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Führtraining mit Fürstino

Lange gab es kein Update mehr über den kleinen Fürstino. Das liegt vor allem daran, dass ich versuche, euch bei jedem Besuch durch Instastories mitzunehmen und es darüber hinaus nicht so viel zu berichten gibt. Der kleine Mann steht auf der Weide und wächst vor sich hin. Wir haben jedoch die letzten Wochen mit dem Halfter- und Führtraining begonnen. Das Aufhalftern habe ich alleine geübt und ihm einfach, während ich ihn gekrault habe, das Halfter vorsichtig über den Kopf gezogen.

Das ging ziemlich schnell ohne Probleme, sodass ich beim nächsten Besuch nach dem Aufhalftern einfach mal einen Strick eingehakt habe. Da war es dann aber leider vorbei mit Fürstinos Geduld und er fing an, sich rückwärts in den Strick zu hängen. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, sodass ich plötzlich an einem Ende des Stricks hing und er am anderen und ich total überfordert war. Natürlich wollte ich nicht, dass er so viel Druck aufs Genick bekommt. Ich wollte aber auch nicht loslassen, weil ich Angst hatte, dass er auf den Strick treten und sich verletzen würde. So zog er immer weiter rückwärts und drehte irgendwann um, während ich immer noch am Strick hing. Das führte dazu, dass er kurz hinfiel, was mir wenigstens die Zeit gab, zu ihm zu gehen und den Strick abzumachen. Nachdem ich den ersten Schock verdaut habe, habe ich den Strick noch einmal kurz eingehakt und ihn einfach nur am losen Strick stehen lassen, was beim zweiten Versuch zum Glück auch funktionierte.

Das war leider gar nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte und ich habe mir ziemlich große Vorwürfe gemacht. Ich bin viel zu blauäugig an die Sache rangegangen und hätte mir auf jeden Fall einen erfahrenen Helfer dazu holen sollen. Im Internet liest man überall, dass schon leichter Druck aufs Genick im Fohlenalter zu Verletzungen führen kann und das wollte ich natürlich auf jeden Fall vermeiden. Allerdings habe ich dann mit einigen Leuten gesprochen und die meisten erzählten mir, dass auch ihre Fohlen mal am Strick gezogen hätten und natürlich später trotzdem normale, gesunde Reitpferde werden. Insbesondere bei Westernreitern gibt es sogar die Praxis, das Fohlen einfach an einer Wand anzubinden und sie so lange sich zurückwerfen zu lassen, bis sie von selbst aufgeben.

Daher war ich dann recht schnell beruhigt, dass Fürstino wohl keinen Genickschaden davon getragen hat. Als ich das nächste Mal bei ihm war, war auch alles längst vergessen und er ließ sich wie immer überall anfassen und kraulen und war in keiner Weise empfindlich. Für das Führtraining habe ich mich dann mit der lieben Wiebke verabredet, die wesentlich mehr Erfahrung mit Fohlen hat als ich und mich netterweise unterstützt hat. Ich habe aufgehalftert und sie war dabei immer nah an Fürstino, damit er sich gar nicht erst zurückwerfen konnte. Wir haben dann angefangen ein bisschen Druck auf den Strick auszuüben und erstmal nur den Kopf sanft zur Seite gezupft. Sobald er reagiert hat, wurde natürlich gelobt. Als nächstes habe ich dann Emmi und Fürstino an den Stricken genommen und bin los marschiert. Wiebke ist dabei hinter Fürstino geblieben und und hat ihn sanft nach vorne geschoben, wenn er mal nicht weitergehen wollte.

So hat das alles schon ganz toll geklappt und wir haben nach kurzer Zeit zufrieden aufgehört. Das Training werden wir natürlich noch einige Male wiederholen! Und ich habe gelernt, dass ich solche neuen Dinge in Zukunft nicht mehr alleine probiere. Zu zweit ist es viel einfacher, gegebenenfalls korrigierend einzugreifen.

Was wir bisher noch nicht geübt haben, ist das Hufe geben. Wir haben Fürstino schon mal etwas an den Beinen gestreichelt und berührt, aber das fand er gar nicht mal so toll. Das werde ich nach meinem Urlaub mal in Angriff nehmen und hoffe, er lernt schnell, dass das alles halb so wild ist!

 

Wie findet man eine Reitbeteiligung?

Nachdem ich verkündet habe, dass ich eine Reitbeteiligung an einem ganz tollen und rittigen Pferd gefunden habe, habe mich zum dem Thema Reitbeteiligung ziemlich viele Fragen erreicht. Daher habe ich überlegt, diesem Thema ein paar Artikel zu widmen, da ich mittlerweile ja sowohl die Seite des Pferdebesitzers als auch die Seite der Reitbeteiligung kennengelernt habe. In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie ich Quira gefunden habe und was ich euch empfehlen würde, wenn ihr nach einem Reitbeteiligungspferd sucht.

Meine Strategie auf der Suche nach einer Reitbeteiligung hat sich daran orientiert, wie ich selber nach Reitbeteiligungen für Emmi gesucht habe und welche teilweise desolaten Erfahrungen ich dabei gemacht habe. Als ich neu in Hamburg war, habe ich Emmi als Reitbeteiligungspferd in Internet inseriert und die Interessenten, die damals zum Ausprobieren kamen, haben leider gar nicht zu uns gepasst. Am Telefon versprachen sie mir alle L-Niveau, auf dem Pferd sah das dann ganz anders aus. Und ich wollte keinen Profireiter, sondern vor allem jemanden, der zügelunabhängig sitzt und das Pferd nicht stört, also quasi solides E-Niveau. Danach habe ich nur noch über Freunde und Bekannte gesucht und das hat sich für mich definitiv bewährt. Deshalb würde ich euch das auch auf jeden Fall empfehlen: Nutzt eure Kontakte! Vor allem die, die euch reiterlich einschätzen und weiterempfehlen können. Denn die allermeisten verfügbaren Reitbeteiligungspferde finden sich nicht im Netz, sondern nur über Kontakte. Sagt all euren Pferdefreunden Bescheid, dass ihr ein Reitbeteiligungspferd sucht und vor allem auch eurer Reitlehrerin / eurem Reitlehrer oder Trainer, die ihr von Lehrgängen kennt. Wendet euch auch an Kontakte aus früheren Ställen, zum Beispiel Tierärzte, Hufschmiede oder Osteopathen, wenn ihr welche kennt. Denn die fahren viel rum und wissen erstaunlich gut, was in den Ställen in ihrem Einzugsgebiet gerade so passiert.

Solltet ihr über diesen Weg nichts finden, kann ich eine Suchanzeige empfehlen. Denn so könnt ihr auch von den Pferdebesitzern gefunden werden, die zwar jemanden suchen, aber selbst (noch) keine Anzeige aufgegeben haben. Ich habe meine Suchanzeige bei ebay Kleinanzeigen aufgegeben und darüber einige sehr nette Angebote bekommen und letztlich auch Quira so gefunden. Dabei würde ich darauf achten, dass ihr die Anzeige so gestaltet, dass die Pferdebesitzer auf den ersten Blick sehen können, ob es wirklich passt. Dazu sind die folgenden Angaben interessant:

  • Was für Erfahrungen habt ihr bisher? Hattet ihr schon eine Reitbeteiligung oder ein eigenes Pferd?
  • Was wollt ihr mit dem Reitbeteiligungspferd gerne machen? Dressur, Springen und/oder Ausreiten?
  • Auf welchem Niveau reitet ihr? Gebt hier möglichst alle Nachweise an (Turniererfolge/Leistungsklasse/Reitabzeichen), da nach meiner Erfahrung als Besitzerin die allermeisten Reiter sich selbst nicht realistisch einschätzen können
  • Möchtet ihr gerne Turniere reiten und ist das vielleicht sogar unabdingbare Voraussetzung?
  • Wie ist eure Einstellung zum Pferd? Seid ihr auch bereit, Stallarbeiten zu machen oder das Pferd im Krankheitsfall zu pflegen oder geht es euch nur ums Reiten?
  • Seid ihr bereit eine Kostenbeteiligung zu zahlen?

Ganz wichtig: Bei diesen Fragen gibt es kein richtig und falsch oder gut und schlecht. Es ist meiner Ansicht nach nur wichtig, dass man von Anfang an ehrlich zu sich selbst und zu den Pferdebesitzern ist. Denn so eine Reitpartnerschaft basiert auf Vertrauen zwischen Pferdebesitzer und Reitbeteiligung. Ihr wollt schließlich, dass euch jemand sein geliebtes Pferd teilweise überlässt. Und wenn ihr anfangs vorgebt, total gerne mit dem Pferd spazieren zu gehen und auszumisten, obwohl ihr tief in eurem Herzen eigentlich nur Serienwechsel üben wollt, ist damit niemandem geholfen. Vor allem nicht dem Pferd, wenn ihr es lustlos durch den Wald zieht und nach drei Wochen wieder aufgebt.

Für mich war klar, dass ich vor allem Reiten möchte und ein Pferd suche, das möglichst schon solide ausgebildet ist und bei dem sich der Besitzer freut, wenn es gut geritten wird. Eine reine Pflegebeteiligung oder nur Ausreiten wäre für mich persönlich nicht in Frage gekommen. Mein Text in der Anzeige lautete wie folgt:

Liebe Züchter und Pferdebesitzer,

da meine eigene Stute gerade ihr erstes Fohlen bekommen hat und ich das Reiten sehr vermisse, suche ich nach einer Reitbeteiligung / einem Pferd zu Mitreiten. Ich habe LK 4 in der Dressur und bin auf Turnieren bis M* Dressur geritten (L gewonnen). Da ich früher sehr viel gesprungen bin, wäre auch ein Springpferd interessant. Ich lege viel Wert auf eine vielseitige Ausbildung, gehe auch gerne mal ins Gelände und bin sehr auf die Harmonie mit dem Pferd bedacht. Ich würde auch gerne wieder Turniere reiten, das ist aber nicht zwingend. Das wichtigste ist, dass es reiterlich passt und ich mit dem Pferd Spaß haben kann.

Bitte keine Haflinger / Isländer oder reine Freizeitpferde anbieten, da das leider nicht zu dem passt, was ich mir vorstelle.

Wenn ihr eine Reitbeteiligung habt, wie habt ihr sie gefunden? Und was ist den Pferdebesitzern unter euch bei einer Reitbeteiligung am wichtigsten?

Gastbeitrag – Wie denkt und lernt (d)ein Pferd?

Dies ist ein Gastbeitrag von unserer Leserin Franziska.Die Informationen und Ansichten dieses Textes stammen von Monty Roberts und seinem International Learning Center.

„Mein Name ist Franziska und ich komme aus dem schönen Paderborn in NRW. Ich habe mich vor kurzem dazu entschieden, die Ausbildung zum Monty Roberts Instructor zu durchlaufen und haben bereits meinen Introductory Course belegt. Aus diesem Grund lerne ich nun intensiv alles über die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd und wie Pferde wirklich lernen. Meine vier Pferde werden mich dabei als Versuchskaninchen unterstützen. Nicht zuletzt mein neues Problempferd, der ein extremes Trauma (oder vielleicht mehrere) erlebt hat, fordert mich täglich heraus, ihn zu verstehen und seine schlechten Erlebnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Gerne nehme ich euch ein Stück mit in die Welt der Pferdesprache!“

Wer mit Pferden zu tun hat und reitet, der kann doch von sich behaupten, Pferde verstehen zu können, oder? Dass Pferde Fluchttiere sind, mit ihren Augen anders sehen als wir und natürlich nicht unbedingt verstehen, was wir von ihnen wollen, weiß doch jeder. Aber ist es so einfach, „pferdisch“ zu sprechen?

Eigentlich hat schon fast jeder einmal den folgenden Satz gehört oder selber schon gesagt: „Der veräppelt dich. Der macht das gerade absichtlich.“ Es ist menschlich, dass wir Eigenschaften der Menschen auf Objekte oder Tiere projizieren. So auch bestimmte Charakterzüge, die dem Pferd unterstellen, gewisse Dinge absichtlich zu tun. In der Natur des Pferdes ist es allerdings so, dass sie lediglich auf Reize reagieren. Sie reagieren, wie es ihnen in der Situation am angemessensten erscheint und nicht, welche Reaktion für die Zukunft vielleicht am besten wäre.

Für dieses Phänomen der Vermenschlichung gibt es übrigens einen Fachbegriff: Anthropomorphismus. Ein ganz klassisches Beispiel hierfür ist auch das Eindecken im Winter. „Das arme Pferd friert, mir selber ist ja auch schon kalt.“ Dass die Wohlfühltemperatur der Pferde viel niedriger als unsere ist, wird dabei oft außer Acht gelassen.

Wenn wir mit Pferden arbeiten, dann gibt es einen ganz entscheidenen Faktor, der viele Verhaltensweisen verständlich macht: das Into Pressur-Syndrom. Pferde lehnen sich nämlich grundsätzlich in einen Druck anstatt ihm zu weichen, wie Menschen es tun. Häufig kann man dieses beobachten, wenn Pferde sich am Strick aufhängen. Sie ziehen immer weiter, bis der Druck nachgibt, der Strick also aufgeht oder reißt. Auch wenn wir Pferde mit der Hinterhand rumdrücken wollen und dabei Druck in der Flanke ausüben, drücken viele Pferde instinktiv gegen diesen Druck. Dieses Verhalten stammt aus der Zeit der wilddlebenden Pferde. Es war eine überlebensnotwendige Reaktion, wenn sich Angreifer auf sie stürzten und sich festkrallen wollten. Würden Pferde dann vorwärts laufen, könnten die Angreifer mit ihren Krallen große Verletzungen auslösen. Wirft sich das Pferd allerdings in die Richtung des Angreifers, kann die Wunde nicht noch weiter aufgerissen werden. Auch wenn es bei unseren domestizierten Pferden natürlich keine Rolle mehr spielt, ist es weiterhin tief in ihrem  Instinkt verankert.

Überraschenderweise haben wir all unsere Trainingsmethoden so entwickelt, dass sie gegensätzlich zum Into Pressur-Syndrom ausgeübt werden. Wenn wir dabei z.B. an Schenkelweichen denken, dann soll das Pferd dem Schenkel – also dem Druck – weichen. Es widerspricht seinem natürlichen Verhalten und muss daher erst einmal erlernt werden. Auch beim Verladetraining begegnet uns dieses Problem häufiger: Einer zieht am Halfter, der andere schiebt das Pferd von hinten. Das Pferd legt sich vollständig in diesen Druck und geht dann natürlich nicht auf den Anhänger.

Wir Menschen haben eine bestimmte Zone, in der wir uns wohlfühlen. Kommt uns ein anderer Mensch zu nah und dringt in unsere Wohlfühlzone ein, dann wollen wir das nicht und fühlen uns unter Druck gesetzt. Pferde haben diese Zonen auch. Spannend wird es beispielsweise beim Longieren, denn gerade da kann man die verschiedenen Zonen beim Pferd gut beobachten. Vermutlich hatte schon jeder einmal ein Pferd an der Longe, das so gar nicht vorwärts wollte und einfach nur faul war. Egal wie sehr man sich bemühte und wie nah man an das Pferd herantrat, es wurde nicht schneller. Denken wir jetzt an die „Pressur Zones“, dann wird schnell klar, weshalb solche Pferde nicht schneller laufen: wir waren einfach zu nah dran und in ihrer Wohlfühlzone. Manche Pferde – oft zu beobachten bei den vermeintlich faulen Pferden – haben eine recht große Pressur Zone, sodass man nur mit genügend Abstand Signale geben kann, die die gewünschten Reaktionen auslösen. Entscheidend dabei ist auch die Position des Reiters oder Longenführers. Pferde haben einen natürlichen Balance Point, der meist hinter der Schulter liegt. Orientiert man sich an diesem Punkt, dann treibt man hinter diesem die Pferde an und davor stoppt man sie. Die optimale Position zum Vorwärtstreiben ist ein etwa 45° großer Winkel zum Pferd bzw. zum Balance Point. Man stellt sich das Pferd dabei als Linie vor (von der Hinterhand zum Kopf). Von dieser Linie aus stellt man sich mit dem Blick zum Pferdekopf und der Hüfte zum Pferd gewandt hin, sodass ein etwa 45° großer Winkel entsteht. Der Winkel bewirkt, dass das Pferd mithilfe des Körpers und der Position nach vorne geschoben wird und man es dadurch in das Vorwärts treibt.

 

Wie groß der Winkel dabei ist, ist von Pferd zu Pferd wieder unterschiedlich. Einige benötigen mehr Schub und Unterstützung von hinten, damit sie vorwärts laufen, andere reagieren bereits bei weniger Druck von hinten. Bei Pferden, die mehr Unterstützung benötigen verkleinert man den Winkel und geht mehr nach hinten. Denn je weiter man nach vorne geht und damit den Winkel vergrößert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dadurch das Pferd gestoppt oder sogar zum Umdrehen animiert wird. Eins bleibt allerdings bei allen Pferden gleich: Die Pressur Zone, also die natürliche Wohlfühzone sollte immer berücksichtig werden, denn ansonsten sind wir wieder beim Problem des Into Pressur-Syndroms und das Pferd lehnt sich in den Druck, statt vorwärts zu gehen.

Um das Verständnis der Pferdekommunikation abzurunden, müssen wir uns bewusst machen, wie Pferde eigentlich lernen. Unterschieden wird hierbei zwischen dem klassischen und dem operanten Konditionieren. Bei dem klassischen Konditionieren wird ein unkonditioniertes Verhalten genommen und mit einem Stimulus verknüpft und somit zu einem konditionierten Verhalten gemacht. Wenn wir beim Thema Longieren bleiben, dann ist es z.B. das Kommando „Trab“, das mit dem natürlichen Verhalten traben verknüpft wurde und das Pferd irgendwann weiß, was es bei dem Kommando zu tun hat.

Das operante Konditionieren ist ein wenig komplizierter und hier einmal vereinfacht erklärt: Wenn ein positives Verhalten belohnt werden soll, dann kann ich etwas angenehmes hinzufügen, z.B. das Pferd streicheln als Belohnung. Im Gegensatz dazu kann ich auch etwas unangenehmes wegnehmen, um ein Verhalten zu belohnen, z.B. kann ich den Druck vom Halfter nehmen, wenn das Pferd erfolgreich rückwärts gegangen ist. Denn für Pferde ist es eine Belohnung, wenn Druck weggenommen wird. Ich kann allerdings auch etwas unangenehmes hinzufügen, um ein Verhalten zu korrigieren. Hampelt ein Pferd beispielsweise neben uns rum, kann ich Druck aufbauen und es zum Stehenbleiben korrigieren. Sobald das Pferd dieses gemacht hat, belohne ich es, indem der Druck weggenommen wird und ich das Pferd lobe. Vereinfacht gesagt geht es beim operanten Konditionieren um die Verbindung zwischen Verhalten und Konsequenz: es ist ein Spiel aus Ja und Nein, aus „richtig“ und „falsch“.

Wir sollten uns aber immer fragen, ob wir die Pferde wirklich verstehen oder ob wir Trainingsmethoden einfach nur stillschweigend übernehmen und niemals hinterfragen. Jeder von uns steht in der Verantwortung, sich mit dem Wesen Pferd auseinander zu setzen und zu verstehen. Oder wusstet ihr, dass Pferde nur 20% von einer Gehirnhälfte auf die andere übertragen? Dass Pferde eine 350° Sicht haben, den optimalen Lichteinfall auf das Auge für scharfes Sehen benötigen – in Form einer horizontalen Linie – und keine Tiefenschärfe wahrnehmen? Beim nächsten Mal sollten wir also nachsichtiger sein, wenn Pferde in keinen dunklen Anhänger wollen (schließlich sind sie die ersten Sekunden sozusagen blind, weil ihr Auge sich nicht so schnell an verschiedene Lichteinflüsse anpassen kann) oder vor einem Schatten wegspringen. Die Erfahrungen formen unsere Pferde und wir haben einen sehr großen Anteil daran. So abstrakt das Thema auf den ersten Blick erscheint, es hilft uns, unsere Pferde zu lesen und zu verstehen. Gewalt ist niemals eine Lösung. Und vielleicht regt dieses hier den einen oder anderen an, mehr in die Materie einzutauchen und „pferdisch“ zu lernen!

 

 

Werbung & Abmahnungen in den sozialen Medien

Angesichts der Instastory der Bloggerin Vanezia Blum bricht bei Instagram gerade eine ziemliche Hysterie aus, die mittlerweile auch den Pferdebereich erreicht hat. Daher würde ich aus juristischer Sicht gerne meine Einschätzung abgeben und über ein paar Irrtümer aufklären, die sich durch Instagram momentan rasend schnell verbreiten.

 

  1. Die Abmahnungen stammen größtenteils nicht vom Staat bzw. den Landesmedienanstalten, sondern von Vereinen wie zum Beispiel dem „Verein des sozialen Wettbewerbs“. Das sind Zusammenschlüsse privater Unternehmen, die ihre eigenen wirtschaftlichen Zwecke verfolgen. Neuerdings (Juli 2018) häufen sich auch Abmahnungen im namen privater Onlineshops, die relativ willkürlich verschickt werden. Eine Abmahnung kann daher grundsätzlich jeder bekommen, das bedeutet aber NOCH LANGE NICHT, dass diese Abmahnung auch rechtmäßig ist und das zuständige Gericht dem Abmahnenden Recht geben wird. Diese Abmahnungen entstammen dem Gedanken, dass Konkurrenten durch Schleichwerbung benachteiligt werden und sich durch diese Abmahnungen selbst wehren können. In der Abmahnung wird zur Abgabe einer Unterlassungserklärung und zur Zahlung der Rechtsanwaltskosten des vermeintlichen Konkurrenten aufgefordert. Wenn der jeweilige Blogger dem nicht nachkommt, kann der Abmahnende eine einstweilige Verfügung vor Gericht beantragen und ihr steckt in einem Gerichtsprozess – alles unabhängig davon, ob zu Recht abgemahnt wurde. Das kann euch jedoch auch im sonstigen Leben passieren. Ein ganz platter Vergleich: Euer Nachbar kann morgen aufwachen und behaupten, dass ihr ihm 2000€ für einen Rasenmäher schuldet und kann euch deshalb verklagen. Dann müsst ihr vor Gericht erscheinen, auch wenn ihr den Rasenmäher niemals gekauft habt. Das bedeutet aber noch nicht, dass die Klage auch Erfolg hat.

 

  1. Ist die Rechtslage in jedem Bundesland anders? Es gibt zwar in den verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Vereine und daher eine unterschiedliche Praxis dahingehend, wann Abmahnungen verschickt werden und wann nicht. Die Gesetze zu dem Thema gelten jedoch bundesweit einheitlich! Einschlägig sind insoweit das Telemediengesetz und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Nach geltender Rechtslage sind Werbung und redaktionelle Inhalte strikt zu trennen und Werbung ist zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung soll dazu dienen, dass Leser auf den ersten Blick erkennen können, ob es sich um Werbung handelt oder nicht. Die Rechtsunsicherheit entsteht aus der Frage „Was ist denn eigentlich Werbung und was nicht?“ Da es noch nicht für jeden Einzelfall ein Urteil gibt, vor allem noch keins vom BGH, muss das jeder Richter im Einzelfall selbst entscheiden. Daher kann es momentan noch sein, dass ein Fall in Koblenz anders entschieden wird als in Hamburg. Selbst wenn ein Abmahnverein vor Gericht Recht bekommt, kann man gegen ein erstinstanzliches Gerichtsurteil weiter vorgehen. Die endgültige Entscheidung liegt daher nicht beim Amtsrichter Meier in Pusemuckel, sondern beim BGH. Der Weg bis dahin ist natürlich mühsam und teuer, sodass es durchaus verständlich ist, dass momentan Panik ausbricht.

 

  1. Das Problem betrifft NICHT solche Instagram Accounts, mit denen kein Geld verdient wird. Es gibt bisher keinen einzigen Fall, in dem jemand abgemahnt wurde, der Instagram für rein private Zwecke benutzt. Die abmahnenden Vereine mögen dreist sein, aber dumm sind sie nicht. Abgemahnt wurden meines Wissens bisher vor allem Accounts ab ca. 30.000 Followern, die mit ihren Accounts auch tatsächlich Geld verdient haben. Dass ihr mit 287 Followern keine Werbung macht, sondern nur eure Freunde unterhaltet, ist denen auch klar.

Update 26.07.2018: Leider gibt es mittlerweile gehäuft Fälle von Abmahnungen kleinerer Accounts, sogar eine Nutzerin mit 300 Followern wurde abgemahnt. Diese Abmahnungen stammen nicht vom Verband sozialen Wettebewerbs, sondern von privaten Onlineshops und sind daher etwas anders zu betrachten. Diese Abmahnungen sind in jedem Fall rechtswidrig, sofern sie rein private Nutzer betreffen, die kein Geld mit Instagram verdienen – trotzdem möchte ich die Fälle der Vollständigkeit halber erwähnen. Wer sich als privater Nutzer zu 100% schützen will und keine Lust hat sich weiter mit dem Thema rumzuschlagen, sollte seinen Account vorerst auf privat stellen.

 

  1. Wie sollte man sich als INFLUENCER bei gesponserten Posts am besten verhalten? Grundsätzlich muss markiert werden, was Werbung ist, also alles, wofür ihr bezahlt wurdet. Dies gilt auch dann, wenn ihr als Gegenleistung ein Produkt erhalten habt. In diesen Fällen sollte „WERBUNG“ oder „ANZEIGE“ am Anfang des Posts stehen. Nicht erst am Ende des Postings und nicht nur in den Hashtags (so entschieden vom OLG Celle). Auch wenn ihr eine dauerhafte Kooperation mit einem Unternehmen habt und selbst entscheiden könnt, wann ihr die Produkte zeigt, ist das Werbung. Von der Kennzeichnung „Freiwillig eingefügte Werbung“ kann ich nur abraten, denn was soll das überhaupt bedeuten? Freiwillig im Rechtssinne ist alles, was ihr nicht unter dem Einfluss einer Pistole an eurer Schläfe macht, sondern, weil ihr es wollt. Ich hoffe sehr, dass eure Kooperationspartner euch nicht nach dem Leben trachten und die Werbung daher immer freiwillig ist ;). Wichtig ist außerdem zu wissen, dass es sich nicht um neue Gesetze handelt, sondern die Verpflichtung zur Kennzeichnung schon immer bestand – ihr solltet daher ältere Werbeposts schnellstens anpassen, sofern ihr früher Werbung nicht richtig gekennzeichnet habt.

 

  1. Muss ich auch als „Werbung“ markieren, wenn ich SELBST GEKAUFTE PRODUKTE auf einem Foto zeige und die Marke ERKENNBAR ist? Grundsätzlich nein, denn das ist keine Werbung. Vanezia Blum wurde dennoch abgemahnt wegen eines Fotos, auf dem ein Eis der Marke Daim zu sehen war. Das Foto enthielt keine Verlinkung zu der Marke und war auch nicht bezahlt, die Marke war lediglich auf dem verpackten Eis zu erkennen.  Das Gericht hat die Abmahnung allerdings zurückgewiesen. Es besteht also das theoretische Risiko einer Abmahnung, diese wäre jedoch nicht begründet. Die Kennzeichnung mit „Werbung wegen Markenerkennung“ ist daher nicht nötig!

 

  1. Wie sieht es mit VERLINKUNGEN UND MARKIERUNGEN von Unternehmen aus? Hier wird es etwas komplizierter. Das entscheidende Gesetz ist § 5a Abs. 6 UWG. Es kommt darauf an, ob es sich bei dem Post um eine geschäftliche Handlung mit kommerziellem Zweck handelt. Dies ist natürlich immer dann der Fall, wenn ich mit dem Unternehmen eine Kooperation habe. Aber was ist, wenn ich nicht von dem Unternehmen bezahlt werde, sondern es einfach so markiere? Liegt dann auch eine geschäftliche Handlung vor? Eine geschäftliche Handlung ist laut dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb jedes Verhalten einer Person zu Gunsten des eigenen oder eines fremden Unternehmens auch vor einem Geschäftsabschluss, das mit der Förderung des Absatzes von Waren objektiv zusammenhängt. Es gibt eine Entscheidung des LG Hagen wegen einer Abmahnung, die darauf abstellt, dass bei einer Verlinkung der Marke auf einem Instagram-Bild eine solche geschäftliche Handlung vorliegt, da die unmittelbare Verlinkung auf die Seite des Unternehmens dazu geeignet ist, dessen Warenabsatz zu fördern. Ob es sich bei dem betreffenden Foto um eine bezahlte Kooperation handelte, ergibt sich aus dem Urteil nicht. Die Bloggerin Vreni Frost hat gerade einen Prozess vor dem LG Berlin verloren, weil sie Marken in einem Foto markiert hat, obwohl es sich nach ihrer eigenen Angabe nicht um einen bezahlten Post handelte. Auch Aenna_xoxo hat in einem solchen Fall einen Prozess verloren. Die Urteile sind allerdings noch nicht veröffentlicht, sodass die Begründungen der Gerichte abzuwarten sind. Beide Urteile sind außerdem noch nicht rechtskräftig, das bedeutet, dass sie im weiteren Verfahren noch von einem höheren Gericht aufgehoben werden können. Daher herrscht aktuell eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Markierung von Firmen auf Fotos. Ihr fahrt am sichersten, wenn ihr Unternehmen nur dann markiert, wenn es sich tatsächlich um echte und gekennzeichnete Werbung handelt. Wenn es nur darum geht, euren Followern zu zeigen, von welcher Marke die Sachen sind, würde ich empfehlen, die Namen der Firmen ohne Verlinkung in den Text des Posts zu schreiben.

 

  1. Muss ich einen Post als Werbung kennzeichnen, wenn ich einen EINE PERSON MARKIERE? Wenn es sich um ein bezahltes Shoutout handelt, ist von einer Kennzeichnungspflicht auszugehen. Wie ist es jedoch bei Freunden? Um diese Frage geht es in dem Rechtsstreit von Vanezia Blum. Grundsätzlich erscheint eine solche Markierung natürlich schwachsinnig. Wenn eure Freunde allerdings auch Influencer sind und mit ihrem Account selbst kommerzielle Zwecke verfolgen oder sogar einen Firmenaccount betreiben, könnte die Markierung durchaus wie bezahlte Werbung aussehen. Dann kann die Gefahr einer Abmahnung bestehen. Aber hier gilt wiederum oben gesagtes —> das bedeutet noch nicht, dass die Abmahnung auch von einem Gericht als rechtmäßig angesehen wird. Bei Vanezia Blum vernimmt das Gericht die von ihr markierten Freunde als Zeugen, um herauszufinden, ob dort Geld geflossen ist. Daher ist davon auszugehen, dass sie Recht bekommen wird, wenn dies nicht der Fall war und sie tatsächlich ohne jedes kommerzielle Interesse nur einen Freund verlinkt hat. Dann ist eine Kennzeichnung entbehrlich.

 

Hier findet ihr einen Leitfaden der Landesmedienanstalten mit konkreten Empfehlungen zur Kennzeichnung. Dieser Leitfaden hat keine Gesetzeswirkung und entfaltet keinerlei Bindungswirkung für die Gerichte. Er kann lediglich als Anhaltspunkt dafür gelten, was aus Sicht der Landesmedienanstalten zu beachten ist.

 

Emmis Zukunft

Wie geht es eigentlich mit Emmi nach dem Fohlen weiter? Diese Frage wurde mir vor allem während Emmis Trächtigkeit häufig gestellt. Ich schreibe jedoch bewusst erst jetzt darüber, weil ich lange unsicher war und die Entscheidung erst vor kurzem getroffen habe.

Ich bin nach Emmis Besamung erstmal davon ausgegangen, dass ich sie nicht wieder reiten würde. Schließlich wird sie bis zum Absetzen fast 17 Jahre alt sein und ganze 1,5 Jahre aus dem Training. Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, sie in dem Alter noch wieder anzutrainieren. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich ihr das nicht mehr zumuten könnte. Emmi hat zwei Kolik-OPs hinter sich, ist mit mir jahrelang auf Turnieren gestartet und hat mir jetzt auch noch ein Fohlen geschenkt – wie könnte ich noch irgendetwas darüber hinaus von ihr verlangen, geschweigedenn irgendeine sportliche Leistung, nachdem sie schon so viel für mich geleistet hat?

Eine Möglichkeit, die ich lange favorisiert habe, war daher, Emmi einfach in der Zucht zu lassen und sie direkt wieder zu besamen. Das nächste Fohlen hätte ich dann verkauft und für mich ein neues Pferd zum Reiten gekauft. Das Problem an der Sache: Da ich Fürstino gerne behalten möchte, hätte ich dann langfristig immer mindestens drei Pferde, somit auch die dreifache Verantwortung und das wollte ich eigentlich nicht. Außerdem müsste ich die nachfolgenden Fohlen dann wirklich verkaufen und ich bin ehrlich – ich habe noch nie in meinem Leben ein Pferd verkauft und ich weiß nicht, wie viel Freude mir das machen würde.

Daher habe ich mir den Winter über ziemlich den Kopf zerbrochen, wie ich dieses „Problem“ löse. Ich habe dann im März mit einer Freundin darüber gesprochen und sie sagte nur, ich solle mir nicht so viele Gedanken machen, sondern die Geburt abwarten und dann würde ich schon wissen, was richtig sei. Das würde man dann einfach fühlen, so sei es nach ihrem ersten Fohlen auch gewesen. Und ich hatte keine Ahnung, wie Recht sie haben sollte! Bei mir kam die Erkenntnis schon wenige Tage nach der Geburt. Spätestens als ich sie dann mit Fürstino auf der Weide traben sah, war mir klar: Ich möchte mein Pferd unbedingt wieder reiten!

Sie mag 16 Jahre alt sein und ein Jahr aus dem Training, aber sie sieht so gut und gesund aus, dass ich gar keine Bedenken habe, sie wieder anzutrainieren. Natürlich wird es eine Umstellung für sie von der Weide zurück auf eine Reitanlage, aber ich denke, dass sie das gut verkraften wird. Bei all den Vorteilen der Robusthaltung hatte ich trotzdem das Gefühl, dass ihr der Winter draußen auf der Weide ziemlich zugesetzt hat. Dadurch dass das Wetter so nass war, hatte sie sehr mit Mauke zu kämpfen, die erst jetzt langsam komplett abheilt. Auch dass Fürstino einen Monat nach dem errechneten Termin geboren ist und trotzdem noch so miniklein und schwach war, spricht meiner Meinung nach dafür, dass der Winter draußen sie einiges an Kraft gekostet hat. Vielleicht vermenschliche ich sie damit auch zu sehr, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie sich auch in einer Paddockbox mit täglichem Weidegang wieder wohlfühlen wird. Vor allem weiß ich, dass ich mich sehr wohlfühlen werde damit, sie wieder näher bei mir zu haben. Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass sie nicht wieder zurück ins Training kommt und ich merke, dass es für sie besser wäre, zurück auf die Weide zu gehen. Dann wäre das auch völlig in Ordnung. Aber ich möchte es zumindest versuchen, denn Emmi ist und bleibt für mich ein ganz besonderes Pferd, das sich nicht so leicht ersetzen lässt!

 

 

Zurück im Sattel

Ich hatte euch ja versprochen, euch noch mehr über meine neue Reitbeteiligung zu erzählen.  Ich habe schon ein paar Wochen nach einem passenden Pferd für mich zum Mitreiten gesucht. Wir haben uns letztlich durch meine Suchanzeige bei Ebay Kleinanzeigen gefunden. Wie genau meine Suche nach einem Reitbeteiligungspferd ablief, werde ich noch mal in Ruhe erzählen, da das vielleicht einige interessiert, die ebenfalls eine Reitbeteiligung suchen.

Jetzt soll es aber erstmal um meine neue Reitbeteiligung Quira gehen: Quira ist eine 11jährige Oldenburger Stute von Quality aus einer Mutter von Grandero. Ihre Besitzerin hat Quira selbst gezogen. Genau wie ich hat sie sich damals ein Nachwuchspferd aus ihrer Stute gewünscht und sie daher decken lassen. Quiras Mutter ist jetzt 26 und die beiden stehen sowohl in ihren Boxen nebeneinander als auch zusammen auf der Weide. Quira ist bis L-Springen platziert. Dressurmäßig wurde sie nie vorgestellt, geht aber eigentlich alle M-Lektionen.

Vom Typ her ist Quira schon eher Springpferd, wie ihre Abstammung auch verrät. Eigentlich passte sie daher gar nicht unbedingt in meine Vorstellungen, allerdings macht sie sooo viel Spaß beim Reiten, dass ich eigentlich die ganze Zeit nur grinsen könnte. Ich hatte direkt beim ersten Reiten das Gefühl, dass es zwischen uns einfach passt. Sie war so leichtrittig und motiviert, fein an der Hand und einfach richtig schön zu reiten. Trotzdem habe ich nicht direkt fest zugesagt, da ich die erste Euphorie sacken lassen wollte und lieber noch ein zweites Mal ausprobieren, um mir ganz sicher zu sein. Aber auch beim zweiten Reiten habe ich mich direkt wieder zuhause gefühlt, sodass ich wirklich keine Zweifel mehr hatte, dass Quira das richtige Pferd für mich ist.

Heute hatten wir dann das erste Mal Unterricht und es lief schon ganz ordentlich. Ich würde sagen, dass sie vom Reitgefühl her Emmi ein bisschen ähnlich ist und das ist vielleicht auch der Grund, warum wir uns auf Anhieb so gut verstanden haben. Sie ist sehr angenehm und leicht in der Hand und ist auch bemüht alles richtig zu machen. Ihren Trab finde ich super bequem und toll zu sitzen, im Galopp hingegen katapulitiert es mich noch etwas aus dem Sattel. Wie die Reitlehrerin heute festgestellt hat, bin ich dadurch wohl zu fest im Knie und Oberschenkel, weil ich versuche mich festzuhalten und dadurch kommt sie mir dann etwas doll auf die Hand. Da fehlt mir vermutlich einfach noch die Körperspannung, um ganz entspannt sitzen zu bleiben und sie vor mir zu behalten. Das ist wahrscheinlich auch kein Wunder nach einem Jahr Pause. Ich bin aber guter Dinge, dass das alles bald zurückkommt, wenn ich fleißig weiter trainiere.

Ich reite Quira ab sofort an 2-3 Tagen pro Woche. Eventuell werden daraus irgendwann auch drei feste Tage, aber ich wollte gerne erstmal testen, wie sich das Reiten wieder in meinen Alltag integrieren lässt. Es sind schließlich jedes Mal 3-4 Stunden inkl. Fahrt, die ich wieder neu in meine Woche einplanen muss, nachdem ich so lange nicht mehr regelmäßig geritten bin. Zum Glück fahre ich nur 25 Minuten in den Stall, was für Hamburger Verhältnisse sehr harmlos ist. Netterweise hat mir Quiras Besitzerin erlaubt, euch hier über sie zu berichten, sodass ihr in Zukunft wohl öfter mal etwas von ihr hören werdet. Ich freue mich auf jeden Fall riesig, dass ich so ein tolles Pferd gefunden habe, mit dem es einfach richtig gut passt.

Das Pferd ganz oben auf dem Titelbild ist übrigens nicht Quira, sondern Da Vinci, Emmis Halbbruder. Von Quira habe ich natürlich noch keine Reitfotos, da wir uns gerade erst kennenlernen.

Ein Leben ohne Reiten?

Ziemlich genau ein Jahr ist es jetzt her, dass ich mit dem Reiten aufgehört habe. Emmi wurde am 9. Mai 2017 besamt, 18 Tage später wurde festgestellt, dass sie trächtig ist. Danach bin ich sie nicht mehr geritten. Trotzdem war ich vorerst noch fast täglich im Stall, um sie anderweitig zu bewegen und von der Weide reinzuholen. Ich wollte Emmi eigentlich schon im April zur Besamung in den Aufzuchtstall, in dem sie und Fürstino aktuell stehen, bringen. Dort wäre sie in professionellen Händen gewesen und ich hätte mich entspannt zurücklehnen können. Das war schließlich der Gedanke hinter dem Besamen – ich wollte mich auf mein Examen konzentrieren und Emmi gut versorgt wissen, ohne sie reiten zu müssen. Leider wurde daraus nichts, da bei uns im Stall Druse ausgebrochen war und wir den Hof nicht verlassen konnten. Das Ganze zog sich von März bis August, bis ich Emmi endlich guten Gewissens umstellen konnte.

Ab da war es dann endlich so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das Pferd war weit weg, ich konnte meine Reitsachen auf dem Dachboden einmotten und bin einmal pro Woche zum Streicheln zu Emmi gefahren. Das mag jetzt furchtbar kaltherzig klingen, aber für mich war das so eine tolle neue Erfahrung. Ich wusste, dass es Emmi gut geht und sie endlich ein ganz natürliches Herdenleben führen konnte, bei dem ich für ihre Bewegung nicht mehr verantwortlich war. Im Oktober letzten Jahres konnte ich das erste Mal seit ich 12 Jahre alt bin, in den Urlaub fliegen, ohne dass ich vorher irgendetwas organisieren musste, was das Pferd betrifft. Plötzlich konnte ich ganz spontan am Wochenende wegfahren, ohne mich vorher mit meiner Reitbeteiligung abzusprechen oder eventuell noch eine Ersatzvertretung zu suchen. Für mich war das eine tolle neue Freiheit, die ich sehr genossen habe.

Im Dezember habe ich dann meine Examensklausuren geschrieben und direkt danach ging es bis Ende März dieses Jahres nach New York. Da das Examen in Verbindung mit den Vorbereitungen für NYC wirklich extrem zeitaufwendig war, war ich auch in dieser Zeit einfach froh, den Rücken frei zu haben und mich um alles Wichtige kümmern zu können. Während ich in New York war, habe ich Emmi natürlich vermisst. Der Druck des Examens fiel so langsam von mir ab und ich begann mehr und mehr darüber nachzudenken, wie es reiterlich weitergehen sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren das natürlich rein theoretische Überlegungen, denn ich hatte weder Reitsachen dabei noch besonders viel Lust bei -10 Grad zwei Stunden im Zug durch die Gegend zu fahren, um am Stadtrand von NYC für 100 Dollar pro Stunde reiten zu gehen. Zum Glück hat die Stadt genug anderes zu bieten, sodass ich zwar viel an Emmi gedacht habe, aber das Reiten so weit weg war, dass ich es nicht akut vermisst habe.

Seit ich zurück in Deutschland bin, hat sich das deutlich verändert. Ich hatte Ende April noch meine mündliche Prüfung, auf die ich mich wiederum voll und ganz konzentrieren musste und seitdem ist mir klar, dass ich dringend wieder aufs Pferd muss. Zwar gehe ich (einigermaßen) regelmäßig ins Fitnessstudio, unternehme viel mehr mit Freunden als früher und genieße es auch, Ruhe und Zeit für mich zu haben. Trotzdem hat mir Reiten als Sport einfach lange Zeit so viel Spaß gemacht, dass ich es nicht für immer aufgeben möchte. Nichts fordert so viel Konzentration, Einfühlungsvermögen und Körperbeherrschung gleichzeitig wie Reiten. Es ist für mich der einzige Sport, den ich nicht mache, um fit zu werden oder gut auszusehen, sondern einfach nur, weil er mir Freude macht.

In den letzten Jahren kamen bei mir einige unschöne Umstände zusammen und die Kombination hat dazu geführt, dass ich Emmi und das Reiten oft mehr als Last denn als Hobby empfunden habe. Um die positiven Seiten wieder zu sehen, war es absolut richtig zum ersten Mal in meinem Leben so eine lange, bewusste Pause einzulegen. Umso schöner ist es auch, jetzt ganz deutlich zu spüren, dass es an der Zeit ist, diese Pause zu beenden und wieder neu anzufangen. Daher bin ich sehr froh, dass ich ab sofort wieder regelmäßig reiten werde. Dazu wird es in den nächsten Tagen jedoch noch mal einen extra Beitrag geben.

 

Anatomische Trensen im Test

Dies ist ein Gastbeitrag unserer Leserin Lessa. Lessa verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihrer Fuchsstute Fienchen, mit der sie vorwiegend im Dressurviereck oder im Gelände unterwegs ist. Darüber berichtet sie täglich auf Ihrer Instagram-Seite www.instagram.com/fuchs_teufelslieb.

Autorin Lessa mit ihrer Stute Fienchen

Das Wohl des Pferdes sollte für uns Reiter immer an erster Stelle stehen. Dahingehend hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Dies ist meines Erachtens selbstverständlich, denn der Reitsport steht bekanntlicherweise unter ständiger kritischer Beobachtung der Öffentlichkeit, nachdem Skandale um Rollkur und Co kein gutes Licht auf unseren geliebten Sport geworfen haben.

Umso wichtiger ist es, dass wir verantwortungsvoll mit unseren Vierbeinern umgehen. Auch die Reitsportindustrie hat dies erkannt, stellt alte Gewohnheiten in Frage und entwickelt sich immer mehr in Richtung pferdefreundlicher Produkte. Stübben ist ein hervorragendes Beispiel für die oben beschriebene begrüßenswerte Entwicklung. Seit 120 Jahren produziert das Unternehmen Pferdesportzubehör – seit wenigen Jahren nun auch innovative, stark anatomisch orientierte Produkte wie z.B. die Trense „Freedom“, die hier auf dem Blog bereits in diesem Beitrag vorgestellt wurde.

Im heutigen Beitrag geht um einen Vergleich von drei anatomischen Trensen, die aktuell auf dem Markt sind.

Ich war auf der Suche nach einem neuen Kopfschmuck für meine Stute Fienchen, die seit einiger Zeit ihren Unmut gegenüber des alten Modells geäußert hatte. Sobald sie schwitzte, wollte sie das Ding einfach nur noch loswerden. Durch Schubbern, wenn etwas Geeignetes in der Nähe war, oder sogar durch Treten in Richtung des Kopfes. Ich wollte wissen, ob es an Schnitt, Lederqualität oder Passform der alten Trense liegt, oder ob es einfach eine Unart ist, um angepasst auf ihr Verhalten reagieren zu können.

Da meine Stute generell sehr sensibel am Kopf (insbesondere im Genick) und auch fein im Maul ist, suchte ich nach sanften und anatomischen Trensen aus pflanzlich gegerbtem und nicht rundgenähtem Leder (auch wenn ich letzteres einfach wunderschön finde, führt es erwiesenermaßen zu stärkeren Druckpunkten).

Getestet wurden folgende Trensen

„Equitus Alpha“ von Schockemöhle  

 

„Paladin“ von PS of Sweden 

 

„Switch“ von Stübben
Herstellerbeschreibung
· anatomische Spezialtrense mit neuartiger Passform

· geschwungenes Reithalfter umgeht den Hauptgesichtsnerv

· weich unterlegtes Genickstück mit viel Ohrenfreiheit

· geschwungenes Stirnband mit extra-weiter Passform zur Vermeidung von Druck im Augen-Ohren-Bereich

· freie Atmung durch neu positionierten Sperrriemen

·  Nasenriemen mit maximaler Freiheit der Jochbeinleiste und den dort verlaufenden Nervenenden

· Abnehmbarer Sperrriemen

· Weit geschnittenes und gepolstertes Genickstück für maximale Bewegungsfreiheit der Ohren

· Backenstücke mit Elastikeinsatz an der Gebissaufhängung

· Stirnband kann mithilfe eines Druckknopfs ausgetauscht werden

·  2in1 Option: Umbaumöglichkeit zur Kandare (Sperrriemen und Kandaren-Backenstücke abnehmbar)

· zurückgeschnittenes, anatomisches Genickstück mit Spezialpolsterung zur Druckentlastung

· kombiniert geschweiftes Reithalfter mit doppelseitigem Verschluss und abnehmbarem Sperrriemen

·  Auf Wunsch inkl. Magic Tack Magnet-Stirnband Swing und Inlay einreihig Crystal

 

Passform & Größe

„Equitus Alpha“ von Schockemöhle ★ ★ ★ ✰ ✰
„Paladin“ von PS of Sweden ★ ★ ★ ★ ✰
„Switch“ von Stübben ★ ★ ★ ★ ★

Die Equitus passt generell sehr gut und die Größe WB entspricht auch einem Warmblutkopf, der Nasenriemen ist gut verstellbar. Abzüge gibt es, weil die Aufhängung des Gebisses am Nasenriemen befestigt und die Verstellmöglichkeit der Gebisshöhe dadurch eingeschränkt ist.  Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Zügelhilfe so nicht nur aufs Maul, sondern auch auf die Nase des Pferdes wirkt. Das führt bei meinem Sensibelchen dazu, dass sie zeitweise hinter die Senkrechte kam.

Schockemöhle Trense „Equitus Alpha“

 

Die Paladin passt insgesamt gut, die Größe WB fällt jedoch sehr klein aus, sodass sie an Fienchens zierlichem Warmblutkopf bereits in den unteren Löchern verschnallt war. Ich könnte mir vorstellen, dass die Verstellmöglichkeit bei normalen bis kräftigen Warmblutköpfchen an ihre Grenze stößt.

PS of Sweden „Paladin“ Trense

 

Die Switch passt sehr gut, lässt sich durchgehend und großzügig verstellen. Einen Stern Abzug gibt es, weil der Kehlriemen für mein Empfinden sehr lang ausfällt. Perfekt wäre es, wenn auch dieser beidseitig verstellbar wäre und man ihn 3-5 Finger breit kürzer schnallen könnte.

Stübben „Switch“ Trense

 

Qualität & Verarbeitung

„Equitus Alpha“ von Schockemöhle ★ ★ ★ ★ ✰
„Paladin“ von PS of Sweden ★ ★ ★ ★ ✰
„Switch“ von Stübben ★ ★ ★ ★ ★

Alle drei Trensen sind aus pflanzlich gegerbtem Leder. Das war mir persönlich sehr wichtig, um auszuschließen, dass der Juckreiz meiner Stute von chemischen Substanzen am Leder kommt.

Ich fand die Switch von der Lederqualität her am besten. Das Leder war sofort butterweich und sehr anschmiegsam – insbesondere der Nasenriemen hat mich überrascht – dieser ist wirklich mit großem Abstand der weicheste der drei Trensen. Das Genickstück gefällt mir sehr gut – das Polster ist an beiden Seiten des Genicks recht dick und verfügt mittig über eine Aussparung, um den Druck zu reduzieren.

Das Leder der Equitus ist auch recht anschmiegsam – wenn auch einen Tick weniger als das der Switch, das schmale Genickstück ist sehr weich unterlegt. Der Nasenriemen könnte für mein Empfinden noch etwas weicher unterlegt sein. Mir persönlich ist das Genickstück zu schmal.

Die Paladin hat mich von der Lederqualität her ein wenig enttäuscht. Nach vielen positiven Testberichten hatte ich große Erwartungen in PS of Sweden. Diese wurden leider nicht erreicht, denn ich  fand die Qualität eher der gehobenen Mittelklasse entsprechend. Bei einem Preis von 299€ hätte ich mir die Luxusklasse gewünscht. Was mir dennoch ganz gut gefallen hat, ist dass das Leder sehr schön glänzt. Man könnte meinen, es hat einen leichten Brushed-Effekt. Daher gibt es gerade noch so 4 Sterne.

PS of Sweden „Paladin“ – Es juckt immer noch

 

Preis

„Equitus Alpha“ von Schockemöhle ★ ★ ★ ★ ✰
„Paladin“ von PS of Sweden ★ ★ ★ ✰ ✰
„Switch“ von Stübben ★ ★ ★ ✰ ✰

Eins vorab: keine der drei Trensen ist günstig. Und da keine der drei Modelle mit Zügeln geliefert wird, obwohl alle zwischen 250 und 350€ kosten, konnten hier keine 5 Sterne vergeben werden.

Die Equitus ist mit einem UVP von 249€ die günstigste Trense. Im Mittelfeld reiht sich die Paladin mit 299€ UVP ein. Die teuerste Trense ist die Switch mit 349€. Nimmt man sie jedoch ohne den Magic Tack Stirnriemen, kann man 50€ abziehen und kommt auf den gleichen Preis wie bei der Paladin, nämlich auf 299€. Wenn man bedenkt, dass man sie sowohl als Kandare, als auch als Trense verwenden kann, relativiert sich der Preis etwas.

PS of Sweden „Paladin“

 

Fazit

Eins vorweg: Wie bei jedem Zubehör, sollte die Trense zu Pferd und Reiter passen. Da wir alle keine Maschinen sind, ist kein allgemeingültiges Urteil möglich, es gibt nicht DIE ultimative Trense und jeder muss das für sich und sein Pferd passende Produkt finden. Manche Pferde mögen breite Genickstücke lieber, andere schmale. Manche kommen mit mehr Druck auf dem Nasenriemen besser klar, andere nicht. Manche Reiter mögen lieber einen modernen Look, andere den klassischen…

Für Fienchen und mich ist die Gewinnerin unseres Tests mit Abstand die Stübben Switch! Obwohl wir diese eher unbekannte Trense nur durch Zufall entdeckt haben, hat sie uns sehr schnell durch ihre hervorragende Qualität und die weiche Polsterung in Kombination mit ihrer anatomischen Form – insbesondere an Genickstück und Nasenriemen – überzeugt. Dass sie dabei auch noch sehr klassisch-elegant aussieht, freut mich als Dressurreiterin natürlich sehr. Außerdem haben wir uns, falls wir irgendwann mal die Kandarenreife erreichen sollten, die Anschaffung eines entsprechenden Zaums bereits gespart.

Fienchen läuft sehr entspannt und locker im Genick mit dieser Trense. Insbesondere im Schritt ist sie gefühlt in der Anlehnung konstanter und zufriedener geworden. Wo mit der alten Trense schon mal der ein oder andere unzufriedene Schritt in Richtung Pferdekopf (oder der Kopf in Richtung Huf) ging, bleibt sie nun eher bei mir. Damit war das Projekt Trensenkauf durchaus erfolgreich. Die alte rundgenähte Trense aus nicht pflanzlich gegerbtem Leder wird uns verlassen müssen und wir heißen das neue Familienmitglied Switch herzlich willkommen.

Lessa, Fienchen & die neue Trense

Dieser Testbericht steht in keiner Verbindung zu PS of Sweden, Schockemöhle oder Stübben und stellt lediglich die ehrliche Meinung der Autorin dar. Weder haben wir die Produkte gesponsert bekommen noch werden wir für diesen Beitrag in irgendeiner Weise bezahlt.

Umzug auf die große Weide

Ich bin euch mal wieder ein Update vom kleinen Fürstino schuldig! Gesundheitlich ist er wieder voll auf der Höhe und topfit. Das ist natürlich das Wichtigste! Er ist am Wochenende auf die große Weide nebenan umgezogen und steht nun mit den ganzen älteren Fohlen und ihren Mamas zusammen. Ich hatte ja etwas Bedenken, ob er sich da behaupten kann. Das war allerdings völlig unbegründet, denn er ist frech wie eh und je und mischt auch die älteren Kollegen ordentlich auf. Bei der Hitze aktuell ist es tagsüber eher ruhig auf der Weide und abends geht es dann so richtig ab. Dieses süße Video habe ich gestern aus dem Stall bekommen:

Wie ihr seht, geht es ihm also prächtig und er wächst und gedeiht. Er versucht auch schon fleißig Gras zu fressen, was jedoch nur mittelmäßig gelingt. Ich bin so froh, dass er in so einer großen Herde aufwachsen kann und eine unbeschwerte Kindheit genießt. Apropos unbeschwert: Am 23. Juni stünde eigentlich die Fohlenschau an. Ich denke aber nicht, dass ich dorthin fahren werde. Fürstino ist noch immer ein ganzes Stück kleiner und schmächtiger als seine Kollegen und ich denke, das wird sich bis dahin auch nicht mehr ändern. Außerdem gibt es dort keine Fohlenprämie, sondern nur Siegerfohlen und sonst nichts. Da so eine Fohlenschau ja auch einen nicht unerheblichen Stress für Fohlen und Stute bedeutet und ich mein Fohlen sowieso nicht verkaufen will, muss ich mir also noch mal ganz genau überlegen, ob sich der Aufwand lohnt.

Emmi geht es ebenfalls sehr gut und sie ist total entspannt geworden. Am Anfang konnte der Kleine ihr keine 2 Meter von der Seite weichen, ohne dass sie sofort hinter ihm her getrabt ist. Das hat sich aber ganz schnell gelegt, sodass er jetzt durchaus mal 100m von ihr entfernt rumbockt. Während Fürstino herumtobt, frisst sie ganz in Ruhe und lässt ihn die Welt erkunden. Durch das fette Gras hat sie seit der Geburt schon einiges zugelegt. Aber ich denke, das kann sie die nächsten Monate auch gut gebrauchen, der Kleine will schließlich alle 10 Minuten trinken und die Milchproduktion verlangt ihr einiges an Energie ab.

Ansonsten gibt es momentan nicht viel Neues zu berichten. Ich arbeite langsam die ganzen Besucher ab. Seit der Geburt war ich eigentlich kaum noch allein bei den beiden. Alle meine Reiterfreunde, die Familie und irgendwie auch alle sonstigen Freunde wollen den Kleinen gern kennenlernen. Ich freue mich natürlich über das große Interesse und kann gut verstehen, dass jeder den kleinen Mann mal live erleben will. Trotzdem bin ich ganz froh, wenn ich bald mit allen wichtigen Menschen einmal dort war und wieder ein bisschen Ruhe einkehrt.

Kleine Sorgen um Fürstino

17 Tage ist der kleine Fürstino nun schon alt, es wird also dringend Zeit für ein Update! Wie ich euch auf Facebook und Instagram bereits berichtet hatte, hatte der kleine Mann mit ein paar gesundheitlichen Problemchen zu kämpfen. Zum Glück nichts Schlimmes oder Ungewöhnliches, aber ihr kennt mich ja und könnt euch sicher denken, dass ich trotzdem besorgt war.

Fürstino hatte letzte Woche Mittwoch etwas gelben Rotz in der Nase. Als der auch am Donnerstag noch nicht verschwunden war, habe ich sicherheitshalber den Tierarzt gebeten, ihn sich einmal anzusehen. Der Kleine hatte zum Glück kein Fieber. Auch die Lunge war beim Abhören unauffällig. Dennoch riet er mir dazu, Antibiotikum zu spritzen. Da bei dem Snap-Test festgestellt wurde, dass er nicht so viele Abwehrkräfte hat, wäre man damit auf der sicheren Seite. Man kann sicherlich diskutieren, ob das Antibiotikum wirklich nötig war oder ob man sich das für schlimmere Fälle aufsparen sollte. Allerdings war er nun gerade 10 Tage alt und wirklich nicht besonders kräftig. Und da er mein erstes Fohlen ist, bin ich lieber etwas vorsichtiger. Daher bin ich der Empfehlung des Tierarztes gefolgt und Fürstino hat 2x Antibiotikum bekommen. Nach der zweiten Spritze war der Rotz auch schon fast komplett weg.

Anfang dieser Woche dann der nächste Schreck: Sein kompletter Po war dreckig, weil er fürchterlichen Durchfall hatte. Meine erste Vermutung war, dass es am Antibiotikum liegen könnte. Ich bin aber nicht auf die Idee gekommen, nachzugucken, ob Emmi noch rossig ist. Die erste Rosse nach der Geburt tritt in der Regel 5-15 Tage nach der Geburt auf und wird Fohlenrosse genannt. Ich dachte eigentlich, dass Emmi mit der Rosse schon lange durch wäre. Viele Fohlen bekommen währenddessen Durchfall, aber wie genau beides zusammenhängt, ist anscheinend nicht eindeutig geklärt. Ich habe versucht das zu recherchieren und bin dabei auf die interessante Info gestoßen, dass auch mit der Flasche aufgezogene Fohlen in diesem Zeitraum zu Durchfall neigen. Daher vermutet man, dass es mit einer Umstellung der Damflora zusammenhängt, weil diese sich in dem selben Zeitraum stark verändert. Jedenfalls ist dieser Durchfall ganz normal und muss nicht behandelt werden.

Als ich ihn am Mittwoch besucht habe, waren zum Glück sowohl Rotz als auch Durchfall verschwunden. Außerdem hat der Kleine richtig gut zugelegt und vor allem am Po ordentlich Muskulatur aufgebaut. Bald ist er dann auch nich mehr der Kleinste auf der Weide 🙂

Ich habe es auch endlich geschafft, den Vlog von Fürstinos drittem Tag zu bearbeiten und hochzuladen. In dem Video seht ihr ein paar Impressionen von seinem ersten Weidegang. Ich bin mir momentan noch nicht sicher, ob ich die Vlogs weitermachen werde. Einerseits ist es eine schöne Erinnerung für mich selber, weil die Zeit gerade einfach total besonders ist. Auf der anderen Seite würde es mir dafür auch reichen, das Fohlen zu filmen und ich müsste nicht so viel in die Kamera reden. Das fällt mir nämlich noch schwer und ich finde es nach wie vor ziemlich affig. Außerdem hadere ich mit der Qualität und müsste mir dringend eine vernünftige Vlog-Kamera zulegen. Und einen Filmer, der nicht die Finger vor die Linse hält :D. Alles nicht so einfach! Was meint ihr, guckt ihr gerne mal Vlogs oder reichen euch die Beiträge völlig aus?