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Die Stute ist tragend – letzte Schritte bis zur Geburt des Nachwuchses

Weil der Artikel zum Thema Fohlen aus der eigenen Stute bei euch so gut angekommen ist, folgt hier nun der Anschlussbeitrag. In diesem Beitrag werden alle Aspekte, die man als Züchter zu beachten hat, aufgegriffen sobald die Trächtigkeit der Stute vom Tierarzt bestätigt wurde.

Wie im vorherigen Artikel bereits angeschnitten, ist es gut möglich, dass der Stutenbesitzer die Haltung seines Schützlings aufgrund der Trächtigkeit ändern muss. Handelte es sich möglicherweise bisher um ein Sportpferd, welches in einem entsprechenden Stall untergebracht war, sind die Anforderungen an die Haltung während der Trächtigkeit andere. Wer sich den Traum vom Fohlen aus der eigenen Stute verwirklichen möchte, sollte sich frühzeitig über Unterbringungsmöglichkeiten für tragende Stuten informieren.

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Grundlage der Haltung sollte sein, dass sich die Stute ausreichend an der frischen Luft bewegen kann, denn besonders der natürliche Lichteinfall und die Sonne wirken sich positiv auf die Hormone aus! Kontakt mit Artgenossen sollte genauso selbstverständlich sein wie eine trockene und saubere Liegezone. Optimal sind großzügig angelegte Offenställe. Aber auch Boxenhaltung während der Nacht und tagsüber Weidegang in der Gruppe ist eine geeignete Haltungsform für die tragende Stute.

Die Trächtigkeit von Stuten beträgt in der Regel etwa elf Monate, wobei es hier z.T. auch zu deutlichen Abweichungen kommen kann. Beeinflusst werden kann die Trächtigkeit durch verschiedene Einflüsse, weshalb es wichtig ist, dass sich Stutenbesitzer gut auf die Fohlengeburt vorbereiten.

In den letzten drei Monaten vor dem Stichtag entwickelt sich das ungeborene Fohlen besonders stark, die Stute hat in dieser Zeit dementsprechend einen deutlich höheren Bedarf an Nährstoffen. Zu dieser Zeit sollte die Stute bereits in dem Stall untergebracht werden, in dem auch die Geburt stattfinden soll, besser sogar schon einige Zeit früher, damit sie sich bereits in die neue Umgebung und die neue Herde eingewöhnen konnte.

Je näher der Geburtstermin rückt, desto öfter und genauer sollte man die Stute kontrollieren. Außerdem sollte sie sich bereits daran gewöhnt haben, sich auch am Euter berühren zu lassen. Dieses beginnt etwa 4-5 Wochen vor der Geburt deutlich zu wachsen. Auf keinen Fall darf man aber die Stute anmelken, weil dabei die für das Fohlen so wichtige Biestmilch verloren geht!

Sobald sich die sogenannten „Harztropfen“ an den Euterzitzen bilden, dauert es nicht mehr lange bis die Stute fohlt. Spätestens jetzt ist es ratsam, die Stute noch genauer zu überwachen.

Ob die Geburt bald los geht, lassen sich viele Stuten gar nicht so offensichtlich anmerken. Bei manchen kann man aber eine gewisse Unruhe feststellen, z.B. im Kreis laufen. Liegen ist nicht immer ein Zeichen dafür, dass es „los geht“. Oftmals schlafen die werdenden Mütter auch einfach. Die Stute genau zu beobachten ist aber in der Regel ein guter Ansatz, um feststellen zu können, wann etwas nicht mehr normal ist. Spätestens wenn die Wehen anfangen, ist die Atmung auch erhöhter.

Nach meiner Erfahrung hat sich für die Geburtsüberwachung der Geburtsmelder „Birth Alarm“ bewährt. Dieser ist ein Bauchgurt, der der Stute um den Bauch geschnallt wird. Er ist oben mit einer Antenne ausgestattet, die Signale an eine Empfängerstation sendet. Man kann einstellen, dass diese piept, sobald die Antenne in der Waagerechten ist. Natürlich kann es dabei auch zu Fehlalarmen kommen, z.B. wenn die Stute einfach tief schläft. Um das Überwachungssystem zu optimieren, können Kameras angebracht werden, damit man in solchen Fällen ausschließen kann, ob es sich lediglich um einen Fehlalarm handelt oder ob die Geburt tatsächlich beginnt.

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Dass Stuten den errechneten Geburtstermin ihres „Nachwuchses“ überziehen, ist übrigens keine Seltenheit. Dennoch sollte die Stute in solchen Fällen noch genauer beobachtet werden. Sofern es keine Auffälligkeiten gibt, besteht aber kein Grund zur Sorge. Verhält sich die Stute ungewohnt oder macht sie den Anschein, als hätte sie Schmerzen, sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden. Zeigt sie unter Umständen Kolikanzeichen könnte eine Gebärmutterdrehung die Ursache sein.

Bei der Geburt sollten immer erfahrene Menschen dabei sein. Diese erkennen am ehesten, ob die Geburt völlig normal verläuft, ob die Stute vielleicht Hilfe benötigt, oder ob vielleicht sogar ein Tierarzt hinzu geholt werden muss. Normalerweise brauchen Stuten keine Hilfe bei der Geburt. Wenn das Fohlen aber z.B. besonders groß ist, darf der Mensch sie unterstützen, sofern er weiß, wie und in welche Richtung er ziehen muss – wieder ein Grund, warum immer erfahrene Personen dabei sein sollten!

Ist das Fohlen da, ist zunächst zu überprüfen, dass die Eihaut aufgerissen ist, damit es nicht erstickt. Als nächstes steht die Stute meistens auf, sodass die Nabelschnur abreißt. Wenn der Nabel stark nachblutet, kann dieser abgebunden werden. Außerdem muss der Nabel desinfiziert werden (mit Jod- oder Blauspray o.ä.) – wichtig: dabei nicht berühren.

Die meisten Fohlen beginnen schon kurz nach der Geburt mit den ersten Aufsteh-Versuchen. Bis die Kleinen dann wirklich auf ihren wackligen Beinen stehen können, dauert es aber oft noch ein Weilchen. Wichtig ist dann als nächstes, dass das Fohlen die wichtige Kolostralmilch („Biestmilch“) aufnimmt. Bis die Fohlen „verstehen“, wo es an die Milchbar geht, vergehen häufig ebenfalls eine kleine Weile (ca. 2-3 Stunden).

Bis die Nachgeburt von der Stute abgeht, können bis zu sechs Stunden vergehen. Diese muss unbedingt aufgehoben werden, damit der Tierarzt untersuchen kann, ob diese vollständig ist. Wenn Reste davon in der Stute verbleiben, kann das lebensgefährlich werden. Der Besuch des Tierarztes sollte innerhalb eines Tages nach der Geburt erfolgen, damit dieser kontrollieren kann, ob Stute und Fohlen wohlauf sind. Sofern es nicht Hunde und Katzen regnet und der Tierarzt bestätigt hat, dass mit Stute und Fohlen alles in Ordnung ist, steht einem Weidegang schon am ersten Tag nach der Geburt nichts im Wege.

Für alle Zucht-Neulinge bietet es sich aufgrund aller bisher genannten Dinge, die vor der Geburt beachtet werden müssen, und vielen anderen Sonderbarkeiten, die unter Umständen auftreten können, an, die Stute in einen Stall zu stellen, die eine Art „Rundum-Sorglos-Paket für Fohlengeburten“ anbieten. In den meisten Fällen bieten solche Ställe auch an, dass Stute und Fohlen dann zusammen mit (in der Regel vielen) anderen Stuten und Fohlen das Grün der Weiden genießen können. So können die Fohlen gemeinsam mit vielen kleinen Freunden aufwachsen und sind prima sozialisiert.

Wenn ihr selbst schon einmal ein Fohlen gezüchtet habt oder es in naher Zukunft vor habt, dann schreibt uns doch einen Kommentar unter den Beitrag!

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1 Kommentare

  1. Millane sagt

    Wir haben letztes Jahr eine tragende Spanier Stute gerettet. Sie hat uns ein wundervolles Hengstfohlen geschenkt. Jetzt haben wir den Verdacht das dieser Hengst (mittlerweile schon über 1 1/2 Jahre) unsere Friesenstute Anfang des Jahres gedeckt hat. Dazu muss man aber sagen das es wenn unsere Schuld war, da wir ihn erst ein wenig später absetzen konnten. Jetzt heißt es Daumen drücken und hoffen das es ein kleines Stütlein wird:)

Wir freuen uns immer über eure Kommentare :-)