Neueste Artikel

Springgymnastik mit Püppi

Lange haben wir nichts mehr von uns hören lassen, was daran liegt, dass privat und auch beruflich einiges anstand und ich nicht so häufig in den Stall konnte. Püppi geht es aber prima, sie läuft gut und demnächst stehen auch noch einige Turniere für uns an. Heute möchte ich euch aber nicht über unsere Dressurarbeit berichten, sondern über unser Springtraining!

Püppi ist zwar Dressurpferd, aber jeden Mittwoch Abend geht es für uns beide auf den Springplatz. Ich freue mich immer schon auf unser Springtraining, ist es doch eine schöne Abwechslung und macht mir super viel Spaß. Wir springen keine hohen Sprünge und schwere Parcours, sondern richten das Training auf unsere Dressurarbeit aus – sprich wir üben an der Kraft in der Hinterhand, dem aktiven Unterspringen, der Balance, der leichten Anlehnung, der Gleichmäßigkeit im Rhythmus, also allen Themen, die uns auch im Dressurtraining begleiten. Und genau die Dinge, die Püppi in der Dressurarbeit schwer fallen, sind auch beim Springen die Knackpunkte. So können wir an unseren Baustellen feilen, ohne Dressur zu reiten, das finde ich total praktisch.

Püppi ist immer hochmotiviert, sobald wir auf dem Springplatz sind, man merkt richtig, wie gern sie springt. Ich muss sie eher bremsen und darauf achten, dass sie halbe Paraden vor dem Sprung annimmt und auf mich wartet um auch mal „dicht“ zu kommen ohne hektisch zu werden. Sie möchte nichts falsch machen und ist ehrgeizig, also wirklich ein tolles Pferd beim Springen. Ansonsten würde ich das Springen wohl auch sein lassen, denn ich muss ganz ehrlich zugeben, dass mir Springen nur Spaß macht, wenn ich ein Pferd habe, was gerne springt, keine plötzlichen Vollbremsungen einlegt oder seine Beine überhaupt nicht koordinieren kann. Aber die meisten Pferde springen zumindest kleine Sprünge durchaus gern und stellen sich auch gut dabei an. Und der tolle Nebeneffekt: am Folgetag ist Püppi immer super locker und toll in der Dressurarbeit.

Nachdem ich mir vor drei Jahren das Schlüsselbein gebrochen habe, trage ich beim Springen und im Gelände eine Sicherheitsweste. Ich musste mich ersteinmal an das Gefühl gewöhnen, so eine Weste schränkt die Bewegung auf dem Pferd doch etwas ein. Aber ich fühle mich so einfach sicherer, und mittlerweile gehört die Weste für mich einfach zum Springen dazu. Ich habe dazu eine Weste gewählt, die durch die Körperwärme beweglicher wird, und speziell für Frauen entwickelt wurde.

Ich finde es für Dressurpferde unheimlich wichtig, regelmässig zu springen oder zumindest Stangentraining zu machen, es ist eine schöne Abwechslung, schult die Balance und das Körpergefühl des Pferdes und es macht Spaß 🙂

Als kleinen Einblick in unsere Springstunden habe ich ein kurzes Video zusammengeschnitten aus dieser Woche. Gestartet waren wir mit Trabstangen, die leider nicht auf dem Video drauf sind, dann geht es weiter mit Cavalettiarbeit und anschließend einigen Reihen.

Springt ihr auch mit euren Dressurpferden und welche Erfahrungen habt ihr gemacht?!

Happy Birthday Horsediaries

Heute, am 14.08.2016, wird Horsediaries zwei Jahre alt!

Wir freuen uns unheimlich, mit euch diesen Meilenstein zu feiern und haben uns zu einem kleinen Fotoshooting anlässlich des zweiten Geburtstages getroffen.  Das zweijährige Jubiläum möchten wir auch nutzen, um euch einen etwas besseren Einblick hinter die Kulissen von Horsediaries zu geben.

Angefangen hat das hier alles aus einer Schnapsidee heraus im Sommer vor zwei Jahren. In einer Whats App Gruppe kam die Idee auf, einen Reitsportblog zu erstellen und mit verschiedenen Autoren, Themen rund um den Reitsport zu behandeln. Etwas hat es gedauert, bis wir so ganz genau heraus gefunden haben, zu welchen Themen wir hier eigentlich schreiben möchten, was euch interessiert und wo unsere Stärken liegen. Heute, nach zwei Jahren bloggen, haben wir uns ganz gut eingegrooved, haben uns ein wenig verkleinert was das Team betrifft, einige Themengebiete gestrichen und konzentrieren uns auf persönliche Erfahrungsberichte und Geschichten und Anekdoten aus unserem Reiterleben.

unbenannt-328

Wir, das hat sich in den letzten Wochen auch noch mal etwas geändert, haben uns ein wenig aufgeteilt in dasOrganisationsteam einerseits und die Mädels, die „nur“ als Autoren bei uns mitmachen. Das Organisationsteam besteht jetzt aus uns 4 Mädels aus Hamburg, die sich um den Redaktionsplan und alles Strategische rund um Horsediaries kümmern und natürlich auch Artikel schreiben und bearbeiten. Daneben gibt es unsere Autoren, die nicht aus Hamburg kommen und daher rein aus praktischen Gründen bei persönlichen Treffen leider nicht dabei sein können und auch nicht immer so gern persönlich auf dem Blog in Erscheinung treten möchten. Trotzdem leisten sie für unseren Blog wertvolle und tolle Arbeit, und wir sind sehr froh, dass wir seit zwei Jahren gemeinsam diesen Blog mit Leben füllen.

Letzte Woche haben wir uns dann mit dem Organisationsteam das erste Mal tatsächlich nur für Horsediaries getroffen. Wir kennen uns alle persönlich, haben es aber bisher nicht geschafft, ein reines Blogtreffen umzusetzen. Vor allem, weil wir uns wenn gern mit allen (also auch den Autoren) treffen wollten, die Entfernungen dafür aber einfach zu groß waren. Daher haben wir  Das Kernteam nun so verkleinert, dass wir alle in der gleichen Stadt leben, um leichter Entscheidungen treffen zu können und persönliche Treffen leichter umsetzen zu können.

unbenannt-223

Für euch ändert sich hier gar nichts, außer dass wir versuchen werden, ein bisschen persönlicher zu werden und euch ein bisschen näher zu kommen. Um die guten Vorsätze gleich in die Tat umzusetzen, haben wir eine Team-Seite eingerichtet, auf der ihr mit einem Klick sehen könnt, mit wem ihr es hier eigentlich zu tun habt. (Schaut doch mal vorbei: Team) Wir möchten uns häufiger treffen, Projekte umsetzten, die für euch Interessant sind und würden uns sehr freuen, wenn ihr uns weiterhin so treu begleitet wie die letzten zwei Jahre.
Eine riesige Freude würdet ihr uns machen, wenn ihr nicht nur wie bisher aufmerksam unsere Artikel lest und in überwältigender Anzahl hier auf dem Blog vorbei schaut (ihr erinnert euch vielleicht, dass wir vor kurzem 1 Million Leser hier auf dem Blog gefeiert haben) sondern uns vielleicht auch immer mal einen kleinen Kommentar hinterlasst, wenn ihr einen Artikel interessant fandet oder aber mal ganz anderer Meinung seid. Oder einfach nur, dass ihr da seid, und gerne lest, auch das freut uns als Blogger wirklich ungemein. Vielleicht können wir hier so ein bisschen persönlicher werden, uns noch ein bisschen mehr austauschen und zu etwas noch Größerem wachsen.

unbenannt-231

Weil wir euch wirklich dankbar sind, für das was ohne euch hier in den letzten zwei Jahren nicht hätte entstehen können, möchten wir euch zum Geburtstag von Horsediaries ein kleines Geschenk machen.
Wir verlosen, wie schon angekündigt, eine Trense inkl. Zügeln von Hillbury in der Farbe braun, Größe Warmblut. Um die Trense gewinnen zu können müsst ihr uns hier auf dem Blog einen Kommentar hinterlassen (vergesst nicht eure korrekte Email-Adresse und euren Namen anzugeben!). Unter allen Kommentaren werden wir am Sonntag den 21.08.2016 den Gewinner ziehen.

*Der Rechtsweg für dieses Gewinnspiel ist ausgeschlossen.

BH8A5783

 

 

Mein mutiger Zausel

Mein liebes Zauselchen und ich kennen uns schon eine ganze Weile. Genau genommen sind es nun schon 8 Jahre, seit ich ihn als junges Pferd, damals grade noch 5 jährig, bekommen habe. Das Zauselchen hat neben seinem meist verwendeten Spitznamen – eben Zausel – noch eine ganze Reihe anderer Spitznamen, die sich auf Grund seines Charakters, seiner Stärken und Schwächen, so ergeben und etabliert haben. Zum Beispiel Schlaufuchs, eine Anspielung auf seine Fellfarbe und seine erstaunlich schnelle Auffassungsgabe. Neue Dinge lernte er als junges Pferd mit Begeisterung und beeindruckend schnell. Oder auch Hektor, weil er gerne mal von einer gewissen inneren Unruhe geplagt wird, die ihn immer etwas hektisch und impulsiv handeln lassen. Und dann wären da noch Angsthase, Schissbüx und Hasenherz. Schon immer war er eher ängstlich, immer in Hab-Acht-Stellung, schnell auf der Flucht und im Gelände oft sehr gestresst vor lauter Eindrücken und Gefahrenpotential. Nicht selten kamen wir nicht an Steinen, Mülleimern und Baumstümpfen vorbei, weil er sich einfach nicht traute, an ihnen vorüber zu gehen. Zu groß die Angst, sie könnten ihn anfallen und auffressen. Oder die vielen Strecken, die wir stockend und in Schlangenlininen zurückgelegt haben, weil er alle paar Meter rechts und links des Weges Gespenster sah. Viele Jahre haben wir damit verbracht, das Ausreiten zu üben, Gelassenheit zu entwicklen, ihm zu zeigen, dass die Welt außerhalb der Reithalle gar nicht so beängstigend ist, wie er es empfand. Und obwohl wir wirklich sehr, sehr viel geübt haben – die Angst hat dann doch häufig gesiegt und er hat sich vielen Situationen, in denen er sich unsicher fühlte, mit überstürzter Flucht entzogen.
Für ein Pferd als Fluchttier ist das auch eine überlebensnotwendige Strategie und hat Jahrhunderte lang das Überleben der Spezies gesichert. Wie soll man nun also einem Pferd erklären, dass der Reiter an ihm durchaus Tugenden wie Mut und Besonnenheit schätzen würde? Und sind das überhaupt Eigenschaften, die sich im Wesen des Pferd wiederfinden lassen? Ist ein mutiges Pferd nicht eigentlich zum Scheitern verurteilt?

Slider-1319

Mut und Angst werden häufig als Gegensätze empfunden, der Mutige kennt keine Angst und der Ängstliche findet keinen Mut, Dinge zu wagen. Das ist aber eigentlich falsch, Mut und Angst schließen sich keinesfalls aus. Der Mutige hat oft genau so viel Angst, wie der Ängstliche, er hat aber auch die Zuversicht in seine eigenen Fähigkeiten und in sein Umfeld, dass er die ängstigende Situation dennoch bewältigen kann.

Der Zausel ist in den letzten Jahren also keineswegs weniger ängstlich geworden. Er sieht und hört immer noch mehr als viele andere Pferde. Oft rutscht ihm sein Herz in die Beine und er zuckt bei Geräuschen und plötzlichen Bewegungen zusammen. Er geht stets mit einem „Huch“ und „Oh Schreck“ in den Gedanken durchs Leben.

Slider-1325 Slider-1349

Aber er hat gelernt, dass er nicht sofort Reißaus nehmen muss. Er hat gelernt, dass er Situationen zunächst betrachten und abwägen kann, ob eine Flucht tatsächlich notwendig ist, oder ob man sich vielleicht doch vorbei trauen kann.

Wie er das gelernt hat? Nun, das ist eine gute Frage, die ich selbst nicht so genau beantworten kann. Ich denke, es ist eine Mischung aus vielen Faktoren. Er ist älter geworden, hat Erfahrungen gesammelt, viele unterschiedliche Situationen kennengelernt und ist niemals tatsächlich von einem Stein angefallen worden. Sein Erfahrungsschatz hat ihm ein Vertrauen darin gegeben, dass nichts so schlimm ist, wie es zunächst aussieht. Auch hat er gelernt, dass er seinem Reiter vertrauen kann, wenn der ihn ermutigt, weiter zu gehen. Vor allem aber hat ihm eine konstante Herde Sicherheit gegeben. Er hat in vielen Jahren als ranghöchstes Herrenmitglied gelernt, besser einzuschätzen, dass oftmals keine echte Gefahr droht. Seine treue Begleiterin Sam – die wenig Angst kennt und fast immer zuversichtlich voran geht – hat ihn in den letzten Jahren unheimlich wachsen lassen. Was für uns früher wirklich undenkbar war, ist heute fast selbstverständlich geworden: Er trabt und galoppiert zügig voran, sogar in unbekanntem Gelände.

Und dann sind da jetzt manchmal die Situationen, die mich wirklich baff machen. Es gibt so Tage, da ist irgendwie alles ein bisschen anders und auch Strecken, die wir schon mal geritten sind, stecken plötzlich voller ungeahnter Gefahren. Ich spüre seine Angst, weil sich das ganze Pferd unter mir spannt wie ein Flitzebogen. Den Kopf trägt er so hoch, dass ich das Gefühl habe er wäre 10 cm gewachsen, die Augen weit aufgerissen, aus den feuerroten Nüstern prustet er die Luft heraus wie ein zorniger Drache. Das ganze Pferd zittert und bebt vor Spannung und jeder Muskel ist bereit zur sofortigen Flucht. Ich muss jetzt auf alles gefasst sein, bleibe aber passiv sitzen und warte ab, welche Entscheidung er treffen wird. Und anstatt in alte Muster zu verfallen, panisch auf dem Absatz kehrt zu machen und in entgegengesetzter Richtung davon zu stürmen, geht er etwas zögerlich, aber entschlossen weiter, überwindet seine Angst und beweist mir: echten Mut.

Slider-1354 Slider-1349

Dann bin ich so unglaublich stolz auf mein Zauselchen, dass ich das dicke Grinsen den ganzen Ausritt über nicht aus dem Gesicht bekomme.

Pferde können also doch mutig sein und Mut sogar erlernen. Wenn man ihnen Zeit gibt, viele Erfahrungen zu sammeln, ihnen ihre Angst zugesteht, ohne dann noch mehr Druck und Strafe aufzubauen, ihnen ein Umfeld bietet, in dem sie Sicherheit und Zuversicht empfinden können, dann können aus Hasenherzen richtige Löwenherzen werden.

Wir haben Grund zum Feiern

Nächste Woche haben wir hier auf Horsediaries allen Grund für eine kleine Sause! Was genau wir feiern, verraten wir noch nicht, aber ihr könnt etwas gewinnen, und was das ist, das verraten wir euch heute schon mal:

Slider-0018Slider-0027 Slider-0018 Slider-0042 Slider-0043

Die Firma Hillbury hat uns diese tolle Trense zur Verfügung gestellt und wir möchten sie gern unter unseren Lesern verlosen. Es handelt sich um die Trense Pandora mit Zügeln aus Elchsleder in der Größe Warmblut und der Farbe Havanna.

Die Trense ist aus super weichem, skandinavischen Leder gefertigt, welches ausschließlich mit pflanzlichen Mitteln gegerbt wurde. Nasenriemen und Genickstück sind mit Elchsleder gepolstert und sorgen so für besonderen Tragekomfort beim Pferd. Das Genickstück ist außerdem an den Ohren zurückgeschnitten, um die empfindlichen Stellen im Genick zu schonen.

Der Zausel hat die Trense für euch schon mal Probe getragen und für gut befunden: Sitzt 1a und ist wirklich sehr weich und passt sich jedem Kopf an. Mir haben ganz besonders die Volllederzügel aus Elchsleder gefallen, perfekter Halt, liegen super in der Hand und fassen sich butterweich an.

Slider-9952 Slider-9909 Slider-9962 Slider-9976 Slider-9985 Slider-9939

Ihr habt kommende Woche die Chance, diese tolle Trense zu gewinnen. Was ihr dafür tun müsst? Auf jeden Fall am 14.08.16 hier auf dem Blog vorbei schauen und mehr erfahren.

Wir hoffen, ihr freut euch und wir lesen uns hier am 14. August wieder!

Slider-0059 Slider-0061 Slider-0066 Slider-0069

Studentenreiter – jetzt wird erstmal geritten

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran, dass Pepper bei den letzten Deutschen Hochschulmeisterschaften im Reiten an den Start gegangen ist. Sie war dort das Finalpferd im Springen und hat eine tolle Leistung gezeigt – aber nicht mit ihrer Besitzerin Vanny, sondern mit zwei fremden Reitern (den Beitrag zur DHM könnt ihr hier nochmal nachlesen). Dass man auf Studentenreitturnieren also nicht auf seinem eigenen Pferd unterwegs ist, ist an dieser Stelle schon einmal klar gestellt. Was sich sonst noch alles hinter den Studentenreitern verbirgt, könnt ihr in diesem Beitrag lesen.

Studentenreitgruppen gibt es an vielen Universitäten und Fachhochschulen. Hier treffen sich reitbegeisterte Studenten, die auch während des Studiums ihrem Sport treu bleiben möchten. Alle Studentenreitgruppen sind beim DAR (Deutscher Akademischer Reiterverband, Website DAR) registriert. Meistens findet ca. einmmal wöchentlich ein Treffen bzw. ein Stammtisch statt, an dem man gemeinsam zusammen sitzt und sich unterhält – z.B. über das nächste CHU.

CHU – Concours Hippique Universitaire – so heißen die nationalen Vergleichsturniere der Studentenreiter. Neben den sportlichen Leistungen steht hier auch viel Spaß und die Party auf der Tagesordnung. So beginnt ein CHU am Freitag Abend z.B. mit einer Mottoparty. Die CHU’s gehen immer von Freitag Abend bis Sonntag Abend. Übernachtet wird während dieser Zeit für gewöhnlich in Turnhallen auf sogenannten Lumas (=Luftmatratzen), auf denen man zuweilen auch nicht alleine nächtigt.

Für die veranstaltende Reitgruppe bedeutet ein CHU immer einen recht großen Organisationsaufwand – Sponsoren suchen, Unterkunft finden, genügend Pferde zur Verfügung haben, Essen organisieren, Party-Location und DJ… .

Die teilnehmenden Reitgruppen stellen je eine Mannschaft mit 3 Startern. Meistens reisen noch einige sogenannte Schlabus (Schlachtenbummler) mit an, die die berühmten Partys miterleben und sich den ein oder anderen FaKo (Fanta-Korn) genehmigen möchten und die Reiter von der Bande aus lautstark mit Sprechchören und Schlachtrufen unterstützen und so für die einzigartige Atmosphäre mit viel Teamgeist auf einem CHU sorgen.

Voraussetzung, um als Reiter an einem CHU teilnehmen zu können, ist das Reitabzeichen 4 (ehemals Klasse III). Außerdem sollte man als Reiter vielseitig sein, denn man muss in jedem Fall Dressur und Springen reiten! Die Entscheidungen auf Studentenreitturnieren werden im KO-System gefällt. Begonnen wird mit einer Mannschafts-A-Dressur. Hierbei reiten je 3 Mannschaften auf den gleichen, vorher ausgelosten Pferden, d.h. jedes Pferd geht 3mal mit unterschiedlichen Reitern, von denen derjenige mit der besten Wertnote „eine Runde weiter kommt“. Die nächsthöhere Prüfung ist dann eine L-Dressur auf Trense, als Halbfinale wird eine L-Kandare geritten und das Finale auf den normalen CHU’s ist eine M*-Dressur. Im Finale treten dann nur noch 2 Reiter gegeneinander an. Analog verhält es sich auch beim Springen. Es ist dabei auch völlig irrelevant, ob man in seinem Leben jemals zuvor schon ein L-Springen oder gar eine Kandaren-L geritten ist. So bin ich z.B. mein erstes L-Springen auf einem fremden Pferd geritten, ohne jemals zuvor überhaupt daran gedacht zu haben, über einen L-Sprung zu reiten!

Fremdes Pferd – auf den Studentenreitturnieren werden die Pferde von Reitgruppenmitgliedern und anderen vertrauensvollen Pferdebesitzern zur Verfügung gestellt, um diesen Sport überhaupt zu ermöglichen.

Neben den Einzelwertungen Dressur und Springen wird am Ende des Wochenendes auch noch eine kombinierte Einzelwertung platziert, außerdem die Mannschaftswertung. Für die jeweils Wertnotenhöchsten in den A-Runden Dressur und Springen wird der sogenannte Stilpreis vergeben, eine Auszeichnung des DAR. Neben diesen Preisen wird oft auch noch ein Horsemanship-Preis vergeben für Reiter, die besonders respektvoll und pferdeschonend mit den vierbeinigen Partnern umgegangen sind.

Um auch die feierwütigen Mitgereisten der einzelnen Reitgruppen zu belohnen, wird der Survivalcup vergeben – an die Reitgruppe, die am längsten und ausgiebigsten gefeiert hat. Mit dem Baggerpreis werden diejenigen geehrt, die sich besonders stark um das jeweils andere Geschlecht bemüht haben – egal ob mit Erfolg gekrönt oder nicht.

Die Saison der Studentenreitturniere beginnt etwa im September/Oktober und endet meistens Ende April. So kollidieren die wenigsten CHU’s mit den regulären Turnieren und es sind auch weniger potenzielle CHU-Pferde auf anderen Veranstaltungen unterwegs. Nachteil dabei ist allerdings, dass man unter Umständen schonmal beinahe einen Erfrierungstod erleidet, wenn man sich den ganzen Tag auf irgendeiner Reitanlage herumschlägt, während es gefühlt -25 Grad sind. Aber es gibt ja schließlich heiße Duschen in den Turnhallen. Naja, zumindest meistens.

Für Interessierte gibt es auf der Webseite des DAR das Kleine Lexikon der Studentenreiter.

 

 

Horsemanship Lehrgang Teil 1

Wie in meinem letzten Artikel angekündigt, hatte ich für Jeany und mich einen Lehrgang im Horsemanship geplant. Ich habe wirklich lange darauf hingefiebert und mir eine Menge davon erhofft. Wie der Lehrgang nun genau war, berichte ich euch in meinem heutigen Artikel.

Dass Jeany etwas besonderes ist, wusste ich schon immer. Vermutlich denkt das jeder über sein eigenes Pferd. Aber nach diesem Wochenende habe ich gelernt, dass sie wirklich anders ist als andere. Ich versuchte so unvoreingenommen wie es nur ging an diesem Lehrgang teilzunehmen und wenn ich jetzt so zurück blicke, war das aufjedenfall auch richtig so.

Der Lehrgang wurde von Frank Mierwaldt geleitet, bei dem wir auch schon vor einigen Monaten einen super netten Infoabend hatten. In meinem Kopf malte ich mir schon Tage vorher aus, wie das ganze denn so ablaufen könnte, welche Punkte ich auf jedenfall ansprechen wollte und welche Teile der Geschichte ich erwähne. Kennt ihr das? Der Kopf rattert und rattert und wenn es dann soweit ist, kommt nichts davon zum Tragen, weil es einfach ganz anders läuft?

Ich machte Jeany ganz in Ruhe fertig, lieh mir von meiner Freundin ein langes Rope (langer Strick mit schwerem Karabiner) und den Stick (kurze Gerte, mit langem Band), dieselte Jeany mit ordentlich Fliegenspray ein und schon ging es zu unserer ersten Einheit in der kleinen Halle. Dort war Jeany bisher nur 3-4 Mal drin, da ich so gut wie gar nicht dressurmäßig gearbeitet habe im letzten Jahr. Sie staunte nicht schlecht, verspannte sich sofort und wollte am liebsten sofort wieder weg. Kaum war die Tür zu, hörte ich auch schon „Mach mal ab!“ durch die Lautsprecher. Kurz überlegte ich, ob es vielleicht ein Fehler war keine Gamaschen oder Glocken drum gemacht zu haben, atmete kurz durch und löste das Rope vom Knotenhalfter. Augen zu und hoffen, dass sie nach zwei Runden aufhören würde zu rennen. Aus zwei Runden wurden dann irgendwie 200 und selbst dann wollte sie noch nicht aufhören, sodass Frank zu mir in die Mitte kam und wir mit einem leichten Join Up begannen. Es gab zwei Regeln: Das Pferd läuft nur in die Richtung, die ich vorgebe und stehen geblieben wird auch nicht, es sei denn es ist ein Schritt auf mich zu. Klang ja im ersten Moment ganz einfach, war es aber nicht. Da Jeany als erste Lektion lernen sollte, dass es bei mir sicher ist, bekam ich den Rest der Teilnehmer zur Hilfe. Die Gruppe stellte sich als kleine, menschliche Herde zu einem Haufen zusammen und machte mit ihren Sticks und Ropes immer dann Stress, wenn Jeany ihnen zu Nahe kam, an der Tür stehen blieb oder die Richtung wechseln wollte. So, wie es auch in einer Pferdeherde mit einem Neuankömmling am Anfang passiert. Ich stand am anderen Ende der Halle und bekam immer wieder Anweisungen, wo genau ich mich platzieren sollte. Wichtig war es, Jeany den Weg zur Flucht freizuhalten, quasi die Tür zur öffnen, aber auch gleichzeitig durch lässige Körperhaltung zu signalisieren: „Komm doch zu mir, hier ist es entspannt und bei mir bist du sicher.“

j3

Ich kenne einige Kritiker dieser Methode. Einige sehen das Join up als müde machen an und finden es ungerecht dem Pferd gegenüber. Ich war zunächst auch kritisch, allerdings habe ich an beiden Tagen verstanden, dass man so eine tolle Chance hat dem Pferd zu zeigen, dass man doch gar nicht so klein und schwach ist, wie es zu erst angenommen hatte. Man läd es quasi dazu ein, einem Vertrauen zu schenken und gemeinsam auf Gespenster und Feinde zuzugehen. Nur gemeinsam ist man stark.

Bis Jeany das verstanden hatte, verging einige Zeit und es flossen bei allen Beteiligten ordentliche Schweißtropfen. Auch wenn es für mich körperlich gar nicht so anstrengend war, mental war es schon eine Herausforderung im richtigen Moment zur Seite zu gehen, das Pferd im Auge zu behalten ohne zu starren und gleichzeitig noch daran zu denken, sie mit der passenden Körperhaltung zu mir einzuladen. Als sie dann endlich so weit war und sich mir näherte, musste ich besonders auf meine Körpersprache achten und habe sie bei unserem ersten Kontakt gleich dort gestreichelt, wo sie es am liebsten hat. Klopfen war strengstens verboten. Jetzt, wo ich ausreichend Zeit hatte darüber nachzudenken, werde ich sicher auch kein Pferd mehr klopfen.

j1

Jeany war mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit bei mir und ich hörte ihren Stein regelrecht vom Herzen plumpsen, als sie verstanden hat, dass ich ihr gar nichts böses will. Auch Frank äußerte sich an dieser Stelle das erste Mal über Jeany. Hypersensibel und sehr intelligent. An irgendeiner Stelle in ihrem Leben wird sie eine Erfahrung gemacht haben, die ihr negativ im Gedächtnis geblieben ist und die ihre grundsätzliche, skeptische eher zu Panik neigende Persönlichkeit noch deutlich unterstrichen hat. Darauf werde ich aber im Fazit am Ende der kurzen Reihe nochmal näher eingehen.

Sie hatte also ihren Ruhepol in mir gefunden und folgte mir anschließend frei und mit Richtungswechsel durch die Halle. Unsere erste Einheit endete an dieser Stelle. Nach einer ausgiebigen Dusche, durfte sie erstmal in der Box alles sacken lassen und an ihrem Heu knabbern.

Die zweite Einheit ging nach dem Mittag weiter. Diesmal stand ein Gespann in der Halle, weil die Teilnehmerin vor mir ein Verladeproblem hatte. Das haben wir ja Gott sei Dank nicht, allerdings war es ein willkommenes Schreckgespenst. Kaum hatte ich die Halle betreten, verlor Jeany den Kontakt zu mir. Ihre Muskeln waren zu 100% angespannt und die Augen fielen ihr auch fast aus dem Kopf. „Abmachen!“ tönte es wieder aus dem Lautsprecher. Wer jetzt glaubt, dass das Pony sich die erste Einheit abgespeichert hatte, täuscht sich gewaltig. Es begann wieder ein hysterisches Gerenne, fast so als würde eine Meute wilder Hunde hinter ihr her sein.

IMG_5459

Diesmal platzierten wir nur zwei Helfer und mich und ließen sie erstmal von sich aus rennen. Auch hier galt wieder nur in eine Richtung und stehen bleiben an der Tür war verboten. Diesmal fand sie den Kontakt zu mir schon deutlich schneller und blieb dann auch sicher in meiner Nähe. Tolles Gefühl! Wir drehten ein paar Kringel ohne alles durch die Halle und ich fing sie allein durch Körpersprache wieder ein, sobald sie sich an der Umwelt und nicht an mir orientierte. Das braucht natürlich noch etwas Übung, um ganz präzise in den richtigen Momenten einwirken zu können, aber ich hatte auf jeden Fall ziemlich Spaß. Frank übernahm dann, hing Jeany wieder ans Rope und demonstrierte mir noch eine einfache Übung zum Hinterhandweichen lassen und um gleichzeitig die Aufmerksamkeit zu erlangen. Ich musste die Übung natürlich auch gleich ausprobieren.

j2

Als i-Tüpfelchen folgte Jeany mir noch ohne alles auf den Hänger. Das war ja eigentlich nichts neues für uns, allerdings habe ich unter solchen Bedingungen noch nie Verladen. Um die Schwierigkeitsstufe allerdings noch etwas zu erhöhen, wurde das Rollo hinten am Anhänger runtergelassen, sodass ich mit meinem Blondinchen also unter dem Rollo auf den Anhänger kroch und genau so auch wieder runter und sie ist mir, auch ohne nur einmal mit der Wimper zu zucken gefolgt.

„Sowas erlebe ich äußerst selten. Diese Stute liegt zwischen Genie und Wahnsinn. Anfangs total ängstlich und skeptisch, aber nach einem kurzen Augenblick der Unsicherheit, ist sie bei dir und folgt dir in eine dunkle Höhle. Genial!“ sagte Frank diesmal und genau so hatte ich meine kleine Ponydame schon immer kennengelernt. Sie wusste schon immer ganz genau wann es darauf ankommt.

Unsere Einheit endete an dieser Stelle. Wir waren beide kaputt und Jeany freute sich über ein ausgiebiges Sandbad auf ihrer Weide mit ihrem Weidefreund.

IMG_5441

Wenn ihr wissen wollt, wie der zweite Lehrgangstag lief und was genau mein Fazit nach diesem Wochenende war, schaut einfach wieder vorbei.

 

Ein Fohlen für Püppi?

Eigentlich bin ich kein Stuten-Typ. Wir haben immer Wallache gehabt und ich bin wenig Stuten geritten. Bis Püppi vor mittlerweile fast vier Jahren durch Zufall zu mir kam (unsere Geschichte könnt ihr hier nachlesen)! Seitdem reite ich also eine Stute, mit all ihren Stärken und Schwächen. Püppi ist dazu noch eine richtige Stute, das stellt mich immer wieder vor Herausforderungen. Man kann sie zu nichts zwingen, wenn man sie aber auf seiner Seite hat, macht sie alles für einen. Sie ist schon sehr speziell und hat einen starken Charakter.

Eine der wenigen Vorteile, die ich an Stuten immer gesehen habe, ist natürlich die Tatsache, dass sie Fohlen bekommen können. Welcher Reiter träumt nicht heimlich davon, eigenen Nachwuchs zu züchten? Die Geburt des eigenen Fohlens mitzuerleben, zu sehen wie das Kleine sich immer prächtiger entwickelt und nach einigen Jahren in die Fußstapfen als Reitpferd treten kann, weil es einfach rundum gelungen und ein Spitzenpferd ist, ja das haben wir im Kopf wohl alle mal durchgespielt. Darüber haben wir hier auch schon mal einen Artikel veröffentlicht: Über den Traum vom Fohlen aus der eigenen Stute

Leider sieht die Realität meist etwas anders aus. Viel zu häufig wird gezüchtet, weil die eigene Stute gesundheitlich ausfällt oder unreitbar wird, und das, ohne dass die Eignung der Stute als Zuchttier wirklich objektiv festgestellt worden ist. Da mag der ausgewählte Hengst noch so herausragend sein – die Gene der Mutter sind eben mindestens genau so entscheidend dafür, welche Qualität am Ende dabei rauskommt. Die Pferdezucht verbessert sich bestimmt nicht durch das emotionale Vermehren von Privatleuten und es gibt wohl wenig Ausnahmefohlen, die hierdurch entstehen.

Auch wirtschaftlich macht Züchten eigentlich keinen Sinn, sofern man nicht gerade eine eigene Anlage mit entsprechenden Aufzuchtmöglichkeiten hat. Wie viel kann passieren, bis ein selbst gezogenes Fohlen groß ist, wie viel Kosten können produziert werden… es ist sicherlich deutlich vernünftiger, sich ein Nachwuchspferd einfach 3 oder 4-jährig zu kaufen. Auch da bleiben noch genug Risiken, bis das Pferd gesund und ausgebildet ist, aber zumindest der Grundstock ist zum Kaufzeitpunkt gelegt.

Vielleicht erinnert ihr auch noch Carinas Erfahrungsbericht über das Ziehen eines eigenen Fohlens, der sehr ehrlich und kritisch war (Traum vom eigenen Fohlen?- Nein danke!).

Aber auch wenn so viel dagegen spricht – die Versuchung bleibt, und auch ich kann mich dieser Versuchung nicht entziehen. Püppi hat keine Stutenleistungsprüfung abgelegt und ist nicht im Stutbuch eingetragen, aber mittlerweile hat sie M* gewonnen und ist bis M** gut platziert und auf dem Wege zur S* Dressur. Das ist aus meiner Sicht eine Eigenleistung, die es rechtfertigt, über eine Nachzucht nachzudenken. Selbst wenn der Hengst am Fohlen nichts verbessern kann und quasi ein Mini-Me von Püppi entsteht, so könnte ich nicht glücklicher über ein Nachwuchspferd sein, denn Püppis Qualität ist für mich super und mehr als ausreichend. Natürlich gibt es trotzdem Dinge, von denen ich mir wünsche, dass der potenzielle Hengst diese beim Fohlen verbessert: Der Grund-Schritt könnte noch raumgreifender sein, etwas mehr „Aufsatz“ wäre schön und die Winkelung der Hinterhand für einen besseren Untersprung im Galopp wäre schön. Und ganz heimlich, das gebe ich zu, träume ich von einem Rappfohlen mit großer Blesse und vier weißen Beinen.

Nachdem die Frage des „ob“ beantwortet ist, stellt sich aber direkt die nächste ganz große Frage: und zwar die nach dem „wann“?! Wann ist ein guter Zeitpunkt für Nachwuchs? Wie ich es drehe und wende, kein Zeitpunkt erscheint mir wirklich gut. Püppi ist jetzt 9 Jahre alt, sie geht diese Saison die ersten M** und S* Dressuren, das war immer mein Minimalziel, damit man an eine Nachzucht denken kann. Aber jetzt, wo ich endlich S reiten kann, worauf ich die ganze Zeit der Ausbildung gewartet und hin gefiebert habe, möchte ich das ja auch ausnutzen und etwas davon haben! Ich habe kein anderes Pferd, also heißt ein Fohlen für mich auch eine Reitpause. Ich weiß auch nicht, wie es sein wird, wenn ich Püppi nach einem Fohlen wieder antrainiere. Wird sie genau so zu reiten sein wie vorher? Wie lange wird es dauern, bis sie wieder auf dem Trainingsstand wie jetzt sein wird? Auf der anderen Seite darf ich sicherlich auch nicht zu lange warten. Irgendwann ist sie einfach zu alt, ältere Stuten nehmen nicht mehr so gut auf, das Risiko steigt etc.

Ich habe die Frage des „wann“ noch nicht abschließend für mich beantworten können. Aber der Wunsch nach einem Fohlen ist nach wie vor da, damit verbunden aber auch tausend Fragen: Welchen Hengst nehme ich? Wo stelle ich Püppi hin? Wo kann das Fohlen aufwachsen? Welche Kosten kommen auf mich zu? Wie lange fällt Püppi dann aus?

Wie seht ihr die Sache mit dem Fohlen züchten? Kennt ihr diese Fragen, und wie habt ihr euch entschieden? Wann ist aus eurer Sicht der geeignete Zeitpunkt?

Zausel in der Sommerfrische

Wir haben von einigen Lesern das Feedback bekommen, dass die Tagebücher viel zu selten aktualisiert werden und es viel zu selten neues aus dem Leben von Zausel, Püppi, Pepper Jeany und Co gibt.
Also will ich mal wieder ein bisschen erzählen, was wir in den letzten Wochen so getrieben haben, wie es dem Zauselchen geht und was uns so beschäftigt hat.

Erfreulicherweise geht es dem Zausel seit vielen Wochen und Monaten relativ stabil gut. Eigentlich könnte ich sogar sagen, es ginge ihm sehr gut, wenn da nicht der Husten wäre. Der kommt nämlich leider immer im Frühsommer zurück und macht es uns dann wieder ein bisschen schwerer.

Aber von vorn: Im März hatte ich hier Fotos gezeigt vom Zausel bei der Dressurarbeit auf dem Platz. Zusammen mit Püppi haben wir ein paar Runden gedreht und viel Spaß gehabt. Wir haben wieder angefangen intensiver Dressur zu reiten, zwei mal die Woche Unterricht bei zwei unterschiedlichen Trainern, viel Freude und Motivation, konzentrierteres Training, gezielter Aufbau und die Erkenntnis: Ein Pferd im besten Alter baut sich nicht mehr ganz so schnell auf wie man sich das erhofft hatte.
Während die Kondition schnell wieder hergestellt war, dauert es doch eine ganze Weile bis man sich Kraft, Durchlässigkeit und die Bereitschaft, sich auch mal ein wenig anzustrengen, wieder erritten hat. Kommt dann noch ein eher ungeübter Reiter dazu, beschleunigt das den Prozess auch nicht gerade. Und müssen beide konsequent an sich arbeiten, findet sich eigentlich immer jemand, dem gerade eher nach ein bisschen Schummeln zu Mute ist, entweder dem Reiter, oder dem Pferd. Wir haben uns trotzdem bemüht und langsam aber sicher haben sich auch einige Erfolge eingestellt.
Zum Beispiel ist es uns gelungen, die fliegenden Wechsel von „leider gar nicht umgesprungen“ auf „der war schon richtig gut“ zu verbessern. Ein Lob, das mir wirklich runter ging wie Öl, hätte ich es eigentlich niemals für möglich gehalten, eigenständig mit meinem doch sehr amateurmäßigen Gereite die Wechsel zu verbessern. Einen guten Wechsel auf einem sicheren Pferd zu reiten, ist ja schon Herausforderung genug; dass wir uns aber tatsächlich gemeinsam verbessern können, ist ein tolles Ergebnis aus vielen Stunden Unterricht und natürlich nur dank toller Trainer überhaupt möglich geworden.

unbenannt_-10-2 unbenannt_-14-2 unbenannt_-27 unbenannt_-54

Ein solches Erfolgserlebnis schürt natürlich die Motivation und den Ehrgeiz, zumindest meinen. Ob sich der Zausel nach dieser Reitstunde ähnlich beflügelt fühlte wie ich, wage ich mal zu bezweifeln, aber er macht trotzdem immer recht beflissen mit. Und ein kleines bisschen freut er sich glaube ich doch über das überschwängliche Lob, welches ihm nach so einem gelungenen Wechsel zuteil wird.

Während wir also fleißig geübt und trainiert haben, hat sich leider ungefähr im Juni ein ungeliebter alter Bekannter dazu gesellt: Der Husten war wieder da.
Es ist immer ungefähr um diese Zeit im Jahr, wo sein Husten deutlich zunimmt und uns doch sehr einschränkt. Das ganze Jahr über kommt er mit seiner chronischen Bronchitis ganz gut zurecht und ist kaum bis gar nicht eingeschränkt, aber im Sommer nimmt der Husten dann leider zu stark zu, dass richtiges Training nicht mehr möglich ist. Zum Glück liegt das nicht daran, dass er dann schlecht Luft bekommt oder sogar an Atemnot leidet. Aber er hat einfach einen recht starkten Hustenreiz, der ihn während der Arbeit immer wieder zum Abhusten zwingt. Dafür muss er den Hals lang und tief halten, oftmals kündigen sich die Huster schon Runden vorher an und er braucht eine ganze Weile, wo er den Hals schon tief nach unten streckt, bis er dann wirklich abhusten kann. Richtige Dressurarbeit ist so natürlich nicht möglich, kaum hat man das Pferd ein bisschen zusammen geschoben, muss es sich direkt wieder rundenweise lang machen, um abhusten zu können.

unbenannt_-63 unbenannt_-50 unbenannt_-39-2 unbenannt_-48Grundsätzlich ist Bewegung und Durchlüftung der Lunge sehr wichtig, damit der Schleim, der den Hustenreiz auslöst, auch tatsächlich aus der Lunge heraus transportiert werden kann. Es ist aber enorm wichtig, die Lunge in diesem Stadium nicht zu überanspruchen, da sonst irreparable Schäden an den Lungenbläschen entstehen können. Es gilt also mit viel Feingefühl zu reiten und keinesfalls eine Belastungsgrenze zu überschreiten. Leichte Bewegung ist absolut notwendig, hohe Belastung strikt zu vermeiden. Dressurarbeit entspricht zum Glück eher einem Krafttraining und Belastet Herz und Kreislauf nicht so stark wie zum Beispiel intensives Galopptraining auf der Rennbahn. Trotzdem merke ich, dass er bei zu viel Galopparbeit und entsprechend höherer Atemfrequenz vermehrt husten muss. Dann legen wir Schrittpausen ein, warten, um die Atemfrequenz wieder etwas zu senken und können dann moderat weiter reiten. Das Training ist so weiterhin möglich, aber doch deutlich eingeschränkt.

Wir haben während der letzten Wochen immer zwei mal täglich inhaliert um das Abhusten zu erleichtern. Der Tierarzt war natürlich auch zum Abhören da und zum Glück ist der Zustand der Lunge nicht dramatisch schlimm. Er hat leichten Schleim in der Lunge, zum Glück aber keine starke Verschleimung. Als Ursache für die jedes Jahr wiederkehrende Verschleimung habe ich immer eine Allergie gegen irgendetwas draußen in der Natur angenommen. Mein Tierarzt hat dann dieses Jahr vorgeschlagen noch mal einen Allergietest durchzuführen, weil er mit der Desensibilisierung gute Erfahrungen gemacht hatte. In der Hoffnung, ihm damit etwas helfen zu können, haben wir ihm ein wenig Blut abgenommen und ins Labor schicken lassen. Überraschenderweise ergab dieser Test allerdings, dass er gegen absolut gar nichts allergisch ist, was selbst den Tierarzt sehr überraschte, weil fast jedes Pferd gegen irgendwas zumindest leicht allergisch reagiert.
Ohne ein Anzeichen auf eine Allergie keine Desensibilisierung und somit auch keine Chance, den Husten in den Griff zu bekommen.
Der Tierarzt war daraufhin auch ein wenig ratlos, außer weiter inhalieren und jegliche Staubquellen so gut es geht auszumerzen, bleibt einfach nicht mehr viel übrig.

Das Inhalieren brachte leider keinen spürbaren Erfolg und der Husten blieb hartnäckig über Wochen unverändert. Zum Glück verschlimmerte sich weder der Zustand der Lunge, noch sein Allgemeinbefinden. Trotzdem wollte ich nichts unversucht lassen und habe noch mal eine Akupunkturbehandlung hinzu gezogen, weil wir damit immer sehr gute Erfolge hatten. Die hat ihm zwar insgesamt mal wieder sehr gut getan, der Husten ist aber weiterhin geblieben. Derzeit bekommt er noch chinesische Kräuter gefüttert, denen man sicherlich auch eine gewisse Zeit zur Wikrungsentfaltung einräumen muss, eine echte Besserung hat sich aber leider noch nicht eingestellt.

unbenannt_-37 unbenannt_-45 unbenannt_-35 unbenannt_-31 unbenannt_-27 unbenannt_-25 unbenannt_-21-2 unbenannt_-64 unbenannt_-12-3Letzte Hoffnung war dann eine kleine Sommerfrische an der Nordsee. Salzige Luft, 24/7 Weide, fernab von Heu, Stroh, Staub und Großstadtluft, mehr kann man einfach nicht für die Lunge tun.

Letzte Woche Sonntag ging es dann also mit beiden Pferden nach Sylt. 300 km Strecke bis zum Autozug, eine dreiviertel Stunde auf dem Zug und 4 Stunden später waren wir da: Sylt, du Paradies!

Die Pferde haben die Autofahrt sehr gut überstanden, bis zum Zug hatten sie sogar beide kein nasses Haar, obwohl der Zausel sonst schnell mal vor Stress schwitzt. Wir sind auch wirklich sehr gut durchgekommen und hatten eine ganz entspannte Fahrt. An der Verladestation zum Zug mussten wir dann die hintere Plane des Anhängers dicht machen, weil wir Rückwärts über den Damm rollen würden. Obwohl es eigentlich sehr angenehmes Wetter für so einen Transport war (leichter Regen, 15° C) war ihnen die Sache mit dem Zug wohl doch nicht so geheuer oder es wurde einfach durch die runtergelassene Plane zu warm im Anhänger. Auf jeden Fall haben sie dann doch noch kräftig geschwitzt. Trotzdem haben sie aber ruhig gestanden und die ganze Fahrt über keinen Mucks von sich gegeben.

Auf der Insel angekommen waren es dann nur noch weniger Minuten bis zum endgültigen Ziel: Eine Wiese direkt hinter unserem Ferienhaus. Dort hatten sie schon vor zwei Jahren einen Sommer verbracht und sich sehr wohl gefühlt. Trotzdem hatte ich angenommen, sie würden erstmal wild über die Wiese rennen und sicherlich eine Zeit brauchen, sich in der neuen Umgebung einzufinden. Da hatte ich mich aber ganz schön getäuscht: Die Pferde sind ausgestiegen, haben sich kurz umgesehen, die umstehenden Pferde begrüßt und sich erstmal gewälzt, ehe man sich dann zügig über das leckere Gras hergemacht hat. So etwas unaufgeregtes habe ich wirklich selten erlebt.

Seit einer Woche also stehen sie beide auf der Wiese und sind sowas von entspannt und zufrieden, dass es wirklich eine Wonne ist, sie aus dem Fenster zu beobachten. Sie stehen immer ganz dicht beeineinder, bewachen sich gegenseitig beim Schlafen, liegen immer abwechselnd, fressen, schauen in die Gegend und genießen einen ganz entspannten Sommer.

Doc hat sich zu Hause seit Monaten mit Kotwasser herum geplagt, von einem Tag auf den anderen war das weg. Leider hat sich der Husten nicht ganz so leicht in die Flucht schlagen lassen, ein wenig hustet er schon noch, aber es ist schon viel weniger geworden und ich hoffe, die Lunge hat nun genug Zeit richtig zur Ruhe zu kommen.

Wir haben schon schöne Ausritte an den Strand unternommen und beide Pferde sind auch da schon merklich entspannter geworden. Die ersten Tage waren natürlich noch sehr aufregend, aber so langsam kehrt Routine ein, sie kennen die Runde und sind die meiste Zeit wirklich sehr brav und entspannt, so dass man die Ritte auch richtig genießen kann.

Weil ich zwischen durch ein bisschen Arbeiten muss, haben sie auch immer mal ein paar Tage komplett frei während ich in Hamburg bin, so dass sie auch zu ihrem wohlverdienten Urlaub kommen.
Je nach Wetter sollen sie so bis Mitte Ende August oben bleiben, ehe es dann wieder zurück geht nach Hamburg geht.

Ich hoffe, ihr verbringt auch alle einen schönen Sommer, gönnt euch und den Pferden auch mal eine kleine Auszeit und genießt die Sonne.

Junge Pferde reiten ist was Schönes

Was der eine sehr gerne macht, lässt der nächste lieber bleiben: Junge Pferde reiten und sie auf den Weg in ihr Reitpferde-Leben begleiten.

Bis auf meine ersten Ponys bin ich ausschließlich junge und/oder unerfahrene Pferde geritten, mit 12 bekam ich mein erstes Großpferd – einen 4-jährigen Wallach. Das war vor 11 Jahren. In der Zwischenzeit habe ich neben der Ausbildung von meinem eigenen Pferd, die ich natürlich nicht ohne Hilfe geschafft habe, noch diverses anderes Junggemüse geritten. Zum Teil waren das selbst gezogene Pferde, aber auch Pferde von Bekannten o.ä. Da ich aus einer Züchterfamilie komme, standen recht regelmäßig Jungpferde parat, die geritten werden wollten, so dass ich hier viel Erfahrung sammeln konnte.

IMG_20150705_103012

Ich mag es sehr, junge Pferde zu reiten, weil es so viel Spaß macht zu sehen und zu fühlen, wie sie sich weiter entwickeln. Es ist mitunter nicht einfach und man kann nicht nach Schema F arbeiten und das Anreiten an sich überlasse ich auch gerne anderen Menschen, aber dennoch macht es so viel Spaß zu merken, dass die Anlehnung heute schon viel besser ist als beim letzten Mal oder dass das das Angaloppieren mit jedem Mal leichter funktioniert.

20140426-2585

Die stetige Anlehnung gehört zu den Dingen, die ein junges Pferd erst lernen muss. In diesem Fall ist sie noch nicht immer gegeben.

Es mag sein, dass es mir gerade weil ich nie „fertig ausgebildete“ Pferde hatte, so viel Spaß macht mit jungen, unerfahrenen Pferden zu arbeiten. Mit jungen Pferden ist oft jeder Tag anders, meistens muss man sich jeden Tag wieder ein bisschen neu auf seinen unerfahrenen Partner einstellen, in ihn hinein hören, versuchen die Konzentration auf sich zu lenken und das richtige Maß an Herausforderung finden. Genau diese Dinge sind es, die mir so viel Spaß machen. Natürlich reite ich auch meinen inzwischen recht weit ausgebildeten Wallach liebend gerne, auch er entwickelt sich immer noch stetig weiter, aber das Lern- und Entwicklungspotential bei den Youngstern ist natürlich etwas ganz anderes. Auch die Planung des Trainings erfordert Augenmaß: Junge Reitpferde brauchen mehr Abwechslung und weniger Belastung als alte Hasen. Man muss aufpassen, dass man sie weder körperlich noch geistig überfordert. Mit geistiger Überforderung ist gemeint, dass sich viele Jungspunde nicht lange konzentrieren können. Man sollte dann lieber kürzere Arbeitsphasen wählen, damit man immer ein gutes Ende finden kann. Besonders bei talentierten Pferden, die sich viel anbieten und äußerst viel Spaß machen, muss man sich als Reiter manchmal bremsen und nicht zu viel verlangen. Ich neige z.B. dazu, wenn ein Pferd sich schon anbietet in den Arbeitstempi zurückzukommen, das zu sehr „anzunehmen“ und schnell zu sehr mit der Versammlung zu spielen. Da muss ich immer aufpassen, dass das Vorwärts immer wieder abgerufen wird und die Pferde den Zug nach vorne nicht verlieren.

Dass nicht jeder so gerne junge Pferde reitet, liegt auf der Hand. Manch einem liegt es vielleicht auch nicht so und ein anderer steigt lieber erst auf, wenn sie schon ausbalancierter sind, man sie sicher mit den Hilfen umschließen kann und wenn die ersten kleineren Lektionen sitzen. Es ist aber auch nicht jeder Reiter für ein junges Pferd geeignet. Oft hört man wie schön es ist, wenn Reiter und Pferd gemeinsam lernen. Das ist schön, ja. Bei mir war es auch so – ABER: Dazu gehört eine große Portion Durchhaltevermögen und regelmäßiger, guter Unterricht von einem erfahrenen Trainer, der einem als Reiter die nötige Unterstützung geben kann, damit die Paarung junges Pferd und unerfahrener Reiter auch lange fortwähren kann.

IMG_1618

Was man natürlich nie vergessen darf ist, dass junge Pferde unberechenbarer sind als ausgebildete, ältere Pferde, die schon abgeklärter sind. Man braucht als Reiter schon ein bisschen Mut, Zuversicht und Fingerspitzengefühl. Man muss zum Einen auch mal ein Wegspringen oder einen Bocksprung beim Angaloppieren Aussitzen können ohne gleich Angst zu bekommen und zum Anderen auch gewisse Situationen quasi vorhersehen und bereits „im Keim ersticken“ können. So kann es z.B. sein, dass eine Abschwitzdecke am Rand hängt. Man darf weder mit der Einstellung „wird schon nichts passieren“ noch mit „OH MEIN GOTT, hoffentlich kann ich daran vorbei reiten“ an die Situation heran gehen. Man muss als Reiter immer mit Ruhe und Bestimmtheit auf das Pferd einwirken können. Auch muss man sich ggf. darauf einstellen, dass insbesondere große Pferde oder Spätgeborene immer wieder mit sich selbst zu tun haben, wenn sie wachsen oder sich körperlich entwickeln.

IMG_1615

Ich selbst war 12 als ich meinen Wallach, damals 4, bekam. Ich fand das junge Pferd zu reiten damals nicht immer nur schön – ich bin oft an meine Grenzen gestoßen, wir waren eben beide jung und unerfahren. Ich hatte aber regelmäßigen, sehr guten Unterricht und so kam immer nach einer Ernüchterung auch wieder ein Erfolgserlebnis. Manchmal musste ich länger darauf warten, manchmal war ich überrascht, dass es schon wieder eins gab. Das schönste daran war aber immer, zu wissen, dass man sich das selbst erarbeitet hat und dass man es geschafft hat, das Pferd auf seiner Seite zu haben und mitzuarbeiten. Die Ausbildung eines Pferdes ist ein langer Strick mit vielen Knoten – und die Kunst besteht darin, jeden einzelnen zum Platzen zu bringen. Manche Knoten sind doppelt und dreifach verschnürt und man braucht Durchhaltevermögen, aber ich kann euch sagen: Wenn irgendwas ENDLICH klappt – das ist so ein tolles Gefühl! Und genau das macht Jungpferdeausbildung für mich aus. An vielen Sachen arbeiten und irgendwann merken – es klappt! Manchmal folgt die Ernüchterung, wenn ein Problem aus der Welt ist, ganz schnell und ein neues hat sich aufgetan. Es kann z.B. sein, dass sich gute und schlechte Seite wechseln, die meisten Probleme lösen sich aber im Zusammenspiel und mit Verbesserung der Rittigkeit. Wichtig ist, dass man sich nicht an einzelnen Dingen fest beißt.

Für mich ist bei der Jungpferdeausbildung neben dem Erreichen von den ersten Punkten der Skala der Ausbildung (Takt, Losgelassenheit und Anlehnung) und einer gewissen Lektionssicherheit, dass die Pferde lernen, ihrem Reiter zu vertrauen. Sie müssen lernen, dass sie nicht überfordert werden, dass die Arbeit abwechslungsreich ist und ich möchte, dass sie Spaß haben zu arbeiten. Ich versuche immer die Pferde „zu lesen“. Wenn ich merke, dass mein Jungspund gerade nicht so viel Lust auf Dressur hat, reite ich gerne mal auf dem Springplatz ein bisschen vorwärts oder gehe mit einem erfahrenen Pferd ins Gelände. Manchmal hilft es auch eine Woche nur auf die Weide zu gehen und die Motivation ist wieder da. Was wir mit der Ausbildung schließlich erreichen wollen ist, dass das Jungpferd zu einem motivierten, ausgeglichenen Reitpferd heran reift, und unter seinem Reiter strahlt.

20140426-2503 20140426-2582

*Die Bilder zeigen jeweils 5-jährige Stuten während ihrer Ausbildung

 

 

 

Schleifenregen im Regen

Fast überall in Deutschland war es die letzten Wochen ziemlich nass. Genau genommen konnte man auf so ziemlich jeder Wiese und jedem Feld schwimmen gehen. Ich sah also unser Turnierwochenende schon im wahrsten Sinne des Worten schwimmen gehen.

Dienstags hörte es dann endlich auf zu regnen, die beiden Prüfungsplätze hatten Gefälle, also schöpfte ich wieder Hoffnung. Und Freitags dann Entwarnung: die Plätze hielten, beide Turniere fanden statt. Beide Tage hatte ich FAB-Prüfungen genannt, dies sind Prüfungen, die nur für Amateure ausgeschrieben werden und man konnte dort Punkte sammeln, um dann später hoffentlich am Finale teilnehmen zu dürfen. Somit konnten Pepper und ich zur (für das Wochenende) ersten FAB-Qualifikation fahren. Uns erwartete ein M* mit Stechen und ein S Springen.

Samstags am Turnier angekommen die erste Ernüchterung: der Abreiteplatz war nicht mehr so ganz ideal, der Prüfungsplatz aber voll in Ordung. Aus dem M* mit Stechen wurde ein normales M* Springen und die Platzierungen fanden ohne Pferde statt – zur Schonung eben dieser, aber auch zur Schonung des Platzes.

Abgeritten bin ich Pepper auf dem Dressur-Abreiteplatz. Die Dressur war bereits beendet und dieser hatte lange nicht so sehr gelitten wie der Springabreiteplatz. Dort habe ich nur zwei kleine Sprünge gemacht, bevor es dann in die Prüfung ging. Dort war die Klippe eindeutig Sprung 2 (viele Steher) und die letzte Distanz, da dort oft eine Stange fiel.

Pepper war gut drauf, ließ sich vom Boden nicht irritieren (man merkte ihr den nassen Boden so gar nicht an) und schnurrte wirklich wie an der Schnur gezogen durch den Parcours. Wir haben nichts riskiert, konnten aber einfach flüssig durchkommen – und für uns sprang ein 2. Platz heraus. Brave Maus! Kein Gucken, kein Zögern!

Danach im S haben mir meine Nerven leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Runde war wirklich nicht hoch gebaut, und die schwierigen Linien haben wir auch gut gemeistert, aber wenn man zwei Sprünge, die bergab standen, normal anreitet, ohne das Pferd vorher noch mal auf die Hinterhand zu setzen… dann wundern leider auch keine Fehler. Aber ein S ist halt doch noch mal eine andere Hausnummer, und auch wenn ich zunächst von mir enttäuscht war, müssen Pepper und ich in der Klasse nun mal auch erst Erfahrungen sammeln – und im April 2015 haben wir unser letztes A Springen geritten – ich brauche also nicht traurig sein.

Dinslaken Dinslaken5

Dinslaken2 Dinslaken3

Pünktlich als Pepper auf dem Anhänger stand, fing es dann an zu regnen. Aber Pepper stand trocken im Anhänger, meine Mutter und ich saßen im Auto – und am Stall war es dann auch wieder trocken! Glück gehabt!

Sonntags konnte Pepper morgens noch mit auf Wiese, bevor es dann noch mal zu einem FAB M* mit Stechen ging. Auf dem Weg dorthin haben wir und erstmal kräftig verfahren, denn das Navi lenkte uns auf einmal mitten in die Stadt. Normalerweise alles kein Problem, aber laut Meldestelle wurde das Springen 30 Minuten vorgezogen und so kam doch langsam Stress auf. Aber irgendwann fanden wir den Turnierplatz dann doch – und die Prüfung fand doch pünktlich statt! Was ein Stress!

Auch hier war der Abspringplatz nicht optimal, da das M aber letzte Prüfung des Tages war, wurde kurzerhand auch ein Sprung am Dressurplatz aufgebaut, so konnte man die Pferde optimal vorbereiten. Auch hier war der Prüfungsplatz sehr gut zu bereiten und Pepper merkte man wieder überhaupt nicht an, dass der Boden viel Regen abbekommen hatte.

Vor mir gab es erst einen Null-Fehler-Ritt, denn das Springen war schwer genug gebaut, unter anderem auch, da es die Hauptprüfung des Turniers war, und so fielen doch viele Stangen.

Sprung 1 war ein unscheinbarer Oxer an der langen Seite, Sprung 2 auf 3 eine gebogene Distanz bergab, dort fiel oft eine Stange, Pepper sprang aber wirklich gut. Sprung 4 stand auf der Mittellinie, mit 5 Galoppsprüngen auf 5a und b. Vor 4 war der Boden etwas tief, daher habe ich die Wendung etwas größer ausfallen lassen, was Pepper dazu veranlasste etwas stark zu werden. Dadurch wurden die 5 Galoppsprünge etwas eng und ich musste Pepper energisch aufnehmen. Zu Sprung 6 war sie irgendwie am Träumen. Sie guckte zum Ausgang, reagierte etwas verzögert auf meinem äußeren Schenkel, und irgendwie standen wir dann ziemlich schwunglos vor 6. Trotzdem sprang sie ab, die Stangen blieben liegen, und ungelogen – das ganze Publikum raunte. Schon seltsam was man manchmal so mitbekommt – obwohl man sich aufs reiten konzentrieren sollte! Nach Sprung 6 ging es bergab zu 7a und b, dort kam ich dann ideal hin. Sprung 8 auf 9 noch mal eine gebogene Distanz, wobei am letzten Sprung noch oft die Stange fiel. Aber Pepper sprang auch hier noch mal easy und motiviert – null und somit wurde ein Stechen erforderlich.

Nach dem letten Starter stand fest – 3 Reiter mussten noch mal im Stechen gegeneinander antreten. Die Reihenfolg war umgekehrt zur Rangierung, und so konnten Pepper und ich als letzte ins Stechen einreiten, was merklich den Druck nahm. Stechparcours ziemlich simpel – 1, 2,  3, 4, 5, 7a, 8.

Der erste Starter hatte 3 Fehler, der zweite Starter einen Steher. Ich konnte also entspannt reinreiten, durfte zwar einen Fehler haben, aber langsam reiten durfte ich auch nicht.

Diesmal sprang Pepper richtig gut. Sie schnurrte durch den Parcours, guckte nicht rechts oder links und die Runde hatte richtig richtig Spaß gemacht. Für mich fühlte sie sich wirklich perfekt an und so konnten wir mit einer Nullrunde das Springen gewinnen! Unser zweiter M Sieg 🙂

Überglücklich durfte Pepper noch eine halbe Stunde Gras fressen am Anhängerplatz, bevor es dann jedoch nach Hause ging, weil der Himmel sich bedrohlich dunkel verfärbte. Glück –  und ein trockenes Turnierwochenende – gehabt.

IMG_20160626_170145 IMG_20160626_170809 IMG_20160626_170912