Neueste Artikel

Sommerpause & Hinkefüße

Ihr Lieben, die letzten Wochen war es verdächtig ruhig hier auf dem Blog. Ich würde euch jetzt gerne in bester Bloggermanier erzählen, dass irgendetwas super Spannendes und Geheimes passiert ist oder es irgendeinen anderen fancy Grund gibt für meine Abwesenheit. Die Wahrheit ist aber: Ich hatte während der extremen Hitze die letzten Wochen nicht die Muße lange am PC zu sitzen und Beiträge zu tippen. Und noch dazu gab es irgendwie wenig Schönes zu berichten, aber dazu weiter unten…

Seit mittlerweile drei Monaten mache ich den Blog zu 90% alleine und ich hatte mir fest vorgenommen, euch trotzdem genau so häufig mit Beiträgen wie vorher zu versorgen. Das ist auch weiterhin mein großer Vorsatz, allerdings muss ich mir auch eingestehen, dass der Blog  nicht immer allererste Priorität haben kann, weil es schließlich nur ein lieb gewonnenes Hobby ist. Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür und nehmt es mir nicht übel, wenn es doch mal eine Zeit lang ruhig bleibt. Ihr könnt euch jedenfalls sicher sein, dass ich immer wieder zurückkomme :D. Und ansonsten gibt es ja auch noch Instagram, wo ich euch fast täglich auf dem Laufenden halte.

Um euch auf den neuesten Stand zu bringen, gibt es jetzt einen kleinen Rückblick über unsere letzten Wochen! Anfang Juli passierte erstmal etwas sehr Unschönes – ich war mit einer Freundin zusammen bei Emmi und Fürstino zu Besuch und eigentlich wollten wir ein paar Fotos machen. Wir hatten die Pferde eben begrüßt und die Kamera gerade ausgepackt, da fiel uns auf, dass Emmi gar nicht laufen konnte. Und zwar wirklich gar nicht, weil sie sogar im Schritt sehr stark lahmte. Außerdem war das Sprunggelenk hinten links extrem dick.

Wir konnten sie dann am selben Abend noch reinholen, der Tierarzt kam am nächsten Morgen. Da es ziemlich übel aussah, war auch er zunächst besorgt und wollte sie sich direkt am nächsten Tag noch mal ansehen. Zum Glück hatte es sich schon am nächsten Tag deutlich verbessert, sodass es wohl doch nur ein sehr schlimmer Einschuss war. Emmi bekam Entzündungshemmer und musste erstmal am Stall bleiben. Aber schon nach wenigen Tagen war das Sprunggelenk wieder fast komplett abgeschwollen und sie durfte lahmfrei zurück auf die Weide. Was für ein Schreck!

Seitdem geht es den beiden aber richtig gut! Vor allem Fürstino hat sich wahnsinnig entwickelt. Ich war am Samstag zuletzt bei ihm und seit dem Titelfoto hat er schon wieder einen riesigen Schub gemacht.

Ich freue mich riesig, dass er sich so gut entwickelt hat. Es ist wirklich kein Vergleich mehr zu dem kleinen schwachen Fohlen, das er mal war. Noch dazu verändert sich seine Farbe gerade richtig doll und es sieht aus, als würde er doch noch dunkelbraun werden wollen. Ich finde die Farbe, die unter dem Fohlenfell hervorkommt jedenfalls superschick und hoffe, er behält die dunkle Jacke.

Direkt nachdem der erste Schreck von Emmis Lahmheit verdaut war, meldete sich Quira zu Wort. Kaum war ihre Besitzerin in den wohl verdienten Urlaub gefahren, lahmte sie plötzlich beim Reiten. Während ich anfangs noch dachte, ich bilde mir die Unregelmäßigkeiten nur ein, wurde es im weiteren Verlauf immer deutlicher. Nachdem ein paar Tage Pause nicht richtig halfen, kam der Tierarzt. Er konnte jedoch auch nichts feststellen, das betroffene Bein ist und war weder dick noch warm. Er tippt daher, dass sie sich nur vertreten hat. Sie hat nun eine Woche Equipalazone bekommen und am Donnerstag wird sie wieder vorgetrabt. Wenn dann alles in Ordnung ist, können wir wieder langsam loslegen.

Abgesehen davon haben Quira und ich uns gut zusammengefunden. Ich finde, sie hat einen wahnsinnig süßen und liebenswerten Charakter. Sie ist ein bisschen stutig, meistens sehr motiviert und hat eine tolle Arbeitseinstellung. Kurz vor ihrer Lahmheit durften wir das erste Mal ein paar Sprünge gemeinsam machen und sie hat es wirklich ganz brav mit mir mitgemacht. Für mich war das alles sehr ungewohnt nach der langen Pause, aber nach ein paar Runden wurde es schon langsam sicherer. Vor allem hat man gemerkt, was Quira für einen riesigen Spaß am Springen hat. Ich hoffe, dass wir das von nun an öfter mal machen können. Quiras Beistzerin hat ein paar Eindrücke von unserem ersten Versuch gefilmt, die ich euch natürlich nicht vorenthalten will – die meisten von euch kennen das Video wahrscheinlich schon von Instagram.

 

Das war es erstmal an Neuigkeiten von uns 🙂 Drückt uns bitte die Daumen, dass Quira am Donnerstag wieder fit ist und es hier in Zukunft wieder nur positive Berichte gibt. Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten!

Therapie in der Sole-Salzkammer

Dass der Zausel ist seit vielen Jahren an einer chronischen Bronchitis (RAO) leidet, dürfte den meisten Lesern hier mittlerweile bekannt sein. Viele Beiträge haben sich schon rund um das Thema Husten und allgemeines schlechtes Befinden des Zausels gedreht, die Sache kostet uns seit vielen Jahren immer wieder reichlich Sorgen, Nerven und natürlich auch Geld. Nichts desto trotz ist es mir im Großen und Ganzen gelungen, den Zausel durch Haltungsoptimierung und etwas unterstützende Behandlungen (durch Futtermittel und Kräuter, Akupunktur, Inhalation) über die Jahre einigemaßen stabil zu halten.

Diesen Winter aber hatten wir ein absoultes Tief und dem Zausel ging es so richtig schlecht. Es ist dann nicht etwa so, dass er wahnsinnig stark husten würde oder seine Atmung besonders auffällig wäre, es verschlechtert sich nur zuerst seine Rittigkeit und Leistungsbereitschaft, dann sein außeres Erscheinungsbild und der Muskeltonus und schließlich sein Allgemeinzustand und sein Wesen. Was sich erstmal noch recht harmlos mit weniger Gehfreude, wenige Elastizität und Motivation bei der Arbeit andeutet, endet irgendwann mit völliger Lustlosigkeit, schleppendem Gang, verhärteter Muskulatur, trübem Blick und traurigem oder garstigem Gesichtsausdruck.
Es ist wirklich kein schöner Anblick sein Pferd so zu erleben.

Es sind aber vor allem auch viele „weiche“ Faktoren, die einem vor allem auffallen, wenn man das Pferd gut kennt. Sein Zustand ist natürlich nie so dramatisch, dass Außenstehende sofort die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, sondern eher so, dass hinzugezogene Tierärzte, Therapeuten und Reitlehrer finden, er sei vielleicht nicht so super im Lack, aber der Zustand sei auch nicht wirklich dramatisch. Weil ich mein Zauselchen aber nun mal auch anders kenne, weiß ich, wie dramatisch es um ihn steht, wenn er nicht mal mehr im Schritt mit unserer Stute mithalten kann, wenn die Ohren immer nur müde nach hinten geklappt sind, wenn ihm jegliche Form von Bewegung große Mühe kostet und alles in völliger Lustlosigkeit untergeht. Dann geht es ihm wirklich schlecht, auch wenn sich die Atmung gar nicht so schlimm anhört, auch wenn er gar nicht so doll hustet. Man braucht dann aber immer noch einen Tierarzt oder Therapeuten, der das auch so sieht und sich seiner wirklich annimmt.

Aus dem schlechten Winter sind wir dann letztlich ziemlich verzweifelt in einer Kortisonbehandlung gelandet. Ich wollte etwas, was schnell und wirksam ist, wollte diesen elendigen Zustand so schnell wie möglich beenden und gab daher der Empfehlung des Tierarztes nach, auch wenn ich um die nicht unerheblichen Nebenwirkungen wusste und auch, dass wir damit lediglich das Problem aufschieben, aber nicht wirklich lösen würden. Das Kortison schlug wie erwartet an, es ging ihm schnell deutlich besser, allerdings nur so lange er davon sehr hohe Dosen verabreicht bekam. Versuchten wir die Menge des Kortisons zu senken, verschlechterte sich sein Zustand wieder und er blieb nur gut, solange er mehr Cortison bekam, als für einen längeren Zeitraum vertretbar gewesen wäre. Die Menge des Kortisons machte sich bereits in ersten Nebenwirkungen bemerkbar, er kam extrem schlecht durch den Fellwechsel und sah wirklich gerupft und räudig aus, als alle anderen Pferde schon lange im Sommerfell dastanden.

Das Zauselchen im April, noch vor der Behandlung

Im Paddock ebenfalls im April

Wir brauchten also eine andere Lösung, viel länger würde ich ihm das Kortison nicht geben können, ohne dass er ernsthaften Schaden davon tragen würde. Darüber habe ich auch hier auf dem Blog berichtet und wurde dann auf Facebook in einem Post verlinkt, in dem die Eröffnung einer Sole-Salzkammer bei uns in der Nähe angekündigt wurde. Ich nahm Kontakt mit der Stallbesitzerin Stefanie Evers auf und fühlte mich sofort sehr ernstgenommen mit meinen Sorgen um den Zausel. Wir fuhren zum Tag der offenen Salzkammertür und Eröffnung nach Klewerhaaf in der Nähe von Henstedt-Ulzburg und schauten uns das ganze erstmal persönlich und vor Ort an.

Mein Eindruck von Stefanie wurde nur noch einmal mehr positiv bestätigt. Mit viel Liebe und Leidenschaft zur Pferdehaltung hat Stefanie hier ein richtiges Wohlfühlparadies für Pferd und Reiter geschaffen und rundet seit Mai diesen Jahres ihr Angebot durch eine Therapie in der Sole-Salzkammer ab. Diese Kammer kann man sich vorstellen wie eine Waschbox, die man mit einer Schiebetür verschließen kann. Die Pferde stehen dort auf eine rutschfesten Gummimatte in einem sicheren Stand und werden für die Dauer der Behandlung für ca. 45 Minuten angebunden. Für 30 Minuten wird dann mittels  eines Ultraschallgerätes eine 6%ige Solelösung in einen ultrafeinen Nebel verwandelt und zusätzlich mit Sauerstoff angereichert. Dieser salzhaltige, ionisierte Nebel kann besonders tief in die Atemwege eindringen und dort seine heilende Wirkung entfalten. Die salzhaltige Luft wirkt sich außerordentlich positiv auf die Atemwege und die Lunge aus. Die Atemwege werden befeuchtet und dadurch kann festsitzender Schleim besser abgehustet werden. Die angereicherte Luft hat eine besonders reinigende und regenerierende Wirkung auf die geschädigte Lunge und durch den angereicherten Sauerstoff wir der Organismus mit besonders viel Energie versorgt.

Das zumindest verspricht die Theorie. Mit einem Ultraschallvernebler hatten wir schon in der Vergangenheit immer in schlechten Phasen mit einer Atemmaske inhalieren lassen, teilweise mit einer Kochsalzlösung, teilweise auch zusätzlich mit Medikamenten. Ehrlicher Weise habe ich da nie einen direkten Effekt feststellen können, wir haben trotzdem immer artig inhaliert, weil das von allen Seiten empfohlen wird, aber der große Effekt blieb dabei leider aus. Entsprechend skeptisch war ich, also ich den Zausel anmeldete. Die Salzkammer versprach zwar effektiver zu sein, aber ob das wirklich so einen deutlichen Effekt ausmachen würde? Da Steffi aber sehr überzeugt war, dass sie dem Zausel helfen können würde und bereits sehr gute Erfahrungen mit der Kammer gesammelt hatte, entschied ich mich, den Versuch zu wagen.

Mir gingen zuhause ohnehin die Möglichkeiten aus, ich wollte auf jeden Fall eine örtliche Veränderung für den Zausel weil ich die Ursache seiner schlechten Phase auch in der katastrophalen Mistlagerung bei uns auf dem Hof vermutete und ich machte mir große Hoffnungen, dass der angereicherte Sauerstoff ihm helfen würde, wieder zu Kräften zu kommen. Also buchte ich für den Zausel zwei Wochen Aufenthalt auf Klewerhaaf und brachte ihn zu Steffi, sobald die Salzkammer offiziell eröffnet hatte. Er war damit der erste stationäre Patient in der Kammer und somit auch für Steffi ein spannendes „Projekt“ welches zeigen würde, ob die Kammer wirklich die gewünschten Erfolge erzielen würde.

Als ich den Zausel auf Klewerhaaf ablud, hatte er bereits seit Wochen Kortison bekommen. Sein Zustand war „in Ordnung“, seine Leistung eingeschränkt aber nicht am Tiefpunkt, das Kortison hatte aber bereits deutliche Spuren hinterlassen, die sich vor allem im Fell und der Haut zeigten. Noch nie war er so schlecht durch den Fellwechsel gekommen und hatte noch im Mai einen Großteil des Winterfells, schuppige Haut, das Fell war stumpf und fiel ihm in Büscheln aus, obwohl das Sommerfell noch gar nicht nachgewachsen war, so dass er mehrere beinahe blanke Stellen hatte, auf denen nur ein paar spärliche Haare wuchsen. Seine Muskulatur war schwach ausgeprägt, vor allem Hals, Rücken und Kruppe waren spärlich bemuskelt, außerdem erschien sie fest und verhärtet. Er machte insgesamt immer noch einen eher müden und abgeschlagenen Eindruck, war meistens schlecht gelaunt und missmutig, bewegte sich eher schleppend und ungern.

Gleich am ersten Tag, kurz nach dem wir ihn abgeladen hatten, durfte er zu seiner ersten Therapie in die Kammer und war davon zunächst alles andere als begeistert. Es kostete uns ein paar Anläufe bis ich ihn dazu überreden konnte, in die Kammer zu gehen und er stand die 30 min. sehr unruhig, scharrte viel und wiehrte ständig. Direkt nach der Behandlung passierte erstmal gar nichts, es lösten sich nicht etwa wundersamer Weise große Schleimplacken und er huste auch nicht mehr ab als gewöhnlich. Direkt nach der Behandlung geht es immer in die Longierhalle zur freien Bewegung, damit der gelöste Schleim optimal abgehustet werden kann und auch hier setzte noch keine Wunderwirkung ein. Zu diesem Zeitpunkt bekam er noch 2 Tabletten Kortison am Tag, ich hatte eigentlich eingeplant diese während der ersten Woche auszuschleichen und dann erst in der zweiten Woche komplett auf die Medikamenten zu verzichten. Steffi  riet mir aber dazu, direkt das Kortison abzusetzen und auf die Wirkung der Salzkammer zu vertrauen, um das Kortison so schnell wie möglich aus dem Körper zu bekommen. Ich fuhr also mit einer Mischung aus großer Hoffnung und gleichzeitig großer Skepsis und Sorge nach hause und war sehr gespannt auf den weiteren Verlauf der Behandlung.

Als stationärer Patient wurde der Zausel rundum versorgt und für die nächsten 14 Tage jeden Tag (bis auf sonntags) in der Kammer behandelt und anschließend frei laufen gelassen. Schon nach wenigen Tagen fing er an sich zu verändern. Er wurde deutlich fröhlicher während der Bewegung, sein Gangbild verbesserte sich, die Bewegungen wurden leichter und lockerer, seine Stimmung besser und er schien insgesamt einfach im wahrsten Sinne des Wortes durchzuatmen. Begleitend zur Behandlung in der Salzkammer wurde er außerdem akupunktiert, eine weitere Behandlung, die auf dem Hof angeboten wird, um eine optimale Genesung zu unterstützen.

Nach ungefähr 10 Tagen bin ich zum erstem mal wieder geritten und spürte schon, wie belebt und fröhlich er war, außerdem verbesserte sich seine Haut und sein Fell und nach 2 Wochen stand er plötzlich absolut gelackt und schier auf dem Hof. Seine Behandlungen in der Salzkammer wurden in der zweiten Woche etwas ausgedehnt und er hatte jeweils ein paar Tage Pause zwischen den Behandlungen. Die Zeit der Behandlung dehnte sich so auf mehr als zwei Wochen aus und wurde gegen Ende vorsichtig ausgeschlichen. Die vielen kahlen Stellen, das glanzlose Fell, das spärlich wachsende Sommerfell waren gewichen und er sah blendend aus.
Außerdem fing er an Muskulatur an Hals, Rücken und Kruppe aufzubauen, obwohl er ja nur ein bisschen locker laufen gelassen wurde. Seine Oberlinie wurde gefälliger und sein Gesichtsausdruck hatte sich merklich verändert. Es kehrte das Feuer in seinem Blick zurück, er war aufmerksam, wach, gut gelaunt.

Es sind so viele Kleinigkeiten, die einen spüren lassen, ob es seinem Pferd gut geht, aber sehr vieles spiegelt sich einfach im Gesicht und im Blick wieder. So motiviert und frisch wie er über den Hof schritt, seine Umgebung interessiert und aufmerksam wahrnahm, so viel Ausdruck und Präsenz er wieder hatte, ich kann euch gar nicht sagen wie unglaublich froh mich das gemacht hat.

Im Juni, nach der Behandlung

Die Veränderung war wirklich enorm und ich hätte mir diesen Verlauf kaum zu träumen gewagt. Weil er so extrem gut auf die Therapie ansprach und sich gleichzeitig die Bedingungen im Stall zuhause noch nicht verändert hatten, entscheid ich ihn zunächst noch ein wenig länger dort stehen zu lassen. Nachdem die Behandlung ganz abgeschlossen war, entfaltete er noch mal so richtig Kraft und Energie und ist seitdem wirklich in super guter Verfassung. Er wirkt wahnsinnig energiegeladen, vital und fit, hat Spaß an der Arbeit, baut gut Muskulatur auf, ist locker und motiviert und sieht wirklich bombig aus. Das Pferd ist wie ausgetauscht und in einen Jungbrunnen geschmissen, selbst Außenstehenden, die ihn noch im Winter gesehen haben, fällt sofort auf, wie gut er aussieht.

Weil sich zuhause immer noch keine Lösung aufgetan hat, steht er nach wie vor dort auf dem Hof, allerdings ohne zur Zeit behandelt zu werden. Vor 14 Tagen hat er noch mal eine kleine Auffrischung erhalten und durfte noch mal für 2 Sitzungen Energie tanken, weil ich das Gefühl hatte, seine Motivation bei der Arbeit lässt ein klitze kleines bisschen nach und er könnte noch mal einen kleinen Booster vertragen. Diese Woche war er wieder sehr gut und fühlt sich einfach rund um wohl und vor allem fit und gesund. Weil er nun doch ein bisschen länger bleibt als ursprünglich gedacht, ist er inzwischen auch in die Herde integriert, was ihm außerordentlich gut gefällt.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass er sich unter der Behandlung SO positiv entwickelt und bin mehr als froh, den Versuch gewagt zu haben.Der stationäre Aufenthalt inkl. 6  Anwendungen kostet 350 € / Woche, die einzelne Behandlung liegt bei 30 € / 30 min. Das ist natürlich eine Investition, über die man schon einmal mehr nachdenken muss, aber in unserem Fall war sie jeden Cent wert. Abgesehen vom hervorragenden Ergebnis ist der Zausel zur Zeit komplett medikamentenfrei,  die Behandlung ist vollkommen ohne (negative) Nebenwirkungen und rechnet man die Kosten, die man sonst für Tierarzt und Medikamente ausgeben würde (das Kortison liegt bei etwa 150 € für ca. 2 Wochen) gegen die Behandlung, ist es gar nicht mehr so schlimm.

Ein krankes Pferd ist immer teuer, viel wichtiger als die Kosten ist es ja, einen Weg zu finden, mit dem das Pferd langfristig stabil und gesund gehalten werden kann. Und noch etwas zu den Nebenwirkungen: Während das Kortison so viele schlechte Nebenwirkungen hat, dass man es sowieso nur für einen kurzen Zeitraum in solch hohen Dosen verabreichen kann, hat die angereicherte Salzluft zahlreiche positive Nebenwirkungen auf das Pferd. Der feine salzige Nebel setzt sich auf Haut und Fell ab und beeinflusst auch hier durch seine antibakterielle und heilende Wirkung das Pferd positiv. Die Behandlung in der Salzkammer wird auch bei Ekzemern sehr erfolgreich eingesetzt und lindert hier die Beschwerden ganz ohne Salben und Schmieren. Auch bei Mauke und schlecht heilenden Wunden kann die Soletherapie erstaunliche Erfolge erzielen. Der angereicherte Sauerstoff wirkt wie ein Energiebooster, die Muskulatur wird optimal mit Sauerstoff versorgt und das tiefe durchatmen in der salzhaltigen Luft wirkt wie ein ausgedehnter Spaziergang am Meer: Belebend, erfrischend, entspannend, auch für unsere Pferde.

Der Zausel wird noch ein paar Wochen auf dem Hof bleiben und bei Bedarf noch mal in die Kammer gehen. In ein paar Wochen werde ich euch gerne ein Update zur Behandlung und seinem Zustand schreiben und bin selbst sehr gespannt, wie sich das ganze in den kommenden Wochen entwickelt. Ich hoffe sehr, dass wir eine Möglichkeit gefunden haben, ihn bei leicht abfallender Leistung durch eine schonende und sanfte Behandlungsmöglichkeit wieder zu stabilisieren und ihm so noch viele beschwerdefreie Jahre ermöglichen können. Aber schon jetzt ist für mich klar: Steffi und ihre Salzkammer haben mein Zauselchen um ein weiteres mal gerettet! Und dafür könnte ich nicht dankbarer sein.

Im Juli hat sich sein gesamter Ausdruck verändert

Juli 2018, auf dem Platz zeigt er sich außerordentlich motiviert und fit

Er hat wieder Spaß an Bewegung!

Fliegen- und Bremsensprays im Test

Dies ist ein Gastbeitrag von Alessa.

Auch wenn ich nun schon seit über 25 Jahren mit Pferd in den Wäldern unserer Region unterwegs bin, muss ich feststellen, dass ich in der ganzen Zeit noch nie so viele und so aggressive Bremsen erlebt habe, wie in diesem Jahr. Ob es an unserer geographischen Lage (Region Rheinland-Pfalz) liegt, oder ein deutschlandweites Phänomen ist, kann ich nicht beurteilen. Aber das Feedback vieler Instagrammer bestätigt schon die generelle Tendenz, dass wir durch den extrem warmen Mai in diesem Jahr schon sehr früh und mit sehr vielen fliegenden Plagegeistern gesegnet waren.

Als dann einer unserer Ausritte, wo wir in der Regel die Seele baumeln lassen möchten, aufgrund der Bremsenplage zum absoluten Horrortrip wurde, entschied ich mich, dass nun wirklich etwas passieren musste. Etwas gegen die aggressiven Bremsen musste her. Und zwar etwas, was wirklich hilft!

Im heutigen Beitrag geht um meinen Vergleich von vier verschiedenen Fliegensprays, die aktuell auf dem Markt erhältlich sind.

Es gibt zwei Arten von Produkten gegen Insekten;

  1. Die sogenannten „Repellents“ vertreiben Insekten.
  2. „Insektizide“ wirken bei Kontakt mit dem Mittel tödlich auf Insekten.

In Anbetracht des Bienensterbens und Rückgangs der Vogelpopulation sollten wir als verantwortungsvolle Reiter uns auf Repellents beschränken. Daher geht dieser Beitrag auch bewusst nicht auf Insektizide ein.

 

Getestet wurden folgende Produkte

Biorepell active Bremsenbremse classic HORSE fitform Fliegenschutz Fly away Max Strenghth

Quelle : https://biorepell.horse/

 

Quelle : https://www.mm-cosmetic.com/

Quelle : http://www.horse-fitform.de/

Quelle : https://www.horseware.com/

 

Es gibt ja aktuell auch außerhalb der Pferdewelt eine Tendenz zu natürlichen Produkten und Hashtags wie #keineunnötigechemieanspferd zeigen, dass diese auch in der Reiterwelt Anklang findet. Aus diesem Grund habe ich verschiedene Produkte mit synthetischen und natürlichen Wirkstoffen getestet.

Zu den Wirkstoffen habe ich hier ein paar Infos aus der pharmazeutischen Zeitung zusammengesucht, um zu verstehen, welche Wirkstoffe es gibt, ob diese synthetisch oder natürlich sind, und wie deren Wirkung aus pharmazeutischer Sicht bewertet wird. Die Informationen sind jedoch teilweise von Quelle zu Quelle widersprüchlich und es scheint nicht für alle Produkte 100%-ig klare Studien bzgl. Nebenwirkungen zu geben.

 

Wirkstoff Synthetisch/

natürlich

Unerwünschte Wirkungen
Icaridin  Synthetisch Selten Überempfindlichkeitsreaktionen, Nasenbluten
EPAAB Synthetisch Bisher keine bekannt
PMD  pflanzlich Sensibilisierungs­potenzial
Ätherische Öle pflanzlich Sensibilisierungs­potenzial

Tabelle: Gebräuchliche Repellents in der Übersicht
Quelle : https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68895 

 

 

Wirkstoff in den getesteten Sprays

Biorepell active

Inhaltsstoffe laut Hersteller: Citriodiol® (PMD) – Extrakte aus Zitroneneukalyptus, Parfumöle, Trägerstoff aus der Kosmetikindustrie

Bremsenbremse classic

Inhaltsstoffe laut Hersteller: IR3535 (EPAAB), Geraniol, Ätherische Öle, Sesam-, Walnuss und Avocadoöl

HORSE fitform Fliegenschutz

Inhaltsstoffe laut Hersteller: Saltidin® (Icaridin), Lavandinöl

Fly away Max Strength

Inhaltsstoffe laut Hersteller: Citronellaöl (Ätherische Öle)

 

Sprühkopf

Biorepell active ★ ★ ★ ★ ★
Bremsenbremse classic ★ ★ ★ ★ ✰
HORSE fitform Fliegenschutz ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Fly away Max Strength ★ ★ ★ ✰ ✰

Biorepell active wirbt mit einem 360°-Sprühkopf. Das bedeutet, dass der am Sprühkopf befestigte Schlauch am unteren Ende über eine Art „Kugel“ verfügt, die auch letzte Reste aus der Flasche nach draußen befördern soll. Ein nettes Nice-To-Have, was man auch von Fell- und Mähnensprays kennt. Mein Pferd findet den weichen und breiten Sprühstrahl verhältnismäßig angenehm und ihre Tänzelei hält sich bei dem Sprühkopf in Grenzen.

Bremsenbremse classic verfügt über einen Standardsprühkopf. Je nachdem, mit wieviel Druck man sprüht, wird der Strahl breiter oder schmaler. Eine nette Sache, so kann man stark befallene Stellen intensiver besprühen und weniger anfällige Stellen mit einem weicheren Strahl. Oder man kann, wenn man ein empfindliches Pferd hat, wie ich, entsprechend seiner Tänzelei reagieren 🙂

Horse fitform Fliegenschutz kam ohne Sprühkopf, daher ist hier keine Bewertung möglich.

Fly away Max Strength ist ein handelsüblicher Sprühkopf ohne Zipp und Zapp. Aber das ist okay für mich. Viel wichtiger ist, dass das Zeug hilft! Und da kommen wir schon zum nächsten Punkt:

 

Effizienz

Biorepell active ★ ★ ★ ✰ ✰
Bremsenbremse classic ★ ★ ★ ★ ✰
HORSE fitform Fliegenschutz ★ ★ ✰ ✰ ✰
Fly away Max Strength ★ ✰ ✰ ✰ ✰

Der folgende Bericht beschränkt sich auf meine persönlichen Erfahrungen mit den Produkten. Die Effizienz der Produkte hängt von vielen Faktoren ab wie der abzuwehrenden Insektenart, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Schweißproduktion, Hautbeschaffenheit und vielem mehr. Dazu möchte ich nochmal erwähnt haben, dass, wie oben beschrieben, selbst die Experten zu keiner klaren Aussage kommen, und daher die Wirkung sicherlich immer auch von Anwender zu Anwender als unterschiedlich empfunden wird. Dass die Bremsen bei uns sehr aktiv sind, ist ebenfalls zu erwähnen. Unser Reitplatz liegt in unmittelbarer Waldnähe und ist von hohen, (noch) ungemähten Wiesen umschlossen.

Mir persönlich geht es in meinem Effizienz-Test in erster Linie um die Wirkung gegen Bremsen. Zweitrangig ist für mich die Wirkung gegen Fliegen und Mücken. Zecken haben wir kaum. So habe ich auch die Produkte bewertet.

Ich habe mein Pferd jeweils von Kopf bis Huf mit dem Produkt eingesprüht und bin in voller Bremsenplage Richtung Reitplatz gestiefelt.

Biorepell active wirkte für mein Empfinden besonders gegen Mücken und Fliegen relativ gut. Leider wurden wir weiterhin von Bremsen angeflogen. Das Training war zwar machbar, wenn auch sehr unangenehm.

Bremsenbremse classic wirkte im Vergleich zu den anderen drei Mitteln am besten gegen Bremsen. Fliegen wurden mäßig gut auf Abstand gehalten. Ich konnte meine Trainingseinheit relativ bremsenfrei absolvieren, erst als Fienchen anfing zu schwitzen, kamen die fliegenden Plagegeister zurück.

Horse fitform Fliegenschutz brachte kaum merkbare Verbessrung gegen Bremsen, Fliegen wurden mäßig gut auf Abstand gehalten. Ich musste das Training abbrechen, da wir innerhalb der ersten 5 Minuten schon von den Bremsen heimgesucht wurden.

Fly away Max Strength brachte keinen für mich leider bemerkbaren Unterschied verglichen zu einem nicht eingesprühten Pferd. Ich bin noch nicht einmal aufgestiegen, sondern schon auf dem Weg zum Reitplatz abgedreht und zurück zum Stall gegangen.

 

Geruch

Biorepell active ★ ★ ★ ★ ★
Bremsenbremse classic ★ ✰ ✰ ✰ ✰
HORSE fitform Fliegenschutz ★ ★ ★ ★ ✰
Fly away Max Strength ★ ★ ★ ✰ ✰

Biorepell active riecht zitronig-frisch und für ein Fliegenspray wirklich angenehm. Klar gibt es bessere Gerüche, es ist ja kein Parfum, aber im Gesamtvergleich ist es mein Favorit, was den Geruch angeht.

Bremsenbremse classic stinkt wie die Hölle, da gibt’s nix schönzureden. Solltet ihr euch damit eingesprüht haben und wollt danach noch zu einem Date, dann empfehle ich dringend eine ausgiebige Dusche 😀

Horse fitform Fliegenschutz riecht relativ angenehm, ein wenig nach Lavendel und zitronig. Dennoch hat es eine chemische Duftnote, etwas schwer zu beschreiben.

Fly away Max Strength riecht ebenfalls relativ frisch.

Preis

Biorepell active ★ ★ ✰ ✰ ✰
Bremsenbremse classic ★ ★ ★ ★ ✰
HORSE fitform Fliegenschutz ★ ★ ★ ★ ★
Fly away Max Strength ★ ★ ★ ✰ ✰

Biorepell active kostet regulär 24,99€ für 500ml. Das macht 4,99€ auf 100ml. Damit ist es das teuerste der vier Produkte.

Bremsenbremse classic kostet regulär 27,95€ für 750ml. Das macht 3,73€ auf 100ml

HORSE fitform Fliegenschutz kostet regulär 14,95€ für 500ml. Das macht 2,99€ auf 100ml. Damit ist es das günstigste Produkt im Vergleich.

Fly away Max Strength kostet regulär 18,90€ für 500ml. Das macht 3,78€ auf 100ml

Fazit

Keines der vier Produkte hat uns wirklich 100%ig vor der Bremsenplage geschützt.

Für mein Empfinden hat die Bremsenbremse am besten gegen Bremsen und Birorepell am besten gegen Fliegen und Mücken geholfen. Es gibt die Bremsenbremse Ultrafresh, die die Wirkstoffe der beiden Produkte kombiniert (IR3535 und PMD). Daher habe ich mir dieses Produkt nun auch noch bestellt und bin gespannt, wie es wirkt.

Ansonsten hängt die Wirkung der Produkte natürlich von vielen Faktoren ab, wie oben auch beschrieben. Möglicherweise würde ein Test in einer anderen Umgebung, bei anderen Temperaturen mit einem anderen Pferd auch zu andern Ergebnissen kommen. Außerdem kommt es auch nochmal darauf an, ob das Produkt bei der Arbeit oder auf der Koppel angewendet wird. Ich benötige es glücklicherweise nur zum Reiten, da die Bremsenfalle neben der Koppel einen guten Job macht, und mein Pferd nicht übermäßig empfindlich gegenüber Fliegen und Mücken ist.

Mein persönliches Fazit des Tests ist folgendes: ich reite inzwischen nur noch mit Fliegendecke und –Maske aus. Alles andere brachte meinem Pferd beim Ausritt leider keinen hundertprozentigen Schutz, und spätestens als die ersten Schweißtropfen flossen (was bei den sommerlichen Temperaturen nicht ausbleibt), war die Wirkung der Sprays verflogen. Ausreit-Fliegendecken gibt’s ab 30€ aufwärts. Damit war auch aus finanzieller Sicht der manuelle Schutz für mich die beste Lösung. Den Sprühkopf von Biorepell habe ich behalten und nutze ihn jetzt in meinem Fell- und Mähnenspray. Der ist wirklich praktisch 🙂

Alessa verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihrer Fuchsstute Fienchen, mit der sie vorwiegend im Dressurviereck oder im Gelände unterwegs ist. Darüber berichtet sie täglich auf Ihrer Instagram-Seite www.instagram.com/fuchs_teufelslieb.

Dieser Testbericht steht in keiner Verbindung zu Biorepell. MM Cosmetic, HORSE fitform oder Horseware und stellt lediglich meine ehrliche Meinung dar. Weder haben wir die Produkte gesponsert bekommen, noch werden wir für diesen Beitrag in irgendeiner Weise bezahlt.

Fürstino wird Hannoveraner

Wie ich euch auf Facebook und Instagram bereits berichtet habe, wurde Emmi am 23. Juni für ihre Stutbucheintragung einem Mitarbeiter des Hannoveraner Verbandes vorgestellt. Der Vollständigkeit halber möchte ich euch auf dem Blog noch mal etwas ausführlicher darüber berichten. Denn warum eigentlich Hannoveraner Verband? Emmi selbst ist ein Sachsen-Anhaltiner, Fürstinos Vater Fürsten-Look ist Hannoveraner und zugelassen für Hannover, Oldenburg, Westfalen, Mecklenburg, Rheinland und die süddeutschen Verbände.

Den Sachsen-Anhalt Brand gibt es mittlerweile jedoch gar nicht mehr, da sich mehrere ost- und süddeutsche Verbände zusammengeschlossen haben zum Zuchtverband deutsches Sportpferd. Da Fürsten-Look für diesen Verband ebenfalls zugelassen ist, hätte ich Fürstino also ohne Weiteres dort eintragen und brennen lassen können. Allerdings wollte ich das nicht so gerne, da dieser Verband eben nur ein Zusammenschluss verschiedener anderer Verbände ist und bei uns in Norddeutschland auch nicht sonderlich verbreitet. Außerdem ist ein Hannoveraner oder Oldenburger Brand bei potentiellen Kunden deutlich beliebter, da diese etwas selektiver sind bei der Auswahl der Stuten. Alleine aufgrund der örtlichen Nähe war der Hannoveraner Verband für mich die erste Wahl. Außerdem ist der Hannoveraner Brand für mich nach wie vor ein Qualitätsmerkmal und ich persönlich würde immer eher einen Hannoveraner kaufen als ein Deutsches Sportpferd. Auch wenn ich selbst aus Holstein komme und den Holsteinern immer besonders verbunden sein werde, kommen Hannoveraner für mich emotional zumindest direkt dahinter. Da ich vermutlich nicht die einzige bin, der es so geht, war Hannover auch für den Fall, dass ich Fürstino doch mal verkaufen werde, meine erste Wahl.

Wir hatten also einen Ortstermin bei uns im Stall gemacht, da mehrere Stuten eingetragen werden mussten. Die liebe Wiebke war so nett, Emmi vorzubereiten und ich kam zum Glück gerade noch rechtzeitig für die Vorstellung. Dazu musste ich sie (natürlich mit Fürstino im Gepäck) zunächst vormustern und im Schritt und Trab in der Halle zeigen. Der Verbandsmitarbeiter trug währenddessen ihre Noten ein. Ich muss zugeben, dass ich sie nicht ganz so professionell vorgestellt habe :D. Ich habe sowas vorher noch nie gemacht und hatte wegen des Wetters meine übergroßen kniehohen Hunter Gummistiefel an, die am Fuß hin und her schlackerten. Dementsprechend wenig elastisch und schwungvoll bin ich selbst vorgetrabt :D. Emmis Benotung tat das zum Glück keinen großen Abbruch, auch wenn wir in den Grundgangarten vielleicht noch mehr hätten rausholen können. Nach einer kurzen Wartezeit waren dann alle Stuten durch und wir bekamen Emmis Bewertung. Für eine Eintragung ins Hauptstutbuch brauchte Emmi eine Durchschnittsnote von mindestens 7,0. Ich war doch etwas aufgeregt, da ich mir nicht 100% sicher war, wie Emmi bewertet werden würde und ob die Note wohl ausreichen wird.

Und dann war die Erleichterung erstmal groß, denn die Noten waren gut genug!

Die einzelnen Noten stehen dabei für folgende Kriterien:

RA = Rasse und Geschlechtstyp

QK = Qualität des Körperbas

KG = Korrektheit des Ganges

EL = Elastizität und Schwung (Trab)

SH = Schritt

GE = Gesamteindruck und Entwicklung

GES = Gesamtbewertung

KOP = Kopf

HAL = Halsung

SAT = Sattellage

RAH = Rahmen

VGL = Vordergliedmaßen

HGL = Hintergliedmaßen

Die geforderte 7,0 im Durchschnitt hat sie locker erreicht, sodass Fürstino ein Hannoveraner werden darf. Ich habe mich sehr gefreut, dass Emmi so durchweg vernünftige Noten bekommen hat. Für mich hat das ein weiteres Mal bestätigt, dass es eine gute Idee war, mit ihr zu züchten.

Als nächstes steht für die beiden der Termin zum Chippen und Brennen an. Allerdings bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, ob ich Fürstino eigentlich brennen lassen möchte. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich den Brand einem Chip auf jeden Fall vorziehen, aber der Chip ist leider Pflicht. Das zusätzliche Brennen ist freiwillig und auch wenn ich es nicht für sehr schlimm oder schmerzhaft halte, ist es irgendwie unnötig geworden. Dafür spricht natürlich die jahrzehntelange Tradition des Brennens in der Pferdezucht. Außerdem wahrt es die Identität und Unterscheidung zwischen den Verbänden zumindest ein kleines bisschen, da man auf den ersten Blick erkennt, was man für ein Pferd vor sich hat.

Ich weiß, dass das Thema ein sehr emotionales ist, aber mich würde trotzdem interessieren, was  ihr darüber denkt? Brennen ja oder nein?

 

Fotos: Gyda Hartmann

Führtraining mit Fürstino

Lange gab es kein Update mehr über den kleinen Fürstino. Das liegt vor allem daran, dass ich versuche, euch bei jedem Besuch durch Instastories mitzunehmen und es darüber hinaus nicht so viel zu berichten gibt. Der kleine Mann steht auf der Weide und wächst vor sich hin. Wir haben jedoch die letzten Wochen mit dem Halfter- und Führtraining begonnen. Das Aufhalftern habe ich alleine geübt und ihm einfach, während ich ihn gekrault habe, das Halfter vorsichtig über den Kopf gezogen.

Das ging ziemlich schnell ohne Probleme, sodass ich beim nächsten Besuch nach dem Aufhalftern einfach mal einen Strick eingehakt habe. Da war es dann aber leider vorbei mit Fürstinos Geduld und er fing an, sich rückwärts in den Strick zu hängen. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, sodass ich plötzlich an einem Ende des Stricks hing und er am anderen und ich total überfordert war. Natürlich wollte ich nicht, dass er so viel Druck aufs Genick bekommt. Ich wollte aber auch nicht loslassen, weil ich Angst hatte, dass er auf den Strick treten und sich verletzen würde. So zog er immer weiter rückwärts und drehte irgendwann um, während ich immer noch am Strick hing. Das führte dazu, dass er kurz hinfiel, was mir wenigstens die Zeit gab, zu ihm zu gehen und den Strick abzumachen. Nachdem ich den ersten Schock verdaut habe, habe ich den Strick noch einmal kurz eingehakt und ihn einfach nur am losen Strick stehen lassen, was beim zweiten Versuch zum Glück auch funktionierte.

Das war leider gar nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte und ich habe mir ziemlich große Vorwürfe gemacht. Ich bin viel zu blauäugig an die Sache rangegangen und hätte mir auf jeden Fall einen erfahrenen Helfer dazu holen sollen. Im Internet liest man überall, dass schon leichter Druck aufs Genick im Fohlenalter zu Verletzungen führen kann und das wollte ich natürlich auf jeden Fall vermeiden. Allerdings habe ich dann mit einigen Leuten gesprochen und die meisten erzählten mir, dass auch ihre Fohlen mal am Strick gezogen hätten und natürlich später trotzdem normale, gesunde Reitpferde werden. Insbesondere bei Westernreitern gibt es sogar die Praxis, das Fohlen einfach an einer Wand anzubinden und sie so lange sich zurückwerfen zu lassen, bis sie von selbst aufgeben.

Daher war ich dann recht schnell beruhigt, dass Fürstino wohl keinen Genickschaden davon getragen hat. Als ich das nächste Mal bei ihm war, war auch alles längst vergessen und er ließ sich wie immer überall anfassen und kraulen und war in keiner Weise empfindlich. Für das Führtraining habe ich mich dann mit der lieben Wiebke verabredet, die wesentlich mehr Erfahrung mit Fohlen hat als ich und mich netterweise unterstützt hat. Ich habe aufgehalftert und sie war dabei immer nah an Fürstino, damit er sich gar nicht erst zurückwerfen konnte. Wir haben dann angefangen ein bisschen Druck auf den Strick auszuüben und erstmal nur den Kopf sanft zur Seite gezupft. Sobald er reagiert hat, wurde natürlich gelobt. Als nächstes habe ich dann Emmi und Fürstino an den Stricken genommen und bin los marschiert. Wiebke ist dabei hinter Fürstino geblieben und und hat ihn sanft nach vorne geschoben, wenn er mal nicht weitergehen wollte.

So hat das alles schon ganz toll geklappt und wir haben nach kurzer Zeit zufrieden aufgehört. Das Training werden wir natürlich noch einige Male wiederholen! Und ich habe gelernt, dass ich solche neuen Dinge in Zukunft nicht mehr alleine probiere. Zu zweit ist es viel einfacher, gegebenenfalls korrigierend einzugreifen.

Was wir bisher noch nicht geübt haben, ist das Hufe geben. Wir haben Fürstino schon mal etwas an den Beinen gestreichelt und berührt, aber das fand er gar nicht mal so toll. Das werde ich nach meinem Urlaub mal in Angriff nehmen und hoffe, er lernt schnell, dass das alles halb so wild ist!

 

Wie findet man eine Reitbeteiligung?

Nachdem ich verkündet habe, dass ich eine Reitbeteiligung an einem ganz tollen und rittigen Pferd gefunden habe, habe mich zum dem Thema Reitbeteiligung ziemlich viele Fragen erreicht. Daher habe ich überlegt, diesem Thema ein paar Artikel zu widmen, da ich mittlerweile ja sowohl die Seite des Pferdebesitzers als auch die Seite der Reitbeteiligung kennengelernt habe. In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie ich Quira gefunden habe und was ich euch empfehlen würde, wenn ihr nach einem Reitbeteiligungspferd sucht.

Meine Strategie auf der Suche nach einer Reitbeteiligung hat sich daran orientiert, wie ich selber nach Reitbeteiligungen für Emmi gesucht habe und welche teilweise desolaten Erfahrungen ich dabei gemacht habe. Als ich neu in Hamburg war, habe ich Emmi als Reitbeteiligungspferd in Internet inseriert und die Interessenten, die damals zum Ausprobieren kamen, haben leider gar nicht zu uns gepasst. Am Telefon versprachen sie mir alle L-Niveau, auf dem Pferd sah das dann ganz anders aus. Und ich wollte keinen Profireiter, sondern vor allem jemanden, der zügelunabhängig sitzt und das Pferd nicht stört, also quasi solides E-Niveau. Danach habe ich nur noch über Freunde und Bekannte gesucht und das hat sich für mich definitiv bewährt. Deshalb würde ich euch das auch auf jeden Fall empfehlen: Nutzt eure Kontakte! Vor allem die, die euch reiterlich einschätzen und weiterempfehlen können. Denn die allermeisten verfügbaren Reitbeteiligungspferde finden sich nicht im Netz, sondern nur über Kontakte. Sagt all euren Pferdefreunden Bescheid, dass ihr ein Reitbeteiligungspferd sucht und vor allem auch eurer Reitlehrerin / eurem Reitlehrer oder Trainer, die ihr von Lehrgängen kennt. Wendet euch auch an Kontakte aus früheren Ställen, zum Beispiel Tierärzte, Hufschmiede oder Osteopathen, wenn ihr welche kennt. Denn die fahren viel rum und wissen erstaunlich gut, was in den Ställen in ihrem Einzugsgebiet gerade so passiert.

Solltet ihr über diesen Weg nichts finden, kann ich eine Suchanzeige empfehlen. Denn so könnt ihr auch von den Pferdebesitzern gefunden werden, die zwar jemanden suchen, aber selbst (noch) keine Anzeige aufgegeben haben. Ich habe meine Suchanzeige bei ebay Kleinanzeigen aufgegeben und darüber einige sehr nette Angebote bekommen und letztlich auch Quira so gefunden. Dabei würde ich darauf achten, dass ihr die Anzeige so gestaltet, dass die Pferdebesitzer auf den ersten Blick sehen können, ob es wirklich passt. Dazu sind die folgenden Angaben interessant:

  • Was für Erfahrungen habt ihr bisher? Hattet ihr schon eine Reitbeteiligung oder ein eigenes Pferd?
  • Was wollt ihr mit dem Reitbeteiligungspferd gerne machen? Dressur, Springen und/oder Ausreiten?
  • Auf welchem Niveau reitet ihr? Gebt hier möglichst alle Nachweise an (Turniererfolge/Leistungsklasse/Reitabzeichen), da nach meiner Erfahrung als Besitzerin die allermeisten Reiter sich selbst nicht realistisch einschätzen können
  • Möchtet ihr gerne Turniere reiten und ist das vielleicht sogar unabdingbare Voraussetzung?
  • Wie ist eure Einstellung zum Pferd? Seid ihr auch bereit, Stallarbeiten zu machen oder das Pferd im Krankheitsfall zu pflegen oder geht es euch nur ums Reiten?
  • Seid ihr bereit eine Kostenbeteiligung zu zahlen?

Ganz wichtig: Bei diesen Fragen gibt es kein richtig und falsch oder gut und schlecht. Es ist meiner Ansicht nach nur wichtig, dass man von Anfang an ehrlich zu sich selbst und zu den Pferdebesitzern ist. Denn so eine Reitpartnerschaft basiert auf Vertrauen zwischen Pferdebesitzer und Reitbeteiligung. Ihr wollt schließlich, dass euch jemand sein geliebtes Pferd teilweise überlässt. Und wenn ihr anfangs vorgebt, total gerne mit dem Pferd spazieren zu gehen und auszumisten, obwohl ihr tief in eurem Herzen eigentlich nur Serienwechsel üben wollt, ist damit niemandem geholfen. Vor allem nicht dem Pferd, wenn ihr es lustlos durch den Wald zieht und nach drei Wochen wieder aufgebt.

Für mich war klar, dass ich vor allem Reiten möchte und ein Pferd suche, das möglichst schon solide ausgebildet ist und bei dem sich der Besitzer freut, wenn es gut geritten wird. Eine reine Pflegebeteiligung oder nur Ausreiten wäre für mich persönlich nicht in Frage gekommen. Mein Text in der Anzeige lautete wie folgt:

Liebe Züchter und Pferdebesitzer,

da meine eigene Stute gerade ihr erstes Fohlen bekommen hat und ich das Reiten sehr vermisse, suche ich nach einer Reitbeteiligung / einem Pferd zu Mitreiten. Ich habe LK 4 in der Dressur und bin auf Turnieren bis M* Dressur geritten (L gewonnen). Da ich früher sehr viel gesprungen bin, wäre auch ein Springpferd interessant. Ich lege viel Wert auf eine vielseitige Ausbildung, gehe auch gerne mal ins Gelände und bin sehr auf die Harmonie mit dem Pferd bedacht. Ich würde auch gerne wieder Turniere reiten, das ist aber nicht zwingend. Das wichtigste ist, dass es reiterlich passt und ich mit dem Pferd Spaß haben kann.

Bitte keine Haflinger / Isländer oder reine Freizeitpferde anbieten, da das leider nicht zu dem passt, was ich mir vorstelle.

Wenn ihr eine Reitbeteiligung habt, wie habt ihr sie gefunden? Und was ist den Pferdebesitzern unter euch bei einer Reitbeteiligung am wichtigsten?

Gastbeitrag – Wie denkt und lernt (d)ein Pferd?

Dies ist ein Gastbeitrag von unserer Leserin Franziska.Die Informationen und Ansichten dieses Textes stammen von Monty Roberts und seinem International Learning Center.

„Mein Name ist Franziska und ich komme aus dem schönen Paderborn in NRW. Ich habe mich vor kurzem dazu entschieden, die Ausbildung zum Monty Roberts Instructor zu durchlaufen und haben bereits meinen Introductory Course belegt. Aus diesem Grund lerne ich nun intensiv alles über die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd und wie Pferde wirklich lernen. Meine vier Pferde werden mich dabei als Versuchskaninchen unterstützen. Nicht zuletzt mein neues Problempferd, der ein extremes Trauma (oder vielleicht mehrere) erlebt hat, fordert mich täglich heraus, ihn zu verstehen und seine schlechten Erlebnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Gerne nehme ich euch ein Stück mit in die Welt der Pferdesprache!“

Wer mit Pferden zu tun hat und reitet, der kann doch von sich behaupten, Pferde verstehen zu können, oder? Dass Pferde Fluchttiere sind, mit ihren Augen anders sehen als wir und natürlich nicht unbedingt verstehen, was wir von ihnen wollen, weiß doch jeder. Aber ist es so einfach, „pferdisch“ zu sprechen?

Eigentlich hat schon fast jeder einmal den folgenden Satz gehört oder selber schon gesagt: „Der veräppelt dich. Der macht das gerade absichtlich.“ Es ist menschlich, dass wir Eigenschaften der Menschen auf Objekte oder Tiere projizieren. So auch bestimmte Charakterzüge, die dem Pferd unterstellen, gewisse Dinge absichtlich zu tun. In der Natur des Pferdes ist es allerdings so, dass sie lediglich auf Reize reagieren. Sie reagieren, wie es ihnen in der Situation am angemessensten erscheint und nicht, welche Reaktion für die Zukunft vielleicht am besten wäre.

Für dieses Phänomen der Vermenschlichung gibt es übrigens einen Fachbegriff: Anthropomorphismus. Ein ganz klassisches Beispiel hierfür ist auch das Eindecken im Winter. „Das arme Pferd friert, mir selber ist ja auch schon kalt.“ Dass die Wohlfühltemperatur der Pferde viel niedriger als unsere ist, wird dabei oft außer Acht gelassen.

Wenn wir mit Pferden arbeiten, dann gibt es einen ganz entscheidenen Faktor, der viele Verhaltensweisen verständlich macht: das Into Pressur-Syndrom. Pferde lehnen sich nämlich grundsätzlich in einen Druck anstatt ihm zu weichen, wie Menschen es tun. Häufig kann man dieses beobachten, wenn Pferde sich am Strick aufhängen. Sie ziehen immer weiter, bis der Druck nachgibt, der Strick also aufgeht oder reißt. Auch wenn wir Pferde mit der Hinterhand rumdrücken wollen und dabei Druck in der Flanke ausüben, drücken viele Pferde instinktiv gegen diesen Druck. Dieses Verhalten stammt aus der Zeit der wilddlebenden Pferde. Es war eine überlebensnotwendige Reaktion, wenn sich Angreifer auf sie stürzten und sich festkrallen wollten. Würden Pferde dann vorwärts laufen, könnten die Angreifer mit ihren Krallen große Verletzungen auslösen. Wirft sich das Pferd allerdings in die Richtung des Angreifers, kann die Wunde nicht noch weiter aufgerissen werden. Auch wenn es bei unseren domestizierten Pferden natürlich keine Rolle mehr spielt, ist es weiterhin tief in ihrem  Instinkt verankert.

Überraschenderweise haben wir all unsere Trainingsmethoden so entwickelt, dass sie gegensätzlich zum Into Pressur-Syndrom ausgeübt werden. Wenn wir dabei z.B. an Schenkelweichen denken, dann soll das Pferd dem Schenkel – also dem Druck – weichen. Es widerspricht seinem natürlichen Verhalten und muss daher erst einmal erlernt werden. Auch beim Verladetraining begegnet uns dieses Problem häufiger: Einer zieht am Halfter, der andere schiebt das Pferd von hinten. Das Pferd legt sich vollständig in diesen Druck und geht dann natürlich nicht auf den Anhänger.

Wir Menschen haben eine bestimmte Zone, in der wir uns wohlfühlen. Kommt uns ein anderer Mensch zu nah und dringt in unsere Wohlfühlzone ein, dann wollen wir das nicht und fühlen uns unter Druck gesetzt. Pferde haben diese Zonen auch. Spannend wird es beispielsweise beim Longieren, denn gerade da kann man die verschiedenen Zonen beim Pferd gut beobachten. Vermutlich hatte schon jeder einmal ein Pferd an der Longe, das so gar nicht vorwärts wollte und einfach nur faul war. Egal wie sehr man sich bemühte und wie nah man an das Pferd herantrat, es wurde nicht schneller. Denken wir jetzt an die „Pressur Zones“, dann wird schnell klar, weshalb solche Pferde nicht schneller laufen: wir waren einfach zu nah dran und in ihrer Wohlfühlzone. Manche Pferde – oft zu beobachten bei den vermeintlich faulen Pferden – haben eine recht große Pressur Zone, sodass man nur mit genügend Abstand Signale geben kann, die die gewünschten Reaktionen auslösen. Entscheidend dabei ist auch die Position des Reiters oder Longenführers. Pferde haben einen natürlichen Balance Point, der meist hinter der Schulter liegt. Orientiert man sich an diesem Punkt, dann treibt man hinter diesem die Pferde an und davor stoppt man sie. Die optimale Position zum Vorwärtstreiben ist ein etwa 45° großer Winkel zum Pferd bzw. zum Balance Point. Man stellt sich das Pferd dabei als Linie vor (von der Hinterhand zum Kopf). Von dieser Linie aus stellt man sich mit dem Blick zum Pferdekopf und der Hüfte zum Pferd gewandt hin, sodass ein etwa 45° großer Winkel entsteht. Der Winkel bewirkt, dass das Pferd mithilfe des Körpers und der Position nach vorne geschoben wird und man es dadurch in das Vorwärts treibt.

 

Wie groß der Winkel dabei ist, ist von Pferd zu Pferd wieder unterschiedlich. Einige benötigen mehr Schub und Unterstützung von hinten, damit sie vorwärts laufen, andere reagieren bereits bei weniger Druck von hinten. Bei Pferden, die mehr Unterstützung benötigen verkleinert man den Winkel und geht mehr nach hinten. Denn je weiter man nach vorne geht und damit den Winkel vergrößert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch das Pferd gestoppt oder sogar zum Umdrehen animiert wird. Eins bleibt allerdings bei allen Pferden gleich: Die Pressur Zone, also die natürliche Wohlfühzone sollte immer berücksichtig werden, denn ansonsten sind wir wieder beim Problem des Into Pressur-Syndroms und das Pferd lehnt sich in den Druck, statt vorwärts zu gehen.

Um das Verständnis der Pferdekommunikation abzurunden, müssen wir uns bewusst machen, wie Pferde eigentlich lernen. Unterschieden wird hierbei zwischen dem klassischen und dem operanten Konditionieren. Bei dem klassischen Konditionieren wird ein unkonditioniertes Verhalten genommen und mit einem Stimulus verknüpft und somit zu einem konditionierten Verhalten gemacht. Wenn wir beim Thema Longieren bleiben, dann ist es z.B. das Kommando „Trab“, das mit dem natürlichen Verhalten traben verknüpft wurde und das Pferd irgendwann weiß, was es bei dem Kommando zu tun hat.

Das operante Konditionieren ist ein wenig komplizierter und hier einmal vereinfacht erklärt: Wenn ein positives Verhalten belohnt werden soll, dann kann ich etwas angenehmes hinzufügen, z.B. das Pferd streicheln als Belohnung. Im Gegensatz dazu kann ich auch etwas unangenehmes wegnehmen, um ein Verhalten zu belohnen, z.B. kann ich den Druck vom Halfter nehmen, wenn das Pferd erfolgreich rückwärts gegangen ist. Denn für Pferde ist es eine Belohnung, wenn Druck weggenommen wird. Ich kann allerdings auch etwas unangenehmes hinzufügen, um ein Verhalten zu korrigieren. Hampelt ein Pferd beispielsweise neben uns rum, kann ich Druck aufbauen und es zum Stehenbleiben korrigieren. Sobald das Pferd dieses gemacht hat, belohne ich es, indem der Druck weggenommen wird und ich das Pferd lobe. Vereinfacht gesagt geht es beim operanten Konditionieren um die Verbindung zwischen Verhalten und Konsequenz: es ist ein Spiel aus Ja und Nein, aus „richtig“ und „falsch“.

Wir sollten uns aber immer fragen, ob wir die Pferde wirklich verstehen oder ob wir Trainingsmethoden einfach nur stillschweigend übernehmen und niemals hinterfragen. Jeder von uns steht in der Verantwortung, sich mit dem Wesen Pferd auseinander zu setzen und zu verstehen. Oder wusstet ihr, dass Pferde nur 20% von einer Gehirnhälfte auf die andere übertragen? Dass Pferde eine 350° Sicht haben, den optimalen Lichteinfall auf das Auge für scharfes Sehen benötigen – in Form einer horizontalen Linie – und keine Tiefenschärfe wahrnehmen? Beim nächsten Mal sollten wir also nachsichtiger sein, wenn Pferde in keinen dunklen Anhänger wollen (schließlich sind sie die ersten Sekunden sozusagen blind, weil ihr Auge sich nicht so schnell an verschiedene Lichteinflüsse anpassen kann) oder vor einem Schatten wegspringen. Die Erfahrungen formen unsere Pferde und wir haben einen sehr großen Anteil daran. So abstrakt das Thema auf den ersten Blick erscheint, es hilft uns, unsere Pferde zu lesen und zu verstehen. Gewalt ist niemals eine Lösung. Und vielleicht regt dieses hier den einen oder anderen an, mehr in die Materie einzutauchen und „pferdisch“ zu lernen!

 

 

Werbung & Abmahnungen in den sozialen Medien

Angesichts der Instastory der Bloggerin Vanezia Blum bricht bei Instagram gerade eine ziemliche Hysterie aus, die mittlerweile auch den Pferdebereich erreicht hat. Daher würde ich aus juristischer Sicht gerne meine Einschätzung abgeben und über ein paar Irrtümer aufklären, die sich durch Instagram momentan rasend schnell verbreiten.

 

  1. Die Abmahnungen stammen größtenteils nicht vom Staat bzw. den Landesmedienanstalten, sondern von Vereinen wie zum Beispiel dem „Verein des sozialen Wettbewerbs“. Das sind Zusammenschlüsse privater Unternehmen, die ihre eigenen wirtschaftlichen Zwecke verfolgen. Neuerdings (Juli 2018) häufen sich auch Abmahnungen im namen privater Onlineshops, die relativ willkürlich verschickt werden. Eine Abmahnung kann daher grundsätzlich jeder bekommen, das bedeutet aber NOCH LANGE NICHT, dass diese Abmahnung auch rechtmäßig ist und das zuständige Gericht dem Abmahnenden Recht geben wird. Diese Abmahnungen entstammen dem Gedanken, dass Konkurrenten durch Schleichwerbung benachteiligt werden und sich durch diese Abmahnungen selbst wehren können. In der Abmahnung wird zur Abgabe einer Unterlassungserklärung und zur Zahlung der Rechtsanwaltskosten des vermeintlichen Konkurrenten aufgefordert. Wenn der jeweilige Blogger dem nicht nachkommt, kann der Abmahnende eine einstweilige Verfügung vor Gericht beantragen und ihr steckt in einem Gerichtsprozess – alles unabhängig davon, ob zu Recht abgemahnt wurde. Das kann euch jedoch auch im sonstigen Leben passieren. Ein ganz platter Vergleich: Euer Nachbar kann morgen aufwachen und behaupten, dass ihr ihm 2000€ für einen Rasenmäher schuldet und kann euch deshalb verklagen. Dann müsst ihr vor Gericht erscheinen, auch wenn ihr den Rasenmäher niemals gekauft habt. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Klage auch Erfolg hat.

 

  1. Ist die Rechtslage in jedem Bundesland anders? Es gibt zwar in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Vereine und daher eine unterschiedliche Praxis dahingehend, wann Abmahnungen verschickt werden und wann nicht. Die Gesetze zu dem Thema gelten jedoch bundesweit einheitlich! Einschlägig sind insoweit das Telemediengesetz und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Nach geltender Rechtslage sind Werbung und redaktionelle Inhalte strikt zu trennen und Werbung ist zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung soll dazu dienen, dass Leser auf den ersten Blick erkennen können, ob es sich um Werbung handelt oder nicht. Die Rechtsunsicherheit entsteht aus der Frage „Was ist denn eigentlich Werbung und was nicht?“ Da es noch nicht für jeden Einzelfall ein Urteil gibt, vor allem noch keins vom BGH, muss das jeder Richter im Einzelfall selbst entscheiden. Daher kann es momentan noch sein, dass ein Fall in Koblenz anders entschieden wird als in Hamburg. Selbst wenn ein Abmahnverein vor Gericht Recht bekommt, kann man gegen ein erstinstanzliches Gerichtsurteil weiter vorgehen. Die endgültige Entscheidung liegt daher nicht beim Amtsrichter Meier in Pusemuckel, sondern beim BGH. Der Weg bis dahin ist natürlich mühsam und teuer, sodass es durchaus verständlich ist, dass momentan Panik ausbricht.

 

  1. Das Problem betrifft NICHT solche Instagram Accounts, mit denen kein Geld verdient wird. Es gibt bisher keinen einzigen Fall, in dem jemand abgemahnt wurde, der Instagram für rein private Zwecke benutzt. Die abmahnenden Vereine mögen dreist sein, aber dumm sind sie nicht. Abgemahnt wurden meines Wissens bisher vor allem Accounts ab ca. 30.000 Followern, die mit ihren Accounts auch tatsächlich Geld verdient haben. Dass ihr mit 287 Followern keine Werbung macht, sondern nur eure Freunde unterhaltet, ist denen auch klar.

Update 26.07.2018: Leider gibt es mittlerweile gehäuft Fälle von Abmahnungen kleinerer Accounts, sogar eine Nutzerin mit 300 Followern wurde abgemahnt. Diese Abmahnungen stammen nicht vom Verband sozialen Wettebewerbs, sondern von privaten Onlineshops und sind daher etwas anders zu betrachten. Diese Abmahnungen sind in jedem Fall rechtswidrig, sofern sie rein private Nutzer betreffen, die kein Geld mit Instagram verdienen – trotzdem möchte ich die Fälle der Vollständigkeit halber erwähnen. Wer sich als privater Nutzer zu 100% schützen will und keine Lust hat sich weiter mit dem Thema rumzuschlagen, sollte seinen Account vorerst auf privat stellen.

 

  1. Wie sollte man sich als INFLUENCER bei gesponserten Posts am besten verhalten? Grundsätzlich muss markiert werden, was Werbung ist, also alles, wofür ihr bezahlt wurdet. Dies gilt auch dann, wenn ihr als Gegenleistung ein Produkt erhalten habt. In diesen Fällen sollte „WERBUNG“ oder „ANZEIGE“ am Anfang des Posts stehen. Nicht erst am Ende des Postings und nicht nur in den Hashtags (so entschieden vom OLG Celle). Auch wenn ihr eine dauerhafte Kooperation mit einem Unternehmen habt und selbst entscheiden könnt, wann ihr die Produkte zeigt, ist das Werbung. Von der Kennzeichnung „Freiwillig eingefügte Werbung“ kann ich nur abraten, denn was soll das überhaupt bedeuten? Freiwillig im Rechtssinne ist alles, was ihr nicht unter dem Einfluss einer Pistole an eurer Schläfe macht, sondern, weil ihr es wollt. Ich hoffe sehr, dass eure Kooperationspartner euch nicht nach dem Leben trachten und die Werbung daher immer freiwillig ist ;). Wichtig ist außerdem zu wissen, dass es sich nicht um neue Gesetze handelt, sondern die Verpflichtung zur Kennzeichnung schon immer bestand – ihr solltet daher ältere Werbeposts schnellstens anpassen, sofern ihr früher Werbung nicht richtig gekennzeichnet habt.

 

  1. Muss ich auch als „Werbung“ markieren, wenn ich SELBST GEKAUFTE PRODUKTE auf einem Foto zeige und die Marke ERKENNBAR ist? Grundsätzlich nein, denn das ist keine Werbung. Vanezia Blum wurde dennoch abgemahnt wegen eines Fotos, auf dem ein Eis der Marke Daim zu sehen war. Das Foto enthielt keine Verlinkung zu der Marke und war auch nicht bezahlt, die Marke war lediglich auf dem verpackten Eis zu erkennen.  Das Gericht hat die Abmahnung allerdings zurückgewiesen. Es besteht also das theoretische Risiko einer Abmahnung, diese wäre jedoch nicht begründet. Die Kennzeichnung mit „Werbung wegen Markenerkennung“ ist daher nicht nötig!

 

  1. Wie sieht es mit VERLINKUNGEN UND MARKIERUNGEN von Unternehmen aus? Hier wird es etwas komplizierter. Das entscheidende Gesetz ist § 5a Abs. 6 UWG. Es kommt darauf an, ob es sich bei dem Post um eine geschäftliche Handlung mit kommerziellem Zweck handelt. Dies ist natürlich immer dann der Fall, wenn ich mit dem Unternehmen eine Kooperation habe. Aber was ist, wenn ich nicht von dem Unternehmen bezahlt werde, sondern es einfach so markiere? Liegt dann auch eine geschäftliche Handlung vor? Eine geschäftliche Handlung ist laut dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb jedes Verhalten einer Person zu Gunsten des eigenen oder eines fremden Unternehmens auch vor einem Geschäftsabschluss, das mit der Förderung des Absatzes von Waren objektiv zusammenhängt. Es gibt eine Entscheidung des LG Hagen wegen einer Abmahnung, die darauf abstellt, dass bei einer Verlinkung der Marke auf einem Instagram-Bild eine solche geschäftliche Handlung vorliegt, da die unmittelbare Verlinkung auf die Seite des Unternehmens dazu geeignet ist, dessen Warenabsatz zu fördern. Ob es sich bei dem betreffenden Foto um eine bezahlte Kooperation handelte, ergibt sich aus dem Urteil nicht. Die Bloggerin Vreni Frost hat gerade einen Prozess vor dem LG Berlin verloren, weil sie Marken in einem Foto markiert hat, obwohl es sich nach ihrer eigenen Angabe nicht um einen bezahlten Post handelte. Auch Aenna_xoxo hat in einem solchen Fall einen Prozess verloren. Die Urteile sind allerdings noch nicht veröffentlicht, sodass die Begründungen der Gerichte abzuwarten sind. Beide Urteile sind außerdem noch nicht rechtskräftig, das bedeutet, dass sie im weiteren Verfahren noch von einem höheren Gericht aufgehoben werden können. Daher herrscht aktuell eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Markierung von Firmen auf Fotos. Ihr fahrt am sichersten, wenn ihr Unternehmen nur dann markiert, wenn es sich tatsächlich um echte und gekennzeichnete Werbung handelt. Wenn es nur darum geht, euren Followern zu zeigen, von welcher Marke die Sachen sind, würde ich empfehlen, die Namen der Firmen ohne Verlinkung in den Text des Posts zu schreiben.

 

  1. Muss ich einen Post als Werbung kennzeichnen, wenn ich einen EINE PERSON MARKIERE? Wenn es sich um ein bezahltes Shoutout handelt, ist von einer Kennzeichnungspflicht auszugehen. Wie ist es jedoch bei Freunden? Um diese Frage geht es in dem Rechtsstreit von Vanezia Blum. Grundsätzlich erscheint eine solche Markierung natürlich schwachsinnig. Wenn eure Freunde allerdings auch Influencer sind und mit ihrem Account selbst kommerzielle Zwecke verfolgen oder sogar einen Firmenaccount betreiben, könnte die Markierung durchaus wie bezahlte Werbung aussehen. Dann kann die Gefahr einer Abmahnung bestehen. Aber hier gilt wiederum oben gesagtes —> das bedeutet noch nicht, dass die Abmahnung auch von einem Gericht als rechtmäßig angesehen wird. Bei Vanezia Blum vernimmt das Gericht die von ihr markierten Freunde als Zeugen, um herauszufinden, ob dort Geld geflossen ist. Daher ist davon auszugehen, dass sie Recht bekommen wird, wenn dies nicht der Fall war und sie tatsächlich ohne jedes kommerzielle Interesse nur einen Freund verlinkt hat. Dann ist eine Kennzeichnung entbehrlich.

 

Hier findet ihr einen Leitfaden der Landesmedienanstalten mit konkreten Empfehlungen zur Kennzeichnung. Dieser Leitfaden hat keine Gesetzeswirkung und entfaltet keinerlei Bindungswirkung für die Gerichte. Er kann lediglich als Anhaltspunkt dafür gelten, was aus Sicht der Landesmedienanstalten zu beachten ist.

 

Emmis Zukunft

Wie geht es eigentlich mit Emmi nach dem Fohlen weiter? Diese Frage wurde mir vor allem während Emmis Trächtigkeit häufig gestellt. Ich schreibe jedoch bewusst erst jetzt darüber, weil ich lange unsicher war und die Entscheidung erst vor kurzem getroffen habe.

Ich bin nach Emmis Besamung erstmal davon ausgegangen, dass ich sie nicht wieder reiten würde. Schließlich wird sie bis zum Absetzen fast 17 Jahre alt sein und ganze 1,5 Jahre aus dem Training. Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, sie in dem Alter noch wieder anzutrainieren. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich ihr das nicht mehr zumuten könnte. Emmi hat zwei Kolik-OPs hinter sich, ist mit mir jahrelang auf Turnieren gestartet und hat mir jetzt auch noch ein Fohlen geschenkt – wie könnte ich noch irgendetwas darüber hinaus von ihr verlangen, geschweigedenn irgendeine sportliche Leistung, nachdem sie schon so viel für mich geleistet hat?

Eine Möglichkeit, die ich lange favorisiert habe, war daher, Emmi einfach in der Zucht zu lassen und sie direkt wieder zu besamen. Das nächste Fohlen hätte ich dann verkauft und für mich ein neues Pferd zum Reiten gekauft. Das Problem an der Sache: Da ich Fürstino gerne behalten möchte, hätte ich dann langfristig immer mindestens drei Pferde, somit auch die dreifache Verantwortung und das wollte ich eigentlich nicht. Außerdem müsste ich die nachfolgenden Fohlen dann wirklich verkaufen und ich bin ehrlich – ich habe noch nie in meinem Leben ein Pferd verkauft und ich weiß nicht, wie viel Freude mir das machen würde.

Daher habe ich mir den Winter über ziemlich den Kopf zerbrochen, wie ich dieses „Problem“ löse. Ich habe dann im März mit einer Freundin darüber gesprochen und sie sagte nur, ich solle mir nicht so viele Gedanken machen, sondern die Geburt abwarten und dann würde ich schon wissen, was richtig sei. Das würde man dann einfach fühlen, so sei es nach ihrem ersten Fohlen auch gewesen. Und ich hatte keine Ahnung, wie Recht sie haben sollte! Bei mir kam die Erkenntnis schon wenige Tage nach der Geburt. Spätestens als ich sie dann mit Fürstino auf der Weide traben sah, war mir klar: Ich möchte mein Pferd unbedingt wieder reiten!

Sie mag 16 Jahre alt sein und ein Jahr aus dem Training, aber sie sieht so gut und gesund aus, dass ich gar keine Bedenken habe, sie wieder anzutrainieren. Natürlich wird es eine Umstellung für sie von der Weide zurück auf eine Reitanlage, aber ich denke, dass sie das gut verkraften wird. Bei all den Vorteilen der Robusthaltung hatte ich trotzdem das Gefühl, dass ihr der Winter draußen auf der Weide ziemlich zugesetzt hat. Dadurch dass das Wetter so nass war, hatte sie sehr mit Mauke zu kämpfen, die erst jetzt langsam komplett abheilt. Auch dass Fürstino einen Monat nach dem errechneten Termin geboren ist und trotzdem noch so miniklein und schwach war, spricht meiner Meinung nach dafür, dass der Winter draußen sie einiges an Kraft gekostet hat. Vielleicht vermenschliche ich sie damit auch zu sehr, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie sich auch in einer Paddockbox mit täglichem Weidegang wieder wohlfühlen wird. Vor allem weiß ich, dass ich mich sehr wohlfühlen werde damit, sie wieder näher bei mir zu haben. Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass sie nicht wieder zurück ins Training kommt und ich merke, dass es für sie besser wäre, zurück auf die Weide zu gehen. Dann wäre das auch völlig in Ordnung. Aber ich möchte es zumindest versuchen, denn Emmi ist und bleibt für mich ein ganz besonderes Pferd, das sich nicht so leicht ersetzen lässt!

 

 

Zurück im Sattel

Ich hatte euch ja versprochen, euch noch mehr über meine neue Reitbeteiligung zu erzählen.  Ich habe schon ein paar Wochen nach einem passenden Pferd für mich zum Mitreiten gesucht. Wir haben uns letztlich durch meine Suchanzeige bei Ebay Kleinanzeigen gefunden. Wie genau meine Suche nach einem Reitbeteiligungspferd ablief, werde ich noch mal in Ruhe erzählen, da das vielleicht einige interessiert, die ebenfalls eine Reitbeteiligung suchen.

Jetzt soll es aber erstmal um meine neue Reitbeteiligung Quira gehen: Quira ist eine 11jährige Oldenburger Stute von Quality aus einer Mutter von Grandero. Ihre Besitzerin hat Quira selbst gezogen. Genau wie ich hat sie sich damals ein Nachwuchspferd aus ihrer Stute gewünscht und sie daher decken lassen. Quiras Mutter ist jetzt 26 und die beiden stehen sowohl in ihren Boxen nebeneinander als auch zusammen auf der Weide. Quira ist bis L-Springen platziert. Dressurmäßig wurde sie nie vorgestellt, geht aber eigentlich alle M-Lektionen.

Vom Typ her ist Quira schon eher Springpferd, wie ihre Abstammung auch verrät. Eigentlich passte sie daher gar nicht unbedingt in meine Vorstellungen, allerdings macht sie sooo viel Spaß beim Reiten, dass ich eigentlich die ganze Zeit nur grinsen könnte. Ich hatte direkt beim ersten Reiten das Gefühl, dass es zwischen uns einfach passt. Sie war so leichtrittig und motiviert, fein an der Hand und einfach richtig schön zu reiten. Trotzdem habe ich nicht direkt fest zugesagt, da ich die erste Euphorie sacken lassen wollte und lieber noch ein zweites Mal ausprobieren, um mir ganz sicher zu sein. Aber auch beim zweiten Reiten habe ich mich direkt wieder zuhause gefühlt, sodass ich wirklich keine Zweifel mehr hatte, dass Quira das richtige Pferd für mich ist.

Heute hatten wir dann das erste Mal Unterricht und es lief schon ganz ordentlich. Ich würde sagen, dass sie vom Reitgefühl her Emmi ein bisschen ähnlich ist und das ist vielleicht auch der Grund, warum wir uns auf Anhieb so gut verstanden haben. Sie ist sehr angenehm und leicht in der Hand und ist auch bemüht alles richtig zu machen. Ihren Trab finde ich super bequem und toll zu sitzen, im Galopp hingegen katapulitiert es mich noch etwas aus dem Sattel. Wie die Reitlehrerin heute festgestellt hat, bin ich dadurch wohl zu fest im Knie und Oberschenkel, weil ich versuche mich festzuhalten und dadurch kommt sie mir dann etwas doll auf die Hand. Da fehlt mir vermutlich einfach noch die Körperspannung, um ganz entspannt sitzen zu bleiben und sie vor mir zu behalten. Das ist wahrscheinlich auch kein Wunder nach einem Jahr Pause. Ich bin aber guter Dinge, dass das alles bald zurückkommt, wenn ich fleißig weiter trainiere.

Ich reite Quira ab sofort an 2-3 Tagen pro Woche. Eventuell werden daraus irgendwann auch drei feste Tage, aber ich wollte gerne erstmal testen, wie sich das Reiten wieder in meinen Alltag integrieren lässt. Es sind schließlich jedes Mal 3-4 Stunden inkl. Fahrt, die ich wieder neu in meine Woche einplanen muss, nachdem ich so lange nicht mehr regelmäßig geritten bin. Zum Glück fahre ich nur 25 Minuten in den Stall, was für Hamburger Verhältnisse sehr harmlos ist. Netterweise hat mir Quiras Besitzerin erlaubt, euch hier über sie zu berichten, sodass ihr in Zukunft wohl öfter mal etwas von ihr hören werdet. Ich freue mich auf jeden Fall riesig, dass ich so ein tolles Pferd gefunden habe, mit dem es einfach richtig gut passt.

Das Pferd ganz oben auf dem Titelbild ist übrigens nicht Quira, sondern Da Vinci, Emmis Halbbruder. Von Quira habe ich natürlich noch keine Reitfotos, da wir uns gerade erst kennenlernen.