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Warum kaufst Du dir denn ein Pony?

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, welches mich ziemlich lange beschäftigt hat und bei dem es vermutlich noch einigen Erwachsenen genau so geht wie mir:

Als ich mich 2012 dazu entschlossen habe, mir ein zweites Pferd zu kaufen, war für mich ganz klar: Es sollte kein Großpferd mehr sein. Ich suchte ganz gezielt nach einem Deutschen Reitpony und bin in vielen Gesprächen auf Unverständnis gestoßen.

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Für viele Teenies gehört der Umstieg vom Pony aufs Großpferd mit zur Reiterlaufbahn. Ich hatte damals zwar andere Beweggründe, bin allerdings auch von einem Pony auf ein großes Pferd umgestiegen. Noch heute bereue ich diese Entscheidung sehr, habe ich mich doch auf den Großen nie wirklich wohl gefühlt.

Das Handling mit einem großen Pferd als kleiner Mensch ist gerade im Alltag so manches Mal eine Herausforderung. Nicht selten benötige ich einen Hocker um meine große Hannoveraner Stute, Wayana, „zu bedienen“, selbst die Rückenpartie ordentlich zu putzen, ist ohne Tritt nicht wirklich möglich. Beim Satteln habe ich mich regelmäßig ziemlich doof angestellt und wenn das Pferd während der jugendlichen Testphase beim Auftrensen mal den Kopf in den Himmel streckt, verhungert man auch da als kleiner Mensch gnadenlos!

Da ich gerne ausreite und Wayana zu ihrer Reitpferdezeit nicht sonderlich einfach im Gelände war, musste ich desöfteren absteigen. Befand sich dann in unmittelbarer Nähe kein großer Stein oder Baumstamm, musste ich einige Strecken zu Fuß zurück legen. Vielleicht wäre ich sogar mit Ach und Krach aufs Pferd gekommen, hätte mich allerdings mit meinem kompletten Gewicht in den Steigbügel hängen müssen und das ist ja bekanntlich nicht nur für rückenkranke Pferde ungesund.

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Auch bei der Dressurarbeit hatte ich oft das Gefühl, die Bewegungsabläufe eines Großpferdes sind nicht so kompatibel mit meinem Körper, ich bekam auch die 600 Kilo nicht richtig „gepackt“ und meine Beinchen endeten kurz unter dem Sattelblatt, sodass es immer etwas sonderbar aussah.  Nach einigen Pro und Kontra-Listen stand der Entschluss fest: Ein Pony ist definitiv die klügere Entscheidung.

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Jetzt, im täglich Umgang mit meinem Pony merke ich, dass es wirklich viel einfacher ist. Vor Tierarztbesuchen brauche ich nicht mehr hoffen, dass jemand zum Helfen da ist, denn das Pony halte ich auch alleine. Ich kann putzen und machen und tun, ohne einen Hocker. Im Notfall könnte ich auch problemlos ohne Hilfe aufsteigen und meinem Rücken geht es auch nach dem Reiten viel besser! Das allerbeste ist aber eigentlich, dass ich mich selbst in grenzwertigen Situation nicht mehr so unwohl fühle. Geht mir meine wilde Blondine also mal bockend durch, sitze ich das in den meisten Fällen locker weg und bekomme nicht gleich Angst. Das macht es natürlich leichter und man schaukelt sich nicht gegenseitig hoch. Auch in der Dressurarbeit stehen die Kleinen den Großen in nichts nach. Es gibt unzählige erfolgreiche Reitponys mit Erwachsenen auf Turnieren und das liegt mit Sicherheit nicht nur an den Richtern, die endlich mehr Toleranz zeigen und das Denken „Erwachsene gehören auf Pferde“ in eine Schublade gesteckt haben, sondern viel mehr an Ponys, die mit ihrer Qualität locker mit großen Pferden mithalten können!

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Trotzdem gibt es eben viele die einen komisch ansehen, das „kleine süße Pony“ als dicken Rasenmäher abstempeln und mich manchmal fragend ansahen, als ich von meinen Plänen und Zielen mit meinem Pony sprach. Auf dem Turnier hätte ich schließlich eh keine Chance gegen die Großen. Eingeschüchtert war ich über solche Sprüche nie. Man muss sich als Ponyreiter einfach bewusst machen, was für Qualitäten die Kleinen mit sich bringen und das bezieht sich nicht nur auf die Grundqualität, sondern auch auf Charakter, Vielseitigkeit und das groooße, mit viel Kampfgeist, Witz und Eifer ausgestattete Ponyherz.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ihr seid kleine Erwachsene und sehnt euch insgeheim nach einem Pony? Packt eure Zweifel beiseite und tut das, was euer Herz euch sagt! Ihr werdet belächelt weil ihr mit einem Pony glücklich seid? Lächelt zurück und macht euch bewusst, dass diese Menschen vermutlich noch nie das Glücksgefühl auf einem Pony erleben durften.

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Kategorie: Allgemein, Pferde, Reiten

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29 Jahre, Kommunikationsdesignerin Schwerpunkt Editorial und Fotografie, Frischluftfanatiker, am liebsten in Begleitung ihrer Fellnasen.

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