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Proberitt auf einem S-Dressurpferd

Zugegeben, der Titel vom letzten Tagebucheintrag des Zausels war ein bisschen reißerisch. Um Missverständnisse von vorn herein auszuschließen kläre ich euch lieber gleich auf: Nein, ich kaufe kein neues Pferd. Aber ich bin wirklich ein echtes Dressurpferd zur Probe geritten. So ein richtiges Turnierpferd, eins, das S läuft.

Ich durfte nämlich Annas Püppi reiten, weil sie nicht da ist und das gute Tier bewegt werden soll. Obwohl wir im gleichen Stall stehen, habe ich tatsächlich bisher noch nie auf Püppi gesessen, es hat sich irgendwie noch nicht ergeben. Nun aber meine große Chance, Anna irgendwo in der Welt unterwegs und Püppi allein im Stall. Der Zausel mit Ei auf dem Bein auf der Weide und ich seit fast 8 Wochen nicht mehr auf dem Pferd.
Das stimmt nicht ganz, ich bin Sam zwischendurch geritten, aber auch nur dreimal und das reicht definitiv nicht aus, um die Kondition aufrecht zu erhalten.

Ehrlich gesagt war ich ein klein wenig aufgeregt, ob wir beiden so zurecht kommen würden, ob Anna mit meinem Gereite zufrieden sein und mich auch alleine auf Püppi lassen würde. Immerhin lässt man ja nicht jeden dahergelaufenen Reiter auf sein Turnierpferd, mit dem man nächstes Wochenende auch noch S starten möchte.

Wenn man ein Pferd oft von unten sieht, sein tägliches Training schon seit ein paar Jahren mitverfolgt, die Entwicklung kennt, aber noch nie selbst drauf gesessen hat, hat man meist doch eine Vorstellung davon, wie es sich wohl anfühlen müsste, wenn man draufsitzt. Bei Püppi hatte ich auch so meine Vorstellung, ich sehe ihr unheimlich gerne zu, habe schon oft ihre Fortschritte bewundert, die mega Trabverstärkung bestaunt, aber auch die ein oder andere Schwäche beobachtet. Dass sie ein geniales Pferd mit wirklich viel Qualität ist, ist natürlich völlig klar, und dass man gern mal auf so einem Pferd sitzten würde, auch. Aber ich habe sie auch immer für ein bisschen schwierig gehalten, was zum einen an ihrer wirklich vollkommen hysterischen Guckigkeit liegt, zum anderen habe ich sie aber auch immer für etwas speziell und zickig gehalten, typisch Stute. Ich habe also immer gedacht, ein geniales Pferd, für das man aber auch echt reiten können muss. Also eher so ein Gerät, das ich niemals bedienen können würde.

Und dann soll ich da also rauf, wo ich doch 8 Wochen gar nicht auf dem Pferd gesessen habe und es eh nicht so mit zickigen Stuten habe. Na das kann ja was werden.

Anna hat Püppi erst ein wenig gelöst, ehe ich aufgestiegen bin. Erster Eindruck: Fühlt sich viel schmaler an, als sie von unten wirkt. Da wirkt sie nämlich immer unheimlich stark bemuskelt und fast ein wenig bullig für eine Stute. Sitzt man drauf, ist es aber wirklich ein schmales Pferd, den Eindruck könnte aber auch verschärft haben, dass ich vorher dreimal Sam geritten war, die nun wirklich alles andere als schmal ist. Im Schritt anreiten funktionierte schon mal gut. Nach zwei Runden zur Eingewöhnung bin ich direkt angetrabt, sie war ja schließlich schon aufgewärmt. Huch, das fühlte sich dann doch ungewohnt an, der Hals relativ kurz im Vergleich zum Zausel (der einen wirklich sehr langen Hals hat) und die Verbindung zum Maul ganz schön stramm. Das kenne ich so vom Zausel auch überhaupt nicht, der ist zu Anfang immer viel zu leicht in der Verbindung und man muss in der Lösungsphase erstmal daran arbeiten, ihn ans Gebiss zu bekommen. Die ersten zwei Runden hatte ich das Gefühl, sie gar nicht wirklich ans Band zu bekommen, außerdem kürzte sie alle Ecken so ab, dass wir nicht mal an den Hufschlag der kurzen Seite kamen. Was für eine peinliche Vorstellung, hockt sich auf ein S-Pferd und bekommt es nicht mal außenrum geritten. Aber bevor man sich Gedanken darum macht, ob das nun peinlich ist oder nicht, sollte man es vielleicht erstmal mit reiten versuchen und nicht nur ehrfürchtig wie ein Äffchen auf dem Rücken klammern und gar nichts tun. Also kurz mal konzentriert, äußerer Zügel, inneres Bein und voila, Püppi weiß was man von ihr möchte. Das Reitgefühl besserte sich direkt mal um ein vielfaches und ich fühlte mich nicht mehr wie Herr Nielson in der Manege.

Noch ein paar Runden mehr, Anna mit dem Ceecoach im Ohr und das ganze fing an richtig Spaß zu machen. Aber wirklich so richtig! Erstmal haben wir uns ein bisschen durch Tempounterschiede und Übergänge rangetastet: wie deutlich muss ich die Hilfen geben, auf welche Hilfen reagiert sie am besten, wie bekomme ich die Verbindung ein bisschen leichter, Püppi ein bisschen mehr aufs Hinterbein. Die ersten Hilfen waren etwas zaghaft, sich ein kleines bisschen mehr zutrauen und zack, es funktionierte und dann verstand auch Püppi besser, was ich von ihr wollte.
In der Galopparbeit ließ mich Anna dann nach ein paar mal zulegen und zurück nehmen durch die halbe Bahn wechseln, mit fliegendem Wechsel. Oh ha, die wills ja wissen!
Beim Zausel muss man jeden einzelnen Wechsel wirklich ganz akribisch vorbereiten und oft gelingt er trotz großer Bemühungen meinerseits dann doch nicht. Oder sehr verzögert. Schon aus der Ecke raus habe ich mich also gedanklich auf den anstehenden Wechsel vorbereitet, versucht auch das Pferd möglichst sauber auf den Wechsel vorzubereiten und dann der Moment: Hilfe geben und plopp, Püppi springt um als wäre es das normalste der Welt. Wahnsinn! Das macht vielleicht einen Spaß! Sowas von easy peasy, die Wechsel kann man gefühlt in jeder Lebenslage abrufen. Schwieriger ist es dann schon, im Galopp durch die ganze Bahn wechseln, dabei zuzulegen, OHNE Wechsel. Den nimmt sie gern mal vorweg und weil er ihr sowas von leicht fällt, sie quasi ganz ohne vorherige Antäuschungsphase einfach so umspringt, kann man ihn kaum verhindern. Dafür springt sie aber auch genau so easy peasy wieder zurück, man kann sein Missgeschick also ganz gut vertuschen und so tun, als wäre nichts passiert. Wechsel? Was? Hab gar nichts bemerkt pfeif

Nach der Galopparbeit sollte ich dann noch ein bisschen Trabarbeit machen, durch die gute Vorarbeit im Galopp war Püppi wie von Zauberhand schon viel gesetzter und aufgerichteter. Ein bisschen Schulterherein an der langen Seite, der erste Versuch war noch etwas zaghaft, der zweite schon viel besser, ein paar Volten und dann sollte ich mal eine Traversale versuchen. Also auf die Mittellinie abbiegen und schräg rüber. So oder so ähnlich machen der Zausel und ich das zumindest, irgendwie seitwärts wieder zurück zum Hufschlag, alles andere geht uns dabei meist noch flöten aber hey, seitwärts ist immerhin schon mal seitwärts. Püppi kann aber so schön seitswärts, dass man dabei tatsächlich noch auf allerhand andere Sachen achten kann, es schnurt ganz selbstverständlich schräg rüber und trabt danach genauso fein weiter wie davor. Toll!

Bei herrlichstem Wetter und viel zu warmen Temperaturen für den September verließen mich allmählich die Kräfte und eigentlich wollte ich schon aufhören, als Anna mir zurief „Los, wenigstens eine Verstärkung musst du im Trab reiten!“ Uff, dass so kurz vor Schluss und eigentlich schon völlig k.O., Trabverstärkungen gehören alleine wegen des Sitzkomforts eher nicht so zu meinen Lieblingslektionen. Aber einmal fühlen wie das so ist, wenn einer so richtig die Lampen austritt wollte ich dann ja doch. Also noch mal alle Kräfte mobilisiert und die Diagonale angesteuert. Hach ja, nur fliegen ist schöner! Rumpelt auch viel weniger als ich dachte, Püppi nimmt einen toll mit und lässt sich auch geschmeidig zurück führen.

Ganz beseelt und glücklich, aber auch wirklich völlig fertig bin ich vom Pferd gestiegen, von einem Ohr zum anderen grinsend. Ich reite einfach wirklich gern Dressur und mit so einem Pferd macht das natürlich ganz besonders viel Spaß. Püppi ist viel einfacher und unkomplizierter als ich dachte und hat sich wirklich kein bisschen zickig gezeigt. Und das Beste: Ich durfte sogar am nächsten Tag noch mal reiten und hatte noch mal genau so viel Spaß.

Anna hat auch ein paar Sequenzen von uns gefilmt, die ihr sicherlich gern sehen möchtet. Ich selbst habe das Video erst gesehen, nachdem ich diesen Artikel geschrieben habe. Sonst wäre ich wohl mehr darauf eingegangen, dass ich ganz schön nach hinten über kippe, deutlich über Tempo unterwegs bin, zurück nehmen oder gar Versammlung wirklich nur mit viel Fantasie zu erahnen sind. Reitvideos von sich selbst sind etwas gemein ernüchterndes, das fühlte sich in echt alles irgendwie besser an. Nach dem ersten kurzen Schock und dem Drang, das Video sofort aus der Öffentlichkeit des Internets verschwinden zu lassen, hab ich mich kurz besonnen und bin zu dem Entschluss gekommen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ich weiß, was ich das nächste mal besser machen kann und so kann man das Video auch zur Motivation und zum Lernen nutzen. Das könnte ich natürlich auch, ohne es euch zu zeigen, aber vielleicht könnt ihr ja auch noch etwas lernen. Und sei es nur, dass sich auch ein top ausgebildetes S-Pferd nicht von alleine reitet und ihr den lieben Stallkollegen, die sich ja „einfach nur einen Selbstläufer gekauft haben“ ein bisschen mehr Respekt zollt. Denn auch der Selbstläufer will gut geritten und bedient werden, sonst sieht es nämlich aus wie in dem Video von Püppi und mir:

 

 

 

Und plötzlich dachte ich: ist mir egal

Auf einer meiner letzten Reisen hatte ich am Abend ein längeres Telefonat mit einem Exfreund, mit dem ich heute freundschaftlich verbunden bin.

Als wir uns kennenlernten, war Lucky zarte fünf Jahre alt und mein ein und alles. Wie ihr in seiner Geschichte nachlesen könnt, hat er sich dann in den folgenden Jahren gut entwickelt und die ein oder andere Schleife gewonnen. Er war allerdings auch einmal gravierender und länger verletzt mit unklarer Prognose.

Am Ende unserer Beziehung, also der meines Freundes und mir – denn Lucky und ich sind ja immer noch zusammen 🙂 – hatte Lucky gerade seine erste Platzierung in der Klasse S erreicht. Ihr könnt euch also vorstellen, wie viel Zeit und Energie ich in die Reiterei investiert habe und wie emotional es oft zuging. An einem Tag im August stirbt mein Pferd fast, ein Jahr später gewinnt es M und zwei Jahre später geht es seine erste S. Was für eine Achterbahnfahrt und sehr intensive Zeit für einen Pferdebesitzer – aber eben auch für seinen Partner.

Mein lieber Exfreund sagte mir am Telefon also gerade kürzlich noch: „Ja weißt du, die Reiterei damals – da fühlte ich mich schon oft an zweiter Stelle. Wenn das Pferd krank war oder nicht gut lief oder wenn Turniere stattfanden… das stand dann schon immer stark im Mittelpunkt und hat Dir sehr viel Aufmerksamkeit abverlangt.“

Ich wollte gerade zum Gegenplädoyer ansetzen und ihn mit „Neeeeein, also da gibt’s ja gaaaaanz andere, stell Dir mal vor, was die veranstalten mit ihren Gäulen. Ich war da doch immer voll entspannt. Ich bin so gar nicht gewesen.“ Schachmatt setzen.

Aber dann habe ich nachgedacht und mir die Frage gestellt – wie sehe ich es heute mit etwas Abstand? Und hat er vielleicht sogar Recht?

Seit ich Mutter bin und mich das Berufsleben voll wieder hat, sind mir ein paar Veränderungen in meiner Einstellung und in meinem Verhalten als Pferdebesitzer aufgefallen.

Die Gravierendste ist, dass ich nicht mehr der wahnsinnigen Überzeugung folge, ALLES SELBST machen zu müssen und es meinem Pferd auch nur dann gut geht, wenn ich es persönlich putze, reite, seine Schabracke alle 2 Tage passend zu den Bandagen und der Wettervorhersage aussuche und alles auch noch drei mal kontrolliere. Ist genügend Zusatzfutter da? Ist alles am Platz? Wann geht er auf die Weide und wie lange? Wenn ich mal 3 Tage weg bin, wer setzt alles so zuverlässig um, als wäre es sein eigenes Pferd? Und was ist, wenn doch mal was ist? Was ist der Plan B?

Nun ist Lucky zum Glück (hört mich hier auf Holz klopfen) kein Kandidat für Erkrankungen, die hier, jetzt und sofort behandelt werden müssen, da akute Lebensgefahr besteht. Vielleicht wäre ich da jetzt anders. Aber ich handhabe es so: Ich habe einen Stall gefunden, wo ich mich neben der Zufriedenheit mit dem Beritt auch zu 100% auf die Mitarbeiter verlassen kann, dass Lucky z.B. dem Schmied vorgestellt wird, wenn erforderlich auch dem Tierarzt nebst Absprache der Behandlung, Medikamentengabe und Therapie, mit Gamaschen und Decke auf die Wiese geht, vor und nach dem Training ausreichend lange Schritt geht, abends noch mal sein Fütterchen bekommt und mit Cremes und Zeug behandelt wird, wenn er irgendwo mal eine Macke, einen Insektenstich oder eine offene Stelle hat.

Wenn etwas fehlt, bekomme ich eine Whats app mit „bitte besorgen“. Wenn der Schmied da war, bekomme ich die Rechnung nach Hause. Wenn der Tierarzt kommen muss und ich bin nicht da, werde ich angerufen, wenn es um Entscheidungen geht; ansonsten wird behandelt wie geplant und die weitergehende Therapie erfolgt durch den Stall. Wenn ich plan- oder auch mal außerplanmäßig nicht reiten kann – und das kommt häufig vor – in den letzten 2 Monaten hatte ich fast 40 Reisetage – dann sage ich Bescheid und ich weiß genau, dass das Pferd vernünftig gearbeitet wird.

Hätte ich das früher so gekonnt? Alles abgeben und komplett loslassen? Ich denke nicht. Beritt hatte ich ja früher schon in Hamburg mal in Anspruch genommen… aber wochenlang gar nicht zum Stall zu fahren und alles in die Hände anderer zu geben? Das hätte ich mir nie vorstellen können. Es ist ja nicht nur eine finanzielle Frage, sondern eine Frage des Vertrauens. Nun habe ich mit meiner Trainerin den absoluten Glücksgriff getan, auch was den ganzen Service betrifft – ich denke aber auch, dass sich meine Einstellung stark verändert hat.

Wenn das Pferd etwas hat oder etwas braucht, dann bekommt es das. Bedeutet für mich in ersten Linie: ich bezahle es. Aber es bedeutet für mich nicht mehr, dass eine Welt zusammenbricht. Dass ich mich schlecht fühle, wenn ich nicht jeden Tag mal persönlich die Nase gestreichelt habe. Dass ich wochenlang down bin weil das Pferd lahm ist. Dass ich abends vor dem Einschlafen darüber nachdenke, warum er die Rechtstraversale heute nicht so schön lief wie die nach links. Dass ich schlechte Laune habe, weil ich beim Turnier nicht platziert war – oder auf Wolke 7 aufgrund einer Schleife. Oder dass es beim Essen mit Freunden oder eben auch mit dem Partner nur EIN Thema gibt: Was macht das Pferd?

Wenn ich reise, bin ich froh, wenn ich dazu komme, meine Tochter zu fragen, wie es ihr geht. Aber ich kontaktiere nicht jeden Tag den Stall, um nach dem Pferd zu fragen. Nein, auch in drei Wochen nicht. Wenn ich nichts höre, ist alles ok. Und wenn ich was hören sollte, würde ich Entscheidungen treffen. Aber darüber hinaus habe ich gemerkt: Es ist mir egal. Es ist ein Pferd. Er hat alles was er braucht. Und er ist auch ohne mich glücklich. So wie ich auch ohne ihn glücklich bin. Zumindest eine Zeit lang 😉 und dann freue ich mich auch darauf, wieder in den Stall zu fahren. Aber ich möchte mich nicht mehr für die Reiterei versklaven, nicht mal gewollt. Ich habe ein Turnier genannt aber ich kann nicht reiten, weil ich an dem Tag zu einem Kunden muss? Oder ich einfach müde bin und habe keine Lust? Dann bleib ich eben zuhause. Was solls?

Und wenn ich ganz ehrlich bin – wäre Lucky morgen krank und müsste pausieren (damit meine ich keine lebensbedrohliche akute Krankheit wie Kolik, allergischen Schock etc.), sondern eher Dinge wie Lahmheiten oder sonstige Verletzungen: Klar wäre das blöd und ich würde das (wenige) Reiten sicher vermissen. Aber ich würde einen Teufel tun, das Rehaprogramm mit täglich einer Minute mehr Schritt führen, am besten noch zweimal am Tag morgens und abends, hier ein Sälbchen schmieren, da ein Pülverchen mit der Küchenwaage abwiegen und verabreichen usw. in diesem Aufwand zu betreiben. Wenn es so sein soll, dann ist es so. Dann bekommt er alles, was nötig ist und dann darf er sich auskurieren. Aber bitte ohne meine 24/7 Arzthelfertätigkeit. Wäre hingegen etwas mit meiner Tochter oder meinen Eltern nicht in Ordnung, nähme ich den nächsten Flieger und wäre da. Zugegebenermaßen täte ich für meine Kunden wohl ähnliches, aber das ist ein anderes Thema 😉

So saß ich also da und habe verglichen, wie ich früher emotional mit meinem Pferd umgegangen bin und wie es mir heute geht. Und ich muss zugeben, dass mein Exfreund Recht hat. Früher war das Reiten mein Lebensinhalt, heute ist es nur noch ein Inhaltsbestandteil meines Lebens. Es geht eben nicht mehr alles, andere Dinge sind wichtiger geworden – und das ist auch gut so.

Und wie sieht’s bei Euch aus? Wie viel Drama ums Pferd bestimmt Euer Leben?

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Einfach neu kaufen

Der Zausel hat nun weitere zwei Wochen auf der Weide rumgestanden. Der letzte Besuch vom TA war mehr oder weniger aufschlussreich und er kuriert vermutlich eine Knochenhautreizung aus. Vermutlich deswegen, weil der Befund irgendwie nicht so ganz eindeutig ist, es aber die naheliegenste Vermutung ist. Verordnete Therapie: Schonzeit auf der Weide, das Bein mit Heparinsalbe einschmieren, abwarten und Tee trinken, in zwei Wochen sollte es besser sein.

Das wäre dann der Montag gewesen, also habe ich das Zauselchen an die Longe gehängt und ihn ein klein wenig traben lassen. War leider nicht besser. Genau genommen ist alles unverändert, das Bein wird sofort nach den ersten zwei Runden im Trab dick.
Also habe ich noch mal mit dem Tierartz Rücksprache gehalten, wie wir nun weiter vorgehen wollen. Er würde dann gern sicherheitshalber eine Ultraschalluntersuchung machen, nur um zu gucken. Sicherheitshalber… Ihr erinnert euch an den letzten Beitrag? Irgendwie nervt mich dieses sicherheitshalber. Die Sache ist die: Der Zausel hat ständig irgendwelche Wehwehchen, außerdem hat er einen besonderen Hang zu ungewöhnlichen Erkrankungen, Sachen, auf die man sich nicht so direkt einen Reim machen kann, bei denen es irgendwie keine so eindeutige, schnelle Diagnose gibt. An vielen solcher Wehwehchen haben wir wirklich lange herum gedoktert, für viele gab es nie so wirklich eine stichfeste Diagnose und sie verschwanden mit der Zeit. Macnhe treten auch aus nicht so ganz eindeutigen Gründen immer wieder auf. Immer wieder waren wir an einem Punkt, wo den Tierärzten nicht mehr so viel eingefallen ist und wo wir dann sicherheitshalber noch mal diese oder jene Untersuchung gemacht haben. Ehrlicher Weise sind wir bei diesem eher blinden rumuntersuchen nie wirklich auch eine Diagnose gekommen.

Diese Sache mit dem dicken Bein hatte er genau vor einem Jahr schon mal. Auch da, plötzlich eine Schwellung, zunächst schwammig am ganzen Bein, dann nach einiger Zeit dieses Ei, das sich nach der Bewegung bildet. Wir haben mehrfach geröntgt, mehrfach geschallt, irgendwie alles ohne Ergebnis. Von Juli bis Oktober stand er deswegen nur auf der Weide, den ganzen Sommer haben wir reittechnisch verpasst. Ich bin ohne ihn nach Sylt gefahren, die Stoppelfeldsaison ging an uns vorbei und irgendwann im Oktober haben wir dann wieder langsam angefangen, trotz der Schwellung. Weil sich einfach nichts änderte am Bein, zwei TÄ keinen Befund feststellen konnten und wir dann irgendwann den Versuch gewagt haben, ob es unter regelmäßiger Bewegung nicht vielleicht besser oder zumindest auch nicht schlechter wird.
Es wurde besser und so gegen November war dann nichts mehr zu sehen am Bein.

Ich habe dann langsam wieder antrainiert und wie das immer so ist: Die Kondition war recht schnell wieder hergestellt, Muskulatur, Durchlässigkeit und Kraft haben eine ganze Weile gedauert.

Diesen Sommer nun also wieder das gleiche Spiel, ungefähr Ende Juli, vielleicht auch Anfang August war das Bein plötzlich nach dem Reiten dick. Das war auf Sylt, immerhin hatte er solange durchgehalten, dass ich noch ein gesundes Pferd mitgenommen habe. Das hat er wohl beim letzten mal gelernt, reicht er zu früh den gelben Schein ein, bringt ihn das um seinen Jahresurlaub, da muss man dann noch mal zwei Wochen die Zähne zusammen beißen, ehe man den Urlaub dann einfach auf der heimischen Weide verlängert.

Jetzt haben wir Anfang September, haben das Bein ohne so ganz deutlichen Befund geröngt, und nun soll also sicherheitshalber ein Ultraschallbild gemacht werden.
Ich sehe es schon kommen, in ein paar Wochen haben wir Oktober, zusätzlich zu den bereits angefertigten Röntgenbildern dann auch noch ein oder zwei Ultraschalluntersuchungen und letztlich doch keine Diagnose. Nach 8 Wochen Pause entscheiden wir dann, dass man es auf einen Versuch ankommen lässt, ob es überhaupt schlimmer wird, wenn man trotzdem reitet. Und mit etwas Glück wird es das nicht und ich kann wieder anfangen zu reiten.
Bis zur nächsten periodischen Beinentzündung oder was auch immer der Zausel dann wieder hat.

Und da sind wir wieder, mitten drin im Zauselkarusell, dass sich unermüdlich dreht und dreht und dreht zwischen Wehwehchen und antrainieren.
Ich bin ein bisschen müde geworden, wenn ich ehrlich bin. Ich habe immer an den Zausel geglaubt, habe immer gesagt, wir kriegen das in den Griff. Chronische Bronchitis? Wir bauen einen Offenstall! Borreliose? Die Heilpraktikerin wird’s richten! Herzgeräusch? Mit regelmäßigen Kontrollen unbedenklich! Bösartige Hauttumore an mehreren Stellen? Wir lassen es in einer schweineteuren OP alles weglasern!
Wir haben das alles in den Griff bekommen. Aber es kommt immer wieder etwas neues. Jedes Jahr. Es ist wirklich kein Jahr vergangen, in dem der Zausel einfach mal durchgelaufen wäre. Immer war irgendwas. Nichts was man nicht wieder hinbekäme, aber eben immer und immer wieder kleine und große Wehwehchen, die uns zu ständigen Pausen zwingen.

Und dann flattert da der Auktionskatalog in den Briefkasten. 50 junge, talentierte Pferde, die einem die große Reitsportkarriere versprechen. Den reitbaren Untersatz einfach neukaufen, den alten unbrauchbaren gegen einen schicken neuen tauschen, der einfach mal funktioniert. Ganz ehrlich, das klingt verlockend. Das Problem an der Sache ist nur, dass ich an dem alten Esel wirklich hänge und da irgendwie doch immer noch die Hoffnung ist, dass es irgendwann mal ausgestanden sein müsste. Bald haben wir ja wirklich alles durch, oder? Und bei aller Träumerei, die so ein schickes, neues, junges Talent befeuert, kann ich den Realitätssinn dann doch nicht ausschalten: Einfach neu kaufen ist keinesfalls ein Garant dafür, dass es dann besser funktioniert, das habe ich mittlerweile auch schon schmerzlich gelernt. Da bleibe ich doch lieber bei dem alten Esel, da weiß ich wenigstens, woran ich bin und es können keine falschen Hoffnungen mehr zerstört werden. Fast keine zumindest. Irgendwann schaffe ich es vielleicht ja auch noch, mich von jeglicher Hoffnung freizumachen und einfach die Zeit zu genießen, die wir haben. Reitbar oder nicht, mit dickem Fuß, keuchender Lunge, rauschendem Herzen, mal besser mal schlechter gelaunt, aber immer: Mein geliebtes Zauselchen.

Mähne kürzen

Einfach abschneiden, verziehen oder ausdünnen? Wer der Mähne seines Pferdes Herr werden will, muss sich zunächst überlegen, welche Technik er dafür anwenden möchte.
Meine Erfahrungen und Tricks habe ich euch in diesem Artikel versucht zusammenzustellen.

Was banal klingt, kann durchaus seine Kniffligkeit haben, schließlich sind die meisten Reiter keine Frisörmeister. Beim ersten Versuch, dem lieben Vierbeiner eine schicke Frisur zu verpassen, ist so mancher Pferdebesitzer schon kläglich gescheitert und musste sich das Gespött seiner Mitreiter anhören. Aber keine Sorge, wir haben uns alle schon mal verschnitten, verzupft, verfrisiert und das Gute ist: Es wächst ja wieder!
Mit ein Paar Tricks und Tipps und ein bisschen Übung ist es gar nicht so schwer: Als Vorbereitung sollte man sich einen Mähnenkamm oder ein Bürste zurecht legen und das gewünschte Werkzeug zum Kürzen. Welche Möglichkeiten es dort gibt, erläutere ich im folgenden Abschnitt. Die Mähne sollte zu Beginn gründlich gekämmt und auf eine Seite gelegt werden. Bei widerspenstigen Mähnen kann es helfen, diese ein wenig mit einem nassen Schwamm zu befeuchten, dann ist es einfacher, gerade zu schneiden. Achtet darauf, dass es windstill ist, eine ständig hochfliegende Mähne wird am Ende krumm und schief. Den Kamm oder die Bürste steckt ihr euch am Besten in den Bund eurer Reithose oder legt ihn griffbereit ab. Um die Mähne schön gerade zu schneiden, hilft es, sie immer wieder zu kämmen und in Position zu legen. Ähnlich wie beim Einflechten ist es am einfachsten, wenn das Pferd möglichst ruhig steht, also sorgt für Fliegenschutz.
Wer zum ersten Mal die Mähne schneidet, sollte sich langsam von unten nach oben vorarbeiten. Schneidet man gleich auf die gewünschte Länge, wird’s am Ende doch viel kürzer, weil man hier und da noch ein paar Kanten und Zacken ausgleichen muss. Ihr kennt das vom Frisör: Bitte nur Spitzen schneiden und ruck zuck sind gute 10 cm ab!
Als Faustformel gilt: Die Mähne sollte eine gute Handbreit (inkl. Daumen) liegen, dann kann man sie gut einflechten.

Die Mähne mit einer Schere zu schneiden, ist die einfachste und schnellste Methode. Man muss darauf achten, dass die Mähne zum Schneiden auf der Seite liegt, auf die sie auch von alleine fällt. Wenn man sie von der anderen Seite aus schneidet, hat man schnell einen nicht sonderlich hübschen Zackenschnitt.
Außerdem eignet sich Schneiden alleine nicht besonders gut für dicke Mähnen, denn oftmals steht die ganze Mähne dann wie ein Balken vom Hals ab oder mutiert sogar zu einer Möchtegern-Stehmähne.
Vorteil beim Schneiden ist, dass es meistens den Pferden nicht unangenehm ist und sehr schnell geht. Ich bevorzuge diese Technik und nehme in Kauf, dass es 2-3 Tage nach Prinz Eisenherz-Style aussieht, aber es ist für mich wirklich am einfachsten, da mein Pferd keine sehr dicke Mähne hat.

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Bei sehr dicken Mähnen empfiehlt es sich diese vor dem Schneiden bzw. Kürzen auszudünnen. Mein jetziges Pferd hat glücklicherweise eine angenehme dünne Mähne, sodass ich diese nicht ausdünnen muss, aber ich kann mich noch ganz gut an die Monster-Mähne meines Ponys erinnern, die immer eher an ein geplatztes Sofa-Kissen erinnerte. So eine Fülle an Mähne kann man ohne sie auszudünnen nicht einflechten oder sonst irgendwie hübsch frisieren. Zum Ausdünnen gibt es die sogenannten Verziehkämme. Die Anwendung ist zugegebenermaßen etwas ruppig und erfordert neben Kraft und Geschick auch ein gutmütiges Pferd. Man toupiert einzelne Strähnen vom unteren Ende auf und wickelt dann jeweils eine Strähne um den Kamm und reißt diese Strähne mit einem Ruck aus, sodass das Volumen der Mähne sich im Verlaufe des Ausdünnens verringert. Da der Mähnenkamm beim Pferd verhältnismäßig schmerzarm ist, lassen sich viele Pferde die Prozedur ohne besondere Regung gefallen. Es gibt aber auch einige Pferde, die deutlich empfindlicher sind und beim Verziehen der Mähne deutlichen Unwillen (Kopf schütteln, zur Seite ausweichen, rumhampeln, Ohren anlegen, in die Luft schnappen) zeigen. Hier sollte man dann Gnade walten lassen und zu anderen Methoden greifen!

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Neben dem Schneiden kann man die Mähne auch verziehen. Dafür gibt es Verziehmesser. Das Prinzip ist ähnlich dem Ausdünnen, allerdings muss man die Mähne nicht auftoupieren, sondern man legt die Mähne strähnchenweise in der gewünschten Länge um das Verziehmesser und zieht dieses mit etwas Druck nach unten. Das Verziehmesser sieht aus wie ein feiner Kamm, hat aber an der Innenseite des Kamms eine scharfe Schneide, ähnlich wie bei einem Messer. Hierdurch wird die Mähne an der gewünschten Länge abgeschnitten und nicht am Mähnenkamm aus der Wurzel gerissen. Auch diese Technik kann man nicht bei allen Pferden anwenden, da einige schon das „Rucken“ als sehr unangenehm empfinden.

Sowohl Ausdünnen mit dem Verziehkamm als auch Verziehen mit Verziehmesser sind relativ zeitaufwendig und erfordern auch eine gewisse Übung. Das Ergebnis ist dafür aber oft ansehnlicher, als mit der Schere, weil die Mähne nicht ganz so gradlinig abgeschnitten ist und bereits frisch gekürzt schön liegt, ohne nach Prinz-Eisenherz auszusehen. Bei beiden Techniken sollte man aber die Reaktion seines Pferdes gut im Auge behalten und sie nur anwenden, wenn das Pferd kein Unbehagen zeigt.

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Ein Kompromiss aller drei Techniken ist das Schneiden der Mähne mit einer Effilierschere. Diese spezielle Schere kann man sowohl zum Ausdünnen der Mähne als auch zum Kürzen benutzten. Die Schere verfügt nicht über eine durchgehende Schneidefläche, sondern hat kleine Zacken. Es schneidet dann nur jede zweite Zacke tatsächlich Mähnenhaar ab. Setzt man die Schere weit oben am Mähnenkamm an, wird die Mähne ausgedünnt, weil die Schere immer nur jedes zweite Strähnchen tatsächlich abschneidet. Kürzen kann man die Mähne, in dem man auf der gewünschten Länge auf einer Stelle immer wieder schneidet, bis alle Haare gekürzt sind. Dadurch, dass man dafür mehrere Ansätze benötigt und nicht immer haargenau die gleiche Höhe trifft, vermeidet man den Prinz Eisenherz-Look und bekommt ganz ohne Rupfen und Reißen ein natürlich wirkenderes Ergebnis. Mit der Effilierschere braucht man zwar etwas länger als mit der normalen Schere, weil man deutlich mehr Schnitte machen muss, dafür ist das Ergebnis aber schöner und man kann gleichzeitig einen ausdünnenden Effekt erzielen, ohne das Pferd an der Mähne zu ziepen.

Welche der Techniken wendet ihr zum Mähnekürzen an? Kennt ihr vielleicht noch eine weitere Technik?

Theresa hat euch ein Video gedreht, in dem ihr anhand Zausel und Sam die verschiedenen Arten des Mähne kürzen sehen könnt!

 

Horsemanship Lehrgang Teil 2

Wie im ersten Teil zu meinem Lehrgang bei Frank Mierwaldt versprochen (klick), möchte ich euch natürlich auch noch von dem zweiten Lehrgangstag berichten.

Am Abend vom ersten Tag, hatte ich ganz schön viel in meinem Kopf zu verarbeiten. Für viele mag ein bisschen Arbeit am Knotenhalfter vielleicht leichte Kost sein oder unsinnig sein, ich habe allerdings über die Wirkung vom Horsemanship nachgedacht und mich und auch meine Haltung zum Pferd sehr reflektiert. Nicht selten habe ich mich nun im Nachhinein dabei erwischt, wie ich vermutlich öfter als gedacht unfair reagiert habe. Wie ich zu viel auf einmal wollte. Ich ging also nach einer kurzen Nacht mit weiteren, vielen Gedanken im Kopf in den zweiten Tag und war sehr gespannt auf den Abschluss und wie es für mich und Jeany nun weiter gehen würde.

Wir begannen genau wie an Tag eins mit Freilauf in der Halle. Diesmal stand ich zunächst ganz alleine in der Mitte. Die Regel war klar, Jeany durfte laufen wie sie wollte, allerdings nur in die Richtung, welche ich ihr vorgab und stehen bleiben war verboten. Natürlich wäre es zu einfach gewesen, wenn das kleine Blondchen nach ein paar Runden eingesehen hätte, dass es bei mir doch viel gemütlicher ist. Also rannte sie wieder Runde um Runde umd Runde, bis Frank sich irgendwann zu mir in die Mitte gesellte und gemeinsam mit mir ein Pferd bildete. Ich spielte die Vorhand und Frank die Hinterhand. Was am Anfang vielleicht etwas skuril war, hat mir letztendlich sehr geholfen in den richtigen Momenten meine Körpersprache zu reduzieren. Man gestikuliert am Pferd häufig viel zu deutlich. Bei so einem sensiblen und schlauen Pferd wie Jeany, reicht wirklich ein kleiner Knicks, eine hängende Schulter oder leicht erhobene Hände um ganz klar und deutlich mit ihr kommunizieren zu können.

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Ich entschied mich ganz am Anfang dafür, sie erst auf der rechten Hand laufen zu lassen. (Ihre Lahmheit ist auf der linken Hand am Anfang immer deutlicher als rechts) Hinterher wusste ich allerdings, dass ihr die linke Hand sehr viel leichter gefallen wäre. Sie versuchte einige Male links in unsere Richtung abzudrehen, sodass ich die Aufgabe bekam künftig immer erst die linke Hand zu arbeiten. Es dauerte wirklich lang bis sie ihren Kopf senkte und sich zu uns traute. Allerdings war sie dann mit ihrem ganzen Herzen bei mir und ich konnte völlig frei, ohne Rope die Hinterhand weichen lassen, Richtungswechsel und Tempiunterschiede einbauen und sie folgte mir ohne mit der Wimper zu zucken. Wichtig hierbei war es, immer auf die eigene Körpersprache zu achten. Deutlich und klar, aber nicht zu aufdringlich und heftig. Ich muss wirklich sagen, dass es ein tolles Gefühl war den Erfolg zu spüren. Wenn es schon nicht mehr im Viereck zu Erfolgen kommen wird, dann eben auf „Zwischenpferdischer Ebene“ 🙂

Als Krönung kam dann zum Ende unserer Einheit noch die liebe Knappstrupper Stute der Organisatorin in die Halle. Die Stute ist im Horsemanship schon fortgeschritten ausgeblidet und wurde zum Teil frei gearbeitet. Jeany war zunächst verunsichert. Sie lief immernoch ohne Rope dicht bei mir und ließ sich trotz des anderen freien Pferdes in der Halle nicht ablenken. Sie ließ am Ende sogar soweit los, dass sie sich oben in der Ecke direkt neben mir genüsslich in den Sand fallen ließ und sich wälzte. Wow, was für ein Vertrauensbeweis. Für andere mag das nun vielleicht lächerlich sein, aber für all jene, die Jeany persönlich kennen war das ein ganz schönes Kompliment von meinem Pony an mich.

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Aufpassen! Die Aufmerksamkeit verschwindet.

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Wir verließen danach also die Halle und Jeany genoss erstmal eine ausgiebige Dusche um anschließend in ihrer Box mit ein bisschen Heu alles zu verdauen.

Die zweite Einheit fand diesmal im Roundpen statt. Es war inzwischen ziemlich heiß, sodass wir uns entschieden die Einheiten kurz und prägnant im Wechsel mit meiner Freundin zu gestalten. Es ging nur um ein effektives „follow“ nur zwischen Jeany und mir. Es klappte fast auf Anhieb, trotz täglicher Angst und Gespenster im Roundpen, folgte sie mir. Als wir eigentlich schon fertig waren, bat ich Frank noch sich Jeanys Problem mit den anderen Pferden genauer anzusehen. Wir gingen also ein Stück um den Hof und passenderweise wurden auch gerade zwei Pferde von der Weide geholt. Jeany stand zunächst entspannt neben Frank, allerdings spannte sich ihre Körperhaltung zusehends an, je dichter die Pferde kamen. Der Schweif fing an zu pinseln, die Ohren wackelten und es war ganz deutlich zu sehen, wie Jeany Frank aus den Augen verlor. Als die Pferde direkt neben ihr waren war sie kurz davor zur Seite auszukeilen. Frank erstickte diese Aktion mit einem kleinen Buffer an den Widerrist um ihre Aktion im Keim zu ersticken und niemanden zu gefährden. Jeany war so geschockt, dass sie fast augenblicklich alle 4 Hufe wieder auf dem Boden hatte und verständnisvoll kaute und leckte. Klare Ansage: So lang ich neben ihr stehe, hat sie die anderen Pferde zu dulden, die einzige die die Erlaubnis hat andere Pferde zu maßregeln bin ich. Dies mache ich ihr nun also im Normalfall durch deutliche Körpersprache klar. Noch bevor ihre Aufmerksamkeit auf die anderen Pferde übergeht, muss ich sie „abholen“. Das geht ganz einfach durch leichtes abwenden oder auch durch ein paar Schritte Rückwärts.
Anders hingegen ist die Situation zwischen den Weiden. Wenn Jeany dort angst bekommt, ist es meine Aufgabe die anderen Pferde von den Zäunen wegzutreiben. Das macht mich vor Jeany groß und stark, da sie die Bestätigung bekommt die sie braucht, sie darf sich hinter mir verstecken.

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„Ach ja, entspannen! Das kann ich!“ Jeany nach der Pferdebegegnung.

Ich bin ehrlich, seit diesem Wochenende hat es wirklich klick gemacht. Bei uns läuft es ausgesprochen gut. Ich kann Jeany besser verstehen, in entsprechenden Situationen angemessen reagieren und vor allem aber, mich und meine Handlungen am und mit dem Pferd viel gezielter reflektieren. Es macht wirklich spaß die Pferde zu „studieren“ und einige Verhaltensweisen zu erörtern. Meistens liegt der Ursprung beim Fehlverhalten eines Pferdes doch immer am Menschen selbst, nur sind die meisten Menschen nicht sensibel genug, um das auch zu erkennen oder erkennen zu wollen? Ich habe die Horsemanship bestandteile fest in meine Arbeit mit Jeany integriert und freue mich schon darauf, mich weiter mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Ich kann euch einen Horsemanshipkurs wirklich nur empfehlen. Es bringt einem doch eine andere Sichtweise, alles wird plötzlich so viel leichter wenn man erstmal verstanden hat, wie so ein Pferd tickt. Vielleicht mögt ihr ja mal von euren Erfahrungen berichten, würde mich wirklich sehr interessieren.

Mein Dank geht an Frank und auch an die tolle Organisation von einer lieben Stallkollegin für den tollen, aufschlussreichen Lehrgang und ich würde mich freuen, wenn wir das ganze mal wiederholen.

Sicher ist sicher – Der Zausel bekommt (mal wieder) Besuch vom Tierarzt.

Als ich noch Neu-Pferdebesitzer war, kam jedes Wehwehchen einer mittelschweren Katastrophe und vor allem einem großen Mysterium gleich. Ich musste nicht nur einen Tierarzt rufen, um ihn mal sicherheitshalber drauf schauen zu lassen, sondern vor allem, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, woher das Wehwehchen rührte oder was man dagegen tun könnte.

Das ist nun schon viele Jahre und vor allem einige Montagspferde her und mittlerweile bringen mich die diversen Wehwehchen, die sich ein Montagspferd alle Nas lang zuziehen kann, nicht mehr so sehr aus der Ruhe. Viel mehr befindet man sich als erfahrener Montagspferdebesitzer immer wieder in dem Dilemma, dass man eine recht konkrete Ahnung hat, was das Wehwehchen sein könnte und was man damit tun sollte, ist sich aber nicht sicher, ob man einen Tierarzt zur Bestätigung braucht oder nicht.

So auch bei der etwas ominösen Schwellung, die der Zausel seit zwei Wochen auf seinem linken Vorderbein zur Schau trägt. Zur Schau tragen deswegen, weil die Schwellung unter Belastung (also Bewegung schneller als Schritt) zu einem wirklich sehr prominenten Ei anschwillt, das einen gradezu anspringt. Es sitzt allerdings an einer Stelle, wo man sich außer einer Knochenhautentzündung/einem Überbein eigentlich nicht viel mehr zuziehen kann, ist weder schmerzempfindlich noch scheint es ihn beim Laufen zu stören. Es ist sehr hart und unmittelbar auf/am Knochen, nicht warm und nicht schwammig sondern sehr deutlich abgegrenzt. Aber offenbar wird es durch Bewegung so doll gereizt, dass es eben wirklich dick anschwillt, allerdings nach ein paar Stunden Ruhe auch wieder abschwillt. Eigentlich kann das wirklich nichts anderes als ein akutes Überbein sein.
Als erste Maßnahme habe ich das Bein daher mit Heparinsalbe eingeschmiert und dem Zausel Ruhe verordnet, was er auch dankend angenommen hat.
Da sich aber nach zwei Wochen immer noch keine wirkliche Besserung zeigte, habe ich dann doch etwas reumütig den Tierarzt gerufen. Nicht dass es doch viel schlimmer ist als vermutet und man viel eher hätte reagieren müssen!?

Der Tierarzt kam also, hat das Pferd sehr eingehend untersucht und folgendes festgestellt.

  1. Vor der Bewegung ist nur eine leichte Schwellung zu erkennen.
  2. Das Pferd ist nicht lahm. (Puh, kennt ihr diesen kurzen Angstmoment, wenn der TA fragt ob das Pferd lahmt und man überzeugt „Nein.“ antwortet und dann doch kurz denkt *Also ähm ich glaube nicht, zumindest habe ich es nicht erkennen können, aber vielleicht bin ich auch nur zu blöd, es zu erkennen*)
  3. Die Schwellung ist nicht druck- oder schmerzempfindlich.
  4. Auch bei der Beugeprobe ist das Pferd nicht lahm.
  5. An der Stelle kann es sich eigentlich um nichts anderes als einem Überbein handeln.
  6. Nach 5 min. Longe wird das Bein wirklich überraschend dick.
Vor dem Longieren

Vor dem Longieren

Nach 5 min. an der Longe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gut, soweit war ich auch schon, aber schön, dass es keine bösen Überraschungen gab. Der Tierarzt schlug dann vor, einige Röntgenbilder zu machen, nur um sicher zu gehen. Klar, wir wollen immer sicher gehen. Besser ist das, und sei es nur fürs Gewissen. Trotzdem habe ich noch mal nachgefragt, vor was genau wir sicher gehen wollen. So eine ganz eindeutige Antwort hatte der Herr Dr. nicht, schließlich fiel uns beiden außer einem Überbein eigentlich nichts ein, aber dennoch, ein Röntgenbild wäre schon gut, sicher ist sicher.

Also wurde das Zauselchen in die Stallgasse verfrachtet und das Röntgengerät aufgebaut. Auf die Frage des Tierarztes „Ist der brav?“ konnte ich nur müde lächeln. Der Zausel ist erfahrener Patient, Röntgen, Spritzen, Ultraschall, Bronchioskopien, you name it – er kennt es schon. Der zuckt nicht mal mit der Wimper.

Es gab also vier schicke neue Fotos für das FamilienRöntgenalbum und die Erkenntnis: Nichts zu sehen, alles hübsch bis auf dieses prominenten Ei kurz über dem Fesselgelenk eben. Noch nicht mal die Knochenhaut war so wirklich auffällig, man hätte das vielleicht noch mit einer anderen Software besser darstellen können, aber solange man da auf dem Bild noch so wenig erkennen kann, ists auch nichts dramatisches. Warscheinlich hat er sich irgendwie selbst angeschlagen und reagiert einfach sehr empfindlich. – Empfindlich also… Auch das ist nichts neues für den Zausel.

Und die Therapie? Schonen, mit Heparin einschmieren und Abwarten. In zwei Wochen noch mal gucken, obs dann immer noch dick wird, dann könnte man es vielleicht auch noch mal unterspritzen, aber eigentlich ist das keine so schöne Stelle so dicht am Gelenk, um daran herumzuspritzen, besser wäre es, es heilt von allein.

Ein paar 100 € ärmer und einen netten Plausch mit dem Tierarzt reicher weiß ich nun also: Weitermachen wie bisher. Aber das ist ja auch gut zu wissen.

Einen Tag später gabs neue Eisen, die waren nämlich überfällig. Und noch einen Tag später war das eine Eisen schon wieder runter und der Zausel lahm im Schritt. Natürlich auf dem Bein mit dem Ei. Wie sollte es auch anders sein. Zum Glück hat der Schmied das Eisen aber sofort wieder drauf gemacht und ich hoffe nun, dass er nur fühlig ohne Eisen lief (auch hier gilt: sehr empfindlich das Pferd) und mit Eisen nun wieder alles in Ordnung ist.

Sonst muss ich morgen wohl noch mal einen Tierarzt kommen lassen. Nur um sicher zu gehen.

Ein Danke

Letzte Woche haben wir hier unser kleines Jubiläum gefeiert und eine Trense unter unseren Lesern verlost. Um an dem Gewinnspiel teilnehmen zu können, musstet ihr einen Kommentar unter dem Beitrag lassen. 30 Leser haben an dem Gewinnspiel teilgenommen und ihr hättet einfach schreiben können, dass ihr die Trense gewinnen möchtet. Eigentlich hätte sogar auch ein einziges Wort oder sogar nur ein Buchstabe gereicht, um teilzunehmen, wenn man das mal ganz genau nimmt.
Ihr habt uns aber unheimlich tolle und liebe Kommentare geschrieben, über die wir uns wirklich sehr gefreut haben. Und grade weil das nicht selbstverständlich ist, weil wir es nicht etwa zur Bedingung gemacht haben, uns zu schreiben, warum ihr hier gern lest oder was euch an dem Blog gefällt, sondern weil es einfach von euch selbst heraus kam, hat uns das wirklich den Tag versüßt.

Es ist schön zu lesen, dass ihr den Blog schätzt, hier gern reinschaut, mit unseren Tagebuchpferden mitfiebert und vor allem, dass ihr genau die Dinge an unserem Blog schätzt, die uns selbst auch von Anfang an besonders wichtig waren.

Als Horsediaries entstanden ist, haben wir uns einige Dinge überlegt, die wir hier gern umsetzen wollen, haben uns überlegt, worauf wir hier Wert legen wollen und vor allem auch wie wir euch hier erreichen wollen. Es gibt viele Blogs, die sich ständig selbst erklären, die einem andauernd ihre subjektive Wichtigkeit unter die Nase reiben, in jedem dritten Artikel ihre absolute Authentizität beteuern und dann Werbung doch nicht kennzeichnen oder ständig ein neues Konzept groß ankündigen und es dann doch nicht durchhalten.
Eigentlich wollten auch wir uns hier immer mal ein bisschen mehr erklären, unser Konzept erläutern, weil wir nicht sicher waren, ob das eigentlich auch so bei unseren Lesern ankommt. Als wir eure Kommentare gelesen haben, haben wir aber gemerkt, dass das gar nicht nötig ist, denn ihr habt längst erkannt, worum es uns hier bei Horsediaries geht.
Wir schreiben hier, weil es uns Spaß macht, wir schreiben über Dinge, die uns jeden Tag mit unseren Pferden beschäftigen, wir bemühen uns immer, auch einen Mehrwert für unsere Leser zu schaffen und betreiben den Blog nicht nur der bloßen Selbstdarstellung wegen. Wir lieben gute Fotos und sie sind eines der Herzstücke dieses Blogs.

Aber wir haben auch gemerkt, dass man sich als Leser ein bisschen mit den Autoren eines Blogs identifizieren möchte. Irgendwie sind wir ja doch alle ein klein wenig voyeuristisch veranlagt und möchten auch wissen, mit wem wir es eigentlich zu tun haben. Darum haben wir unsere Teamseite eingerichtet, auf der ihr neben einem Foto auch ein paar persönliche Fakten über uns findet und die Klickzahlen verraten, dass ihr dort schon fleißig gelesen habt.
Wir freuen uns sehr, dass Horsediaries in den letzten beiden Jahren so viele Leser gewinnen konnte und ihr uns in dieser Zeit begleitet habt. Wir wollen Horsediaries in Zukunft immer noch ein kleines bisschen besser, interessanter und erfolgreicher machen und möchten in Zukunft auch ein bisschen mehr von uns selbst preisgeben.

Und nun habe ich es doch getan: Mal uns selbst erklärt, obwohl ihr schon lange verstanden habt, worum es hier geht und was euch erwartet. Und noch schlimmer: Nun habe ich auch noch eine Richtung angebeben, in die es in Zukunft gehen soll, obwohl man damit doch eigentlich nur Gefahr läuft, Versprechen nicht zu halten und Erwartungen nicht zu erfüllen.
Aber ich glaube, es gehört zumindest ein klein wenig dazu, wenn es hier etwas persönlicher werden soll, dass wir euch auch in unsere Pläne und Ideen einweihen und euch mitnehmen.

Wir freuen uns auf viele weitere Jahre hier mit euch als treue Leser und bedanken uns ganz herzlich für die Zeit, die ihr hier auf Horsediaries mit Lesen und Schmökern, Kommentieren und Teilen verbringt.

Um noch mal auf den eigentlichen Grund für diesen Post zurückzukommen: Das Gewinnspiel!
Unsere Glücksfee Sita hat den Gewinner unter allen Kommentaren gezogen:

Herzlichen Glückwunsch liebe Denise, wir hoffen, du hast mit der Trense viel Freude!

Püppis zweiter M Sieg!

Am letzten Wochenende stand nach zweimonatiger Pause wieder ein Turnier für Püppi und mich an. Dadurch, dass ich dieses Jahr beruflich als auch privat sehr viel anstehen habe, können wir diese Saison nur sehr wenig losfahren. Also habe ich versucht, einige wenige aber dafür schöne Turniere rauszusuchen. So auch dieses Wochenende, der Turnierplatz lag nur ca. 30 Minuten vom Stall entfernt, es ist eine sehr nette Anlage und es ist ein reines Dressurturnier mit gutem Boden und schöner, ruhiger Atmosphäre. Ich hatte eine M* auf Trense genannt (die M5 auf 60iger Viereck) und eine M** (M10). Beide Prüfungen waren für Sonntag angesetzt, allerdings traute ich meinen Augen kaum, als ich die Zeiteinteilung sah: Start der M* um 7.30 Uhr und Startbuchstabe N 🙁 und ich dachte, wenn man erstmal M reitet, dann muss man nicht mehr so früh los!

Also gut, es hilft ja nichts und ich wollte auf jeden Fall gern trotzdem reiten. Am Wochenende vorher hatte Püppi frei, weil ich unterwegs war. Ich habe dann am Dienstag das erste Mal wieder geritten, Püppis Motivation hielt sich in Grenzen, also haben wir erstmal nur Basisarbeit gemacht, an Durchlässigkeit gearbeitet und daran, dass sie gut am Bein zog und ich sie vor mich bekam. Am Mittwoch hatten wir Springen und haben das Springtraining auch auf unsere Dressurarbeit ausgerichtet (den Bericht mit Video findet ihr HIER.) An dem Tag lief Püppi schon wesentlich lockerer und motivierter. Am Donnerstag bin ich auf Trense wieder Dressur geritten, sie lief schön locker und gut, so dass ich schon mal Auszüge der beiden Aufgaben geritten bin. Freitag und Samstag hatte ich dann jeweils Dressurunterricht auf Kandare und wir haben an beiden Tagen ordentlich was getan, am Samstag bin ich beide Aufgaben nochmal durchgeritten. So haben wir quasi das Training jeden Tag etwas gesteigert, so dass ich am Samstag das Gefühl hatte, dass wir jetzt super vorbereitet sind.

Am Samstag habe ich sie dann nach dem Reiten gewaschen und eingeflochten, bevor es zur Entspannung noch auf die Weide ging. Am Sonntag morgen klingelte der Wecker dann um 4.45 Uhr, wie schön 🙂 Um halb 6 war ich am Stall, Püppi begrüßte mich fröhlich und freute sich sichtlich, dass ich da war. Fertig machen, verladen und die Fahrt liefen ganz entspannt ab und um kurz vor 7 waren wir am Turnierplatz.

Wir waren dritter Starter von 27 und haben direkt fertig gemacht. Ich konnte auf einem Außenplatz direkt neben dem Viereck abreiten, die Sonne schien und es waren wirklich gute Bedingungen. Und dann ging es auch schon los in die Prüfung. Ich ritt wie immer einmal rechte Hand und einmal linke Hand an den Richtern vorbei, Püppi schielte etwas zu den Richterhäuschen aber es war kein Problem, sie war motiviert und gehorsam. Und dann startete die Aufgabe. Ich hatte in der Prüfung ein richtig gutes Reitgefühl, die M5 hat etwas größere Linien die es einem schön ermöglichten, immer wieder die Hand etwas nach vorn zu geben und das Pferd wieder gut vor sich zu bekommen. Leider habe ich die Rechtstraversale total ungeschickt eingeleitet, und auch das Schulterherein auf der rechten Seite ist missglückt, es war dann sehr schwankend und ungleichmäßig. So etwas ärgert mich natürlich, vor allem weil gerade die Traversalen zu Hause immer super sind.. Aber naja. Ansonsten gab es keine groben Fehler, Püppi zog toll und ich kam richtig zum reiten. Die Verstärkungen und Wechsel waren super und auch die schwereren Linien und der Außengalopp, nicht gerade Püppis Stärke, klappten gut. Am Ende trabte ich auf die Richter zu, musste bei G direkt vor dem Richter bei C halten und grüßen, und hörte ihn sagen „8“. Ich war super happy, und ritt zufrieden aus der Prüfung. Es war vom Reitgefühl nach der M** im Mai die beste Prüfung dieses Jahr, und das nach 2 Monaten Pause.

Wir haben Püppi dann in Ruhe weggebracht und sind anschließend erst einmal frühstücken gegangen, dann sahen wir auch das Ergebnis: 66,818%!! Ich habe mich total gefreut, dass ist unser zweitbestes Ergebnis in einer M* mit getrenntem Richten gewesen. Damit lagen wir in Führung, die zweibeste Starterin lag bei 63%. Aber gut, es waren erst 5 Starter durch, und es sollten insgesamt 27 Starter reiten. Da kann also noch viel passieren..

Also hieß es warten. Und warten und warten! Zum Glück war das Wetter herrlich, das Pferd fraß entspannt sein Heu auf dem Anhänger und so ließ es sich aushalten! Auch war es ganz spannend, die Ritte der Konkurrenz zu beobachten und zu überlegen und diskutieren, wer besser sein könnte.. Bei einer Starterin war ich mir sicher, sie wird unser Ergebnis übertreffen, ein ganz tolles Pferd mit viel Ausdruck – aber dann sprang das Pferd im Außengalopp um. Am Ende lag sie ganz knapp einige Punkte hinter uns.. Als es noch etwa 3 Starter gab, haben wir Püppi dann schon mal fertig gemacht, platziert waren wir ja auf jeden Fall. Aber reicht es tatsächlich für den Sieg? Es kamen noch einige gute Paare zum Schluss, und die letzten Ritte konnte ich ja nicht mehr sehen. Aber als ich dann zum Viereck ritt, warteten doch zwei Helfer mit einer Siegerdecke und Schärpe – wir hatten tatsächlich gewonnen 🙂 🙂 🙂

Püppi und ich haben vor 2 Jahren ja schon einmal eine M* gewonnen – aber es war trotzdem wieder genau so ein einmalig schönes Gefühl und ich bin fast geplatzt vor Stolz auf dieses tolle Pferd! Sie ist nicht mit den besten Nerven gesegnet, aber trotz wenig Turnieren hat sie mittlerweile so ein Vertrauen gefasst und ist einfach auch erwachsen geworden, und gibt einem so ein tolles Reitgefühl in der Prüfung! Den ganzen Tag war sie gelassen und lief am langen Zügel über den Turnierplatz ohne sich auch nur einmal aufzuregen. Und als es drauf ankam, war sie da und rief die Leistung ab, die in ihr steckt.

Es gab bei dem Turnier tolle Preise – wir haben eine wunderschöne Abschwitzdecke von Equest gewonnen sowie eine Dose Myoplast (die ich auch direkt mal füttern werde, ich werde berichten, ob sie Wirkung zeigt), außerdem einen Gutschein für ein Mineralfutter von Salvana und ein Gutschein für ein Baustoffzentrum (den findet mein Mann wahrscheinlich toller als ich :-p ) Außerdem eine Stallplakette, die Schärpe und natürlich eine schöne goldene Schleife.

Wir hatten für nachmittags noch eine M** genannt, aber haben dann spontan entschieden, uns diese zu schenken. Wir waren schon sechs Stunden unterwegs und es war alles so perfekt gelaufen, also wollte ich Püppi belohnen und muss nicht um jeden Preis einer M** Platzierung hinterherjagen. Deshalb fuhren wir nach Hause und Püppi kam auf die Weide, wo ihre Freundin sie schon sehnsüchtig erwartete. Allem in allem war es der perfekte Sonntag und ich bin so glücklich! Der Sieg bestätigt die Arbeit mit Püppi und ich bin voller Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr auch in der Klasse S so angreifen können und dort auf Schleifenjagd gehen werden :-).

Tollerweise wurden wir auf dem Turnier gefilmt! Ich habe mir überlegt, das Video ein wenig zu bearbeiten und euch u.a. die jeweiligen Einzelnoten der drei Richter einzubauen. Das Video werde ich in den nächsten Tagen online stellen.

Sommerferien für den Zausel

Seit dem Wochenende sind der Zausel und Sam aus ihren Sommerferien zurück in Hamburg. Fast 5 Wochen war er nun dort und hat sich glaube ich auch ein bisschen erholen können. Ich glaube, es waren Ferien ganz nach seinem Geschmack. Er hatte viel frei, stand in bester Gesellschaft auf der Weide und konnte ein wenig die Seele baumeln lassen. Und so soll das ja auch sein, in den Sommerferien.

Weil wir weder eine Halle noch einen Platz hatten, sind wir ausschließlich ins Gelände geritten. Wir haben da auch zwei nette Runden, die man wirklich schön reiten kann. Dennoch merkte ich mit zunehmender Länge der Sommerferien, dass dem Zausel die fehlende Arbeit auf dem Platz leider nicht so gut bekommt.

Im Gelände ist er trotz mittlerweile bekannter Runden doch immer angespannt, wird dann an vielen Stellen spannig, weil ihn dieses oder jenes beunruhigt, versucht mit hohem Hals über Wälle zu schielen, tut sich mit der ein oder anderen Bodenunebenheit doch erheblich schwerer als Sam, so ganz locker und geschmeidig läuft er dann leider doch nicht.

Hinzu kommt, dass er der Bravere der beiden ist und darum Freunde und Familie, die gerne auch mal einen Ausritt machen wollten, in den Reitgenuss des Zausels kamen. Dabei handelt es sich natürlich immer um Reiter, aber auf einem fremden Pferd in fremden Gelände ist das mit dem Locker-Reiten natürlich eine noch größere Herausforderung.

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Der Zausel tut sich grundsätzlich muskulär immer ein bisschen schwer, baut sehr schnell an der Oberlinie, vor allem im Rücken, ab, neigt dann zu Verspannungen und braucht einfach sehr konstantes Training, um locker zu bleiben. Das war nun in den letzten Wochen nicht so möglich wie Zuhause und entsprechend empfindlich reagiert er darauf. Man sieht ihm die Trainingspause schon wieder sehr doll an und obwohl er ja nicht untätig nur herum stand und ich mich wirklich bemüht habe, ihn auch draußen entsprechend zu arbeiten, sieht sein Rücken zur Zeit wieder echt schlimm aus. Während Sam sich muskulär kaum verändert hat, sieht der Zausel schon wieder aus als hätte er mindestens ein Jahr nur rumgestanden.

Er ist auch insgesamt einfach weniger geworden, trotz 24/7 Weide, einem großen Heuballen zur freien Verfügung und einer extra Portion Kraftfutter jeden Tag. Ich nehme an, dass die Weiden dort oben einfach deutlich magerer sind als zuhause und er als schlechter Futterverwerter da einfach nicht so viel Energie aufnehmen kann wie zum Beispiel Sam. Zwischenzeitlich kam er mir sogar richtig mager vor, aber als wir zum Poloturnier zuschauen waren, hat sich mein Weltbild wieder ein bisschen grade gerückt. Eigentlich ist aus dem dicken Dressurpferd lediglich ein etwas schlankeres Modell geworden, von zu dünn ist er wirklich so weit entfernt wie ein Polopony vom dick sein 😉

Ein bisschen frustrierend ist das aber schon, da will man ihm eigentlich etwas Gutes tun und ihm ein bisschen Pause gönnen und schon baut er gleich so doll ab, dass man es sofort sieht. Für seine Lunge ist die Sommerfrische an der Nordsee aber trotzdem gut und wichtig und wie so oft fällt es mir nicht leicht hier das kleinere Übel abzuwägen.

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Als wäre das nicht schon Baustelle genug, zeigte leider das Bein, das er sich letzten Sommer verletzt hatte, wieder eine deutliche Reaktion. Er hatte den letzten Sommer einige Wochen pausieren müssen, weil er vermutlich einen Schlag auf den Fesselkopf abbekommen hatte und davon auch die dort verlaufenden Bänder etwas in Mitleidenschaft gezogen waren. Er war zwar nicht lahm, hatte aber eine deutliche Schwellung, die uns eine ganze Weile begleitete.
Zum Winter hin war er aber wieder fit und das Bein hatte bislang keine Probleme mehr bereitet, auch bei voller Belastung nicht. Nach einer ganze Reihe von Strandritten war die Schwellung dann plötzlich von einem Tag auf den anderen wieder da. Das war so nach ca. 3 Wochen. Ich nehme an durch den tiefen Boden am Strand hat hier wieder eine Überreizung stattgefunden. Vor dem Ausritt war mir nichts aufgefallen, nach dem Ritt war dann leider das Bein rund um den Fesselkopf angelaufen. Ein ziemlich deutliches Anzeichen für eine Überlastung. Das bestätigte mir dann auch meine Tierärztin, die ich dazu telefonisch konsultiert hatte. Zum Glück zeigte er aber keine Lahmheit und am nächsten Tag war das Bein wieder deutlich dünner, wenn gleich es ein klein wenig mehr Umfang hatte als das andere.

Damit aus der Überreizung aber keine handfeste Lahmheit wird, verordnete die Tierärztin Schonung. Eine Woche am besten nur Schritt, und danach mal schauen ob das Bein dünn bleibt, wenn wir den Strandabschnitt umgehen.
Die Pause habe ich genutzt um nach Hamburg zu fahren und zu arbeiten und der Zausel konnte die Sommerferien auf der Weide so richtig auskosten, endlich ganz frei.

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Weil sich das Wetter merklich abgekühlt hatte, wurden die Pferde bei Regen und nachts eingedeckt. Irgendwie pflegen sie ein äußerst ambivalentes Verhältnis zur Decke. Man sieht ihnen deutlich an, dass sie das Wetter echt ungemütlich finden, das Fell ist aufgestellt, der Hintern in den Wind gedreht, das Gesicht missmutig verzogen – ich würde behaupten, ihnen ist echt kalt. Kaum betritt man aber mit Decke die Weide, suchen sie das Weite und lassen sich nur mit üppiger Bestechung überhaupt aufhalftern, damit man sie zum Eindecken festhalten kann. Frei auf der Weide lassen sie sich auf keinen Fall das lästige Teil anziehen und kaum befreit man sie aus den Decken, muss sich erstmal ausgiebig gewälzt und der Pelz gescheuert werden.

Als Besitzer ist man ja stets bemüht, es den lieben Vierbeinern so angenehm wie möglich zu machen, man achtet auf die feinen Signale, die sie senden und versucht zu ergründen, was sie uns mitteilen möchten. Und ich kann euch sagen, wir sind wirklich bemüht! Aber ehrlicherweise werde ich aus ihren Mitteilungen nicht so recht schlau und bilde mir mitunter eine kindliche Trotzigkeit ein. Was soll man auch schon aus „Mir ist kalt und es ist nass, ich trage aber auf keinen Fall meine Decke!“ machen? Schöneres Wetter kann ich Ihnen auch nicht zaubern, das hätte ich ja selbst lieber als diesen verfrühten Herbsteinbruch.
Weil ich mir einbilde, dass es dennoch geringere Übel ist, sie gegen ihren ausdrücklichen Wunsch einzudecken, anstatt den Zausel mit seinem empfindlichen Rücken frieren zu lassen, mussten sie da für die eine Woche schlechten Wetters eben durch. Außerdem muss ich mir dann nicht diese missmutigen, langen Gesichter mit vorwurfsvoller Note ansehen, wenn sie im waagerechten Regen stehen und frieren.

Zum Glück stattete der Herbst der Insel nur einen kurzen Besuch ab und die letzte Woche war noch mal richtig schön mit viel Sonne und sehr angenehmen Temperaturen. Nach dem der Zausel eine Woche gar nicht weiter bewegt wurde hatte ich einen kurzen Versuch unternommen, ob das Bein vielleicht ohne tiefen Sand dünn bleiben würde, leider zeigte sich aber schon nach einem kurzen Ausritt wieder eine deutliche Schwellung auf dem Bein. Die war nun allerdings nicht mehr irgendwie insgesamt schwammig sondern zeichnete sich als hartes, dickes Ei auf dem Fesselkopf ab. Sah eigentlich aus wie ein Überbein und fühlte sich auch so hart an, allerdings wunderte mich, dass es immer so akut auftrat und dann über nacht wieder deutlich zurück ging.

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Weil wir ohne hin nur noch eine Woche vor Ort hatten, entschied ich mich bis dahin auf den TA warten zu können und schmierte das Bein drei mal täglich mit Heparinsalbe gegen die Schwellung ein. Beide Pferde hatten dann auch noch die letzte Woche pause und haben so ihre Ferien noch mal so richtig genießen können.
Die Heimreise haben sie dann auch ganz hervorragend gemeistert und sind wohlbehalten wieder in Hamburg angekommen. Beim ersten kleinen Schauer wurde dann auch mit Begeisterung der Unterstand aufgesucht, den haben sie dort oben glaube ich wirklich vermisst.
Leider ist Zausels Bein immer noch nicht wieder in Ordnung, ich hatte ihn am Sonntag kurz an der Longe und sofort zeichnete sich wieder ein dickes Ei auf dem Fesselkopf ab. Heute nachmittag kommt nun der TA und schaut sich das mal an, die Stelle ist für eine Überlastung der Bänder wegen tieferen Bodens eigentlich total untypisch, vielleicht hat er sich selbst angeschlagen oder er hat doch einen Tritt abbekommen. Drückt uns mal die Daumen dass er bald wieder fit ist und sich nicht wiedermal eine lange Pause gönnt, eigentlich hatte ich ihn grade so gut in Form…