Neueste Artikel

Jeanys November – Wenn mal wieder alles anders kommt…

Kalenderwoche 47 – Jeanys November

Niedersachsen, nass, kalt und nur sehr selten sonnig.

Besonders gefreut habe ich mich diesen Monat über:

Besonders gefreut habe ich mich diesen Monat über die schönen Fotos, die eine liebe Freundin von Jeany und mir gemacht hat. Die letzten Fotos stammen noch aus der Zeit der Rapsblüte, dazwischen gab es leider keine weitere Gelegenheit für schöne Fotos.

Darüber habe ich mir Sorgen gemacht:

Leider hat unsere Reitbeteiligung recht überraschend gekündigt. Ihr könnt euch vorstellen, dass uns das doch ein kleines bisschen ins Wanken bringt. Ich hatte ja am Anfang des Jahres nach einer Person gesucht, die sich zuverlässig und langfristig um Jeany kümmern möchte, weil sie sich einfach super schwer tut, sich auf neue Menschen einzulassen und mir einfach die Zeit fehlt, wieder und wieder Jeany neuen Leuten bekannt zu machen. Leider habe ich sehr naiv daran geglaubt, auch langfristig einen zweiten Menschen für das Ponykind zu finden. Natürlich hält auch das Leben bei anderen Menschen immer wieder Überraschungen bereit, nicht nur bei mir, weshalb es aus persönlichen Gründen nun leider für unsere RB nicht mehr passt. Ich bin sehr traurig darüber, weil es Jeany sehr gut ging mit ihr und die zwei auch wirklich gut zusammen passten. Nun heißt es erstmal sortieren und mir klar darüber werden, was ich mir in Zukunft für Jeany vorstellen kann. Darüber werde ich euch aber im nächsten und letzten Monatsbericht ganz genau berichten.

Dafür habe ich unerwartet Geld ausgegeben:

Wir haben in diesem Monat das erste Mal Schneegrip unter die Eisen genagelt. Unerwartet deshalb, weil es ja schließlich immer ganz plötzlich Winter wird…. 😀

Wenn Jeany noch etwas sagen könnte:

Ich brauche Schwimmflügel und würde eigentlich viel lieber in meiner Box bleiben.

Alle Jahre wieder – Das Thema Eindecken

Wir haben November, die Tage sind schon merklich kürzer geworden, die Temperaturen kälter und das Laub fällt langsam von den Bäumen. Längst sind die meisten Pferde eingedeckt, zumindest die, die sowieso und auf jeden Fall den ganzen Winter eingedeckt sein werden. In der Hoffnung, sie würden weniger Fell schieben, haben viele bereits ganz früh angefangen einzudecken und schon Anfang September standen die ersten Pferde in ihren Wintermänteln auf der Weide.

Es gibt viele gute Gründe dafür, sein Pferd einzudecken. Aber es gibt ebenso viele sehr gute Gründe es nicht zu tun. Und wie bei fast allen Dingen sollte die Entscheidung, ob ein Pferd eingedeckt werden sollte oder nicht, immer eine individuelle sein, denn jedes Pferd ist anders, jede Haltungsform bietet eine andere Entscheidungsgrundlage, jede Nutzungsform des Pferdes stellt andere Ansprüche an die Fellbeschaffenheit der Tiere.

In vielen Gesprächen mit anderen Reitern drängt sich mir aber immer wieder das Gefühl auf, dass diese Entscheidung nicht wirklich individuell getroffen wird, sondern das Eindecken mittlerweile so selbstverständlich dazu gehört wie das Hufeauskratzen. Kaum einer stellt sich überhaupt die Frage, ob eine Decke sinnvoll und nötig ist, sie gehört zur Standardausrüstung eines JEDEN Pferdehalters, genauso wie Halfter, Sattel und Trense. Es haben wohl sogar mehr Pferde eine Decke, als sie Trense und Sattel hätten, sogar wenn sie gar nicht geritten und genutzt werden, werden Pferde eingedeckt.

Vor drei Jahren war ich gezwungen bezüglich des Themas Eindecken radikal umzudenken. Der Zausel wurde an mehreren Stellen sehr großflächig operiert und hatte tellergroße, offene Wunden im Pelz. Was für mich jahrelang selbstverständlich war, war plötzlich einfach keine Option mehr. Zunächst in Sorge, ob das arme Tier überhaupt einen Winter ohne Decke überstehen würde, habe ich angefangen, zu dem Thema zu recherchieren und bin dabei auf eine sehr interessante Studie getroffen, über die ich hier schon einmal berichtet hatte. Einem norwegischen Forscherteam ist es gelungen, Pferden anhand von Symboltafeln die Wahl zwischen eindecken und ausdecken selbst zu überlassen. Die teilnehmenden Pferde konnten jeweils nach kurzer Akklimatisierung auf dem Paddock wählen, ob sie die Zeit an der frischen Luft gern mit oder ohne Decke verbringen möchten. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die meisten Pferde ihre Paddockzeit am liebsten ohne Decke verbringen, es sei denn, es ist ungemütlich nasskaltes Wetter oder wirklich strenger Frost mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. Sie zeigte aber auch, dass es unter den teilnehmenden Pferden echte Frostbeulen gab und auch solche, die fast nie freiwillig eine Decke anziehen wollten.

Die wichtigste Erkenntnis dieser Studie dürfe wohl sein: Tendenziell tragen Pferde eher ungern Decken, aber es kommt immer auf die individuellen Umstände an.

Beobachtet man auf der Stallgasse mal aufmerksam das Verhalten von Pferden, wenn sie eingedeckt werden, wird einem schnell bewusst, dass viele Pferde beim Auflegen der Decke deutlichen Unwillen zeigen. Sie legen die Ohren an, stehen unruhig, Schnappen nach dem Besitzer oder nach der Decke, pinseln mit dem Schweif und zeigen somit eigentlich sehr deutlich, dass die Decke nicht grade Wohlbefinden bei ihnen auslöst.

Das ist in vielen Fällen auch kein Wunder, im Winter häufen sich wieder die Scheuerstellen an Brust und Widerrist, viele Pferde genießen ganz besonders die Putzeinheiten, weil sie mit den schweren Decken kaum die Möglichkeit haben, sich zu kratzen. Hinzu kommen vermehrt Pilzerkrankungen, schuppige Haut, Exeme und haarlose Hautstellen.  Außerdem behindern viele Decken die Pferde beim Liegen und Aufstehen, spannen dann unangenehm an Brust und Widerrist, dies gilt auch für das Grasen, bei dem die Pferde oft stundenlang den Kopf sehr tief halten. Diese Haltung verlangt den Decken in Punkto Passform so einiges ab und nicht alle Decken halten, was sie versprechen.

Zusätzlich zum Tragekomfort, der bei vielen Pferden nicht unbedingt Begeisterung hervorruft, geht von Decken ein erhebliches Verletzungsriskio aus. Beim Wälzen und Liegen können die Pferde in die Gurte treten, sich die Decken halb ausziehen, im rabiaten Spiel mit anderen Pferden zerlegt es eine Decke auch schon mal in lange Fetzen, die den Pferden dann um die Beine baumeln. Wer hat nicht schon mal ein Pferd aus seiner Decke befreien müssen? Meistens passiert außer einer kaputten Decke nichts, es gibt aber eben auch die Fälle, bei denen sich Pferde an Decken böse verletzt haben und jeder, der sein Pferd eindeckt, sollte sich zumindest die Frage stellen, ob er dieses Risiko nicht umgehen könnte.

Überhaupt stellen sich meinem Empfinden nach viel zu wenig Reiter die Frage, ob eine Decke wirklich nötig ist. In den meisten Ställen gehört die Decke so selbstverständlich zur kalten Jahreszeit dazu wie die gesetzlich vorgeschriebenen Winterreifen, von Oktober bis Ostern wird eingedeckt. Dabei sind Pferde von Natur aus allerbesten gegen Kälte ausgestattet. Ihnen wächst ein dichtes, wärmendes Fell, welches viel bessere Thermoregulationsfunktionen vorweisen kann als jede Decke aus Hightech Funktionsgewebe sie jemals haben wird. Dieses hervorragende Winterkleid wächst nicht nur nordischen Robustrassen, sondern jedem Pferd. Natürlich dem einen mehr als dem anderen, aber wir leben hier ja auch nicht in am Polarkreis und die Winter in deutschen Gefilden sind doch eher mild, wenn auch ziemlich nass.

Und das kann sicherlich zu einem Problem werden: Während trockene Kälte Pferden so gut wie nichts ausmacht, kann dauerhafte Nässe schon zu einem Problem werden. Regnet es über mehrere Stunden hinweg durch, dazu möglicherweise noch mit ungemütlichem Wind, kühlen die Pferde schnell aus, wenn sie keine Möglichkeit haben, sich unterzustellen.

Meine Erfahrungen in den letzten drei Jahren haben gezeigt, dass ganz normale, gesunde Warmblüter im Winter keine Decke benötigen, auch wenn sie richtig gearbeitet werden. Natürlich schwitzen sie während der Arbeit und das nicht zu knapp, das Fell trocknet direkt am Körper an der frischen Luft aber sehr schnell, nur die Haarspitzen bleiben länger nass, solange die Pferde aber an der Haut trocken sind, ist das kein Problem. Bei trockenem Wetter macht ihnen selbst Frost und deutliche Minustemperaturen nichts aus. Anhaltender Regen hingegen wird von ihnen als wirklich unangenehm empfunden und kann auch zu starkem Frieren inkl. Muskelzittern führen.

Wenn die Pferde nicht ständig die Möglichkeit haben, sich vor dem Regen in einem trockenen Unterstand zurück zu ziehen, sollten sie an Tagen mit anhaltender Nässe von oben in jedem Fall mit einer regendichten Decke vor der Nässe geschützt werden. Für meine Pferde gilt das solange sie noch tagsüber auf der Weide stehen, wo es leider keinen Unterstand gibt. Je nach Wetterlage werden sie dann entweder eingedeckt rausgestellt oder nach einem halben Tag schon in den Paddock gestellt. Ich habe die besten Erfahrungen mit einer leicht gefütterten Decke (100 g Füllung) gemacht, die dem ungeschorenen Pferd aufgelegt wird. Durch die Verdunstungskälte werden die Pferde mit den ungefütterten Decken schnell kalt, weil sie durch das Eigengewicht der Decke schlecht das Fell aufstellen können. Unter der leichten Fütterung bleiben sie auch bei fiesem Wetter schön warm. Die Decke wird dann herunter genommen, sobald sie ins Paddock kommen und sich wieder selbstständig im Unterstand vor dem Regen schützen können.
Es ist nämlich keines Falls so, dass man ein Pferd, welches einmal eingedeckt ist, den ganzen restlichen Winter nicht mehr ausdecken kann. Viel mehr sollte man viel flexibler auf unterschiedliche Witterungsverhältnisse reagieren und die Decke einfach nur dann auflegen, wenn es die jeweilige Situation erfordert.

Man merkt einem Pferd übrigens sehr gut an, ob es friert oder nicht. Aufgestelltes Fell, ein eingezogener Schweif, ein verspannter Rücken, unentspannte bis missmutige Gesichtszüge, Muskelzittern, all das sind umtrügerische Anzeichen dafür, dass einem Pferd kalt ist. Ein frierendes Pferd fällt aber nicht gleich tot um und holt sich auch nicht automatisch sofort den nächsten Husten. Es hat von der Natur eine ganze Menge Tricks und Mechanismen mitbekommen, um seine Körpertemperatur auf einem konstanten Level zu halten. Mit ein bisschen Gefühl für das eigene Pferd und einem regelmäßigen Blick auf die Wettervorhersage bekommt man aber schnell das richtige Händchen dafür, wann es Sinn macht, eine Decke aufzulegen und wann das Pferd lieber frische Luft an im Pelz genießen darf.

Und nun würde mich natürlich eure Meinung zu dem Thema interessieren? Deckt ihr jeden Winter ein?

Emmis November – Umzug ins Winterquartier

Kalenderwoche 46 – Emmis November

Hamburg, vor allem ziemlich grau & wolkig

Besonders gefreut habe ich mich diesen Monat über:

Emmi hat jetzt ihre Wurmkur bekommen und hat das gut überstanden. Außerdem ist sie zusammen mit ihren Freundinnen von der alten Weide ins Winterquartier gezogen. Sie steht jetzt auf einer riesigen Weide zusammen mit ca. 20 anderen tragenden Stuten. Sie steht den ganzen Winter weiterhin 24/7 draußen und hat schon ganz viel Winterfell bekommen. Ich freue mich sehr darüber, das Fell ist super weich und flauschig und ihre Haut macht bisher gar keine Probleme. Die letzten Jahre um diese Zeit hatten wir immer mit Hautproblemen zu kämpfen, aber ich vermute, dass das teilweise auch am Eindecken lag. Wir haben sie gestern besucht und ich hätte sie beinah nicht erkannt mit ihrer Dreckkruste und dem dicken Fell :D. Jetzt lebt Emmi wirklich das Wildpferd-Leben und es ist ziemlich ungewohnt für mich, sie so zu sehen. Man neigt irgendwie doch dazu, die Tiere zu vermenschlichen und obwohl ich von der Haltungsform total überzeugt bin, ist es doch etwas ganz anderes, als ein Pferd in der Box zu halten. Da hat man einfach ganz andere Kontrollmöglichkeiten, sieht immer genau, wie viel wovon gefressen wurde und wie die Äppel aussehen… Aber Emmi geht es sehr sehr gut und das macht mich wirklich glücklich! Ich hätte mich mit dem herannahenden Examen und dem Auslandsaufenthalt direkt danach niemals so um sie kümmern können, wie sie es verdient und es wäre definitiv in Stress ausgeartet.

Darüber habe ich mir Sorgen gemacht:

Es war mal wieder ein sorgenfreier Monat bei uns 🙂

Dafür habe ich Geld ausgegeben:

Die Equest Pramox Wurmkur schlägt mit 26€ zu Buche, ansonsten habe ich rein gar nichts ausgegeben. Manchmal frage ich mich, wie ich neben der viel teureren Boxenmiete früher noch mehrere hundert Euro für Unterricht und sonstigen Schnickschnack ausgeben konnte bzw wollte. Da ich es seit meiner Kindheit nicht anders kannte, war es für mich irgendwie selbstverständlich. Jetzt wo ich diese Ausgaben nicht mehr habe, wird mir erst mal richtig bewusst, was für ein wahnsinnig teures Hobby wir da haben und wie viel Geld man ohne Reiten plötzlich spart :D.

Wenn Emmi noch etwas sagen könnte:

Diese ganzen neuen Pferde sind mir irgendwie suspekt, ich bleibe lieber bei meiner alten Crew!

Reiten mit Franklin Bällen – Ein Erfahrungsbericht

Viele von euch haben wahrscheinlich schon von den Franklin Bällen gehört, die momentan ja tatsächlich in aller Munde und in nahezu jeder (Fach-)Zeitschrift zu finden sind.

Da ich – wie wahrscheinlich jeder Reiter – seit ewigen Zeiten mit den immer gleichen Sitzbaustellen kämpfe, freute ich mich über diese „Erfindung“ und dachte, mit ein bisschen Übung und Training mit den Bällen werden diese Baustellen bald Geschichte sein :D. Es gibt verschiedene Bälle, die unterschiedliche Effekte und Auswirkungen haben. In diesem Video werden die verschiedenen Bälle erklärt:

Ich hatte dann vor einiger Zeit die erste Unterrichtsstunde mit besagten Bällen. Nachdem ich einige Runden Schritt geritten bin, kam auch schon die Wasserrolle zum Einsatz. Diese sollte ich direkt unter meine Gesäßknochen legen. Das Gefühl ist wirklich komisch, man „rollt“ quasi auf dem Sattel hin und her und die Hüfte und das Becken werden angesprochen und ich hatte das Gefühl der Sitz wurde durch die Rolle einerseits „stabil“, weil ich z.B. nicht mehr mit der Hüfte einknicken oder mehr zu einer Seite sitzen konnte, aber andererseits schwingen Hüfte und Becken durch die Rolle quasi von alleine. Als nächstes hatte ich eine mit Luft gefüllte Rolle, die noch ein wenig „härter“ war, bei der habe ich aber eigentlich keinen merklichen Unterschied zur Wasserrolle gespürt.

Ich bin dann erst ein bisschen leichtgetrabt (das geht natürlich mit den Bällen nicht 😉 ) und habe dann als nächstes wieder die Wasserrolle unter das Gesäß bekommen, um damit auch zu traben. Und das Gefühl war wirklich unsagbar komisch, ich kam kaum zum Sitzen und schaffte es kaum mehr als eine halbe Runde auf dem Zirkel zu traben, ohne dass ich drohte „wegzufliegen“. Galopp hingegen war gar kein Problem, hier stellte sich bei mir die gleiche Erkenntnis ein wie im Schritt, dass ich schön mittig und aufrecht saß und gut mitschwingen konnte.

Nachdem ich die Rollen wieder abgegeben hatte, bin ich noch „normal“ geritten und muss ehrlich sagen, dass ich fast etwas „enttäuscht“ war, weil ich keine wirkliche Änderung oder Verbesserung feststellen konnte, obwohl doch alle so davon schwärmten und gleich ein so tolles, verbessertes Reitgefühl zu haben schienen. Ich entschloss mich dann, noch einige Male mit den Bällen zu reiten und war mir sicher, dass sich dann auch bei mir eine Verbesserung oder zumindest ein Effekt einstellen würde.

Seitdem bin ich insgesamt noch drei Mal mit den Bällen/Rollen geritten. In der zweiten Stunde hatte ich ein ziemlich ähnliches Ergebnis wie nach der ersten. Wir haben allerdings noch Bälle unter den Armen mit dazu genommen, die mir helfen sollten, in der Schulterpartie aufrechter zu sitzen und meine Arme besser positionieren sollten. Dabei ist ein Phänomen aufgetreten, was ich ohne die Bälle niemals bemerkt hätte: Unter dem rechten Arm ist mir der Ball immer fast verloren gegangen, unter dem linken gar nicht! Je länger ich damit geritten bin, desto besser wurde es und ich hatte dabei nicht das Gefühl, dass ich den Arm verspanne, um den Ball nicht zu verlieren, obwohl ich das zunächst befürchtet hatte.

Mit der Rolle unterm Gesäß kam ich allerdings immer noch nicht so richtig klar und das Problem, welches sich auch schon in der zweiten Stunde ein bisschen zeigte, nämlich dass ich so schlecht vorwärts reiten konnte, gipfelte in der dritten Unterrichtsstunde, die ich mit den Bällen hatte: Mein Pferd war so klemmig, sobald ich eine Rolle unterm Gesäß hatte, dass echt gar nichts mehr ging und er vor lauter Klemmen sogar gebockt hat und nach dem Schenkel und der Gerte geschlagen hat.  An normales vorwärts reiten war dann auch ohne Rolle nicht mehr zu denken und ich musste einige Gänge zurückschalten und erstmal wieder den Vorwärtsgang installieren. Nach dieser Stunde habe ich mich wirklich gefragt, was alle immer von diesen „blöden Bällen“ schwärmen und ich habe tatsächlich hinterfragt, ob das Reiten mit den Bällen wirklich etwas bringt. Mein Ergebnis nach dem dritten Mal damit war nämlich: Mein Pferd ging so schrecklich wie jahrelang nicht.

Ich gab dem Ganzen dann aber noch eine Chance und so hatte ich diese Woche noch eine Unterrichtsstunde (insgesamt die vierte). Mein Pferd war beim Lösen ohne Bälle/Rollen super locker und fühlte sich wirklich gut an. Kaum war die Rolle unter meinem Gesäß, klemmte er wieder extrem, schlug mit dem Schweif und war plötzlich alles andere als locker. Wir sind dann umgeschwenkt auf die Bälle unter den Oberschenkeln und damit war das Problem schon wieder fast weg.

Wir sind dann zu dem Ergebnis gekommen, dass mein Pferd scheinbar sehr sensibel auf diese Veränderung meines Sitzes reagiert. Ich reite ihn nun seit fast 12 Jahren fast ausschließlich alleine, da hat ihn wohl diese – für ihn – so deutliche Veränderung extrem irritiert. Statt der Rolle haben wir dann die kleineren, roten Bälle genommen und die Luft erst ein bisschen raus gelassen. Damit ging es schon ein bisschen besser – und schließlich haben wir Luft im Ball noch mehr reduziert, sodass der Ball sich schon verformt hat und gar nicht mehr rund war. Damit ging er dann endlich wieder „normal“, ließ sich auch vorwärts treiben, galoppierte auch schön über den Rücken, warf nicht mehr die Kruppe hoch und schlug auch weder nach Gerte oder Schenkel. Nachdem wir diese Erkenntnis hatten, konnte ich also endlich mal gescheit mit den Bällen reiten und gezielt etwas üben. Ich habe z.B. immer das Problem, dass ich rechte Hand in den Pirouetten und Traversalen gerne mit meinem Körperschwerpunkt links sitze, in der rechten Hüfte ein bisschen einknicke und dadurch die rechte Schulter nicht entspannt ist, sondern ein bisschen hochgezogen. Um dem entgegen zu wirken, bin ich mit einem Ball unter dem linken Gesäßknochen und einem Ball unter dem rechten Arm geritten. So war ich sozusagen „ausgerichtet“, saß wieder mittig auf dem Pferd und schön gerade.

Ein Effekt, den ich schon während des Reitens mit den Bällen gemerkt habe, war, dass mein Pferd, das dazu neigt nicht gleichmäßig an beide Zügel zu ziehen und auch mal mit dem Gebiss klappert, plötzlich ganz gleichmäßig an meinen Zügelhilfen stand. Ich hatte schönen Zug drauf und die Anlehnung war ganz ruhig und geschmeidig und blieb das auch in Übergängen und Handwechseln.

Ganz am Ende bin ich noch etwa 10 Minuten ohne Bälle geritten und das Gefühl war wirklich toll. Ich hätte es echt am Anfang der Stunde nicht für möglich gehalten, dass ich das so sagen werde, aber es war wirklich toll. Mein Pferd trabte und galoppierte so schön unter mir und dadurch, dass ich so gerade und mittig auf dem Pferd saß, konnte ich z.B. mit einer Leichtigkeit schnurgerade Serienwechsel reiten, bei denen ich spüren konnte, wie das Pferd unter mir von hinten nach vorne durchsprang. Mein Fazit ist also, dass ich weiter dran bleiben werde und auch noch weitere Unterrichtsstunden mit den Bällen nehmen werde, das Ergebnis von dieser Woche war wirklich überzeugend für mich.

Habt ihr euch schon Erfahrungen mit den Franklin Bällen gemacht? Hat jemand von euch vielleicht ähnliches erlebt wie ich?

Haarige Zeiten – Zausels November

Kalenderwoche 41 – Zausels Oktober:

Hamburg, herbstlich, stürmisch und vor allem nass – Die matschige Jahrezeit hat begonnen.

Darüber habe ich mir Sorgen gemacht:

Der Zausel hat sich seinen dicken Wintermantel angezogen und sieht aus wie ein zu groß geratenes Shettlandpony. Nach mittlerweile drei deckenfreien Wintern hat er inzwischen einen so dichten Pelz, dass man mit einer normalen Wurzelbürste kaum mehr richtig bis auf die Haut durchkommt, um den Sand aus dem Fell zu bürsten. Da er insgesamt auch etwas struppig und glanzlos aussah, haben wir ein Blutbild machen lassen und haben einen Zinkmangel festgestellt. Er bekommt jetzt ein entsprechendes Zusatzfutter und sieht dann hoffentlich bald wieder etwas schicker im Fell aus.
Sorgen habe ich mir außerdem um die Nässe und den Matsch gemacht. Wir sind jetzt im 5. Winter im Offenstall und sind bisher immer einigermaßen trocken durch den Winter gekommen, allerdings wird das Problem mit dem Matsch von Jahr zu Jahr schlimmer. Die dauerhaft nassen Stellen werden immer größer und inzwischen stehen die Pferde leider sehr viel im Matsch, vor allem um die Heuraufe herum.
Weil das ganze ein recht umfangreiches Thema ist, wollte ich dazu bald noch mal ausführlicher schreiben, falls es euch interessiert. Als erste Maßnahme werden wir um die Heuraufe herum Gehwegplatten legen, damit die Pferde dort trocken stehen.

Schönstes Erlebnis diesen Monat:

Nach meinem Urlaub hatte ich irgendwie das Gefühl, das Zauselchen wäre nicht so super drauf, ich fand ihn in der Anlehnung sehr unruhig, er zog nicht richtig ans Gebiss und ließ sich wenig bis gar nicht fallen. Erst hatte ich schon den Sattel oder irgendeine Blockade oder sonst etwas physisches im Verdacht, habe uns dann aber erstmal strikte Grundlagenarbeit verordnet, sämtliche Lektionen vom Trainingsplan gestrichen und sehr konsequent an der Anlehnung gearbeitet. Seit letzter Woche merke ich deutliche Fortschritte, er tritt schon wieder viel besser ans Gebiss heran, sucht wieder die Anlehnung, dehnt sich an den Zügel, die letzte Trainingsstunde war richtig gut und ich konnte mit einem tollen Reitgefühl die Stunde beenden. Man sollte eben nie die Grundlagen aus den Augen verlieren und kann gar nicht genug an diesen elementaren Punkten arbeiten.

Dafür habe ich unerwartet Geld ausgegeben:

Das Blutbild und das Zusatzfutter stehen diesen Monat auf der Liste der unerwarteten Kosten, die Rechnung vom Tierarzt habe ich allerdings noch nicht bekommen.

Wenn Zausel noch etwas sagen könnte:

Zugegeben, diese Genauigkeit beim Training hat anfangs schon genervt und kostet mehr Anstrengung als sich so dahin zu schummeln, aber ich fühle mich danach tatsächlich besser, auch wenns anstrengend ist!

 

 

Gesundheitscheck mittels Blutbild

Auf Instagram hatte ich schon kurz davon erzählt, dem Zausel und unserer Stute wurde Anfang letzter Woche ein wenig Blut abgezapft um ein großes Blutbild machen zu lassen.
Das letzte Blutbild ist schon wieder eine ganze Weile her und irgendwie gefiel er mir dieses Jahr nicht so gut vom Fell her. Er hat schon seit Anfang Oktober einen unheimlichen Plüsch geschoben, der immer etwas wellig und stupf und irgendwie immer etwas zu struppig aussieht. Nun trägt das Pferd seinen Namen natürlich nicht von ungefähr und der Zausel sah im Winter schon immer… nun ja eben zauselig aus, aber es ist mir dies Jahr wieder sehr aufgefallen und irgendwie musste ich bei dem welligen, langen Fell an Cushing denken.

Vielleicht kennt ihr das ja, wenn man erstmal so eine Idee von einer Krankheit hat, die das Pferd evtl. haben könnte, dann wird man das irgendwie nicht so schnell wieder los. Mich zumindest beschäftigt das dann jedes Mal, wenn ich mir das Pferd angucke und ich überlege, ob wohl noch andere Symptome auf den Zausel zutreffen, die Indiz dafür wären, dass hier wirklich ein Problem vorliegt.
An Cushing erkrankte Pferde schwitzen viel, sind schlapp und müde, die Muskulatur der Oberlinie baut ab, der Rücken wird schwach und der Bauch hängt durch, später kommen noch schlimmere Begleiterscheinungen wie Hufrehe hinzu und das Fellwachstum gerät eben durcheinander.
Dass der Zausel nicht plötzlich an starkem Cushing litt, war natürlich klar, aber viele der oben genannten Symptome konnte ich andererseits auch nicht komplett verneinen. Andererseits kann starkes Schwitzen zum Beispiel unzählige Ursachen haben und „stark“ ist eben auch ein dehnbarer Begriff. Der Zausel hat schon immer schnell und viel geschwitzt, aber ob man da nun schon von unnormal starken Schwitzen reden kann? Eher nicht…

Nach dem ich den Gedanken an Cushing drei Tage mit mir herum getragen habe, immer wieder Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Krankheit googelte, kam ich zu dem Entschluss, dass das alles zu nichts führt und einzig ein Bluttest Klarheit schaffen würde.

Da das letzte Blutbild eben auch schon eine ganze Weile her war, war es sowieso mal wieder an der Zeit nachzuschauen, ob die Werte alle in Ordnung sind.
Also habe ich den Tierarzt gebeten bei Gelegenheit mal vorbeizukommen und beide Pferde um ein kleines Röhrchen Blut zu erleichtern.

Heute haben wir dann telefoniert und die Ergebnisse besprochen und die möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.
Beide Pferde sind weitestgehend unauffällig und kerngesund. Das ist gleich mal die wichtigste und beste Nachricht vorweg.
Um dem Verdacht auf Cushing nachzugehen, wurde eine Probe auf den ACTH Wert untersucht, dieser ist beim Zausel im Normalbereich und damit unauffällig. Allerdings befindet er sich an der oberen Grenze des Normalbereichs und der Tierarzt hat empfohlen, den Wert in einem Jahr noch mal kontrollieren zu lassen.

Einzig der Zinkwert war etwas zu niedrig, was vielleicht auch schon die Ursache für das etwas stumpfe Fell des Zausels ist. Dies betrifft auch beide Pferde, was auch nicht überraschend ist, sie werden ja identisch gehalten und bis auf die Mengen auch gleich gefüttert. Allerdings sieht die Stute vom Fell her super aus, sie ist ja aber auch ein paar Jahre jünger als der Zausel.

Sehr erfreut hat mich, dass die Muskelwerte beim Zausel alle vollkommen im Normalbereich liegen und dort sogar im unteren Bereich. Er hatte schon immer muskulär so seine Problemchen und war bei fast jedem Blutbild, was wir von ihm haben machen lassen, auffällig in diesem Bereich. Er bekommt nun schon seit mehr als einem Jahr regelmäßig ein Vitamin E Präperat gefüttert. Beim Tierarzt bestelle ich schon immer „Eine Flasche Reitvergnügen“ weil beide Pferde damit merklich lockerer loslaufen und es ihnen ganz offensichtlich für die Muskulatur und Losgelassenheit wirklich gut tut. Das ganze jetzt auch im Blutbild bestätigt zu sehen ist für mich ein wichtiger Indikator, das Präparat auch weiterhin zu füttern.
Auch sein Selenwert war in der Vergangenheit oft viel zu niedrig, im aktuellen Blutbild liegt er erfreulicher Weise auch im Normalbereich.

Um den Zinkmangel auszugleichen, bekommen nun beide Pferde eine Kur aus EquiTop und Hesta+ Zink. Während dieser Kur sollen wir das Vitamin E Präparat pausieren, da alle drei Produkte auch Selen enthalten und im EquiTop außerdem Vitamin E enthalten ist. Selen ist bei zu hoher Dosierung giftig und muss daher immer mit Vorsicht gefüttert werden. Füttert man mehrere Ergänzungsmittel parallel, sollte man immer genau prüfen, ob es dadurch nicht zu einer Überversorgen kommen kann.

Ist die Zink Kur beendet, werde ich dann wieder das Vitamin E zufüttern und noch mal mit dem Tierarzt sprechen, wie man die tägliche Ration so ergänzen kann, dass auch der Zinkwert in Zukunft stabil bleibt.

Das Blutbild hat mir auf jeden Fall mal wieder gezeigt, dass es wichtig ist, die Mineralversorgung regelmäßig zu kontrollieren und ggf. anzupassen. Behält man die Werte in regelmäßigen Abständen im Auge und füttert gezielt gegen eine leichte Unterversorgung an, erreicht man ein dauerhaft optimal versorgtes Pferd, welches dann auch im Stande ist, die verlangten Leistungen zu zeigen. Wir sind mit unserer Ration schon auf einem ganz guten Weg und haben den Selenmangel und die schlechten Muskelwerte aus der Vergangenheit gut ausgleichen können. Nun muss noch der Zinkwert angepasst werden und am nächsten Blutbild gibt es dann hoffentlich nichts mehr auszusetzen… Aber… Irgendwas ist ja eigentlich immer, oder!?

 

Endlich geht´s wieder los – Püppis Oktober

Kalenderwoche 44 – Püppis Oktober Rückblick

Hamburg – Viel Regen, viel Wind und etwas Sonne, 9-17 Grad

Besonders gefreut habe ich mich diesen Monat über:

Ich hatte euch ja berichtet, dass Püppis Weidefreundin den Stall gewechselt hat, und Püppi deshalb einige Zeit allein auf die Weide musste. Zum Glück haben wir jetzt eine neue Herde für sie gefunden, es sind gleich 7 andere Stuten dabei. Die Eingliederung hat super geklappt, Püppi ist jetzt neue Herdenchefin und den ganzen Tag von 8 bis 16 Uhr draußen. Ich freue mich so sehr für sie! Man merkt ihr auch richtig an, wie zufrieden sie ist. leider endet die Weidesaison und es geht in den nächsten Tagen dann aufs Paddock, aber zum Eingewöhnen war es natürlich toll, dass wir die Wendezeit noch nutzen konnten.

Darüber habe ich mir Sorgen gemacht:

Ich hatte natürlich etwas Sorge, dass es Püppi schwer fallen wird, nach drei Jahren zu Zweit wieder in eine größere Herde zu kommen, aber eigentlich hat die Hoffnung überwogen, dass es ihr gut tun wird. Zum Glück hat sich das auch als richtig herausgestellt! Vor dem ersten Mal rausstellen haben wir sie extra geritten, dann vorne und hinten Gamaschen drauf gemacht plus Hufglocken, damit bitte alle Beine heil bleiben.. hat alles gut geklappt und viel Gerenne gab es gar nicht.

Schönstes Erlebnis diesen Monat:

Ich hatte zwei schönste Erlebnisse:

1). haben wir nach Monaten das erste Mal wieder gesprungen (in den Instagram-Stories habe ich für euch mitgefilmt). Püppi war total motiviert und man hat ihr richtig angesehen, dass sie Spaß hatte! Sie ist sofort überall rüber, sogar über den Wassergraben und hat gar nicht groß geguckt.

2.) Theresa hat super schöne herbstliche Fotos von uns gemacht, und an dem Tag bin ich eigentlich das erste Mal wieder ganz befreit geritten, ohne an meinen Rücken zu denken und hatte keinerlei Schmerzen! Seitdem läuft das reiten wieder, und ich habe sogar das erste Turnier genannt.

Dafür habe ich unerwartet Geld ausgegeben:

Es gab neue Paddockglocken und Gamaschen für 30 EUR.

Wenn Püppi noch etwas sagen könnte:

Juhu, endlich wieder springen! Ansonsten kannst du mich schön in Ruhe lassen, ich will bei meiner neuen Herde sein!