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Geschicklichkeitsreiten auf dem Turnier – Unsinn oder sinnvolle Abwechlung?

Seit Einführung der WBO ist es amtlich: für Turniereinsteiger gibt es nicht mehr nur die klassischen Dressur- und Springwettbewerbe im unteren Bereich, sondern auch verschiedene Varianten des Geschicklichkeitsreitens. Was früher nur auf sogenannten Orientierungsritten, Reiterrallyes oder für Kinder bei den Mounted Games zu finden war, kann nun auch in Form verschiedener Wettbewerbe in der Halle oder auf dem Viereck stattfinden. Ob das eine gute Sache ist und wenn ja, warum, möchte ich gerne in diesem Gastbeitrag erörtern.

Sarah ist 30 Jahre alt und kommt aus dem schönen Allgäu. Mit ihren Ponys ist sie nicht nur erfolgreich in Dressurprüfungen bis Kl. L unterwegs, sondern nimmt auch regelmäßig mit ihnen an sogenannten Präzisions- und Actionwettbewerben teil. Auch gibt sie regelmäßig Kurse in diesem Bereich. Was es damit auf sich hat, wie sie dazu kam und welche Vorteile solche Prüfungen bieten können, lest ihr in ihrem Gastbeitrag. Einen zusätzlichen Einblick in ihre Arbeit mit den Ponys und ihren Reitschülern findet ihr auf ihrem Instagram Account sanoca_ponypower .Ich selbst kam über Umwege zu dieser Sparte des sogenannten Breitensports. Eigentlich empfand und empfinde ich mich als vielseitige Dressurreiterin und mit Pferdespielen hatte ich nur auf Orientierungsritten (auch genannt „O-Ritte“) Kontakt. An diesen nahm ich weniger wegen des Wettkampfgedanken teil – dafür konnte ich ja auf „richtige“ Turniere gehen, sondern weil ich dabei die Möglichkeit hatte, tolles Gelände zu erkunden und lange Galoppstrecken zu genießen. Mit den verschiedenen Geschicklichkeits- und „Schreckhindernissen“ befasste ich mich dann im Rahmen der Ausbildung meines jungen Nachwuchspferdes. Er war ein Exemplar, das trotz täglichen Weidegangs in der Herde bitte täglich beschäftigt werden wollte. Um ihn nicht zu oft körperlich zu belasten, baute ich also Bodenarbeit ein und gewöhnte ihn an Planen, Regenschirme, Flattervorhänge und, und, und. Als echtes Spielkind fand er daran großen Gefallen und so manches Spielutensil hat er inzwischen auf dem Gewissen.

Als er 6 Jahre alt war, nahmen wir zum ersten Mal an einem großen Breitensportturnier teil. Hier interessierte ich mich weniger für die Spieleprüfungen, als für Caprillitests, die Eignungsprüfung für Freizeitpferde und den GHP. Diese Prüfungen bereiteten uns beiden viel Vergnügen und die Spieleprüfungen, die ich beobachten konnte, gefielen mir sehr gut. Ich bedauerte, dass es so etwas nicht öfter gab. 3 Jahre später, im Jahr 2014, fand dann das Bundespferdefestival in Ellwangen statt und kurzerhand packten wir beide Turnierponys ein und meldeten verschiedene Prüfungen. Nach einer 1 im GHP und dem Sieg in unserem ersten Präzisionsparcours hatte ich endgültig Blut geleckt. Ich fing an, nach solchen Prüfungen Ausschau zu halten und mit meinem Verein auch selbst ein solches Turnier im kleinen Rahmen zu organisieren. Heute gibt es zumindest eine Handvoll solcher „Breitensportturniere“ in meinem Umkreis und ich nutze sie gerne als Abwechslung für meine Pferde und auch für Berittpferde, die aus dem einen oder anderen Grund (noch) nicht auf „normalen“ Turnieren starten können. Inzwischen darf ich mich auch Vizebreitensportbeauftragte meines Pferdesportkreises nennen und gebe hin und wieder Lehrgänge für interessierte Aktive.

„Die Brücke“ – Prüfstein für Vertrauen und Gelassenheit

In dieser Vorstellung fanden sich schon gute Argumente für das Geschicklichkeitsreiten – Spaß & Abwechslung. Doch warum sollte man das nicht einfach nur zu Hause machen? Sollte Turnierreiten nicht ein Leistungsvergleich sein?

1. Warum nicht nur zu Hause?

Das ist eine Frage, die ich am liebsten mit „du kannst auch nur zu Hause Dressur reiten und springen!“ beantworten würde. Diese Antwort wäre natürlich richtig, aber warum es im Gegenteil sogar GUT sein kann, auch so etwas auf Turnieren anzubieten, möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt erklären.

2. Sollte Turnierreiten nicht ein Leistungsvergleich sein?

Selbstverständlich sollte es das, aber wo fängt die Definition von Leistung an? Wer das als Argument gegen Geschicklichkeitsprüfungen nimmt, müsste konsequenter Weise auch die Streichung aller Klassen unter A (oder sogar L?) fordern. Doch auch die Anfänger leisten bereits etwas und ihre Leistungen können untereinander verglichen werden. Außerdem kann jeder gerne einmal selbst probieren, wie gut er mit seinem Pferd durch einen Parcours mit Geschicklichkeits- und Gruselelementen kommt.  Wie so oft beim Reiten gilt auch hier: Je leichter es aussieht, desto mehr Arbeit steckt meistens dahinter.

Erst im vergangenen Jahr hatten wir einen alteingesessenen klassischen Richter auf unserem Breitensportturnier – und er war begeistert!

Doch es gibt noch viele andere gute Gründe für das Geschicklichkeitsreiten als Turniersport:

Keine Reitweisenbeschränkung

Wenn man einmal davon absieht, dass es gewisse Ausrüstungsregeln zu beachten gibt, kann einfach jeder mitmachen! Völlig egal ob FN-Reiter, Barockreiter, Gangpferdereiter, Westernreiter… gerade für Reitvereine mit gemischten Mitgliedern ist dies eine tolle Möglichkeit, alle „an einen Tisch“ zu bekommen und jedem etwas zu bieten.

Blick über den Tellerrand

Wie oft hört man die Lästereien über „willenlose Westernmaschinen“, „zusammengezogene Sportsklaven“, „Pferde, die nur Gangsalat können“, „schlurfende Hirschhalsfreizeitpferde“, „seitwärts krebsende Barockpferde ohne jeden Schwung“ etc. pp.?

Auf einem Breitensportturnier passiert häufig etwas ganz anderes!Der Westernreiter wird bewundert, wie sein Pferd am durchhängenden Zügel durch den Actionparcours flitzt; der Dressurreiter, weil er geschmeidig und elegant durch Labyrinth reitet und sein Pferd ja gar nicht so ein glotzender Fachidiot ist; der Isländer, weil er in 2 Sekunden von cooler Socke auf Flitzebogen umschaltet und wieder zurück; der Spanier, der um die Tonnen galoppiert, als würde die Reiterin gerade nebenbei Doma Vaquera üben; das Freizeitpferd, das sich einfach VOR GAR NICHTS fürchtet…  Es ist ein miteinander, man fragt nach Tipps und es macht einfach Laune!

Leistungsvergleich für „Jederpferd“

Oft hört man „Mit dem Pferd brauche ich mich gar nicht auf dem Turnier blicken zu lassen“. Häufig sagen das Reiter, die erst eine Weile nach dem Pferdekauf auf den Geschmack eines Wettkampfs gekommen sind, ihren geliebten Vierbeiner aber nicht austauschen möchten. Oder man würde eigentlich gerne eine Klasse höher starten, hat aber Angst, nicht mithalten zu können. Beim Geschicklichkeitsreiten brauche ich aber weder einen Lampenaustreter noch einen Hochhausspringer. Der kurzbeinige, rundbauchige Shetty-Araber-Kaltblut Mix kann genauso antreten wie ein Don Totilas-Hitmeier – und keiner der beiden ist benachteiligt! Es gibt zwei Varianten: Den Stil-Trail (meistens als Präzisionsparcours) und den Zeit-Trail (Actionparcours). Beim Stil-Trail geht es um ein harmonisches, gelassenes Überwinden der Hindernisse, beim Actionparcours um Fehler und Zeit. Brav über jedes Hindernis muss dabei jedes Reiter-Pferde Paar erst einmal kommen, egal ob groß oder klein, egal ob dick oder dünn, egal ob Rassepferd oder Wald-und-Wiesen-Mix und eben auch egal, ob es 1.000€ oder 100.000€ gekostet hat.

Mein absolutes Lieblingsargument für das Geschicklichkeitsreiten als Turniersport, das ich unter 1. schon andeutete, ist jedoch dieses: Es gibt dem sogenannten Freizeitreiter den Impuls, sich mit seiner und der Ausbildung seines Pferdes auseinander zu setzen. Viele nehmen nämlich in erster Linie aufgrund des Spaßfaktors an solchen Prüfungen teil und gewinnen dabei die ein oder andere Erkenntnis. Ich kenne sogar ein paar Reiter, die durch diese Prüfungen erst den Weg in den „normalen“ Turniersport gefunden haben!

Doch wie kommt man durch die Teilnahme an solchen Prüfungen auf die Idee, mehr für seine reiterliche Entwicklung zu tun?

Stil-Trail – Gruselhindernisse

Klar, zuerst einmal müssen die Pferde brav und artig über die verschiedenen Hindernisse gehen. Insbesondere Plane, Brücke und Flattervorhang sind sehr beliebte Hindernisse. Doch auch ungewöhnlichere Aufgaben, wie das Durchreiten einer Poolnudelgasse (das Pferd muss hierbei die Poolnudeln mit der Brust zur Seite drücken) können vorkommen. Viele Reiter nehmen dies zum Anlass, solche Aufgaben zu Hause zu üben. Meiner Erfahrung nach ist hierbei weniger die Gewöhnung der Pferde an „seltsame Dinge“ der eigentliche Erfolg, sondern dass der Reiter in geschützter Umgebung die Reaktion seines Pferdes kennenlernt. Er lernt so es besser einzuschätzen, angemessen und richtig zu reagieren und gewinnt so an Souveränität und Selbstvertrauen, was sich schlussendlich auf das Pferd auswirkt. Dies ist besonders für das Reiten im Gelände wertvoll – es wird auch in schwierigen Situationen kontrollierter und sicherer.

Ein solches Hindernis zu überwinden kostet viel Mut und Arbeit

Stil-Trail: Rittigkeitshindernisse

Ein Präzisionsparcours besteht grundsätzlich nicht nur aus GHP-Hindernissen, sondern auch aus Rittigkeitsaufgaben: Labyrinth, Slalom, Querpassage und Wendehammer sind hier sehr beliebt.

Hiervon möchte ich zwei Aufgaben näher beleuchten.

Beim Wendehammer reitet man in eine hammerförmige Gasse ein. Der Eingang ist sehr schmal, im „Hammerbereich“ wird gewendet und das Hindernis durch den schmalen Eingang wieder verlassen. Das Wenden soll harmonisch und flüssig erfolgen. Logisch, dass nur der Reiter, der die Aufgabe ohne Ziehen und Zerren schafft, eine ordentliche Note erhält (die Noten werden je Hindernis vergeben). Wenn derjenige die Aufgabe auch noch z.B. mit einer formschönen Kurzkehrtwendung absolviert,  dann werden die richtig hohen Noten gezückt.

Auch der Slalom ist ein gutes Beispiel: Teile ich diesen gut ein, sitze ich ordentlich und dosiere ich meine Hilfen angemessen, gibt es bestimmt die 6 oder 7. Geht mein Pferd dabei durchs Genick und stellt sich passend auf unsichtbare Hilfen um, sind wir dagegen ganz schnell bei der 9!

Spätestens, wenn es an die Rittigkeitsprüfung geht, ist jedoch schnell klar: Ganz vorne steht nur das gut gerittene Pferd mit einem gut sitzenden und harmonisch einwirkendem Reiter. Eine Rittigkeitsprüfung kombiniert eine kleine Dressuraufgabe (die auch Westernreiter reiten können!) mit Geschicklichkeitshindernissen. Reite ich saubere Hufschlagfiguren, die Übergänge am Punkt und sitze im Gleichgewicht ohne mein Pferd zu stören, ist die Note solide – aber super wird es eben erst im oben genannten Fall.

Im Labyrinth sind durchlässige und geschmeidige Pferde im Vorteil

Actionparcours

Ja, ich bin ehrlich: Im Actionparcours ist es wie im Springen. Es können auch die vorne sein, die gnadenlos durchheizen. ABER ich habe auch schon Leute mit stilistisch einwandfreien und trotzdem sauschnellen Ritten gewinnen sehen.  Doch hier ist der Sinn der guten Ausbildung leider „nur“, dass es für einen Pferdefreund selbstverständlich sein sollte, sein Pferd verschleißarm zu reiten. Da dies leider immer noch nicht jeder so sieht, hier ein kleiner Appell an die Veranstalter: Bitte schreibt nur die Variante „Fehler vor Zeit“ aus – zumindest, wenn ihr als Veranstaltungsort nur einen Rasenboden zur Verfügung habt. Manche nehmen den Spruch „lieber tot als Zweiter“ nämlich definitiv zu ernst.

Geschicklichkeitsreiten und Springen

In den meisten Wettbewerben, die ich bisher geritten bin, kam eine Variante eines kleinen Sprungs vor. Diese sind meistens nicht höher als 60cm, was dazu führt, dass sich eigentlich jeder überwindet. Ist bekannt, dass viele Kinder mit kleinen Ponys oder Shettys teilnehmen, gibt es für die Kinder auch gerne mal einen „Ponyhöhenausgleich“. Ein solcher Sprung lässt sich natürlich besser, sicherer, schöner und auch schneller (schneiden) überwinden, wenn man das zu Hause regelmäßig trainiert!

Ich denke, ich habe genug geschrieben, um zu erklären, warum ich diese Disziplin so schätze. Ich sehe mich immer noch als Dressurreiter, doch das Geschicklichkeitsreiten ist definitiv meine liebste Nebensparte geworden. Ich würde mich freuen, wenn nicht nur Freizeitreiter, sondern auch der ein oder andere klassische Turnierreiter durch meinen Text neugierig geworden ist und diese Sparte einmal mit seinem Pferd ausprobiert. Egal, ob es auf Anhieb klappt oder ihr fleißig üben müsst – ich wünsche euch und euren Vierbeinern viel Spaß dabei!

Text: Sarah Börner

Fotos: Stefanie Zimmermann

Eine eigene Reitsportmarke gründen – Interview mit Nele Obst von Kudamono

Ich freue mich sehr, euch heute einen neuen Partner für Horse Diaries vorzustellen, der mich als Bloggerin ab sofort unterstützen wird. Es handelt sich dabei um eine junge Hamburger Marke, die ich schon etwas länger beobachte – Kudamono. Vielleicht sind euch die Teile auf den Fotos aus dem Shooting mit Jurina Zwirner bereits aufgefallen.

Kudamono wurde 2016 von Nele Obst gegründet. Wir haben uns auf der Pferd & Jagd persönlich kennengelernt und festgestellt, dass wir nicht nur beide in Hamburg zuhause sind, sondern auch noch fast im gleichen Stadtteil leben. Ich hatte auf der Messe die Gelegenheit, mich von den Produkten persönlich zu überzeugen und auch schon das ein oder andere Teil anzuprobieren. Die Sachen von Kudamono haben mir schon im Online Shop gut gefallen und das hat sich dann auch in der Realität bestätigt. Daher freue ich mich riesig, dass wir von nun an zusammenarbeiten werden.

Reithose Sveja II Full Grip

Eine eigene Reitsportmarke zu gründen und Reitmode selbst zu designen, klingt für mich nach einem absoluten Traumjob. Vielleicht geht es euch ähnlich? Ich habe Nele, der Gründerin von Kudamono, einige Fragen zu diesem Thema gestellt.

Stell dich doch bitte einmal kurz vor! Wer bist du, woher kommst du und in welchem Bereich bist du als Reiterin aktiv?

Ich heiße Nele Obst, komme ursprünglich aus der Nähe von Frankfurt, habe dann viele Jahre in Süddeutschland gelebt und vor ca 6 Jahren hat es mich der Liebe wegen in den hohen Norden nach Hamburg verschlagen. Überzeugtes Ponymädchen bin ich schon von klein auf. Inzwischen bin ich in der Vielseitigkeit unterwegs, am allerliebsten bin ich draußen und auf dem Geländeplatz.

Wusstest du schon immer, dass du im Bereich Mode arbeiten möchtest? Was war dein Einstieg in die Modewelt?

Nicht wirklich, nach dem Abitur wollte ich eigentlich Kunst studieren. Nachdem ich ständig zu hören bekam, dass das eine brotlose Angelegenheit sei, habe ich mich entschlossen, als Alternative Modedesign zu studieren. Ich habe in München studiert, dann hatte ich meinen ersten Job bei der Firma Drykorn, danach bin ich zu Marc O’Polo gekommen. Schon bei Drykorn habe ich mein Lieblingsthema entdeckt: Denim! Ich liebe Jeansstoff in allen Facetten!

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine eigene Reitsportmarke zu gründen?

Für Marc O’Polo habe ich viele Jahre die Jeanskollektion entworfen, dadurch habe ich sehr viel Zeit in Jeanswäschereien und vor Ort bei den Lieferanten verbracht, außerdem habe ich mich ganz intensiv mit dem Thema Passform auseinandergesetzt. Dann hat sich in letzter Zeit auf dem Markt der Stoffentwicklung viel getan, es gibt inzwischen hochelastische Stoffe, die nicht mehr ausleiern, aber trotzdem nach echtem Denim aussehen- ziemlich ideal für Reithosen!

Ich bin ein Fan von Jeansreithosen, habe aber nie die Perfekte gefunden, dadurch ist so langsam die Idee entstanden, mein Vorwissen zu nutzen und selbst welche zu produzieren.

Dazu kam, dass ich inzwischen in Hamburg lebte und jeden Montagmorgen nach München flog und Ende der Woche wieder zurück. Das war auf Dauer auch sehr anstrengend.

Was waren für dich persönlich die größten Herausforderungen bei der Unternehmensgründung?

Erstmal überhaupt den Mut aufzubringen, einen tollen Job mit großartigem Team für ein sehr ungewisses Projekt aufzugeben. Damit habe ich am längsten gehadert. Hinzu kommt, dass in Deutschland die Gründermentalität nicht besonders verbreitet ist, plötzlich ist man überall von Bedenkenträgern umgeben. Von einer Neugründung im Bereich Mode/Reitsport wird einem eigentlich überall abgeraten. Hier haben mir besonders meine Mitgründer geholfen: mein Bruder und mein Mann, die beiden unterstützen mich seelisch und mit Rat und Tat von Anfang an.

Für mich persönlich war es auch am Anfang sehr schwierig, so viel allein zu arbeiten. Ich komme aus einer großen Familie, in meiner alten Firma waren wir ein großes Team, ich war einfach nicht gewohnt, so lange alleine am Schreibtisch zu sitzen. Dazu kommt, dass es in einer großen Firma auch eine sehr gute Infrastruktur gibt, als Startup muss man sich aber plötzlich auch mit ganz banalen Themen, wie z.B. dem Produktversand mit UPS, auseinandersetzen. Das kostet alles sehr viel Zeit und man muss sich sehr gut organisieren, damit man die Prioritäten nicht aus den Augen verliert.

Woher kommt der Name Kudamono und was steckt hinter dem Logo?

Der Name ist ein bisschen aus der Not heraus entstanden, wir hatten eigentlich einen ganz anderen Namen im Sinn. Aber der erste Besuch beim Markenrechtsanwalt hat uns dann schnell auf den Boden der Tatsachen gebracht. Er ist nämlich ziemlich schwierig, einen Namen zu finden, der noch nicht in irgendeiner Form geschützt ist. Als wir schon sehr verzweifelt waren, sagte mein Mann, ich solle doch mal googlen, was Obst (unser Nachname) auf japanisch heißt. Er hat eine japanische Mitarbeiterin, die Ihn manchmal Mr. Kudamono nennt. Uns hat der Klang und das Schriftbild gefallen, geschützt war er auch noch nicht, so sind wir bei unserem Namen gelandet.

Unser Logo, unsere „horsefly“, ist eine stilisierte Pferdebremse. Das war die Idee unserer Grafikagentur. Wir wollten ein Logo, das hübsch ist, vielseitig einsetzbar und nicht unmittelbar sofort nach Reitsport aussieht. Als die Agentur die Bremse vorschlug, habe ich erstmal erklärt, wie sehr Reiter Pferdebremsen hassen. Das wusste die Agentur natürlich auch schon, aber sie haben mich trotzdem dazu gebracht, mir diese Tierchen mal genauer anzusehen. Und siehe da, die kleinen Biester mit ihrer symmetrischen Form sind aus der Nähe betrachtet eigentlich wirklich schön!

Das Logo von Kudamono

Was ist das Besondere an Kudamono?

Kudamono ist schlicht, hochwertig und cool. Wir nennen das „Premium Casual Equestrian Wear“. Unsere Outfits kannst Du problemlos den ganzen Tag tragen, zum Einkaufen im Supermarkt, im Büro… Aber auch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht: alle Teile sind so entwickelt, dass sie auch wirklich sehr gut zum Reiten funktionieren.

Wo werden die Teile produziert? Worauf achtest du bei der Auswahl der Produktionsstätten?

Unsere Teile werden fast alle in Italien produziert, in kleinen Betrieben, die auf hochwertige Verarbeitung spezialisiert sind. Mir ist sehr wichtig, alle Produzenten persönlich zu kennen um sicher zu gehen, dass sie nachhaltig und unter fairen Bedingungen arbeiten. Viele Partner kenne ich schon viele Jahre durch meine Arbeit für Marc O’Polo. Produktion in Europa ist natürlich deutlich teurer als in Fernost, aber wir sind überzeugt, dass auch für unsere Kunden dieser Aspekt immer wichtiger wird. Diesen Sommer haben wir sogar unser erstes Teil hier in Deutschland produziert!

Welches ist dein persönliches Lieblingsteil?

Das ist einfach: unsere Jeansreithose Sveja! Paßt einfach zu allem, ist super bequem, hab ich oft den ganz Tag an.

Als Designerin muss man sehr kreativ sein, funktioniert das immer auf Knopfdruck? Woher nimmst du deine Inspiration? Hast du Angst, dass dir irgendwann nichts Neues mehr einfällt?

An Ideen hat es mir noch nie gemangelt, nur die Zeit zur Umsetzung ist leider oft knapp. Ich reise sehr gern, bin viel in Städten und auf Ausstellungen unterwegs. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, kommen die Ideen von überall. Ich habe immer ein Notizbuch dabei, dann kann ich mir schnell eine Skizze oder eine Notiz machen und vergesse die Idee nicht gleich wieder. Die meisten Ideen fallen mir übrigens abends im Bett kurz vor dem Einschlafen ein.

Wo siehst du dich und Kudamono in 5 Jahren?

Ich möchte, dass in 5 Jahren jeder, der an das Wort Jeansreithose denkt, sofort Kudamono im Kopf hat. Und ich hoffe sehr, dass ich meinen Job dann immer noch so sehr liebe wie jetzt!

Hoodie & Jeansreithose von Kudamono

12 Monate Pferdebesitzer – Frost und Freude im Januar

Emmis Januar

Hamburg, wenig Schnee und viele Wolken bei  +6 bis -7° C

Diejenigen von euch, die den Blog schon länger lesen, erinnern sich sicherlich noch an unser Projekt 12 Monate Pferdebesitzer. Unter diesem Motte haben wir im Jahr 2017 über jedes der damals vier Pferde jeden Monat einen Tagebuchbericht verfasst. Ich bin zwar mittlerweile größtenteils alleine hier auf dem Blog aktiv, würde das Projekt jedoch für mich gerne wiederbeleben. Denn es passieren viele kleine Dinge im Alltag, die schnell in Vergessenheit geraten. Ich finde es schön, sich am Ende des Monats noch einmal zurück zu besinnen, was in diesem Monat passiert ist und auch die kleinen, auf den ersten Blick unbedeutenden Momente festzuhalten.

Emmis Januar

Hamburg, wenig Schnee und viele Wolken bei  +6 bis -7° C

Besonders gefreut habe ich mich diesen Monat über:

Ganz viel Zeit mit Emmi. Ich hatte im Januar frei und konnte mich voll und ganz auf Emmi und das Antrainieren konzentrieren. Besonders gefreut habe ich mich, dass sie schnelle Fortschritte im Training macht und wir so viel Spaß dabei haben.

Darüber habe ich mir Sorgen gemacht:

Anfang des Monats habe ich mir Gedanken um Emmis rechtes Hinterbein gemacht. Es war seit Anfang Dezember dick und wurde zwar in der Bewegung dünner, aber schwoll nicht völlig ab. Daher habe ich mich Anfang Januar entschieden, das Bein einmal durchröntgen zu lassen. Ich war mir zwar zu 99% sicher, dass es nichts Schlimmes ist, aber das letzte Prozent Unsicherheit hat mich trotzdem beschäftigt. Daher war ich sehr froh, dass meine Vermutung bestätigt wurde: Emmi hat keinen Befund an dem Bein. Vermutlich stammt die Schwellung von einer alten Maukestelle, die nicht komplett verheilt ist. Wir behandeln die Maukestelle zwar, aber die Schwellung wird wahrscheinlich erstmal bleiben. Aber alles halb so schlimm, hauptsache es steckt nichts Ernsthaftes dahinter!

Zur Zeit arbeiten wir grade an:

Wir arbeiten aktuell noch vor allem an der Basis. Das bedeutet vor allem Takt und Losgelassenheit, aber auch Stellung und Biegung und ein wenig Geraderichtung. Im Galopp kann ich sie auch schon etwas zurücknehmen und setzen, das machen wir aber immer nur kurz, um sie nicht zu überfordern.

Schönstes Erlebnis diesen Monat:

Unsere erste gemeinsame Springstunde nach Emmis Babypause. Es war so schön zu sehen, wie viel Spaß Emmi daran hat und wie toll sie mitarbeitet. beim Springen kann ich mich zu 100% auf sie verlassen. Außerdem wurde ihre Manier von der Springtrainerin hoch gelobt, darüber habe ich mich auch riesig gefreut.

Dafür habe ich unerwartet Geld ausgegeben:

Für zwei Unterdecken. Die erste habe ich gekauft, weil Emmi trotz 370 Gramm Füllung in ihrer Decke sehr klemmig beim Reiten war. Daher wollte ich gerne noch mal 100 Gramm drauflegen. Leider habe ich ihr die Unterdecke ohne weitere Befestigung auf gelegt und sie in die Führmaschine gestellt. Die Decke war schneller kaputt als ich gucken konnte, sodass ich nach einem Tag (!!!) eine neue brauchte. Naja, ich habe daraus gelernt und werde in Zukunft in der Führmaschine immer alle Decken mit Gurten sichern.

Das habe ich diesen Monat falsch gemacht:

Ich habe Emmi komplett geschoren. Leider reagiert sie bei kälteren Temperaturen sehr empfindlich und ist dann beim Reiten so klemmig, dass es nur wenig Spaß macht. Mit vorherigem Longieren oder Freilaufen ist es deutlich besser, weil sie dann schon warm ist. Ich werde noch mal testen, ob es mit einem Halsteil vielleicht besser ist, habt ihr da Erfahrungen? Mir tut es jedenfalls sehr leid, dass ihr die Kälte so unangenehm ist und ich hätte im Nachhinein lieber nur eine Teilschur gemacht.

 Wenn Emmi noch etwas sagen könnte:

Ich freue mich, dass wir uns momentan so oft sehen! Allerdings sind die Möhren schon seit drei Tagen alle, das ging auch schon mal schneller….

Fotos: Jurina Zwirner

Meine Ziele für 2019

Ich hatte euch in meiner Instagram Story nach euren reiterlichen Zielen für 2019 gefragt und habe so viele tolle Antworten bekommen! Von Platzierungen in S-Dressur bis Working Equitation, Halsringreiten, A-Springen starten oder auch einfach nur die Zeit mit dem Pferd genießen war wirklich alles dabei. Das hat mich inspiriert, mir selbst auch Gedanken zu machen, was ich mir von 2019 wünsche. Hier sind meine Ziele, wobei ich es vielleicht eher Wünsche nennen würden, denn nicht alles davon liegt in meiner Hand.

  1. An allererster Stelle steht für mich, Emmi gesund und munter durch das Jahr zu bringen. Wenn das Pferd nicht gesund ist, ist alles andere wertlos…
  2. Mit Emmi aufs Turnier fahren und eine richtig gute Zeit haben. Egal, ob ich L-Trense starte oder doch noch mal eine M*, hauptsache die Pommes schmecken!
  3. Zuhause eine S* Aufgabe durchreiten. Ohne den Anspruch an Perfektion oder Turniertauglichkeit, einfach so für mich. Um ein Ziel vor Augen zu haben, auf das ich hinarbeiten kann.
  4. Regelmäßig Springen und wieder auf ein vernünftiges Niveau kommen. Toll wäre es, wenn ich einen A** Parcours ohne Angst überwinden kann. Emmi macht das ohne Probleme, aber ich hatte schon immer etwas Angst beim Springen, die sich nur durch regelmäßigen Unterricht bekämpfen lässt.
  5. Meine Sitzfehler bekämpfen, insbesondere knicke ich aufgrund meiner schiefen Wirbelsäule immer in der Hüfte nach links ein. Da ich das alleine nicht in den Griff bekomme und es mich (und vor allem Emmi) schon lange beim Reiten behindert, möchte ich physiotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
  6. Generell meinen Ehrgeiz nutzen, um eine bessere Reiterin zu werden. Hart an mir arbeiten, um so fein und korrekt wie möglich zu reiten.
  7. Meinen Ehrgeiz NICHT nutzen, um mich selbst oder Emmi durch überhöhte Ansprüche an uns zu blockieren.
  8. Mein Pferd wertschätzen und mich über jeden Tag freuen, den ich mit ihr habe.
  9. Fitter werden! Ich habe mich tatsächlich für einen Halbmarathon angemeldet, obwohl ich solche Laufwettkämpfe eigentlich sinnlos finde – warum zur Hölle sollte man Geld dafür bezahlen, dass einem Menschen dabei zuschauen, wie man sich so richtig quält?! Mein Freund wünscht sich allerdings schon länger, dass wir das zusammen machen und ich dachte, ein Wettkampf kann ein guter Anreiz zum regelmäßigen Training sein.
  10. Fürstino regelmäßig besuchen und unsere Bindung stärken.

Immenhof – Interview mit Regisseurin Sharon von Wietersheim

Am 17. Januar kommt die Neuverfilmung des Klassikers „Immenhof“ in die deutschen Kinos. Wenn ihr den Film gerne sehen wollt, schaut unbedingt auf meiner Instagram-Seite vorbei, denn dort gibt es aktuell 3 x 2 Freikarten sowie den exklusiven Immenhof Kaffeebecher zu gewinnen!

Ich durfte der Drehbuchautorin und Regisseurin des Films, Sharon von Wietersheim, ein paar Fragen zu dem Film stellen.

Haben sie die Immenhof Filme als Kind gesehen? Wenn ja, was hat Ihnen daran besonders gefallen?

Ich habe sie als Kind gesehen und bis heute liebe ich sie. Mir gefiel der Lebensstil. Einfach mit Pferden zu leben, in der Natur, das finde ich nach wie vor erstrebenswert. 

Sie haben sowohl das Drehbuch des neuen Films geschrieben als auch die Regie geführt. Hatten Sie beim Schreiben des Drehbuchs bereits alle Szenen klar vor Augen oder haben Sie einige Sachen während der Dreharbeiten noch verändert oder angepasst?

Es gibt Dinge, von denen weiche ich keinen Zentimeter ab. Sehe ich allerdings, dass sich etwas besser entwickelt oder sich eine neue Perspektive auftut, die spannend ist, kann ich das sofort zulassen. Natürlich weiss man auf welche Szenen es ankommt und diese Szenen bereitet man akribisch vor. Das jedoch immer wieder Dinge passieren, die man nicht vorhersehen konnte, muss man auch gut darin sein, schnell neue Lösungen zu finden. Im Großen und Ganzen habe ich in den Keypoint-Szenen die Größe der Bilder und die Emotionen erreicht, die ich mir gewünscht habe. Klar gibt es immer noch etwa, was noch besser hätte laufen können. 

In den früheren Immenhof Filmen geht es um die Erlebnisse rund um einen Ferienreithof. Im neuen Film geht es um die 16-jährige Lou, die mit ihren Schwestern und ihrem Vater auf dem Gestüt Immenhof lebt. Wenn man sich den Trailer des neuen Films ansieht, erkennt man auf den ersten Blick keinen Zusammenhang zu der Geschichte der Originalfilme. Gibt es überhaupt eine Verbindung zwischen den Filmen? Welche Elemente aus der Original Filmreihe werden wir in der Neuverfilmung wiede
rfinden? 

Die alten Filme handelten von einer Familie, die nicht komplett war. Die Neuverfilmung wird hier sogar noch radikaler, da bei uns auch Oma Janzen fehlt. Ich fand es spannender, die Jugendlichen ihre Probleme selbst lösen zu lassen, als dies von Erwachsenen erfüllen zu lassen. Die Geschichte hat sehr viel mit mir zu tun. Es geht um den Verlust eines geliebten Menschen, den man nicht wirklich überwinden kann. 

Das einzige, was Lou hilft, ist ihre Liebe zu den Pferden. Was ich versucht habe herauszuarbeiten sind keine Gemeinsamkeiten, sondern Gefühle. Ich finde es elementar wichtig, ein Zuhause zu haben. Einen Ort, wohin man sich zurückziehen kann. Ein Ort, an dem glücklich war, an den man wunderbare Erinnerungen hat. Ein Paradies, in dem man sich sicher und geborgen fühlt. Ein bisschen wie bei Scarlett O Hara die Plantage Tara ihr das Gefühl von Heimat gibt, wollte ich einen Ort zeigen, wo Menschen und Tiere in Liebe und gegenseitigem Verständnis miteinander leben. Immenhof als Heimat, als Zuhause zu zeigen, das einem vielleicht weggenommen wird, empfand ich als sehr starken Konflikt. Da viele Kinder in getrennten Familien aufwachsen, wollte ich das Thema „Verlust der Heimat“ der Heimat aufzeigen.  

Haben Sie privat Kontakt zu Pferden oder sind Sie als Kind geritte
n?

Ich fing mit fünf Jahren an zu reiten und kann es noch heute. Mein Vater hat mir Reitstiefel anfertigen lassen, da es die in dieser kleinen Größe nirgends gab. Ich liebe Pferde, alle Tiere und bin glücklich, ihnen nahe zu sein. 

War dies ihr erster Dreh mit Pferden am Set? Wie haben Sie die Arbeit mit den Pferden empfunden? Sind Pferde gute Schauspieler
?

Es war nicht der erste Dreh mit Pferden. Ich durfte in England schon mit dem Pferd drehen, das Mel Gibson in Braveheart geritten hat. Das war super. Ich habe den Dreh mit den Pferden sehr genossen. Ich musste geduldig sein, eine große Herausforderung für mich. Bei den Pferden klappt es, bei Menschen nicht immer. Pferde sind in der Regel keine Schauspieler. Man kann ja schlecht sagen, jetzt trabst du den Weg entlang und da vorne bei der Koppel bleibst Du stehen und blickst über den Zaun. Man muss sich auf das Pferd einlassen. Es gibt die Richtung vor. Unsere Pferde waren perfekt, wunderbar und haben all das gemacht, was ich mir gewünscht habe. Die Pferdetrainer waren sehr gut, wir haben uns immer abgesprochen, was geht und wie wir es am besten machen. Doch alles in allem, glaube ich einfach, dass ein Tier immer das macht, was Du Dir wünscht, wenn Du es liebst. Es spürt das Gefühl, fühlt sich sicher und vertraut Dir. Unsere Tiere wurden ja auch nach Strich und Faden verwöhnt und unsere Tiertrainer auch. Schließlich waren sie mit am Wichtigsten am Set. Heiner Lauterbach war komplett überrascht, was die Pferde täglich geleistet haben. Er sagte, er hätte schon oft mit Tieren gedreht, die hätten meist nie das gemacht, was sie sollten, unsere aber wären top. Ich habe allen am Set von Anfang an klar gemacht, dass die Pferde immer die Nummer 1 sind. „Horses first“ und „We make horses great again“  waren unsere Standardsätze und JEDER HAT SICH DARAN GEHALTEN. 


Woher kommen die Filmpferde und wie läuft die Zusammenarbeit ab? Kann man Filmpferde einfach mieten? Haben die Pferde eigene Trainer dabei, die bei den Dreharbeiten anwesend sind und auf die Besonderheiten der Pferde hinweisen können?

Wir haben zuerst die Trainer gefunden. Die sind super. Filmpferde.com. Sie haben das Drehbuch gelesen und dann Pferde vorgeschlagen. Dieses Auswahlverfahren dauerte Jahre und irgendwann sagte Gerd Grzesczak: „Sharon, Du musst Dich entscheiden! Wir brauchen auch noch Zeit, die Pferde vorzubereiten und sie zu trainieren!“ Bei den Pferden sind stets die Besitzer und die Trainer, also die Horsemaster, dabei. Faktisch kann man sie mieten, doch wenn man keine Beziehung zu ihnen hat oder aufbaut, bringt das nicht viel. Der Regisseur muss ja wissen, was das Pferd dem Zuschauer vermitteln soll und das geht nur mit Respekt dem Tier gegenüber. 

Das Gestüt Peterhof ist den meisten Reitern ein Begriff und sicherlich eine der schönsten Reitanlagen Deutschlands. Wie war es, dort zu drehen

Es ist sicherlich eines der schönsten Gestüte Deutschlands, vielleicht sogar Europas. Die Dreharbeiten waren ein einziger TRAUM. Die Stallungen, die Koppeln, die gesamte Anlage wurde von Arlette Jasper-Kohl konzipiert, gebaut und eingerichtet. Den Pferden geht es da besser, als vielen Menschen. Sie leben in großen Boxen, sind stundenlang täglich auf der Koppel, werden bewegt, gefüttert. Der Stall ist so sauber, man könnte vom Boden essen. Die Menschen, die sich dort um die Pferde kümmern, sind großartig. Wir haben sie und das Ehepaar Kohl ganz fest in unser Herz geschlossen. Wir haben Sezuan gesehen. So einen wunderbaren Hengst habe ich mein Leben noch nicht gesehen. Perfekt und er weiß, wie umwerfend er ist. Er ist ein großer Star. Ich liebe auch seinen Sohn Sam und seine kleine Tochter Sanzola. Sie ist ein Traum. 

Was sehr schade ist, ist dass die Besitzer der umstehenden Felder Windräder direkt neben dem Hof angebracht haben. Es ist unverständlich, dass so etwas genehmigt wurde. Die Windräder sehen so nah, dass sie Einfluss auf die Pferde haben. Eines wurde sogar massiv verletzt, es erschrak und wollte flüchten und hat sich dabei verletzt. Die Kohls kämpfen seit Jahren darum, dass die Windräder abgebaut werden. Es ist unverständlich, warum man sie ihnen direkt vor die Nase gesetzt hat. 

Mussten die Schauspieler vor den Dreharbeiten Reitstunden nehmen oder waren bereits Vorkenntnisse vorhanden?

Leia (Leia Holtwick, spielt die Hauptdarstellerin Lou, Anm. d. Red.) konnte Gott sei Dank reiten. Das war ein großer Glücksfall. Es wäre für mich als Reiterin ein Alptraum gewesen, meine Schauspielerin ständig mit von der Kamera abgewandten Kopf drehen zu müssen. Sie ist alle Szenen selbst geritten und hat natürlich zusätzlich am Set Reitunterricht von unseren wunderbaren Pferdetrainern erhalten.

Ist eine Fortsetzung des Films geplant
?

Sollten die Zuschauer unseren Film wertschätzen oder besser gesagt lieben, wäre es eine große Freude einen zweiten Teil zu drehen. Es war ein Abenteuer, ein großes und aufregendes. Wir haben viel von unseren Pferden gelernt.

Liebe Sharon, vielen herzlichen Dank für das ausführliche Interview! Ich freue mich schon sehr darauf, den Film im Kino zu sehen und bin sehr gespannt, wie er bei den Zuschauern ankommen wird! 

Wie läuft das Antrainieren mit Emmi?

Ihr hattet euch gewünscht, dass ich euch auf dem Laufenden halte, wie das Antrainieren mit Emmi läuft. Nach einem guten Monat kommt daher jetzt das erste Update!

Nach unserem Umzug am 1. Dezember habe ich natürlich erstmal ganz entspannt mit Longieren am Halfter angefangen. Allerdings zeigte sich schon in den ersten Tagen, dass unsere kleine Halle, in der man longieren kann, ziemlich gut gebucht ist und man nicht immer einen Platz bekommt. Daher saß ich bereits nach wenigen Tagen das erste Mal wieder auf Emmi und das Gefühl war unbeschreiblich! Auch Emmi war plötzlich wach und motiviert und schien sich total zu freuen, dass es wieder losgeht.

Ich habe dann angefangen, immer abwechselnd einen Tag zu reiten und einen Tag zu longieren. Wobei ich beim Reiten anfangs sehr vorsichtig war. Um Emmi nicht direkt so sehr zu belasten, habe ich vorher immer Schritt geführt oder in die Führanlage gestellt, damit sie sich ohne Reitergewicht schon etwas aufwärmen konnte. Dann bin ich ein paar Runden getrabt und auf jeder Hand eine Runde galoppiert und danach hatte ich auch schon das Gefühl, dass Emmi langsam müde wurde. Insgesamt waren es 5-10 Minuten „Arbeitsphase“. Problematisch war zunächst, eine konstante Anlehnung herzustellen, weil Emmi sich sehr verkrochen hat und nicht an die Hand heran zog. Auch hat sie sich anfangs stark verworfen, ein Problem, das sie schon immer hat und das wohl durch verspannte Muskulatur im genick ausgelöst wird. Die Anlehnung und auch das Verwerfen wurde aber von Mal zu Mal besser. Da der Dezember sehr mild war, bin ich ganz viel ins Gelände geritten, da sie dort von sich aus mehr zog und wir so ganz entspannt etwas Kondition aufbauen konnten. Ende Dezember war ich so bei 15-20 Minuten Trab und Galopp angekommen, alles ganz locker, keine Versammlung oder Lektionen, sondern einfach nur ganze Bahn und Zirkel. Die meiste Zeit bin ich Trab-Galopp-Übergänge geritten, da sie dabei am besten loslässt und in Schwung kommt. Dabei habe ich natürlich versucht, sie schon etwas mehr gerade zu richten und vor allem Zug an die Hand von hinten nach vorne zu bekommen.

Letztes Wochenende haben wir Emmi geschoren und damit einhergehend arbeite ich sie jetzt etwas intensiver. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, immer zwei Tage zu reiten und den dritten Tag dann zu longieren. Da sie zu Beginn der Trainingseinheiten meistens noch etwas klemmig ist, galoppiere ich relativ früh an und reite erstmal auf beiden Händen im leichten Sitz richtig vorwärts. Anschließend kommen dann Übergänge dazu, um die Durchlässigkeit zu verbessern. Wenn sie erstmal loslässt, zieht sie mittlerweile schon wieder sehr schön nach vorne, die Anlehnung ist konstant und sie verwirft sich nicht mehr. Mein Fokus liegt jetzt darauf, sie langsam etwas mehr auf die Hinterhand zu setzen und vorne aufzurichten. Daher nehme ich nun langsam auch versammelnde Lektionen ins Programm auf wie Schulterherein, Travers, Zirkel verkleinern und Außengalopp. Emmi ist mit großem Eifer dabei und setzt alles ganz toll um. Das wiederum macht mir so viel Freude, dass ich beim Reiten oft einfach nur grinsen muss, weil es so viel Spaß macht.

Ich reite aktuell ausschließlich im Springsattel, weil ich noch keinen Dressursattel habe und komme damit auch gut zurecht. Ehrlich gesagt nimmt mir der Springsattel den Perfektionismus und ich reite dadurch sogar teilweise entspannter und besser als im Dressursattel. Das habe ich 2017 festgestellt, als wir ein bisschen fest steckten in der Dressurarbeit und ich ziemlich frustriert war mit allem. Damals bin ich nur noch im Springsattel geritten und habe gemerkt, dass mir das sehr gut tat. Ich bin einfach insgesamt gelassener geritten und habe mich nicht verrückt gemacht, wenn Emmi mal eine Runde nicht gut lief oder ein Übergang nicht so schön war. Wenn man mit Kandare und Dressursattel in der Halle aufläuft, impliziert das für Außenstehende direkt, dass man Dressurreiter mindestens auf L-Niveau ist. Wenn ich im Springsattel reite, erweckt das den Eindruck, ich sei Springreiter und niemand erwartet, dass man nun mit perfekten Traversalen und Serienwechseln brilliert. Eigentlich total bescheuert, denn die Menschen im Stall kennen einen nach einiger Zeit ja sowieso und ich bin generell kein Typ, dem es wichtig ist, was die Leute an der Bande denken, aber irgendwie fühlt es sich für mich so an. Vielleicht versteht ihr, was ich meine?

Ich bin jedenfalls wahnsinnig froh, dass ich meine Emmi noch habe und dass ich mich entschieden habe, sie wieder anzuschieben. Ich hoffe, dass Antrainieren verläuft weiterhin so positiv und Emmi bleibt möglichst lange gesund und fit. Sie macht mir jeden Tag so viel Spaß und Freude und es wäre schade gewesen, sie schon jetzt für immer auf der Weide zu lassen. Sie wird sicherlich kein Lampenaustreter mehr und wir werden den Traum von der M-Platzierung vielleicht nicht mehr realisieren, aber dennoch ist sie einfach (m)ein Traumpferd. Nach mittlerweile fast 11 gemeinsamen Jahren verstehen wir uns blind und ich weiß mittlerweile auch, dass an unsere Bindung so schnell nichts rankommt. Wir beide sind einfach ein richtig gutes Team und das hätte ich vor lauter Ehrgeiz und Perfektionismus beinahe vergessen.

Die Fotos sind in einem Shooting mit Jurina Zwirner Ende Dezember entstanden. Schaut gerne mal auf Jurinas Website vorbei: http://www.jurina.de/

Unser Jahr 2018

Und zack, da ist das Jahr 2018 vorbei. Das Jahresende kommt doch immer schneller als man denkt. Zeit für eine Zeitreise durch das Jahr 2018 – ein Blick auf die verschneiten Straßen von NYC, Fürstinos Schritt ins Leben und meine ersten Ritte auf Emmi. Hier kommt also unser Jahr 2018 im Schnelldurchlauf:

Januar bis März

Nachdem ich im Dezember 2017 die Klausuren des zweites Staatsexamens hinter mich gebracht habe, fliege ich am 27.12.2017 nach New York, um dort die Wahlstation meines Referendariats abzuleisten. Ich fliege mit gemischten Gefühlen los. Einerseits freue ich mich auf die Zeit und die vielen neuen Eindrücke, andererseits wusste ich von einem vorherigen Besuch, dass NYC nicht gerade meine Traumstadt war. In Kalifornien hingegen fühle ich mich seit meinem Auslandssemester wie zuhause und würde jederzeit dorthin ziehen. Ich weiß, dass viele das nicht nachvollziehen können und New York hier in Deutschland extrem gehypt wird. Gefühlt jedes deutsche Mädchen mit Instagram Account war schon mindestens einmal dort oder träumt zumindest heimlich vom Leben an der Fifth Avenue.

Wir kommen bei -13 Grad und Schneesturm in NYC an, was das Ankommen nicht gerade erleichtert. Im Januar habe ich dann meine ersten Arbeitstage und mein Freund, der mich netterweise nach New York begleitet hat, fliegt wieder nach Hause. Zum Glück habe ich dort viele nette andere Menschen kennengelernt und bin viel unterwegs, sodass ich nicht zu viele Gedanken an zuhause verschwenden kann. Meine absoluten Highlights in dieser Zeit sind die Trips nach Miami und Washington DC – beides Städte, die mir persönlich um Längen besser gefallen haben als New York und deren Besuch ich jedem empfehlen kann!

Heimweh habeich natürlich trotz vieler toller Aktivitäten und dem Besuch lieber Freunde von zuhause. Neben den vielen lieben Menschen zuhause vermisse ich natürlich auch Emmi und – was mich am meisten erstaunt – das Bloggen. Ich habe mich so daran gewöhnt, regelmäßig über mein pferdiges Leben zu berichten und alles mit euch zu teilen, dass es sich merkwürdig anfühlt, plötzlich nur noch sehr wenig zu posten. Damals war Horse Diaries noch ein Teamprojekt und wir haben alles zu viert gemacht. In New York merke ich zum ersten Mal, wie wichtig mir der Blog und Instagram geworden sind und wie viel Freude es mir macht, Dinge mit euch zu teilen. Ich realisiere, dass es mir nicht mehr reicht, Teil eines Teams zu sein, sondern dass ich gern mein eigenes Ding machen würde und einen eigenen Blog starten will.

Ende März ist meine Station in New York zuende und ich bin wahnsinnig froh, zurück nach Hause fliegen zu können. Leider wird mein Rückflug wegen eines Schneesturms um drei Tage verschoben. Umso größer ist die Freude, als ich endlich wieder in Hamburg angekommen bin und meine Lieben in die Arme schließen kann. Eine meiner ersten Fahrten führt natürlich zu Emmi auf die Weide, die nicht ganz so begeistert vom Wiedersehen ist wie ich, aber die mitgebrachten Möhren dennoch gerne nimmt ;).

April

Am 09. April ist Emmis Stichtag. Die Aufregung steigt langsam, aber eine Geburt ist noch lange nicht in Sicht. Trotzdem wird Emmi schon aufgestallt und ging nur noch tagsüber auf die Weide, um sie besser beobachten zu können. Ich bin in der Zeit damit beschäftigt, für meine mündliche Prüfung zu lernen. Ende des Monats ist es dann so weit und ich war endlich Volljuristin!

Außerdem erzähle ich meinen Teamkolleginnen bei Horse Diaries endlich, dass ich gern einen eigenen Blog starten würde. Sie reagieren ganz anders als erwartet und biet mir an, unseren Blog zu übernehmen und alleine weiterzuführen. Ich freue mich riesig über die Chance und nehme das Angebot natürlich an. Zwar bin ich (bis heute) auch etwas wehmütig nach der langen gemeinsamen Zeit, aber es fühlt sich nach dem richtigen Schritt an.

Mai
Bei Emmi stehen noch immer wenige Zeichen auf Geburt, aber so ganz langsam füllt sich ihr Euter ein bisschen. Am 9. Mai wird dann – viel zu spät, aber trotzdem früher als erwartet – ein klitzekleines zartes Hengstfohlen geboren. Ein brauner Hengst also… Dabei war ich mir so sicher gewesen, dass es eine Stute wird. Ich war überglücklich, dass alles gut gegangen war und vor allem, dass Emmi die Geburt gut überstanden hatte. In den Tagen nach der Geburt fahre ich täglich zu den beiden und verliebte mich Hals über Kopf in den kleinen Mann. Frühere Gedanken an einen möglichen Verkauf sind plötzlich ganz weit weg. Es dauert einige Tage, bis ich mich für einen Namen entschieden habe. Ich wollte etwas deutsches, kurzes, was nicht zu hochgestochen klingt – für ein Stutfohlen hatte mein Freund sich den Namen „Fürstina“ überlegt und daraus wurde dann kurzerhand Fürstino :-). Fürstino kränkelt ein bisschen, erholt sich davon jedoch glücklicherweise schnell.

Direkt nach Fürstinos Geburt steht außerdem das Hamburger Spring- und Dressurderby an. Anna und Püppi starten in der Amateur-Dressur-Tour und ich durfte die beiden als TT begleiten. Weder Anna noch ich waren vorher schon mal auf einem internationalen Turnier hinter den Kulissen, sodass für uns alles neu und spannend war. Wir haben riesigen Spaß bei wunderbarem Wetter und Anna konnte sich sogar sehr erfolgreich platzieren. Ein rundum gelungenes Pferdemädchen-Wochenende.

Juni

Fürstino entwickelt sich gut. Er wächst und legt langsam zu. Trotzdem fahren wir nicht zur Fohlenschau, weil ich der Meinung bin, dass er noch nicht so weit ist und ich den beiden den Stress nicht unnötig zumuten möchte. Ich bin erstaunt, wie gut Emmi trotz ihrer 16 Jahre und einem Jahr Pause aussieht und entscheide mich, sie nach dem Absetzen wieder anzutrainieren. Emmi wird außerdem ins Hannoveraner Hauptstutbuch aufgenommen.

Weil ich das Reiten bereits jetzt sehr vermisse, suche ich mir eine Reitbeteiligung. Ich probiere Quira aus und fühle mich direkt so wohl, dass ich ihrer Besitzerin zusage, sie ab sofort 2x wöchentlich mitzureiten.


Juli

Emmi verletzt sich auf der Weide und steht plötzlich auf drei Beinen. Das vierte Bein ist elefantös dick und sie kann sich kaum noch bewegen. Ich mache mir große Sorgen, es stellt sich jedoch glücklicherweise heraus, dass es nur ein fieser Einschuss war und Emmi ist bereits nach wenigen Tagen wieder fit.

Hinkebein

Im Juli fahre ich außerdem auf die Hannoveraner Auktion nach Verden, um mich dort mit Alisa zu treffen. Wir hatten uns über Instagram kennengelernt und haben uns nun das erste Mal persönlich getroffen. Zum Glück bestätigt sich, dass wir uns super verstehen und wir verbringen einen tollen Tag in Verden.


August

Quiras Besitzerin ist im Urlaub und während meiner Urlaubsvertretung fängt Quira an zu lahmen. Ich erlebe das erste Mal, wie es sich anfühlt, wenn man selbst die Reitbeteiligung ist und das Pferd plötzlich krank wird. Ich konnte natürlich nichts dafür, trotzdem fühlt es sich blöd an, solche schlechten Nachrichten zu überbringen.

September

Quira ist wieder fit und wir haben viel Spaß zusammen. Theresa begleitet mich zu Emmi und Fürstino für ein Shooting bei Sonnenuntergang. Wir haben absolutes Glück und wahnsinnig tolles Licht. Fürstino hat sich außerdem grandios entwickelt und sieht mittlerweile richtig schick aus.

Inka Kelting besucht mich im Stall bei Quira, weil ich unbedingt ein paar Erinnerungsfotos an die Zeit mit ihr haben möchte.

Oktober

Im Oktober passiert nicht viel. Ich habe noch eine Prüfung, die viel Zeit in Anspruch nimmt und bin danach zwei Wochen auf Kreta.

Hotel Daios Cove auf Kreta

Ich habe aufgehört, Quira zu reiten, weil ich ab November Emmi wieder antrainieren wollte und es nicht schaffen würde, zwei Pferde in zwei Ställen zu reiten. Am 31. Oktober wird Fürstino abgesetzt und steht nun mit seinen Freunden zusammen im Laufstall. Sie kommen nur noch tagsüber raus und lernen so sehr schnell, sich in der Gruppe brav führen zu lassen.

November

Mein Plan, Emmi anzutrainieren, scheitert an der Stallsuche. Ich wollte gerne wieder zurück in meinen alten Stall, dort ist jedoch alles voll. Daher bleibt Emmi vorerst im Aufzuchtstall und steht weiterhin 24 Stunden am Tag auf der Weide. Da das Wetter weiterhin trocken ist, scheint es sie nicht sonderlich zu stören 🙂 Parallel gehe ich auf Stallsuche und versuche, eine Alternative zu finden, wo wir zumindest vorübergehend unterkommen können. Ende November finde ich endlich einen passenden Stall.

Weideidylle im November

Dezember

Am 1. Dezember zieht Emmi in unseren neuen Stall. Ich freue mich riesig, sie wieder in meiner Nähe zu haben. Ich fange zunächst an, sie am Halfter zu longieren und setze mich nach wenigen Tagen das erste Mal für ein paar Minuten aufs Pferd. Das Gefühl, wieder auf Emmi zu sitzen, ist unbeschreiblich und man merkt ihr an, dass sie ebenfalls riesigen Spaß daran hat, wieder zu arbeiten. Schon nach wenigen Einheiten baut sie spürbar Kondition auf und die Anlehnung verbessert sich.

Anfang des Monats besucht mich außerdem die liebe Alisa in Hamburg und wir fahren gemeinsam zur Pferd & Jagd. Mein erstes Event, auf das ich offiziell als Bloggerin fahre. Es macht super viel Spaß, durch die Stände zu stöbern, neue Leute kennenzulernen und sich inspirieren zu lassen.

Am 28. Dezember bekommen wir Besuch von Jurina Zwirner und machen eine großes Fotoshooting, bei dem viele tolle Bilder entstanden sind. Ich habe bereits einige Fotos bekommen und bin sehr begeistert! Ich freue mich schon riesig, sie euch bald zu zeigen.

Das war also unser Jahr 2018 – ein Jahr voller neuer Eindrücke, Erlebnisse und Lektionen. Es gab auch einige Tiefpunkte, die jedoch mit den Pferden nichts zu tun haben und daher hier unerwähnt bleiben. Insgesamt war es jedoch ein tolles Jahr, das mir besonders durch die Geburt von Fürstino für immer in Erinnerung bleiben wird. Außerdem war es mein bisher intensivstes Jahr als Bloggerin. Ein riesiges Dankeschön geht an alle treuen Leser für eure vielen Klicks und die tollen Kommentare. Außerdem muss ich mich vor allem bei der allerbesten Fotografin Theresa bedanken, die nach wie vor 90% meiner Fotos macht und sich dabei jedes Mal wieder selbst übertrifft.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und ein erfolgreiches neues Jahr 2019! Bis bald!

Reiten in der Schwangerschaft – Gastbeitrag von Sofia

Für fast jede Reiterin stellt sich irgendwann die Frage: Was mache ich eigentlich mit meinem Pferd, wenn ich einmal ein Kind bekomme? Um einen Einblick in das Leben als schwangere Reiterin zu bekommen, haben wir uns an Sofia gewandt, die mittlerweile eine kleine Tochter bekommen hat.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im März 2015 auf Horsediaries. Da er einer der beliebtesten Beiträge auf dem Blog ist und ihn einige von euch sicherlich noch nicht kennen, möchte ich ihn euch gerne noch einmal zur Verfügung stellen.

Sofia ist 33 Jahre alt, kommt aus dem Rheinland und hat einen 12-jährigen Westfalenwallach namens Lucky Luke, den sie 4-jährig bekommen hat und seitdem erfolgreich auf Turnieren vorstellt. Und sie hat eine 1 1/2 jährige Tochter.  Also haben wir sie gefragt, wie sich ihr Reiter-Leben durch die Schwangerschaft verändert hat und freuen uns sehr, dass Sie folgenden Gastbeitrag für uns geschrieben hat:

Als ich meinen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, rasten mir unzählige Gedanken durch den Kopf. Der erste galt meiner Familie, der ich die Neuigkeit sofort erzählen wollte. Der zweite Gedanke galt meinen Job. Und der dritte Gedanke galt der Turniersaison.

Irgendwann stellen sich die meisten Frauen die Frage: Möchte ich Kinder haben? Das Leben mit Kind ändert sich ohnehin schon um die viel zitierten „180 Grad“. Hat man dann auch noch ein Pferd ist auch dieser sehr wichtige Teil des Lebens davon betroffen. Pferdebesitzer wissen, dass ein Pferd oft so viel Arbeit mit sich bringt, als hätte man bereits ein Kind. Nun soll das Erstgeborene Konkurrenz bekommen? Oh je oh je.

Das Leben einer Reiterin beginnt jedoch sich schon weit vor der Geburt zu verändern. Betreibt man Reiten als Leistungssport, wird man die Veränderung der Leistungsfähigkeit schnell bemerken. Aber auch für Frauen, die rein freizeitmässig auf dem Pferd unterwegs sind, stellt sich schon zu Beginn der Schwangerschaft die Frage, wie es nun weitergehen soll.

Für einige Frauen kommt es aus Sicherheitsgründen, manchmal aber leider auch aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr in Frage, sich schwanger aufs Pferd zu setzen. Man findet im Internet sogar Studien über die Risiken des Reitens in der Schwangerschaft. Da müssen wir nichts schönreden: Reiten ist eine Risikosportart und jede Frau sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass sie ab sofort nicht mehr nur für ihre eigene Gesundheit verantwortlich ist. Das geliebte Pferd, sei es noch so ein braver Vertreter, ist eben doch ein Tier und damit nicht zu 100% berechenbar.

Ich habe Rücksprache mit meiner Ärztin gehalten und bin bis zum Ende des 7. Monats geritten. Allerdings habe ich nur noch mein eigenes Pferd geritten, bin nicht mehr gesprungen und nur noch in der Halle bzw. auf dem Platz geritten. Darüber hinaus habe ich jeden Tag aufs Neue entschieden, wie es mir heute ging und wie viel ich mir zutraute. An manchen Tagen konnte ich selbst zum Ende des zweiten Trimesters noch locker durch die Gegend traben als wäre nichts, es gab aber auch Tage im ersten Trimester, da zwickte und zwackte es im Aussitzen – und das habe ich eben nicht wie sonst früher üblich ignoriert.

Außerdem habe ich bemerkt, dass ich mich instinktiv in den Paraden vom Trab zum Schritt oder in der Rückführung von der Trabverstärkung in den versammelten Trab nicht mehr so stark hingesetzt habe wie früher. Ich habe sogar leicht entlastet, weil mir das Gefühl sonst unangenehm war. Mit fortschreitender Schwangerschaft habe ich dann auch bemerkt, dass meine Bauchmuskulatur ihren Job nicht mehr richtig wahrnehmen konnte und ich die Kraft im Rumpf verlor. Auch das Aussitzen im Trab wurde immer unangenehmer, sodass ich zum Ende hin eigentlich nur noch leichtgetrabt und gemütlich galoppiert bin.

Das Reiten in der Schwangerschaft kann sehr sehr schön und auch entspannend sein, denn gerade zu Beginn war die einzige Zeit am Tag, zu der mir nicht hundeelend war, die Stunde im Sattel meines Pferdes. Jedoch sollte jede Frau bzw. jedes Paar selbst entscheiden, inwieweit sie das Risiko eingehen möchten.

Nun folgen noch einige Dinge, die ich vor meiner Schwangerschaft nicht wusste:

  1. Auf einmal äußern Bekannte, aber auch Wildfremde ungefragt ihre Meinung.  Als Schwangere genießt man zum einen eine gewisse Rücksichtnahme seiner Mitmenschen. Auf einmal lächeln einem fremde Personen zu, sind freundlich, lassen einen vor und helfen einem bei ganz alltäglichen Dingen. Allerdings konnte ich neben diesen schönen Erlebnissen auch eine gewisse Distanzlosigkeit und eine schonungslose ungefragte Meinungsäußerei feststellen. „Wie, Sie tragen hohe Schuhe? Das ist aber nicht gut für den Rücken.“ „Also in Ihrem Zustand noch Zugfahren/Arbeiten/Rumlaufen/Autofahren, das ist doch viel zu anstrengend.“ „Hast Du gerade wirklich am Aperol Spritz geschnuppert? Aber den trinkst Du doch hoffentlich nicht?“ Ungefragt mischen sich Dritte ein, so könnt Ihr Euch sicherlich die ein oder andere hochgezogene Augenbraue und die entsetzte Aussage „Wie, Sie reiten noch???“ vorstellen.
  2. Schlecht ist schlecht und müde ist müde. Wir Reiter schleppen uns ja bekanntlich halbtot in den Stall. Fieber, Bronchitis, Magen-Darm-Infekt? Wer es ins Bad schafft, schafft es auch in den Stall. Anders verhält es sich mit den Wehwehchen in der Schwangerschaft, die meistens in den ersten 12 Woche auftreten. Übelkeit und bleierne Müdigkeit haben schon die lebensfrohsten Frauen in die Knie gezwungen und unter Reiterinnen für Stallabstinenz gesorgt. Auch wenn man sein Pferd noch so sehr liebt… kein Gewissen ist so schlecht, wie es einem in der Schwangerschaft gehen kann. Für diese Zeit ist es sehr hilfreich, wenn man über gute Geister oder notfalls über Service am Stall verfügt, die dem Vierbeiner auch dann Bewegung verschaffen, wenn man selbst auf dem Sofa liegen bleiben muss. Auch mal spontan, denn vor 10 Minuten war noch alles gut.
  3. Schwanger ist man nicht nur am Bauch. Es gibt glückliche Schwangere, die passen ewig lang in ihre normalen Klamotten und tragen nur eine süße Kugel vor sich her, die nach der Geburt in Nullkommanix verschwunden ist. Von hinten würde man keine Schwangerschaft vermuten. Diese Frauen können dann bei ihren Reithosen den Knopf auflassen und ein Haargummi durch den Verschluss ziehen um den Hosenbund zu erweitern und zu fixieren. Darüber einfach ein längeres Top und fertig ist das Umstandsreitoutfit. Alle anderen Frauen werden merken, dass ein guter Sport-BH ein wichtiger Begleiter wird, außerdem die ganz engen Reithosen nicht mehr nur am Bauch sondern auch am Rest des Körpers zu eng werden und dass Wassereinlagerungen die Passform der Stiefel nachteilig beeinflussen können. Da man im Netz keine Umstandsreithosen finden kann, empfehle ich die Knopfvariante und die Wahl einer bequemen und etwas stretchigeren Hose, um ein unangenehmes Einengen zu vermeiden. Und auch nach der Geburt sieht man nur in Glücksfällen sofort aus wie früher. Für Normalsterbliche gilt: 9 Monate kommt’s, neun Monate geht’s.
  4. Man fällt ja doch ganz schön lange aus. Was mir vor der Schwangerschaft ebenfalls nicht bewusst war, ist die Zeit, die man im Extremfall nicht reiten kann. Ich dachte immer, ich könnte ja locker bis kurz vor der Geburt reiten, dann schnell das Kind bekommen und wieder weitermachen. Bin ja kein Weichei. Unsere Tochter kam im Oktober zur Welt und ich dachte im Frühjahr zuvor allen Ernstes, ich könnte ja im Dezember noch ein Late Entry mitnehmen. Das mag in Ausnahmefälle funktionieren. Man hört von Reiterinnen, die quasi vom Pferd in den Kreissaal gefahren sind. Aber die Realität kann ganz anders aussehen: Wenn die Schwangerschaft euch am Reiten hindert, entweder weil ihr nicht wollt oder weil ihr schlichtweg nicht könnt, dann fallt ihr schon mal bis zu 9 Monaten aus. Und je nachdem, wie die Entbindung verläuft, kann es danach auch noch einige Wochen dauern, bis ihr wieder aufs Pferd steigen könnt.

Außerdem gibt es da ja auch noch das Thema Stillen. Je nachdem, welchen Rhythmus ihr habt, kann es passieren, dass ihr alle 1,5 – 2 Stunden stillen müsst und in der Zeit zum Stall fahren, reiten und wieder zurück ist je nach Entfernung sehr sportlich. Darüber hinaus spricht man in den ersten 6 Wochen nach der Geburt vom sogenannten „Wochenbett“, was der Erholung des Körpers von der Schwangerschaft und Geburt dienen soll und von mehr oder weniger starken Blutungen begleitet wird. Ja – es kann gut sein, dass ihr mehrere Wochen am Stück blutet und nein – ein Tampon ist verboten. Kein schönes Thema, ich weiß … aber so ist es nunmal.

Ergo – wenns extrem läuft, sitzt ihr ein knappes Jahr nicht auf dem Pferd.

Und wenn Ihr dann wieder aufsitzt, dann habt ihr erst einmal das Gefühl, dass nichts mehr funktioniert. Insbesondere die Muskulatur im Bauch-, Rücken- und Beckenbereich hat sich verabschiedet und es ist eher an einen gemütlichen Schrittausritt als an eine Dressurstunde zu denken.

Ich war recht schnell wieder auf dem Pferd, aber ich saß wie ein Fragezeichen und sackte regelrecht in mir zusammen, weil mit die komplette Körperspannung fehlte. An ein Turnier wäre nicht zu denken gewesen. Ich ritt im Dezember, also ca. 10 Wochen nach der Geburt, einen Dressurlehrgang mit, und selbst da war ich längst noch nicht wieder fit.

So ist es nicht verwunderlich, dass reitende werdende Mütter ihr Pferd entweder verkaufen, sich eine oder mehrere Reitbeteiligungen suchen oder das Pferd zur Verfügung stellen. Denn so sehr man es möchte – man KANN einfach ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr alles alleine schaffen. Ich habe mein Pferd im Sommer zur Verfügung gestellt, bin als TT mit auf die Turniere gefahren und unter der Woche habe ich beim Training unterstützt. Auch wenn es mich ab und zu kaum auf meinem Stuhl hielt und mir der Sport wahnsinnig gefehlt hat, konnte ich so wenigstens miterleben, wie mein Pferd durchs Viereck trabte und die Turnieratmosphäre genießen. Und als außenstehender Dickbauch stolz mitfiebern 🙂

Es gibt also Lösungen, um die Zeit der Schwangerschaft zu überbrücken und nicht jedes Pferd ist ein Turnierpferd, was im Training gehalten werden muss. Geht der Vierbeiner gerne auf die Weide, kann man ihm eine Pause gönnen und nur soviel machen, wie man noch schafft …. und wenn man eine Stute besitzt, könnte man auch hier über eine parallele Babypause nachdenken. Eine Schwangerschaft muss also nicht zwingend zur Aufgabe des Reitsportes führen. In den meisten Fällen rückt die Reiterei aber, zumindest für eine Zeit lang, ein wenig in den Hintergrund.

Wie gefallen Euch Beiträge zum Thema Schwangerschaft und Leben mit Baby?

Update: Da der Beitrag so gut ankam, haben wir hier die Fortsetzung für euch zum Thema Reiten mit Baby!

Foto: Natascha Jendreiko

Unser Umzug zurück in den Reitstall

Am Samstag war es endlich so weit – Emmi ist umgezogen!

Die Vorbereitung für den großen Umzug ging schon einige Tage vorher los. Da ich im Aufzuchtstall natürlich keinen Schrank oder ähnliches hatte, waren Emmis Sachen größtenteils bei mir auf dem Dachboden und zwar ziemlich weit unten :D. Wir haben die Gelegenheit genutzt, den Dachboden auszumisten und ich habe im Wohnzimmer einen Emmi Haufen errichtet, auf den ich alles gelegt habe, was ich zum Reiten dann wieder brauchen würde. Beim Schabracken, Decken und Gebisse sortieren stieg meine Vorfreude schon mal sehr! Außerdem musste ich noch den Anhänger holen, da der aus Platzmangel nicht hier in Hamburg steht, sondern bei meiner Familie auf dem Land.

Samstag morgen konnte es dann endlich los gehen! Der Tag fing erstmal nicht so gut an, meine Freundin, die sich bereit erklärt hatte mitzukommen, war leider krank geworden und konnte daher nicht mitfahren. Mein Freund hat mich dann netterweise begleitet, sodass ich nicht ganz alleine fahren musste. Darüber war ich sehr dankbar, denn meine letzte Fahrt mit Pferd war immerhin knapp 1,5 Jahre her. Nach einer etwas wirren Hinfahrt, bei der ich wegen Staus insgesamt drei Mal über die Elbe gefahren bin, waren wir nach einer guten Stunde bei Emmi an der Weide angekommen. Wir sind mit Heunetz, Halfter und Bandagen bewaffnet auf die Weide gestapft und alle Pferde glotzten uns komplett erstaunt an. Ich habe etwas gebraucht, bis ich verstanden habe, warum… Sie hatten ernsthaft Angst vor dem Heunetz! Selbst Emmi guckte es mit großen Augen an, obwohl sie Jahre ihres Lebens nur aus Heunetzen gefressen hat. Aber gut, das kann man in einem Jahr Wildnis natürlich schon mal vergessen.

Emmi kam ganz brav mit uns zum Tor, ließ sich bandagieren und marschierte dann relativ unaufgeregt mit Strick über den Hals auf den Anhänger. Als wir die Klappe hoch gemacht haben, schien sie jedoch zu realisieren, dass hier irgendetwas gerade gewaltig schief läuft und fing an, ein bisschen Terz zu machen. Wir sind dann schnell los gefahren und dann war auch alles in Ordnung und sie stand die Fahrt über sehr ruhig. Ich habe mich mit dem Anhänger auf der Autobahn nicht so wohl gefühlt, weil viele Autos ziemlich dicht aufgefahren sind. Mir ist zum ersten Mal richtig bewusst geworden, wie ungeschützt die Pferde auf dem Anhänger stehen. Früher bin ich ohne zu zögern eine Stunde zum Turnier gefahren, heute kommt mir das verrückt vor, das Transportrisiko für so ein ländliches Turnier überhaupt auf sich zu nehmen. Aber vermutlich liegt das nur an der fehlenden Routine, dass ich das gerade so empfinde.

Nach 1,5 Stunden sind wir dann im neuen Stall angekommen. Das war schon ein komisches Gefühl, die zottelige Emmi mit der langen Mähne, dem dicken dreckigen Winterfell und ohne viele Muskeln abzuladen. Wir wurden aber sehr nett begrüßt und durften uns sogar noch eine Box aussuchen. Emmi steht jetzt in einer Außenbox mit Blick aufs Paddock, sodass sie immer ein bisschen Action vor dem Fenster hat. Wir haben dann noch schnell alles Organisatorische geklärt, die Sachen eingeräumt und sind dann erstmal nach Hause gefahren. Abends bin ich noch mal zu Emmi gefahren und da hatte sie sich schon wunderbar eingelebt. Das Heu war fast aufgegessen und sie hatte sich schon zum Schlafen hingelegt. Ich habe sie dann trotzdem noch mal hochgescheucht, endlich ordentlich geputzt und Mähne und Schweif frisiert. Anschließend ging es dann noch in die kleine Halle zum Freilaufen. Danach konnte ich beruhigt nach Hause fahren und bin auch mehr oder weniger sofort ins Bett gefallen, so viel Aufregung muss erstmal verarbeitet werden 😀

Gestern habe ich am Halfter longiert und heute geht es dann vielleicht zum ersten Mal wieder aufs Pferd. Ich habe allerdings ein kleines Problem, bei dem ich eure Hilfe bräuchte. Meine Lieblingsreithose ist komplett durchgeritten und ich habe nur noch eine einzige Reithose übrig… Da ich absolut nicht mehr in dem Thema drin bin, würde mich sehr interessieren, welche Modelle ihr empfehlen könnt? Gerne etwas höher geschnitten und mit dickerem Stoff für den Winter. Ich überlege auch, mir eine richtige Thermoreithose anzuschaffen, aber bin nicht sicher, ob sich das lohnt. Ich freue mich auf jeden Fall über ein bisschen Input zu dem Thema!

 

Warum du niemals ein Pferd kaufen solltest…

Dieser Beitrag ist bereits etwas älter und wurde in der Cavallo Ausgabe 05/2017 abgedruckt und im Zuge dessen vom Blog entfernt. Wegen des positiven Feedbacks möchte ich ihn euch jetzt gerne wieder online stellen.

Dieser Artikel richtet sich an all diejenigen Reiter und Reiterinnen dort draußen, die der großen Versuchung bisher eisern widerstanden haben. Die sich von keiner noch so weichen Nase oder spektakulären Trabaktion eines Vierbeiners hinreißen ließen, ihr Konto zu plündern. Die sich Woche für Woche mit Pferdebesitzern rumquälen, die ihnen sagen, was sie zu tun haben und vor allem wie. Gerade auch diejenigen, die langsam die Schnauze voll vom Reitbeteiligungsdasein oder Schulpferdereiten haben und ernsthaft überlegen, sich ein eigenes Pferd zuzulegen. Ich habe dazu nur drei Worte zu sagen… TUT. ES. NICHT!

Hier sind meine fünf persönlichen Gründe, warum ein Pferdekauf das dümmste ist, was man tun kann.

1. Pferde kosten Geld.

Das muss ich wohl niemandem sagen, denn wer von euch hat ernsthaft noch nie eine Suchmaske einer Onlinepferdebörse ausgefüllt, um zu sehen, was euch das perfekte Pferd wohl kosten würde…

2. Pferde haben kostet noch mehr Geld.

Das einzige, was mehr Geld kostet als Pferde kaufen, ist Pferde haben. Auch das ist euch natürlich nicht fremd, schließlich habt ihr schon das jetzt teuerste Hobby im ganzen Freundeskreis, ganz ohne eigenes Pferd. Was euch aber vielleicht noch nicht in vollem Ausmaß bewusst ist: Es ist ein Fass ohne Boden… Man kauft einen fitten Barhufer mit passendem Sattel und kann wenige Monate später da stehen mit einem Pferd, das aufgrund frisch diagnostiziertem Beinleiden xy den teuersten Spezialbeschlag Deutschlands braucht. Alle sechs Wochen versteht sich. In der Zwischenzeit hat es sich außerdem muskulär derart verändert, dass mit dem Aufpolstern des Sattels nichts mehr zu holen ist. Dem edlen Ross passt auch plötzlich kein einziger Sattel mehr von der Stange, sodass ihr seufzend die Kreditkarte zückt, um den italienischen Maßsattel mit Butterfly Effect zu bestellen. Fertigungszeit ein halbes Jahr, aber für die Zeit könnt ihr euch doch sicher einen anderen, einigermaßen sitzenden Sattel kaufen zur Überbrückung?

3. Pferde kosten Zeit.

Jaja ich weiß, ihr seid spätestens jetzt völlig gelangweilt und fühlt euch auch ein bisschen auf den Schlips getreten, denn schließlich seid ihr keine Anfänger, sondern versorgt an manchen Tagen genau so selbständig ein Pferd wie es dessen Besitzer tut. An manchen Tagen. Genau da liegt der kleine, aber feine Unterschied. Pferdebesitzer kann ein Vollzeitjob sein. Sattler, Osteopath, Tierarzt, Reitlehrer und Hufschmied müssen in regelmäßigen Abständen ans Pferd. So weit so gut. Das Problem: Die Kollegen arbeiten leider zu genau den selben Zeiten wie ihr. Ab jetzt heißt es also regelmäßig Urlaub zu nehmen fürs Pferd. Das ließe sich vielleicht noch einigermaßen einplanen, wenn nicht auch hier wieder die 8326 unwägbaren Faktoren wären. Was, wenn im neuen Stall plötzlich nicht mehr richtig gemistet wird? Wer ist dafür verantwortlich, dass das Pferd täglich in einer frischen sauberen Box steht? Richtig, IHR. Was, wenn es im Winter spiegelglatt ist und die Pferde auf einmal nicht mehr rausgebracht werden können oder trotz Offenstall nur noch im Stall rumstehen… Wer ist dafür verantwortlich, dass das Pferd täglich bewegt wird? Ihr natürlich. Was wenn das Pferd plötzlich Magenbeschwerden hat und der Tierarzt empfiehlt, in der nächsten Woche jeweils um 8, um 12, um 6, um 10 und um 4 Uhr nachts Mash zu füttern? Wer steht nachts dafür auf, hetzt unausgeschlafen vor der Arbeit am Stall rum und lässt die eigene Mittagspause ausfallen, damit das Pferd warm speisen kann? IHR.

Ein gesundes, fittes Pferd ist ein wahnsinniger Zeitaufwand, aber es kann so viel passieren, wodurch dieser Aufwand ins Unermessliche steigt. Womit wir beim nächsten Punkt wären…

4. Pferde sind ständig krank.

Pferde sind andauernd krank und damit meine ich auch ANDAUERND. Sehne durch, sechs Monate einsperren und Schritt führen. Hautirritation in der Sattellage, vier Monate longieren und ohne Sattel juxen. Hufgeschwür, zum Glück nur zwei Wochen Reitpause, dafür die ganze Stallgasse voller Blut. Und das schlimmste? Man wird das kranke Tier nicht los. Die Reitbeteiligung sitzt für ein paar Euros längst auf dem nächsten Pferd, während ihr ein paar Tausender los werdet und vom Reiten nur noch träumen könnt. Dein Pferd und du, ihr seid eine Schicksalsgemeinschaft in allen Lebenslagen. Wenn du jetzt denkst, man könnte ein Pferd ja auch einfach verkaufen… Stimmt – aber leider kein Krankes.

5. Pferde sind außerordentlich sterbefreudig.

Tja, alles hat ein Ende und dass auch Pferde nicht unsterblich sind, ist hinreichend bekannt. Dass das gemeine Sportpferd aber gefühlt die durchschnittliche Lebenserwartung eines Hamsters hat, ist den wenigsten bewusst. Ob Kolik, Weideunfall oder sonstige Gelegenheit – Pferde sind erfinderisch, wenn es darum geht, plötzlich aus dem Leben zu scheiden. Und dann steht man da: Kaufpreis, monatelanger Beritt und versunkene Rettungskosten haben bestenfalls alles vorhandene Geld vernichtet, schlimmstenfalls steht ihr vor einem Berg Schulden. Und alles was vom geliebten Vierbeiner übrig bleibt, ist ein Haufen Schabracken und geplatzer Träume. Der Vorteil am toten Pferd: Es kostet nichts mehr. Reiten kann man es allerdings auch nicht.

 

Wer bis hierher gelesen hat und auf dem Weg einen immer röteren Kopf vor Wut und Empörung bekommen hat: Nein, das ist natürlich nicht ernst gemeint. Diese Ansammlung von Negativitäten beruht allein auf meiner persönlichen Erfahrung als Pferdebesitzer: In 12 Jahren hatte ich zwei Pferde, insgesamt vier Kolik-OPs, sieben Sättel und unzählige kleine Wehwechen, die mir oft den letzten Nerv (und Euro) geraubt haben. Dass sich das ganze Unterfangen trotzdem mehr als gelohnt hat und ich mein Pferd sehr liebe und nicht hergeben will, steht für mich außer Frage… Also einmal tief durchatmen und auf zum Pferdekauf würde ich sagen 😉