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Fesselträgerschaden oder Wie ein Wort alle unsere Pläne zerstörte

Viele von euch haben es bestimmt schon auf Facebook oder Instagram gelesen – Emmi hat einen Fesselträgerschaden und fällt mindestens ein halbes Jahr aus. In diesem Blogpost möchte ich euch noch einmal genau darüber berichten, wie es dazu kam und wie die letzten Wochen für uns abliefen.

Das ganze Drama ging irgendwann Ende März los. Ich wollte nur schnell am Halfter longieren und merkte, dass Emmi nicht ganz sauber lief. Besonders auf der rechten Hand auf einem kleineren Zirkel war eine deutliche Lahmheit zu sehen. Erstmal war ich ganz positiv und dachte, sie hat sich sicherlich nur irgendwie vertreten. Schließlich war sie in den 11 Jahren, die ich sie habe, noch nie ernsthaft lahm. Daher habe ich ihr zunächst eine Woche Pause gegönnt. Als ich sie danach wieder an die Longe nahm und antrabte, war zwar noch eine Lahmheit zu sehen, aber wirklich nur minimal. Nach Rücksprache mit dem Tierarzt bekam sie ein entzündungshemmendes Pulver und eine weitere Woche Ruhe verordnet. Als ich sie 10 Tage später wieder longierte, schien alles wieder gut zu sein. Ich war sehr erleichtert und froh, dass es nichts ernsthaftes war.

Daraufhin stand dann zwei Tage Schritt und Trab unter dem Reiter an. Am dritten Tag hatte ich schon ein etwas merkwürdiges Gefühl in den Wendungen. Ich hatte aber keinen Spiegel zur Verfügung und dachte mir, ich würde es mir sicher nur einbilden. Danach hatte sie einen Tag frei und als ich am folgenden Tag wieder im Stall war, war es eindeutig: Emmi lahmte wieder. Daraufhin war mir klar, dass ich um eine umfangreiche Diagnostik nicht herumkommen würde. Ich rief also bei Herrn Dr. Rademacher an, der bei uns in der Region als absoluter Spezialist für Lahmheiten gilt. Leider ist er auch entsprechend gebucht, daher war die Terminvereinbarung schwieriger als gedacht. Wir sollten ungefähr zehn Tage auf unseren Termin warten. Leider wurde dieser langersehnte Termin dann von Herrn Rademacher kurzfristig abgesagt. Das war deshalb besonders blöd, weil ich direkt danach für zwei Wochen in den Urlaub geflogen bin. Da ich bei dem Termin gerne dabei sein wollte, bekam Emmi zwei weitere Wochen Schritt verordnet und wir machten einen neuen Termin für die Woche nach meinem Urlaub ab. Da Schrittpause bei einer Lahmheit grundsätzlich nicht schaden kann, hatten wir in dem Sinne keine Eile. Ich wollte aber natürlich endlich wissen, was los ist.

Während meines Urlaubs war Emmi dann schon wieder lahmfrei. Daher ritt ich die Tage nach meinem Urlaub vor dem Termin Schritt und auch ein paar Runden Trab. Den Termin wollte ich aber trotzdem durchziehen, da es ja nun schon zwei Mal so gewesen war, dass sie kurz lahmfrei war und es dann wiederkam. Zum Glück, denn einen Tag vor dem Termin lief sie wieder nicht klar und mir schwante mittlerweile, dass wir wohl keine harmlose Diagnose bekommen würden.

Als der Tierarzt dann endlich da war, mussten wir erst Vortraben auf weichem Boden und dann noch an der Hand auf hartem Boden. Anschließend wurde noch gebeugt. Es zeigte sich zwar eine leichte Lahmheit hinten rechts, aber vom klinischen Bild her nichts dramatisches. Anschließend stand dann Ultraschall auf dem Plan. Ein Röntgenbild des betreffenden Beins hatte ich schon Anfang Januar machen lassen, weil das Bein, seitdem ich Emmi reingeholt hatte, immer etwas angelaufen war. Nur einen Ultraschall hatten wir im Januar nicht gemacht – schließlich kam Emmi gerade von einer 1,5jährigen Weidepause und zeigte zu dem Zeitpunkt auch noch kein Anzeichen irgendeiner Lahmheit. Daher hielt ich eine Sehnenverletzung für sehr unwahrscheinlich. Tja lange Rede kurzer Sinn, der Ultraschall ging los, die Miene des Tierarztes wurde plötzlich ernster und da hatten wir auch schon unsere Diagnose – Fesselträgerschaden.

Meine schlimmste Befürchtung wurde wahr. Seit es dieses dicke Bein gab, hatte ich immer ein ungutes Gefühl. Ich (und auch meine Freunde) redeten mir allerdings ein, die Schwellung läge sicherlich an der alten Mauke-Stelle an dem Bein, die noch nicht richtig verheilt ist. Ich wollte das gerne glauben und weiß auch, dass ich eher zu Übervorsichtigkeit neige und mich bei solchen Dingen nicht verrückt machen darf. Trotzdem blieb irgendwie ein schlechtes Gefühl.

Der Tierarzt erklärte mir, dass es mehrere Schäden seien, sowohl ältere Verletzungen als auch eine neuere. Die älteren Verletzungen waren auf jeden Fall schon vor dem Antrainieren da und die neue sei vermutlich dabei dazu gekommen. Der Ursprung sei nicht betroffen, was schon einmal positiv sei. Grundsätzlich seien die Heilungsschancen gut, ich müsste jedoch mit 3-6 Monaten Pause rechnen. Für mich war eine Sache direkt klar – es wird keinen monatelangen Boxenknast für Emmi geben. Das tue ich weder ihr noch mir an. Der Tierarzt hatte dafür auch Verständnis und sagte, eine Weidepause sei in dem Fall eine gute Möglichkeit. Es gäbe auch die Möglichkeit eine Lasertherapie zu machen, damit habe er sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch da war mir jedoch relativ schnell klar, dass ich das nicht möchte. Weder die 1800€ noch der mehrwöchige Klinikaufenthalt waren eine echte Option für mich.

Emmi ist kein 6jähriger Turnierkracher, den ich gerade für viel Geld gekauft habe und der Leistung bringen muss, sondern sie ist bereits seit 11 Jahren an meiner Seite und hat genug geleistet und durchgemacht in ihrem Leben. Entweder sie wird auf natürlichem Wege wieder gesund und belastbar oder eben nicht. Daher wusste ich also schnell, wie ich mit der Diagnose umgehen wollte. Das ändert jedoch nichts daran, dass ich sehr sehr traurig und enttäuscht war und die letzten Wochen für mich wirklich hart waren. Ich hatte mich so sehr gefreut, Emmi wieder anzutrainieren. Ich habe gemerkt, wie viel Spaß wir zusammen haben und wie gerne ich sie reite. Wir kennen uns in- und auswendig und ich kann mir mittlerweile kein besseres Pferd mehr vorstellen. Wir sind in den letzten Monaten enger zusammengewachsen als je zuvor und ich war einfach dankbar, so ein tolles Pferd an meiner Seite zu haben. Umso schmerzhafter war es dann, einzusehen, dass ich sie diesen Sommer definitiv nicht mehr reiten werde und vielleicht sogar nie mehr.

Mir war auch erstmal nicht danach, darüber so ausführlich zu schreiben. Daher hat dieser Beitrag etwas länger auf sich warten lassen. Natürlich habe ich mir auch Vorwürfe gemacht, dass ich nicht schon früher eine umfangreiche Untersuchung des Beins gemacht habe, obwohl es permanent leicht angelaufen war. Aber ich habe daraus gelernt und in Zukunft werde ich wieder vorsichtiger sein. Die Kosten für eine Diagnose stehen nämlich in keinem Verhältnis zu diesem ewigen Rumdoktern, das nicht nur an den Nerven zehrt, sondern auch mindestens genau so viel Geld kostet. Hätte ich direkt im Januar einen Ultraschall gemacht, ich hätte mir drei Monate teure Stallmiete, meinen neuen D1, diveres Zubehör und Unterrichtsstunden sparen können – eine große Menge Geld also.

Mittlerweile hatte ich zum Glück ein paar Wochen Zeit, um die Diagnose zu verdauen und zu verarbeiten und mir weitere Gedanken zu machen. Damit es hier nicht allzu lang wird, werde ich noch einen extra Blogpost darüber schreiben, wie es mir mit der aktuellen Situation geht und wie meine reiterlichen Pläne für die nächste Zeit aussehen.

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28 Jahre, lebt zusammen mit Emmi und ihrem Fohlen Fürstino in Hamburg und berichtet auf HorseDiaries über die Höhen & Tiefen im Leben eines Pferdebesitzers.

1 Kommentare

  1. Blanca sagt

    Ich bin gespannt, wie es weiter geht! Aber ich glaube daran, dass Emmi wieder fit wird!

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)