Emmi, Reiten, Tagebücher
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Ein Leben ohne Reiten?

Ziemlich genau ein Jahr ist es jetzt her, dass ich mit dem Reiten aufgehört habe. Emmi wurde am 9. Mai 2017 besamt, 18 Tage später wurde festgestellt, dass sie trächtig ist. Danach bin ich sie nicht mehr geritten. Trotzdem war ich vorerst noch fast täglich im Stall, um sie anderweitig zu bewegen und von der Weide reinzuholen. Ich wollte Emmi eigentlich schon im April zur Besamung in den Aufzuchtstall, in dem sie und Fürstino aktuell stehen, bringen. Dort wäre sie in professionellen Händen gewesen und ich hätte mich entspannt zurücklehnen können. Das war schließlich der Gedanke hinter dem Besamen – ich wollte mich auf mein Examen konzentrieren und Emmi gut versorgt wissen, ohne sie reiten zu müssen. Leider wurde daraus nichts, da bei uns im Stall Druse ausgebrochen war und wir den Hof nicht verlassen konnten. Das Ganze zog sich von März bis August, bis ich Emmi endlich guten Gewissens umstellen konnte.

Ab da war es dann endlich so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das Pferd war weit weg, ich konnte meine Reitsachen auf dem Dachboden einmotten und bin einmal pro Woche zum Streicheln zu Emmi gefahren. Das mag jetzt furchtbar kaltherzig klingen, aber für mich war das so eine tolle neue Erfahrung. Ich wusste, dass es Emmi gut geht und sie endlich ein ganz natürliches Herdenleben führen konnte, bei dem ich für ihre Bewegung nicht mehr verantwortlich war. Im Oktober letzten Jahres konnte ich das erste Mal seit ich 12 Jahre alt bin, in den Urlaub fliegen, ohne dass ich vorher irgendetwas organisieren musste, was das Pferd betrifft. Plötzlich konnte ich ganz spontan am Wochenende wegfahren, ohne mich vorher mit meiner Reitbeteiligung abzusprechen oder eventuell noch eine Ersatzvertretung zu suchen. Für mich war das eine tolle neue Freiheit, die ich sehr genossen habe.

Im Dezember habe ich dann meine Examensklausuren geschrieben und direkt danach ging es bis Ende März dieses Jahres nach New York. Da das Examen in Verbindung mit den Vorbereitungen für NYC wirklich extrem zeitaufwendig war, war ich auch in dieser Zeit einfach froh, den Rücken frei zu haben und mich um alles Wichtige kümmern zu können. Während ich in New York war, habe ich Emmi natürlich vermisst. Der Druck des Examens fiel so langsam von mir ab und ich begann mehr und mehr darüber nachzudenken, wie es reiterlich weitergehen sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren das natürlich rein theoretische Überlegungen, denn ich hatte weder Reitsachen dabei noch besonders viel Lust bei -10 Grad zwei Stunden im Zug durch die Gegend zu fahren, um am Stadtrand von NYC für 100 Dollar pro Stunde reiten zu gehen. Zum Glück hat die Stadt genug anderes zu bieten, sodass ich zwar viel an Emmi gedacht habe, aber das Reiten so weit weg war, dass ich es nicht akut vermisst habe.

Seit ich zurück in Deutschland bin, hat sich das deutlich verändert. Ich hatte Ende April noch meine mündliche Prüfung, auf die ich mich wiederum voll und ganz konzentrieren musste und seitdem ist mir klar, dass ich dringend wieder aufs Pferd muss. Zwar gehe ich (einigermaßen) regelmäßig ins Fitnessstudio, unternehme viel mehr mit Freunden als früher und genieße es auch, Ruhe und Zeit für mich zu haben. Trotzdem hat mir Reiten als Sport einfach lange Zeit so viel Spaß gemacht, dass ich es nicht für immer aufgeben möchte. Nichts fordert so viel Konzentration, Einfühlungsvermögen und Körperbeherrschung gleichzeitig wie Reiten. Es ist für mich der einzige Sport, den ich nicht mache, um fit zu werden oder gut auszusehen, sondern einfach nur, weil er mir Freude macht.

In den letzten Jahren kamen bei mir einige unschöne Umstände zusammen und die Kombination hat dazu geführt, dass ich Emmi und das Reiten oft mehr als Last denn als Hobby empfunden habe. Um die positiven Seiten wieder zu sehen, war es absolut richtig zum ersten Mal in meinem Leben so eine lange, bewusste Pause einzulegen. Umso schöner ist es auch, jetzt ganz deutlich zu spüren, dass es an der Zeit ist, diese Pause zu beenden und wieder neu anzufangen. Daher bin ich sehr froh, dass ich ab sofort wieder regelmäßig reiten werde. Dazu wird es in den nächsten Tagen jedoch noch mal einen extra Beitrag geben.

 

4 Kommentare

  1. Mariola sagt

    Ein toller Artikel. Ich finde es total schön, dass du so ehrlich darüber berichtest. Ich persönlich kann diese Phase sehr gut nachvollziehen. Es gibt Phasen im Leben, da ist der zeitliche Aspekt eine riesige Belastung.
    Mich würde interessieren, hast du Sorge, dass der Frust und die mangelnde Motivation zurück kommt? Oder denkst du, dass es nur an dem Zeitmangel lag und die anderen Aspekte dadurch verursacht wurden?
    Ich bin total gespannt, was du nun von deiner Reitbeteiligung berichten wirst! Wirst du uns da eigentlich noch mehr erzählen? Wie gefunden, wie oft etc.? Auch spannend wird sicherlich sein, wie du das Leben als RB empfindest, wo du ja auch selber Besitzerin bist!
    LG

    • Hallo Mariola, vielen Dank für deinen Kommentar und das Lob 🙂 Ich denke schon, dass es immer wieder Phasen geben wird, wo ich weniger Lust habe und weniger Motivation zum Reiten. Ich werde aber versuchen, damit in Zukunft anders umzugehen. Indem ich hoffentlich eine Haltungsform für Emmi finde, bei der ich nicht täglich in den Stall muss, um sie zu bewegen. Und indem ich ein bisschen weniger streng mit mir selbst bin und mir auch erlaube, mal keine Lust zu haben und einen Abend zuhause zu verbringen. Dann staut sich vielleicht gar nicht erst so viel Frust an. Aber darüber, wie genau ich mir das in Zukunft vorstelle, wird auch noch mal ein Bericht kommen!
      Es wird auch noch einen Post über meine Reitbeteiligung geben und ich denke auch, dass es ganz interessant sein wird, plötzlich mal auf der anderen Seite zu stehen und aus einer anderen Perspektive zu berichten.
      Liebe Grüße
      Cathy

  2. Malin sagt

    Ein sehr schöner Artikel…ich kann ziemlich viel nachvollziehen, denn mir ging es in manchen Punkten ähnlich. Ich bin jetzt 14 Jahre alt und Reite seid dem ich 3 bin…mein erstes Pony hatte ich mit 9. sei war als erstes meine reitbeteiligung und dann wurde sie mein eigenes Pony…sie wurde letztes Jahr aber eingeschläfert. Für mich war klar: mit rieten aufhören geht auf Garkeinen Fall, daher habe ich Monate lang nach einem Pferd gesucht, was ganz auf meine Ansprüche passt. Ich hatte denn ein Pferd gefunden und bin zum probereiten hingefahren. Für mich hat es sich ab der ersten Sekunde passend angefühlt, also Kam er eine Woche später zu mir. Wir haben ziemlich viel zusammen gearbeitet… ich habe ihn an eine ganz andere reitweise ranführen müssen und ich habe mit ihm lange Zeit nur vom Boden aus gearbeitet, Dan er mit seinem Knie Probleme hatte. Letztes Jahr zum Winter hin war alles wieder ok und wir haben uns wieder langsam an das reiten angetastet. Anfang des Jahres konnte man ihn aber Garnicht mehr rieten, da er nur noch gestiegen ist und ales verweigert hat. Wir haben die alte Besitzerin kontaktiert und nach langem hin und her ist er vor 1 Monat wieder zurück gegangen und für mich stand fest: ich reite nie wieder! Doch das hat nicht so wirklich funktioniert, denn ich hatte mein Praktikum bei einer tierheilprakrikantin und so hatte ich viel Zeit mit Pferden…sie hatte am Hof auch Ponys und nah langen Gesprächen mit ihr über mich und wie mein Lebens weg weiter geht(da sie mich schon länger Kennt und sie auch mein Pferd behandelt hatte) hat sie mir das Angebot gemacht: bei ihr am Hof eine reitbeteiligung zu haben. Ich bin jetzt drei mal wöchentlich da und ich bin froh das ich nicht aufgehört habe, aber ich weiß das ich noch oft an eine Punkt kommen wärde, an dem ich mich frage ob es bildliche doch schlauere wäre aufzuhören…ich folge dir jetzt seit genau einem Monat auf Instagram und ich konnte mich von Anfang an in diene Situation rein fersetzten und es freut mich, das du auch weiter rieten möchtest und auch die Möglichkeit dazu hast. Ich freue mich bald mehr darüber zu hören.
    LG

    • Liebe Malin, danke für deinen lieben Kommentar! Das freut mich sehr, dass du es von Instagram bis hierher auf den Blog geschafft hast 🙂 Gut dass du dein Pferd zurückgeben konntest, ich finde spätestens beim Steigen wird es einfach zu gefährlich. Da sollte die eigene Sicherheit immer Priorität haben! Es war bestimmt auch für dich die richtige Entscheidung, noch nicht komplett aufzuhören. Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit deiner neuen Reitbeteiligung und möglichst wenig Stress und Probleme 🙂

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)