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Ein großer Schritt!

Ich hatte bereits letzte Woche bei Instagram und Facebook angekündigt, dass Horse Diaries eine große Veränderung bevorsteht. Die wohl größte Veränderung seit unserer Gründung 2014. Jetzt ist es Zeit, die Katze aus dem Sack zu lassen. Das Teamprojekt Horsediaries, so wie ihr es bisher kennt, wird es nicht mehr geben. Nach vier gemeinsamen Jahren trennen wir uns und ich bin ab sofort offiziell die alleinige Inhaberin von Horse Diaries.

Wie es dazu gekommen ist? Wie ihr wisst, war ich drei Monate lang in New York, ganz alleine und ganz weit weg von zuhause. Der Abstand hat mir unglaublich gut getan. Nach einer langen stressigen Phase hatte ich das erste Mal Zeit, durchzuatmen. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was ich mit meinem Leben anfangen möchte und was die nächsten Schritte dafür sind. Es hat lange gedauert, bis ich es mir eingestanden habe, aber die Wahrheit ist: Mir macht momentan nichts so viel Spaß wie dieser Blog. Ich liebe es, zu schreiben und meinen Gedanken dabei freien Lauf zu lassen. Ich habe acht Jahre juristische Ausbildung hinter mir und das wichtigste, was ich dabei gelernt habe, ist die strukturierte Herangehensweise an Probleme und eine sehr systematische Art zu denken und zu arbeiten. Mir macht die juristische Arbeitsweise Spaß, ich bin gut darin und ich sehe mich auch in einem juristischen Beruf. Trotzdem habe ich das Bedürfnis, mich kreativ auszuleben. Ein eigener Blog bedeutet maximale Gestaltungsfreiheit, kreatives Arbeiten und der ständige Dialog mit Lesern, die einem direktes Feedback geben. Wie viel Freude mir das macht, wurde mir erst so richtig klar, als ich ganz alleine mitten New York saß, in einem Büro, weit weg von Pferden und dem Bloggen. Dort habe ich im Januar den Entschluss gefasst, dass ich gern einen eigenen Blog starten würde. Um mir etwas eigenes aufzubauen, um einen besseren Kontakt zu den Lesern zu haben und noch persönlicher berichten zu können. Es war zwar einerseits schön, sich zu viert einen Account bei Instagram und Facebook zu teilen. Andererseits blieb dadurch der persönliche Kontakt ein bisschen auf der Strecke. Schließlich wussten die Follower, die uns eine private Nachricht geschrieben oder kommentiert haben, nie so ganz genau, wer ihnen da eigentlich gerade antwortet. Da mich das schon länger gestört hat und ich mir einen persönlicheren Kontakt zu den Lesern und Followern gewünscht habe, habe ich beschlossen, dass ich gerne eine eigene Imstagramseite und einen eigenen Blog hätte. Ich habe wochenlang gegrübelt, wie ich das den anderen Mädels am besten sage und wie sie es wohl aufnehmen würden.

Als ich mich dann – noch immer in New York – endlich dazu durchgerungen hatte, ihnen von meinem Plan zu erzählen, war ich total überrascht: Sie waren nicht etwa sauer oder beleidigt oder fühlten sich von mir hintergangen – ganz im Gegenteil. Sie baten mir tatsächlich an, ohne dass ich es je gewagt hätte, danach zu fragen, unseren gemeinsamen Blog zu übernehmen. Ich war erstmal ziemlich überwältigt und erbat mir Bedenkzeit. Horse Diaries zu übernehmen fühlte sich im ersten Moment an, als würde ich den anderen etwas wegnehmen. Wir haben uns diesen Blog in all den Jahren gemeinsam aufgebaut, unsere Community erschaffen und sind darüber als Team zusammengewachsen. Allerdings hatte ich schon lange das Gefühl, dass ich ein kleines bisschen mehr an dem Projekt hing als die anderen es taten. Während es für den Rest der Mädels ein nettes Hobby nebenbei war, habe ich in dem Blog schon immer mehr gesehen. Horse Diaries zu übernehmen war also eigentlich die Chance, von der ich immer geträumt hatte. Je länger ich darüber nachdachte, umso mehr reifte mein Entschluss, das Angebot anzunehmen. Auch an dieser Stelle noch mal ein riesiges Dankeschön an die Mädels – Freunde wie euch zu haben, die sich gegenseitig bei der Verwirklichung ihrer Träume unterstützen, ist unglaublich wertvoll.

Hier sitze ich nun, vor meinem eigenen Blog und bin plötzlich auf mich allein gestellt. Ganz so dramatisch ist es zum Glück nicht – Theresa wird weiterhin Teil des Teams bleiben. Sie wird den Großteil der Fotos für mich machen und auch das Tagebuch des Zausels bleibt euch erhalten. Über beides bin ich wahnsinnig froh. Es gibt keinen Fotografen, mit dem ich lieber zusammenarbeiten würde. Da wir uns schon so lange kennen ist die Atmosphäre beim Fotografieren total entspannt und wir haben jedes Mal riesigen Spaß. Ich liebe ihre Fotos, weil sie es jedes Mal wieder schafft, die Stimmung authentisch darzustellen. Und obwohl die Fotos vielseitig sind, tragen sie immer ihre Handschrift.

Anna und Carina werden sich aus dem Blog komplett zurückziehen. Bei Carina hat sich schon lange abgezeichnet, dass sie neben ihrem Alltag mit drei Hunden, zwei Pferden und einem sehr verantwortungsvollen Job weder zum Reiten, geschweigedenn zum Bloggen kommt. Sie berichtet jedoch fleißig auf Instagram über ihre Hunde und postet viele wunderschöne Bilder (http://www.instagram.com/pawsandpixel). Anna hatte ebenfalls mehr Spaß an Instagram als am Bloggen und hat nun eine eigene Instagramseite erstellt, auf der sie regelmäßige Fotos und Berichte von Püppi posten wird (http://www.instagram.com/pueppi_tanzt). Theresa hat ebenfalls eine Instagramseite für den Zausel und Sam eingerichtet (http://www.instagram.com/zauselundseinefrau).

Was wird sich auf dem Blog ändern? Sicherlich einiges. Daran werde ich in den nächsten Wochen arbeiten und Stück für Stück meine Vorstellungen umsetzen. Aber keine Angst, ihr werdet auch in Zukunft nicht lediglich mein persönliches Geschwafel lesen müssen! Mein Ziel ist, den Charakter des Online Magazins nicht nur zu erhalten, sondern weiter ausbauen. Es wird also weiterhin interessante Gastbeiträge geben, außerdem Interviews mit anderen Bloggern, Tierärzten und Fachleuten. Da ich ab jetzt mehr Zeit ins Schreiben investieren möchte, wird es auch den ein oder anderen umfassend recherchierten Fachartikel geben. Was den Inhalt des Blogs angeht, freue ich mich im Übrigens sehr über eure Anregungen und Ideen. Horse Diaries soll kein Medium zur Selbstdarstellung werden, sondern Plattform einer Community bleiben, auf der jeder Leser etwas für sich mitnehmen kann.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, wie sehr ich mich auf diesen neuen Abschnitt freue. Nicht nur für Horse Diaries, sondern auch für mich, ist das ein großer Schritt. Ich bin wahnsinnig aufgeregt und hoffe natürlich, dass ihr mir als treue Leser erhalten bleibt und mich auf meinem Weg unterstützt. Denn der Austausch mit euch ist meine größte Motivation!

Zausel und der Frühling

Ich glaube, es wird mal wieder Zeit für ein kleines Update hier auf dem Blog über mein liebstes Zauselchen.
Wer vielleicht nicht ganz auf dem neuesten Stand ist: Wir haben einen sehr bescheidenen Winter hinter uns, der Zausel war kränklich und unmotiviert und seit Dezember bin ich gar nicht mehr geritten, weil er so schlecht drauf war. Nach vielem Rumprobieren und Zeit geben waren wir dann Anfang Februar mit ihm in der Klinik, weil er einfach nicht wieder auf den Damm kommen sollte. Dort bestätigte sich dann ein böser Verdacht: Ursprung des Übels war die Lunge, die ihm schwer zu schaffen machte. Für den Zausel kein neues Problem: Bereits seit 2009 ist er an RAO (chronischer Bronchitis) erkrankt, kam damit aber jetzt viele Jahre ganz gut zurecht, auch Dank des Offenstalls, den er seit vielen Jahren bewohnt.

Nun diesen Winter hats ihn aber voll erwischt und die Lunge spielte nicht mehr so mit, wie wir das die letzten Jahre gewohnt waren.
Wir begannen direkt mit einer Kortisonbehandlung, um ihm so schnell wie möglich Besserung zu verschaffen, auch weil wir haltungsbedingt kaum noch etwas optimieren konnten.

Das Kortison brachte auch schnell die erhoffte Erleichterung und schon nach wenigen Wochen war der Zausel wie ausgewechselt. Natürlich noch nicht wieder ganz der Alte – Kondition, Kraft und Geschmeidigkeit hatten in der langen Pause seit dem Winter natürlich gelitten, aber ich war Feuer und Flamme, ihn bis zum Sommer wieder richtig flott zu machen. Ich überlegte sogar, ihn für einen besonders effektiven Muskelaufbau in den Aquatrainer zu schicken.

Der Behandlungsplan sah vor, die Menge des Kortisons langsam immer weiter zu reduzieren und es schließlich ganz auszuschleichen. Eigentlich sollte er schon lange runter sein von den Medikamenten, aber leider verschlechterte sich sein Zustand wieder, sobald die Dosierung des Kortisons unter einen bestimmten Wert fiel.
Wir hatten den ersten Versuch vor 3 Wochen unternommen, dosierten laut Behandlungsplan etwas weiter runter. Ich merkte dann aber, dass er wieder schlechter wurde. Also setzten wir das Kortison wieder hoch, sein Zustand verbesserte sich wieder und wir ließen ihn einige Tage auf diesem Niveau. Leider befindet er sich mit der Menge an Kortison, die er braucht, um richtig gut drauf zu sein, in einem Bereich, den der Tierarzt nur über kurze Zeit verabreichen würde. Also befinden wir uns nun wieder in der Phase des langsamen Herunterdosierens. Aktuell bekommt er noch zu viel Kortison, als dass er die Menge dauerhaft bekommen könnte, befindet sich aber leistungsmäßig schon wieder eher auf dem absteigenden Ast.

Tja und da stecke ich also schon wieder im nächsten Dilemma. Ich hatte natürlich naiverweise zu hoffen gewagt, die Lunge würde sich unter der einmaligen Gabe von Kortison so beruhigen, dass wir danach in einen beschwerdefreien Sommer starten können, dies scheint aber leider nicht zu funktionieren. Im Moment ist er noch so ganz okay drauf, aber ich merke, dass ihn wieder etwas bremst und er nicht so kann, wie er gern würde. Im Gelände muss ich ihn treiben, obwohl ich sonst eigentlich ständig auf der Bremse stehen musste, damit er einigermaßen kontrolliert bleibt und nicht wie ein Irrer über die Sandwege donnert. An der Longe lässt er sich wirklich sehr bitten und absolviert unmotiviert das Pflichtprogramm, obwohl er an Ostern noch unter mehr Kortison stehend fröhlich durch die Halle bockte und einen über den ganzen Longierplatz schleifte.

Ich kann ihm nicht weiterhin so viel Kortison geben, muss dann aber in Kauf nehmen, dass es ihm wieder schlechter geht. Wir brauchen also irgendwie einen anderen Plan, aber wir haben schon so viele Sachen durch (vielleicht sogar alle!?), dass ich im Moment einfach wieder mal nicht so richtig weiß, was ich mit ihm tun soll. Im Moment reiten wir jeden Tag ins Gelände, da ist er abgelenkt und läuft immer noch ein bisschen lieber als in der Halle. Wir inhalieren jeden Tag und ich versuche ihn jeden Tag angemessen zu bewegen. An guten Tagen mehr, an schlechten Tagen weniger, aber ein bisschen was tun muss er immer, damit er schön abhusten kann.

Wir müssen jetzt weiter vom Kortison runter und dann mal sehen, wie er sich in den nächsten Tagen so zeigt. Vielleicht berappelt er sich von allein ein bisschen (was aktuell eher unwahrscheinlich ist) oder wir müssen noch nach anderen Möglichkeiten suchen. Irgendeinen Weg muss es ja noch geben, um mein kleines Zauselchen wieder flott zu bekommen.

STICHTAG – Ein Update

Gestern war es soweit – Emmi hatte ihren errechneten Abfohltermin. Bisher ist jedoch noch alles ruhig. Zwar bildet sich das Euter langsam aus, aber ansonsten ist von Geburt noch nicht viel zu sehen. Ich habe auch gelernt, dass der Stichtag eher so ein Termin ist, ab dem es theoretisch losgehen könnte. Oft dauert es aber länger, bis zu 4 Wochen über den Termin sind völlig normal. Ich hoffe natürlich, dass Emmi uns nicht mehr ganz so lange warten lässt. Der Bauch ist in den letzten Tagen noch mal kräftig gewachsen. Jedenfalls habe ich jetzt keine Zweifel mehr daran, dass wirklich ein Fohlen in ihrem Bauch steckt. Auch wenn ich mir das immer noch nicht so richtig vorstellen kann.

Am Sonntag habe ich Emmi besucht und bin außerdem das erste Mal nach neun langen Monaten wieder geritten. Natürlich nicht auf Emmi – die genießt momentan maximal ein bisschen Wellness und hat ansonsten natürlich Mutterschutz – sondern auf Da Vinci. Da Vinci gehört meiner Freundin Wiebke und ist ein Halbbruder von Emmi. Er ist aus der selben Mutter und ein Jahr vor Emmi geboren. Da Vinci war einer der Gründe, warum ich unbedingt mit Emmi züchten wollte. Er ist zwar charakterlich etwas spezieller als Emmi, aber das liegt vermutlich daran, dass er in jungen Jahren irgendetwas erlebt hat. Mittlerweile ist er in 99% aller Situationen ein ultrabraves Verlasspferd. Ansonsten ist er sowieso ein absolutes Traumpferd. Wiebke hat ihn selbst ausgebildet und die beiden sind jahrelang erfolgreich auf Turnieren gestartet. Sowohl im Springen als auch in der Dressur haben die beiden sich bewiesen. Obwohl Da Vinci nie ein Lampenaustreter war, hat er mehrere M-Dressuren gewonnen, da er einfach absolut korrekt geritten ist.  In diesem Beitrag von Wiebke findet ihr noch mehr darüber, wie sie ihn zu so einem Traumpferd gemacht hat. Sogar im Busch ist auf ihn Verlass – auch dazu gibt es einen Gastbeitrag von Wiebke.

Ich bin Da Vinci das erste Mal vor ungefähr 10 Jahren geritten, als Wiebke und ich uns gerade kennengelernt hatten. Das letzte Mal, dass ich auf ihm saß, war mittlerweile schon mehrere Jahre her. Seitdem hat er sich noch mal ein ganzes Stück entwickelt und ich freue mich riesig, dass Wiebke mir erlaubt hat, ihn noch mal zu reiten. Aufgrund akuter Schwäche konnte ich Da Vincis Fähigkeiten leider so gar nicht ausnutzen, aber wir haben es am Ende immerhin geschafft, außenrum zu reiten, ohne dass er völlig krumm und schief wurde :D. Er hat das mit mir ganz brav und geduldig mitgemacht und ich hoffe, ich kann ihn noch mal reiten, wenn ich nicht mehr ganz so außer Form bin wie momentan…

Da das letzte Video bei euch gut ankam, habe ich mir die Mühe gemacht, unseren Tag im Stall ebenfalls mit der (Handy)kamera einzufangen. Hier kommt also der nächste Vlog aus der neuen Serie – ich hoffe, er gefällt euch! Leider habe ich vor lauter Filmen total vergessen, auch nur ein einziges Foto zu schießen. Daher gibt es leider immer noch keine aktuellen Fotos von der trächtigen Emmi. Meine Bloggerqualitäten sind noch deutlich ausbaufähig, würde ich sagen!

 

Warum eigentlich ein Fohlen?

Als ich letztes Jahr hier veröffentlicht habe, dass ich aus Emmi ein Fohlen ziehen möchte, waren die Reaktionen so kontrovers wie nie zuvor. Während einige die Idee mindestens so gut fanden wie ich, gab es auch zahlreiche kritische Kommentare. Und ich konnte das niemandem verübeln, denn für mich fühlte sich diese Entscheidung ehrlich gesagt wie das Unvernünftigste an, was ich je getan hatte.

Es war Anfang 2017, ich war im Referendariat, hatte das zweite Staatsexamen vor mir, und hatte schon seit Monaten keinen Spaß mehr am Reiten. Ich wusste, dass ich eine Pause vom Reiten und von Emmi brauchte. Von Verkauf über zur Verfügung stellen bis hin zum Wegstellen habe ich alle Optionen durchdacht, aber keine fühlte sich richtig an. Die Entscheidung, Emmi decken zu lassen, bedeutete im Vergleich zu den anderen Möglichkeiten höhere Kosten, ein höheres Risiko und einen gänzlich ungewissen Ausgang. Trotzdem faszinierte mich die Möglichkeit, ein Fohlen aus Emmi zu ziehen von Anfang an. Ich hatte mir immer eine Stute gewünscht, um genau diese Möglichkeit zu haben. Ich kenne Emmi in- und auswendig und kann ehrlich sagen, dass ich noch nie ein anderes Pferd getroffen habe, das so lieb und sanftmütig ist wie sie. Alleine das wäre schon Grund genug, ein Fohlen zu ziehen. Auch sonst gibt es wahrlich schlechtere Pferde als sie. Sie hat sportliche Erfolge, geht sowohl Springen als auch Dressur. Außerdem hat Emmi eine seltene Abstammung, da ihr Muttervater Vollblutaraber ist, was meiner Meinung nach eine sehr sinnvolle Veredelung der Warmblutzucht darstellt. Da aus der Mutterlinie bereits viele erfolgreiche Sportpferde hervorgegangen sind, fand ich es eine schöne Idee, den Stamm auch weiter zu erhalten. Die Frage war also – warum eigentlich nicht?

Ich habe in den letzten Jahren sehr viel in meinem Leben nach Emmi ausgerichtet. Den Stall habe ich nicht etwa nach einem kurzen Fahrtweg oder einer schönen Anlage ausgesucht, sondern danach, welcher Emmi am ehesten gerecht wird. Emmi hat zwei Kolik-Ops hinter sich und war für mich seitdem immer ein Stück weit Patient. Das führte dazu, dass ich jede kleine Veränderung bis ins Detail durchdacht habe und oft mit Ängsten konfrontiert war. Allem voran natürlich Angst, dass sie wieder eine Kolik bekommen würde. Angst dass sie eine weitere Kolik nicht überleben würde.

Während meines Studiums und auch das erste Jahr des Referendariats war ich immer damit beschäftigt, Emmi irgendwie in mein Leben zu integrieren und nicht nur dem Pferd, sondern auch meinen Reitbeteiligungen gerecht zu werden, während ich manchmal mit allem ziemlich überfordert war. Eigentlich passte Emmi schon seit Jahren nicht mehr richtig in mein Leben. Ich hatte keine Zeit genug zu trainieren, um weiterzukommen. Keine Zeit für Tierärzte, Osteos, Chiropraktiker und Sattler. Ich hatte keine Kapazität, mir Gedanken um das richtige Futter, die passende Wurmkur und den besten Stall zu machen. Ich hatte großes Glück und (hintereinander) zwei tolle Reitbeteiligungen, die Emmi super geritten sind und mir eine Menge Arbeit abgenommen haben. Ohne sie wäre es mir nie möglich gewesen, Emmi überhaupt zu versorgen. Dennoch war das Reiten für mich mehr Stress und Verpflichtung als Entspannung. Ich brauchte einfach dringend eine Pause von dem ganzen Zirkus. Ich wurde oft gefragt, wie ich einerseits keine Lust mehr aufs Reiten haben kann und mir andererseits mit dem Fohlen ein zweites Pferd anschaffen kann. Für mich war das nie ein Widerspruch. Für immer mit dem Reiten aufzuhören und Pferde aus meinem Leben zu streichen, stand nie zur Debatte. Ich brauchte in dieser stressigen Lebensphase nur ganz dringend eine Auszeit. Einfach mal ein paar Monate nicht täglich in den Stall fahren, um den Kopf frei zu bekommen. Mir hat diese Zeit wahnsinnig gut getan und ich freue mich jetzt umso mehr, wieder regelmäßig in den Stall zu fahren und auch bald wieder zu reiten. Durch die Auszeit bin ich wieder unbeschwerter und mache mir nicht mehr um jede Kleinigkeit Sorgen. Außerdem habe ich mich durch die Trächtigkeit das erste Mal überhaupt mit dem Thema „Zucht“ beschäftigt und habe dadurch einen ganz neuen Einblick in die Reitsportszene bekommen. Vorher habe ich mich für Zucht und Abstammungen nicht besonders interessiert und hatte ehrlich gesagt gar keine Ahnung. Daher finde ich es umso schöner, durch Emmis Trächtigkeit in diesen Bereich reinschnuppern zu können und viel Neues zu lernen.

Von dem Fohlen erhoffe ich mir in erster Linie ein gesundes, rittiges Reitpferd, das klar im Kopf ist. Alles darüber hinaus gehende wäre ein Bonus, über den ich mich riesig freuen würde, den ich aber nicht erwarte. Natürlich hoffe ich, dass Emmi ihre Stärken vererbt und der Hengst sogar noch verbessern kann. Aber ich weiß auch, dass ich sehr genaue Vorstellungen von dem perfekten Nachwuchspferd habe und nicht davon ausgehen kann, dass das Fohlen genau diese Erwartungen erfüllt. Das finde ich aber auch gar nicht schlimm – sollte das Fohlen aus welchen Gründen auch immer nicht zu mir passen, kann es ganz sicher jemand anders sehr glücklich machen. Dafür muss es jedoch erstmal gesund und munter auf die Welt kommen, das ist das Allerwichtigste!

Die Entscheidung, ein Fohlen zu ziehen, war für mich ganz anders als alle Entscheidungen zuvor. Es war keine leichtfertige Entscheidung, aber es war eine emotionale Entscheidung, die ich nur für mich und Emmi getroffen habe. Das habe ich trotz allen Gegenwindes bis heute nicht ein einziges Mal bereut. Wenn sich eine Entscheidung einfach richtig anfühlt, ist es nämlich ziemlich scheißegal, was andere darüber denken.

 

 

Noch 10 Tage bis zum Fohlen!

Nach dreimonatiger Abstinenz melde ich mich wieder zurück. Ich bin seit einer Woche wieder zurück in Hamburg und habe so langsam alles sortiert und mich wieder eingelebt. Die drei Monate im Ausland waren für mich sehr spannend und lehrreich. Ich hatte eine tolle Zeit, aber ehrlich gesagt trotzdem ziemlich viel Heimweh. Natürlich habe ich auch Emmi sehr vermisst. Einer meiner ersten Wege zurück in Deutschland führte mich daher direkt in den Stall. Emmi steht mittlerweile nachts in der Box und es sind tatsächlich nur noch 10 Tage bis zum Abfohltermin. Allerdings hat sie noch nicht viel Euter gebildet, daher wird es vermutlich noch deutlich länger dauern, bis das Fohlen tatsächlich kommt. Ich habe mir vorgenommen, diese intensive und besondere Zeit rund um die Geburt möglichst gut festzuhalten. Vor allem für mich, aber auch für euch. Ich bin sicher nicht die einzige, die den Wunsch hatte, ein Fohlen aus der eigenen Stute zu ziehen und daher werde ich versuchen, euch so gut wie möglich mitzunehmen und möglichst viel zu zeigen. Da Bilder dafür nicht ausreichen, gibt es in diesem Post eine kleine Überraschung für euch: Meinen ersten Vlog!

Ich habe oft darüber nachgedacht, Videos zu drehen, weil ich finde, dass es total Spaß macht, mit der Kamera unterwegs zu sein und danach etwas zusammenzuschneiden, was man sich immer wieder angucken kann. Allerdings ist so ein Video natürlich ein ganz anderer Eingriff in die Privatsphäre und sehr viel persönlicher als ein schnöder Blogbeitrag. Deshalb haben wir uns bei Youtube bisher alle eher zurrückgehalten. Ich wollte es trotzdem gerne mal probieren, ob solche Videos vielleicht was für mich (und euch) sind. Das hier ist ein erster Versuch, ganz spontan mit dem Iphone gedreht. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr es euch anseht und mir vielleicht eure Meinung in den Kommentaren da lasst 🙂

Zausel mein Alterchen

Wer ein krankes Pferd hat, setzt sich unweigerlich viel mit ihm und seinem Wohlbefinden auseinander, guckt oft ganz genau hin, versucht äußere Anzeichen, Körpersprache und Mimik zu deuten, Bewegungsabläufe zu analysieren, auf die Kleinigkeiten zu achten und wird dabei doch blind für die Dinge, dich sich langsam herangeschlichen haben, die leise in den Alltag gesickert sind und heimlich zu dem geworden sind, was man als normal oder „das war doch schon immer so“ empfindet.

Seit mein Zauselchen diesen Winter ganz schleppend ganz schön krank geworden ist, habe ich viel Zeit damit verbracht, in das Pferd hineinzuhören, genau hinzuschauen, dann doch wieder absichtlich nicht alles auf die Goldwaage zu legen, über einige Dinge ganz bewusst mal hinweg zu sehen, weil ich sie anderen Ursachen zugeordnet habe.

Nun bekommt das kranke Zauselchen seit 3 Wochen Cortison, ein starkes Medikament, ein wirksames Mittel, dass ihn hoffentlich wieder gesund macht, aber vor dessen Nebenwirkungen ich mich auch lange gescheut habe.
Der Zausel leidet schon seit Jahren an einer chronischen Bronchitis und hatte damit diesen Winter so heftig zu kämpfen wie schon lange nicht mehr. Wenn ich hier jetzt schreibe „er hatte zu kämpfen“ dann kommt mir diese Wortwahl wieder zu drastisch vor, mich drängt ein innerer Impuls das ganze gleich wieder zu relativieren, zu betonen, dass es ihm SO schlecht nun auch wieder nicht ging, er nicht gelitten hat, nicht sterbenskrank war.
Aber vielleicht ist das genau der Fehler, den ich immer wieder im Zusammenhang mit dieser Erkrankung mache. Es zu verharmlosen, weil der Prozess in so kleinen Schritten eintritt, dass ich es viel zu spät merke. Die Relationen verschieben sich so, dass ich gar nicht mehr erkenne wie schlecht es ihm geht. Viel zu weit Weg ist das wirklich gesunde, energiereiche, kräftige Pferd, viel zu lange hatte ich Zeit, mich an einen etwas steiferen, etwas unwilligeren, etwas matteren Zausel zu gewöhnen, so dass die schleichende Verschlechterung im Alltag kaum auffällt.
Bis man irgendwann in der Halle steht und mit Tränen in den Augen erkennt: Dieses Pferd ist nur noch ein jämmerlicher Schatten seiner selbst. Allen Schick und Charm hat er eingebüßt, all seine Bewegungsqualität ist verloren, wie ein kraftloser Klepper schleppt er sich durch die Halle, ist missmutig und übellaunig, schaut müde und verbraucht aus.

Ich bin offenbar gut darin, unbequeme Dinge mit fantasiereichen Ausreden zu beschönigen, anstatt die Tatsachen anzunehmen und etwas zu unternehmen. Dass er etwas steifer geworden ist hatte ich auf zu wenig konsequentes Training geschoben. Dass er irgendwie nicht mehr so im Lack stand auf sein fortschreitendes Alter. Sowieso habe ich viele Dinge auf sein Alter geschoben und ich glaube, das ziemlich zu unrecht.
Er ist 15 Jahre alt, ein Alter, in dem andere Pferde auf dem Höhepunkt ihrer Leistung internationale Turnier bestreiten. 15 Jahre sind für ein gesundes Pferd kein Grund sich unaufhaltsam in einen Klepper zu verwandeln. Und wenn dies doch passiert, ist das Pferd eben nicht gesund.

Seit er nun unter Cortison steht, merke ich, wie langsam die Lebensgeister in ihn zurück kehren. Sein Gangbild hat sich verändert. Er hatte jetzt fast 12 Wochen komplette Reitpause, seit ein paar Tagen reite ich ihn wieder. Es ist gar nicht mal so leicht zu beschreiben, wie er sich seit dem entwickelt hat aber ich merke, dass da irgendwie wieder mehr Gummi in der Bewegung steckt. Er bewegt sich wieder freiwillig und gern, aufwändiger und irgendwie erhabener, wenn auch noch ganz schön steif und spannig. Aber es ist ein himmelweiter Unterschied ob der Rücken ein bisschen spannig ist oder das ganze Pferd vor lauter Mattigkeit kaum die Füße aus dem Sand bekommt. Ich merke, wie spielend leicht man eine Anlehnung herstellen kann, wie bereitwillig er auf dem Gebiss kaut, mit welch leichter Zügelführung er sich reiten lässt. Ich muss nicht erst Runde um Runde lösen, um überhaupt so etwas wie eine Anlehnung herzustellen. Ich muss nicht darum kämpfen, damit er überhaupt irgendwie den Hals krumm macht. Ich brauche keine Sporen, um ihn in Gang zu halten, er reagiert bereitwillig auf die Schenkelhilfen und möchte gern ein bisschen arbeiten.

Wie konnte ich nur so lange mein Pferd verleugnen, obwohl ich ihn so gut kenne? Wie konnte ich glauben, dass er sich durch sein Alter so verändert hatte und dabei übersehen, wie krank er war?
Er arbeitet gern, er bietet sich dem Reiter freiwillig an, er zeigt sich gern und hat von Natur aus Ausstrahlung. Das ist nichts, was man in ein Pferd hinein zwingen kann, wenn es ihm durch körperliche Defizite abhanden gekommen ist.

Am Mittwoch vor zwei Wochen habe ich mit einer lieben Freundin zusammen Fotos vom Zausel und mir gemacht. Er erscheint mir auf diesen Bildern ganz schön gealtert. Noch schlimmer ist es aber auf den Bildern von vor ein paar Wochen. Da sieht man ihm die Krankheit körperlich doch ganz schön an. Im Gesicht, in der Art und Weise wie er sich bewegt, wie er steht und schaut, an seinem Körper und seiner Muskulatur. Ein bisschen ausgezehrt sieht er aus finde ich, ein bisschen erschöpft im Blick, es fehlt das Feuer und die Kraft. Auch auf diesen Bilden hier im Beitrag ist er noch nicht wieder ganz der Alte.
Aber ich merke, dass sein Wesen langsam zurückkehrt, dass er wieder lustiger, alberner wird. Mich zum Spielen auffordert, an mir knappst und schleckt, aufmerksam und aufgeschlossen mir gegenüber ist. Er erscheint mir wacher und fröhlicher, seine Ohren sind nicht mehr ganz so oft missmutig nach hinten gestellt, sein Maul sieht entspannter aus, seine Miene wirkt freundlicher. Aber ich sehe auch, dass er noch lange nicht ganz der Alte ist, es fehlt noch ein ganzes Stück.

Und dann ist da wieder die Sache mit dem Alter: Ich frage mich, ob er sich diesmal gänzlich erholen wird. Und wann war er eigentlich das letzte mal ganz er selbst? Strotzend vor Kraft und rund um Gesund? Ich glaube, das ist schon ein paar Jahre her und das stimmt mich wieder traurig. Vielleicht wird da immer dieser Schatten bleiben, den seine kranke Lunge über ihn wirft. Vielleicht wird ihm das immer das letzte Quäntchen Energie rauben, die es bräuchte um wieder ganz zu erstrahlen.
Ich hoffe, dass er diesen Frühling auch noch mal seinen großen Frühling erlebt, hänge grade eine unheimliche Hoffnung an das Kortison, wünsche mir, dass es die kranke Lunge quasi auf Null setzt. Ich weiß, dass das klappen könnte. Vor 6 Jahren hat er das letzte Mal eine lange Kortisonbehandlung bekommen und den darauffolgenden Sommer seine seit dem beste Form gehabt. Ich wünsche mir sehr, dass es diesmal genau so gut anschlägt. Falls er körperlich nicht mehr auf diese Höhe kommt, hoffe ich zumindest, dass ihm seine Laune und sein Wesen so erhalten bleibt, wie im Moment. Es ist nicht schlimm, wenn er immer ein bisschen älter aussehen wird, als er ist, wenn er nicht mehr ganz so viel Leisten kann wie früher, tatsächlich ein bisschen steif bleibt. Hauptsache er bleibt so albern und motiviert, interessiert und fröhlich wie im Moment. Das wünsche ich meinem Alterchen wirklich von ganzem Herzen.

Zausels Klinikbesuch

Vor zwei Wochen habe ich beschlossen, dass ich mir den Zausel so nicht länger angucken kann und habe einen Termin in der Klinik vereinbart. Ziemlich genau eine Woche später hatten wir einen Termin und ich habe hier noch gar nicht so wirklich erzählt, wie der Termin gelaufen ist und was wir seit dem verändert haben, es wird dringend Zeit, das nachzuholen.

Der Zustand des Zauselchens war schon viel zu lange ganz schön schlecht und alle Maßnahmen, die ich so ergriffen hatte, zeigten keine Wirkung.
Irgendwann vor Weihnachten habe ich das Reiten ganz eingestellt, weil er mir so schlapp vorkam, dass ich mich nicht mal draufsetzen wollte. Zu dieser Zeit hegte ich bereits den Verdacht, dass Ursache seiner Mattheit die Lunge war.
Seit Jahren schon hat er eine RAO, kam damit aber eigentlich immer ganz gut zurecht. Natürlich gab es auch immer schlechtere und bessere Phasen, aber so im Großen und Ganzen war er recht stabil. So stabil, dass ich auf die dumme Idee kam, den Pferden Futterstroh anzubieten.
Der Zausel hatte seit Jahren keinen Kontakt mehr zu Stroh, weil seit dem letzten Jahr aber die Verdauung mit der ausschließlichen Gabe von Heulage nicht mehr so gut zurecht kam, wollte ich die Raufutterration gern um etwas Futterstoh aufwerten.

Die Pferde haben es auch gern gefressen und die positiven Auswirkungen auf die Verdauung ließen nicht lange auf sich warten.
Leider stellte sich eben mit der Zeit beim Zausel dafür aber eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes ein.
Alle Versuche, dem entgegen zu wirken (Blutbild, Zusatzfutter, Sattel aufpolstern, Akupunktur, chinesische Kräuter, TA) zeigten keinen Erfolg und da das Futterstroh das einzige war, was sich in der letzten Zeit wirklich verändert hatte, bekam ich eben die Vermutung, dass dieses der Auslöser für seine Probleme sein müsste.

Also wurde das Stroh wieder vom Futterplan gestrichen und aus dem Paddock verbannt. Das war kurz nach Weihnachten. Es folgten einige Wochen des Abwartens, dass sich sein Zustand verbessern würde. Auch wenn ich mir erst eine leichte Besserung einbildete, war er nach Wochen des Abwartens Anfang Februar immer noch so schlecht drauf, dass ich weinen musste bei dem Anblick in ihn der Longierhalle seine müden Runden drehen zu sehen.
Von alleine wurde hier gar nichts besser und ich konnte mir das Elend nicht länger mit ansehen und vereinbarte einen Termin in der Klinik zum kompletten Check-up.

Ich wollte, das man das Pferd im Gesamten anschaut, sich nicht nur auf die Lunge beschränkt, vielleicht war das Problem ja doch ein anderes und es tat ihm etwas weh? Ich weiß eigentlich gar nicht so genau, warum ich immer noch daran zweifelte, dass es die Lunge ist, die ihm solche Probleme machte, es war eigentlich die ganze Zeit das Naheliegeste. Vielleicht weil seine Beschwerden nicht direkt eindeutig sind und die typischen Symptome nicht auftraten. Kaum Husten, normale Atmung, kein schnelles Pumpen nach Bewegung. Nur einfach vollkommen abgeschlagen, matt, träge und etwas steif. Außerdem kam das erst schleppend, irgendwann als sie schon längere Zeit Stroh zu fressen bekamen und hätte doch auch besser werden müssen, wo das Stroh nun schon seit Wochen wieder aus dem Paddock verbannt war!? Außerdem hatte ihn im Dezember noch eine TÄ abgehört und geäußert, dass sich die Lunge eigentlich ganz gut anhörte, konnte es da so schlimm sein? Vielleicht auch, weil ich genau wusste, dass die Diagnose eine langwierige Heilung und aufwändige Behandlung mitsich ziehen würde und ich irgendwie hoffte, dass es etwas anderes, leichteres sein könnte. Und wahrscheinlich war da auch ein bisschen Verdrängung der Schuldgefühle dabei, schließlich hatte ich ihm das alles mit der Strohfütterung angetan, sollte sich der Verdacht bestätigen.

Kurz bevor ich den Termin in der Klinik machte, warf noch eine TA, die gerade auf dem Hof war, einen schnellen Blick auf den Zausel und bestätigte, dass er nicht besonders gut lief, meinte er bräuchte hinten Eisen und eine Spritze in den Rücken und eine wärmere Decke und dann würde er wieder besser laufen.
Das fühlte sich so falsch an, dass ich noch am selben Tag einen Termin in der Klinik ausmachte, um diesem rumprobiere am kranken Pferd ein Ende zu setzen. Ich musste wissen, was da jetzt Sache ist.

Vor einer Woche gleich morgens früh um 9 Uhr hatten wir also einen Termin und fuhren bei herrlichen Winterwetter eine gute Dreiviertelstunde zur Klinik nach Appen. Der Zausel war in der fremden Umgebung natürlich aufgeregt und rief in einer Tour nach seinen zuhause gebliebenen Offenstallhomies. So ein brüllendes Pferd an der Hand kann ganz schön anstrengend sein, vor allem, wenn man gerade versucht dem Tierarzt zu erklären, warum man denn gekommen ist.
Zunächst wurde der Zausel auf hartem Boden gründlich gemustert, im Schritt, im Trab, gradeaus, in der Wendung, gebeugt und noch mal geradeaus.
Alles soweit unauffällig, war ja auch schon mal schön ist.

Dann ging es in die Halle, auf weichem Boden schauen wie er läuft. Natürlich zeigte er sich da erstmal ganz anders als zuhause, bockte direkt los, kaum dass ich ihn außen auf den Zirkel geschickt hatte. Er trabte die ersten Runden auch wirklich elanvoll und motiviert durch die Bahn, allerdings merkte man nach wenigen Minuten, dass er merklich nachließ und immer weniger kraftvoll die Füße hob, bis er dann eher schlurfte als trabte.

So konnte der Tierarzt sich zumindest einen ganz guten Eindruck von dem Problem machen und ich brauchte ihm gar nicht erst die Sequenzen auf dem Handy vorzuspielen, die ich extra zuhause aufgenommen hatte. Danach ging es dann noch mal abschließen auf harten Boden und dann in ein Behandlungszimmer wo noch mal der Rücken abgetastet und der Zausel abhört wurde.

Der Tierarzt fand ihn für sein Alter erstaunlich fit auf den Füßen und dafür dass er seit Dezember nicht mehr gearbeitet hatte auch erfreulich locker. Im Rücken hatte er ein paar Schmerzpunkte, aber die hielt er nicht für ursächlich für sein Problem und diese würden sich wahrscheinlich mit mehr Arbeit auch wieder geben oder man könnte sie zu gegebener Zeit noch mal behandeln lassen.
Jetzt allerdings hielt er vor allem die Lunge für den limitierenden Faktor und den Grund dafür, dass der Zausel so schlecht drauf war. Zwar hörte er sich beim Abhören nicht so dramatisch an, aber er vermutete, dass das umliegende Lungengewebe stark angeschwollen war und der Sauerstoffaustausch an den Lungenbläßchen so nicht richtig von Statten gehen konnte. Ein Problem, was wohl vor allem bei den chronischkranken Pferden auftaucht. Sind sie einem Allergen oder einer reizvollen Umgebung ausgesetzt, verdickt sich das Gewebe in der Lunge und behindert so die Lungenbläschen an der Ausdehnung.
Meistens gelingt es dem Körper nicht, aus eigener Kraft aus diesem Zustand heraus zu kommen, auch, wenn die auslösenden Stoffe längst entfernt wurden. Bei der Entwicklung des Zausels liegt es Nahe, dass das Stroh dieses auslösende Allergen war, hinzu kam noch ein ausverstehen gefütterter Heuballen anstatt Heulage, was dann in Kombination zum Fiasko in der Lunge sorgte. Obwohl wir beides schon vor Wochen wieder entfernt hatten, steckte der Zausel in dem chronischen Schub fest.

Klar ist aber auch, dass sich seine chronische Lungenerkrankung mit den Jahren immer weiter verschlechtern wird und der Verlauf nur abgemildert, nicht aber ganz aufgehalten werden kann. Es ist auch möglich, dass nicht der einzelne Auslöser Grund für seinen Zustand ist, sondern sich die Lunge mit der Zeit insgesamt so stark verschlechtert hat.
Da die Verschlechterung aber recht schnell von statten ging und er im Sommer noch ganz fit war, wir außerdem einen naheliegenden Auslöser haben, der zeitlich auch gut in den Verlauf passt, gehen wir aktuell davon aus, dass es tatsächlich das Stroh war, was alles ausgelöst hat.

Das wäre zumindest die angenehmste Ursache, dann stehen die Chancen nämlich gut, dass er nach der Gabe von Medikamenten und dem konsequenten fernhalten des auslösenden Strohs wieder ganz der Alte wird.

Damit das umliegende Gewebe in der Lunge schnell abschwillt und er wieder besser Luft bekommt, hat der TA ihm Kortison verschrieben. Er bekommt das zunächst über 3 Wochen jeweils morgens, zusätzlich noch VentiPlus als Schleimlöser und jeden Tag 30 min. inhalieren mit Kochsalzlösung.

Wir sind jahrelang ohne die Gabe von Kortison ausgekommen und ich bin da immer sehr vorsichtig mit gewesen. Er hatte auch in der Zwischenzeit mal schlechtere Phasen, die wir aber immer mit etwas Zeit, Akupunktur und Kräutern gut in den Griff bekommen haben. Maßnahmen, die dieses Mal alle nicht angeschlagen haben.
Da sein Zustand schon wirklich lange schlecht war und sich von allein auch gar keine Besserung einstellen wollte, habe ich mich dieses Mal recht schnell zu der Entscheidung durchringen  können, ihm Kortison zu geben. Trotz aller möglichen Nebenwirkungen und berechtigten Bedenken bleibt es einfach ein hochwirksames Medikament und ich wollte dem Zausel schnellstmöglich Besserung verschaffen.

Seit zwei Wochen bekommt er nun das Kortison und zum Glück geht es ihm schon erheblich besser. Er bekommt langsam mehr Lust sich zu bewegen, trabt deutlich elanvoller durch die Halle und macht auch mal ein paar Runden ganz freiwillig und ohne dass man ihn dazu überreden muss. Zusätzlich scheint ihm der Schleimlöser in Kombination mit dem Inhalieren auch wirklich gut zu tun, zumindest löst sich tatsächlich ganz ordentlich was nach dem Inhalieren und er hustet kräftig ab. Erst beschränkte sich seine Bewegung auf ein bisschen tägliches Laufenlassen in der Longierhalle, damit er eben abhustet und den Kreislauf etwas in Wallung bringen kann. Eigentlich wollte ich dann anfangen ihn ausgebunden zu Longieren und die Interwalle etwas zu verlängern, um die Lunge wieder etwas zu trainieren und die Muskulatur langsam aufzubauen. Da die Longierhalle bei uns aber im Moment ständig belegt ist und außerdem schrecklich staubig ist, habe ich mich diese Woche zum ersten Mal seit mindestens 10 Wochen mal wieder auf seinen Rücken geschwungen und habe festgestellt, dass ihm die Bewegung unter dem Reiter doch besser gefällt als immer nur im Kreis zu laufen. Heute bin ich zum dritten mal geritten und er ist immer noch sehr motiviert bei der Sache, auch wenn ihm heute die Eiseskälte von -13 Grad über Nacht wieder etwas zu schaffen machte.
Ich bewege ihn so 15-20 min. in Trab und Galopp, große Linien und frisch vorwärts, einfach nur um überhaupt erstmal wieder in Wallung zu kommen. Natürlich ist er steif und etwas ungeschmeidig, aber die Hauptsache ist erstmal, dass er die Freude an der Bewegung zurück gewinnt und sich gesundheitlich erholen kann.

Nächste Woche bin ich eine Woche Skifahren, da werden meine Mutter und seine RB das Bewegungsprogramm für mich umsetzen und Mitte März haben wir dann noch mal einen Termin in der Klinik zur Kontrolle und sehen dann, wie es weiter geht.
Bis dahin entwickelt er sich hoffentlich weiterhin so positiv und wir können besprechen, wie man ihn am besten weiter aufbaut und wann man die Medikamente ausleiten kann.

Püppis Januar

Im letzten Jahr haben wir eine neue Serie gestartet – 365 Tage Pferdebesitzer mit allen Höhen und Tiefen. Mir hat das monatliche Berichten sehr gut gefallen, zum Einen „zwingt“ es einen, regelmässig Tagebucheinträge zu schreiben, zum Anderen kann man am Ende des Jahres so ein super Resümee ziehen und schauen, was das Jahr so gebracht hat. Also habe ich beschlossen, weiterhin monatliche Updates zu schreiben, aber meine eigenen Kategorien zu implementieren.

Los gehts also für den Monat Januar!

Wie war Püppi drauf?

Püppi ist momentan wirklich in der Form ihres Lebens. Sie ist jetzt 11, weit ausgebildet, ist erwachsen und geworden und hat Kraft bekommen. Häufig war sie im Winter schlechter als im Sommer, weil sie Kälte nicht so super abkann. Man merkte dann, dass sie länger brauchte um warm zu werden, manchmal am Bein klemmte und nicht so zog etc. Diesen Winter ist das alles überhaupt nicht zu spüren (bisher, ich hoffe es bleibt so 🙂 ) Und das, obwohl ich sie sogar komplett geschoren habe. Sie ist total gehfreudig und motiviert beim Reiten und man merkt richtig, dass sie Spaß hat. Ich bin super zufrieden mit ihrer Form und hoffe einfach, dass es lange so bleibt!

Wie sah das Training aus?

Im Winter kann man das Training ja nicht ganz so abwechslungsreich gestalten wie im Sommer, trotzdem versuchen wir es so abwechslungsreich wie eben möglich zu gestalten. Einmal die Woche springt Püppi, ich habe ja schon mehrmals geschwärmt, wie toll sie das macht.

Auch in diesem Monat hatten wir wieder super Springstunden. Je nachdem, in welcher Gruppe sie springt, sind es manchmal nur kleine Gymnastiksprünge, oder auch mal ein höherer Pacour, ich schätze mal in Richtung A** oder ein leichtes L Springen. Ab nächstem Monat werde ich selber wieder springen. Ich bin jetzt 1 1/2 Jahre gar nicht gesprungen, also fehlt mir das komplett die Routine, aber dafür ist Püppi dank meines tollen Springtrainers mittlerweile so sicher und souverän am Sprung, dass wir sicher wieder schnell reinkommen. Aber ich möchte erstmal klein anfangen 🙂

Ansonsten hat Püppi meist einmal die Woche komplett frei, wird häufig einmal die Woche longiert bzw. mein Vater macht dann auch Handarbeit mit ihr und übt so vor allem die Piaffe, die ihr unter dem Reiter noch schwerer fällt als an der Hand. Und an den restlichen Tagen reiten wir Dressur. An manchen Tagen nur vorwärts-abwärts, an anderen feilen wir an den Lektionen. Ich habe mir vorgenommen, wieder mehr auf Kandare zu reiten, da ja die Saison auch bald wieder losgeht. Auf Trense finde ich sie aber doch einfacher zu reiten und schöner in der Anlehnung, deshalb greife ich noch zu oft zur Trense.

Woran arbeiten wir gerade?

Das variiert eigentlich von Training zu Training. An manchen Tagen legen wir den Schwerpunkt eher auf die Trabarbeit. Dort arbeiten wir daran, dass ich Püppi zu jeder Zeit vor mir behalte, dass sie oben im Genick bleibt und mir nicht abtaucht zwischendurch. Außerdem reiten wir viele Übergänge zwischen versammeltem Trab – Passage und Starkem Trab mit dem Ziel, dass sie ganz gleichmäßig bleibt, auf feine Hilfen reagiert und hinten nie stecken bleibt. Hiervon habe ich im Januar auch ein kleines Video gemacht:

An anderen Tagen arbeiten wir mehr am Galopp, dort ist es meine Hauptaufgabe, dafür zu sorgen, dass sie in der Versammlung den Durchsprung erhält und ihre Galoppade nicht verliert. Das ist gar nicht so einfach und eins unserer Themen, an denen wir einfach immer arbeiten müssen.

Turniere:

Im Januar stand noch kein Turnier an, ich habe aber zumindest schon einmal das erste Turnier genannt! Ende März geht es los, ich habe eine M** und einen St. Georg genannt und bin schon voller Vorfreude!

Was ist noch passiert?

Im Januar hatten wir ein schönes winterliches Fotoshootings mit Theresa! Ich würde auch wahnsinnig gern neue Reitfotos machen, aber es wird wohl noch etwas dauern, bis wir wieder draussen reiten können.

Unerwartete Kosten

Mein Sattel  musste nochmal angepasst werden, das kostete 190 EUR. Dann kam noch die Tierarztrechnung für Ende Dezember, als Püppi sich am Hinterbein eine Schramme zugezogen hatte, die sich entzündet hatte. Das waren dann 60 EUR für eine Spritze Entzündungshemmer.

Neid im Reitsport – eine Gegendarstellung einer (manchmal) Neidischen

Verschiedene persönliche Blogs zum Thema Reitsport und Pferde haben das Thema Neid in den letzten Monaten thematisch aufgearbeitet und ihre Sicht der Dinge geschildert. Dabei geschah dies immer aus der Position eines Beneideten.

Neid ist in unserem alltäglichen Sprachgebrauch direkt sehr negativ besetzt und wird oft fälschlicherweise mit Missgunst gleichgesetzt. Die Begriffe haben allerdings einen kleinen, aber in der Bedeutung sehr gravierenden Unterschied: Neid bedeutet einfach nur, dass sich jemand etwas wünscht, was jemand anderes bereits hat. Jeder kennt dieses Gefühl und hat es selbst schon mal erlebt. Man sieht jemanden mit einer Kugel Eis über den Bürgersteig laufen und möchte auch eine Kugel, man hört von einer tollen Urlaubsreise und möchte auch sofort in die Sonne oder es kommt jemand mit einer Schleife vom Turnier zurück und man möchte auch, dass sich die Mühe endlich auszahlt und man selbst mit Erfolg belohnt wird.
Neid ist also nichts schlechtes und kann anspornen und beflügeln.

Missgunst hingegen ist die hässliche Schwester zum Neid. Sie gönnt dem anderen nicht, was er hat, frei nach dem Motto: Wenn ich etwas nicht haben kann, sollen es andere auch nicht bekommen.

Ich weiß, dass in den oben genannten Blogs vor allem die Missgunst gemeint war, als es um das Thema „Neid unter Reitern“ ging und teile auch die Ansicht, dass Missgunst eine wirklich hässliche Emotion ist. Trotzdem kann ich durchaus nachempfinden, wie man sowohl Neid als auch Missgunst unter Reitern empfinden kann.

Reiten ist ein faszinierender, fesselnder, leidenschaftlicher Sport, er ist vielseitig, intensiv und einzigartig, aber eines ist er nicht: Fair.
Die Chancen auf Erfolg sind vielleicht so ungleich verteilt wie in kaum einem anderen Sport – das stelle ich einfach mal so in den Raum. Erfolg im Reitsport hängt von so vielen Faktoren ab, die man als Reiter selbst nicht in der Hand hat, dass das Frustlevel schon mal ganz schön hoch sein kann. Natürlich fällt Erfolg nicht vom Himmel und bei den meisten erfolgreichen Reitern steckt mit Sicherheit viel Arbeit, hartes Training und eiserne Disziplin hinter dem Erfolg. Im Zusammenhang mit Neid und Missgunst wird gern auf eben diese Tatsache verwiesen, dass man für den Erfolg auch einiges geleistet hat, einige Opfer gebracht hat und einem der Erfolg nicht in den Schoß gefallen ist.

Manchmal vermisse ich an dieser Stelle aber ein bisschen die Demut vor den eigenen Chancen, die Erkenntnis, dass es nicht jedem vergönnt ist, für den Erfolg hart zu arbeiten, zeitaufwendig zu trainieren und alles zu geben. Ich möchte damit gar nicht die Arbeit, die zweifelsohne hinter jeder Erfolgsgeschichte im Reitsport steht, mindern oder klein reden, ich glaube nur, es gibt so viele, die gern mehr gegeben hätten, gern härter trainiert hätten, gern mit aller Disziplin am Erfolg gearbeitet hätten, aber nie die Chance dazu hatten. Wie viele Reiter konnten ihren Traum von der Turnierkarriere nicht verwirklichen, weil sie nicht das passende Pferd dazu hatten? Oder weil das passende Pferd leider nicht mit der nötigen Gesundheit und Härte ausgestattet war? Oder hatten nie die Chance ein eigenes Pferd zu besitzen, obwohl sie dazu bereit gewesen wären, auf so vieles mehr zu verzichten als es der ein oder andere Mehrpferdebesitzer überhaupt muss? Hatten als Kind nicht die Chance von den Eltern zur Reitstunde gefahren zu werden oder überhaupt Kontakt zu Pferden zu haben, weil vielleicht eine Allergie innerhalb der Familie dies verhindert hat? Misserfolg ist genauso vielseitig wie Erfolg selbst auch.
Und bei Erfolg und Misserfolg geht es nicht nur um einen Schrank voller Schleifen, sondern jeder setzt seine Ziele und damit auch seine Maßstäbe für Erfolg ganz unterschiedlich. So kann auch Neid und Missgunst aufkommen, wenn man seit Jahren intensives Scheutraining betreibt und trotzdem kaum vom Hof kommt, während sich andere ein junges Pferd kaufen und damit vollkommen unvoreingenommen und ohne jemals auch nur an Scheutraining gedacht zu haben, stundenlange Ausritte unternehmen können. Kann man es da jemanden verübeln, wenn in ihm der Neid hochkommt?

Ich habe selbst auch schon Neid empfunden und mich vielleicht mal nicht ganz so gebührend über den Erfolg eines Stallkollegen freuen können, wie ich es eigentlich gern gekonnt hätte. Zu sehr schmerzt in dem Moment der zerplatzte Traum vom eigenen Erfolg, wenn man statt zu trainieren das eigene Pferd unermüdlich im Schritt durch die Halle führt. Und vielleicht war auch so manches Mal ein kleines bisschen Missgunst dabei, wenn man kurz bei sich gedacht hat, dass das Pflegen eines kranken Pferdes doch ein viel größeres Opfer ist, als morgens um 4 aufzustehen und zum Turnier zu fahren anstatt auf eine Party zu gehen. Ja, da hat man vielleicht schon mal so ganz heimlich gedacht, man selbst hätte es eher verdient, mit Erfolg belohnt zu werden, als manch anderer. Und ich hatte in diesen Situationen „nur“ ein krankes Pferd, wie bitter muss sich der Neid einer Reitbeteiligung anfühlen, die sich Jahre lang kümmert und bemüht, trainiert und pflegt, nur damit dann am Ende der Pferdebesitzer das Pferd, dessen er schon so lange überdrüssig war, für teures Geld verkaufen kann?

Ihr lieben erfolgreichen Reiter da draußen, ich möchte mich im Namen aller Neidischen entschuldigen. Habt ein bisschen Nachsicht mit uns in diesen Momenten menschlicher Schwäche. Eigentlich freuen wir uns natürlich auch mit euch – eigentlich. Aber manchmal können wir das nicht ganz so zeigen, wie wir es gern würden. Habt ein bisschen Nachsicht, dass wir auch gern eure Chancen gehabt hätten, dass wir gern bewiesen hätten, dass wir diszipliniert trainieren können, dass wir hart arbeiten können, dass wir Zeit und Mühe investieren können. Wir hätten so gern und durften nicht. Es ist nichts persönlich gegen euch, es ist nur manchmal nicht so leicht hinzunehmen, dass manchmal aller Wille nicht hilft, wenn es nicht sein soll.

 

Hallo Zausel, wie geht es dir?

Hallo Zausel, wie geht es dir? – Das ist im Moment jeden Tag die Frage, die ich dem Zausel als allererstes stelle, wenn ich ihn begrüße. Da er mir bisher eine Antwort schuldig geblieben ist, versuche ich zu ergründen, wie es ihm gehen könnte, in dem ich ihn sehr genau beobachte, seinem Gesicht den aktuellen Gemütszustand versuche abzulesen, jegliches Zeichen und jede seiner Regungen versuche in irgendeiner Form zu deuten.

Hat er heute einen guten Tag? Oder guckt er schon missmutig und irgendwie traurig, dann ist es bestimmt ein schlechter Tag. Oder guckt er vielleicht grade nur so, weil ihm einer seiner Mitbewohner zu nah gekommen ist und er die Möhrchen, die er von mir erwartet, nicht teilen möchte? Oder liegts am Schneeregen, der ihm grade auf die Nerven geht?

Auf jeden Fall glaube ich fest daran, dass man dem Pferd viel von seiner aktuellen Stimmung im Gesicht ablesen kann und man als Reiter bei allen Dingen, die man so tut, ruhig immer mal wieder die Frage stellen sollte, ob es dem Partner Pferd grade gut geht mit dem, was man von ihm verlangt oder mit den Bedingungen, die man ihm bietet eigentlich wirklich zufrieden ist. Auch wenn sie uns nicht direkt Antworten können, ist es eine wichtige Frage, die wir unserem Pferd durchaus stellen sollten, wenn wir es begrüßen. Man muss sie ja nicht unbedingt laut aussprechen, wenn man im Stall nicht für die schrullige Tante gehalten werden möchte, die immer mit ihrem Pferd sabbelt.

Im Moment glaube ich aber, dass ich mir diese Frage ein bisschen zu oft stelle. Ich versuche wirklich aus jeder Regung abzulesen, wie es dem Zausel grade geht und ob es vielleicht irgendwelche Anzeichen gibt, die auf eine erhoffte Besserung oder schlimmeren Falls sogar eine Verschlechterung hindeuten. Hinzu kommt noch das Umfeld, dass mich jeden Tag fragt „Und, wie geht’s dem Zausel heute? Schon besser?“. Ich freue mich über so viel Anteilnahme und Interesse am alten Patienten, aber ehrlich gesagt weiß ich grade selbst nicht so genau wie es ihm geht. Und dann fange ich an, Sachen über zu interpretieren, mir den Kopf zu zerbrechen bis es mich belastet und anstrengt immer wieder zu fragen „Zausel wie geht’s dir heute?“. Bis ich genervt bin von seiner trüben Stimmung und seinem Rumgekränkel und ihm sagen will „Stell dich nicht so an du alter Esel, ich tue hier mein Möglichstes, damit es dir gut geht, reiß dich doch mal ein bisschen zusammen.“ nur um mich dann wieder mit einem schlechten Gewissen herumzuplagen, dass ich ihm damit unrecht tue und er mit Sicherheit gern besser drauf wäre, als er es im Moment ist, aber sich eben aus welchem Grund auch immer einfach nicht gut fühlt.

Es ist nicht so, dass es ihm richtig schlecht geht. Er ist im Paddock unauffällig, normal, teilweise sogar ausgesprochen lustig und fröhlich und albert so mit seinen Mitbewohnern rum, dass er sich ein Eisen abtritt. Lasse ich ihn in der Halle laufen, schlurft er erst unmotiviert los, braucht mehrere nachdrückliche Aufforderungen, um mal aus dem Quark zu kommen, nur um dann plötzlich loszubocken und dann doch ganz fleißig seine Runden zu drehen. Das hält zwar nicht wahnsinnig lange an, aber eben immerhin ein paar Runden. Das letzte Mal als ich aber geritten bin, fühlte er sich sehr matt und steif an und war sehr unmotiviert. Und letzte Wochen waren wir im Schritt einen kleinen Spaziergang machen, da musste ich ihn regelrecht hinter mir herziehen und er machte ein Gesicht das wirklich „Kein Bock“ mit 5 Ausrufezeichen schrie. Die Ohren nach hinten geklappt, der Hals langgezogen, die Nüstern mürrisch nach oben gezogen. Und das bei einer kleinen Runde Schritt ins Gelände, an der Hand. Kann man dazu als Pferd einfach wirklich null Bock haben oder ist das doch ein Zeichen dafür, dass es ihm nicht gut geht?

Wie viel schlechte Laune darf ein Pferd eigentlich haben? Und wie viel Rücksicht muss ich auf die Launen meines Pferdes nehnem? Gibt es eigentlich Depressionen beim Pferd? Und ist es richtig, ihn mit seiner Bocklosigkeit auf dem Paddock in Ruhe zu lassen oder ist es wichtig, ihn täglich zumindest ein bisschen zu fordern, wenigstens kleine Ausflüge im Schritt zu unternehmen, wenigstens ab und an ein bisschen in der Halle zu joggen, wenigstens ab und an mal den Kreislauf in Wallung zu bringen? Oder wäre er sogar besser dran, wenn ich ihn mehr körperlich fördern würde um den Trainingsstand zu erhalten, die Muskulatur nicht ganz zu verlieren, weil sich ein fitter, trainierter Körper besser regenerieren kann?

Ihr habt hier und auf Facebook und Instagram nach meinem letzten Blogpost zum Zausel ganz viele tolle Nachrichten geschickt und mir wahnsinnig viele Anregungen zukommen lassen. Außerdem hat natürlich auch mein direktes Umfeld Vorschläge und Ideen, Dinge, die bei dem eigenen Pferd geholfen haben und Krankheiten, die das Pferd von einer Freundin der Reitbeteilung hatte und auf die kein Tierarzt gekommen ist. Das sind teilweise Vorschläge, die wir schon probiert haben, teilweise Dinge, die wir vor Jahren mal haben testen lassen, die jetzt aber nicht mehr zutreffen müssen, teilweise Krankheiten oder Behandlungsalternativen, von denen ich noch nie was gehört habe.
Und damit wiederum viel Gedankenfutter, über das man sich den Kopf zerbrechen kann.
Welche eurer Anregungen kann ich für den Zausel ausschließen, welche könnten ein interessanter Ansatz sein, welche sollte man probieren, untersuchen lassen, im Hinterkopf behalten?
Möchte ich mein Pferd mal wieder von Kopf bis Fuß untersuchen lassen? Alles testen was einem einfällt? Auch, wenn wir das schon mehrfach durch hatten und nie eine eindeutige Diagnose bekommen haben? Oder gibt es doch noch eine alternative Heilmethoden, die wir nicht probiert haben?
Die Möglichkeiten sind ja schier unendlich und jeder hat so seine eigenen Wunderheiler, die den Durchbruch erbracht haben. Und das Mittelchen, was alles verändert hat.

Mein Problem an der Sache: Ich möchte unheimlich gern, dass es dem Zausel wieder besser geht. Egal wie. Ich bin Wunderheilern gar nicht mal abgeneigt, Zusatzmittelchen auch nicht, Hauptsache es hilft. Ich möchte dem Zausel keine Chance verwehren, wieder fitter zu werden. Und ich bin sehr ungeduldig. Es soll ihm schnell wieder besser gehen. Auch, weil ich gern wieder reiten würde, vor allem aber, weil mich sein aktueller Zustand betrübt, jedes mal wenn ich ihm Stall bin. Wer hat schon gern ein kränkliches Pferd?
Ich bin also wahnsinnig anfällig für all die Anregungen und Vorschläge, die mich erreicht haben. Und zusätzlich google ich mir die Finger wund, was es noch geben könnte.
Ich bin geneigt, alle Anregungen und Vorschläge in die Tat umzusetzen, alle Mittelchen, die empfohlen werden, sofort zu kaufen und zu verfüttern, frei nach dem Motto viel hilft viel und irgendwas schlägt ja vielleicht an. Außerdem sollte man vielleicht doch eine Haaranalyse machen? Und den Wunderheiler kommen lassen, der mittels Handauflegen und Energie alles wieder ins Lot bringt.

Ich weiß aber auch, dass das nicht sinnvoll ist. Dass man nicht alles gleichzeitig angehen kann. Dass manche Dinge einfach Zeit brauchen. Dass der Körper sich manchmal sogar besser selber heilen kann, wenn man ihn nicht noch mit 25 Mittelchen belastet, sondern ihm einfach Ruhe und Geduld entgegen bringt. Und ich weiß, dass es dem Zausel nicht schlecht geht. Es geht ihm nur nicht so gut, aber das ist kein Zustand, in dem man jetzt wie wildgeworden alles auf den Kopf stellen muss, was bisher gut funktioniert hat.

Für den Moment habe ich also beschlossen, einfach mal wieder „Ommm“ zu sagen. Uns auf Dinge zurück zu besinnen, die sonst gut funktioniert haben. Den alten Zustand wieder herzustellen.
Das Stroh haben wir aus dem Stall verbannt. Unsere Stute bekommt es im Moment separat zusätzlich gefüttert, der Zausel wird strikt davon fern gehalten. Er bekommt Zink zu gefüttert, weil das im Blutbild etwas zu niedrig war, außerdem weiterhin ein Präparat mit Vitamin E und Selen, weil ihm das für seine Muskulatur einfach gut tut. Vielleicht hilft es auch der im Moment evtl. etwas angestrengten Atemmuskulatur, sich wieder zu entspannen. Außerdem bekommt er jetzt eine Flasche Hämolythan (Spurenelementkonzentrat mit Eisen) , weil auch das ihm in der Vergangenheit schon geholfen hat, nach einer schlechten Phase wieder auf den Damm zu kommen. Für die Lunge gibt es aktuell jeden Tag einen Hustentee über das Futter und ich habe einen Eimer Plantagines +C bestellt. Außerdem bekommt er zur Zeit noch seine chinesischen Kräuter, die für ihn immer nach der Akupunkturbehandlung zusammen gestellt werden.

Das ist schon eine ganze Menge und mehr wäre einfach zu viel. Jetzt heißt es erstmal weiter abwarten, die ein oder andere Tasse Tee trinken und den Zausel einfach weiterhin jeden Tag fragen, wie es ihm geht. In ein paar Wochen sagt er dann hoffentlich einfach wieder „Super, lass uns etwas unternehmen!“ Vielleicht, weil einfach das Stroh der Übeltäter war. Vielleicht, weil die Mittelchen dann ihre Wirkung entfaltet haben. Vielleicht, weil dann der Frühling nicht mehr weit ist. Vielleicht, weil dann die Tage schon länger sind. Vielleicht auch, weil er die Pause einfach brauchte. Hauptsache, er fühlt sich bald wieder besser.