Neueste Artikel

Im Test: Der LG-Zaum

Es gibt beim Reiten und im Umgang mit Pferden viele Sachen, die man eben so macht, weil es alle so machen. Zum Beispiel ein Pferd in eine Box mit Stroheinstreu stellen, es mit Hafer füttern und es mit Sattel und Trense reiten. Das funktioniert bei den meisten Pferden gut. Und solange das Pferd damit ohne offensichtliche Probleme zurecht kommt, bleibt man eben einfach bei den Sachen, die man schon immer so gemacht hat.

Interessant wird es dann, wenn Probleme auftreten und man gezwungen ist, sich nach Alternativen umzusehen. Sam ist eine jetzt 7 jährige Oldenburger Stute von San Amour. Sie ist ein nettes, patentes kleines Pferd mit guten Nerven und viel Mut, sitzbequem, mit dunkler Jacke und einem für eine Stute sehr üppigen Aufsatz. Ein rundum nettes Pferd, wäre da nicht ihre grundsätzliche Abneigung gegen Gebisse.

Diese Abneigung zeigt sie durch große Unzufriedenheit, vor allem im Maul und generell in der Anlehnung. Es ist wahnsinnig schwer, eine weiche und gleichmäßige Verbindung aufzubauen. Sie wehrt sich schnell gegen das Gebiss, entweder mault sie stark gegen die Hand oder verkriecht sich mit klappernden Zähnen. Hinzu kommt, dass sie während des Reitens mindestens 4 mal äppelt und das ganze immer flüssiger wird, je länger man reitet, bis es wirklich zu Durchfall wird.

Wir haben seit fast zwei Jahren an diesem Problem gearbeitet. Es wurde ein Sattel extra angepasst und in sehr regelmäßigen Abständen auf gute Passform kontrolliert, das Gebiss getauscht, anders eingestellt, verschiedene Materialien ausprobiert, einfach, doppelt, gar nicht gebrochen, was der Markt da eben so hergibt. Der Rücken wurde mehrfach osteopathisch behandelt und akupunktiert, sie wurde mit Kräutern und Essenzen behandelt. Die Zähne wurden regelmäßig von einem Pferdezahnarzt gerichtet und wir haben verschiedene Futtermittel ausprobiert. Regelmäßiger Reitunterricht und verschiedene Bereiter haben sich dem Problem angenommen. Sie hatte Phasen, in denen es besser ging, dann wieder wirklich katastrophal schlechte Phasen. Wirklich richtig zufrieden lief sie aber einfach nie, solange sie ein Gebiss im Maul hatte.

Nach dem sie nun aktuell wieder eine ganz besonders unzufriedene Phase hatte, das erneute Anpassen des Sattels, Einrenken des Rückens und längeres Training ausschließlich an der Longe wieder keine Veränderung brachten, haben wir nun eben etwas ganz anderes versucht und einfach das Gebiss ausgeschnallt und gegen einen LG-Zaum getauscht.

Verschiedene Studien haben nun mehrfach die Verwendung von Gebissen sehr stark hinterfragt und Probleme aufgedeckt, die den meisten Reitern wahrscheinlich gar nicht bewusst sind. In der Maulspalte eines Pferdes ist eigentlich kein Platz für ein Gebiss. Das Gebiss regt den Speichelfluss an was zu Verdauungsproblemen führen kann, es verursacht Schmerzen an den Kinnladen und dem Gaumen und verursacht einen Reflexkonflikt zwischen den beiden Reflexen Kauen und Laufen. Ist das Maul des Pferdes geschlossen, ist es auf Atmen und Fliehen eingestellt. Das Gaumensegel ist so geöffnet, dass sie Luftröhre frei ist und die Speiseröhre verschlossen. Hat es nun aber ein Gebiss im Maul, löst dies die Reflexkette „Fressen“ aus. Das Gaumensegel gibt die Speiseröhre frei und verdeckt die Luftröhre, damit dort nicht versehentlich Futterreste hineingelangen können. Zusätzlich regt das Gebiss den Speichelfluss an. Weil dem Pferd schlucken und laufen gleichzeitig nicht möglich sind, läuft ihm der übermäßig produzierte Speichel aus dem Maul und bildet dort Schaum. Das Gebiss verursacht dem Pferd damit nicht nur Schmerzen, wenn es vom Reiter unsanft bedient wird, es löst auch durch seine bloße Anwesenheit im Maul schon Stress aus und kann dazu führen, dass das Pferd schlechter Luft bekommt.

Im praktischen Test hätte der Unterschied gravierender kaum sein können. Bereits bei der ersten Runde im Schritt war ein deutlicher Unterschied zu bemerken. Anstatt gegen das Gebiss anzugehen und sich gegen die Anlehnung zu verweigern, zog sie gut an den Zügel heran, trat fleißig und zufrieden durch den Körper und behielt den Takt im Schritt. Beim Antraben war sie zunächst sehr irritiert und wir brauchten einige Anläufe, bis sie Vertrauen in die neue Zäumung gewonnen hatte und sich auch hier an die Hand heran dehnte.

Das Pferd ist mit dem LG-Zaum wirklich wie ausgetauscht. Sie lief in den letzten zwei Jahren nicht einen einzigen Tag so zufrieden wie jetzt mit dem Glücksrad. Sie tritt endlich an das Gebiss heran, schwingt fleißig über den Rücken, streckt sich in die Tiefe ab, nimmt Stellung und Biegung an, Paraden erzeugen keine Gegenwehr mehr. Die Wandlung ist wirklich kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass sie erst drei mal mit dem LG-Zaum geritten wurde.

Der LG-Zaum ist dabei vom Reitgefühl nicht anders als ein Gebiss. Als Reiter muss man sich nicht auf eine andere Reitweise einstellen. Auch dem Pferd ist die Umstellung sehr leicht gefallen und benötigte nicht mal eine halbe Stunde. Erstaunlich ist auch, dass sie mit dem LG-Zaun während des Reitens nur noch ein einziges Mal äppelt und das in völlig normaler Konsistenz. Offensichtlich hat ihr das Gebiss im Maul derartigen Stress gebreitet, dass sich das direkt auf die Verdauung ausgewirkt hat. Ich hatte immer angenommen, sie stresst sich vom Reiten an sich, also vor allem auch dem Reiter, den anderen Pferden, der Trennung von der Herde. Ihr Stress rührte aber alleine vom Gebiss, nicht vom Reiten an sich. Mit Entfernung des Gebisses sind auch die Verdauungsschwierigkeiten komplett aufgehoben. Das hätte ich mir wirklich nicht von einer so einfachen Maßnahme erträumen lassen.

Sam hat so lange versucht uns verstehen zu geben, dass sie mit dem Gebiss im Maul nicht zurecht kommt. Wir haben alles mögliche ausprobiert und dabei das einzig wichtige, was doch eigentlich so naheliegend ist, außen vor gelassen. Weil man eben mit Gebiss reitet und das alle machen und schon immer so gemacht haben.

Es lohnt sich, unseren Pferden besser zuzuhören und auch für Alternativen offen zu sein, die vielleicht nicht so üblich sind. Ich persönlich bin bisher mehr als überzeugt von dem LG-Zaum. Damit will ich nicht sagen, dass er das Allheilmittel für alle Rittigkeitsprobleme ist und von jedem Pferd so gut angenommen wird. Pferde sind Individuen und jedes hat andere Vorlieben und auch anatomische Vorraussetzungen. Für Sam ist der LG-Zaum genau das richtige, was nicht heißen muss, dass er für jedes Pferd so gut funktioniert. Weil ich aber so positiv überrascht von dem Zaum bin, möchte ich ihn gern auch beim Zausel ausprobieren, auch wenn der keine augenscheinlichen Probleme mit dem Gebiss hat.

 

IMG_4469.JPG

IMG_4471.JPG

IMG_4472.JPG

IMG_4470.JPG

IMG_4473.JPG

Mein Pferd ist nicht dumm, sie versteht nur nicht immer alles

Wer kennt sie nicht, diese Sprüche „Mistvieh, nie macht es das, was es machen soll!“. So, oder so ähnlich. Und oft auch schlimmer.

Erst letztens ist mir wieder so ein Spruch entgegen gekommen. Und das machte mich nachdenklich – hat man doch auch selber schon mal etwas in der Art gesagt oder aber zumindest gedacht, da nehme ich mich nicht raus. Und oft ist es doch so: Anstatt, dass wir bei uns Fehler suchen, muss erstmal ein anderer Sündenbock her: unser vierbeiniger Partner: stur, zickig, motivationslos, faul, ignorant, nicht bremsend und so weiter und so weiter. Na? Wer von euch kann sagen, dass wir unser ach so geliebtes Pferd nicht auch schonmal mit solchen Adjektiven geschmückt haben? Ich nicht.

Das mag bei vielen verpönt sein, aber ich nenne mein Pferd lieber liebevoll „Zicke“ oder „Glotzkuh“, als dass ich es anders herauslasse und meine Wut oder meinen Zorn am Pferd herauslasse. Das ist zum Glück schon Jahre her, dass ich das gemacht habe und dafür schäme ich mich. Ich habe zum Glück damals sofort einen Rüffel von meiner Mutter bekommen. Dafür danke ich ihr heute, auch wenn ich das damals total doof fand. Heutzutage lasse ich die Zügel lang und gehe lieber eine Runde ins Gelände, wenn mal wieder etwas nicht klappen möchte, was doch sonst immer funktioniert. Oder wenn der Sonnenfleck an der Bande kleine Peppers frisst. Oder vielleicht auch nur ein Sandkorn anders liegt als sonst.

SONY DSC

Über die Weihnachtstage war eine gute Bekannte am Stall und hat mit Pepper etwas Handarbeit versucht. Klar, für den Hausgebrauch kann Pepper alles. Sie lässt sich willig führen, überholt nicht… ich komme halt einfach problemlos von A nach B.
Aber so einfach ist es dann ja doch nicht. Von der anderen Seite geführt werden? Für Pepper zunächst total seltsam, denn sonst soll sie doch immer rechts von mir laufen? Im ersten Moment habe ich lachend gesagt „Ganz schön doof, die Pepper.“ Aber natürlich ganz und gar nicht doof, sie hat es doch schließlich so viele Jahre anders gelernt. Sie hat es schlicht und ergreifend erstmal nicht verstanden und hat deswegen immer wieder versucht, ihren Körper auf die andere Seite zu mogeln. Also wurde immer wieder neu angesetzt, man hat Pepper förmlich denken sehen und dann war es auch in Ordnung.

IMG_20141225_095110 IMG_20141225_095119

Oder heute beim Reiten: Durch ihren Körperbau und ihre Eigenschaft, immer alles richtig machen zu wollen, klappt der Außengalopp nicht so, wie ich es gerne hätte. Aber kann ich sie als doof bezeichnen, wenn sie doch im Parcours gelobt wird, wenn sie selbstständig den Galopp wechselt? Warum ist es dann verkehrt, wenn sie in der dressurmäßigen Arbeit bei einem Handwechsel auch sofort einen fliegenden Wechsel springt? Auch wenn ich mich noch so sehr bemühe, mein Gewicht nicht zu verlagern?
Nein, ich kann ihr nicht böse sein und versuche durch andere Hufschlagfiguren den Außengalopp zu erhalten, bis es dann zum Ende hin auch klappt. Sie also verstanden hat, dass nicht immer ein fliegender Wechsel erwünscht ist.

Und trotzdem. Manchmal nenne ich sie liebevoll „meine Glotzkuh“ und kann ihr aber trotzdem nicht böse sein, wenn sie 20 mal an der Decke auf der Bande vorbeiläuft und sie auf einmal ganz schrecklich ist, obwohl wir sie doch zusammen dort abgelegt haben. Ich glaube, wenn sie das ablegen würde, würde ich mir auch Gedanken machen. Vielleicht versteht Sie irgendwann auch, dass Decken an der Bande keine Pepper-fressende-Monster sind. Ich gebe die Hoffnung nicht auf!

Neues vom Blondinchen

Eigentlich gibt es nicht viel zu berichten. Jeany und ich haben es in den letzten Wochen eher ruhig angehen lassen. Das hängt unter anderem auch mit diesem schrecklich nassen Wetter zusammen. Das haut nicht nur Jeany auf die Knochen, sondern auch mir auf den Kopf. Wer kennt das noch? Dieses ewige Rumgegurke in der Halle fällt mir soooo auf den Wecker, sodass wir meistens nur ein bisschen Bodenarbeit und lockere Arbeit an der Longe gemacht haben. An den wenigen trockenen Tagen war ich ausreiten und bin das eine oder andere Mal auch platsch nass wieder in den Stall zurück gekehrt. Nee, so hatte ich mir das mit dem Winter nicht vorgestellt.

Foto 5(1)

Jeany – auch genannt Erdferkel!

Foto 1(2)

Im strömenden Regen, schnell zurück…

Foto 3(2)

Jeany, Wayana und Imi bei der Schlammparty.

Jeany war zuletzt etwas nörgelig mit ihrem Gebiss, also habe ich mich da mal wieder nach einer Alternative umgesehen. Ich habe das Gefühl, sie mag es gern wenn man das Gebiss ab und an mal wechselt. Doppelt gebrochen mag sie gar nicht, so bin ich bis vor kurzem mit einer einfach gebrochenen Wassertrense von Sprenger geritten. Jetzt habe ich mir von Sprenger das Dynamik RS aus Sensogan gekauft, einfach gebrochen mit Olive. Das scheint ihr gut zu schmecken, sie zieht wieder schön an die Hand ran und kaut auch wieder mehr. Des Weiteren habe ich mir vorgenommen beim nächsten Quengeln mal das gebisslose Reiten zu probieren. Ich bin zwar schon das ein oder andere Mal am Halfter geritten, aber nicht „ernsthaft“. Könnte mir gut vorstellen, dass das meiner kleinen Primadonna gut gefällt.

Foto 4(1)

Ein bisschen Wellness…

Foto 5(2)

Abendliches Spielprogramm im Trockenen.

Ich bin endlich richtig zufrieden mit Jeanys Gewicht. Ich habe ja einiges ausprobiert und nun mit einem Netz in der Raufe und komplett getreidefreier Ernährung endlich Erfolge zu verzeichnen. Mir graut es natürlich schon wieder vorm Sommer, aber immerhin haben wir diesen Winter konsequent durchgearbeitet (toitoitoi) und gehen so mit einem anderen Ausgangsgewicht in die Weidesaison in ein paar Monaten.

Foto 2(2)

Jeany und Cassy trocknen und stärken sich nach einem weiteren Ausritt, der im Regen endete…

Wir haben auch wieder einige Spaziergänge gemacht. Allein oder mit einer sehr guten Freundin. Ich genieße es immer sehr auch mal zu Fuß mit meinen Pferde unterwegs zu sein. Vor allem natürlich, wenn ich beide dabei habe!

Foto 1(3)

Foto 2(3)

Jeany und Wayana beobachten die aufgehende Wintersonne

Foto 1(4)

Foto 2(1)

Wow, eine Trockenphase, also schnell raus!

Foto 4(3)

Zum Abschluss gibt es noch ein paar Fotos von dem kleinen „Schnee“- (oder wie man das bisschen Weiß hier in Hamburg so nennen kann)Shooting vom 25. Januar. Ich habe mich also mit meiner Freundin verabredet zum Fotografieren. Es war zunächst Sonnenschein angesagt, aber natürlich war es wolkenverhangen und der Wetterbericht wechselte auf Regen. Wir haben uns also wirklich beeilt und wie soll es auch anders sein, auf dem sonst ruhigen Feld fuhr ein Trecker der seinen Mist ablud. Jeanys Shootingbegleitung (man bemerke, die Stute ist 29 Jahre alt und hat sonst die Ruhe weg) fand das gar nicht witzig und traversierte und tanzte auf der Stelle und alle Beteiligte hatten etwas Sorge um einen Herzinfarkt. Und was macht mein Ponykind? Stellt sich hin und posiert schon mal. Sie ist und bleibt einfach die Beste! Dadurch, dass es bereits zu tauen begonnen hatte, wollte ich nicht mehr Vollgas geben und bin einfach noch ein paar mal den Feldweg hoch und runter galoppiert, so wie es der Boden eben zuließ. Immerhin habe ich nun eine Handvoll winterlicher Fotos, eine halbe Stunde später begann es nämlich ordentlich zu regnen und der Schnee verschwand. Seufz…

File0457_k

File0555_k File0558_kFile0612_k File0636_kFile1180_kFile0542_kFile0539File0459_k

Bis zum nächsten Mal! 🙂File0970_kFile0492_k

 

 

 

5 gute Gründe für die Haltung im Offenstall

Vielleicht habt ihr die Geschichte vom Zausel und mir schon ein bisschen nachverfolgt und wisst, dass er nicht mit der aller stabilsten Gesundheit gesegnet ist. Unter anderem leidet er unter einer chronischen Bronchitis, die mich dazu gezwungen hat, seine Haltung ziemlich umzukrempeln. Das Pferd musste irgendwie so schnell wie möglich von Heu und Stroh befreit werden und weil das auf einer üblichen Stallgasse kaum möglich ist, blieb uns nicht viel mehr anderes übrig als das Abenteuer Offenstall zu wagen. Ich will ganz ehrlich sein: Freiwillig wäre ich diesen Schritt wohl nicht gegangen und der Zausel würde immer noch wie viele andere Pferde auch in der Box stehen. Schon nach den ersten Tagen im Offenstall war ich von dieser Haltungsform aber so begeistert, dass ich heute auch ein gesundes Pferd nicht mehr anders halten wollen würde. Wer einmal die Vorteile eines (guten) Offenstalls genossen hat, möchte diese nicht mehr missen.
Leider sind aber immer noch viele Pferdehalter der Ansicht, die Haltung im Offenstall ginge mit vielen Einschränkungen und Nachteilen für den Reiter einher und so richtig sportliches Reiten sei im Offenstall ohnehin nicht möglich. Mit diesen Vorurteilen würde ich gern ein bisschen aufräumen und habe daher hier mal fünf Gründe zusammen gesucht, die echte Vorteile für den Reiter sind:

1. Ihr tut eurem Pferd etwas Gutes

Licht, Luft, Wetter, Artgenossen, Bewegung, Futter und Wasser – eigentlich ist es nicht viel, was ein Pferd braucht, um glücklich zu sein. Dennoch müssen viele Pferde auf einige dieser elementaren Bedürfnisse verzichten oder bekommen sie nur sehr limitiert zur Verfügung gestellt. Eigentlich sollte dieser Punkt 1 für jeden Pferdebesitzer Grund genug sein, den lieben Vierbeiner in einem Offenstall (oder Bewegungsstall mit ähnlichem Konzept) unterzubringen. Alleine sein Pferd im Zusammenleben mit Artgenossen beobachten zu dürfen, jeden Tag aufs neue mit lustigen, herzlichen, friedlichen und albernen Momenten im Stall empfangen zu werden und die Gewissheit zu haben, dass es dem Pferd rundum gut geht, erfüllt mich täglich mit Freude und Zufriedenheit. Wenn ich ehrlich bin hat der Anblick eines vergitterten Pferdes in mir schon immer irgendwie Unbehagen ausgelöst und ich habe erst später bemerkt, welchen Unterschied alleine der Anblick für mein Wohlbefinden im Stall bedeutet.

2. Euer Pferd lässt sich besser reiten

Wer rastet, der rostet – das wussten schon unsere Großeltern! Und es gilt ebenso für uns wie für unsere Pferde. Wer über 20 Stunden in der Box gestanden hat, der kann nicht locker flockig ins Training starten. Je mehr sich Pferde über den ganzen Tag verteilt frei bewegen können, desto lockerer sind sie und das wirkt sich natürlich auch auf das Reiten aus. Hinzu kommt, dass sie im Gemüt viel ausgeglichener sind. Natürlich verhindert ein Offenstall nicht komplett, dass Pferde bei kalten Temperaturen gern mal ein bisschen knackig werden, aber die Möglichkeit zur freien Bewegung mildert  extreme Temperamentsausbrüche doch deutlich ab. Weil es ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass Pferde, die sich den ganzen Tag frei bewegen dürfen, faul und träge werden, möchte ich dieses auch gleich aus der Welt räumen: Keine Sorge, sie haben trotzdem noch reichlich Energie! Mal ganz davon abgesehen, dass ich die Vorstellung, ich müsste mein Reitpferd den ganzen Tag über in eine Box sperren, nur damit es einen ausreichend aufgestauten Bewegungsdrang hat um mein Reitvergnügen zu befriedigen, ehrlich gesagt ziemlich befremdlich finde, tut das gar nicht Not. Pferde sind mit so großer Bewegungsfreude ausgestattet, dass sie auch nachdem sie den ganzen Tag Zugang zu freier Bewegung hatten, motiviert mit uns gemeinsam trainieren. Davon könnten wir alle uns wohl mal eine Scheibe abschneiden!

3. Euer Pferd bleibt gesund

Das Pferd ist – ich bin mir sicher an dieser Stelle ist niemand überrascht – ein Lauftier. Bewegung gehört zu den elementaren Bedürfnissen eines jeden Pferdes. Als Steppenbewohner ist sein ganzer Organismus darauf ausgelegt, jeden Tag, das ganze Jahr über, bei jedem Wetter mehrere Kilometer zur Nahrungsaufnahme zurückzulegen. Der komplette Bewegungs- und Verdauungsapparat hat sich in jahrtausendewährender Evolution an diese Lebensform angepasst. Sperrt man das Lauftier Pferd in eine kleine (oder auch große) Box, kann es der seiner natürlichen Art entsprechenden Lebensform nicht nachkommen und dies geschieht leider in vielen Fällen zu Lasten der Gesundheit (und auch des psychischen Wohles). Nicht ohne Grund leiden heute mitunter ganze Reitställe an regelrechten Zivilisationskrankheiten wie Lahmheiten, Verdauungsproblemen und Koliken, Erkrankungen der Atemwege und Verhaltensauffälligkeiten. Die Liste dieser Krankheiten ist lang und geht man einmal durch eine Stallgasse hat doch fast jedes der aufgestallten Pferde mindestens eine dieser Beschwerden.
Natürlich ist die Haltung im Offenstall kein Allheilmittel und auch im Offenstall gehaltene Pferde können krank werden. Dennoch kann mit dieser Form der Haltung vielen solcher Krankheiten vorgebeugt werden und sogar im Falle einer bereits durch die Haltungsform verursachten Erkrankung deutliche Linderung und sogar Heilung verschaffen. Und ein gesundes Pferd ist doch am Ende das, was sich jeder Reiter wünscht – auch und vor allem die, die ihr Pferd sportlich nutzen wollen. Die Angst vor Verletzungen im Offenstall ist auch unbegründet. Natürlich gibt es immer wieder Fälle, in denen sich Pferde gegenseitig verletzten. Aber genauso gibt es reichlich Fälle, in denen Pferde in Boxen schwer verunglücken. Außerdem schwächt langes Stehen in der Box Sehnen und Bänder der Pferde. Wenn diese dann auf die Weide gelassen werden und unkontrolliert losbocken, gibt es schnell Verletzungen. Pferde die sich 24 Stunden frei bewegen können, stärken ihren gesamten Bewegungsappart und sind viel weniger anfällig. Außerdem haben sie keine angestaute Energie, die sich explosionsartig entläd. Eine gut zusammen gestellte, stabile Herde ist sehr friedlich und es gibt kaum körperliche Auseinandersetzungen unter den Pferden. Probleme gibt es vor allem dann, wenn die Herdenzusammensetzung sich häufig ändert, die Pferde zu wenig Platz zum Ausweichen haben oder aber die Pferde durch lange Zeiten in der Box die Grundregeln des Sozialverhaltens verlernt haben.

4. Ihr schafft euch mehr Freiheiten

Ich glaube jeder Pferdebesitzer kennt das schlechte Gewissen, wenn das Pferd mal weniger bewegt wird als es eigentlich gut wäre. Vorbereitung auf eine wichtige Prüfung, Klausurenphase in der Uni, eine wichtige Deadline im Büro oder Ferien- und Urlaubszeiten. Jeder kennt die Phasen, in denen er dem Pferd nicht so richtig gerecht werden kann und sich irgendwie aus reinem Pflichtgefühl total abgehetzt in den Stall begibt, um das Pferd schnell irgendwie an die Longe zu hängen und es zumindest etwas zu bewegen. Dass das dem Pferd gegenüber weder fair noch seinem Bewegungsbedürfnis entsprechend ist, wissen wir natürlich, aber es geht heute, diese Woche oder bis zur Prüfung eben nicht anders. Das ist für alle Beteiligten eine unschöne Phase, aber euer Pferd kann nichts dafür, dass es zeitweise mal so gar nicht in euren Alltag passt und ihr habt echt andere Sorgen, als euch mit einem schlechten Gewissen zu belasten.
Es geht so viel entspannter, wenn man sein Pferd so hält, dass man als Reiter nicht für das Grundbedürfnis an Bewegung sorgen muss. Wer sein Pferd in einem Stall hält, in dem es sich viel bewegen kann und auch ausreichend Anreize dazu hat, dies auch zu tun, der muss sich kein Bein ausreißen, um das Pferd noch mal schnell an die Longe zu hängen. Stehtage gibt es nicht, euer Pferd hat nur noch Arbeitstage und Wochenende. Und wer freut sich nicht mal über ein Wochenende, auch wenn es auf Montag und Dienstag fällt!? Wer sicherstellt, dass alle Grundbedürfnisse des Pferdes in seiner Haltung abgedeckt werden, der erhält als Reiter unglaubliche Freiheiten und kann die Zeit mit dem Pferd viel bewusster und positiver genießen. Man schätzt die Zeit beim Pferd dann als gemeinsame Aktivität mit dem Partner Pferd und arbeitet nicht ständig gegen sein schlechtes Gewissen an. Das bedeutet mehr Freude und weniger Verpflichtung an der Pferdehaltung!

5. Alles ist möglich, auch im Offenstall!

Es hält sich leider relativ hartnäckig das Gerücht, ein Sportpferd könne man nicht im Offenstall halten bzw. mit einem im Offenstall gehaltenen Pferd sei die sportliche Nutzung nicht möglich. Nun – ich denke, die oben genannten Punkte zeigen eigentlich nur, dass auch und vielleicht gerade sportlich genutzte Pferde im Offenstall super aufgehoben sind, weil es ihre Nutzung erleichtert. Das klingt nun sehr nüchtern und etwas fies, schließlich sehen die meisten ja einen Partner in ihrem Pferd und es geht ihnen nicht um die bloße Steigerung der Nutzbarkeit des Pferdes. Die Offenstallhaltung kommt ja aber in erster Linie dem Wohlbefinden unserer Pferde entgegen. Als für den Reiter äußerst nützlichen Nebeneffekt steigert sie außerdem auch die Nutzbarkeit. Mit einem im Offenstall gehaltenen Pferd ist alles möglich, selbstverständlich auch die Turnierteilnahme bis zur schweren Klasse. Dass dafür die Trainingsbedingungen stimmen müssen, steht natürlich außer Frage, die bloße Haltungsform ist aber kein Hindernis zur sportlichen Nutzung. Ganz im Gegenteil, sie wirkt sich sogar positiv daraus aus. Auch das Scheren und Eindecken der Pferde ist im Offenstall problemlos möglich. Mit ausreichendem Bewegungs- und Beschäftigungsangebot zerfetzen die Pferde auch nicht ,wie sonst auf den Winterpaddocks vor lauter Langeweile ja üblich, die Decken ihrer Herdenmitglieder. Bei eingedeckten Pferden hält sich dann auch der Aufwand fürs Putzen in Grenzen, denn unter der Decke bleiben selbst kleine Erdferkel sauber. Vor einem anstehenden Turnierstart kann die Decke dann auch noch um ein Halsteil erweitert werden, dann sitzt die Frisur am nächsten morgen garantiert noch.

 

Auch wenn ich eher unfreiwillig unter die „Offenstaller“ gegangen bin, kann ich mir heute eine andere Haltungsform gar nicht mehr vorstellen. Natürlich auch, weil ich sehe, wie gut sie den Pferden tut. Aber auch, weil es mir als Reiter ganz neue Freiheiten verschaffen hat, die ich vorher nicht für möglich gehalten habe. Ich sehe heute vieles deutlich entspannter. Wenn ich es mal nicht in den Stall schaffe, weiß ich mein Pferd trotzdem rund um gut versorgt und glücklich und zufrieden. Als der Zausel nun im Oktober operiert wurde (mehr dazu hier ) und darum vier Monate nicht geritten werden durfte, musste ich mir keine Sorgen um ein immer verrückter werdendes Pferd machen, musste nicht ewig in der Halle im Kreis führen, hatte keinen Ärger mit dem Antrainieren. Er hat einfach 4 Monate im Paddock verbracht und ich konnte danach auf ein lockeres und motiviertes Pferd wieder aufsteigen und anfangen das Training langsam aufzubauen.
Ich empfinde diese Form der Haltung als so große Erleichterung bezüglich aller Verpflichtungen, die man mit der Anschaffung eines Pferdes eingeht, dass ich hoffe, dass viele Reiter diese erkennen und sich und ihren Pferden das Leben um einiges leichter machen.

 

Winterarbeit – oder der schwere Sprung von M nach S

Mitte Dezember hatte ich über kleine Baustellen bei Püppi berichtet: Hautpilz und eine heftige Impfreaktion hielten uns vom Training ab. Außerdem mag Püppi die Kälte nicht wirklich und war steifer als sonst. Daraufhin habe ich ihr ein Halsteil an die Decke gebaut, Akupunktur machen lassen um Blockaden zu lösen und chinesische Kräuter gefüttert. Und seitdem geht es der Maus wieder richtig gut!

IMG_8665

Neben nasskaltem Wetter, viel Dunkelheit und kurzen Tagen hat der Winter ja auch seine positiven Seiten: Bei jungen Pferden bietet er die Möglichkeit, in Ruhe weiter an der Ausbildung zu feilen, neue Lektionen zu erlernen und bereits Erlerntes zu verinnerlichen. Während der Turniersaison fängt man ja nicht unbedingt damit an, neue Lektionen zu reiten um das Pferd nicht durcheinander zu bringen, sondern bereitet sich auf die aktuellen Aufgaben vor.

Püppi ist nun 8 Jahre alt. Im letzten Jahr war sie in der Trabtour ja bereits sicher auf M-Niveau, allerdings war die Galopptour hinterher. Ich hatte ja berichtet, dass es Püppi noch schwer fällt, ihre eigentlich große Galoppade in die Versammlung mitzunehmen, hinten dabei weiter gut durchzuspringen und nicht zu kurz zu werden. Außerdem wurde sie schnell hektisch bei den Wechseln und sprang sie nicht sicher auf Hilfe. In Anbetracht der Tatsache, dass wir in der Galopptour also noch gaaanz viel Luft nach oben hatten, war ich umso glücklicher, dass wir trotzdem bereits reihenweise M* platziert waren und ja sogar eine M* gewinnen konnten. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich wenig Ranglistenpunkte hatte und häufig in der leichteren Abteilung gestartet bin.

Das alles ist dieses Jahr vorbei: Ich werde mit meinen RL-Punkten aus der letzten Saison immer in den schweren Abteilungen starten müssen, außerdem möchten wir uns an die ersten M** und vielleicht im Laufe der Saison auch an die erste S heranwagen – und da ist man mit z.B. versprungenden Wechseln natürlich nicht mehr vorne dabei.

Die Winterarbeit nutzen wir nun intensiv, um die Galopptour weiterzuentwickeln. Die Fliegenden Wechsel sind bereits seit Oktober / November viel sicherer geworden. Mittlerweile reite ich nicht mehr einzelne Wechsel auf einfachen Linien, sondern auch mal drei Viererwechsel oder Diagonale Galoppverstärkung, zurücknehmen und dann den Wechsel. Hier kommt Fräulein Ungeduldig wieder mal zum Vorschein: In der Rückführung wartet sie bereits und will gern den Wechsel vor der Hilfe springen. Also variiere ich die Linien und lege oft nur bis X zu, nehme sie dann deutlich 3-4 Galoppsprünge zurück, damit ich dann wieder nach vorne reiten kann und sie den Wechsel schön bergauf und vor mir springt.

Shaida-90

Shaida-38

Shaida-21

Shaida-66

Shaida-19

Shaida-68

Shaida-77

Shaida-33

Das ganze verbinde ich mit Schenkelweichen im Galopp und Galopptraversalen, um sowohl an der Biegung als auch an der Geraderichtung zu arbeiten. Mit vielen Übergängen innerhalb des Galopps und Aktivieren der Hinterhand z.B. durch Anticken mit der Gerte ist die Hinterhand in der Versammlung schon viel besser geworden.

Shaida-3

Schenkelweichen

Shaida-2

Schenkelweichen

Shaida-13

Traversale rechts

Shaida-16

Traversale links

Der Schritt von M nach S bedeutet aber nicht nur, dass mehr Wechsel vorkommen – auch die Pirouetten kommen natürlich dazu. Und auch die beginnen wir zu üben. Ich mache das so, dass ich den Zirkel verkleinere und quasi in eine Babypirouette reinarbeite. Sobald sie für zwei, drei Sprünge gut zurückgekommen ist, reite ich schon wieder raus und beginne nochmals von vorne. Wir stehen da allerdings noch ziemlich am Anfang und ich denke auch, dass es hiervon abhängt, wie schnell ich tatsächlich mal eine S nenne. Man sieht so viele schlechte Pirouetten in den Prüfungen und ich habe schon den Anspruch, dass die sicher und gut funktionieren, bevor wir unsere erste S in Angriff nehmen. Und natürlich bekommt Püppi einfach auch die Zeit, die sie braucht, es hetzt uns ja keiner und ich finde sie liegt momentan genau im Soll was den Ausbildungsstand angeht.

Shaida-86

Shaida-87

Shaida-88

Im Trab ist Püppi schon unheimlich lektionssicher. Hier arbeiten wir eher an der Durchlässigkeit. Madame legt sich gern ein bisschen auf die Hand und entzieht sich dadurch, wird vorhandlastiger und dann kommt die Schulter nicht so schön hoch. Also versuche ich darauf zu achten, Sie immer vor mir zu halten und bereits in der Lösungsphase nicht zuzulassen, dass sie mir so auf die Hand brummt. Außerdem möchte ich sie möglichst allein „machen lassen“ – also nicht ständig so viel von oben machen. Dann läuft sie nämlich am Besten. Ich glaube, das ist typisch Stute. Man kann sie zu nichts zwingen und sie geht am Besten, wenn sie sich selbst entfalten kann. Seitengänge im Trab liegen ihr sehr und die rufe ich auch immer mal zwischendurch ab, weil sie ja ein eher strammer Typ und und sie so geschmeidig und locker wird.

Shaida-52

Shaida-54

Auch die Versammlung bietet sie an, so dass man sie bereits gut mal in die Passage zurückführen kann. Das mache ich aber nur für ein paar Tritte weil sie gefühlt dabei noch zu langsam wird und schnell den Zug nach vorn verliert. Also variieren wir Versammlung immer wieder mit einem Schub nach vorn in die Verstärkung – und wieder zurück.

Shaida-40

Shaida-57

Shaida-58

Shaida-64

Shaida-98

Und zu guter Letzt beende ich jede Trainingseinheit nochmal ordentlich nach vorn!

Shaida-105

Shaida-103

Shaida-101

So arbeiten wir uns voran, das erste Turnier Mitte März ist auch bereits genannt und ich freue mich riesig darauf, wieder loszufahren.

Shaida-106

Zausels Jahr 2012

Des Zausels Jahr 2012 begann erstmal mit ein bisschen Pause, richtigem Winterwetter und Schnee. Das haben wir ja in Hamburg nicht so oft, im Jahr 2012 dafür aber verhältnismäßig viel. Der Zausel war zu Weihnachten lahm und hatte über die Feiertage Pause, kam danach noch nicht so richtig in Schwung. Er hatte mal wieder einen seiner „Schübe“, bei dem es ihm aus unerfindlichen Gründen einfach nicht so gut ging. Wir haben ihn zu der Zeit mit Verdacht auf Borreliose von einer Tierheilpraktikerin behandeln lassen, die ihn auch in regelmäßigen Abständen akupunktierte und ich hatte das Gefühl, dass ihm dies sehr half und er seine Tiefs so besser überwinden konnte.

13619f77 3d152147

Im neuen Jahr hatten wir dann außerdem die Stallgasse in Verdacht, an seinem verschlechterten Zustand mitschuldig zu sein, durch die ich ihn führen musste, um in die Halle zu gelangen. Wir vermuteten, dass ihm bereits dieser kurze Reiz auf der Stallgasse mit Heu und Stroh ausreichte, um seinen Zustand zu verschlechtern, denn solange ich draußen reiten konnte, ging es ihm besser. Da es mir leider untersagt wurde, die Halle über eine der beiden weiteren Tore zu betreten, durch die ich nicht über die Stallgasse führen musste, konnte ich diese letztlich gar nicht nutzen und kündigte die eh viel zu teure Hallennutzung.

Da standen wir also im Winter bei Schnee und Eis ohne Reitmöglichkeit im Offenstall. Die Anfrage bei allen umliegenden Höfen die Halle mitnutzen zu dürfen wurde leider immer abgelehnt und schließlich fuhren wir zu meinem Reitlehrer in die gut 20 min. entfernte Halle. Je regelmäßiger wir dort hinfuhren, desto besser wurde der Zausel. Zunächst noch steif und ziemlich aus der Übung wurden wir mit dem konstanten und sehr gutem Unterricht von Monat zu Monat besser. Dass man überhaupt von Monaten sprechen konnte, in denen er kontinuierlich lief, hatte echten Seltenheitswert und machte natürlich wahnsinnig viel Spaß.

120204_Doc-reiten_-19 120204_Doc-reiten_-12 120204_Doc-reiten_-10 120204_Doc-reiten_-5 120204_Doc Gut_-24 120204_Doc-reiten_-26

Leider blieb das Problem, dass ich Zuhause keine wirkliche Reitmöglichkeit hatte. Wir hatten zwar einen Grasplatz, die Tage an denen man auf dem aber tatsächlich reiten konnte waren doch eher gezählt. Ins Gelände kamen wir, ehrlich gesagt, nur unter Einsatz unseres Lebens, weil wir aber auf Grund des Zeitaufwandes nicht täglich zur Halle fahren konnten, wagten wir uns mit Pelham bewaffnet doch raus, in der Hoffnung durch sehr regelmäßiges Ausreiten eine Art Trainingseffekt zu erreichen. Ab März begann ich dann mein Masterstudium in Oldenburg und war nur noch am Wochenende zuhause, was die Bewegung des Zausels noch schwieriger gestaltete. Ursprünglich wollte ich eine Reitbeteiligung suchen, die ihn dann Zuhause reiten sollte, ohne Halle war das aber natürlich nicht so einfach und jemanden zu finden, der das Pferd selbst zur Halle rüber fuhr natürlich quasi unmöglich. Wir haben uns mehrere Ställe auf der Suche nach irgendeiner möglichen Alternative angesehen, aber eine Unterbringung gänzllich ohne Heu und Stroh in einem Offenstall mit guten Trainingsmöglichkeiten ließ sich einfach nicht auftreiben.

110407_Rosi+Doc_-65 110407_Rosi+Doc_-77 110407_Rosi+Doc_-96 110407_Rosi+Doc_-116 110407_Rosi+Doc_-132 110407_Rosi+Doc_-136 120325_Unterricht_-31

Der Zausel war also in seinem Offenstall gut und gesundheitsfördernd untergebracht, aber das Reiten gestaltete sich als ziemlich aufwändig mit ständigem Verladen und zur Halle fahren. Ich hatte wirklich viele schlaflose Nächte und stundenlanges Kopfzerbrechen, wie man das Zauselchen am besten unterbringen könnte. Wir bekamen dann aber eine einmalige Chance: Ein Bekannter meiner Eltern hatte einen Stall übernommen und uns zugesichert, auf dieser Anlage einen Offenstall für das Zauselchen aufzustellen. Mit diesem Versprechen würden sich all unsere Sorgen und Probleme was die Haltung des Zausels betraf in Luft auflösen. Artgerechte, staubfreie Pferdehaltung mit allen Annehmlichkeiten, die so ein Pensionsstall zu bieten hatte. Das war fast zu schön um wahr zu sein. Eine große Halle, ein Viereck, Longierhalle, Spring- und Bewegungsplatz, fließend Wasser und Strom (!!!) – ich hätte mich auch mit weitaus weniger Luxus zufrieden gegeben. Allerdings ließ sich so ein Offenstall nicht aus dem Boden stampfen und ein bisschen Geduld mussten wir noch aufbringen. In Anbetracht der großartigen Aussicht fiel das aber dann nicht mehr allzu schwer, wenn gleich die Vorfreude auf den neuen Stall natürlich riesig war.

823fb1a3 42d13a0d  211066ac dca9acb299040f5d

Es wurde dann erstmal Frühjahr und wir fuhren weiterhin 2-3 mal die Woche zur Halle. Der Zausel hatte etwas mit dem Fellwechsel zu kämpfen und startete sehr schlank in die Weidesaison, aber er wurde im Training immer besser, beweglicher, kräftiger und elastischer.

120520_Raps+Weide_-26 120520_Raps+Weide_-59 120520_Raps+Weide_-70 120520_Raps+Weide_-99 120520_Raps+Weide_-110

Da der Sommer natürlich die angenehmste Zeit im Offenstall ist, verging die Zeit bis zur Fertigstellung des neuen Stall eigentlich doch recht schnell und vor allem angenehm. Wir versuchten uns weiterhin am Ausreiten, aber ehrlicherweise blieb das mit dem Zausel ein eher gefährliches Unterfangen. Wenn wir nicht zur Halle fuhren, hatte er darum auch eher frei oder ich bewegte ihn soweit es ging bei uns auf dem Platz. Ich stellte fest, dass er auch große Fortschritte machte, wenn man nicht täglich ritt und ihm die freien Tage auf der Weide keines Wegs schadeten. Mit dieser Erkenntnis konnten wir den Sommer noch mehr genießen und haben dann auch einfach gemeinsame Freizeit ohne Reiten genossen.

120520_Raps+Weide_-257 120520_Raps+Weide_-232 120520_Raps+Weide_-218 120520_Raps+Weide_-216 120520_Raps+Weide_-203 120520_Raps+Weide_-202 120520_Raps+Weide_-194 120520_Raps+Weide_-163 120520_Raps+Weide_-167 120520_Raps+Weide_-182 120520_Raps+Weide_-185 120520_Raps+Weide_-188 120520_Raps+Weide_-159

Während der Zausel den Sommer also recht entspannt verbrachte, wurde im neuen Stall fleißig gebaggert, gebaut und gearbeitet. Sein neues Domizil nahm langsam Gestalt an und der Umzug rückte in greifbare Nähe.

08634d259d367048 5dbf9345 265f1a48 69201c23  36244655

96b6c3f6

Als der Stall stand, sah das ganze schon recht fertig und eigentlich bereit zum Einzug aus. Es fehlten aber noch die Paddockplatten, der Zaun, eine Tränke und die Heuraufen. Die Paddockplatten haben wir mit Unterstützung des Hofbaggers an einem ziemlich heißen Tag Ende Juli verlegt. Auf einer Fläche von knapp 400 qm wurden die Matten auf den bereits glatt gezogenen Boden verlegt und mit Sand verfüllt. Das Verlegen an sich ging relativ leicht von der Hand, wenngleich die Größe der Fläche natürlich viel Zeit in Anspruch nahm. Wirklich anstrengend war das Verfüllen der Platten mit Sand. Einen Teil haben wir per Hand mit Schubkarren verteilt, dies ist aber wirklich sehr mühsam und anstrengend. Der Bagger, der den Sand mit seiner Schaufel über den Raddock schmiss und so verteilte, war eine große Arbeitserleichterung.

Am 02.08.2012 ist der Zausel dann, passend zu meinen Semesterferien, in den neuen Stall gezogen. Ursprünglich sollte er mit Rosi, der Stute einer Freundin, sein neues Quartier beziehen. Diese hatte aber Mitte Juli eine schlimme Kolik, musste operiert werden und war gerade aus der Klinik zurück gekommen. Natürlich war ihr für die nächsten 4 Monate strenge Boxenruhe verordnet worden und der Zausel hatte so keinen Partner, der mit ihm das neue Quartier beziehen könnte. Glücklicherweise erklärte sich eine andere Freundin bereit, ihren Wallach für die Dauer der Semesterferien bis Mitte September mit den den neuen Stall zu stellen, ehe er dann wieder zurück auf die Weide ging, wo er außerhalb ihrer Semesterferien untergebracht war.5ac46feb52dd3f76343d2be91209_Doc Stall_-2025000414

Der Zausel und ich lebten uns schnell ein und wir hatten einen wunderbaren Restsommer im neuen Stall. Die neuen Trainingsmöglichkeiten wurden natürlich ausgiebig genutzt, wobei wir vor allem auch das Ausreiten in sicherer Begleitung für uns entdeckten. Mit seinem sehr gelassenen Paddockpartner ging er nämlich sehr manierlich ins Gelände und solange er hinterher laufen konnte, drehte er auch nicht mehr ständig auf dem Absatz um.

Slider-29-3 120817_Teti_und_Jana_Stoppelfeld_Original-30 120817_Teti_und_Jana_Stoppelfeld_Original-14 120817_Teti_und_Jana_Stoppelfeld_Original-20 120817_Teti_und_Jana_Stoppelfeld_Original-26  120817_Teti_und_Jana_Stoppelfeld_Original-53 120817_Teti_und_Jana_Stoppelfeld_Original-23

Mitte September mit Ende der Semesterferien wurde sein Freund Choki umgestellt und der Zausel war wieder alleine in seinen Offenstall. Rosi musste immer noch in der Box stehen und ich hatte trotz Aushängen und Anzeigen noch keinen gefunden, der sein Pferd in einem Offenstall unterbringen wollte. Ich hatte mir das ganze ehrlich gesagt ziemlich einfach vorgestellt, immerhin hatte ich vorher fast zwei Jahre erfolglos nach genau so einem Stall gesucht. Die wenigen Anfragen die kamen, waren aber nicht bereit, den geforderten Preis zu zahlen, der sich in etwa auf gleichem Niveau wie der einer Box bewegte. Für mich ziemlich unverständlich, schließlich kam man ebenfalls in den Genuss des vollen Leistungsumfangs eines Pensionsstalls und hatte das Pferd auch noch artgerecht untergebracht. Übergangsweise zogen dann erstmal zwei muntere kleine Ponies bei Doc ein, ehe dann Ende Oktober Rosi endlich bei ihm einziehen konnte.

BFA9F399-7298-445F-9F73-7A1B84038705-10657-000004CF7104DF77

121005_dornrc3b6schen_im_offenstall-3 121005_dornrc3b6schen_im_offenstall-8

Im Oktober lief er zunächst sehr gut und in meinem Übermut über diese Tatsache hatte ich für Anfang November Turnier gemeldet. Aber mit dem Zausel und ehrgeizigen Zielen in naher und ferner Zukunft ist das so eine Sache: Er kann das nicht leiden. Wann immer wir uns irgendwelche sportlichen Ziele gesetzt haben, reichte der Zausel kurz vorher einen gelben Schein ein. So kam es dann auch im November, pünktlich zum Ende Oktober find er an zu schwächeln und ein neuer Schub kündigte sich an. Wir haben dann direkt mit Akupunktur versucht gegen zu steuern und es ging ihm auch kurzzeitig besser, so dass ich doch startete. Aber so richtig gut drauf war er irgendwie einfach nicht und die Prüfung verlief eher spannig. Ich merkte auch, dass mir dieser ganze Turnierzirkus einfach nicht wirklich etwas geben konnte. Ich fand es einfach nur aufwendig und nervig für 5 Minuten vor wildfremden Menschen reiten so einen Aufwand zu betreiben. Seitdem waren wir nicht wieder los und ich bin auch nicht wirklich traurig darüber.

Doc Bildschirmfoto2012-11-23um003151

DSC_0245 DSC_0201 DSC_0171

Im November haben wir ihn dann auch das erste mal seit drei Jahren wieder geschoren, weil er im Training so schwitzte, dass er Stunden zum Trocknen brauchte. Leider bekommt er geschoren eine schrecklich hässliche Kamelfarbe, so dass ich die folgenden Jahre das Scheren immer erfolgreich vermieden habe.

4E7F6F04-45F7-4739-8BF2-146C41668809-2053-0000020C19B9DB20121206_Schnee_-50

Das Jahr 2012 ist dann mit einem weitestgehend gesunden und stabilen Zauselchen recht entspannt und ohne nennenswerte Ereignisse ausgeklungen, hatte dafür ja aber während des Jahres reichlich aufregende Veränderungen für uns parat und hat dem Zausel ein Revival als Dressurpferd gebracht. Dass er sich so gut erholen würde, hätten wohl viele, die ihn in den vergangen zwei Jahren begleitet haben, nicht geglaubt. Ich habe die Hoffnung und den Glaube an mein kleines Eselchen aber eigentlich nie wirklich aufgegeben, auch wenn er es mir diesbezüglich mit seinen vielen Wehwehchen nicht immer leicht gemacht hat. Auch wenn er immer wieder Phasen hat, in denen es ihm aus unerfindlichen Gründen nicht so gut geht, hat er dennoch auch regelrechte Sternstunden, die einen für all die Mühe und all die Sorgen entschädigen und mir immer wieder die Gewissheit geben: Der Zausel ist einfach der Beste und mein Traumpferd.

 

Wie du das Herz einer Reiterin eroberst

Bildschirmfoto 2015-01-28 um 14.15.24

Wir haben viele positive Rückmeldungen zu unserem Artikel „Warum eine Reiterin als Freundin eine gute Wahl ist“ bekommen. Unter anderem haben die Seiten von St. Georg, Bucas und Leovet den Artikel bei Facebook geteilt, worüber wir uns natürlich sehr gefreut haben. Ganz besonders gefreut haben wir uns aber über den Kommentar von Torsten und haben uns für ihn und alle Gleichgesinnten mal Gedanken gemacht, wie man es als Mann am besten anstellt, eine Reiterin von sich zu überzeugen.

Da wir von den männlichen Lesern vermutlich nicht allzu viele haben, bitten wir alle unsere weiblichen Leser, diesen Artikel an die Herren der Schöpfung weiterzuleiten. Es handelt sich hier um sehr wichtige Lektüre für jeden Mann einer Reiterin und insbesondere für solche, die es noch werden wollen.

Möglicherweise hast du die ein oder andere Technik zur Eroberung einer Frau bereits erfolgreich angewendet und hälst dich für recht versiert auf diesem Gebiet. Lass dir gesagt sein: Reiterinnen ticken anders. Wenn du nachhaltigen Erfolg bei einer Reiterin haben möchtest, solltest du die folgenden Zeilen gründlich lesen und verinnerlichen.

1. Wer das Herz einer Reiterin erobern möchte, muss unbedingt Interesse an ihrer großen Leidenschaft zeigen. Dieser Punkt ist wirklich unumgänglich! Du wirst mit deinen Avancen keinesfalls erfolgreich sein, wenn du nicht Interesse an ihrem geliebten Vierbeiner zeigst oder zumindest überzeugend vortäuschst (solltest du dich für die Variante Vortäuschen entscheiden, halte die Fassade des pferdebegeisterten Frauenverstehers unbedingt auch noch gewisse Zeit nach der Werbungsphase aufrecht. Kommt sie zu schnell dahinter, könnte es sein, dass all deine Bemühungen umsonst waren.)

2. Hör ihr aufmerksam zu und versuche, dir so viele Sachen zu merken, wie nur irgendwie möglich. Du wirst schnell feststellen, dass die Reiterin in eine eigene Sprache wechselt, sobald sie von ihrem Pferd und dem Reiten spricht. Du wirst kaum etwas verstehen und dir vorkommen, als spräche sie eine Fremdsprache. Je mehr der eigenartigen Begriffe du dir merken kannst, desto mehr wirst du ihr imponieren können. Besonderen Eindruck kannst du schinden, wenn du dir von kleinen Schwestern, dem Wendymagazin oder dem guten alten Onkel Google ein bisschen Nachhilfe geben lässt. Hinterhandwendung, Oxer, Hufrolle, doppeltgebrochene Wassertrense – damit machst du echt Eindruck.

3. Merk‘ dir in jedem Fall, wie ihr (Lieblings-)Pferd heißt (inkl. der richtigen Aussprache – Pferde haben mitunter recht ausgefallene Namen), was für eine Rasse es ist, welche Abstammung es hat (ja, es ist wichtig wer Mutter und Vater und auch Groß- und Urgroßeltern eines Pferdes sind) und wie alt es ist. Am besten lernst du das auswendig, so dass du es in jeder Lebenslage und am besten vor Publikum (zum Beispiel ihren Reiterfreundinnen) wiedergeben kannst.

4. Verzichte darauf, in ihrer Anwesenheit Pferdefleisch zu verzehren. Sonst hast du sie wahrscheinlich zum letzten Mal gesehen. Vermeide auch jeglichen Zusammenhang zwischen ihrem Pferd und Salami, Wurst oder Lasagne. Das kommt nicht gut an, echt nicht. Auch wenn es witzig gemeint war. Es ist nicht witzig.

5. Wenn sie dich mit zu ihrem Pferd nimmt, bist du auf jeden Fall schon auf einem sehr gutem Weg. Ihren geliebten Vierbeiner kennenzulernen ist eine große Ehre und hat bei ihr größeren Stellenwert als das Kennenlernen der Eltern! Du solltest dich auf jeden Fall bei dem Vierbeiner einschleimen, denn du hast verdammt schlechte Karten bei ihr, wenn er dich nicht mag. Kaufe drei  Kilo Möhren (wenns geht Bio, wegen der Pestizide und so…) im Supermarkt, damit hast du sehr gute Chancen sein Freund zu werden.

6. Der erste gemeinsame Stallbesuch ist ein guter Zeitpunkt, um sie mit deinem neu erworbenen Wissen zu beeindrucken. Du kannst jetzt hier und da eine deiner neu gelernten Vokabeln fallen lassen. Besonders gut kommen solche, die dem Pferd deiner Angebeteten schmeicheln. Du kannst zum Beispiel anerkennend sagen: „Shadow hat wirklich ein sehr harmonisches Exterieur“, dabei streichst du ihm einmal vom Hals über den Rücken bis auf den Hintern, klopfst dort einmal kurz drauf und sagst dann mit einem Blick auf die Beine „und schön trockene Beine.“ (das kann man auch bei Regen sagen). Dann greifst du zur Wurzelbürste (die Möhren brauchst du damit nicht abputzen, die kann das Pferd auch so verspeisen), reinigst die Beine und fragst nach Gamaschen (keine Angst, es steht keine Tiefschneewanderung an) und Glocken (nein, nein, ihr geht auch nicht in die Kirche!).

7. Merke dir, wie das Pferd deiner Auserwählten aussieht. Auf den ersten und vielleicht auch zweiten oder dritten Blick sehen die Gäule alle gleich aus, schon klar. Aber es ist wirklich wichtig, dass du IHR Pferd wieder erkennst und nicht dem Falschen freudig die mitgebrachten Möhren zwischen die Zähne schiebst.

8. Eigne dir einige nützliche Fähigkeiten im Stall an. Ausmisten, Mash kochen, Sachen reparieren, Stallgasse fegen. Auch damit kannst du schwer beeindrucken und musst dennoch dem großen Tier nicht allzu nahe kommen.

9. Frag niemals, wirklich niemals, wie lange sie noch braucht. Sie braucht so lange, wie sie braucht. Versuche nicht sie zu hetzen, es wird dir rein gar nichts nützen und ihr gehörig die Laune verhageln und das möchtest du doch wohl nicht!?

10. Trage keine Reithose. Auch nicht, wenn du dich mal aufs Pferd setzen solltest. Das geht auch in Jeans. Reithosen können nur Typen tragen, die wirklich reiten können. Bei allen anderen sieht das einfach immer irgendwie lächerlich aus, so wie im Film „Helden in Strumpfhosen“.

 

Lieber Torsten, liebe Männer, ihr seht, es ist gar nicht so schwer, das Herz einer Reiterin zu erobern. Mit unseren 10 Ratschlägen seid ihr auf jeden Fall gut gewappnet und kommt sicherlich bald in den Genuss, eine Reiterin als Freundin zu haben. Und eine bessere kann es, das haben wir ja bereits erläutert, nicht geben.

 

 

Springlehrgang 16.01. – 18.01.2015

Weil man ja nie auslernt, hatten Pepper und ich vor zwei Wochen einen Springlehrgang bei einem Reiter, den ich vom Unterricht her noch nicht kannte, aber bei uns sehr erfolgreich in Springprüfungen bis S*** reitet. Der Lehrgang ging über 3 Tage und ich möchte euch ebenfalls daran teilhaben lassen, da der Lehrgang sehr lehrreich war und ich wieder feststellen musste, was für ein großartiges Pferd ich doch habe.

Freitag

Zu einem neuen Reitlehrer fahre ich generell immer erst mit gemischten Gefühlen. Klappt alles? Wird er zufrieden sein? Ist Pepper gut drauf?
Für den ersten guten Eindruck habe ich Pepper vorher schön geputzt, Beine gewaschen und mit Turnierklamotten ausgestattet (also Trense und Vorderzeug).
Ich war dann auch die erste auf dem Hof, der Reitlehrer S. kam direkt zum Anhänger und war sehr freundlich (kenne ihn aber eh schon von Turnieren). Pepper hatte er da aber noch nicht erkannt. Er meinte dann aber direkt, wir sollen ruhig schon fertig machen, damit wir lange genug Schritt gehen können.
Ich bin dann wie immer geritten – also Gerte, keine Sporen.
In der Halle (riiiiesengroß!) war eine In-Out-Reihe aufgebaut, eine gebogene Galoppübung (Cavaletti – Kreuz – Cavaletti) und eine bzw. zwei Distanzen (4/5 Galoppsprünge auf 3/4 Galoppsprünge).
Wir haben uns dann, als die anderen da waren, vorgestellt („Ach, das ist doch Pepper Ann, oder? Gehört die schon immer dir?“) und die Probleme, die wir haben, angesprochen (dass ich teilweise zu lange mit der Hand dran bleibe und sie mir im Verlaufe des Parcours zu lang wird).
Danach haben wir selbstständig gelöst, da hat er dann direkt gesagt, ich soll sie viel tiefer einstellen, dass ihr Rücken richtig hochkommen kann und sie anfangs nicht so verkrampft galoppiert. Das v/a im Trab war tendenziell schon sehr gut.
Als nächstes waren die Fliegenden Wechsel dran: Ich sollte darauf achten, dass sie nicht hektisch umspringt, sondern sie erst umstellen, ruhig 2-3 Galoppsprünge im „Außengalopp“ reiten, dabei das Genick tief lassen und dann durch den Körper umspringen lassen.
Im Anschluss daran haben wir auf der Zirkellinie die Galoppübung gemacht. Erst linke Hand, dann rechte Hand. Hier kristallisierte sich bereits das erste Problem heraus: Ich kann Pepper einfach nicht schnell genug auf die Hinterhand setzen, ohne dass sie mir entweder ausfällt oder sie sich selbstständig nach vorne macht. Auf der rechten Hand war es am Ende etwas besser. Im Großen und Ganzen war er zufrieden, Pepper lief auch nachher mit „langer“ Nase darüber.
Die zweite Übung war dann die Reihe (5 In-Outs mit Stangen davor/dahinter). Erst von der linken Hand. Beim ersten Mal hat Pepper sich wieder etwas frei gemacht und sprang am Ende über Kreuz und Stange…
Sie kennt zwar In-Outs, aber in so einer langen Abfolge nicht – das habe ich dem Trainer auch erzählt. (Das stört mich ja so ein bisschen bei meiner RL – die fehlenden Gymnastiksachen).
Er hat daraufhin die Kreuze etwas höher gemacht und permanent darauf geachtet, dass ich meine Wade dran lasse und gesetzter in die Reihe reite (im Galopp!). Dabei hat Pepper sich richtig Mühe gegeben und es war wirklich einfach nur noch lächeln und reiten.
Danach gings weiter von der linken Hand – er hat die Kreuze in die höchste Position gebracht und Pepper sprang kugelrund dadurch und man merkte richtig, wie sie elektrischer in der Hinterhand wurde. Dieses Ergebnis unserer Arbeit hat er dann wirklich ausgiebig gelobt und gesagt, dass die „alten Hasen“ genau diese Arbeit unbedingt brauchen. Ich werde das also einmal die Woche selber in die Arbeit mit reinbringen – und wenn ich nur Stangen hinlege!
Danach haben wir von der rechten Hand beginnend die Distanz geübt und damit das „Zurück reiten“. Erst 4 Galoppsprünge, dann nur noch 5.
Da kam dann wieder das Problem auf: Ich bekomme sie in der Anreitphase einfach nicht konsequent zurück, daher fiel sie mir auch leider 2 Mal vorm Einsprung aus. Generell klappte die Übung aber sehr gut, Pepper kam schön zurück und war richtig aufmerksam. Von meinem angesprochenen Problem (sie wird mir zu lang) keine Spur.
Das gleiche von der anderen Hand ging auch gut.
Dann sollten wir in der ersten Distanz einen Galoppsprung weniger reiten, in der zweiten aber trotzdem einen Galoppsprung mehr beibehalten.  Das ging ebenfalls richtig gut.
Zum Abschluss hat er für Pepper etwas höher gemacht (1,10 m) und dann sollte ich einmal beide Distanzen reiten, einmal mit jeweils einem Galoppsprung weniger, dann wieder versammelnd mit einem Galoppsprung mehr. Das hat geklappt, als hätte Pepper noch nie etwas anderes gemacht. Meine Beste!

Der erste Tag war also schonmal…. richtig richtig gut.
Ausrüstungsänderung für den nächsten Tag: Gerte weg, kleine Sporen an. Und weil Pepper so empfindlich ist (hat ja schon Fell weg vom Vorderzeug einmal (!) die Woche), hat er mir einen Sporenschutzgurt gegeben.

Samstag

Samstag war ich wieder früh genug da um lange Schritt zu reiten. Vorher habe ich ihr diesen Gurt angelegt und selbstständig abgeritten, aber direkt auf die Verbesserungen von gestern geachtet. Der erste Wechsel (den S. dann auch gesehen hat…) war wieder etwas hektisch und ich durfte direkt mit ihm welche erarbeiten, die aber sofort wieder besser waren, weil die Vorbereitung besser war.
Angefangen haben wir dann wieder mit einer Galoppübung, bei der Pepper ganz anders sprang wie am Tag vorher noch: Runder, aufmerksamer, elektrischer. Gerade mit den Sporen konnte ich sie sofort besser auf die Hinterhand setzen, ohne viel zu pieksen und zu drücken.
Danach hatten wir verschiedene Distanzen, wieder zum vor und zurück reiten und ich sollte darauf achten, in den Wendungen den Galopp zu halten, um dann vorne zum Gegenhalten zu kommen, damit Pepper mit einer besseren Grundspannung zum Sprung kommt. Außerdem sollte ich mehr darauf achten, den Absatz tief zu halten, damit ich mehr Druck an der Wade habe und das Pferd mehr spüre. Außerdem haben wir daran gearbeitet, dass ich über dem Sprung gerade bleibe und nicht seitlich am Pferd vorbei knicke, in den Distanzen früher zum sitzen komme, damit ich Pepper mehr auf die Hinterhand bringen kann – gerade wenn es kurze Distanzen sind – und Grundgalopp in den Wendungen halte.
Am Ende hat er dann auch für mich wieder höher gebaut, davon gibt es auch ein Video, aber meine Bekannte weiß noch nicht, wie sie die auf den PC ziehen kann.
S. war auf jeden Fall wieder sehr, sehr zufrieden und meinte, man sehe Pepper die Arbeit von Freitag sofort an, sie springt höher bzw. runder und schneller im Ablauf und auch vom Gefühl her sprang sie einfach so viel besser. Wahnsinn.

Sonntag

Heute war Abschlussspringen angesagt, unter Turnierbedingungen quasi.
Ich sollte als letztes starten, da er erst mit den Kleinen anfangen wollte und dann immer höher bauen wollte!
Abreiten sollten wir in einer kleinen Reithalle, da bin ich eeeeewig Schritt geritten, weil sich das alles so gezogen hat. Es hatten mega viele Probleme beim Reiten vom Parcours.
Beim Abspringen hatte ich nicht das allerbeste Gefühl. Ich habe zwar die Distanzen getroffen und sie sprang auch nett, aber ich war irgendwie… nervös…
Ich bin dann rübergeritten, da war der Parcours (bis auf Sprung 1) so auf 1,20 – 1,25 m gebaut.
Erst eine gebogene Distanz (Steil – Oxer) mit 6 Galoppsprüngen, dann eine gebogene Distanz (Steil – Steil mit Wasser) mit ebenfalls 6 Galoppsprüngen, danach aus der Ecke eine gebogene Distanz (Steil – Steil) mit 5 Galoppsprüngen und weiter gebogen (auf Oxer) mit 4 Galoppsprüngen. Danach über die Diagonale Kombination (Steil – Steil) 1 Galoppsprung und zum Ende hin eine Distanz zurück auf 7.
Zu Anfang sollte ich Sprung 1 einmal einzeln reiten, der war dann direkt Murks, kein Grundgalopp, viel zu dicht, keine Spannung. Das hat S. dann direkt korrigiert, ich soll durch die Wendung weiterreiten und so weiter und so fort.
An sich war der erste Parcours auch okay. Am Wasser hat sie geguckt, da war dann die Distanz Müll,  dafür konnte ich aber nichts (im zweiten Umlauf war sie auch doof ^^) und ich hatte einen Fehler am Oxer mit den 4 Galoppsprüngen, weil ich sie nicht schnell genug zurück bekommen habee.
Generell war er aber zufrieden.
Danach haben die Sprünge erhöht (2-3 Löcher) und ich sollte den gleichen Kurs noch mal reiten. Am Oxer war es dann noch immer nicht ganz perfekt, aber auch nicht unmöglich. Wasser wieder bisschen murks, aber er meinte, sei nicht so schlimm. Distanz mit 7 Galoppsprüngen habe ich nicht hinbekommen, sollte ich dann direkt noch mal.

Er war danach sehr sehr zufrieden (und ich erleichtert!!) und meinte, ich sei die, die den größten Schritt nach vorne in den 3 Tagen gemacht habe und Pepper sei ein super vermögendes und vorsichtiges Pferd, und sie sei viel elektrischer am Sprung geworden und gerade ihr Schwachpunkt, die Hinterhand sei besser geworden. Ich soll das mit den Sporen auf jeden Fall beibehalten, damit ich sie schließen kann und sie im Parcours nicht lang wird. Dazu dann immer tief einstellen im Galopp für den Rücken.
Ich soll auch gerne zwischendurch mal vorbei kommen und er sagte es hätte sehr viel Spaß gehabt, mit uns zu arbeiten.

So, noch das Video von der zweiten Runde am Abschlusspringen, mit Fehlern und nicht perfekt, aber sehr, sehr glücklich und ich könnte noch stundenlang weiter schwärmen!!!

IMG_4121 IMG_4120

Wie aus Flegeln Freunde werden

Wer schonmal ein junges Pferd über einen längeren Zeitraum geritten hat, weiß worum es geht, wenn über die „Flegelphase“ gesprochen wird. Das bisher eigentlich ganz artige Pferd kommt auf dumme Gedanken, testet seine Grenzen in all seine Richtungen aus und treibt seinen Reiter dabei derweil in den Wahnsinn.

Mein Pferd und ich feiern dieses Jahr unser 10jähriges. Wir können dabei auf 10 Jahre zurückblicken, die anfangs eher einem Leidensweg durch sämtliche Flegelphasen glichen. Als ich ihn 4jährig ausprobierte, stempelten wir ihn alle als sehr nervenstark ab. Schließlich marschierte er artig auf dem Viereck außen rum während nebenan Kinder spielten, Plane flatterte und ein Pferd auf einem Longierplatz, der zwar in Hör- aber nicht in Sichtweite war, longiert wurde. Für ein so junges Pferd eine beachtliche Leistung und daher wohl auch geeignet für ein 13jähriges durchaus reiterfahrenes Mädchen.

Im ersten Winter fingen dann die Sperenzchen an: Gruselige Monsterecken an jeder Hallentür. Egal in welcher Halle wir waren. Nur rechte Hand. Da aber immer. Weil er aber ansonsten recht vernünftig ging, verzichteten wir darauf, uns mit ihm anzulegen und mieden die Hallentüren vorerst. Ziel war, zunächst eine gewisse Rittigkeit und Durchlässigkeit zu erarbeiten. So wollten wir vermeiden, dass wir an mehreren Baustellen gleichzeitig arbeiten mussten: der Glotzecken an den Hallentüren und der noch nicht immer gefestigen Durchlässigkeit. So kamen wir erst einmal ganz gut voran.

IMG_1617

Auch draußen gibt es genügend Gelegenheiten zum „Glotzen“.

Bis zum Sommer kamen wir recht gut voran, draußen konnte man mit ihm wesentlich besser arbeiten, in der Halle spukten immer noch Gespenster. Die ersten Turniere waren wenig zufriedenstellend, meistens kam ich bis X, manchmal bis kurz vor die Richter, oft nicht einmal auf den Hufschlag, manchmal wurden wir abgeklingelt oder verließen unfreiwillig das Viereck.

Die darauffolgenden 2-3 Winter waren mehr und mehr geprägt von Widersetzlichkeiten, bei denen ich nicht selten unfreiwillig den Sattel verlassen musste. Das passierte in der Regel, wenn er glotzte, ich mich durchsetzen wollte, er das nicht respektierte, umdrehte und wahlweise bockte oder losrannte oder beides. Ca. 7jährig wurde es dann besser.

Die Sommer waren immer wesentlich angenehmer, die Turniere wurden zufriedenstellender, auch wenn immer noch sehr dolle Eskapaden dabei waren. So wurden wir in unserer ersten L-Saison mehrmals abgeklingelt, weil er Kehrtvolten im Galopp überflüssig fand und dann einfach gebockt hat. Außerdem glotzte er sich in manchen Vierecken derart die Augen aus, dass ich verzichtete und an manchen Tagen hatte er schreckliche Angst vor den Pferden, die ihm in den gegeneinander gerittenen Prüfungen entgegen kamen.

Was uns letztlich dabei geholfen hat, aus diesem Flegel einen Freund zu machen, war glaube ich, dass wir immer einfach weiter gemacht haben und ihn nicht nur mit Dressur „gequält“ haben. Er hat sich nie widersetzt, wenn es um irgendwelche Dinge ging, die er lernen sollte oder die verbessert werden sollten. Meistens hatte er einfach gerade grundsätzlich keinen Bock. In den Turnierprüfungen war die Unwilligkeit meistens Aufregung gepaart mit Anstrengung, der er sich entziehen wollte. Damit er sich auf den Turnieren weniger aufregen musste, wurde im Sommer immer soviel es ging ausgeritten. So wurde er mit verschiedenen Sachen konfrontiert, die uns teilweise auch vor große Aufgaben stellten. Steine am Wegesrand? Da vorbei? NIEMALS! Radfahrer und Fußgänger oder sogar Autos, an denen man artig vorbei gehen sollte, waren weitere Aufgaben. Das Gelände ist nicht wie eine Halle jeden Tag gleich – auch ein Viereck kann nicht so viel Abwechslung bieten wie ein Ausritt.

Abwechslung bieten also – aber gepaart mit der nötigen Portion Konsequenz in der Arbeit. Frei nach dem Motto: lieber einmal weniger, dafür aber ordentlich. Das soll nicht heißen, dass das Pferd in diesen Einheiten gar gekocht werden soll, es muss aber lernen, dass auch gearbeitet wird, wenn gearbeitet werden soll. Mein Pferd hat gelernt, dass es auch mal Ärger gibt, wenn er Ärger macht.

6b5f55d1

Schlagen nach dem Schenkel oder der Gerte

Solche Eskapaden werden entsprechend gemaßregelt, aber niemals ungerecht dem Pferd gegenüber. Ich persönlich nutze sehr, sehr ungern das Wort „Strafe“ im Zusammenhang mit Unfug, den das Pferd angestellt hat. Schlägt das Pferd wie auf dem Foto nach dem Schenkel oder nach der Gerte ist in einem solchen Moment Attacke nach vorn angesagt: Kräftiger Schenkeldruck statt harte Parade mit der Hand. Reagiert das Pferd nach vorn – loben. Was ich weder bei Glotzen noch bei Ausschlagen oder Durchstarten sinnvoll finde ist ein abruptes Anhalten, welches man leider aber oft beobachten kann. Um solche Dummheiten zu vermeiden, sollte man durch abwechslungsreiche Arbeit versuchen die Konzentration des Pferdes auf sich zu lenken.

Für die Turnierprüfungen hat uns das aus den Ausritten gewonnene und über die Jahre gewachsene Vertrauen am meisten geholfen. Mein Pferd hat verstanden, dass er mir folgen kann und dass ihm da nichts passiert. Das hat er unter anderem bei unseren Ausritten gelernt und konnte dann mehr und mehr auf Turniersituationen übertragen werden. Nach und nach konnte ich auf den Turnieren auch mit netter Konsequenz sagen „Komm, los geht’s, wir machen das jetzt.“

Wer sich nicht traut auszureiten, sollte sich Gedanken um anderweitige Abwechslung für das Pferd machen. Manche Reiter sehen Spaziergängen an der Hand entspannter entgegen als Ausritten. Das sollte man aber nur machen, sofern das Pferd am Boden wirklich gehorsam ist und ausgeschlossen ist, dass das Pferd sich erschreckt und dann auf und davon macht. Ich persönlich bin ausgeritten und dann lieber zwischendurch abgestiegen, weil das Vertrauen von meinem Pferd in mich am Boden größer war. Ich habe mich aber im Sattel immer wesentlich sicherer gefühlt als am Boden – wenn er losgedüst ist, saß ich dann wenigstens drauf und musste nicht hinterher laufen. Man sollte sich bewusst sein, dass ein Spaziergang zwar geistige Abwechslung ist, meine Erfahrung hat aber gezeigt, dass kaum ein Pferd dadurch voll ausgelastet ist. Zusätzlich kann man dem Pferd mit z.B. mit Longieren oder Bodenarbeit weitere Abwechslung bieten.

Konsequenz – wie bereits angesprochen das zweite Schlüsselwort, um aus dem Flegel einen Freund zu machen. Man muss zwar auch hier und da mal einen Kompromiss eingehen, z.B. um wie oben beschrieben nicht an zwei Baustellen gleichzeitig arbeiten zu müssen. Wird das Pferd aber unnötig frech, indem es beispielsweise unkontrolliert losschießt, weil es meint, es habe sich gerade fürchterlich erschrocken, darf es auch spüren, dass dies nicht richtig war. Dabei ist das oberste Gebot aber natürlich: Niemals grob werden! Konsequenz ja, Gewalt nein.

Slider-172

Konzentration. Konzentration ist bei den jungen, manchmal widerspenstigen Biestern meistens nicht so wahnsinnig hoch im Kurs. Deswegen ist es umso wichtiger, darauf zu achten, dass man als Reiter versucht, das Pferd dazu zu bringen, dass es sich auf den Reiter konzentriert. Je mehr sich das Pferd auf den Reiter konzentriert, desto weniger lässt es sich von der Umwelt oder sonstigen Dingen wie hustenden Flöhen, Staubkörnern oder Strohhalmen ablenken. Konzentration halten ist manchmal leichter gesagt als getan, denn man muss als Reiter vorausschauend denken, sich überlegen, mit was man das Pferd beschäftigt, wenn es beginnt unkonzentriert zu werden. Und ganz wichtig ist auch hier: Fordern, aber nicht überfordern. Junge Pferde sind vergleichbar mit Kindern – die Konzentration ist in der Regel irgendwann vorbei. Es ist wichtig, den richtigen Punkt zum Aufhören zu finden. Bis dahin sollte darauf geachtet werden, dass das Pferd permanent beschäftigt ist. Damit ist Arbeit für den Kopf gemeint. Viele Pferde können ewig traben und galoppieren und trotzdem ist ihnen dabei eigentlich langweilig. Gebogene Linien, viele Handwechsel, je nach Ausbildungsstand Seitengänge und schnelle Übergänge sind gut geeignet, um die Konzentration zu halten.

Neben all diesen schlauen Ratschlägen, wie man das Leben eines Jungspundes so abwechslungsreich gestalten kann, dass er im besten Fall unterm Sattel artig ist, darf man nicht vergessen, dass viele Dinge auch haltungsbedingt entstehen. Ein junges Pferd braucht viel Auslauf, im besten Fall eine Herde, in die es gut integriert ist, in der auch mal getobt wird, so dass das Pferd auch in seiner „Freizeit“ schon z.T. körperlich ausgelastet ist. Alle meine jungen Pferde waren in größeren Gruppen draußen, haben viel getobt und gespielt und waren dadurch im Umgang schonmal ausgeglichen – dass das Reiten auf einem anderen Blatt steht, ist dennoch klar. Aber mit einem Pferd, welches immerhin viel Auslauf und Kumpels hat, lässt es sich meiner Erfahrung nach ein bisschen besser arbeiten.

ffb92227

Abschließend bleibt noch zu sagen: Alle netten Worte, guten Ratschläge und schlauen Anweisungen helfen auf den ersten Blick wenig, wenn man sich gerade mit einem Flegel herumschlagen muss. Mein Pferd ist wohl ein besonders ausgeprägtes Exemplar gewesen, das einige Nerven, Tränen und auch ein paar blaue Flecken gekostet hat. Aber ich kann nach diesem mittlerweile 10 Jahren sagen, dass inzwischen die Jahre überwiegen, in denen er das sicherste und tollste Pferd ist, das ich mir vorstellen kann. Ich kann mich nahezu überall auf ihn verlassen: im Gelände, im Parcours, im Dressurviereck…. Viele Erfolge, ob nun sportlich oder einfach bezogen auf sein Verhalten, sind mir besonders viel wert, weil ich weiß, wie viel harte Arbeit, Schweiß und Tränen dadrin stecken. Aber wenn er heute nicht einmal bei einem Trecker zur Seite springt, der während eines Ausritts ein Feld düngt und ihn auch die während der Dressurprüfung aufgespannten Regenschirme kalt lassen, weiß ich, dass sich jede Minute, die ich investiert habe, gelohnt hat.

10156016_10202853363049418_7332966981889176169_n

Wie ich zu meinem Traumpony kam

Einige von euch haben sicher in Jeanys Tagebuch schon ein bisschen von unserem Kennenlernen gelesen. In diesem Beitrag möchte ich aber gerne nochmal etwas mehr in die Tiefe gehen und euch von meinen Erfahrungen mit dem Ponykauf berichten.

Als ich mich entschlossen hatte, wieder auf ein Pony umzusteigen, durchforstete ich natürlich das Internet und fand unglaublich viele, tolle Ponys. Ich habe mit einigen Besitzern telefoniert, bei den meisten Kandidaten war da schon klar – brauche ich nicht angucken. Viele Gewährsmängel „läuft damit schon Jaaahre lahmfrei“, „koppt“, „fährt schlecht Hänger“, „ist nicht sicher im Gelände“ bewegten mich dazu, mich zu bedanken und aufzulegen. Bei anderen wiederum vereinbarte ich Termine zum Probereiten aber nicht ein einziger ist davon zustande gekommen. Das Pony war plötzlich erkrankt, es ist kurzfristig doch in andere Hände verkauft worden oder das Kind hat sich überlegt, dass das Pony doch noch bleiben soll. Was also tun?

Ich war nach sämtlichen Telefonaten schon wirklich kurz vor dem Aufgeben, als ich auf eine Anzeige vom Ponyforum gestoßen bin. Die Verkaufstage sollten in Adelheidsdorf stattfinden. Die Entfernung passte. Ich war zunächst skeptisch, hatte ich doch bereits ein Pferd über eine Auktion gekauft und war damit gründlich auf die Nase gefallen. Ich erkundigte mich also wirklich ausgiebig und stieß auf durchweg positive Erfahrungsberichte. Keine verheizten Ponys, keine zusammen geknallten Strampler, faires Management, guter Tüv und professionelle Beratung. Das klang alles super, sodass ich gespannt auf die bevorstehende Kollektion wartete.

Als diese endlich veröffentlicht wurde, machte ich mir zu allen Ponys Notizen und recherchierte im Internet über Erfolge, suchte nach Videos bei Youtube, Rimondo und Co. und wurde mir immer sicherer, dass ich ein Pony über das Ponyforum kaufen wollte.

Ich vereinbarte über Facebook ein Telefonat mit einer sehr kompetenten Beraterin (schöne Grüße an dieser Stelle 😉 ) und führte wenige Stunden später schon ein sehr langes, informatives Gespräch. Ich durfte alle Fragen bezüglich des Ablaufs stellen und natürlich bekam ich auch alle Infos zu den Ponys, die mich näher interessierten. Das Schöne am Ponyforum ist, dass man sich in der Ponyszene untereinander kennt und ich so als potentieller Käufer Informationen aus erster Hand bekomme. Das ist anders als bei den großen Auktionsverkäufen. Ich berichtete wonach ich suchte und in welchem Preisrahmen ich mich bewegen möchte und bekam so eine gute Beratung, welche Ponys zu mir passen könnten. Eigentlich waren wir uns am Telefon schon ohne Proberitt einig, welches Pony ziemlich gut zu mir passte, aber es folgte erst noch eine laaaange Wartezeit bis zu den Verkaufstagen.

Ich bekam währendessen von all meinen Favouriten die Untersuchungsergebnisse ganz unkompliziert schriftlich und per eMail zugesandt, sodass ich sie mit der Tierärztin meines Vertrauens durchsprechen konnte, meldete mich online für die Ponys zum Proberitt an und zählte von da an nur noch die Tage bis es endlich losgehen würde.

Als es endlich soweit war, haben wir uns erstmal auf dem ausgesprochen schönen Gelände in Adelheidsdorf umgesehen und uns die ersten Ponys in den Boxen angesehen. Dort hatte ich schon die Möglichkeit mit dem einen oder anderen Besitzer oder Reiter zu sprechen und in entspannter Atmosphäre weitere Details und Eigenarten über die Ponys zu erfahren. Das war wirklich sehr angenehm! Meine Begleiter tranken noch genüsslich einen Kaffee und aßen dazu eine Kleinigkeit, während ich vor Aufregung fast platzte. Ich meldete mich schonmal beim Probereiten als anwesend und suchte mir einen Platz für die Präsentation der Verkaufsponys. Von dort aus konnte ich noch etwas auf den Abreiteplatz luschern und war wirklich überrascht mit wie viel Coolness und  Gelassenheit die teilweise noch sehr jungen Ponys da über den Abreiteplatz stolzierten. Das bestätigte mir nochmal die wirklich sehr gut ausgewählte Kollektion.

Foto(36)

Die Präsentation war sehr angenehm gestaltet, die Ponys zeigten, was sie konnten, waren allesamt sehr reell ausgebildet und wirklich schön vorgestellt worden. Im Vergleich zu anderen Verkaufsplattformen von Pferden, gibt es beim Ponyforum wirklich kein Verheizen vorher. Die Ponys kommen meistens erst am selben Tag in den Verkaufsstall und haben so nicht noch wochenlang vorher Stress.

Vor dem Probereiten hatte ich etwas Sorge, es waren einige Leute da und ich hatte Angst, es könnte vermutlich organisatorische Probleme geben, aber diese Sorge war unbegründet. Das gesamte Team des Ponyforums war hoch professionell und man hat als Kunde kein Fünkchen Stress zu spüren bekommen. Die Ritte verteilten sich auf dem großzügigen Gelände auf zwei Hallen und den großen Reitplatz, sodass man wirklich in Ruhe ausprobieren konnte. Mir standen bei allen Ponys die Besitzer oder Reiter an der Seite und haben mir auf meinen Wunsch hin einige Tips gegeben. Ausprobiert habe ich am Ende 3 Ponys, in der Vorauswahl hatte ich noch 3 weitere, mir war es aber ehrlich gesagt viiiiel zu heiß und deshalb beschränkte ich mich auf die 3, die mir am meisten zusagten. Alles Stuten. 2 Vierjährige und eine ältere Stute, die vom Ausbildungsstand deutlich weiter war, mir allerdings vom Reitgefühl nicht so zusagte. Bei den beiden jungen Hüpfern allerdings, fühlte ich mich auf Anhieb sehr wohl und mir fiel die Entscheidung zwischen beiden wirklich schwer. Die Schimmeline war schon etwas weiter als mein Blondinchen, allerdings schlich die sich ja eigentlich schon vor Beginn der Verkaufstage ganz tief in mein Herzchen. Und als sie dann beim Proberitt einen beherzten Sprung zur Seite hinlegte, als sie sich im Spiegel entdeckt hat, war mir klar, die ist es wirklich! Ein bisschen lebendig durfte ein so junges Pony für meinen Geschmack gern sein und noch bestechender war die Tatsache, dass sie nach dem kleinen Hupfer ihre Runden wieder total artig drehte.

Foto(40)

Als ich alle Kandidaten ausprobiert hatte und mit den Verkaufsbetreuern ins Gespräch gegangen bin, habe ich mich dann für meine Nummer 1 entschieden und musste natürlich bis zum Ende warten. Denn um fair zu bleiben, darf jeder der zum Probereiten angemeldet ist, auch bis zum Ende hin ausprobieren. Die Verkaufsleiter vermittelten zwischen den Interessenten, berieten auch hier sehr professionell mit ausschlaggebenden Argumenten und versuchten alles um die potentiellen Käufer zufrieden zu stellen und eine mögliche Auktion zu umgehen. Wirklich super toll! Als ich den Handschlag bekam und mir mein Pony zugesichert wurde, musste ich natürlich erstmal in die Box stürmen und kräftig knuddeln. Anschließend ging es dann ins Verkaufsbüro. Dort wurde mir von allen Seiten gratuliert und es wurde mit Sekt angestoßen, die Stimmung war ausgelassen und Verkäufer, Verkaufsleiter und der Rest des Teams waren einfach super! Das Finanzielle wurde geregelt, die Papiere übergeben und eine personalisierte Sektflasche (die bis heute noch in der Vitrine steht) gab es als Aufmerksamkeit dazu.

Foto(38)

Ich würde, wenn ich denn könnte, immer wieder über das Ponyforum kaufen. Kompetenz, Ponyfachwissen und ein großer Haufen sehr netter Menschen, machen es da so richtig heimelig und man fühlt sich sehr gut aufgehoben. Die Qualität der Ponys lasse ich hier mal außer acht, es ist wirklich für jeden etwas dabei! Wenn ihr mehr über das Ponyforum erfahren wollt, dann schaut auf ihrer Website unter www.ponyforum-online.de vorbei.

Foto(39)