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Dressurtraining im Gelände

Um Verwirrungen vorzubeugen: Zwar ist der Beitrag von Wiebke geschrieben, auf dem Titelfoto seht ihr jedoch Theresa und den Zausel in Action, weil das Bild so gut zum Thema passte 🙂

Die Stoppelfeld-Zeit ist zwar schon beinahe vergangen, aber ich möchte das trotzdem zum Anlass nehmen, um die vielfältigen Möglichkeiten dressurmäßigen Trainings im Gelände zu beschreiben. Neben Stoppelfeldern gibt es außerdem auch noch viele andere Möglichkeiten, die man sich auch als Dressurreiter viel öfter zu Nutze machen sollte.

Zu allererst ist es meiner Meinung nach für jedes Pferd, egal ob Dressur-, Spring-, Vielseitigkeits- oder Freizeitpferd, wichtig, regelmäßig ins Gelände zu gehen. Hier werden neben der Abwechslung viele Fähigkeiten geschult. So lernen die Pferde mit unterschiedlichen Untergründen umzugehen, müssen  bei unwegsamem Gelände lernen, auf ihre eigenen Füße zu achten und sich selbst auf den Weg zu konzentrieren und nicht nur „in der Gegend herumzugucken“. Ich versuche immer so früh wie möglich (in Begleitung) mit Pferden raus zu gehen. Natürlich ist das Maß dessen, was man im Gelände arbeiten möchte, abhängig vom Alter und Ausbildungsstand des Pferdes.

Vielen jungen Pferden hilft es schon überhaupt im Gelände zu reiten, sie lernen viele äußere Umstände kennen, lernen sich davon nicht so sehr aus der Ruhe bringen zu lassen, lernen durchzuatmen und lernen, immer den Zug nach vorne zu behalten. Oft ist es auch so, dass junge Pferde sich auf einem Dressurviereck, das im Verhältnis zum Gelände recht klein ist, noch nicht 100% entfalten können. Auf einer großen Wiese, einem langen Waldweg oder einem Stoppelfeld ist das anders und viele Pferde haben dann mehr „Go“. Das kann man z.B. super für Tempi-Unterschiede nutzen und damit an der Durchlässigkeit arbeiten.

Diese Übung ist selbstverständlich auch für ältere bzw. weiter ausgebildete Pferde nützlich und hilfreich. Allgemein ist in meinen Augen der größte Pluspunkt an der dressurmäßigen Arbeit im Gelände, dass die Pferde mehr „Go“ haben. Das ist vor allem bei Pferden hilfreich, die bei der Arbeit im Viereck oder in der Halle etwas triebig sind oder gerne hinter den treibenden Hilfen bleiben – sei es, weil sie sich etwas bitten lassen oder weil sie sich festhalten bzw. etwas klemmig sind. Durch den vermehrten Vorwärtsdrang kann man einige Lektionen sehr gut im Gelände verbessern. Mein Pferd sprang beispielsweise im Viereck zwar fliegende Wechsel, aber wir hatten oft entweder zu wenig Spannung und die Hilfe kam nicht richtig durch oder es war zu viel Spannung im Spiel und es endete in wilder Bockerei. Er sprang zwar „irgendwie um“, aber es waren halt keine wirklichen fliegenden Wechsel. Im Gelände auf einem ebenen, langen Weg oder auf einem langen Stoppelfeld bin ich dann immer wieder fliegende Wechsel geritten. Für uns war das der Durchbruch, weil der Zug nach vorne da war, ich das Pferd viel besser vor den treibenden Hilfen hatte und durch das „Gelände-Umfeld“ war mein Pferd auch noch etwas elektrischer und hat meistens viel besser auf meine Hilfen reagiert als im Viereck. Sowas kann man natürlich nur im Gelände verbessern, wenn das Pferd zumindest schon verstanden hat, was es machen soll. Mit einer solchen Lektion im Gelände zu beginnen, halte ich nicht unbedingt für förderlich. Außerdem muss man aufpassen, dass man Pferde, die von Haus aus schon elektrisch und sehr eifrig sind, nicht noch hibbeliger macht.

Aber auch neben einigen Dingen, die man im Gelände gezielt verbessern kann wie eben z.B. die fliegenden Wechsel oder auch Verstärkungen, kann man einen Ausflug nach draußen auch in einen „Dressur-Ausritt“ umwandeln. Dafür braucht man zugegebenermaßen ein Ausreitgelände, was mehr hergibt als verschlungene Pfade und unebene Schotterpisten, aber zumindest für mich ist ein halbwegs vernünftiges Ausreitgelände wichtiges Kriterium bei der Stallwahl ;).

Übungen für so einen Dressur-Ausritt könnten beispielweise sein:

  • Auf einem breiteren, ebenen Weg von der einen Seite zur anderen Schenkelweichen lassen. Eine schöne Übung für schon weiter ausgebildete Pferde ist hierbei auch, dass man von der rechten auf die linke Seite den rechten Schenkel weichen lässt, dann ein paar Meter Schulterherein reitet und dann eine Rechtstraversale anschließt. Umgekehrt geht das natürlich genauso

  • Schulterherein, Travers und Renvers kann man in allen Gangarten und fast zu jeder Zeit immer wieder abprüfen
  • Halten und Rückwärtsrichten können auch immer problemlos mit eingebaut werden
  • Um zu überprüfen, wie gut das Pferd zwischen diesen Übungen wirklich bei einem ist, lasse ich auch immer wieder zwischendurch die Zügel aus der Hand kauen

Sicherlich gibt es auch noch tausend weitere Übungen, die sich im Gelände anbieten. Man muss hierbei aber auch immer achtsam sein, dass man den vermehrten Vorwärtsdrang, den die meisten Pferde draußen haben und die Freude daran nicht durch zu viel Arbeit bremst. Es gilt (wie eigentlich bei jedem Training) immer wieder Pausen zu machen und das Pferd durch Entspannung zu loben. Sonst läuft man Gefahr, dass der Ausritt, den man macht, weil das Pferd ja Spaß dran hat, irgendwann doch keinen Spaß mehr macht.

Was ich außerdem statt eines Dressur-Ausrittes wirklich gerne zur Stoppelfeld-Zeit mache, ist einfach das Training auf ein solches zu verlegen. Ein größeres und schöneres Dressurviereck gibt es einfach nicht!

Wie seht ihr das? Nutzt ihr Ausritte auch gerne für die Dressurarbeit oder entspannt ihr lieber im Wald?

Kategorie: Allgemein, Dressur, Reiten

von

26 jährige Niedersächsin, deren Herz für's Dressurreiten schlägt - reitet aber auch gerne Springen und Vielseitigkeit und hat viel Spaß an Jungpferdeausbildung

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