vierbeinern umgehen. Auch die Reitsportindustrie hat dies erkannt, stellt alte Gewohnheiten in Frage und entwickelt sich immer mehr in Richtung pferdefreundlicher Produkte. Stübben ist ein hervorragendes Beispiel für die oben beschriebene begrüßenswerte Entwicklung. Seit 120 Jahren produziert das Unternehmen Pferdesportzubehör – seit wenigen Jahren nun auch innovative, stark anatomisch orientierte Produkte wie z.B. die Trense „Freedom“, die hier auf dem Blog bereits in diesem Beitrag vorgestellt wurde.

Im heutigen Beitrag geht um einen Vergleich von drei anatomischen Trensen, die aktuell auf dem Markt sind.

Ich war auf der Suche nach einem neuen Kopfschmuck für meine Stute Fienchen, die seit einiger Zeit ihren Unmut gegenüber des alten Modells geäußert hatte. Sobald sie schwitzte, wollte sie das Ding einfach nur noch loswerden. Durch Schubbern, wenn etwas Geeignetes in der Nähe war, oder sogar durch Treten in Richtung des Kopfes. Ich wollte wissen, ob es an Schnitt, Lederqualität oder Passform der alten Trense liegt, oder ob es einfach eine Unart ist, um angepasst auf ihr Verhalten reagieren zu können.

Da meine Stute generell sehr sensibel am Kopf (insbesondere im Genick) und auch fein im Maul ist, suchte ich nach sanften und anatomischen Trensen aus pflanzlich gegerbtem und nicht rundgenähtem Leder (auch wenn ich letzteres einfach wunderschön finde, führt es erwiesenermaßen zu stärkeren Druckpunkten).

Getestet wurden folgende Trensen

„Equitus Alpha“ von Schockemöhle  

 

„Paladin“ von PS of Sweden 

 

„Switch“ von Stübben
Herstellerbeschreibung
· anatomische Spezialtrense mit neuartiger Passform

· geschwungenes Reithalfter umgeht den Hauptgesichtsnerv

· weich unterlegtes Genickstück mit viel Ohrenfreiheit

· geschwungenes Stirnband mit extra-weiter Passform zur Vermeidung von Druck im Augen-Ohren-Bereich

· freie Atmung durch neu positionierten Sperrriemen

·  Nasenriemen mit maximaler Freiheit der Jochbeinleiste und den dort verlaufenden Nervenenden

· Abnehmbarer Sperrriemen

· Weit geschnittenes und gepolstertes Genickstück für maximale Bewegungsfreiheit der Ohren

· Backenstücke mit Elastikeinsatz an der Gebissaufhängung

· Stirnband kann mithilfe eines Druckknopfs ausgetauscht werden

·  2in1 Option: Umbaumöglichkeit zur Kandare (Sperrriemen und Kandaren-Backenstücke abnehmbar)

· zurückgeschnittenes, anatomisches Genickstück mit Spezialpolsterung zur Druckentlastung

· kombiniert geschweiftes Reithalfter mit doppelseitigem Verschluss und abnehmbarem Sperrriemen

·  Auf Wunsch inkl. Magic Tack Magnet-Stirnband Swing und Inlay einreihig Crystal

 

Passform & Größe

„Equitus Alpha“ von Schockemöhle ★ ★ ★ ✰ ✰
„Paladin“ von PS of Sweden ★ ★ ★ ★ ✰
„Switch“ von Stübben ★ ★ ★ ★ ★

Die Equitus passt generell sehr gut und die Größe WB entspricht auch einem Warmblutkopf, der Nasenriemen ist gut verstellbar. Abzüge gibt es, weil die Aufhängung des Gebisses am Nasenriemen befestigt und die Verstellmöglichkeit der Gebisshöhe dadurch eingeschränkt ist.  Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Zügelhilfe so nicht nur aufs Maul, sondern auch auf die Nase des Pferdes wirkt. Das führt bei meinem Sensibelchen dazu, dass sie zeitweise hinter die Senkrechte kam.

Schockemöhle Trense „Equitus Alpha“

 

Die Paladin passt insgesamt gut, die Größe WB fällt jedoch sehr klein aus, sodass sie an Fienchens zierlichem Warmblutkopf bereits in den unteren Löchern verschnallt war. Ich könnte mir vorstellen, dass die Verstellmöglichkeit bei normalen bis kräftigen Warmblutköpfchen an ihre Grenze stößt.

PS of Sweden „Paladin“ Trense

 

Die Switch passt sehr gut, lässt sich durchgehend und großzügig verstellen. Einen Stern Abzug gibt es, weil der Kehlriemen für mein Empfinden sehr lang ausfällt. Perfekt wäre es, wenn auch dieser beidseitig verstellbar wäre und man ihn 3-5 Finger breit kürzer schnallen könnte.

Stübben „Switch“ Trense

 

Qualität & Verarbeitung

„Equitus Alpha“ von Schockemöhle ★ ★ ★ ★ ✰
„Paladin“ von PS of Sweden ★ ★ ★ ★ ✰
„Switch“ von Stübben ★ ★ ★ ★ ★

Alle drei Trensen sind aus pflanzlich gegerbtem Leder. Das war mir persönlich sehr wichtig, um auszuschließen, dass der Juckreiz meiner Stute von chemischen Substanzen am Leder kommt.

Ich fand die Switch von der Lederqualität her am besten. Das Leder war sofort butterweich und sehr anschmiegsam – insbesondere der Nasenriemen hat mich überrascht – dieser ist wirklich mit großem Abstand der weicheste der drei Trensen. Das Genickstück gefällt mir sehr gut – das Polster ist an beiden Seiten des Genicks recht dick und verfügt mittig über eine Aussparung, um den Druck zu reduzieren.

Das Leder der Equitus ist auch recht anschmiegsam – wenn auch einen Tick weniger als das der Switch, das schmale Genickstück ist sehr weich unterlegt. Der Nasenriemen könnte für mein Empfinden noch etwas weicher unterlegt sein. Mir persönlich ist das Genickstück zu schmal.

Die Paladin hat mich von der Lederqualität her ein wenig enttäuscht. Nach vielen positiven Testberichten hatte ich große Erwartungen in PS of Sweden. Diese wurden leider nicht erreicht, denn ich  fand die Qualität eher der gehobenen Mittelklasse entsprechend. Bei einem Preis von 299€ hätte ich mir die Luxusklasse gewünscht. Was mir dennoch ganz gut gefallen hat, ist dass das Leder sehr schön glänzt. Man könnte meinen, es hat einen leichten Brushed-Effekt. Daher gibt es gerade noch so 4 Sterne.

PS of Sweden „Paladin“ – Es juckt immer noch

 

Preis

„Equitus Alpha“ von Schockemöhle ★ ★ ★ ★ ✰
„Paladin“ von PS of Sweden ★ ★ ★ ✰ ✰
„Switch“ von Stübben ★ ★ ★ ✰ ✰

Eins vorab: keine der drei Trensen ist günstig. Und da keine der drei Modelle mit Zügeln geliefert wird, obwohl alle zwischen 250 und 350€ kosten, konnten hier keine 5 Sterne vergeben werden.

Die Equitus ist mit einem UVP von 249€ die günstigste Trense. Im Mittelfeld reiht sich die Paladin mit 299€ UVP ein. Die teuerste Trense ist die Switch mit 349€. Nimmt man sie jedoch ohne den Magic Tack Stirnriemen, kann man 50€ abziehen und kommt auf den gleichen Preis wie bei der Paladin, nämlich auf 299€. Wenn man bedenkt, dass man sie sowohl als Kandare, als auch als Trense verwenden kann, relativiert sich der Preis etwas.

PS of Sweden „Paladin“

 

Fazit

Eins vorweg: Wie bei jedem Zubehör, sollte die Trense zu Pferd und Reiter passen. Da wir alle keine Maschinen sind, ist kein allgemeingültiges Urteil möglich, es gibt nicht DIE ultimative Trense und jeder muss das für sich und sein Pferd passende Produkt finden. Manche Pferde mögen breite Genickstücke lieber, andere schmale. Manche kommen mit mehr Druck auf dem Nasenriemen besser klar, andere nicht. Manche Reiter mögen lieber einen modernen Look, andere den klassischen…

Für Fienchen und mich ist die Gewinnerin unseres Tests mit Abstand die Stübben Switch! Obwohl wir diese eher unbekannte Trense nur durch Zufall entdeckt haben, hat sie uns sehr schnell durch ihre hervorragende Qualität und die weiche Polsterung in Kombination mit ihrer anatomischen Form – insbesondere an Genickstück und Nasenriemen – überzeugt. Dass sie dabei auch noch sehr klassisch-elegant aussieht, freut mich als Dressurreiterin natürlich sehr. Außerdem haben wir uns, falls wir irgendwann mal die Kandarenreife erreichen sollten, die Anschaffung eines entsprechenden Zaums bereits gespart.

Fienchen läuft sehr entspannt und locker im Genick mit dieser Trense. Insbesondere im Schritt ist sie gefühlt in der Anlehnung konstanter und zufriedener geworden. Wo mit der alten Trense schon mal der ein oder andere unzufriedene Schritt in Richtung Pferdekopf (oder der Kopf in Richtung Huf) ging, bleibt sie nun eher bei mir. Damit war das Projekt Trensenkauf durchaus erfolgreich. Die alte rundgenähte Trense aus nicht pflanzlich gegerbtem Leder wird uns verlassen müssen und wir heißen das neue Familienmitglied Switch herzlich willkommen.

Lessa, Fienchen & die neue Trense

Dieser Testbericht steht in keiner Verbindung zu PS of Sweden, Schockemöhle oder Stübben und stellt lediglich die ehrliche Meinung der Autorin dar. Weder haben wir die Produkte gesponsert bekommen noch werden wir für diesen Beitrag in irgendeiner Weise bezahlt.

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)