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Wie läuft das Antrainieren mit Emmi?

Ihr hattet euch gewünscht, dass ich euch auf dem Laufenden halte, wie das Antrainieren mit Emmi läuft. Nach einem guten Monat kommt daher jetzt das erste Update!

Nach unserem Umzug am 1. Dezember habe ich natürlich erstmal ganz entspannt mit Longieren am Halfter angefangen. Allerdings zeigte sich schon in den ersten Tagen, dass unsere kleine Halle, in der man longieren kann, ziemlich gut gebucht ist und man nicht immer einen Platz bekommt. Daher saß ich bereits nach wenigen Tagen das erste Mal wieder auf Emmi und das Gefühl war unbeschreiblich! Auch Emmi war plötzlich wach und motiviert und schien sich total zu freuen, dass es wieder losgeht.

Ich habe dann angefangen, immer abwechselnd einen Tag zu reiten und einen Tag zu longieren. Wobei ich beim Reiten anfangs sehr vorsichtig war. Um Emmi nicht direkt so sehr zu belasten, habe ich vorher immer Schritt geführt oder in die Führanlage gestellt, damit sie sich ohne Reitergewicht schon etwas aufwärmen konnte. Dann bin ich ein paar Runden getrabt und auf jeder Hand eine Runde galoppiert und danach hatte ich auch schon das Gefühl, dass Emmi langsam müde wurde. Insgesamt waren es 5-10 Minuten „Arbeitsphase“. Problematisch war zunächst, eine konstante Anlehnung herzustellen, weil Emmi sich sehr verkrochen hat und nicht an die Hand heran zog. Auch hat sie sich anfangs stark verworfen, ein Problem, das sie schon immer hat und das wohl durch verspannte Muskulatur im genick ausgelöst wird. Die Anlehnung und auch das Verwerfen wurde aber von Mal zu Mal besser. Da der Dezember sehr mild war, bin ich ganz viel ins Gelände geritten, da sie dort von sich aus mehr zog und wir so ganz entspannt etwas Kondition aufbauen konnten. Ende Dezember war ich so bei 15-20 Minuten Trab und Galopp angekommen, alles ganz locker, keine Versammlung oder Lektionen, sondern einfach nur ganze Bahn und Zirkel. Die meiste Zeit bin ich Trab-Galopp-Übergänge geritten, da sie dabei am besten loslässt und in Schwung kommt. Dabei habe ich natürlich versucht, sie schon etwas mehr gerade zu richten und vor allem Zug an die Hand von hinten nach vorne zu bekommen.

Letztes Wochenende haben wir Emmi geschoren und damit einhergehend arbeite ich sie jetzt etwas intensiver. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, immer zwei Tage zu reiten und den dritten Tag dann zu longieren. Da sie zu Beginn der Trainingseinheiten meistens noch etwas klemmig ist, galoppiere ich relativ früh an und reite erstmal auf beiden Händen im leichten Sitz richtig vorwärts. Anschließend kommen dann Übergänge dazu, um die Durchlässigkeit zu verbessern. Wenn sie erstmal loslässt, zieht sie mittlerweile schon wieder sehr schön nach vorne, die Anlehnung ist konstant und sie verwirft sich nicht mehr. Mein Fokus liegt jetzt darauf, sie langsam etwas mehr auf die Hinterhand zu setzen und vorne aufzurichten. Daher nehme ich nun langsam auch versammelnde Lektionen ins Programm auf wie Schulterherein, Travers, Zirkel verkleinern und Außengalopp. Emmi ist mit großem Eifer dabei und setzt alles ganz toll um. Das wiederum macht mir so viel Freude, dass ich beim Reiten oft einfach nur grinsen muss, weil es so viel Spaß macht.

Ich reite aktuell ausschließlich im Springsattel, weil ich noch keinen Dressursattel habe und komme damit auch gut zurecht. Ehrlich gesagt nimmt mir der Springsattel den Perfektionismus und ich reite dadurch sogar teilweise entspannter und besser als im Dressursattel. Das habe ich 2017 festgestellt, als wir ein bisschen fest steckten in der Dressurarbeit und ich ziemlich frustriert war mit allem. Damals bin ich nur noch im Springsattel geritten und habe gemerkt, dass mir das sehr gut tat. Ich bin einfach insgesamt gelassener geritten und habe mich nicht verrückt gemacht, wenn Emmi mal eine Runde nicht gut lief oder ein Übergang nicht so schön war. Wenn man mit Kandare und Dressursattel in der Halle aufläuft, impliziert das für Außenstehende direkt, dass man Dressurreiter mindestens auf L-Niveau ist. Wenn ich im Springsattel reite, erweckt das den Eindruck, ich sei Springreiter und niemand erwartet, dass man nun mit perfekten Traversalen und Serienwechseln brilliert. Eigentlich total bescheuert, denn die Menschen im Stall kennen einen nach einiger Zeit ja sowieso und ich bin generell kein Typ, dem es wichtig ist, was die Leute an der Bande denken, aber irgendwie fühlt es sich für mich so an. Vielleicht versteht ihr, was ich meine?

Ich bin jedenfalls wahnsinnig froh, dass ich meine Emmi noch habe und dass ich mich entschieden habe, sie wieder anzuschieben. Ich hoffe, dass Antrainieren verläuft weiterhin so positiv und Emmi bleibt möglichst lange gesund und fit. Sie macht mir jeden Tag so viel Spaß und Freude und es wäre schade gewesen, sie schon jetzt für immer auf der Weide zu lassen. Sie wird sicherlich kein Lampenaustreter mehr und wir werden den Traum von der M-Platzierung vielleicht nicht mehr realisieren, aber dennoch ist sie einfach (m)ein Traumpferd. Nach mittlerweile fast 11 gemeinsamen Jahren verstehen wir uns blind und ich weiß mittlerweile auch, dass an unsere Bindung so schnell nichts rankommt. Wir beide sind einfach ein richtig gutes Team und das hätte ich vor lauter Ehrgeiz und Perfektionismus beinahe vergessen.

Die Fotos sind in einem Shooting mit Jurina Zwirner Ende Dezember entstanden. Schaut gerne mal auf Jurinas Website vorbei: http://www.jurina.de/

Kategorie: Allgemein, Emmi, Tagebücher

von

27 Jahre, lebt zusammen mit Emmi und ihrem Fohlen Fürstino in Hamburg und berichtet auf HorseDiaries über die Höhen & Tiefen im Leben eines Pferdebesitzers.

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)