Neueste Artikel

Nachbericht Back on Track und Empfehlung W&S Vorderzeug

Heute möchte ich euch sowohl einen Nachbericht zu der Back on Track-Ausrüstung geben und euch ein tolles Vorderzeug vorstellen, welches ich nun schon seit geraume Zeit nutze.

Seit April nutze ich nun die Gamaschen und die Schabracke von Back on Track.

BoT-3

Nach wie vor bin ich absolut begeistert von den Sachen! Ich finde sie nicht nur funktional, sondern auch wirklich schick und edel. Pepper läuft total entspannt und wie alle anderen Sachen von Back on Track hilft ihr auch dies, ihren Rücken zu unterstützen und locker zu halten. Ich nutze die „BoT“-Artikel im Alltag sehr häufig, sei es als Abschwitzdecke, als Rückenwärmer oder als Stallgamasche.

Auch nach mehrmaligen Waschen bleibt alles nach wie vor an seinem Platz. Es lösen sich keine Nähte und auch die Farbe bleibt kräftig und verwäscht nicht.

Vor allem begeistern mich die Gamaschen. Im Vorfeld dachte ich: „Back on Track an den Beinen während der Arbeit? Schwitzen diese dann nicht noch viel mehr darunter?“ Aber ganz und gar nicht! Die Beine bleiben entgegen meiner Vermutung trocken und ganz klar. Ich kann die Gamaschen definitiv weiterempfehlen! Ich werde mir auch noch ein zweites Paar zulegen, damit ich die sowohl im Training, als auch auf dem Turnier nutzen kann.

Seit April leisten mir die Sachen treuen Dienst und natürlich kommen nicht nur von dort die Erfolge, aber ich denke doch, dass ich mein Pferd bestmöglichst unterstütze und wir somit unsere erste M-Saison mehr als erfolgreich (fast) abschließen konnten!

FB_IMG_1438544591470 FB_IMG_1438545108615

Auf den Bilder sieht man ebenfalls das Vorderzeug, welches ich euch vorstellen und empfehlen möchte: das 5-Punkt-Vorderzeug „W&S“ (Wide and Safe) von ATH Horsecare!

Pepper hat mir im Training und auf Turnier dieses Jahr 3 mal mein Vorderzeug zerstört. Der Riemen von Sattelgurt zum Gurt hat die Stollen beziehungsweise die Eisen nicht standgehalten und so riss dieser regelmässig. Diesen zu erneuern kostete viel Geld und jedes mal ein neues kaufen noch viel mehr. Ich kannte diese Art von Vorderzeug auch schon länger, muss aber zugeben, dass ich bei 300 € für ein Vorderzeug ganz schön schlucken musste. Also was tun? Durch eine von mir verfolgte Facebook Seite kam ich auf das Wide and Safe Vorderzeug, unschlagbare 75 € und nach Erhalt kann ich sagen: eine tolle Lederqualität! Das Vorderzeug gibt es in verschiedenen Farben (braun und schwarz) und verschiedenen Schnallen (messing und silber).

Es ist einfach anzubringen und hält erstaunlich gut, rutscht nicht, scheuert nicht und hat die gleiche Funktionsweise wie jedes andere Vorderzeug oder Martingal. Auch über einem Sprung bleibt es an Ort und Stelle sitzen.

FB_IMG_1438623866565 FB_IMG_1438545081001

Das Vorderzeug nutze ich sowohl auf Turnieren, als auch im Training. Die Lederqualität ist super, der Versand ging super schnell und ich habe kein Problem mehr mit kaputten Riemen. Perfekt!

Aus Püppis Training

Es wird Zeit für ein Püppi-Update! Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Püppi ist super drauf momentan. Endlich haben wir den passenden Sattel, das passende Gebiss etc. Auch wenn unsere Saison nicht so glatt gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe, bin ich momentan sehr zufrieden. Ich habe das Gefühl, dass wir unabhängig von Prüfungen unsere Feinabstimmung immer besser hinbekommen, und traue mich auch mehr, Lektionen zu reiten, weil sie mittlerweile auch immer sicherer sind. Serienwechsel, Arbeitspirouetten oder Übergänge im Trab bis hin zu ersten kleinen Passage-Ansätzen gehen mittlerweile schon relativ selbstverständlich. Eigentlich steige ich jeden Tag sehr glücklich vom Pferd und ich hoffe, dass ich genau diese Gefühl über den Winter mitnehmen kann und wir dann nächste Saison so richtig loslegen können!

Aber genug der Schwärmerei, ich habe euch einfach ein bisschen unser Training gefilmt, so dass ihr euch selbst einen Eindruck verschaffen könnt.

Video

 

Urlaub am Meer in Nieuwvliet!

Anfang September habe ich mir einen weiteren Kindheitstraum erfüllt: Mit dem Pferd ans Meer! Mit 6 Mädels und unseren Pferden ging es nach Nieuwvliet (Manege Nieuwvliet). Nieuwvliet liegt in der Region Zeeland in den Niederlanden, unweit von der belgischen Grenze.

Im Vorfeld hatte ich viele Fragen an die Mädels, die alle schon mal mit den Pferden am Meer Urlaub gemacht haben: Wieviele Reithosen packt ihr ein? Wie viele Schabracken? Muss ich Futter mitnehmen? Heu? Stroh?

Alles sehr leicht zu beantworten: Für 4 Tage landeten in meinem Koffer 3 Reithosen, 3 Schabracken, Futter vom Stall habe ich ebenfalls eingepackt, Heu und Stroh gab es dort.  Im Nachhinein würde ich einige Sachen jedoch anders einpacken, aber alles der Reihe nach!

Freitag Nachmittag ging es los, ca. 3 Stunden Fahrt und wir hatten glücklicherweise auch keine Probleme mit Stau. Gefahren sind wir mit 3 Autos. Dort angekommen verlief alles ganz problemlos: Die Stallmanagerin kontrolliert zunächst die Pferdepässe (Pferde müssen geimpft sein, dürfen sonst gar nicht erst den Stall betreten, Wurmkuren werden ebenfalls vorrausgesetzt, können aber natürlich nicht kontrolliert werden). Danach hat sie uns die Boxen gezeigt. Im Sommer wären sie mir zu weit hinten im Stall gewesen. Für die aktuellen Temperaturen waren sie aber ideal, weil die Pferde auch nass in den Boxen stehen konnten, ohne einen Zug abzubekommen. Jede Box war dick mit Stroh eingestreut, man konnte sich zwischen 2- und 3-maliger Fütterung entscheiden. Sie füttern sowohl das mitgebrachte Futter, man konnte aber auch stalleigene Pellets füttern lassen. Morgens und Abends wurde genügend Heu(lage) gefüttert, Heu konnte für 10 € dazu gekauft werden, der Ballen reichte auch locker für das ganze Wochenende. Stroh wurde jeden Tag genügend übergestreut. Positiv anzumerken war auch, dass jede Box nach Verlassen des Urlaubspferdes komplett geleert wurde. Die Boxen waren zu drei Seiten komplett zu. Vorne gab es ein Gitter und man konnte die obere Boxentür aufmachen, sodass die Pferde rausgucken konnten. Außerdem konnte man sich für jeden Tag eine Wiese kostenfrei für 2 Stunden dazu „mieten“. Die komplette Anlage konnte man mitnutzen, dieses Angebot haben wir aber nicht in Anspruch genommen. Kaltwasser gab es für 20 cent, warmes Wasser für 50 cent und Solarium für einen Euro. Ab dem 1. September ist die Strandsaison für die Pferde eröffnet, sodass wir den ganzen Tag am Meer reiten durften (in der Saison vor 10 Uhr und nach 18 Uhr).

Die Ferienwohnungen lagen direkt neben den Stallungen und waren ausreichend eingerichtet. Küche mit Spülmaschine, Mikrowelle, großem Kühlschrank, ein großes Badezimmer mit Waschmaschine, ein Wohnzimmer mit TV und allen deutschen Programmen. In der ersten Etage gab es 3 Zimmer für jeweils 2 Personen. Hunde sind erlaubt und auf der Terrasse gab es eine Art Gartenhaus für die Reitsachen.

Freitag Nachmittag sind wir dann auch direkt mit den Pferden an den Strand, der keine 5 Minuten entfernt liegt. Pepper hatte noch nie Meer gesehen und ich hatte schon etliche Alpträume vorher: Alle konnten ins Wasser, nur Pepper ging nicht nah genug dran. Aber ich habe mir umsonst Gedanken gemacht: Pepper guckte kurz…. und ging sofort ins Wasser! Die auslaufenden Wellen irritierten sie etwas, aber es war so ein tolles Gefühl, am/im Meer zu reiten!! An dem Abend sind tolle Fotos im Sonnenuntergang entstanden:

DSC_0230 DSC_0211 DSC_0354 (2)

Nach dem ersten tollen Ausritt haben wir die Pferde versorgt und ganz wichtig: Die Ledersachen eingefettet! Das Lederzeug leidet leider doch ganz schön unter dem Salzwasser und der Feuchtigkeit. Aber da kann man ja gut gegen arbeiten! In der Ferienwohnung angelangt haben wir erstmal alle geduscht und die Reitsachen zum trocknen aufgehangen.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder an den Strand. Das Wetter war wieder sehr gut und wir konnten bei herrlicher Ebbe einfach am Strand entlang galoppieren. Es war ein absolut überwältigendes Gefühl, die endlose Weite und Pepper einfach laufen lassen zu können. Über jede Höhe zu springen ist schon ein tolles Gefühl, das aber… etwas ganz anderes!

DSC_0237

Samstag nachmittag haben wir uns dazu entschieden, mit den Pferden schwimmen zu gehen! Pepper guckte zunächst etwas irritiert: Schon wieder reiten? Und dann noch ohne Sattel? Aber mit gespitzten Ohren ging es dann wieder an den Strand! Vor ein paar Wochen traute Pepper sich im See nicht, zu schwimmen. Aber hier? Ging sie sofort ins tiefe Wasser!

DSC_0616

Allerdings muss ich auch zugeben: So ein nasser Pferderücken ist ganz schön glatt! Da kann es dann auch schon mal sein, dass das hier passiert:

DSC_0631

Es ist aber alles gut gegangen, Pepper lief entspannt im Schritt raus und wurde von zwei Touristen eingefangen. Ein Wellenbrecher diente mir als Aufsteighilfe und danach ging sie auch sofort wieder ins Wasser!

Durch die Dünen ging es dann wieder zurück zum Stall und für mich (nach dem Pferd natürlich!) erstmal unter die Dusche. Es war doch ganz schön kalt!

Sonntag ging es dann morgens wieder an den Stall, da es aber ziemlich windig war, haben wir nicht allzu viel gemacht.

IMG_8364IMG_8369

Nachmittags kamen die Eltern einer Freundin und haben noch ein paar Fotos gemacht. Auch nachmittags war es sehr stürmisch und die Wellen haben Pepper etwas eingeschüchtert. Dennoch ging Pepper ins Wasser und wir hatten noch mal richtig Spaß!

IMG_8444

Montag früh ging es dann (leider) schon wieder nach Hause. Wir hatten sehr viel Spaß, und dieses Wochenende wird in 2016 auf jeden Fall wiederholt! Da allerdings mit einigen Erfahrungswerten: Mehr Reithosen! Und definitiv zwei paar Schuhe zum Reiten, den spätestens nach dem zweiten mal Reiten trockneten diese nicht mehr!

Das Zauselkarussell

Es dreht sich wieder, das Zauselkarussell. Kaum ist die eine Krankheit ausgestanden, lacht er sich eine neue an. Das ist ein unendlicher Zyklus, in dem wir uns jetzt irgendwie schon seit 6 Jahren bewegen. Auch wenn ich zwischendurch immer mal wieder denke, wir hätten den Zyklus durchbrochen und es wird doch noch alles gut, belehrt mich der Zausel immer wieder eines besseren. Das Zauselkarussell dreht sich und dreht sich und dreht sich.

Angefangen hat es diesmal Ende Juni als ich im Urlaub war. Der Zausel hatte sich ausreichend von der Hauttumor-OP im vergangenen Herbst erholt und war in guter Form. Während meines zweiwöchigen Urlaubes sollte er auch ein wenig Sommerfrische genießen und im Wesentlichen auf die Weide gehen. Außerdem wurde er ein bisschen von meiner Mutter geritten, um geschmeidig zu bleiben.

Kurz bevor ich wieder kam, bemerkte sie nach dem Reiten eine Schwellung kurz oberhalb des Fesselkopfes vorn auf dem Röhrbein. Am nächsten Tag war diese wieder verschwunden, nach dem Reiten aber wieder da. Also kam der Tierarzt und vermutete, dass er einen Schlag abbekommen hätte. Zur Sicherheit machte er noch Röntgenbilder vom Bein, auf denen aber nichts zu sehen war. Der Tierarzt verordnete einige Tage Pause und im Anschluss leichte Bewegung, sofern das Bein nicht wieder dick werden würde.IMG_5996

Bis ich aus dem Urlaub zurück kam, hatte er dann 5 Tage frei. Leider wurde das Bein auch nach der Pause bei leichter Bewegung gleich wieder dick. Der Tierarzt kam also noch einmal, diesmal hatte er das Ultraschallgerät im Gepäck. Das Bein wurde geschallt und es zeigte sich im Gewebe eingelagerte Flüssigkeit. Die Strecksehne an sich schien recht unversehrt, der Tierarzt diagnostizierte nach langem Schallen und gucken und „hmm“ und Achselzucken dann aber doch eine gestreckte Strecksehne. „Passiert äußerst selten“. Auf die Frage, wie das passiert sein könnte wusste er auch keinen rechten Rat, aber immerhin sollte es weit harmloser als eine verletzte Beugesehne sein.

IMG_6023

Dem Zausel wurden mindestens 4 Wochen Pause verordnet, dann wollte er noch mal zur Kontrolle kommen.
Den Juli verbrachte das Tier dann also anstatt wie geplant mit uns an der Nordsee zusammen mit Sam auf der Weide in Hamburg. Ich bin ein paar mal Sam geritten, hab das Zauselchen geschmust und bin ohne ihn an die Nordsee gefahren.

IMG_6083
IMG_6094

IMG_6116IMG_6134IMG_6149IMG_6454IMG_6600IMG_6601

Mitte August, nach 6 Wochen (sicher ist sicher) kam der Tierarzt dann noch einmal zum Schallen. Am Bein befand sich immer noch eine leichte Schwellung, eher hart und ein bisschen knubbelig. Beim Schallen war die Sehne dann aber okay, der Zausel bekam ein Medikament, welches die restliche Schwellung aus dem Bein ziehen sollte und nach weiteren 2 Wochen Pause sollte ich vorsichtig wieder anfangen zu reiten.

IMG_6605

In der Zwischenzeit wurde auf dem Paddock im hinteren Bereich eine Drainage eingebaut und auf dem ganzen Auslauf neuer Sand aufgeschüttet, so dass wir diesen Winter hoffentlich trockene Füße behalten. Die Pferde haben wegen der Baustelle in der „Villa Zausel“ einige Nächte auf der Weide verbracht.

IMG_6602 IMG_6603  IMG_6675

Weitere zwei Wochen waren vergangen und es war immer noch eine minimale Schwellung auf dem Bein zu erfühlen. Nach Rücksprache mit dem Tierarzt sollte ich trotzdem langsam anfangen zu traben, die vorsichtige Bewegung würde das Bein besser durchbluten und zur kompletten Abschwellung beitragen.

Anfang der Woche habe ich dann also das Weidepony eingesammelt, es geschniegelt und gestriegelt, es mit Sattel und Trense ausgestattet und bin erst eine große Runde Schritt um die Galoppbahn geritten und dann auf selbiger ca. 3 min. getrabt. Der Boden ist dort zur Zeit sehr gut, es gibt kaum Wendungen und man kann schön geradeaus reiten. Top Bedingungen zum Antrainieren also. Der Zausel war auch ganz artig und vor allem hoch motiviert. Nach drei Minuten ging es dann im Schritt zurück auf den Hof. Schon beim Absteigen habe ich dann gesehen: Bein wieder ordentlich dick =(

IMG_6752

Da grade ein Tierarzt auf dem Hof war, habe ich diesem das Bein gezeigt und die Problematik geschildert. Nach Abtasten des Beines meinte der, die Schwellung wäre neben der Strecksehene und überhaupt, Verletzungen an der Strecksehne wären ja super selten. Eigentlich also genau das Richtige für den Zausel, er hat ja so einen Hang zu seltenen und ungewöhnlich ungünstigen Krankheiten. Er vermutete eine Knochenhautreizung und hat vier weitere Röntgenbilder gemacht, um zu gucken, in wie weit sich der Knochen seit den letzten Bildern (auf denen nichts zu sehen war) verändert hat.

Heute morgen rief er dann an und hatte erfreuliches mitzuteilen: Der Knochen sieht genauso jungfräulich aus wie auf den ersten Bildern, keine Knochenhautreizung zu sehen. Soweit so gut. Es soll nun also ein Bluterguss sein, der dort im Bein sitzt und der nun mit Heparinsalbe, Wärme und Schrittreiten behandelt werden soll.

14 Tage soll ich nun jeden Tag Schritt reiten um das Bein zu durchbluten und dann soll alles wieder gut sein. Irgendwie finde ich diese Diagnose nicht so ganz schlüssig und das klingt alles ein bisschen nach „es gibt zwar keinen Befund aber irgendwas muss es ja sein“. Aber letztlich ist es auch egal was es ist, Sehne und Knochen sind heil, den Rest wird die Zeit schon regeln. Solange macht der Zausel eben das, was er besonders gut kann: Sich schonen und frei haben. Und danach springen wir wieder aufs Karussell auf, trainieren an und reiten bis zur nächsten Pause.

IMG_6745 IMG_6743  IMG_6733

Erfreulicherweise ist der Zausel sonst aber bester Laune, hat sich auf der Weide dick und rund gefressen und sieht richtig gut aus. Da er zu Krankheitsphasen auch gern mal total in sich zusammen fällt, bin ich schon froh, dass er sonst so gut beeinander ist und es ihm offensichtlich bis auf den kaputten Fuß sehr gut geht. Wobei das nur die halbe Wahrheit ist: Seiner Lunge bekommt das viele rumstehen gar nicht und er ist wieder mal ordentlich verschleimt. Aber auch das gehört zum Zauselkarussell dazu, ist er nicht fit, macht auch die Lunge nicht mehr mit. Wird auch wieder besser, wenn er wieder was tun darf.

Ich hoffe, der ganze Beitrag ließt sich nicht allzu ernüchternd, das Zauselchen ist eben einfach ein kleiner Patient und eigentlich bin ich daran schon lange gewöhnt. Manchmal nervt es aber trotzdem, es wäre so schön, wenn er einfach mal halten würde.

Nach dem ich das Weidepony so schön geschniegelt und gestriegelt hatte und es fast nach Dressurpferd aussah, musste ich heute morgen bei schönem Herbstlicht ein paar Bilder machen. Immerhin kann man ihn hübsch fotografieren (im Stand, ein frischer Galopp über die Weide wäre natürlich noch schöner gewesen 😀 ), wenn man ihn schon nicht reiten kann. Ein paar Bilder von Sam haben sich auch eingeschlichen.

BH8A8344 BH8A8338 BH8A8337 BH8A8336 BH8A8333 BH8A8331 BH8A8329 BH8A8325 BH8A8321 BH8A8317 BH8A8308 BH8A8305 BH8A8296 BH8A8272 BH8A8268 BH8A8264 BH8A8234-Bearbeitet BH8A8232-Bearbeitet BH8A8228 BH8A8218    BH8A8158

Jeany, manchmal kommt es anders…

…und meistens als man denkt.

Wie ihr euch vielleicht noch erinnern könnt, hatte ich eigentlich geplant, Jeany zum 01. September in eine Randbox in unserem Stall umzustellen. Warum daraus nichts wurde, Jeany aber trotzdem umgezogen ist, werde ich euch jetzt erzählen.

Der Sommer neigt sich so langsam dem Ende entgegen und somit auch Jeanys fünfmonatige Weidepause. Ich hatte mir fest vorgenommen, im September wieder mit leichtem Aufbautraining anzufangen: Viel Schritt, viel Gelände, viel geradeaus. Die wenigen Male, wo ich sie während der Pause habe laufen sehen, lief sie wie ein Glöckchen – schön gleichmäßig und für ihre Verhältnisse auch relativ taktrein. Es wird also spannend werden, wieder anzutrainieren und ich wünsche mir so sehr, dass sie hält.

Vor ein paar Wochen half ich einer langjährigen Freundin beim Umzug mit ihrem Pony auf eine sehr schöne Anlage in meiner Nähe. Ich war eigentlich schon immer begeistert von dem Stall und als ich nun einige Male dort zu Besuch war, fing ich an mich sehr wohl zu fühlen und kam auch ins Gespräch mit den Stallbesitzern. Dadurch ergab sich zunächst eine traumhafte Möglichkeit für meine Hannoveraner Stute, die ja leider nicht mehr geritten werden kann. Die Besitzer betreiben einen ganz tollen Offenstall direkt am Haus, in dem die Einsteller keine Dienste verrichten müssen und die Pferde ganzjährigen Weidegang genießen. Nach einer kurzen Besichtigung war für mich alles klar, ich schmiss alle Pläne über Bord und meine Große sollte so schnell wie möglich ins Paradies ziehen. Allerdings begannen mit der Vorfreude darauf auch gleich die Zweifel, wie ich zwei Pferde in zwei verschiedenen Ställen, an zwei unterschiedlichen Orten nur managen sollte. Ich war zeitlich bereits sehr eingespannt und das Pendeln hätte mir definitiv Zeit geraubt, die ich eigentlich nicht über habe. Also habe ich angefangen wirklich intensiv zu grübeln. Ich fühlte mich in dem alten Stall bisher eigentlich immer sehr wohl, habe dort sogar Freunde fürs Leben gefunden und Jeany erging es wohl ähnlich. Dennoch habe ich mich bemüht, rational zu überlegen und eine Pro und Kontra Liste geschrieben, über die ich mich hinterher mit meinen Freundinnen ausgetauscht habe.

Die Entscheidung, dass auch Jeany den Stall wechseln sollte, fiel dann doch überraschend schnell. Der Fahrtweg zum neuen Stall beträgt nur 10 Minuten, das war letztendlich das Hauptargument. Da sich bei mir privat in nächster Zeit einiges verändert, kommt mir die Zeitersparnis sehr gelegen. Ebenso gibt es dort Wald, Wiesen und endlose Reitwege direkt ab Hof sowie ganzjährigen Weidegang, wobei die Pferde geführt und nicht durch einen Treibgang gejagt werden… Alles sehr positiv und eigentlich war es genau der richtige Zeitpunkt, um noch einmal neu zu starten.

Also habe ich schweren Herzens die Kündigungen für beide Pferde geschrieben, mich seelisch darauf eingestellt, noch einmal von vorn zu beginnen und neben all der traurigen Stimmung über das Gehen, habe ich mich auch ein kleines bisschen auf ein neues Abenteuer gefreut.

Meine Große haben wir bereits am 25. August umgezogen. Sie hat sich super schnell mit ein paar Pferden zusammen getan und wirkt sehr glücklich in ihrem neuen Domizil. Jeany folgte dann am 31. August. Es war ein irre warmer Tag. Ich war super froh, dass ich meine Schränke zum größten Teil schon am voran gegangenen Wochenende ausgeleert und irgendwie (ich weiß immer noch nicht wie) zuhause untergebracht hatte. Denn der neue Stall hat tatsächlich einen Nachteil: Es gibt nur einen kleinen Aluschrank :D. Ihr könnt euch also sicher vorstellen, wie ich gekämpft habe, um das Zubehör von ehemals drei Pferden auf einen kleinen Aluschrank zu reduzieren! Aaaaber, ich hab es geschafft und alles Notwendige untergebracht.

Der Transport verlief super, meine Freundin ließ Jeany von allein auf den Hänger latschen und machte ganz entspannt die Klappe zu. Auch die Fahrt war problemlos, allerdings hat sie viel geschrien. Auch nach der Ankunft war Jeany souverän wie immer, obwohl ich ihr sehr deutlich angemerkt habe, dass sie nicht verstehen konnte, wieso sie nun in einer fremden Box, noch dazu mit fremden Nachbarn, stehen sollte. Ich hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen und habe es diesbezüglich auch immer noch. Jeany tut sich generell sehr schwer Beziehungen aufzubauen, aber ich bin mir sehr sicher, dass sie sich auch mit ihrem neuen Weidekumpel recht schnell anfreundet.

IMG_7811

hänger

Am zweiten Tag durfte sie dann das erste Mal mit ihrem neuen Ponyfreund auf die Wiese und es hat direkt problemlos geklappt, kein Zicken, nichts… Abends habe ich sie dann gründlich geputzt und leider festgestellt, dass eine Empfindlichkeit am Hals/Genick, die ich am Vortag schon bemerkt hatte, nicht an den Fliegen lag, sondern sie scheinbar wirklich Schmerzen hatte. Ich habe dann mit einem Leckerli probiert, ob sie den Hals überhaupt zur Seite rumdrehen kann. Das ging nur sehr schwerfällig… Bis es auf einmal laut geknackt hat! Das werde ich nun im Auge behalten, sollte es nicht besser werden, muss natürlich unsere Zauberfee mit den heilenden Händen vorbei kommen.

neueboxIMG_7840IMG_7843

Ich werde euch natürlich berichten, wie es mit Jeanys Hals und dem neuen Stall weitergeht!

Über das No-Go des Aufrüstens

Es gilt ja als absolutes No-Go unter Reitern, bei Ungehorsam oder Unrittigkeit in Punkto Ausrüstung aufzurüsten. Schärfere Gebisse, gemeinere Piekser, längere Stöckchen? Der Pferdefreund denkt nicht mal im Traum daran, seinen Vierbeiner mit härteren Waffen zu Gehorsamkeit und Benehmen zu überreden. Und das ist im Ansatz auch goldrichtig!

Aber manchmal – ganz manchmal (!) – kann so eine Aufrüstung doch die richtige Entscheidung sein, wenn man sie gründlich abwägt und sich der Waffe, die man da zu Hilfe nimmt, bewusst ist und diese gewissenhaft und wohl überlegt einsetzt.

Ich sage jetzt etwas, was im Internet unter Pferdeleuten eigentlich einem Himmelfahrtskommando gleichkommt und gute Chancen hat, einen Shitstorm auszulösen. Ich habe aufgerüstet. Ich reite den Zausel schwer bewaffnet ins Gelände. Die nette doppeltgebrochene Wassertrense wurde gegen ein böses Pelham getauscht und endlich können wir ohne Gefahr für Leib und Leben ins Gelände reiten.

Des Zausels Vorgänger Colibri trug den wohlverdienten Namen Rührstück. Er war nämlich eine echte Lebensversicherung im Gelände: immer artig, total unerschrocken und von sehr angenehmen Temperament. Kurz: Eine Seele von einem Pferd ohne einen einzigen schlechten Gedanken zwischen den Ohren. Viele wunderbare Ausritte, alleine, zu zweit, in größeren Gruppen, im Forst am Stall oder an einem Wochenende in der Lüneburger Heide, auf das Rührstück war immer Verlass. Außerdem verlegten wir unsere Schrittrunden vor jeder Dressureinheit meist nach draußen und sind eine gemütliche Runde ums Feld geritten, ehe wir die Arbeit auf dem Platz angefangen haben.

Colibri verstarb dann viel zu früh und überraschend während einer Operation am Fesselringband. Und dann kam der Zausel und mit ihm verschwanden sorgenfreie Ausritte und gemütliche Schrittrunden ums Feld.
Er war 5, ein Hitzkopf und hatte offensichtlich außer dem Viereck und der Halle noch nicht viel von der Welt gesehen. Unsere ersten Versuche im Gelände unternahmen wir an der Longe geführt: ich oben drauf, meine Mutter nebenher. Es sollten eigentlich kleine Runden nach dem Dressurtraining zum Trockenreiten werden, aber schon ein kurzes Stück den Weg vom Hof runter war eine echte Herausforderung, die dem Zausel derart Stress bereitete, dass er davon patschnass zurück in den Stall kam. Wir tasteten uns also behutsam immer ein kleines Stückchen weiter den Weg hinauf, solange bis wir zumindest nicht verschwitzter zurück kamen, als wir losgeritten waren. Ich stellte außerdem fest, dass andere Pferde dem Zausel viel Sicherheit gaben und wir mit einem ruhigen Pferd vorweg ganz entspannte Runden drehen konnten. Alleine sah er über all böse Gespenster im Gebüsch lauern und wir kamen den Weg nicht selten nur ein paar Meter weit und mussten dann wieder umdrehen. Oder aber der Zausel leitete die Umkehr einfach direkt selbst ein und floh in entgegengesetzter Richtung.
Nach dem wir einige schon wirklich entspannte Schrittausflüge mit anderen Pferden im Schritt unternommen hatten, wagten wir uns auch zu einer größeren Runde mit Trab und Galopp ins Gelände. Dort wurde das Zauselchen dann wahnsinnig heiß und fing an sich tierisch hochzuspulen, wollte ständig überholen und setzte dauernd zu wilden Sprints an. Ich hatte wirklich alle Hände voll zu tun und mir schmerzen die Arme. Ein wirkliches Vergnügen waren diese Ritte wahrlich nicht und ich hatte ständig Angst, die Kontrolle über den Feuerstuhl zu verlieren. Ich scheue mich irgendwie immer etwas vor dem Begriff Durchgänger, denn damit verbinde ich Pferde, die mit oder ohne Reiter bis nach Hause vor die Box laufen und ihrem Reiter total außer Kontrolle geraten. So schlimm war es mit dem Zausel zum Glück nicht, aber er setzte eben doch recht regelmäßig mit oder ohne ersichtlichen Grund zu unkontrollierten Sprints mit erheblichem Bremsweg an. Wir kamen dabei nie in eine gefährliche Situation, dennoch wurde ich mir des Risikos, dass doch mal was passiert, immer bewusster.

Nun war er eben ein junges Pferd, unerfahren im Gelände und sollte natürlich die Chance haben, zu lernen, wie sich ein gutes Geländepferd benimmt. Wir haben das Ausreiten geübt, immer und immer wieder, teilweise täglich. Wir hatten gute Tage, aber es blieben die Tage, an denen ich zumindest streckenweise keinerlei Kontrolle über das Pferd hatte. Hinzu kam seine unangenehme Angewohnheit, in seiner Meinung nach gefährlichen Situationen auf dem Absatz kehrt zu machen und in entgegengesetzter Richtung davon zu stürmen. Im Schritt konnte man diese Manöver einigermaßen gut sitzen und hatte dann nur seine liebe Mühe das hoch flüchtige Tier wieder unter Kontrolle zu bringen. Im Trab oder Galopp trennten sich unsere Wege leider auch einige Male und ohne Reiter, der ihn mit allen verfügbaren Mitteln an seiner Flucht hinderte, trat der Zausel den Heimweg ungeachtet des fehlenden Ballasts im Sattel in atemberaubenden Tempo einfach alleine an. Kaum hatte ich mich vom Boden hochgerappelt und mit dem Handy bei Stallkollegen angerufen, sie mögen ihn bitte in Empfang nehmen, tauchte er dort schon in Sichtweite auf. Und das, obwohl wir auf dem Hinweg eine gute halbe Stunde unterwegs gewesen waren.

Der Zausel wurde älter, erfahrener, aber leider irgendwie nicht gelassener oder berechenbarer im Gelände. Neben dem Bewusstsein über das Risiko mit so einem unberechenbaren Pferd auszureiten, kam dann auch bei mir die Angst hinzu. Ich klammerte mich im Sattel fest, um bei einer plötzlich eingeleiteten Wendung nicht hinunter zu rutschen, verspannte mich, sobald der Esel die Ohren spitze und wurde immer unsicherer. Und ich bemerkte auch eine Veränderung des Zausels: Seine Hemmschwelle, eine blitzartige Flucht einzuleiten, wurde immer geringer. Es entwickelte sich regelrecht zur Masche, sich bei jeglicher Unsicherheit postwendend vom Ort des Geschehens zu entfernen, und das so schnell und so weit die Füße trugen. Hatte er sich an einer Stelle festgeglotzt, kamen wir nicht selten bei jedem vereitelten Fluchtversuch immer ein Stückchen weniger dicht an das Objekt des Schreckens heran, bis eine beinahe lächerliche Distanz zwischen uns und dem jeweiligen Objekt entstand. Ich war mit mit unter nicht einmal mehr sicher, ob er überhaupt noch sehen konnte, wovor er grade scheute.
Weil das mit der eigenmächtig entschiedenen Flucht so eine wunderbare Möglichkeit war, den eigenen Willen gegen den seines Reiters durchzusetzen, trieb das Zauselchen es so weit, dass er bei Nichtgefallen der von mir eingeschlagenen Route einfach nach links oder rechts auf ein Feld abbog und Vollgas gab. Quasi der Stinkefinger auf pferdisch für den Reiter.

130508_St.Peter_-398

Nun bin ich eigentlich ein verständnisvoller Reiter und habe auch dem dünnen Nervenkostüm des geschätzten Esels gegenüber immer ein hohes Maß an Nachsicht entgegen gebracht. Aber wer mir mehrfach den Stinkefinger zeigt, verspielt dann doch alle Toleranz und mir wurde klar: entweder aufrüsten oder nicht mehr ausreiten.
Ich entschied mich für ersteres und kaufte ein Pelham. Das erste Mal ritt ich damit auf dem Platz und konnte keinerlei Einwände des Zausel gegen die neue Zäumung feststellen.

Im Gelände zeigte sich dann das Pelham als absolute Wohltat. Der Zausel lief zufrieden und mit leichter Verbinung, Blasen an den Händen und lange Arme gehörten der Vergangenheit an. Die meiste Zeit konnte ich ihn mit wirklich leichter Verbindung reiten, musste nicht mehr ziehen und zerren, damit überhaupt etwas ankam. In Situationen, in denen ich früher die Kontrolle verloren hatte und sie nur durch wirklich grobe Einwirkung zurück erlangen konnte, reichte nun eine deutliche Parade und der Zausel war wieder bei mir.

Natürlich ist das Pelham kein Wundermittel und macht aus einem Saulus keinen Paulus. Auch macht es heiße Pferde nicht ruhiger, schreckhafte nicht mutiger und wilde nicht braver. Aber durch die stärkere Einwirkung schafft es Sicherheit. Setzt man es wohlüberlegt und dosiert ein, kann man mit viel leichteren Hilfen reiten und trotzdem im Notfall deutlich durchgreifen.

Beim Zausel setzte durch das Pelham ein sehr erfreulicher Lernprozess ein. Er hatte sich über Jahre eine sehr unangenehme Strategie zur Bewältigung von potentiell gefährlichen Situationen angewöhnt, in der wir regelrecht gefangen waren. Bevor er überhaupt begann, sich mit dem Gruselobjekt auseinander zu setzten, war er schon mit wehendem Schweif auf und davon. Dadurch wurde er nicht mutiger und gelassener, sondern ganz im Gegenteil: Die Fluchtbereitschaft stieg sogar an. Durch das Pelham konnte ich dann seine Fluchtversuche sehr schnell verhindern und er musste lernen, anders mit ihm unheimlichen Situationen umzugehen.
Ich gestand ihm zu, so lange zu stehen und zu gucken, bis er sich traute, einen Schritt auf das Gruselobjekt zuzugehen. Es waren einige recht langweilige Ausritte, auf denen wir die meiste Zeit stehend verbrachten und er unter Hochspannung Mülleimer, Steine, Baumstümpfe und ähnliches anstarrte.
Aber mit der Zeit fasste er immer mehr Mut, traute sich schneller vor, ließ es eher zu, sich auch mal an etwas vorbei reiten zu lassen, ohne sofort abzuhauen.

Wir reiten jetzt seit guten 4 Jahren mit Pelham und er hat eine wirklich tolle Entwicklung gemacht. Er ist nach wie vor kein Verlasspferd und man sollte immer achtsam sein, wenn man im Gelände unterwegs ist. Aber er läuft sowohl an der Tête wie auch hinten und in der Gruppe artig und anständig, reagiert bei unbekannten Objekten zwar noch mit Stocken und Glotzen, aber er geht weiter und das Wichtigste: Er ist seit langem nicht mehr einfach umgedreht und abgehauen. Was für viele selbstverständlich sein mag, ist für uns ein großer Gewinn und es ist endlich eine richtige Freude ihn auszureiten.

Nun könnte man natürlich meinen, das Pelham hat nun seinen Dienst getan und kann wieder gegen die Wassertrense getauscht werden. Manche Runden haben wir auch schon so gedreht und auch mit der Wassertrense hat er inzwischen seine Fluchtstrategie abgelegt. Nicht aber den Wunsch, immer ein bisschen schneller zu sein, als er soll. Und hat er einen lustigen Tag und nur eine Wassertrense im Maul, kann es schon mal vorkommen dass er plötzlich aus Übermut den Turbo zündet und mir dann doch noch mal den Mittelfinger zeigt. Ich finde das unhöflich und reite daher nach wie vor am liebsten mit Pelham ins Gelände.
Dem Reitgefühl auf dem Platz hat das übrigens keinen Abbruch getan. Dort ist er auf Wassertrense angenehm zu reiten wie eh und je!

Ich weiß, dass viele Reiter dem Thema Aufrüsten gegenüber sehr negativ eingestellt sind. Trotzdem sollte man nicht außer Acht lassen, dass es in erster Linie um die Sicherheit von Pferd und Reiter geht. Um diese zu gewährleisten, kann in meinen Augen der Einsatz von schärferer Ausrüstung durchaus sinnvoll und sogar auch schonender für das Pferd sein. Lieber einmal deutlich durchgreifen anstatt permanent herumwürgen zu müssen. Es ist letztlich wie bei fast allen Dingen: es kommt auf die Dosierung und eine gute Portion gesunden Menschenverstand an.

EM Aachen 2015 – mein Erfahrungsbericht

Seit vielen Jahren ist es in meiner Familie schon Tradition, zum CHIO nach Aachen zu fahren. In den letzten Jahren haben wir diese Tradition allerdings schleifen lassen und als ich im letzten Jahr mitbekam, dass die Tickets für die EM, die 2015 in Aachen stattfinden sollte, rauskamen, habe ich direkt welche gekauft und mich riesig gefreut, endlich mal wieder vor Ort zu sein. Mit Anreise und Übernachtung ist das Ganze natürlich ein ziemlicher Aufwand, aber Aachen ist für mich einfach das schönste Turnier überhaupt und ich fuhr voller Vorfreude dorthin.
In diesem Jahr war es wie gesagt nicht das klassische CHIO, sondern die EM. Dementsprechend war doch einiges anders. Größter Unterschied war sicherlich, dass die Dressur und das Springen nicht gleichzeitig stattfanden, sondern nacheinander, so dass die Dressur wie bei der WM 2006 im großen Hauptstadion stattfand, in welches rund 40.000 Menschen passen.
Wir kamen am Freitag Nachmittag an, als gerade die Geländeprüfung lief (nicht Teil der EM, aber Qualifikation für die Vielseitigkeits-EM). Wir haben einen Teil der Strecke angeschaut und sind dann in das Stadion, wo die letzten vier Sprünge waren, inkl. einem Wassersprung, und auch das Ziel. Die Stimmung war toll und erreichte den Höhepunkt, als Ingrid Klimke mit Escada als letzte Starterin ins Stadion galoppierte und den Sieg erritt. Die Menge tobte, ich habe es für euch gefilmt:

Klick

Das war schon mal ein toller Auftakt für das Turnier. Am Samstag stand dann der Grand Prix Special an, die erste Einzelentscheidung für die Dressurreiter. Wir waren bereits etwas früher auf dem Gelände, wo es ca. 200 Aussteller gab – ich sage euch, es war ein reines Shopping Paradies! Aber dazu später mehr. Schön fand ich, dass man den Startern beim Abreiten zuschauen konnte, das haben wir vor der Prüfung gemacht. Nicht so schön war allerdings, welches Bild sich uns auf dem Abreiteplatz bot. Auf einem Viereck ritten die ersten Starter des Grand Prix Special ab, auf dem Viereck daneben ritt Edward Gal seinen Undercover, mit dem er als letzter Starter erst am Nachmittag dran war. Was er da machte sollte wohl „leichte Morgenarbeit“ sein, allerdings wurde einem beim Zusehen ganz anders. Es war schlichtweg eine Qual, zu sehen wie Edward Gal dieses Pferd systematisch zusammenzieht, wie das Pferd sich sichtlich unwohl fühlt und permanent so eng gehen musste, dass er sich fast in die Brust biss. Das ging immer genau 8 Minuten, dann folgte eine Runde am langen Zügel in hektischem Schritt, und dann ging das ganze von vorne los. So sind die Regeln der FEI, das ganze nennt sich dann „Low, Deep, Round“ (LDR). Wir kennen die Diskussion ja nicht erst seit gestern, aber das ganze mal in live zu sehen, und vor allem mitzubekommen, wie tausende Menschen daneben stehen und Edward Gal es für das Selbstverständlichste der Welt hält, sein Pferd in aller Öffentlichkeit so zu reiten – das war sehr traurig und ich fühlte eine hilflose Wut in mir.

Im Grand Prix Special selber war der Unterschied der verschiedenen Reitweisen aus meiner Sicht ganz klar zu erkennen. Die Deutschen (zumindest die drei deutschen Starter an dem Tag) sind meiner Meinung nach ein absolutes Vorzeigebild des Dressursports, alle drei lieferten tolle Leistungen ab, auch wenn kleine Fehler dabei waren.

Die Niederländer hatten allesamt tolle Pferde, aber man sieht ihnen die Reitweise leider an: Die Pferde gehen alle keinen versammelten Trab, sondern reißen die Vorderbeine unnatürlich nach oben, während die Hinterbeine nicht entsprechend mitkommen, in den Trabverstärkungen sieht man keine Rahmenerweiterung, Piaffe/Passage ist immer extrem ausdrucksstark, da auch mit viel besserer Hinterhandaktion, der Schritt ist mäßig bis schlecht (laufend, ohne Rahmenerweiterung, ohne Harmonie und innere Ruhe) und die Galopptour ist tendenziell spannig und kann mit der Trabtour nicht mithalten. Insgesamt ähnelt sich die Trabaktion der Pferde bei den Holländern sehr stark und mir kommt es immer vor, als laufen die Pferde auf „heißen Kohlen“.  In der Form und Ähnlichkeit ist mir das vorher nicht aufgefallen, das fand ich sehr schade. Zumal die Richter das ganze nicht so kritisch zu sehen scheinen.

Um zu etwas positivem zu kommen: Ich mag die Spanier und Portugiesen. Ich finde es toll, dass diese Rassen international dabei sind. Natürlich haben die Schwächen im Galopp und im Schritt, aber insbesondere der Portugiese Goncalo Carvalho mit seiner erst 9-jährigen Lusitanostute Batuta hat mich mit der wahnsinnigen Piaffe-/Passagetour und hervorragenden Trabverstärkungen begeistert. Auch die Engländer mit ihrer feinen und korrekten Reitweise gefallen mir sehr, insbesondere Carl Hester ist einfach toll reiten zu sehen. Er hatte ein eher „normales“ Pferd, welches er unheimlich exakt und harmonisch vorstellte. Das ist genau die Art Dressur wie man sie sich wünscht.
Letzter Starter im Grand Prix Spacial war dann Edward Gal mit Undercover. Die Bilder habt ihr bestimmt bereits mitbekommen, selbst im Viereck ritt er den Wallach derart eng und spannig, dass Undercover mehr ins Viereck hüpfte als zu galoppieren, statt anzuhalten passagierte er nur noch und war auch nicht in der Lage zu traben, weil das ganze Pferd derart unter Spannung stand. Nun kann man sich natürlich fragen, hat er den Wallach schlichtweg „über die Uhr geritten“, hat das Pferd ihm damit die Quittung für diese Reitweise erteilt oder (wie er es danach behauptete) sei Undercover nur aufgeregt gewesen, weil er das letzte Pferd auf dem Abreiteplatz war??

Wie auch immer, es war ein trauriges Bild und das ganze Stadion applaudierte, als er dann wegen blutigem Schaum vor dem Maul abgeklingelt wurde. Ich glaube, ich war nicht die einzige, die einfach froh war, dass dieses Paar am Sonntag in der Kür somit nicht starten durfte. Es sind mittlerweile Bilder vom geheimen Training am Freitg aufgetaucht, die noch viel schlimmer sind, als das was ich am Samstag morgen beobachten musste:

Klick

Man kann nur hoffen, dass die FEI diese Reitweise nicht länger toleriert und strenger abstraft. Neben dem Hoffen können wir aber auch etwas tun: es gibt eine aktuelle Petition gegen die Rollkur, mehr Information gibt es hier:

Klick

Noch ein Nachsatz zum Grand Prix Special: Es gab noch ein weiteres Pferd, welches sich gegen seinen Reiter wehrte. Erinnert ihr noch den Skandal, als Patrick Kittels Pferd eine ganz blaue Zunge hatte, weil die Kandare so zugeschnürt wurde? Im Grand Prix kam er genau bis zur ersten Piaffe, das wehrte sich sein Pferd gegen die Hand und stieg, so dass er aufgeben musste.

Insgesamt war das Bild also sehr gemischt, im großen Stadion sind die Reiter zwar deutlich weiter weg als im Dressurstadion, man konnte aber die Fehler gut sehen, und erstaunlicherweise gab es kaum einen fehlerfreien Ritt. Selbst vermeintlich „einfache Dinge“ wie eine geschlossene Grußaufstellung zu Beginn sind auch auf dem Niveau keine Selbstverständlichkeit. Super fand ich, dass zum Einen die Noten der laufenden Lektion und das vorläufige Ergebnis immer zu sehen waren, und man über die Aachen App sogar selbst mitrichten konnte. Das hat total Spaß gemacht. Das Publikum in Aachen gilt immer als sehr fachkundig, und das hörte man auch: ein etwas hinten kurzgesprungener Einerwechsel, und das ganze Stadion stöhnte auf. Das ist schon besonders, dass bei der Dressur so mitgefiebert wird!
Am Sonntag stand dann das große Finale an, die Grand Prix Kür. Hier waren die Ritte insgesamt harmonischer und schöner anzusehen, die deutschen Reiter boten allesamt einen tollen Anblick und das Ergebnis war dann auch denkbar knapp.

Hier sind ein paar Eindrücke der Kür. Isabell Werth und Don Johnson:

P1040449

P1040461

P1040465

Beatrice Ferrer-Salat und Delgado:

P1040494

P1040501

Kristina Bröring-Sprehe und Desperados:
P1040544

P1040556

P1040551

P1040577

P1040603

P1040578

P1040586

P1040595

P1040629

P1040623

P1040634

Und zu guter Letzt: Charlotte Dujardin und Valegro:

P1040642

P1040644

 

Die große Debatte nach dem Finale ging natürlich darum, ob Valegros knapper Sieg trotz Fehler in den Einerwechseln gerechtfertigt war, oder ob Kristina Bröring-Sprehe mit Desperados, die eine fehlerlose und wunderbare Kür ritt, nicht den Sieg mehr verdient gehabt hätte. Ja, auch ich hätte ihr den Sieg gewünscht. Aber so ist der Sport, die Einerwechsel von Dujardin und Valegro wurden mit einer 4 bewertet und trotzdem hatte sie so viel Vorsprung, dass es eben noch knapp für den Sieg gereicht hat. Das ist nun mal Dressur. Am Ende bleibt der tolle Eindruck, den alle drei deutschen Reiterinnen hinterlassen haben. Wenn nun Bella Rose noch wieder fit wird, haben wir aus meiner Sicht sehr gute Chancen für Rio 2016.

Ein Name ist hier noch nicht gefallen, dafür aber aus meiner Sicht mehr als genug in den Medien: Totilas. Als ich ankam, war er wohl schon auf dem Weg in die Klinik, daher gibt es über ihn nichts zu berichten, sondern nur gute Besserung zu wünschen und zu hoffen, dass alle Beteiligten aus der Geschichte lernen, denn dem Sport und dem Ansehen des deutschen Teams hat das sicherlich nicht geholfen.

Und umm nochmal auf das Thema Shoppen zu kommen: Aachen ist sehr verlockend, was den Ausstellerbereich angeht. Dem konnte ich mich auch nicht ganz entziehen und habe einige Schnäppchen für Püppi und mich mit nach Hause genommen:

IMG_0631
Als Fazit kann ich sagen, dass Aachen wirklich eine Reise wert ist. Der Sport, die Atmosphäre, das ganze Drumherum ist mehr als besonders und mich motiviert es sehr was die eigene Reiterei angeht. Auf der anderen Seite blieb in diesem Jahr der fade Beigeschmack, dass der Dressursport sich momentan mehr und mehr in unterschiedliche Lager aufteilt. Zum Glück haben bei den Einzelmedaillen die „Richtigen“ gewonnen aus meiner Sicht. Aber dass die Niederlande mit deren Reitweise die Goldmedaille in der Mannschaft holen, ist aus meiner Sicht eine Honorierung eines kranken Systems, bei dem am Ende alle verlieren: Der Sport, die Reiter und am meisten die Pferde.

Traum vom eigenen Fohlen? Nein, danke!

Ein Nachwuchspferd aus der eigenen Stute ist der absolute Mädchentraum. Dass es allerdings auch alles andere als ein absoluter Traum werden kann, möchte ich euch heute in meinem Erfahrungsbericht berichten.

Ich weiß es noch wie gestern, ich hatte starke Rückenprobleme und konnte lange Zeit nicht reiten. Das eigene Pferde einfach nur rumstehen lassen war keine Alternative und sie in den Beritt zu stecken eigentlich auch nicht. Nach vielen Beratungsgesprächen entschloss ich mich dazu, meine Stute decken zu lassen. Ihre Qualität war gut und ein Nachwuchspferd aus der eigenen Stute zu haben, war eigentlich schon mein kleiner Traum seitdem ich sie gekauft hatte. Wayanas Ebenbild im Zwergformat, oh – ich konnte es gar nicht abwarten. Wir suchten über den Winter sorgfältig einen Hengst aus, veranlassten dann im Frühjahr alle notwendigen Untersuchungen und warteten geduldig bis zu einer passenden Rosse ab. Als es so weit war, bestellten wir die „goldene Ladung“ und ließen sie besamen. Das Warten war der absolute Horror, hoffen und bangen und dann die ernüchternde Nachricht – nicht tragend…… Also hieß es wieder abwarten bis zur nächsten Rosse. Nächster Versuch, wieder nicht tragend. Auch nach einem dritten Versuch, blieb sie leider nicht tragend. Wir überlegten hin und her und nach einigen Gesprächen mit Fachmännern wurde uns empfohlen, einen Weidehengst zu probieren. Der war sehr erfahren und auch das ganze Team rund um den Hengst sehr professionell. Also haben wir meine Stute aufgeladen und sie für 3 Wochen dort in die Herde gelassen. Ihr ging es dort unglaublich gut, die Weiden waren riesig und ich hatte das Gefühl, meine Stute war nach ein paar Tagen schon fast wie ausgewildert.

Dieser letzte Versuch brachte dann den gewünschten Erfolg und meine Kleine war tragend. Nun begann also eine aufregende und sehr lange Zeit des Wartens. Meiner Stute hat man angesehen wie zufrieden und ausgeglichen sie war. Die ganzen Monate hat man regelmäßig den Bauch wachsen sehen und kurz vor der Geburt, dachte ich sie würde mir platzen!

Je dichter wir dem errechneten Termin kamen, desto nervöser wurde ich. Ich hatte wirklich Angst, es würde Komplikationen geben oder ich würde mein Herzenspferd verlieren, weil ich so egoistisch war und ein Fohlen aus ihr wollte. Diese Gedanken hatte ich am Anfang nicht, sicher bedenkt man das Risiko, allerdings war es immer eher im Hintergrund und unwahrschleinlich. Meine Angst war wirklich riesig. Umso erleichterter war ich, als das kleine braune Hengstfohlen endlich gesund und munter auf die Welt kam. Meine Stute machte die Sache total super und war die perfekte Mutti. Der kleine Hengst hatte anfangs allerdings noch Probleme mit dem Trinken und brauchte da etwas Hilfe. Ich genoss die Zeit, wo ich den beiden einfach stundenlang beim Kuscheln, Schlafen oder Grasen zusehen konnte. Meine Schule war damals ganz in der Nähe, sodass ich wirklich jeden Tag mit den beiden verbrachte und auch zu dem Kleinen eine große Bindung aufbaute. Ohne Frage, die Zeit war die Schönste, die ich jemals mit Pferden verbringen durfte. Es war unglaublich, dieses kleine, stacksige, langbeinige Geschöpf wachsen zu sehen, ihn auf seinem Weg zu begleiten und bei jedem Entwicklungsschritt an seiner Seite zu sein. Problematisch wird es allerdings, wenn der Nachwuchs für ein Erstgeborenes verhältnismäßig riesig wird und man selbst aber ein kleiner Mensch mit Krüppelrücken ist. Ich blieb zunächst noch ruhig und beobachtete die Entwicklung weiter, besuchte ihn regelmäßig auf seinen Hengstweiden, als jährling, als zweijähriger, er war wirklich wunderschön aber spätestens beim Anreiten merkte ich, dass wir einfach nicht zusammen passen. Seinem Temperament war ich nicht gewachsen und seiner Größe schon gar nicht, in mir brach eine Welt zusammen. All die Strapatzen, das ganze Geld, die viele Zeit, all das war umsonst. Niemals hatte ich auch nur einen Gedanken daran verloren, dass dieser Nachwuchs zu groß, zu wild, zu dick, zu dünn, zu langsam, zu was weiß ich sein könnte, niemals. Schließlich kam er doch aus meiner Stute, da hätte doch nur das perfekte Baby rauskommen können? Ich war verzweifelt und wusste nicht was ich tun sollte.

Ich habe mich zu der Zeit zurück gezogen, den Hengst alleine im Berittstall gelassen, er wurde kastriert und ich wartete ab, hoffte auf ein Wunder. Bei den wenigen Besuchen hätte ich jedes einzelne Mal heulen können, er war traumschön, aber so groß und unter dem Sattel weiterhin nicht ganz einfach… Es wäre vernünftig gewesen ihn damals schon in gute Hände zu verkaufen, aber ich konnte das nicht. Ich konnte mich einfach nicht trennen. Ich fragte mich, was für einen Sinn das machen sollte, erst ein Pferd in die Welt setzen und es dann auf den sowieso schon überfüllten Markt zu schmeißen. Der Typ war ich einfach nicht. Ich ließ ihn also einige Zeit im Beritt, gönnte ihm noch eine laaange Weidepause und holte ihn irgendwann zu mir in den Heimatstall. Ich hatte das große Glück und fand jemanden, die ihn wirklich sehr schön ritt und ich übernahm die Arbeit am Boden und versuchte dem Herrn ein bisschen Benehmen beizubringen. Es war wirklich eine schwierige Zeit, in der ich mich gefühlstechnisch am meisten von ihm distanzierte. Ich wusste unsere gemeinsame Zeit war absehbar und ich machte mich nach vielen Tränen und großen Selbstzweifeln auf die Suche nach dem passenden Menschen für ihn. Ich glaube an Schicksal und so war es auch bei der ersten Interessentin. Es passte einfach und nach einer erneuten Krankheit von dem Wallach, übernahm sie ihn trotzdem. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen und noch heute, wenn ich Fotos und Berichte bekomme, bin ich überglücklich das alles so gekommen ist.

Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, ob es wirklich notwendig ist, ein Fohlen aus der eigenen Stute zu ziehen. Ich für meinen Teil weiß, dass ich es mit einem großen Pferd nie mehr machen würde. Ich bin ein sehr schwacher und ängstlicher Reiter, mir hätte vorher bewusst sein müssen, dass das Fohlen auch zu einem Pferd heranwächst, welchem ich eines Tages nicht gewachsen bin.

Passt ein Hund wirklich in mein Leben?

Einen eigenen Hund mit dem Job zu vereinen stellt für viele Berufstätige eine große Herausforderung dar. Nicht jeder Arbeitnehmer hat die Möglichkeit, seinen Hund mit ins Büro zu nehmen. Ebenso können die wenigsten Hundehalter eine Halbtagsstelle des Hundes wegen annehmen, denn ein Hund und auch das eigene Leben müssen ja irgendwie finanziert werden.

Aber sollte man dann erst im Rentenalter einen eigenen Hund halten dürfen?

Vor etwa drei Jahren habe ich mir diese und andere Fragen immer und immer wieder gestellt. Ich habe etliche Überlegungen für dutzende Szenarien durchgekaut und blieb immer wieder an der Frage hängen:

Passt ein Hund wirklich in mein Leben?

Seit nunmehr zwei Jahren bin ich stolze Besitzerin des quirligen Kleinspitzrüdens „Ewok“. Und ja, ein Hund passt auch in das Leben einer Berufstätigen!

Ewok auf der Fahrt in sein neues Zuhause

Ewok auf der Fahrt nach Hamburg in sein neues Zuhause

zwei Wochen nach dem Einzug

Ewok 2012

Ewok zwei Wochen nach seinem Einzug. Schon damals war er ein kleiner, agiler Flitzehund

„Ewok“ zog bei mir ein, als ich mich noch im letzten Jahr meines dualen Studiums befand. Ich hatte den Zeitpunkt damals bewusst ausgewählt, da ich mir meine Zeit etwas freier einteilen konnte und zu Beginn einige Wochen frei hatte, damit der kleine Welpe und ich uns aneinander gewöhnen konnten.

Ich arbeite mindestens 40 Stunden die Woche und zu der Arbeitszeit kommt noch die Fahrzeit zur Arbeitsstätte hinzu. Diese kann in einer Großstadt gerne mal etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Bei mir kommt daher eine tägliche Fahrzeit von etwa eineinhalb Stunden hinzu. Ich bin also gute 10 Stunden am Tag aus dem Haus.

Einige von euch werden jetzt sicherlich aufschreien: „Die wird ja wohl nicht ihren Hund die ganze Zeit alleine Zuhause lassen!?“ Nein, diese „Option“ kam für mich zu keiner Zeit in Frage bzw. stellt für mich gar keine Option dar.

Für mich war von vornherein klar, dass ich meinen Hund nicht den ganzen Tag alleine lassen möchte. Ich bin der Meinung, dass dies gegenüber dem Tier nicht fair wäre. So hängen Hunde als Rudeltiere extrem an ihren Herrchen und Frauchen, eben an ihrem Rudel und langes Alleinsein bedeutet für viele Hunde, dass sie Verlassensängsten und großem Stress ausgesetzt sind.

Natürlich kann man das Alleinsein üben, trainieren und ganz langsam aufbauen, damit die Hunde wissen, „ihr Rudel“ kommt nach einiger Zeit zurück.  Dies finde ich auch wichtig, denn ansonsten muss der Hund immer dabei sein oder irgendwo untergebracht werden und der schon der kurze Gang zum Supermarkt stellt den Hundehalter vor eine Herausforderung.

Ich persönlich habe mir eine Grenze von maximal drei bis vier Stunden gesetzt und vertrete die Ansicht, dass kein Hund länger als vier bis sechs Stunden alleine bleiben sollte. Dies ist grundsätzlich ein großes Thema, zu dem es auch andere Ansichten gibt und ich denke, hier muss sich jeder Hundebesitzer selber entscheiden und ehrlich überlegen, was wirklich fair für seinen Hund ist.

Da ich nun strikt gegen ein langes Alleinsein bin und Ewok nicht mit ins Büro darf, musste eine andere Lösung her. Ewok geht jeden Tag, an dem mein Freund ebenfalls zur Uni oder zur Arbeit muss, in einen „Hundekindergarten“.

Es gibt verschiedene Hundekindergärten mit unterschiedliche Konzepten. Ewoks Hundekindergarten ist so aufgebaut, dass wir ihn morgens bzw. vormittags dort hinbringen und Ewok dann seinen Tag dort verbringen darf, bis ich ihn nach der Arbeit ausgelastet und zufrieden wieder abhole. Die Betreiber des Hundekindergartens haben in ihrem Wohnhaus zwei extra Räume für die „Tageshunde“, in denen es Körbchen, Decken und Spielzeug gibt. Hier können die Hunde sich ausruhen und mal ein Stündchen schlafen. Im Außenbereich gibt es einen riesigen, eingezäunten Garten bzw. eine weitläufige Wiese, auf der sich die Hunde draußen frei bewegen und spielen oder toben können. Grundsätzlich ist die Betreiberin des Hundekindergartens immer dabei und geht auch mal ein paar Stunden mit nach draußen, wenn die Hunde Tobezeit haben.

Zuvor war Ewok aber auch schon mal in einem Hundekindergarten mit einem anderen Konzept. Dort war ununterbrochen mindestens eine „Aufsichtsperson“ anwesend und es wurde in kleinen Hundegruppen von maximal vier Hunden spazieren gegangen.

Wir können mit beiden Lösung sehr gut leben. Beide Konzepte haben ihre Vor- und Nachteile. So gab es in dem Hundekindergarten zuvor mehr „persönliche“ Betreuung und mehr Kontakt zum Menschen wodurch erzieherisch deutlicher Grenzen gesetzt werden konnten.  Im jetzigen Hundekindergarten gibt es hingegen mehr Platz zum Toben und Spielen. Die Hunde haben hier mehr Gelegenheiten sich selbständig auszulasten. Welches Konzept besser zu Hund und Besitzer passt, sollte man am besten einfach mal ausprobieren und schauen wo die Chemie am Besten stimmt. Schließlich gehört eine ordentliche Portion Vertrauen dazu, wenn man sein geliebtes Haustier in fremde Hände gibt.

Eine regelmäßige Hundebetreuung bedeutete allerdings auch einen nicht unerheblichen finanziellen Aufwand, dies sollte man nicht außer Acht lassen und idealerweise schon vor dem Einzug des neuen Hundes einplanen. Wenn ich jedoch bedenke, wie viel Freude ich mit Ewok habe, ist es mir das Geld allemal wert. Ich weiß, dass mein Hund beaufsichtigt wird, keinen Stress durchs Alleinsein hat und immer, wenn ich ihn abhole, ist er ausgelastet und zufrieden. Zusätzlich nehme ich mir selbst den Stress, immer daran denken zu müssen, dass der Hund ständig alleine zu Hause verweilen muss.

Grundsätzlich nehme ich Ewok aber, abgesehen von der Arbeit, überall mit hin, so dass er immer mit von der Partie ist. Natürlich gibt es aber auch Freizeitgestaltungen, wo der Hund unerwünscht ist. Daher versuche ich Aktivitäten wie ins Kino oder feiern gehen nicht all zu oft zu machen. Dies stört mich aber nicht und ich muss nicht bewusst auf etwas verzichten.

130515_Ewok_Kieskuhle-19 verkleinert

Anders sieht es natürlich bei besonderen Anlässen aus. Was passiert mit einem Hund bei Krankheit, Urlaub, großen Feierlichkeiten? Auch hier handhabe ich es so, dass mein Hund dabei ist, wenn es möglich und nicht zu stressig für ihn ist.

Wenn ich mal wieder mit einer dicken Erkältung im Bett liege, kommt Ewok auch mit ein paar kleinen Gassirunden über den Tag zurecht. Ein bisschen frische Luft und Bewegung tut mir da ohnehin oft ganz gut. 

Bin ich aber mal zu einer Hochzeit eingeladen oder plane eine große Fernreise, dann habe ich das Glück, dass meine Eltern oder auch Freunde sehr gerne eine Nacht oder auch mal etwas länger auf meinen freundlichen kleinen Hund aufpassen.

Schlussfolgernd kann ich also sagen, Ewok in mein Leben aufzunehmen war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Trotz der vielen Organisation und Planung bereichert Ewok mein Leben enorm und macht mich einfach nur glücklich!

Alles Eski oder was?

Einige von euch kennen ihn sicher: den Hype um die vielen, bunten Eskadron Artikel. Zwei Mal im Jahr gibt es neue Kollektionen, die sich über die Jahre vervielfacht haben: Classic, Platinum, Next Generation, Nici… (natürlich alles limited editions). Den meisten von euch werden das vermutlich bekannte Begriffe sein. Die Eski-Fans tummeln sich auf diversen Plattformen im Internet. Spezielle Foren über Pferdekleidung, Facebook Gruppen und Instagram Seiten bringen die verrückten Sammler zusammen. Bestimmt habt ihr euch auch schon einmal gefragt, was zum Henker bei diesen Menschen eigentlich falsch läuft oder – noch schlimmer – ihr seid der Sucht selbst erlegen.

Was genau in den Köpfen dieser Eskiii-Suchtis vorgeht, möchte ich euch heute anhand eines Fallbeispiels erörtern. Eigentlich ist Eskadron eine von vielen Marken, die im Reitsport einen bekannten Namen tragen. Allerdings kenne ich keine weitere, die so einen riesigen Hype ausgelöst hat. Viele der bekennenden Suchtis durchstöbern stundenlang das Internet, um eventuell die allerneusten, geheimen Infos der bevorstehenden Kollektion zu erhaschen. Meistens ist die Suche erfolglos und man muss in diversen Foren oder Facebook- Gruppen seinen Frust kundtun und sich mit verheißungsvollen Spekulationen von vermeintlich Wissenden zufrieden geben. Ist es vielleicht das? Das große Geheimnis um doch nur immer wiederkehrende Farbkombinationen? Oder ist es die „Limited Edition“, die in vielen den Kaufzwang auslöst? Die Angst, vor vergriffenen Schabrackenfarben, die im Pferde-Kleiderschrank unter keinen Umständen fehlen dürfen?

Fakt ist, es wird gekauft und das noch bevor überhaupt eine Schabracke oder Abschwitzdecke live und in Farbe in den Geschäften gesehen wurde. Ein Spekulationskauf sozusagen. Kenner kaufen von der beliebtesten Farbkombination meistens mehrere Exemplare, denn die Erfahrung zeigt, es gibt tatsächlich Menschen, die eine Schabracke (ein gefüllter Stoff in bunten Farben) für 200€ (ZWEIHUNDERT Euro !!!!), in einem bekannten Auktionshaus ersteigern, weil sie aus der vorletzten Kollektion, ausverkauft und scheinbar plötzlich ganz beliebt ist. Es ist also auch eine Wertanlage und nein, das sind keine Fake-Verkäufe, ich konnte selbst schon solche Summen auf meinem Konto verzeichnen, weil ich mich von dem einen oder anderen Schätzchen getrennt habe – Oh Mist, das war wohl nun mein Outing.

Ich muss zugeben, ich bin bekennender Suchti. Ich könnte mir also die Frage: „Wieso muss es immer Eskadron sein?“, selbst beantworten, aber nein, ich kann es nicht! Ich finde nicht nur das Spekulieren, das Hoffen auf eine tolle Farbe oder das Ärgern, wenn die Designer mal wieder an Geschmacksverirrung gelitten haben, klasse. Ich mag auch die etwas gestörte Outfitauswahl für mein nur bedingt reitbares Pony.

Hin und wieder überkommt mich die Vernunft und ich möchte unbedingt ganz viel verkaufen, wenn ich dann aber den Keller betrete und tatsächlich mal aussortiere, landen auf dem „Zu verkaufen“-Haufen vielleicht 2-3 Schabracken und Abschwitzdecken. So richtig trennen kann ich mich dann doch nicht, selbst wenn ich es nicht benutze, es ist doch so hübsch? Dann kann es auch in meinem Keller hübsch aussehen. Außerdem könnte ja irgendwann mal eine weitere Klinikrechnung bevorstehen und dafür habe ich dann quasi eine Wertanlage im Keller. Genau, ich sammle nicht weil ich „Eskiii-gestört“ bin, sondern weil ich für den schlimmsten Fall genug Kohle im Keller haben will! Oder irgendwie so… .

So ein Leben als Eski-Junky ist auch im Alltag nicht gerade einfach. Nicht selten artet die Outfit-Auswahl in einem totalen Chaos aus. Es ist zwar eigentlich alles feinsäuberlich geordnet, allerdings müssen zu der ausgesuchten Schabracke ja auch noch die passenden Bandagen und die passende Abschwitzdecke gefunden werden. Letzteres gestaltet sich immer schwierig. Meistens liegt die benötigte Decke an unterster Stelle und spätestens nach dem Herausfriemeln bin ich dann auch schon unter einem Meer von Decken begraben. Für zwei Pferde würden doch so 3-4 Decken reichen? Wieso besitze ich denn bloß gefühlt hundert Decken? Und warum hab ich so viele verschiedene Farben? WER SOLL SICH DENN DA ENTSCHEIDEN?

Wie ihr seht, es ist wirklich gar nicht so einfach als Eskiii-Junky! Und wenn wir die ganze Sache mit ein bisschen Ernst und Vernunft betrachten: Es ist schon auch praktisch, wenn man als Hardcore-Junky täglich die Schabracke wechseln kann und vermutlich im ganzen Pferdeleben nicht eine einzige Schabracke waschen muss. Da werde ich allerdings im Leben nie hinkommen, denn mein Kellerraum hat begrenzte Kapazitäten, die bereits bis ans Äußerste erschöpft sind. Schade Schokolade! Da gibt es dieses Mal wohl keine neue Schabracke für mich!