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Kritik in den sozialen Medien

Heute geht es um ein Thema, was mir schon etwas länger auf dem Herzen liegt, aber vielleicht nicht in der Art und Weise, wie man zunächst vermuten würde. Zu dem Titelfoto dieses Beitrags könnte man vieles sagen. Zum Beispiel, dass meine Oberschenkel zu weit vorne liegen, mein Oberkörper nicht gestreckt genug ist, ich nach unten gucke und Emmis Maul offen ist. All das wäre wahr und ist natürlich trotzdem nicht angenehm zu lesen.

Viele Instagrammer und damit meine ich gar nicht unbedingt den Pferdebereich, äußern sich regelmäßig über das Thema Kritik und beschweren sich über die „bösen Hater“. Konstruktive Kritik sei ja gerne gesehen, so wird dann geschrieben. Aber böse Kommentare, die einfach nur ihrem Unmut Luft machen, die werden verurteilt. Für derartige Statements zum Thema „Hater“ gibt es dann Beifall der zahlreichen treuen Follower, die dem Instastar versichern, dass das wirklich total gemein wäre und er sich überhaupt keine Gedanken darüber machen solle, er sei schließlich ein wahres Vorbild für die Menschheit. Den Kommentatoren werden Neid und Missgunst vorgeworfen, gerne heißt es auch, sie hätten einfach keine Hobbys und zu viel Zeit. Manchmal werden die kritischen Kommentare dann auch direkt gelöscht.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir das ganze Thema total auf die Nerven geht. Ich kann verstehen, dass es belastend sein kann, wenn man öffentlich präsent ist und auch öffentlich krisitiert wird, für das was man tut. Manchmal frage ich mich allerdings, ob sich der gemeine Instagrammer von heute eigentlich noch selbst hinterfragt. Wenn mir 20 Leute schreiben, dass Aktion xyz echt scheiße war, dann sollte ich vielleicht reflektieren, ob nicht doch ein Funken Wahrheit daran ist? Oder ob ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt habe? Und wenn ich mich selbst das kritisch frage und zu dem Schluss komme, dass dem nicht so ist, wieso dann noch großen Wirbel um die kritischen Kommentare machen? Wieso freut man sich nicht über all die netten und lieben Follower, die einen stets unterstützen und jeden Beitrag positiv kommentieren? Manchmal kommt es mir so vor als würde ein negativer Kommentar viel mehr Aufmerksamkeit bekommen als zehn positive, aber damit macht man das Thema doch selbst nur größer?

Wir bekommen hier zum Glück relativ selten wirklich böse Kommentare. Das mag zum Einen daran liegen, dass wir unser Privatleben nur begrenzt öffentlich darstellen. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir unsere Entscheidungen meist versuchen, nachvollziehbar zu begründen. Auf jeden Fall kommt uns sicher zugute, dass unsere Social Media Accounts nicht so extrem viele Follower haben, sodass auch der Anteil der von Grund aus negativ eingestellten Follower geringer ist.

Allerdings habe auch ich schon mal Kritik einstecken müssen und zwar als ich mich entschieden habe, Emmi decken zu lassen. Meine größte Sorge, bevor ich die Entscheidung veröffentlicht habe, war, dass man mir vorwerfen würde, ich würde meinem Pferd damit schaden. Sie ist schon 15 Jahre alt, sie hatte noch nie ein Fohlen und sie ist zwei Mal kolikoperiert. Auf den ersten Blick genügend Gründe, um meine Entscheidung in Frage zu stellen. Da ich die Problematik selber gesehen habe und mich dahingehend umfassend informiert hatte, habe ich darüber auch besonders ausführlich geschrieben. Interessanterweise kam dann keinerlei Kritik in diese Richtung, sondern es ging nur darum, dass meine Entscheidung unvernünftig sei. Ich würde doch gar kein Fohlen brauchen, Fohlen seien außerdem viel zu teuer und ich hätte doch eh keine Lust mehr zu reiten. Alles nachvollziehbare Argumente gegen meine Entscheidung, mit denen ich mich auch in meinem privaten Umfeld auseinandersetzen musste. Ob es nun konstruktiv ist oder nicht, jemandem zu sagen, ein Fohlen sei „zu teuer“ sei mal dahingestellt. Schließlich kennt (hoffentlich haha) niemand meinen Kontostand und am Ende kann natürlich nur ich selbst beurteilen, was mir ein Fohlen wert ist. ABER um mal zum Punkt zu kommen, ich habe keinen der Kommentare persönlich genommen und vor allem nehme ich es niemandem übel, der meine Entscheidung nicht nachvollziehen kann. Ich stelle hier einen kleinen Teil meines Lebens öffentlich ins Internet und kann nicht erwarten, dass die Leute immer nur Beifall klatschen. Ganz im Gegenteil, ich erwarte von den Lesern sogar, dass sie ehrlich zu mir sind. Für mich ist der Blog dazu da, um meine Gedanken zu teilen und mich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen. Es ist gerade keine Einbahnstraße zur perfekten Selbstinszenierung, auch wenn das einige Blogger wohl anders sehen würden. Wenn sich jemand hinsetzt und sich die Mühe macht, mir einen Kommentar mit seiner Meinung zu schreiben, dann wäre ihn zu löschen das letzte, was mir einfallen würde. Ich finde es extrem wichtig, auch Kritikern die nötige Wertschätzung entgegenzubringen. Das bedeutet auch, dass ich alle Kommentare, die irgendwie konstruktiv sind, ernst nehme und auch beantworte. Wenn ich dann solche Sprüche lese, wie dass Kritiker keine Hobbys haben und sich lieber mit ihren eigenen Zielen beschäftigen sollten, finde ich das einfach nur dreist. Die Leute, die jeden Tag unter die Fotos schreiben, wie sehr sie einen bewundern und wie toll man sei, die haben also nicht zu viel Zeit? Aber derjenige, der ein einziges Mal etwas kommentiert und das auch noch kritisch, der hat kein Leben und sowieso keine Perspektive? Ich denke jedem, der sowas schreibt, ist insgeheim klar, dass das nur pauschale Schutzbehauptungen sind, mit denen man versucht, sich über die Menschen zu stellen, die einen vielleicht nicht so sehr mögen oder alles etwas kritischer hinterfragen und diese zu vergraulen. Und das ist eigentlich ziemlich traurig.

Abschließend muss ich natürlich dazu sagen, dass Beleidigungen und Mobbing niemals in Ordnung sind, weder im Internet noch im echten Leben. Kritisches Hinterfragen und ehrliche Meinungsäußerungen sind dagegen für ein konstruktives und bereicherndes Miteinander in einer Community meines Erachtens unverzichtbar – auch das gilt im echten Leben genau so wie in sozialen Medien.

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von

26 Jahre, lebt zusammen mit Emmi in Hamburg und berichtet auf HorseDiaries über die Höhe & Tiefen im Leben eines Pferdebesitzers.

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