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Eine eigene Reitsportmarke gründen – Interview mit Nele Obst von Kudamono

Ich freue mich sehr, euch heute einen neuen Partner für Horse Diaries vorzustellen, der mich als Bloggerin ab sofort unterstützen wird. Es handelt sich dabei um eine junge Hamburger Marke, die ich schon etwas länger beobachte – Kudamono. Vielleicht sind euch die Teile auf den Fotos aus dem Shooting mit Jurina Zwirner bereits aufgefallen.

Kudamono wurde 2016 von Nele Obst gegründet. Wir haben uns auf der Pferd & Jagd persönlich kennengelernt und festgestellt, dass wir nicht nur beide in Hamburg zuhause sind, sondern auch noch fast im gleichen Stadtteil leben. Ich hatte auf der Messe die Gelegenheit, mich von den Produkten persönlich zu überzeugen und auch schon das ein oder andere Teil anzuprobieren. Die Sachen von Kudamono haben mir schon im Online Shop gut gefallen und das hat sich dann auch in der Realität bestätigt. Daher freue ich mich riesig, dass wir von nun an zusammenarbeiten werden.

Reithose Sveja II Full Grip

Eine eigene Reitsportmarke zu gründen und Reitmode selbst zu designen, klingt für mich nach einem absoluten Traumjob. Vielleicht geht es euch ähnlich? Ich habe Nele, der Gründerin von Kudamono, einige Fragen zu diesem Thema gestellt.

Stell dich doch bitte einmal kurz vor! Wer bist du, woher kommst du und in welchem Bereich bist du als Reiterin aktiv?

Ich heiße Nele Obst, komme ursprünglich aus der Nähe von Frankfurt, habe dann viele Jahre in Süddeutschland gelebt und vor ca 6 Jahren hat es mich der Liebe wegen in den hohen Norden nach Hamburg verschlagen. Überzeugtes Ponymädchen bin ich schon von klein auf. Inzwischen bin ich in der Vielseitigkeit unterwegs, am allerliebsten bin ich draußen und auf dem Geländeplatz.

Wusstest du schon immer, dass du im Bereich Mode arbeiten möchtest? Was war dein Einstieg in die Modewelt?

Nicht wirklich, nach dem Abitur wollte ich eigentlich Kunst studieren. Nachdem ich ständig zu hören bekam, dass das eine brotlose Angelegenheit sei, habe ich mich entschlossen, als Alternative Modedesign zu studieren. Ich habe in München studiert, dann hatte ich meinen ersten Job bei der Firma Drykorn, danach bin ich zu Marc O’Polo gekommen. Schon bei Drykorn habe ich mein Lieblingsthema entdeckt: Denim! Ich liebe Jeansstoff in allen Facetten!

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine eigene Reitsportmarke zu gründen?

Für Marc O’Polo habe ich viele Jahre die Jeanskollektion entworfen, dadurch habe ich sehr viel Zeit in Jeanswäschereien und vor Ort bei den Lieferanten verbracht, außerdem habe ich mich ganz intensiv mit dem Thema Passform auseinandergesetzt. Dann hat sich in letzter Zeit auf dem Markt der Stoffentwicklung viel getan, es gibt inzwischen hochelastische Stoffe, die nicht mehr ausleiern, aber trotzdem nach echtem Denim aussehen- ziemlich ideal für Reithosen!

Ich bin ein Fan von Jeansreithosen, habe aber nie die Perfekte gefunden, dadurch ist so langsam die Idee entstanden, mein Vorwissen zu nutzen und selbst welche zu produzieren.

Dazu kam, dass ich inzwischen in Hamburg lebte und jeden Montagmorgen nach München flog und Ende der Woche wieder zurück. Das war auf Dauer auch sehr anstrengend.

Was waren für dich persönlich die größten Herausforderungen bei der Unternehmensgründung?

Erstmal überhaupt den Mut aufzubringen, einen tollen Job mit großartigem Team für ein sehr ungewisses Projekt aufzugeben. Damit habe ich am längsten gehadert. Hinzu kommt, dass in Deutschland die Gründermentalität nicht besonders verbreitet ist, plötzlich ist man überall von Bedenkenträgern umgeben. Von einer Neugründung im Bereich Mode/Reitsport wird einem eigentlich überall abgeraten. Hier haben mir besonders meine Mitgründer geholfen: mein Bruder und mein Mann, die beiden unterstützen mich seelisch und mit Rat und Tat von Anfang an.

Für mich persönlich war es auch am Anfang sehr schwierig, so viel allein zu arbeiten. Ich komme aus einer großen Familie, in meiner alten Firma waren wir ein großes Team, ich war einfach nicht gewohnt, so lange alleine am Schreibtisch zu sitzen. Dazu kommt, dass es in einer großen Firma auch eine sehr gute Infrastruktur gibt, als Startup muss man sich aber plötzlich auch mit ganz banalen Themen, wie z.B. dem Produktversand mit UPS, auseinandersetzen. Das kostet alles sehr viel Zeit und man muss sich sehr gut organisieren, damit man die Prioritäten nicht aus den Augen verliert.

Woher kommt der Name Kudamono und was steckt hinter dem Logo?

Der Name ist ein bisschen aus der Not heraus entstanden, wir hatten eigentlich einen ganz anderen Namen im Sinn. Aber der erste Besuch beim Markenrechtsanwalt hat uns dann schnell auf den Boden der Tatsachen gebracht. Er ist nämlich ziemlich schwierig, einen Namen zu finden, der noch nicht in irgendeiner Form geschützt ist. Als wir schon sehr verzweifelt waren, sagte mein Mann, ich solle doch mal googlen, was Obst (unser Nachname) auf japanisch heißt. Er hat eine japanische Mitarbeiterin, die Ihn manchmal Mr. Kudamono nennt. Uns hat der Klang und das Schriftbild gefallen, geschützt war er auch noch nicht, so sind wir bei unserem Namen gelandet.

Unser Logo, unsere „horsefly“, ist eine stilisierte Pferdebremse. Das war die Idee unserer Grafikagentur. Wir wollten ein Logo, das hübsch ist, vielseitig einsetzbar und nicht unmittelbar sofort nach Reitsport aussieht. Als die Agentur die Bremse vorschlug, habe ich erstmal erklärt, wie sehr Reiter Pferdebremsen hassen. Das wusste die Agentur natürlich auch schon, aber sie haben mich trotzdem dazu gebracht, mir diese Tierchen mal genauer anzusehen. Und siehe da, die kleinen Biester mit ihrer symmetrischen Form sind aus der Nähe betrachtet eigentlich wirklich schön!

Das Logo von Kudamono

Was ist das Besondere an Kudamono?

Kudamono ist schlicht, hochwertig und cool. Wir nennen das „Premium Casual Equestrian Wear“. Unsere Outfits kannst Du problemlos den ganzen Tag tragen, zum Einkaufen im Supermarkt, im Büro… Aber auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht: alle Teile sind so entwickelt, dass sie auch wirklich sehr gut zum Reiten funktionieren.

Wo werden die Teile produziert? Worauf achtest du bei der Auswahl der Produktionsstätten?

Unsere Teile werden fast alle in Italien produziert, in kleinen Betrieben, die auf hochwertige Verarbeitung spezialisiert sind. Mir ist sehr wichtig, alle Produzenten persönlich zu kennen um sicher zu gehen, dass sie nachhaltig und unter fairen Bedingungen arbeiten. Viele Partner kenne ich schon viele Jahre durch meine Arbeit für Marc O’Polo. Produktion in Europa ist natürlich deutlich teurer als in Fernost, aber wir sind überzeugt, dass auch für unsere Kunden dieser Aspekt immer wichtiger wird. Diesen Sommer haben wir sogar unser erstes Teil hier in Deutschland produziert!

Welches ist dein persönliches Lieblingsteil?

Das ist einfach: unsere Jeansreithose Sveja! Paßt einfach zu allem, ist super bequem, hab ich oft den ganz Tag an.

Als Designerin muss man sehr kreativ sein, funktioniert das immer auf Knopfdruck? Woher nimmst du deine Inspiration? Hast du Angst, dass dir irgendwann nichts Neues mehr einfällt?

An Ideen hat es mir noch nie gemangelt, nur die Zeit zur Umsetzung ist leider oft knapp. Ich reise sehr gern, bin viel in Städten und auf Ausstellungen unterwegs. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, kommen die Ideen von überall. Ich habe immer ein Notizbuch dabei, dann kann ich mir schnell eine Skizze oder eine Notiz machen und vergesse die Idee nicht gleich wieder. Die meisten Ideen fallen mir übrigens abends im Bett kurz vor dem Einschlafen ein.

Wo siehst du dich und Kudamono in 5 Jahren?

Ich möchte, dass in 5 Jahren jeder, der an das Wort Jeansreithose denkt, sofort Kudamono im Kopf hat. Und ich hoffe sehr, dass ich meinen Job dann immer noch so sehr liebe wie jetzt!

Hoodie & Jeansreithose von Kudamono

4 Kommentare

  1. Hallo Cathy

    Könntest Du nach entsprechender Testphase mal einen Bericht über diese Reithose(n) schreiben? Ich suche seit Jahr und Tag nach einer schönen Jeansreithose, die passt und bequem ist und nicht wie von Ed Hardy aussieht.. 😀
    Finde das Design von Neles Hosen echt ansprechend und es würde mich interessieren, wie die im Praxistest standhalten 🙂

    Alles Liebe für Dich und Deine Pferde!

    • Huhu, einen richtigen Testbericht habe ich nicht geplant, aber ich kann dir schon mal ein paar Dinge sagen, die dir vielleicht helfen :-). also die Hose ist aus eher festem Jeansstoff und nicht nur Jeansoptik und von der Qualität her wirklich toll, man merkt dass alles sehr gut verarbeitet wurde. Der Stoff am Bund ist trotzdem sehr elastisch, wenn du zwischen zwei Größen stehst, würde ich eher die kleinere empfehlen, da sie sich bei mehrmaligem Tragen auch etwas weitet. Die Bundhöhe ist normal, nicht hüftig, aber auch nicht so hoch wie bei anderen Hosen. Der Grip Besatz gibt guten Halt, man sitzt aber nicht so fest in den Sattel geklebt wie bei anderen Hosen.
      Vielleicht hilft dir das ja schon ein bisschen!

      Ganz liebe Grüße

        • Sehr gerne 🙂 Bei Fragen schreib mir gerne jederzeit! Vielleicht bist du ja bald mal auf einer Messe/einem Turnier, auf dem Nele ausstellt und kannst die Sachen dort mal live begutachten!

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)